Samstag, 24. Oktober 2015

Franz outet sich – Teil XIII


Die christlichen Kirchen sind in Deutschland die zweitgrößten Arbeitgeber nach dem Staat.
Die ultrafromme Arbeitsministerin Andrea Nahles stört sich aber nicht daran, daß 1,5 Millionen Angestellte nicht dem normalen Arbeitsrecht unterliegen, nicht streiken dürfen, untertariflich bezahlt werden, gar nicht erst eingestellt werden dürfen, wenn sie Moslems oder Juden sind, daß sie gefeuert werden können, wenn sie sich scheiden lassen oder zur Homosexualität bekennen.
So weit, so absurd.

Das asoziale und menschenrechtsfeindliche kirchliche Arbeitsrecht gibt es wegen der extrem starken Kirchenlobby, die 100% der Bundesregierung unter Kontrolle hat. Es läge aber durchaus in der Macht der deutschen Parlamentarier die absurden Privilegien der Kirchen abzuschaffen; sie könnten dafür sorgen, daß auch Juden, Lesben und Geschiedene in den zu 100% vom Staat finanzierten kirchlichen Kindergärten arbeiten dürfen.
Der Bundestag könnte Einrichtungen unter kirchlicher Trägerschaft dazu zwingen Menschenrechte, Antidiskriminierungsregeln und das Arbeitsrecht einzuhalten.
Er will nur nicht.

Papst, Kardinäle und Bischöfe sind hingegen autark bezüglich ihrer inneren Angelegenheiten. Wie wollen sie innerhalb der Kirche mit Minderheiten umgehen?

Papst Franz ist ein reaktionärer Knochen, der immer wieder beweisen hat, im Zweifelsfall Minderheiten lieber weiter zu diskriminieren, zu heucheln, zu hetzen und zu lügen. Wenn ein Kurienmitglied wie Prälat Krzysztof Charamsa ausnahmsweise mal ehrlich ist und diskriminierende Methoden ändern will, fliegt er auch unter Bergoglio noch am selben Tag im hohen Bogen raus!

Daß Papst Franz in Wahrheit knochenkonservativer denkt, als er die Welt oberflächlich glauben lassen will, merken wir schon lange.

Papst Franz weiß wie man gute PR macht, wie man sich vor den Massen inszeniert.
In diesen Dingen ist er Ratzi mit seiner wenig heterosexuellen Stimme, der abstoßenden Physionomie und der demonstrativen Prachtentfaltung deutlich überlegen.
Ihn deswegen zum großen Erneuerer, oder gar Marxisten hochzustilisieren, ist aber vollkommen absurd.
Natürlich ist der Jesuit Franz ein konservativer Mann, der niemals einem minderen Weibsbild erlauben würde Priesterin zu sein und akzeptieren könnte, daß ein gleichgeschlechtliches Paar dieselben Rechte wie ein Gegengeschlechtliches erhalten dürfte.

Ich staune tatsächlich immer noch darüber wie viele Menschen es auch in einem aufgeklärten Land wie Deutschland gibt, die der römischen Kurie ernsthaft moralische Kompetenz zubilligen.
Als ob die Bande nicht über viele Jahrhunderte bewiesen hätte wie menschenverachtend sie denkt. Hexenverfolgung, Missionierung, Sklaverei, Inquisition, Kreuzzüge, Antisemitismus, Sklaverei, Folter, Raffgier – so präsentieren sich Gottes Stellvertreter auf Erden seit 2000 Jahren.
Noch im 21. Jahrhundert werden und wurden kleine Jungs gequält und sexuell missbraucht, während man die Täter schützt.

Wie kann es nur angehen, daß gebildete Menschen, die beispielsweise geschieden sind, ihr persönliches Glück davon abhängig machen, ob ein paar Dutzend völlig weltfremder misogyner Geronten im fernen Rom, die den ganzen Tag in bunten Kleidern und mit brennenden Handtäschchen umherschlurfen dazu bereit sind ihnen ein winziges Stück Esspapier zu überreichen?
Wie kann man nur so einer Selbst-Diminuierung unterliegen, daß man einer parasitären Lebensform wie der katholischen Geistlichkeit die Macht überlässt mit einer verweigerten Oblate Menschen ihre Würde abzusprechen?

