Donnerstag, 30. April 2015

Vorbild Merkel


 Die Bundeskanzlerin ist anders als ihr Vorgänger keine Macherin, sondern eine perfekte Beharrerin.
Alles soll so bleiben wie es ist, niemanden soll etwas zugemutet werden, man ergeht sich in bräsiger Zufriedenheit, blendet eigenes Fehlverhalten aus und über die Elenden der Gesellschaft redet man zwar mit Pathos in der Stimme, aber man würde nie tatsächlich etwas unternehmen, um die Schuldigen an diesem Elend zu verprellen.

Die fromme Protestantin Merkel ist somit das ideale Vorbild für die Evangelische Kirche in Deutschland.
Auch für sie gilt: Mit minimalen Aufwand die größtmögliche Anziehungs-Trägheit zu entfalten.
Daß sich immer weniger Menschen Sonntags die Kirchen von innen ansehen, daß man intellektuell verkümmert ist eher bequem als beunruhigend – solange die Kirchensteuermilliarden weiterhin fließen und die Topkleriker ihre prestigeträchtigen Posten behalten.

Glücklicherweise war ich noch nie auf einem evangelischen Kirchentag, aber die von dort via TV übertragenen Events haben mich mit ihrer tumben Primitivsymbolik und der erschreckenden kunst-antagonistischen akustischen Folter schwer verstört.

Schließlich leidet die Evangelische Kirche nachhaltig unter dem intellektuell dürftigen Niveau ihrer Top-Kleriker.
Offensichtlich wird jeder, auch wenn er in der Schule nur Singen und Klatschen belegt hat, zum Theologiestudium zugelassen und umso schneller zum Pastor gemacht, je mangelhafter seine Allgemeinbildung ist.
(…….)
Möglicherweise ist es tatsächlich so, daß der intellektuelle Niedergang der evangelischen Theologie, der in Huber und Käßmann ihre Apotheose fand, die eigentlich noch absurderen Katholiken (Zölibat, Primat des Papstes, Frauen-Ausschluss,..) in Relation gut dastehen läßt.

Im aktuellen SPIEGEL (15/2015 vom 04.04.2015) gibt es ein vierseitiges Doppelinterview mit dem EKD-Chef Bischof Heinrich Bedford-Strohm und dem Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster unter anderem zum Thema „militanter Islam“.
Gratulation auch an die morialogische Glanzleistung des SPIEGELS zum Thema Gewalt im Islam von Juden und Christen nur ÜBER den Islam zu sprechen und nicht MIT ihm; ein muslimischer Vertreter darf gar nicht erst mitreden.
An einen Humanisten oder Atheisten wird ohnehin gar nicht gedacht.
Die Redakteure Frank Hornig und Katja Timm stellen die üblichen harmlosen Fragen nach Integration und Glaubensferne.
Ein Freifahrtschein für die beiden Top-Religioten zu überzeugen und für sich zu werben.
Schuster, als Vertreter einer in Deutschland sehr kleinen Minderheit schlägt sich nicht schlecht, fällt zumindest nicht durch besondere Doofheiten auf.
Aber der Nachfolger von Huber, Käßmann und Schneider gibt Plattitüden von sich, daß man immerhin wunderbar Heinz-Werner Kubitzas Essay wider die Theologie als „Wissenschaft“ bestätigt bekommt.
Bedford-Strohm ist Professor und demonstriert eine Anti-Intellektualität, daß er jeden Denkenden aus der Kirche treiben muß. (…..)

(……….) Der Niedergang des deutschen Protestantismus ist vermutlich unaufhaltsam.
Der Grund ist, daß es einfach keine sympathischen Führungspersönlichkeiten in der EKD gibt.
Die Laien werden von Politikern dominiert, die sich aus dem unsympathischsten Bodensatz ihrer jeweiligen Parteien rekrutieren: Volker Kauder, Hermann Gröhe, Günther Beckstein, Kathrin Göring-Kirchentag, Irmgard Schwätzer (FDP), Christoph Matschie (SPD), Kerstin Griese (SPD), Josef Philip Winkler (Grüne), Pascal Kober (FDP) oder Stefan Ruppert (FDP) sind die schlimmen Namen.

Bei den Theologen der EKD sieht es sogar noch düsterer aus: Huber, Schneider, Käßmann, Bedford-Strohm oder gar Petra Bahr heißen die Menschenschrecker, die meistens in die Talkshows geschickt werden.
Kein Wunder, daß die Gläubigen schneller aus der EKD flüchten als aus der zölibatären Kinderficker-RKK. (………….)

Konsequenterweise wurde Plapperista Käßmann als BILD-Kolumnistin genau dort geparkt, wo sie intellektuell hingehört  - bei F.J. Wagner und Kai Diekmann.

