Mal ehrlich, wir haben alle schon ziemlich eigenartige Sex-Praktiken
im Internet gesehen, oder darüber gelesen und uns gefragt, ob man das auch tun
würde, bzw. wer so etwas tut.
Abgesehen von dem, das man selbst erotisch findet, gibt es
für mich drei Kategorien der Nicht-Erotik:
1.)
1.)
Ist garantiert nichts für mir mich, aber ich kann mir
vorstellen weswegen das jemand anderes mögen könnte.
2.)
Schließe ich gegenwärtig für mich aus, aber immerhin sind extreme Umstände vorstellbar (unter Medikamenten, nach 20 Jahren im Knast,..), die es möglich machen könnten.
Schließe ich gegenwärtig für mich aus, aber immerhin sind extreme Umstände vorstellbar (unter Medikamenten, nach 20 Jahren im Knast,..), die es möglich machen könnten.
3.)
Für immer absolut ausgeschlossen und kein Verständnis dafür,
daß das überhaupt jemand tut.
In Kategorie drei würde ich Vergewaltigungen einordnen;
allerdings betrachten viele Experten Vergewaltigungen ohnehin nicht als Sex-Praktik,
sondern ausschließlich als Gewalttat, bei der Minderwertigkeitskomplexe und
Sadismus eine große Rolle spielen.
Als Misanthrop und Antinatalist sollte ich eigentlich nicht
so sehr über die Häufigkeit von Vergewaltigungen überrascht sein.
Homo Sapiens ist eine widerliche Rasse.
Selbstverständlich gibt es genügend Psychopathen und
Bestien, die sich in einer Gedankenwelt bewegen, die man absolut nicht
nachfühlen kann.
Daher wundere ich mich auch weniger über Vergewaltiger, die
Einzeltäter sind.
Aber Vergewaltigungen wurden in der Geschichte der
Menschheit kontinuierlich auch als Kriegswaffe eingesetzt, also in Gruppen und
systematisch durchgeführt. Männer können offenbar dazu animiert werden bei
Vergewaltigungen mitzumachen, wenn sie ohnehin in einer abartigen Situation wie
Abu Ghraib oder Camps kongolesischer Warlords miterleben wie andere Männer zur
Bestien mutieren und vergewaltigen.
Massenvergewaltigungen sind in allen Erdteilen an der
Tagesordnung, wenn der dünne Firnis der Zivilisation abgetragen wird. Koreanische
„Trostfrauen“, deutsche KZs, sowjetische Kriegsgefangenenlager, dem Kalifat.
Massenvergewaltigungen sind dabei keineswegs ein Phänomen
bestimmter Nationen, sondern in allen Kulturkreisen bekannt.
[….] Amerikaner, Franzosen und Briten vergewaltigten massenhaft Frauen
[….] Die Konstanzer Historikerin Miriam Gebhardt hat für eine bemerkenswerte
Studie umfangreiches Material über sexuelle Gewalt am Ende des Zweiten
Weltkriegs zusammengetragen:
„Was mir selbst auch unbekannt gewesen war, waren die Vergewaltigungen
der GIs, die eigentlich nach dem gleichen Schema auch abgelaufen sind; also die
meistens Hausdurchsuchungen gestartet haben, dann haben sie geplündert,
Essensvorräte mitgenommen, Wertsachen, Souvenirs und dann eben sehr häufig auch
gemeinschaftlich sich über die Frauen hergemacht. Und das konnte dann auch alle
Frauen treffen.“
Bekannt ist zum Beispiel aus einer Studie des Historikers Marc Hillel
über die französische Besetzung Deutschlands, dass französische Soldaten im
Stuttgarter Raum 1.200 Frauen vergewaltigten, das jüngste Opfer war 14, das
älteste 74. In Konstanz kam es zu 400 sexuellen Übergriffen, in Freudenstadt zu
500. [….]
„Es gibt tatsächlich für alle bundesdeutschen Länder Zahlen von
Kindern, die durch Vergewaltigung gezeugt worden sind und auch mit der
Nationalität der Väter. Und man weiß allgemein, dass ungefähr bei jeder
hundertsten Vergewaltigung ein Kind zur Welt kommt.“
Aus diesen Angaben kommt die Autorin auf 190.000 sexuelle Übergriffe
allein von GIs – also mehr als zehn Mal so viel wie Lilly – und auf 860.000
Vergewaltigungen insgesamt in Deutschland. [….]
Als nach dem zweiten Weltkrieg das erste mal eine Reise
möglich wurde, half mein Opa einer Angestellten nach Wien zu kommen, um dort
ihre Familie zu suchen, von der sie seit Monaten nichts mehr gehört hatte.