Die Christlichen Kirchen sterben mit zunehmender Bildung der Menschen ohnehin aus – schon lange kann Papst Franz noch nicht einmal mehr genügend Priesternachwuchs generieren, nachdem die Hauptquelle – ungeoutete Schwule – ob der wachsenden Toleranz in Westeuropa nicht mehr zur Verfügung steht.

Nun ist also die so hochgejazzte „Familiensynode“ im Vatikan zu Ende gegangen und sämtliche Presseorgane blicken enttäuscht drein, weil erstaunlicherweise ausgerechnet die geriatrischen Fälle, die am allerwenigstens dazu qualifiziert sind über Familie zu reden, weil sie sich allesamt gegen Familien entschieden haben, keine Beziehungen führen, zölibatär leben und Frauen erst gar nicht mitreden lassen, weil diese weißhaarigen Transen aus dem Mittelalter keine Ahnung von modernen Familienbeziehungen haben.

[….] Institutionen sind wie die Menschen: Sie können schlecht heraus aus ihrer Haut. Einen Beleg dafür liefert in diesen Tagen ausgerechnet die katholische Kirche, die sich ja dem Wesen nach eben nicht als Menschenwerk, sondern als göttliche Stiftung verstanden wissen will. Dafür allerdings ging es auf der Bischofssynode in Rom zu Ehe, Familie und Sexualmoral sehr, sehr irdisch zu – mit bösen Worten und miesen Intrigen. Gipfel der Gemeinheiten war in dieser Woche das Gerücht, Papst Franziskus leide an einem Gehirntumor. [….]  Wie also sollen christliche Paare ihre Beziehung gestalten? Was sagt die Kirche zu verantworteter Sexualität - außer ihrer Beton-Formel "Sex ist Sünde, nur nicht in der Ehe".
[….] Und wann endlich überwindet die Kirche ihren theologisch und humanwissenschaftlich überholten Fundamentalismus in Sachen Homosexualität?
[….] Beim Thema Homosexualität ist von der Synode in Rom nichts zu erwarten. Gar nichts. Das steht schon vor der Verabschiedung des Schlussdokuments am heutigen Samstag fest. Die Reformverweigerer, vor allem aus Teilen Afrikas und Asiens, reagieren hier so allergisch und aggressiv, dass die Warnung vor einer Kirchenspaltung nicht bloß ein Drohszenario ist.
Aber auch die anderen "heißen Eisen" – wie den Umgang mit wieder verheirateten Geschiedenen – wird die Synode nicht geschmiedet bekommen. Die "Revolution", von der manche noch im vorigen Jahr sprachen, die Revolution fällt aus. [….]

Ich sage aber DANKE Papst Bergoglio, Danke, Kardinal Sarah, Danke Kardinal Schönborn, Danke Kardinal Müller, Danke Kardinal Pell, Danke Kardinal Burke und Danke Kardinal Gracias für den heutigen großen Dienst, den Ihr der Sache der Atheisten erweisen habt!
Ihr liefert uns zuverlässig die besten Argumente dafür, weshalb man dringend aus der Kirche austreten muß, sofern man das noch nicht längst getan hat.

In welcher Welt lebt nur ein Top-Religiot wie SZ-Kirchen-Chef Drobinski, daß er nun von Enttäuschung spricht? Was hatte er denn erwartet?

Rom kann sich nicht zu Reformen durchringen
[….]  Es ist eine herbe Niederlage für jene Bischöfe die sich für konkrete Reformen in der katholischen Kirche einsetzen - und auch für Papst Franziskus: Drei Wochen lang haben in Rom 270 Bischöfe auf ihrer Synode über Ehe und Familie diskutiert. Am Ende aber steht ein Abschlussdokument, das alle enttäuschen muss, die konkrete Änderungen gewünscht haben, zum Beispiel im Umgang mit Geschiedenen, die wieder geheiratet haben, mit Ehen ohne Trauschein oder mit homosexuellen Partnerschaften. Der Widerstand der konservativen Bischöfe in der Synode war zu groß.
[….]  Zu den wiederverheirateten Geschiedenen heißt es, das sakramentale Band der Ehe zu brechen, sei gegen den Willen Gottes, allerdings mache die "Komplexität der verschiedenen Situationen" Unterscheidungen notwendig. [….]  Ausdrücklich spricht der Text von einer "Berufung der Familie" - den Begriff Berufung verwendet die katholische Kirche sonst bei Priestern und Ordensleuten; theologisch wird die Ehe also aufgewertet. [….]

