Freitag, 20. September 2019

Behinderte vs Behinderung

Frauen sind deutlich langlebiger als Männer; sie haben eine robustere Physiologie und auch eine stabilere Psyche.
Während Witwer verkümmern und hilflos sind, können Witwen sich anpassen überleben.

In Deutschland ist dieses Phänomen besonders aus den beiden Weltkriegen bekannt.
Religiös indoktrinierte geschlechtliche Rollenzuweisungen gaben Frauen eine dienende und unselbstständige Position in der Gesellschaft. Wenn aber durch Nationalismus und Größenwahn Millionen Männer an die Front geschickt wurden, mussten Frauen aufgrund der außergewöhnlichen Umstände die Rollen ihrer Ehemänner ausfüllen und konnten das so gut und so selbstständig, daß die möglicherweise erst nach Jahren zurückkehrenden Männer verzweifelten. Sie fühlten sich ihrer Großartigkeit und Unersetzlichkeit beraubt, wenn sie feststellen mussten, wie gut es auch ohne sie ging und konnten sich anders als ihre Eheweiber schlecht an die neuen Umstände anpassen.

Wir Männer haben schließlich nur ein Y-Chromosom, das zwar eigenständig klingt, aber bloß ein verkümmertes, krüppeliges, amputiertes X-Chromosom der Frauen ist.
Allerdings haben wir einen biologischen Vorteil; wir produzieren ununterbrochen Fortpflanzungszellen und können daher verschwenderisch mit Spermien um uns werfen. Hat man mal alle durch die Samenleiter gejagt, muss man nur ein bißchen warten während man Frische nachproduziert.

Frauen können das nicht, sie werden schon mit ihrer Gesamtzahl an Eizellen geboren. Ein bis zwei Millionen Stück sind schon im Embryo vorhanden. Lächerlich wenige; ein Mann spült bei einer Ejakulation bis zu 300 Millionen Samenzellen raus.
Die Eizellen der Damenwelt sind also nicht nur irgendwann endgültig alle – nach dem Klimakterium ist es vorbei mit der Fortpflanzung – sondern sie werden auch noch alt.
Bekommt eine Frau mit 40 oder 45 Jahren ein Kind, ist die Eizelle eben auch schon 40 oder 45 Jahre alt. Und besser werden menschliche Zellen nun einmal nicht.
Daher kommt der Begriff „Risikoschwangerschaft“. Je älter das Ei, desto höher die Wahrscheinlichkeit, daß es schon ein bißchen angeditscht, schadhaft oder schwach ist.

 […..] Die Wahrscheinlichkeit, ein Kind mit dem Down-Syndrom (Trisomie 21) zu bekommen, nimmt mit dem Alter der Mutter zu: von 0,006 Prozent bei 20- bis 24-jährigen Müttern auf 0,5 Prozent bei 30-Jährigen und zwei Prozent bei 40-Jährigen.
Auch das Risiko für Fehlbildungen, Früh- und Fehlgeburten steigt mit zunehmendem Alter der Mutter. Beispielsweise steigt die Rate an Fehlgeburten von etwa neun Prozent im Alter von 20 bis 25 Jahren auf 20 Prozent aller Schwangerschaften bei den 35-jährigen Frauen.
Abgesehen davon treten mit steigendem Alter der Mutter auch Schwangerschaftskomplikationen häufiger auf. Das betrifft vor allem schwangerschaftsbedingten Bluthochdruck, Eiweißausscheidung im Urin, Schwangerschaftsdiabetes und Funktionsstörungen des Mutterkuchens mit Unterversorgung des Kindes (Mangelgeburt). […..]
(TK)

Die moderne Medizin kann diese ganz natürlichen Risiken manchmal abmildern und gelegentlich auch ganz beheben.

Noch einmal zur Erinnerung: Die menschliche Natur, die Natürlichkeit ist nicht unbedingt das, was mit zivilisatorischen Werten und Wünschen vereinbar ist. Unnatürlich ist gut!

(….) Natürlichkeit verträgt sich allerdings nicht mit Zivilisation. Es wäre auch natürlich, daß Menschen ohne Zähne verhungern oder daß alte Menschen sehr oft blind werden.
Die Zivilisation ist aber unnatürlich. Deswegen bekommen in Hamburg Menschen mit Grauem Star eine Cataract-Operation. Wie am Fließband werden in einem kleinen ambulanten Eingriff neue Linsen eingesetzt und dabei auch gleich die Kurzsichtigkeit korrigiert.
Wir lassen der Natur eben nicht ihren Lauf, sondern greifen ein. Wir implantieren Zähne, passen Hochleistungshörgeräte und Cochlea-Implantate an, setzen Defibrillatoren und Pacemaker in die Brusthöhle, entfernen Tumore aus Prostata und Dickdarm. All das ist völlig unnatürlich und in der Geschichte der Menschheit sehr neu. Aber der evolutionäre Humanismus verlangt solche technischen Korrekturen an der natürlichen Biologie.
Dementsprechend wollen wir auch Kindersterblichkeit in Deutschland möglichst nicht akzeptieren – auch wenn das ein natürlicher Ausleseprozess wäre.
In vielen moralischen Aspekten ist Unnatürlichkeit überlegen.
Das betrifft den Beginn genauso wie das Ende des Lebens, welches wir mit Opiaten und Morphinen erheblich angenehmer gestalten, als es natürlich wäre.

Es ist natürlich Kinder aus Versehen zu zeugen, sie durch Verhütungsmittelfehlfunktionen zu generieren, sie aufgrund einer Gewalttat zu erschaffen. Das geht ganz leicht. Zehnjährige Mädchen werden ohne den Vorgang zu verstehen von ihrem elfjährigen Bruder geschwängert, oder es ist jemand nach einer nächtlichen Sauftour schwanger, ohne sich überhaupt zu erinnern Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. In vielen Teilen der Welt gibt es Massenvergewaltigung im Zuge ethnischer Kriege.
Die Kombination von Ei und Samenzelle zu einem neuen Leben funktioniert ohne Liebe, ohne Ethik, ohne Religion, ohne Vertrag und ohne Vertrauen. (……)

Um festzustellen, ob bei einer Schwangerschaft möglicherweise ein Fötus mit einer Trisomie gebildet wurde, gab es lange Zeit nur die Fruchtwasseruntersuchung.
Das ist eine invasive Methode, die das Risiko einer Fehlgeburt erhöht.

Neuer ist ein spezieller Gentest.

[….] Der nicht-invasive Pränataltest (NIPT) wird seit 2012 angeboten. Dabei wird der Schwangeren eine Blutprobe aus der Armvene entnommen und im Labor untersucht. Im Blut findet man DNA-Fragmente des Fötus, die herausgefiltert und analysiert werden. Gesucht wird nach den häufigsten Chromosomen-Abweichungen Trisomie 21 (Down-Syndrom), Trisomie 13 und Trisomie 18, die mit sehr hoher Sicherheit festzustellen sind.
In Deutschland gibt es mittlerweile mehrere Anbieter solcher Bluttests. Die Erkennungsrate für Trisomie 21 liegt bei diesen Tests bei mehr als 99 Prozent, die falsch positiven Befunde liegen im Bereich von 0,1 bis 0,2 Prozent. Für Trisomie 18 (Erkennungsrate von 98 bis 100 Prozent) und Trisomie 13 (Erkennungsrate von 80 bis mehr als 99 Prozent) gibt es ähnliche Werte. [….]
(FR, 19.09.2019)   

Der NIPT ist teuer und so gilt es als kleine Sensation, daß gestern der nahezu allmächtige gemeinsame Bundesausschuss gBA dafür stimmte unter genau definierten Bedingungen NIPT als Kassenleistung einzustufen.
Kirchen und Behindertenverbände laufen Sturm.
In meinen täglichen Zeitungen lese ich empörte Kolumnen Down-Syndrom-Vätern, die ihre Kinder herabgesetzt sehen und die große moralische Eugenik-Keule schwingen. Damit wolle man den Wert ihrer Kinder „schmälern“.

[…..]  Als Vater eines mittlerweile fünfjährigen Jungen mit dieser genetischen Besonderheit kann ich sagen: In dem Moment, als die Diagnose raus war, waren wir voller Angst und Unsicherheit, unwissend, was da auf uns zukommt. […..] Denn unsere Gesellschaft ist noch lange nicht so weit, behindertes Leben als grundsätzlich lebenswert zu empfinden. Das zeigt die Erfahrung meiner Familie in den vergangenen fünfeinhalb Jahren. […..] Am Ende kann ich zwar nur unser Leben mit unserem Sohn – er heißt Rick – beurteilen. Aber dieses Leben macht Spaß. So einfach ist das. Na klar, Rick kann furchtbar nerven. Welches Kind kann das nicht? Rick findet es auch – ganz Downsyndrom-typisch – furchtbar witzig, einfach ohne erkennbares Ziel wegzurennen. Er ist bei Weitem noch nicht so selbstständig wie seine „normale“ Zwillingsschwester. Und er verursacht technokratischen und bürokratischen Stress, dem sich Familien mit „normalen“ Kindern nicht aussetzen müssen.
[…..] Schmälert all dies Ricks Wert als Mensch? Ist es richtig, Menschen wie Rick die Chance zu nehmen, einfach so zu sein, wie sie sind? […..] Überhaupt: Wie weit wollen wir in die Prozesse der Natur eingreifen, nur weil wir es können? Rein statistisch betrachtet hat schließlich jedes 800. Kind das Down-Syndrom. Es läuft dabei also nichts schief-, sondern nur anders als bei der von uns festgelegten Norm. Damit gehört das Down-Syndrom aber letztlich auch zur Normalität. […..]
(RND/Mopo/ Dr. Sebastian Harfst 20.09.19)

An anderer Stelle wird auf Island verwiesen; dort wird der NIPT schon lange von den Krankenkassen bezahlt mit der Folge, daß so gut wie keine Kinder mit Down-Syndrom mehr geboren werden.
Das sei zutiefst amoralisch.