EKD-Chefphlegmatiker Bedford-Strohm huldigt diesem Niveau-Limbo nun auch mit der neuen Denkschrift „Solidarität und Selbstbestimmung im Wandel der Arbeitswelt.“
Möglichst wolkig und mit dem erkennbaren Bemühenen niemand vor den Kopf zu stoßen haben die EKD-Oberen einen Allgemeinplätzchenbrei zusammengerührt, den jeder zunächst einmal unterschreiben würde, dann aber auch möglichst schnell wieder vergessen wird.

Zur Sicherheit ist sie auch mit einer Schutzgebühr von € 5.99 versehen, so daß kein kritischer Blogger per Zufall angesurft kommen kann und nachliest.

Das was frei zur Verfügung steht, ist an Banalität nicht zu überbieten:

Es hätten „evangelische Maßstäbe ethischer Verantwortung in der Arbeit für aktuelle Entwicklungen in der heutigen Arbeitswelt“ zu gelten – wie ungeheuer überraschend für ein EKD-Papier.

Gewerkschaften seien „Akteure für eine menschengerechte Arbeitswelt“. Potzblitz. Kein Bundestagsabgeordneter von Links bis CSU würde widersprechen.

Die „Würde der Arbeit“ läge im „Gemeinschaftswerk aller“ und müsse „in Selbstbestimmung, Kooperation und Solidarität erbracht werden können. Nicht das rastlose Tätigsein als solches ist das Ideal des Christlichen, sondern die sinnvolle Einbeziehung aller Menschen in eine Wirtschaft, die mit allen geschieht“ – soweit EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm.
Mehr blabla geht nicht, wollte ich gerade bemerken, aber dann läßt der EKD-Chef auch noch den merkeligsten aller Merkel-Sätze fallen:
Im Zentrum der Arbeitsorganisation müsse der einzelne Mensch stehen!
Das hat er offenbar direkt vom Phrasenautomat der Merkel-Redenschreiber generieren lassen.
Und es geht genauso einschläfernd weiter auf der EKD-Homepage:

Im Blick auf die aktuellen Entwicklungen in der Wirtschaft kritisiert die Denkschrift vor allem die gewachsene soziale Ungleichheit. Zwar sei die Lage auf dem Arbeitsmarkt insgesamt erfreulich. […]
Als problematisch bezeichnet die Denkschrift die unterschiedliche Entwicklung von Kapital- und Arbeitseinkommen sowie die gestiegene Einkommensungleichheit. Gerade in der Arbeit gelte es weiter, Armut zu bekämpfen, so Bedford-Strohm. „Die Grenze ist erreicht, wenn sich ein einzelner Mensch von seiner Vollzeitarbeit nicht ernähren kann.“ […] Die Denkschrift betont auch die gemeinsamen Aufgaben von Kirche und Gewerkschaften in der Umsetzung einer Gesellschaft der „gerechten Teilhabe“.

Gähn, man braucht wirklich starken Kaffee, um nach so einer Verbal-Tranquilizer-Attacke wieder wach zu werden.

Daß die Kirchen als zweitgrößter Arbeitgeber Millionen Arbeitnehmer entrechten, indem sie ihnen Streik und die Einhaltung des gesetzlichen Arbeitsrechts verweigern, nach diskriminierenden Maßstäben einstellen (Keine Juden in kirchlichen Einrichtungen erwünscht!) und in ihren Einrichtungen unter Tarif bezahlen, verschweigen die EDK-Herren mit ihrem fünfstelligen Monatsgehältern.

Was für ein Elend.
Wie tief kann die EKD eigentlich noch sinken?
Statt auch nur einen aufrüttelnden Satz zu formulieren, mäandern die Lutheraner konsequent unter dem Aufmerksamkeitsradar hindurch.
Diese Denkschrift ist lediglich eine Schlafschrift und wird zu Recht in der Presse so gut wie gar nicht erwähnt.
Eine Diskussion löst sie garantiert nicht aus. Dazu ist sie zu rundgelutscht.
Es gibt nichts, das zum Aufreger taugte.

Selbst der superfromme SZ-Katholik Drobinski lässt so viel Langweile nicht durchgehen.

Die Denkschrift zur Arbeit ist ein harmloses Stück Papier.[….] Sie riskiert nichts, sie provoziert kein Nachdenken. Sie hofft aufs Kopfnicken.
[….] Dies aber ist kein Dokument, mit dem die evangelische Kirche etwas bewegen will. Sie will befrieden. Sie sucht den inneren Konsens, sie ist freundlich zu den Gewerkschaften, ohne die Arbeitgeber zu vergrätzen. Sie geht nicht an den Rand, sie sucht die ruhige Mitte, und das in einem Nominalstil, der Jesus gegraust und Luther erzürnt hätte.



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