Freitag, 23. Oktober 2015

Nächstenliebe 2015

Der neueste Hype ist das Veröffentlichen von „Faktenchecks“ zur „Flüchtlingskrise“.
Man will menschliche Schicksale in Zahlen fassen, errechnen was das kostet, ob es „uns was bringt“.
Sehr praktisch für die Xenophoben der C-Parteien, denn so können sie sich hinter pseudo-objektiven Floskeln verstecken und sich als „Stimme der Vernunft“ inszenieren.
So müssen sie aber insbesondere nicht laut aussprechen, was ihre eigentlichen Beweggründe sind: Tumbes Deutschtum und Fremdenfeindlichkeit.


Dabei ist doch die Haupterrungenschaft unserer demokratischen Gesellschaft, daß wir die Menschen eben nicht nur als ökonomische Kenngrößen betrachten.
Rein ökonomisch betrachtet wäre es auch sinnvoll Rentner einzuschläfern und Behinderte zu ersäufen.
Aber wir haben es glücklicherweise gelernt, daß JEDER Mensch eine unantastbare Würde hat, daß man sie eben nicht wie zu den christlichen Zeiten der Leibeigenschaft nach Belieben quälen und fremdbestimmen darf.

Schon allein aus grundlegenden moralischen Erwägungen obliegt es uns also auch 95-Jährige oder geistig Behinderte aufzunehmen.
Menschen an sich „kosten“ und sind unter rein ökonomischen Aspekten negativ.

BTW; es ist unfair wie sich jetzt 99% der Comedians auf Sigmar Gabriels angeblich so pampige Antworten im Schausten-Interview stürzen.
In Wahrheit war diesmal ER völlig im Recht, weil sie ihn immer wieder reißerisch auf eine Flüchtlings-Obergrenze festnageln wollte. Der Vizekanzler wies das RICHTIGERWEISE von sich, belehrte die ZDF-Frau, daß man so eine Grenze nicht nennen könnte und regierte schließlich ungehalten, als diese tumb immer weiter bohrte.
Man kann rechtlich keine Obergrenze von beispielswiese einer Million Menschen pro Jahr setzen und dann dem Einemillionundeinsten sagen, er hätte leider Pech gehabt und ihn dann zum Geköpft-werden nach Syrien zurückschicken.


Frau Merkel hat es schon vor über einem Monat klar gesagt: Das Asylrecht ist ein Grundrecht in unserer Verfassung  - Artikel 16a - und somit kann es gar keine „Obergrenze“ geben. Was auch immer man von Frau Merkel halten mag, aber hier ist sie im Recht!

Grundrechte werden in Deutschland in der Bundesverfassung und in einigen Landesverfassungen gewährleistet. Im Grundgesetz sind die Grundrechte im gleichnamigen I. Abschnitt (Artikel 1 bis 19) verbürgt. Sie sind subjektive öffentliche Rechte mit Verfassungsrang, die alle Staatsgewalten binden.
(Wikipedia)

Es kommen aber weitere Argumente hinzu.

1.   hat Deutschland eine bekannte Geschichte als Haupt-Fluchtverursacher und Genozid-Staat.
2.   sind wir auch heute für viele Fluchtursachen direkt verantwortlich und
3.   sind die Flüchtlinge eben kein „Verlustgeschäft“, sondern ein Segen für Deutschland.

Natürlich ist es unter rein ökonomischen Aspekten unbedingt erforderlich den hier Ankommenden so schnell wie möglich Zugang zum Arbeitsmarkt zu gewähren und Sprachkurse anzubieten.