Dr. Harfst, das weise ich empört zurück. Genau wie die Kirchen verwechselt er Kranke und Krankheit, Behinderung und Behinderte.

Niemand hat etwas gegen Behinderte, will den „Wert“ eines Menschen mit Trisomie 21 schmälern. Im Gegenteil, ihnen gebührt Achtung wie jedem anderen auch.
Mit Behinderungen umzugehen, indem man sie als eben nicht „unnormal“ behandelt, sondern sie inkludiert, also in das gesellschaftliche Leben einbezieht, ohne sie zu diskriminieren, ist ein zivilisatorischer Fortschritt.
Die längste Zeit in den letzten 2.000 Jahren wurden mit offensichtlichen Behinderungen geborene Babys gleich ins Meer oder die Klärgrube geworfen, oder bestenfalls weggesperrt in Irrenanstalten.
Das war der „christliche Weg“.
Kein Humanist würde das auch nur annähernd befürworten.
Jeder Mensch mit einer Krankheit/Behinderung ist schützenwert und hat die gleiche Würde wie jeder andere.

Aber man bekämpft die Krankheit.

Es ist eine Unverschämtheit, wenn ausgerechnet konservative Christen denjenigen, die sich um Linderung eines Leidens bemühen niedere Motive unterstellen.

[….] Der Bundesverband Lebensrecht kritisiert den Test, da er Menschen mit genetischen Besonderheiten wie etwa der Trisomie 21 "diskriminiert und selektiert". Die Evangelische Behindertenhilfe warnt vor gesellschaftlichen Folgen bei einer Zulassung als Regeluntersuchung. In diesem Falle müssten umfassende Beratungs- und Unterstützungsangebote für Eltern und spezifische Hilfen für Familien mit einem Kind mit Behinderung geschaffen werden. Sonst liefen sämtliche Bemühungen um Inklusion ins Leere. [….]
(SZ, 20.09.19)

Christen und CDUler, die aus ideologischer Verbohrung dafür kämpfen, daß mehr Menschen mit schweren Behinderungen geboren werden, sollten sich schämen.
Abgesehen davon, daß es sie grundsätzlich gar nichts angeht, wie eine Frau mit ihrem eigenen Uterus umgeht und sich schon daher alle Verbote verbieten, sind ihre Vorwürfe perfide.

Natürlich wünscht man sich seinem Kind eine Krankheit zu ersparen.
Das hat aber rein gar nichts damit zu tun, daß man sein Kind weniger lieben oder weniger unterstützen würde, wenn es doch eine Krankheit/Behinderung oder einen sonstigen Makel bekäme.
Auch das ist nämlich eher die Spezialität evangelikaler Christen, die ihre eigenen Kinder verstoßen und auf die Straße werfen, wenn beispielsweise nicht ihrem heterosexuellen Leitbild entsprechen.

Diese Debatte gibt es immer wieder, wie zum Beispiel zur Verleihung des „Ethik-Preises der Giordano-Bruno-Stiftung“ an denen Philosoph Peter Singer im Jahre 2011.
Aber Christlich-Konservative sind erkenntnisresistent.

[…..] In dem maßgeblichen Buch zu dieser Thematik „Muss dieses Kind am Leben bleiben? – Das Problem schwerstgeschädigter Neugeborener“ (Helga Kuhse/Peter Singer, Harald Fischer Verlag 1993) heißt es dazu: „Wir meinen (…), dass die reichen Nationen sehr viel mehr tun sollten, um behinderten Menschen ein erfülltes, lebenswertes Leben zu ermöglichen und sie in die Lage zu versetzen, das ihnen innewohnende Potential wirklich auszuschöpfen. Wir sollten alles tun, um die oft beklagenswert schlechte institutionelle Betreuung zu verbessern und die Dienstleistungen bereitzustellen, die behinderten Menschen ein Leben außerhalb von Institutionen und innerhalb der Gemeinschaft ermöglichen“ (S.26). […..] Angesichts „des Leids, das der Status quo für die schwergeschädigten und kranken Kinder und ihre Familien bedeutet“, stellten Kuhse/Singer, wie zuvor schon Hoerster, zwei Forderungen auf:
a) „Eltern eines schwerstgeschädigten Kindes [müssen] zu jedem Zeitpunkt und unabhängig vom Alter des Kindes die Möglichkeit haben, das Kind ohne eigene Kosten in einer staatlichen Institution unterzubringen (Wir gehen natürlich davon aus, dass diese Institutionen über genügend Mittel verfügen, um einen hohen Betreuungsstandard zu garantieren.)“
b) „Aktive und passive Euthanasie sollte immer dann erlaubt sein, wenn jemand unter einer unheilbaren Krankheit so sehr leidet, dass ein Weiterleben nicht in seinem oder ihrem Interesse ist. (…) Die erste Bedingung befreit die Familie von der Belastung, ein schwerstbehindertes Kind aufziehen zu müssen – wenn sie denn davon befreit werden will. Die zweite Bedingung stellt sicher, dass ein Kind dasselbe Lebensrecht besitzt wie wir alle, aber nicht, wie zur Zeit noch, gezwungen werden kann, ein elendes Leben weiterzuleben“ (S.252).
Man könnte diese Position etwa auf den folgenden Nenner bringen:
 1. Jeder Mensch hat ab der Geburt ein Lebensrecht, aber keine Lebenspflicht. (Manchmal ist das Leben leider mit solchen Qualen verbunden, dass es unethisch wäre, es unbedingt aufrechterhalten zu müssen.)
2. Kranke und Behinderte sollten mit allen Mitteln gefördert werden – Krankheit und Behinderung jedoch nicht! Ich halte diese Differenzierung nicht für „behindertenfeindlich“, sondern, ganz im Gegenteil, für „behindertenfreundlich“. […..]

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn muss der gBA-Entscheidung der NIPT-Kostenübernahme übrigens noch zustimmen.
Angesichts des letzten unverantwortlichen Spahn-Desasters zur Homöopathie sind alle Befürchtungen angemessen.

Donnerstag, 19. September 2019

Im Herzen des Katholizismus

Im Vatikan, insbesondere in der Inquisitionsbehörde, der Joseph Ratzinger ein Vierteljahrhundert vorstand bis er 2005 selbst Papst wurde, wußte man am besten darüber Bescheid wie viele Priester und Mönche Messdiener sexuell missbraucht hatten.
Schließlich sollten alle Fälle ihm und nur ihm und keineswegs den Behörden gemeldet werden.

Derjenige, der TATSÄCHLICH für das Fortführen des myriadenfachen Kindesmissbrauchs verantwortlich war, nämlich jener Mann, der ein Vierteljahrhundert als oberster Glaubenswächter wirkte, aktiv alle Kinderfickerfälle an sich zog, strengstes Schweigen befahl und die Bischöfe anwies die Päderasten in ihren Reihen gewähren zu lassen, zweifelt kein bißchen an seiner Rolle. 

Aus Gründen absoluter Geheimhaltung zog in der Tat die verschwiegene vatikanische Glaubenskongregation alle wichtigen Fälle von Sexualvergehen von Klerikern an sich und so kamen die Fälle in den Jahren 1981 bis 2005 auf den Tisch ihres Präfekten Kardinal Ratzinger. Dieser sandte noch am 18. Mai 2001 ein feierliches Schreiben über die schweren Vergehen ("Epistula de delictis gravioribus") an alle Bischöfe der Welt, in welchem die Missbrauchsfälle unter die "päpstliche Geheimhaltung" ("secretum Pontificium") gestellt wurden, deren Verletzung unter Kirchenstrafe steht.
(
Küng)

Reue Fehlanzeige.

Bei Benedikt geht es […] um Folgendes: Er war verantwortlich als Chef der Glaubenskongregation für die Fälle von Missbrauch in der Kirche. Also, er war für deren Aufklärung, beziehungsweise eben für deren Vertuschung.
  Und wenn man sagt, man will jemandem vergeben, dann muss man sagen, nach der katholischen Lehre muss da sein: A, Schuldeingeständnis, B, echte Reue, dann kann C, Vergebung folgen. Aber der Papst selbst, obwohl er sich mit Missbrauchsopfern trifft, obwohl er hier und da Dinge sagt, wie schrecklich das alles sei - er hat nicht seine eigene Schuld eingestanden.
Er zeigt keine Reue, im Gegenteil, er sagt, man sieht ja, wie diese schlimme weltliche Gesellschaft, diese schlimme sexuelle Enthemmung auch die Kirche affiziert, und darum muss sich erst recht mein Kampf gegen die - wie er es nennt - Antikultur des Todes fortsetzen. Das heißt, er zieht genau die falschen Schlussfolgerungen. Er sieht so zusagen - er guckt weiterhin auf den Span in unserem Auge, statt den Balken im eigenen zu erkennen.

Ratzinger ist ein mitleidsloser Elitärer, der seit vierzig Jahren gegen Humanismus und Menschenrechte kämpft.

Die schiere Masse der durch katholische Priester missbrauchen Kinder – Myriaden in jedem Episkopat – machte es natürlich schwer die Fälle alle zu vertuschen. Wer es wissen wollte, wußte davon, las darüber, sah TV-Dokumentationen.

In den USA gab es seit den 1970er Jahren entsprechende Anzeigen, aber erst mit dem Bostoner Megaskandal von 2002 wurde der ganz breiten Öffentlichkeit klar in welch gigantischem Ausmaß sich Priester an kleinen Jungs vergriffen.

Ein großes Journalisten-Team des Boston Globe enthüllte 2002, dass allein in der Erzdiözese Boston 90 Priester über 1000 Kinder und Jugendliche sexuell gedemütigt, gequält und vergewaltigt hatten.
In Deutschland und beim deutschen Papst verschloss man weiterhin fest Augen und Ohren bis schließlich der Berliner Canisius-Skandal von 2010 das gewaltige Ausmaß des Treibens der bestialischen Soutanen-Sadisten aufdeckte.