Als sie zurückkam, versammelte sich meine gesamte Familie um
sie, begierig Nachrichten von außerhalb Hamburg zu hören.
Der entwaffnend ehrliche Bericht war noch Jahrzehnte später
Gesprächsthema. Luisa sagte nämlich „ihnen geht es allen gut, nur meine Mutter
wurde vergewaltigt!“
Meine Oma konnte es nicht fassen, aber tatsächlich wurde in
dem Teil Wiens, in dem ihre Eltern lebten so viel und oft vergewaltigt, daß
Luisas Mutter immer vorgeschoben wurde, wenn wieder Soldaten kamen, da sie
keine Kinder mehr bekommen konnte, im Gegensatz zu Luisas jüngeren Schwestern.
Daß „nur“ die Mutter vergewaltigt wurde, war unter den Umständen also eine
positive Nachricht.
Menschen!
Noch nicht mal das Geschlecht spielt eine Rolle; auch Männer
werden massenhaft von Männern vergewaltigt.
Die Brutalität und Bosheit wundert mich wenig, aber wieso
ist das so vielen Männern überhaupt physisch möglich?
Mutmaßlich ist bei analem Geschlechtsverkehr gegen den
Willen eine sehr stabile Erektion notwendig, für die „Mann“ sexuell erregt
sein muss. Wieso sind so viele in diesen extrem gewalttätigen und demütigenden Situationen sexuell
stimuliert?
Immerhin muss das Gehirn in einem komplizierten chemischen
Zusammenspiel die entsprechenden Neurotransmitter aktivieren.
[….] Bei Berührung senden die hochsensiblen Penisnerven den sexuellen Reiz
direkt ins Mark der Lendenwirbelsäule, wo er in einer Art Rückkopplungsschleife
verstärkt und in die Geschlechtsorgane zurückgefunkt wird. Die Nervensignale
lösen eine chemische Reaktionskette aus, in deren Verlauf zunächst
Stickstoffoxid (NO), dann zyklisches Guanin-Monophosphat (cGMP) ausgeschüttet
wird.
Dieser Botenstoff spielt eine Schlüsselrolle bei der Entstehung einer
Erektion: Er aktiviert die sogenannte Proteinkinase G, die wiederum über eine
Verminderung des Kalziumspiegels in den Muskelzellen in den Arterienwänden
diese zum Erschlaffen bringen. Der zunehmende Bluteinstrom drückt die kleinen
Venen im Schwellkörper ab, so dass der Blutabfluss vermindert wird. Auf diese
Weise staut sich in den Schwellkörpern bis zu 40-mal mehr Blut als im schlaffen
Zustand – die Schwellkörper werden drei- bis viermal so groß. Wie stark die
Erektion ist, hängt vom cGMP-Spiegel ab. Je mehr davon zur Verfügung steht,
desto dauerhafter und härter wird die Erektion. [….]
Wieso produziert das Gehirn eines „normalen Mannes“ in einer
Situation von Terror, Tod und Folter augenblicklich zyklisches
Guanin-Monophosphat, wenn die SS-Kameraden einen sowjetischen Soldaten
aufspüren oder IS-Kämpfer ein jesidisches Mädchen aus dem Haus zerren und ihn/es
gemeinsam vergewaltigen?
(….) In Afrika sind Männer-Vergewaltigungen durch Armee-Angehörige
offenbar an der Tagesordnung.
[….] Im Gegensatz zu den Medienkampagnen über die Vergewaltigungen von
Frauen in Kriegsgebieten wird die sexuelle Gewalt an Männern durch Soldatinnen
und Soldaten explizit verschwiegen, obwohl das quantitative Ausmaß seriösen
Schätzungen zufolge um ein Vielfaches höher ist. Während bei Frauen auch
eindeutige Begriffe wie „Vergewaltigung“ verwendet werden, wird die sexuelle
Gewalt gegen Männer durch Begriffe wie „Kulturelle Destabilisierung“ kaschiert
und damit der bewußten Wahrnehmung entzogen. Dabei sind Männer in
kriegerischen Auseinandersetzungen immer schon bevorzugt an den Genitalien
gefoltert, durch Verstümmelungen gedemütigt oder durch Vergewaltigung und
sexuellen Mißbrauch beschämt und traumatisiert worden. Männer und die
Integrität männlicher Sexualität scheint allerdings – wie immer – nicht einmal
ansatzweise schützenswert zu sein.