Hier versagt Merkels Regierung vollständig und umfassend.
Heute in Deutschland ankommende Flüchtlinge erhalten den frühsten Termin beim BAMF, um überhaupt einen ANTRAG auf Asyl stellen zu können, im Spätsommer 2016.
Danach dauert es weitere Monate bevor eine Arbeitserlaubnis erteilt werden kann.
Gebildete und motivierte Menschen sind also dazu verdammt anderthalb Jahre untätig rumzusitzen und der Innenminister empört sich auch noch, wenn diese es wagen ihre Asylunterkunft zu verlassen, womöglich sogar Taxi fahren.
Um ihnen die Integration zusätzlich maximal zu erschweren, hat unsere grandiose Koalition nun auch noch beschlossen Geldmittel „soweit wie möglich“ durch Sachmittel zu ersetzen. Das heißt in der Praxis, daß es TEURER für den Staat wird, weil dafür erst Bürokratie und Personal in Massen geschaffen werden muß. Es heißt aber auch, daß den Flüchtlingen die Möglichkeit genommen wird mit eigenem Geld einkaufen zu gehen und dabei auf Deutsche zu treffen, der hiesigen Kultur überhaupt zu begegnen.
CDU, CSU und SPD haben also ein großes und teures Integrationshemmnis beschlossen.

Ein auch nur halbwegs fähiger Innenminister würde nun endlich mal anfangen Integrationshemmnisse abzubauen und zumindest das tun, was seit 10 Jahren jeden Tag gefordert wird: Sprachkurse anbieten und akademische Abschlüsse anerkennen.
De Maizière begreift es aber einfach nicht, tut das diametral Falsche; läßt weiter abschrecken.

Doch die Flüchtlinge und Helfer scheitern oft noch an den Strukturen in Deutschland, deren Motto scheint: "Abschrecken statt einbinden". Denn in deutschen Gesetzen und Verordnungen wimmelt es noch von Paragraphen, die eine Integration schwer machen, sagt etwa Prof. Herbert Brücker vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. "Wir haben lange versucht, Asylbewerber und Flüchtlinge abzuschrecken. Menschen, die man in ihre Heimatländer zurückschicken will, versucht man gerade nicht in den Arbeitsmarkt zu integrieren, versucht man nicht auszubilden, versucht man nicht sprachlich zu fördern. Das ist alles Gift für die Integration."

Es ist wie ein schlechter Witz. Auch wenn der phlegmatische Sachse es lange zu verheimlichen suchte: Es kommen dieses Jahr 800.000 bis 1.000.000 Heimatvertriebene nach Deutschland.
Hunderttausende sind lange da und im ganzen Jahr 2015 schafft es de Maizière gerade mal Deutschkurse für 1.500 Menschen zu organisieren.

Was für eine erbärmlich schlechte Regierungsleistung!
Totalversagen auch beim so wichtigen Thema „Integrationskurse“

Berlin Es gibt zu wenige Integrationskurse
[…] Trotz aller Bekenntnisse zu einer entschlossenen Integrationspolitik reichen die Integrationsangebote des Bundes bisher nur für einen Bruchteil der Flüchtlinge: Der Großteil der dieses Jahr eingereisten Menschen wird frühestens im kommenden Jahr an entsprechenden Kursen mit Sprachunterricht und einer Orientierung in Recht, Kultur und Geschichte teilnehmen können. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervor, die dem Abendblatt vorliegt.
Danach werden an den Integrationskursen, die die Bundesregierung als "Kernstück" des Integrationsangebots bezeichnet, in diesem Jahr nur insgesamt 190.000 Zuwanderer teilnehmen – lediglich 50.000 mehr als im vergangenen Jahr, obwohl sich die Zahl der Flüchtlinge voraussichtlich verfünffacht hat. Linken-Fraktionsvize Sabine Zimmermann warf dem Bund Versagen vor: "Die Maßnahmen der Bundesregierung zur Schaffung eines ausreichenden Angebots an Sprach- und Integrationskursen sind völlig unzureichend", sagte Zimmermann dem Abendblatt. "Doch ohne eine gute Sprachförderung ist es für viele Betroffene schwer bis unmöglich, in Arbeit zu kommen." Die große Koalition sei "an dieser Stelle der größte Integrationsverweigerer". Bisher waren Asylsuchende und Geduldete von den Kursen ausgeschlossen, nur anerkannte Asylbewerber und Flüchtlinge durften teilnehmen. […]

Tja, wenn die Deutschen nicht so doof wären den „ökonomischen Nutzen“ der Zuwanderung mit aller Macht zu blockieren, könnte dieses Land noch viel mehr von den neuen Bürgern profitieren.