Mehr noch als sein Vorgänger stellt sich der aktuelle Papst Bergoglio seit 2013 gegen die Opfer. Franz spricht Täter frei, verkürzt deren Strafen, spricht den Opfern in Chile pauschal die Glaubwürdigkeit ab und beförderte schließlich demonstrativ den schon damals als mutmaßlichen Sextäter bekannten Kardinal Pell, der mittlerweile im Knast schmort.
George Pell, der auch heute noch demonstrativ seinen Kardinalsrang führt und gar nicht einsehen kann, daß er eingesperrt ist. Schließlich wäre es nur „plain and vanilla sex“ mit den 12-Jährigen Jungs gewesen.

Wenn aber die Kurientransen in ihren roten Kleidern im Zentrum der Weltkirche so agieren, sollte man sich nicht wundern, daß die jüngeren Geistlichen ihnen bis in jüngste Zeit nacheifern. In Rom, im Vatikan. Wand and Wand mit gleich zwei Päpsten, die immer wieder deutlich durch ihre Handlungen ausdrückten, daß Kinderficker geschützt und geschätzt werden.

Wie der Herr, so das Gescherr.

(…..) Zuweilen hat man den Eindruck, der ganze Petersdom sei wie zu früheren Jahrhunderten üblich ohnehin eine einzige Callboy-Börse - ähnlich den Republikaner in den USA, deren Spitzenvertreter massiv gegen die same-sex-marriage vorgehen und gleichzeitig dermaßen viele Gay-sex-Skandale produzieren, daß man sie satt "Grand old party" nur noch "Gay old party" nennt.

"Tutti perversi?" fragt das italienische politische Wochenmagazin "Panorama" angesichts des vatikanischen Stricherrings, der im März 2010 aufflog.

Chinedu Thomas Ehiem, der vatikanische Chorsänger, organisiert für die Herren in den Soutanen neben den gesanglichen auch andere orale Freuden.
Pfaffen lieben es oral.
Ehiem vermittelt Callboys.

"Im Vergleich zu dem bin ich bloß normal ausgestattet, er hat einen unglaublichen Körper. Ab zehn Uhr hat er Zeit, er ist ein Freund von mir und tut, was ich ihm sage." Solche Mitschnitte aus Telefonaten, aus sehr delikaten Telefonaten, haben dem Vatikan einen deftigen Skandal um Sex und Prostitution beschert.

Angehende Priester wurden ebenfalls von dem Vatikanischen Chorsänger als Lustknaben an den höheren Klerus vermittelt:

Und Ehiem ist äußerst rührig: "Ich habe da einen aus Neapel, einen Kubaner, einen Deutschen, gerade aus Deutschland eingetroffen, zwei Schwarze, einen Fußballer, einen Tänzer der RAI", heißt es laut der Tageszeitung "Libero" in einem Mitschnitt. Einmal wird der Kuppler konkret und bietet einen Prostituierten an, "zwei Meter groß, 97 Kilogramm schwer, 33 Jahre alt." Auch Priester-Seminaristen sollen zu den jungen Männern gehört haben, die Ehiem an Balducci weiterreichte; in einem Gespräch jedenfalls kommt die Frage auf, wann denn der Jüngling "wieder im Seminar" sein müsse.

Als Zuhälter für schwule sexuelle Dienstleistungen im Vatikan fungierte hauptsächlich Angelo Balducci; "Gentiluomini di Sua Santità" ("Ehrenmänner Seiner Heiligkeit") des Papstes und Präsident des Obersten Rates für Öffentliche Arbeiten.

Die "Gentiluomini di Sua Santità" hatte Papst Paul VI. im Jahr 1968 statt des früheren Hofstaates eingesetzt. Um einer der 147 "Ehrenmänner Seiner Heiligkeit" zu werden, muß man ganz besondere Verdienste gegenüber dem Heiligen Stuhl erworben haben - eine Voraussetzung, die Baldulucci offensichtlich erfüllte.

Sexuelle Dienstleistungen durch junge hübsche Männer sind im Staat der Zölibatären heiß begehrt.
Sich die Stricher selbst in einer der vielen Schwulenbars rund um den Vatikan aufzugreifen, ist erstens umständlich, zweitens zeitaufreibend, drittens indiskret und viertens mitunter auch gefährlich, wie das Schicksal des adeligen Herrn Luzi beweist.

Auch Luzi, a Roman nobleman, war einer der "Ehrenmänner Seiner Heiligkeit"; ein Kollege Angelo Balduccis.

The Vatican yearbook notes that Mr. Sini Luzi began service as a Gentleman of His Holiness in April 1989, and today national newspapers published photographs of him, a smiling, bespectacled man, with Pope John Paul II, or standing in the Vatican clad in the black cutaway and decorations of his office.

Der Kammerherr des Papstes, Enrico Sini Luzi, ist 1998 in einer Vatikanwohnung bei schwulen SM-Spielchen umgekommen.
Der in den römischen Schwulenbars stadtbekannte Papst-Freund hatte sich einen Stricher aufgegabelt und wurde dann in Reizwäsche mit einem Kerzenleuchter erschlagen gefunden – der Videorekorder mit den Homopornos lief noch. (….)

So läuft das unter der Herrschaft Ratzingers, der seit 1977 Kardinal, seit 1981 Quasi-Papst als Woytilas mächtigster Kurienpräfekt und seit 2005 Papst, also seit 38 Jahren der mächtigste oder einer der beiden mächtigsten Männer der Kurie ist.
Und wieso sollte sich daran was ändern, wenn auch Franz beharrlich alle Schritte wider die Kinderfickerei behindert?

Die beiden vatikanischen Priester Gabriele Martinelli und Enrico Radice poppten sich durch die Minderjährigen im Präseminar Pius X. Untersucht werden die bis 2017 reichenden Fälle natürlich nicht aufgrund eigener Erkenntnisse, sondern wieder einmal nur weil die Presse mit „ihrer sprungbereiten Feindseligkeit“ (Ratzi) darüber berichtete.

[….] Martinelli sei zur Zeit der mutmaßlichen sexuellen Übergriffe 21 Jahre alt und für die Ausbildung von Ministranten zuständig gewesen. Martinelli wurde 2017 zum Priester geweiht. Radice war Rektor der Einrichtung.
Das Präseminar Pius X. liegt innerhalb der Mauern des Vatikans, nur wenige Schritte von der Residenz von Papst Franziskus entfernt. In dem Präseminar leben minderjährige Ministranten, die im Petersdom und bei Zeremonien des Papstes dienen.
Italienischen Presseberichten zufolge hatte ein junger polnischer Ministrant, der sich mit einem der Opfer das Zimmer teilte, von Dutzenden sexuellen Übergriffen berichtet. Er sei Zeuge von bis zu 140 Missbrauchsfällen geworden und habe geschildert, dass Martinelli seine Opfer durch "Macht und Einschüchterung" gefügig gemacht habe. […..]

Konkret angestoßen hatte die Ermittlungen mal wieder der von Kurialen leidenschaftlich gehasste Journalist Gianluigi Nuzzi. Mindestens vier Jahre vorher waren die Kardinäle über das Treiben der bösartigen Sadisten. Aber genau neben Ratzinger und Bergoglio ansässige Kardinäle vertuschten, bestritten, verdunkelten.

[….] Der italienische Enthüllungsjournalist Gianluigi Nuzzi hatte die mutmaßlichen Verbrechen in dem Präseminar in seinem Mitte 2017 erschienenen Buch „Peccato originale“, das unter dem Titel „Erbsünde“ 2018 auch auf Deutsch veröffentlicht wurde, erstmals bekanntgemacht.
Wichtigste Quelle Nuzzis war der ehemalige polnische Ministrantenschüler Kamil Jarzembowski, der nach eigenen Angaben Zeuge von bis zu 140 Missbrauchsverbrechen Martinellis wurde. Bei den Opfern handelte es sich um die sogenannten „Ministranten des Papstes“, die bei den Messen im Petersdom als Ministranten dienen. Jarzembowski berichtete, er und andere Ministrantenschüler hätten den Rektor des Präseminars schon 2013 auf den fortgesetzten Missbrauch durch Martinelli aufmerksam gemacht, doch Radice habe nichts unternommen.
Auch ein Brief an den für das Präseminar zuständigen Kurienkardinal und Erzpriester des Petersdoms, Angelo Comastri, sei folgenlos geblieben. Kardinal Comastri hatte in einer ersten Reaktion auf die Enthüllungen Nuzzis im November 2017 versichert, es sei in dem Präseminar niemals zu Missbrauch gekommen. […..]

Mittwoch, 18. September 2019

Rechter Spin!

Die armen Nazis, Höckes, AfDler, Kalbitze, David Bergers, Erika Steinbachs, CSUler, Werteunionsler, Lindners, Gaulands, Störche haben es schon nicht ganz leicht mit ihrer ewigen Litanei über den Untergang Deutschlands.

„Flüchtlings-Kriminalität, Messermigration und Arbeitsplatzklau“ sind zwar fest verankert in den Erbsenhirnen der PP-Blog-Leser, aber eben nicht real.
Die Ängste vor den schmarotzenden und arbeitsscheuen Flüchtlingen, die hier nur faul in der sozialen Hängematte liegen und das perfiderweise mit besonderem Fleiß kaschieren, so daß sie Deutschen die Jobs wegschnappen, sind gefühlte Ängste.


In der echten Welt sind die von Rechten und Rechtsradikalen begangenen Hassverbrechen zwar auf Rekordniveau, aber die Gesamtkriminalität in Deutschland ist auf dem niedrigsten Stand seit einem Vierteljahrhundert.