Sexuelle Gewalt gegen Männer wird weltweit als Kriegswaffe eingesetzt –
doch kaum jemand spricht über die grausamen Taten. Gerade den Opfern fällt es
schwer, das Tabu zu brechen und ihre Erlebnisse in Worte zu fassen: Ein Mann,
er heißt Job, hält seinen Kopf zwischen den Händen und blickt beschämt auf den
Boden, als er leise und traurig zu sprechen beginnt: „Ich wurde von Soldaten
festgenommen und ins Gefängnis gebracht. Dort fesselten zwei Soldaten meine
Hände und Beine und vergewaltigten mich, einer nach dem anderen.“ [….]
Sexuelle Gewalt gegen Männer
durch US-Soldaten kennen wir natürlich auch aus Abu Ghuraib, Bagram und
Guantanamo.
Homo-Vergewaltigungen werden auch
immer wieder aus der russischen Armee berichtet. Dort führt das berüchtigte und
ultra-brutale Großvater-System unter den Wehrpflichtigen zu mehren Suiziden
jeden Tag.
[Um] Andrej Sytschow […..das] Leben
zu retten, mussten die Ärzte beide Beine und seine Genitalien amputierten.
Gewalt unter Kameraden gehört zur russischen Armee wie Gleichschritt
und Schießübungen. Erpressung, Prügel, Folter und Vergewaltigung sind an der
Tagesordnung. Die Soldaten sind sich selbst die größten Feinde.
Der Volksmund nennt die Misshandlungen von Rekruten durch ältere
Soldaten "Djedowschtschina", "Herrschaft der Großväter".
Wer Erniedrigung und Schmerz im ersten Dienstjahr übersteht, gibt diese
Grausamkeiten an nachfolgende Rekruten weiter. [….] Das Komitee der Soldatenmütter, eine Menschenrechtsorganisation, die
gegen die Missstände kämpft, registriert jedes Jahr etwa 2000 Todesfälle in der
Armee - in Friedenszeiten. Ein großer Teil lasse sich auf Misshandlungen
zurückführen. Im vergangenen Jahr haben nach Angaben der
Militärstaatsanwaltschaft 341 Soldaten ihrem Leben freiwillig ein Ende gesetzt.
Auslöser soll nach Expertenmeinung auch hier in den meisten Fällen die
brutale Quälerei gewesen sein. Die Dunkelziffer der Gewaltfälle dürfte noch
weit höher liegen. [….]
In Deutschland gibt es "Djedowschtschina" vermutlich
nicht in dieser extremen Form und in Amerika bringen sich die Soldaten statt
während der Grundausbildung, überwiegend erst nach den Militäreinsätzen selbst
um.
Innerhalb der US-Armee gibt es jährlich rund 20.000 Vergewaltigungen. Da
allerdings auch Frauen „dienen“, stellen sie 90% der Opfer. […..]
Die zuletzt genannte Information von vor zweieinhalb Jahren
ist offenbar überholt. Es gibt nicht nur viel mehr männliche GIs als Weibliche,
sondern sie schweigen sich auch noch hartnäckiger über
Vergewaltigungserfahrungen aus.
(14% der US-Soldaten und 5% der Offiziere sind Frauen.)
Bis 2006 waren vergewaltigte Männer in der US-Army dem
Pentagon gar nicht bekannt, Erst seit gut zehn Jahren beginnt man die Fälle
vorsichtig zu registrieren, Es sind viele.
[….] Bei den US-Streitkräften sind in den vergangenen zehn Jahren mindestens
100.000 Männer pro Jahr Opfer sexueller Übergriffe geworden. Wie die New York Times unter
Berufung auf Zahlen des US-Verteidigungsministeriums berichtete, waren allein
2018 etwa 7.500 Männer von sexueller Belästigung, versuchter Nötigung bis hin
zu Vergewaltigung betroffen. Die Opfer seien meist jünger als 24 Jahre und
hätten einen niedrigen Dienstgrad.
Die Zahl der registrierten weiblichen Opfer ist dem Bericht zufolge
mit 13.000 im Jahr 2018 höher als die der Männer. Jedoch sagt das nichts über
das tatsächliche Verhältnis, da man nicht weiß, wie viele Opfer die Vorfälle
nicht anzeigen. Nur einer von fünf betroffenen Männern meldete Übergriffe – bei
den Frauen seien es dagegen 38 Prozent. Viele Betroffene müssten die Armee verlassen
und hätten dann Schwierigkeiten, im Alltag
wieder Fuß zu fassen, hieß es weiter. [….]
Ich nehme an, die US-Rekrutierungsbüros lassen den Hinweis
auf 100.000 vergewaltigte Männer in der US-Armee in ihren Werbevideos und
PR-Veranstaltungen der Highschools unter den Tisch fallen.
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