Flüchtlinge zu integrieren und zu fördern ist zwar nach absoluten Zahlen „teuer“ – man spricht von bis zu 10 Milliarden Euro, die das dieses Jahr kosten kann.
Aber relativ gesehen ist das bei sprudelnden Steuereinnahmen doch recht wenig.
160 Milliarden Euro verprassen wir, weil Schäuble und Co sich hartnäckig weigern gegen Steuerflucht und Steuerschlupflöcher vorzugehen.
Wir sehen debil-glücklich zu, wie internationale Riesenkonzerne (Eon, Amazon, IKEA, Starbucks, etc) Milliardengewinne in Deutschland machen und keinen Cent Steuern zahlen, weil sie DANK UNSERER GESETZE legal in irgendeiner Steueroase hocken und sich arm rechnen.
Sogar die katholische Kirche, die schon von Grundsteuern befreit ist, geht bei ihren Beteiligungen so vor, daß diese in Holdings im Ausland gebündelt sind, so daß auf die gewaltigen Gewinne kein Cent Steuern in Deutschland gezahlt wird.
Das Bistum Köln (drei Milliarden Euro auf der hohen Kante) wickelt beispielsweise seine Immobiliendeals mit Hilfe von PricewaterhouseCoopers in den Niederlanden ab.


Wir sollten also sehr froh über den Segen der Zuwanderung sein und uns für den Brain-Drain schämen, den diese Migration in den Herkunftsländern bedeutet.
Deutschland hat im Moment großes Glück.
Da sind sich die Fachleute weitgehend einig.
Wir können es uns aber selbst kaputt machen, indem wir der AfD-Pegida-CSU-Pest nachgeben und weiterhin indolent zusehen, wie hunderte rechtsradikale Anschläge passieren.

Vielfalt zahlt sich aus
Steve Jobs war das zur Adoption freigegebene Kind eines Syrers. […]
Über viele Jahrzehnte hinweg waren die USA das Traumland zahlreicher Einwanderer und ein Vorbild für Offenheit und Willkommenskultur. So auch für das Mathematiker-Ehepaar Michael und Eugenia Brin, das 1978 die damalige Sowjetunion verließ. Obwohl sie nicht direkt in ihrer Existenz bedroht waren, so sahen sie doch aufgrund ihres Glaubens in den politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umständen ihrer Heimat keine Perspektive für sich. Sie wollten einfach ein besseres Leben haben. Würden sie heute nach Deutschland kommen? Und würden wir sie aufnehmen? Die aktuelle Flüchtlingssituation wirft für viele Menschen bei uns die Frage auf: Wie offen, wie einladend, wie vielfältig, aber auch wie risikofreudig und tolerant wollen wir als Gesellschaft insgesamt sein? Und was haben wir am Ende von dieser neuen Vielfalt?
Sergey, der Sohn der Brins, war fünf Jahre alt, als er mit seinen Eltern in die USA kam. Heute steht der Mitbegründer und Technik-Chef von Google auf Platz elf der Forbes-Liste der reichsten Menschen. Sein Unternehmen beschäftigt mehr als 50 000 Mitarbeiter, 60 Prozent von ihnen in den USA, dem Gastland der einstigen Einwandererfamilie. Google steht auf Rang drei der wertvollsten Unternehmen in den USA. Rang eins belegt Apple. Gegründet von Steve Jobs, dem zur Adoption freigegebenen Kind eines Einwanderers aus Syrien. Offenheit hat sich ausgezahlt.
Dass Vielfalt gewinnbringend ist, lässt sich auf der Ebene eines einzelnen Unternehmens mittlerweile mit harten Fakten belegen. Das beginnt schon bei der Personalbeschaffung: Wer unabhängig von Herkunft, Geschlecht und anderen Ausgrenzungskriterien rekrutiert, der weitet seinen Talent-Pool aus, verkürzt die Zeit für Stellenbesetzungen deutlich und verdient schneller Geld. Für vielfältig zusammengestellte Teams im Unternehmen lässt sich nachweisen, dass diese mit 45 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit in der Lage sind, Marktanteile gegenüber den Wettbewerbern auszubauen. Spezielle Untersuchungen bei mittelständischen Unternehmen haben gezeigt, dass diejenigen mit höherer ethnischer Vielfalt im Vergleich zu anderen mehr Kunden und Aufträge gewinnen können.
Die Gründe liegen auf der Hand: Eine breitere Aufstellung schafft ein umfassenderes Verständnis unterschiedlicher Zielgruppen und bietet mehr Ansatzpunkte zum Aufbau einer Kundenbeziehung. Besonders deutlich zeigt sich dies bei der Erschließung neuer Märkte. Hier ist ein vielfältig zusammengestelltes Team mit einer siebzigprozentigen Wahrscheinlichkeit erfolgreicher als ein eher homogenes Team. Und Teams, die ein besonders hohes Maß an Vielfalt aufweisen, erzielen Performance-Werte, die - je nach Studie - zwischen 35 und 80 Prozent über herkömmlichen Teams liegen.
[…] Auch aus volkswirtschaftlicher Sicht ist der Nutzen der Zuwanderung für die Gesellschaft längst bewiesen. So füllen schon heute mehrheitlich Menschen mit Migrationshintergrund einen größeren Teil der wachsenden Fachkräftelücke, beispielsweise im Gesundheitswesen. […]