[…..][…..] Erinnern Sie sich noch an das Jahr 1993? Bill Clinton wird US-Präsident, Bayer Leverkusen gewinnt den DFB-Pokal, Helge Schneider singt „Katzeklo“ – und in Deutschland sterben 1468 Menschen einen gewaltsamen Tod.
Ach, an die Toten erinnern Sie sich nicht? Ich gebe zu, ich auch nicht. Aber ausweislich der polizeilichen Kriminalitätsstatistik war 1993 in Deutschland das blutigste Jahr seit der Wiedervereinigung. […..] Damals wurden in Deutschland etwa doppelt so viele Menschen umgebracht wie heute.
  Die Statistik lässt keinen Zweifel daran: Deutschland ist heute ein sicheres Land. […..] Deswegen ist es so perfide, wie Politiker der AfD – allen voran Fraktionschefin Alice Weidel – nur wenige Stunden nach den jeweiligen Bluttaten versuchen, diese politisch zu instrumentalisieren. Weidel und ihre Helfershelfer wollen nicht zurück in einen friedlichen Alltag, sie wollen Ausnahmezustand, die Menschen aufwühlen, sie anstacheln – je hitziger die Stimmung desto besser. Es ist eine widerwärtige Strategie, die letzten Endes auf die Zersetzung unserer Gesellschaft zielt. […..] Weidel schließt von einem Menschen auf alle, sie nimmt ein ganzes Volk in Sippenhaft. Und sie verbreitet ohne jede Hemmung ein Standbild aus einem Video von der Bluttat, das die Betreiber von Twitter, Facebook und Youtube trotz eindeutiger Bitte der Polizei auch nach Stunden nicht aus ihren vermeintlich sozialen Netzen entfernt haben. […..]  

Es bleibt nicht bei Perfidie der Rechten, sondern ihre Bösartigkeit hat echte Folgen.
Während die Gesamtkriminalität in Deutschland seit einem Vierteljahrhundert sinkt und sich gegenwärtig auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung 1990 befindet, schüren AfD und Co so effektiv Ausländerhass, daß es jedes Jahr mehr Hassverbrechen gibt.

Gewalttätige Sprache befördere Gewalt.

[…..] Prügelattacken, Brandanschläge, Morde. Seit 1990 werden rechtsextreme Gewalttaten in Deutschland erfasst. Bis zu 169 Menschen sollen seitdem durch braunen Terror getötet worden sein. Wichtige Fälle im Überblick.
"Politisch motivierte Kriminalität - rechts". So nennen die Sicherheitsbehörden in Deutschland Straftaten, die von Rechtsextremen aufgrund ihrer Gesinnung begangen werden. Dazu zählt insbesondere Gewalt gegen Ausländer, Juden, Muslime, politische Gegner oder Vertreter des Staates.1.156  solcher Gewalttaten registrierte der Staat im Jahr 2018.
Seit der Wiedervereinigung 1990 werden Opfer rechtsextremer Gewalt in Deutschland erfasst. Die Behörden zählten seitdem 85 Todesopfer. Journalisten kommen dagegen auf mindestens 169 rechtsextremistisch motivierte Morde. Sie werfen den Behörden vor, viele Fälle fälschlicherweise nicht als politische Gewalt einzustufen, sondern beispielsweise als private Rache. [….]

Gefährlich sind die Deutschen, die Konservativen, die Rechten.

Ohne die Arbeitskraft der Migranten könnten wir den Laden Deutschland schon längst zumachen. Der gesamte medizinische Bereich würde sofort kollabieren. Dazu kämen Gastronomie und Dienstleistungswesen.

ARD, ZDF sowie CDUCSUFDP helfen der AfD und ihrer rechten Unterstützerszene beim Aufbau der  Potemkinschen Dörfer voller „Messergewalt“, indem sie sich nur zu gern an dem Nazi-Agendasetting ausrichten und sich den gefühlten Themen der Hetzer widmen.

Für Fakten bleiben da immer nur die hinteren Seiten der seriösen Zeitungen, also Publikationen, um die „FOTZE, HAU AB“-grölenden AfD-Ossis mit den ungepflegten Haaren und der eklatanten Rechtschreibschwäche ohnehin niemals in Berührung kämen.

[…..] Es kommen weniger Flüchtlinge nach Deutschland, aber immer mehr Menschen, die hier arbeiten oder studieren wollen. Das geht aus dem Migrationsausblick 2019 der OECD hervor, der in Berlin vorgestellt wurde. Die Beschäftigungsquote der Migranten in Deutschland ist demnach besser denn je. Ende 2018 lag sie auf dem historischen Hoch von 70 Prozent. Die Vorstellung, dass Migranten oftmals arbeitslos seien oder andernfalls die Arbeitsplätze von im Land Lebenden wegschnappten, wird in dem Bericht widerlegt. Migranten können demnach sogar helfen, neue Arbeitsplätze zu schaffen.
Als Beispiel nannte der Migrationsexperte der OECD Thomas Liebig Firmen, die erst mithilfe neuer Fachkräfte aus dem Ausland expandieren können. Migrantinnen übernähmen häusliche Arbeiten und schafften Einheimischen dadurch Freiräume. "Zuwanderer füllen häufig Nischen, die anderweitig nicht geschlossen werden. So werden wiederum neue Möglichkeiten für andere geschaffen", sagte Liebig. […..]
Die Studie widerlegt die Annahme, dass der Großteil der Migranten in Deutschland und den OECD-Ländern Flüchtlinge seien. "Die Gruppe der Flüchtlinge ist im Gesamtblock der Zuwanderer eine sehr kleine, das wird häufig vergessen", sagte Liebig.[…..]

Dienstag, 17. September 2019

Sprengstoff ins Feuer

Ein bißchen verwirrt sind die Öl-Prinzen der arabischen Halbinsel schon.
Hatten sie doch mit ihren nahezu unerschöpflichen finanziellen Mitteln auch Donald Trump eingewickelt und Waffendeals apokalyptischen Umfangs bei seinem Antrittsbesuch beschlossen.

[….] Bei einem Besuch in Saudi-Arabien im vergangenen Jahr hatte US-Präsident Donald Trump bereits verkündet, das Königreich werde von den USA Militärausrüstung im Wert von 110 Milliarden Dollar (90 Milliarden Euro) kaufen. Weitere Rüstungsdeals der Amerikaner mit den Saudis dürften also folgen. [….]

Aber dann kamen am letzten Samstag die vermeidlich auf Steinzeitniveau kämpfenden ausgemergelten und verarmten Huthis und legten mit einem Schlag die halbe saudische Ölproduktion lahm.

Zu blöd, da kauft man das beste, teuerste und modernste Raketenabwehrsystem der Erde und diese Patriots haben nicht den geringsten Effekt auf womöglich im Jemen in einem Hinterhof zusammengebastelte Drohnen.

Willkommen im Zeitalter der asymmetrischen Kriege.
Die Saudis sind blamiert, der mächtigste Mann der Welt sogar noch mehr als sonst, da er wie üblich seine eigenen Militärs und Geheimdienste ignorierend auf Twitter bekannte tief im Hintern der Golf-Monarchen zu stecken und gar nicht erst daran denke objektive Informationen einzuholen.


Ein voller Erfolg für die Davids im Jemen; der Westen reagiert wie beabsichtigt.
Aufgeschreckt hyperventilieren die Boulevardmedien von steigenden Benzinpreisen.
JETZT ginge es auch UNS etwas an.

  […..] Dieser Konflikt trifft uns
Nach der Bombardierung saudischer Ölanlagen stehen die Zeichen im Nahen Osten auf Krieg. Der Ölpreis steigt. […..] Kann die Krise am Golf auch für die deutschen Verbraucher gefährlich werden?
➤ Welche unmittelbaren Folgen haben die Angriffe? Nach den Drohnenangriffen in SaudiArabien sind die Ölpreise so sprunghaft gestiegen wie seit Jahrzehnten nicht. Zu Handelsbeginn am Montag waren es bis zu 20 Prozent. An den Börsen kam es zu Turbulenzen[…..]
➤ Wird Tanken jetzt teurer? […..]
(RND, 17.09.19)

Vorher, als nur ein paar hunderttausend Familien bombardiert, ausgehungert und massakriert wurden, als wir so schöne Profite mit unseren Waffenlieferungen machen konnten, ging es uns offenbar noch nichts an.

Die Saudis sind prozentual so hoch gerüstet wie kaum ein anderes Land der Erde, geben bei ihrem gewaltigen BSP seit 1997 durchschnittlich 10% ihres Etats für Waffen aus. (Wir streiten bekanntlich mit den USA darüber, ob Deutschland von 1,4% auf 2% erhöhen kann.)

[….] Der Angriff auf die Erdöl-Anlagen sei für Saudi-Arabien eine ungeheure Blamage, sagt der Nahost-Experte Michael Lüders im Gespräch mit der DW. "Saudi-Arabien ist der wichtigste Einkäufer amerikanischer Waffen, zehn Prozent aller US-Waffenexporte gehen nach Saudi-Arabien. Und mit gerade einmal zehn Drohnen, die relativ einfach herzustellen oder zu kaufen sind, gelingt es also nun den Huthi-Rebellen oder wem auch immer, das Herz der saudischen Erdölproduktion zu treffen."
Gewaltige Militärausgaben: Dabei hat Saudi-Arabien in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten enorme Summen in sein Militär investiert. Allein im Jahr 2018 kaufte es dem "Stockholm International Peace Research Institute" (SIPRI) zufolge militärische Ausrüstung im Wert von über 67 Milliarden US-Dollar - mehr als jeder andere Staat in der Region. Weltweit steht das Königreich in Sachen Waffenkäufe an dritter Stelle, direkt hinter den USA und China. Die Rüstungsausgaben nehmen einen erheblichen Teil des Bruttoinlandsprodukts ein: 2018 waren es 8,8 Prozent, im Spitzenjahr 2015 sogar 13 Prozent.
"Die umfassenden Investitionen Saudi-Arabiens haben dazu geführt, dass es unter den Staaten der Golfregion über den größten Bestand moderner Waffen verfügt", heißt es in der SIPRI-Studie aus dem Mai 2019. "Die Einfuhren umfassten Kampf- und Tankflugzeuge, durch die die saudische Luftwaffe eine größere Reichweite und Schlagkraft hat." Auch habe das Königreich seine Fähigkeit zur Verteidigung gegen Angriffe aus der Luft ausgebaut. [….]

Wie geht es nun weiter mit dem Scharia-Kopf-Ab-Regime in Riad, das von ihrem Ehemann betrogene Frauen genau wie vermeidlich Homosexuelle steinigen lässt und missliebige Journalisten totfoltert?
Bisher verfolgte die Bundesrepublik die Strategie die Killerprinzen massiv weiter aufzurüsten. Hunderte deutsche Leopard-Panzer gehören zum saudischen Waffenarsenal.
Oberste Killerwaffen-Lobbyistinnen waren dabei die beiden CDU-Frauen, die stets betonen nach „christlichen Werten Politik zu betreiben“: Angela Merkel und Ursula von der Leyen.

(….) […..] Deutsche Panzer für das Königreich
[…..] Ursula von der Leyen verlässt das Rednerpult und geht über den Exerzierplatz des königlichen Wachbataillons, gelegen auf dem Gelände des Raghadan-Palasts in der jordanischen Hauptstadt Amman. Ihr Ziel sind die drei sandfarben angestrichenen Schützenpanzer hinten auf dem Platz. Sie kommen aus Deutschland.
[…..] Im ersten Halbjahr wurden Ausfuhren für vier Milliarden Euro genehmigt. Die Opposition kritisiert vor allem Exporte nach Saudi-Arabien. […..] Insgesamt 50 Schützenpanzer des Typs Marder bekommt die jordanische Armee in diesem und dem nächsten Jahr, es ist die Ausrüstung für ein komplettes Bataillon, das bislang mit niederländischen Schützenpanzern unterwegs ist. Bislang sind 16 Marder angekommen, 34 weitere sollen folgen, von der Leyen übernimmt auf dem Exerzierplatz die offizielle Übergabe, symbolisiert durch die drei Fahrzeuge, die für die Zeremonie auf den Hof gefahren wurden. […..] Das Geld dafür stammt aus der sogenannten Ertüchtigungsinitiative der Bundesregierung: Im Haushalt 2016 wurden erstmals 100 Millionen Euro bereitgestellt, um ausgewählte Partnerstaaten zu unterstützen - was eben, wie im Fall Jordanien, übersetzt bedeuten kann: aufzurüsten. Neben Jordanien werden bislang Tunesien, Mali, Nigeria und Irak unterstützt, im nächsten Jahr soll Niger hinzukommen. […..]

Von der Leyen reist gerade durch die Scharia-Monarchien und schüttelt lächelnd den feisten Milliardären die Hand, die täglich Frauen steinigen und Schwule köpfen lassen.  (….)

Das amoralisch-schamlose und tödliche Verhalten Deutschlands hat Folgen. Saudi Arabien ist hochgerüstet wie nie. Heiße Kriege sind der feuchte Traum deutscher Rüstungsschmieden, denn nur wenn sie benutzt und die Munition verschossen werden, kann man immer mehr nachliefern.

[….] Die Länder des Nahen Ostens importierten 87 Prozent mehr Rüstungsgüter als zuvor. Als Gründe dafür nennt Sipri vor allem den Jemen-Krieg sowie das Misstrauen zwischen dem Iran auf der einen und Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten auf der anderen Seite. Waffen aus den USA, Großbritannien und Frankreich seien in der konflikt- und spannungsgeladenen Golfregion sehr gefragt, sagte Sipri-Spezialist Pieter Wezeman. Allein Saudi-Arabien hat seinen Import laut Sipri um 192 Prozent gesteigert, womit es Indien als größten Waffenimporteur ablöste. [….]

Und jetzt? Bewaffnet bis an die Zähne und doch von den Huthis verarscht?
Da haben CDU-Außenpolitik-Experten gleich eine geniale Idee, wie nun die deutsche Nahost-Politik aussehen müsse: MEHR DEUTSCHE WAFFENEXPORTE in die Killer- und Folter-Monarchie.

[…..]  Die CDU fordert als Konsequenz ein Ende des Rüstungsexportstopps nach Saudi-Arabien. Es zeige sich, „dass der Selbstschutz Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate auch in unserem eigenen Stabilitätsinteresse liegt“, so der außenpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Jürgen Hardt (CDU), zum RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Deshalb sollten wir unsere Rüstungskooperation einer neuerlichen Überprüfung unterziehen. Eine Aufhebung der Exportsperre für defensive Waffensysteme ist in unserem strategischen Interesse.“ [….]
(RND, 17.09.19)

(Manchmal versagt sogar mein Zynismus. Mir fehlen die Worte, Herr Hardt.)

Jürgen Hardt ist nicht allein, auch andere Unionspolitiker wollen mehr Kriegswaffen in den Krisenherd schicken.

[….] Ähnlich äußerte sich der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Johann Wadephul. Ein Fortschreiten des Konflikts "schadet nicht nur unseren wirtschaftlichen, sondern auch unseren sicherheitspolitischen Interessen, sagte er der Agentur Reuters. Deutschland brauche strategische Partner in der Region, und "dazu gehört bei allen Differenzen auch Saudi-Arbabien", betonte der CDU-Politiker und ergänzte. "Die SPD muss in der neuen Lage ankommen." […..]

Immerhin erleben wir hier wieder eine sehr gute Begründung dafür, weswegen die SPD unbedingt in der Groko bleiben muss. Denn nur als Teil der Bundesregierung kann sie diesen Irrsinn aufhalten.
Verließen die Sozis die Merkel-Regierung, würden sich die Schwarzen auf Gelbe und Braune stützen oder als Minderheitsregierung handeln und damit wären sie frei noch mehr Bomben in einen der blutigsten Kriege unserer Zeit zu schicken.

[…..] "Der Union scheint gerade etwas der außenpolitische Kompass abhanden zu kommen. Es hat sich seit der Entscheidung des Bundessicherheitsrats Ende März nichts an der Situation in Saudi-Arabien verbessert", sagte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, Sören Bartol, dem RND.
Der Mord an Khashoggi sei immer noch nicht aufgeklärt. Die Bemühungen um Friedensverhandlungen kämen nicht vom Fleck. "Wo Krieg geführt wird, gehören keine deutschen Waffen hin." Der Exportstopp nach Saudi Arabien müsse
verlängert werden. [….]

[…..] Keine Waffen an Saudi-Arabien
„DIE LINKE lehnt Rüstungsexporte an die Kopf-ab-Diktatur Saudi-Arabien ab. Wer wie Teile der Union mit den saudischen Schlächtern kollaborieren will, macht sich für das Massaker an der jemenitischen Zivilbevölkerung mitverantwortlich“, erklärt Sevim Dagdelen, stellvertretende Vorsitzende und abrüstungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. Dagdelen weiter:
„DIE LINKE fordert ein dauerhaftes Waffenembargo gegen die Blutscheichs in Riad und eine Ausweitung des Rüstungsexportstopps auf alle Länder der Jemen-Kriegskoalition, allen voran die Vereinigten Arabischen Emirate. Dies muss auch Waffenexporte über Drittländer wie Frankreich oder Großbritannien einschließen. Die Kooperation der Bundeswehr bei der Ausbildung von Offizieren muss umgehend beendet werden.“ [….]

Rot und Rot passen besser zusammen; es bleibt das Geheimnis der Grünen, weswegen sie unbedingt mit der CDU koalieren wollen und entsprechend in Hamburg ihren Partner wechseln.

Montag, 16. September 2019

Stich ins Wespennest

Zigtausende Tote, Hunderttausende elend Hungernde sind das Werk des Journalisten-mordenden Mohammed bin Salman al-Saud (MBS).
Als großer Trump-Freund musste er keine Konsequenzen seines wichtigsten Handelspartners und Waffenlieferanten befürchten.
Seit Jahren bleiben Kriegsverbrechen und Massenmord ungesühnt. Wer reich genug ist und auf gewaltigen Ölreserven sitzt, darf das.

Die Jemeniten werden gerade von den Saudis massakriert.

Während also Merkel und Gabriel völlig skrupellos vorgehen und den Wunsch der EU ignorieren – während sie es natürlich empörend finden, wenn andere Länder in der Flüchtlingsfrage die Wünsche der EU ignorieren – gibt es in anderen Hauptstädten durchaus noch ein Gewissen.

Das niederländische Parlament hat ein Ende des Exports von Waffen an Saudi-Arabien beschlossen. Laut Reuters handelt es sich um einen Protest gegen die ständigen Menschenrechtsverletzungen des Königshauses.
Der Gesetzesentwurf sieht auch ein striktes Ausfuhrverbot für Dual-Use-Güter vor, also Produkte, die potentiell für Menschenrechtsverletzungen eingesetzt werden könnten, bei denen es sich aber nicht um klassische Waffen- oder Rüstungsgüter handelt.

Was macht Saudi-Arabien mit seinem gewaltigen Waffenarsenal?
Einerseits nutzt es deutsche Panzer, um nebenan in Bahrain die Demokratie niederzuschlagen.

Der größte Einsatz ist aber der Angriffskrieg gegen schiitische Gruppen im Nachbarland Jemen.
Militärisch läuft es dort bemerkenswert schlecht.