Flüchtlinge nutzen mehr, als sie kosten.
Ökonomisch war selten etwas so sinnvoll wie Angela Merkels “Wir schaffen das” von Anfang September, während ihr peinlicher Bittgang zum türkischen Autokraten aus ökonomischer Sicht unnötig und sogar kontraproduktiv war. Unser alterndes Land braucht auf Jahrzehnte hinaus Zuwanderer, wenn es seinen Lebensstandard halten will, wenn nicht immer weniger Erwerbstätige eine immer größere Zahl von Alten versorgen sollen.
Ich halte die Flüchtlinge für ein unerwartetes und höchst willkommenes Geschenk. Ein paar arme Länder treten einen Teil ihres “Humankapitals” an eines der reichsten Länder ab, ohne etwas für die “Investitionskosten” zu verlangen, also die Kosten für die Erziehung und Ausbildung der meist jungen Menschen, die zu uns kommen. Wir sollten uns für dieses Geschenk erkenntlich zeigen, auch finanziell, wenn es die Umstände eines Tages zulassen.
Um es etwas abstrakt mit den Begriffen der Volkswirte auszudrücken: Der Gegenwartswert der künftigen Wertschöpfung (des Einkommens) eines Flüchtlings dürfte bei mindestens 750.000 Euro liegen, die Kosten der Integration und der Vorbereitung auf das Berufsleben in Deutschland aber höchstens bei 50.000 Euro. Wir zahlen 50.000 Euro für etwas, das einen Wert von 750.000 Euro hat.
[…] Im Frühjahr hatte die Bertelsmann-Stiftung eine Studie veröffentlicht, in der gezeigt wurde, dass es ohne eine beträchtliche Netto-Zuwanderung von außerhalb der Europäischen Union nicht möglich sein wird, die Anzahl der Erwerbspersonen bei rund 45 Millionen zu stabilisieren. Ganz ohne Zuwanderung wäre bis 2050 mit einem Rückgang auf 29 Millionen zu rechnen. Diese Gruppe müsste dann immer mehr Menschen unterhalten, die nicht arbeiten, Kinder, Jugendliche in der Ausbildung, Hausfrauen und Hausmänner, Arbeitslose, Arbeitsunfähige und Rentner. Das wird nicht leicht fallen. Es ist im allgemeinen Interesse, dass es nicht zu einem solchen Ungleichgewicht kommt.
[…] Ich halte es für die Pflicht der Politiker, den Menschen klarzumachen, dass wir mit dem Flüchtlingsansturm keineswegs finanziell überfordert sind, dass wir es hier vielmehr mit einer einmaligen Chance zu tun haben, die wir uns nicht durch Kleinmut entgehen lassen sollten.

Das heutige Schlusswort gebe ich den Experten für Nächstenliebe.
Einem Pfarrer, der sich den Lehren der Bibel verpflichtet fühlt.