Jemen-Krieg: Saudi-Arabiens militärisches Debakel
[….] Seit einem Jahr ist Krieg im Jemen: zwischen der von Saudi-Arabien angeführten Koalition zur Unterstützung des vertriebenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi und den Huthi-Rebellen. Der Ton der Vereinten Nationen wird immer schärfer. Die saudische Luftwaffe habe im Jemen "ein Gemetzel" angerichtet, sagte jüngst der Hohe Kommissar für Menschenrechte, Seid Raad al-Hussein. Für knapp zwei Drittel der zivilen Opfer und zivilen Zerstörungen sei die Kriegskoalition der Golfstaaten verantwortlich.
Allein bei dem Beschuss eines dicht belebten Marktes in der westlichen Provinz Hajja Anfang letzter Woche kamen 119 Menschen ums Leben, darunter 24 Kinder. "Trotz ständiger internationaler Proteste wiederholen sich solche Vorfälle mit absolut inakzeptabler Regelmäßigkeit", sagte al-Hussein und drohte, diese Kriegsverbrechen durch eine internationale Kommission untersuchen zu lassen. [….] Ein Jahr lang zerbomben modernste Kampfjets von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten nun schon das arme Land Jemen an der Südspitze der Arabischen Halbinsel – ein Krieg, der ein humanitäres, militärisches und strategisches Desaster angerichtet hat. [….] Allein in der Hauptstadt Sanaa wurden 250.000 Menschen ausgebombt. Denn die saudische Luftaufklärung ist schwach und ungenau, die Kampfpiloten unerfahren und skrupellos. Aus Angst vor Abwehrraketen fliegen sie extrem hoch, so dass sie ihre militärischen Ziele meist verfehlen und stattdessen Krankenhäuser und Schulen, Moscheen und Flughäfen, Fabriken und Marktplätze sowie Hochzeitsgesellschaften und Privathäuser in die Luft jagen. [….]

Blöd an den Kriegen sind für das Riader Königshaus weniger der internationale Ansehensverlust oder gar die Myriaden Toten und Verletzten.

Insgesamt versuchen sich nach UNHCR-Angaben rund 2,4 Millionen Flüchtlinge innerhalb der Landesgrenzen vor den Kriegswirren in Sicherheit zu bringen. Über 8000 Menschen sind durch den Krieg bereits gestorben.

Störend ist aber, daß es so verdammt teuer ist. (……..)

Wer die Hintergründe genauer verstehen möchte, sehe sich die ausgezeichnete ARTE-Dokumentation WÜSTE PRINZENSPIELE über die extrem gefährlichen drei jungen Golf-Prinzen und die verantwortungslos Öl ins Feuer gießende Trump-Administration an.


John Bolton, der seit vielen Jahren ein radikaler Verfechter neuer Golfkriege ist, geradezu fanatisch dafür wirbt einen Krieg im Iran zu entfachen, wurde zwar just von Trump gefeuert, aber es braucht ihn gar nicht.

Was Bolton aus Bosheit und Mordlust anfangen wollte, schafft Trump mit Hilfe seiner Ignoranz und Borniertheit.
Fern jedes historischen Wissens wirft er sich im Konflikt Iran versus Saudi-Arabien auf die Seite des Königreiches.
Dafür gibt es drei Gründe: Die geschäftlichen Interessen des Trump-Konzerns in Riad, die 100 Millionen Dollar, mit denen das Könighaus Saud Ivanka bestach und schließlich der durch FOX generierte diffuse Iran-Hass seiner Wähler.

Der Joint Comprehensive Plan of Action, aka Iran nuclear deal, aka Iran deal funktionierte, brachte alle an der Verhandlungstisch. Der Iran hielt alle Verpflichtungen ein, sah von atomarer Forschung ab.
Aus Trumps psychopathischer Sicht hatte er aber einen entscheidenden Nachteil: Er war ein Erfolg Präsident Obamas. Trump hasst Schwarze und insbesondere Obama. Manisch muss er alles zerschlagen was mit dem Namen seines Vorgängers verbunden ist.
So zertrümmerte Trump zum Entsetzen des Restes der Welt den einzigen international akzeptierten und funktionierenden Friedensplan im Nahen Osten.
Seit dem brennt es.
Teheran bat auf alle erdenklichen Weisen die anderen Vertragspartner weiterhin zum Iran Deal zu stehen, aber obwohl von Berlin, Paris über London, Moskau und die UN alle inhaltlich dem Iran zustimmten und Trumps Berserker-Aktion für falsch und kontraproduktiv hielten, knickten sie allesamt aus pekuniären Gründen vor Washington ein. Geld geht für Europa immer vor Moral.


In der Teheraner Regierung, die keineswegs ein homogenes Gebilde ist, bekamen dadurch selbstverständlich die Hardliner Oberwasser. Hatten sie nicht immer gewarnt man könne „dem großen Satan“ nicht trauen?
Nun tat ihnen Trump den Gefallen genau das Urteil zu bestätigen. Man kann aus Nahöstlicher Sicht offenbar dem Westen tatsächlich nicht trauen, schon gar nicht der USA!
Zwei Nachbarländer des Irans hatten erlebt was passiert, wenn man sich den Zorn Washingtons zuzieht und selbst keine Massenvernichtungswaffen besitzt; Afghanistan 2001 und der Irak 2003.
18 Jahre später herrscht dort immer noch die Hölle auf Erden.
Teheran wäre mit dem Klammerbeutel gepudert unter den aktuellen Umständen nicht zu versuchen so schnell wie möglich an Atomwaffen zu gelangen.
Ein Land aus dem bösen Trio, der „Achse des Bösen“ (GWB), nämlich Nordkorea, hat Atombomben und zeigt mustergültig wie man damit nicht nur die Bedrohung durch die USA los wird, sondern von Trump mit Liebe überschüttet wird.


Die massenhaft mit amerikanischen Waffen massakrierten Jemeniten haben nicht die Möglichkeit sich mit einer Atombombe zu schützen.
Auch sie erleben seit vielen Jahren das untätige Schulterzucken der Weltgemeinschaft, während sie ihre Kinder und Säuglinge begraben müssen.
Acht Jahre hatten sie dem hunderttausendfachen Mord in Syrien desinteressiert zugesehen und wurde erst aufgeschreckt, als es erste Überlebende bis nach Europa schafften und dort (überschaubare) Kosten verursachten.
Leben, menschliche Würde erwecken kein Interesse in Europa oder der USA.
Finanzielle Einbußen aber offenbar schon.

So wie es logisch und nachvollziehbar ist, daß der Iran seine Atomwaffenforschung wieder aufnimmt, ist es aus Sicht der hoffnungslos unterlegenen jemenitischen Huthi-Rebellen auch naheliegend die Saudischen Gelddruckmaschinen, aka Öl-Förderungsanlagen lahmzulegen.
So geschah es am Samstag, zwei Aramco-Ölanlagen in Abkaik und Churais wurden mit Marschflugkörpern oder Drohnen angegriffen und führten zu einer dramatischen Drosselung der saudischen Ölproduktion.

[…..]  Die Angriffe auf Ölanlagen in Saudi-Arabien wirken sich auch in Deutschland spürbar aus. An der Börse steigen die Preise für Rohöl und damit die Kosten für Heizöl. […..]   Am Handelsplatz London verteuerte sich der Preis am Vormittag um fast neun Prozent – auch die Benzinpreise könnten nun steigen. In den USA gab Präsident Donald Trump Öl aus den Reserven frei, um den Preis zu stabilisieren.  In Deutschland ging der Preis für Heizöl regional unterschiedlich um drei bis fünf Cent je Liter nach oben, wie der Messgerätehersteller Tecson mitteilte. Der bundesweite Durchschnittspreis für 100 Liter Heizöl erhöhte sich bei Abnahme von 3.000 Litern demnach um rund vier Euro von 66,60 auf 70,50 Euro. Das entspricht einem Anstieg von rund sechs Prozent.  [….]

Der deutsche Michl verhält sich genau wie ein Trumpmerikaner. Dass Myriaden Kleinkinder von deutschen, bzw amerikanischen Waffen zerfetzt werden, ist ihnen völlig egal. Aber wenn das Benzin ein paar Cent mehr kostet, werden sie garstig.
Mal sehen, vielleicht schafft Trump es doch noch schneller als gedacht die Welt in einem Atomkrieg zu zerstören.

Sonntag, 15. September 2019

Männerwelten.

Mal ehrlich, wir haben alle schon ziemlich eigenartige Sex-Praktiken im Internet gesehen, oder darüber gelesen und uns gefragt, ob man das auch tun würde, bzw. wer so etwas tut.

Abgesehen von dem, das man selbst erotisch findet, gibt es für mich drei Kategorien der Nicht-Erotik:

1.)
Ist garantiert nichts für mir mich, aber ich kann mir vorstellen weswegen das jemand anderes mögen könnte.

2.)
Schließe ich gegenwärtig für mich aus, aber immerhin sind extreme Umstände vorstellbar (unter Medikamenten, nach 20 Jahren im Knast,..), die es möglich machen könnten.

3.)
Für immer absolut ausgeschlossen und kein Verständnis dafür, daß das überhaupt jemand tut.

In Kategorie drei würde ich Vergewaltigungen einordnen; allerdings betrachten viele Experten Vergewaltigungen ohnehin nicht als Sex-Praktik, sondern ausschließlich als Gewalttat, bei der Minderwertigkeitskomplexe und Sadismus eine große Rolle spielen.

Als Misanthrop und Antinatalist sollte ich eigentlich nicht so sehr über die Häufigkeit von Vergewaltigungen überrascht sein.
Homo Sapiens ist eine widerliche Rasse.
Selbstverständlich gibt es genügend Psychopathen und Bestien, die sich in einer Gedankenwelt bewegen, die man absolut nicht nachfühlen kann.
Daher wundere ich mich auch weniger über Vergewaltiger, die Einzeltäter sind.

Aber Vergewaltigungen wurden in der Geschichte der Menschheit kontinuierlich auch als Kriegswaffe eingesetzt, also in Gruppen und systematisch durchgeführt. Männer können offenbar dazu animiert werden bei Vergewaltigungen mitzumachen, wenn sie ohnehin in einer abartigen Situation wie Abu Ghraib oder Camps kongolesischer Warlords miterleben wie andere Männer zur Bestien mutieren und vergewaltigen.

Massenvergewaltigungen sind in allen Erdteilen an der Tagesordnung, wenn der dünne Firnis der Zivilisation abgetragen wird. Koreanische „Trostfrauen“, deutsche KZs, sowjetische Kriegsgefangenenlager, dem Kalifat.

Massenvergewaltigungen sind dabei keineswegs ein Phänomen bestimmter Nationen, sondern in allen Kulturkreisen bekannt.

[….] Amerikaner, Franzosen und Briten vergewaltigten massenhaft Frauen
[….] Die Konstanzer Historikerin Miriam Gebhardt hat für eine bemerkenswerte Studie umfangreiches Material über sexuelle Gewalt am Ende des Zweiten Weltkriegs zusammengetragen:
„Was mir selbst auch unbekannt gewesen war, waren die Vergewaltigungen der GIs, die eigentlich nach dem gleichen Schema auch abgelaufen sind; also die meistens Hausdurchsuchungen gestartet haben, dann haben sie geplündert, Essensvorräte mitgenommen, Wertsachen, Souvenirs und dann eben sehr häufig auch gemeinschaftlich sich über die Frauen hergemacht. Und das konnte dann auch alle Frauen treffen.“
Bekannt ist zum Beispiel aus einer Studie des Historikers Marc Hillel über die französische Besetzung Deutschlands, dass französische Soldaten im Stuttgarter Raum 1.200 Frauen vergewaltigten, das jüngste Opfer war 14, das älteste 74. In Konstanz kam es zu 400 sexuellen Übergriffen, in Freudenstadt zu 500. [….]
„Es gibt tatsächlich für alle bundesdeutschen Länder Zahlen von Kindern, die durch Vergewaltigung gezeugt worden sind und auch mit der Nationalität der Väter. Und man weiß allgemein, dass ungefähr bei jeder hundertsten Vergewaltigung ein Kind zur Welt kommt.“
Aus diesen Angaben kommt die Autorin auf 190.000 sexuelle Übergriffe allein von GIs – also mehr als zehn Mal so viel wie Lilly – und auf 860.000 Vergewaltigungen insgesamt in Deutschland. [….]

Als nach dem zweiten Weltkrieg das erste mal eine Reise möglich wurde, half mein Opa einer Angestellten nach Wien zu kommen, um dort ihre Familie zu suchen, von der sie seit Monaten nichts mehr gehört hatte.
Als sie zurückkam, versammelte sich meine gesamte Familie um sie, begierig Nachrichten von außerhalb Hamburg zu hören.
Der entwaffnend ehrliche Bericht war noch Jahrzehnte später Gesprächsthema. Luisa sagte nämlich „ihnen geht es allen gut, nur meine Mutter wurde vergewaltigt!“
Meine Oma konnte es nicht fassen, aber tatsächlich wurde in dem Teil Wiens, in dem ihre Eltern lebten so viel und oft vergewaltigt, daß Luisas Mutter immer vorgeschoben wurde, wenn wieder Soldaten kamen, da sie keine Kinder mehr bekommen konnte, im Gegensatz zu Luisas jüngeren Schwestern. Daß „nur“ die Mutter vergewaltigt wurde, war unter den Umständen also eine positive Nachricht.
Menschen!

Noch nicht mal das Geschlecht spielt eine Rolle; auch Männer werden massenhaft von Männern vergewaltigt.

Die Brutalität und Bosheit wundert mich wenig, aber wieso ist das so vielen Männern überhaupt physisch möglich?
Mutmaßlich ist bei analem Geschlechtsverkehr gegen den Willen eine sehr stabile Erektion notwendig, für die „Mann“ sexuell erregt sein muss. Wieso sind so viele in diesen extrem gewalttätigen und demütigenden Situationen sexuell stimuliert?
Immerhin muss das Gehirn in einem komplizierten chemischen Zusammenspiel die entsprechenden Neurotransmitter aktivieren.

[….] Bei Berührung senden die hochsensiblen Penisnerven den sexuellen Reiz direkt ins Mark der Lendenwirbelsäule, wo er in einer Art Rückkopplungsschleife verstärkt und in die Geschlechtsorgane zurückgefunkt wird. Die Nervensignale lösen eine chemische Reaktionskette aus, in deren Verlauf zunächst Stickstoffoxid (NO), dann zyklisches Guanin-Monophosphat (cGMP) ausgeschüttet wird.
Dieser Botenstoff spielt eine Schlüsselrolle bei der Entstehung einer Erektion: Er aktiviert die sogenannte Proteinkinase G, die wiederum über eine Verminderung des Kalziumspiegels in den Muskelzellen in den Arterienwänden diese zum Erschlaffen bringen. Der zunehmende Bluteinstrom drückt die kleinen Venen im Schwellkörper ab, so dass der Blutabfluss vermindert wird. Auf diese Weise staut sich in den Schwellkörpern bis zu 40-mal mehr Blut als im schlaffen Zustand – die Schwellkörper werden drei- bis viermal so groß. Wie stark die Erektion ist, hängt vom cGMP-Spiegel ab. Je mehr davon zur Verfügung steht, desto dauerhafter und härter wird die Erektion. [….]

Wieso produziert das Gehirn eines „normalen Mannes“ in einer Situation von Terror, Tod und Folter augenblicklich zyklisches Guanin-Monophosphat, wenn die SS-Kameraden einen sowjetischen Soldaten aufspüren oder IS-Kämpfer ein jesidisches Mädchen aus dem Haus zerren und ihn/es gemeinsam vergewaltigen?

(….) In Afrika sind Männer-Vergewaltigungen durch Armee-Angehörige offenbar an der Tagesordnung.

[….] Im Gegensatz zu den Medienkampagnen über die Vergewaltigungen von Frauen in Kriegsgebieten wird die sexuelle Gewalt an Männern durch Soldatinnen und Soldaten explizit verschwiegen, obwohl das quantitative Ausmaß seriösen Schätzungen zufol­ge um ein Vielfaches höher ist. Während bei Frauen auch eindeutige Begriffe wie „Vergewaltigung“ verwendet werden, wird die sexuelle Gewalt gegen Männer durch Begriffe wie „Kulturelle Destabilisierung“ kaschiert und damit der bewußten Wahrneh­mung entzogen. Dabei sind Männer in kriegerischen Auseinandersetzungen immer schon bevorzugt an den Genitalien gefoltert, durch Verstümmelungen gedemütigt oder durch Vergewaltigung und sexuellen Mißbrauch beschämt und traumatisiert worden. Männer und die Integrität männlicher Sexualität scheint allerdings – wie immer – nicht einmal ansatzweise schützenswert zu sein.
Sexuelle Gewalt gegen Männer wird weltweit als Kriegswaffe eingesetzt – doch kaum jemand spricht über die grausamen Taten. Gerade den Opfern fällt es schwer, das Tabu zu brechen und ihre Erlebnisse in Worte zu fassen: Ein Mann, er heißt Job, hält seinen Kopf zwischen den Händen und blickt beschämt auf den Boden, als er leise und traurig zu sprechen beginnt: „Ich wurde von Soldaten festgenommen und ins Gefängnis gebracht. Dort fesselten zwei Soldaten meine Hände und Beine und vergewaltigten mich, einer nach dem anderen.“ [….]

Sexuelle Gewalt gegen Männer durch US-Soldaten kennen wir natürlich auch aus Abu Ghuraib, Bagram und Guantanamo.

Homo-Vergewaltigungen werden auch immer wieder aus der russischen Armee berichtet. Dort führt das berüchtigte und ultra-brutale Großvater-System unter den Wehrpflichtigen zu mehren Suiziden jeden Tag.

[Um] Andrej Sytschow […..das] Leben zu retten, mussten die Ärzte beide Beine und seine Genitalien amputierten.
Gewalt unter Kameraden gehört zur russischen Armee wie Gleichschritt und Schießübungen. Erpressung, Prügel, Folter und Vergewaltigung sind an der Tagesordnung. Die Soldaten sind sich selbst die größten Feinde.
Der Volksmund nennt die Misshandlungen von Rekruten durch ältere Soldaten "Djedowschtschina", "Herrschaft der Großväter". Wer Erniedrigung und Schmerz im ersten Dienstjahr übersteht, gibt diese Grausamkeiten an nachfolgende Rekruten weiter. [….] Das Komitee der Soldatenmütter, eine Menschenrechtsorganisation, die gegen die Missstände kämpft, registriert jedes Jahr etwa 2000 Todesfälle in der Armee - in Friedenszeiten. Ein großer Teil lasse sich auf Misshandlungen zurückführen. Im vergangenen Jahr haben nach Angaben der Militärstaatsanwaltschaft 341 Soldaten ihrem Leben freiwillig ein Ende gesetzt.
Auslöser soll nach Expertenmeinung auch hier in den meisten Fällen die brutale Quälerei gewesen sein. Die Dunkelziffer der Gewaltfälle dürfte noch weit höher liegen. [….]

In Deutschland gibt es "Djedowschtschina" vermutlich nicht in dieser extremen Form und in Amerika bringen sich die Soldaten statt während der Grundausbildung, überwiegend erst nach den Militäreinsätzen selbst um.

Innerhalb der US-Armee gibt es jährlich rund 20.000 Vergewaltigungen. Da allerdings auch Frauen „dienen“, stellen sie 90% der Opfer. […..]

Die zuletzt genannte Information von vor zweieinhalb Jahren ist offenbar überholt. Es gibt nicht nur viel mehr männliche GIs als Weibliche, sondern sie schweigen sich auch noch hartnäckiger über Vergewaltigungserfahrungen aus.
(14% der US-Soldaten und 5% der Offiziere sind Frauen.)
Bis 2006 waren vergewaltigte Männer in der US-Army dem Pentagon gar nicht bekannt, Erst seit gut zehn Jahren beginnt man die Fälle vorsichtig zu registrieren, Es sind viele.

[….] Bei den US-Streitkräften sind in den vergangenen zehn Jahren mindestens 100.000 Männer pro Jahr Opfer sexueller Übergriffe geworden. Wie die New York Times unter Berufung auf Zahlen des US-Verteidigungsministeriums berichtete, waren allein 2018 etwa 7.500 Männer von sexueller Belästigung, versuchter Nötigung bis hin zu Vergewaltigung betroffen. Die Opfer seien meist jünger als 24 Jahre und hätten einen niedrigen Dienstgrad.
Die Zahl der registrierten weiblichen Opfer ist dem Bericht zufolge mit 13.000 im Jahr 2018 höher als die der Männer. Jedoch sagt das nichts über das tatsächliche Verhältnis, da man nicht weiß, wie viele Opfer die Vorfälle nicht anzeigen. Nur einer von fünf betroffenen Männern meldete Übergriffe – bei den Frauen seien es dagegen 38 Prozent. Viele Betroffene müssten die Armee verlassen und hätten dann Schwierigkeiten, im Alltag wieder Fuß zu fassen, hieß es weiter. [….]

Ich nehme an, die US-Rekrutierungsbüros lassen den Hinweis auf 100.000 vergewaltigte Männer in der US-Armee in ihren Werbevideos und PR-Veranstaltungen der Highschools unter den Tisch fallen.

Samstag, 14. September 2019

Hoffnungszeichen

Der Hamburger Segler Boris Herrmann, der Greta Thunberg über den Atlantik fuhr, gehört aus meiner linken Perspektive zu einer nicht eben sympathischen Szene aus internationalem Jetset, Adeligen, Reichen.
Aber zurück aus New York sagte er zur Kritik an der PR-trächtigen Reise einige kluge Sachen. Das muss ich zugeben.

[….] Die Deutschen haben oft den Anspruch, man darf nur etwas einfordern, wenn man moralisch integer ist, also selbst perfekt ist. Aber man kann bei dem Thema selbst nicht perfekt sein. Insofern ist es eine wirklich spannende Diskussion. Und unabhängig von der gesellschaftlichen Diskussion gibt es auch noch die rein logische Betrachtung dieser Reise: Wir waren für eine gewisse Zeit eine Allianz von zwei Parteien, die Klimaaktivistin und das Regattateam. Wir haben uns punktuell zusammengetan. Und die Klima-Aktivistin Greta ist CO2-neutral über den Atlantik gefahren. Und alles, was das Regattateam außerhalb dieser Reise macht, dafür kann Greta nicht kritisiert werden. Man kann einen Veganer, der mit dem Taxi fährt, ja auch nicht dafür verantwortlich machen, dass der Taxifahrer am nächsten Tag vielleicht ein Steak isst. [….]

Absolute Moral funktioniert in der Praxis nicht. Moralische Bedenken lassen sich immer konstruieren.

Michelle Obama zeigte das in ihrer wegweisenden Rede aus dem demokratischen Nominierungsparteitag im Juli 2016.

[…..] “That is the story of this country, the story that has brought me to this stage tonight, the story of generations of people who felt the lash of bondage, the shame of servitude, the sting of segregation, but who kept on striving and hoping and doing what needed to be done so that today I wake up every morning in a house that was built by slaves. And I watch my daughters, two beautiful, intelligent, black young women playing with their dogs on the White House lawn.” [….]

(A posteriori sind solche brillanten Momente der gebildeten und hochintelligenten Obamas kaum zu ertragen, weil die Fallhöhe zu den verblödet-bornierten Trumps so gewaltig ist.)

Aber ja, die Gründungsväter der USA und ihrer Verfassung, die Erbauer der Washingtoner Institutionen waren aus heutiger moralischer Perspektive einfach Abschaum. Sklavenhalter, die Lynchjustiz praktizierten, Frauen kein Wahlrecht zugestanden, Kinderarbeit guthießen, in gewaltigem Ausmaß Land von den Ureinwohner stahlen und natürlich auch Schwule diskriminierten.

Sollte man die Werke dieser Typen, die heute für ihre Taten im Gefängnis schmoren müssten nicht in Bausch und Bogen verdammen? Alles Abreißen und den Mantel des Schweigens darüber breiten?
Nein, denn die ewig geltende, absolute Moral gibt es nicht.

War Leni Riefenstahl eine moralisch fragwürdige Person, die ihre Nähe zu Hitler und Goebbels ausnutzte und möglicherweise die Augen zudrückte, wenn sie Kinder aus dem KZ als Statisten für ihre Filme anforderte?
Ganz genau ist das nicht geklärt; sie hat für vieles andere, teilweise sogar einleuchtende Deutungen.
Aber garantiert war sie nicht wie ihre Altersgenossin Marlene Dietrich eine anständige Person, die sich mutig gegen Hitler und gegen Antisemitismus engagierte.
Große Künstler sind aber beide.
Man kann Riefenstahls stilbildenden Einfluss auf Regie, Kameraführung und Modefotographie der nächsten 100 Jahre gar nicht überschätzen. Sie war auf ihrem Gebiet ein Genie und schuf ganz große Kunst.

Kirchenmusik und Kirchengebäude führen ebenfalls so ein moralisches Gepäck mit sich. Die früheren Kirchenfürsten, die heute so bewunderte Weltkulturdenkmäler wie Notre Dame in Auftrag gaben, waren entsetzliche Tyrannen, die ihr Vermögen raubten und erpressten, Amoral predigten, Menschen versklavten. Es galt Recht der ersten Nacht (Lex prima noctis), Hexenverbrennung und so ziemlich jede Scheußlichkeit, für die man heute für immer weggesperrt würde.
Deswegen sprengen wir aber nicht den Kölner Dom oder den Vatikan.

Große Handwerkskunst und beeindruckende Architektur kann noch viele Jahrhunderte später die Bürger beeindrucken.

Es ist aber wichtig die Institutionen, die damals dahinter standen zu ändern.
Die heutigen Bewohner des Weißen Hauses sollten also keine Sklavenhalter mehr sein, Schwulen die gleichen Rechte wie Heterosexuellen garantieren und Frauen niemals schlechter behandeln als Männer.
Umso bedrückender, daß mit IQ45 ein Okkupant gewählt wurde, der das Rad um hundert Jahre zurückdreht, rassistisch und misogyn denkt.

Viele Kirchengebäude beeindrucken trotz ihrer albern phallischen Grundkonstruktion heute mehr denn je, weil mit den technischen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts so phantasielose immer gleichen rechteckige Glas- und Beton-Klötze errichtet werden.

Als Atheist wünsche ich mir also im Hamburger Stadtbild den Erhalt der historischen Hauptkirchen. In dieser Hinsicht bin ich mir mit der Kirchenleitung ausnahmsweise einig.

Ich begrüße aber insbesondere die Umwidmung. Diese Gebäude sollten von anderen verwendet werden, die nicht mehr der Moral einer primitiven Hirtenkultur vor zwei Jahrtausenden folgen.

Die Noch-Kirchen bestätigen ihre Erbärmlichkeit, indem sie den Kirchengebäuden, die sie nicht mehr halten können, weil ihnen die Gläubigen abhandengekommen sind, scheinmoralische Regeln aufoktroyieren.

[….] Dem Onlinemagazin Kirche und Leben zufolge ist "bei der künftigen Nutzung der Betrieb von Bordellen oder sonstigen Einrichtungen des Rotlichtmilieus ausgeschlossen". Auch "nichtchristliche" Religionen dürfen nicht mitsteigern. Bevor man das jetzt zusammendenkt und zum Ergebnis kommt, dass Huren, Freier, Zuhälter und beispielsweise Muslime leider draußen bleiben, ist zu sagen: Was in Altena an diesem Wochenende passiert, ist keineswegs so bizarr wie das, was sich die Kirche unter dem nichtchristlichen Rotlicht vorstellt. Übrigens: Der französische Philosoph Michel Foucault hat einmal gesagt, dass Bordelle, Gefängnisse und Kirchen etwas verbinde: Das seien "Heterotopien", nämlich Räume, denen das Anderssein in einer sonst durchfunktionalisierten Welt gemeinsam sei. [….]

Beeindruckend, wenn eine Kinderficker-Organisation mit antisemitischer Genozid-Vergangenheit Prostituierten die Moral abspricht.

In Hamburg beklagen auch die evangelischen Kollegen ihre eigene Schwächung. Bischöfin Kirsten Fehrs macht sich Sorgen, weil der Mitgliederschwund die Kirchen schwach mache.

Was ihr Kummer bereitet, gibt mir Hoffnung: Möge die Kirchen schnell und dauerhaft weiter schwächer werden. Mögen die Gebäude sich von ihren ehemaligen Herren emanzipieren und eine moderne Bedeutung finden.
Jeder Puff in einer ehemaligen Kirche ist mir lieber als ein Gottesdienst in einer Kirche.

[…..] Abendblatt:  Ist Ihnen angesichts des Mitgliederrückgangs – derzeit hat die Nordkirche rund zwei Millionen Mitglieder – nicht Bange um die Zukunft dieser Institution?
Fehrs:  Nicht grundsätzlich, denn nach unserem Glauben ist es Gott selbst, der die Kirche erhält. Dennoch macht mir natürlich Sorge, dass wir als gesellschaftliche Institution schwächer werden, das gilt ja auch für Parteien, Gewerkschaften und Vereine. Wir brauchen aber Menschen, die sich an Institutionen binden, weil die Gesellschaft sich dadurch auch an Werte bindet. […..]  […..] 
Wir haben in Deutschland mehr als 600 Missbrauchsfälle, die bekannt geworden sind. Zwei Drittel davon sind Heimkinder in diakonischen Einrichtungen – vor allem in der Nachkriegszeit bis in die 70er-Jahre hinein. Auch im Kontext der Reformpädagogik haben Täter ihr System in einer Welt etabliert, wo man Freiheit mit Grenzenlosigkeit verwechselt hat. […..]  Neu bekannt werden vor allem Fälle, die oft jahrzehntelang verschwiegen wurden, wie etwa im Margaretenhort in Harburg. In dieser Einrichtung haben Jugendliche in den 1980er-Jahren Mitbewohner und Mitbewohnerinnen bedrängt und vergewaltigt – und das Aufsichtspersonal hat es geduldet. […..]