Freikirchenprediger nennt Flüchtlinge "räuberische Horden"
[…] Mit polarisierenden Äußerungen zu Flüchtlingen hat der Pastor einer Evangelischen Freikirche in Riedlingen (Kreis Biberach) heftige Kritik auf sich gezogen. Der Mann hatte unter anderem von einer "illegalen, zum Teil sogar gewaltsamen Invasion" gesprochen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wolle das deutsche Volk in "bürgerkriegsähnliche Zustände" steuern.
"Jesus hat definitiv nicht davon gesprochen, dass wir unser Land von einfallenden räuberischen Horden ausplündern lassen müssen", sagte der Pastor in einer Predigt, die als Tondatei auf der Webseite der Freikirche veröffentlicht wurde. […]



Donnerstag, 22. Oktober 2015

GOP, 13 Monate vor der Wahl


Ja, es gab inzwischen auch eine Präsidentschaftskandidatendebatte der Demokraten, bei der Bernie Sanders wie zu erwarten sehr gut ankam, aber interessanter war eigentlich die anschließende Rezeption in den Medien.
Alle verkauften Clinton als strahlende Siegerin, nahmen die anderen „Zwerge“ gar nicht ernst.
So ist es wohl. Bei den Demokraten geht es nicht so sehr um Eignung oder gar Argumente (die hätte eher Sanders), sondern um die Medienmacht und Vernetzung. Hillary ist erheblich bekannter und reicher als alle anderen zusammen.
Joe Biden, der prominenteste demokratische Mitbewerber zog inzwischen offiziell seine Ambitionen zurück. Weg frei für Clinton.
Ich kann damit leben, auch wenn ich natürlich viel lieber einen Präsident Sanders hätte. Aber ich denke, er hätte einfach zu schlechte Chancen gewählt zu werden und außerdem ist sein Apparat zu schwach, um die garantiert anstehende Schmutzkampagne der Republikaner zu parieren.
Am Ende säße womöglich einer der GOP-Irren im Oval Office. Das kann man nicht riskieren.
Also go Hillary, go.

Fragt sich nun noch, welcher GOPer gegen sie antritt.
Nach den ersten beiden TV-Debatten ist das noch keineswegs klar.

Ein kleines bißchen lichten sich die Reihen. Der ultrareligiöse Scott Walker hatte Probleme mit seinem Wahlkampfberater Gott.
Es war nämlich Gott persönlich, der ihm befahl zu kandidieren.
Walker folgte brav und gab für seine Kampagne rund $70.000 pro Tag aus.
Anfang dieses Monats hatte er rund eine Millionen Dollar Schulden und keine Spender mehr.
Zuvor hatte aus dem gleichen Grund auch Rick, the brain, Perry aufgegeben.

Von den verbliebenen Clowns stehen die vier Irrsten auf den vorderen Plätzen.
Man soll zwar keinen Umfragen trauen, die man nicht selbst gefälscht hat, aber den verschiedenen Polls ist immerhin gemeinsam, daß Carson und Trump vorn liegen und daß der Mann des Establishments, Jeb Bush, nicht die 10% erreicht.

A newly released Quinnipiac poll conducted among likely caucus-goers in Iowa from October 14-20 shows Carson in first place at 28 percent and Trump in second place at 20 percent. Rubio has 13 percent while Cruz has 10 percent. The rest of the candidates are polling in single digits.

Overall, Trump's 27% leads the field, followed by Carson at 22%, both head and shoulders above their nearest competition. Former Florida Gov. Jeb Bush and Florida Sen. Marco Rubio are tied for third place with 8% support each, followed by former Arkansas Gov. Mike Huckabee and Kentucky Sen. Rand Paul each at 5%. Fiorina, New Jersey Gov. Chris Christie and Texas Sen. Ted Cruz each have 4% support, while Ohio Gov. John Kasich is at 3%. Former Pennsylvania Sen. Rick Santorum stands at 2% and South Carolina Sen. Lindsey Graham holds 1%.

With the backing of 25 percent of Republican primary voters, Trump is at his highest level of support in the poll since entering the 2016 race. Carson now gets the support of 22 percent of Republican voters, remaining within the margin of error of his first-place rival. Last month, 21 percent of GOP primary voters said Trump was their first choice for the party's nomination, while 20 percent picked Carson.

Nachdem sich Jeb Bush endlich dazu durchgerungen hatte seinen Bruder George dafür zu loben Amerika sicher gemacht zu haben, fällt ihm diese Aussage eigenartigerweise immer wieder vor die Füße



Manchmal haben Donald Trumps Pöbeleien ja einen wahren Kern. Ex-Präsident George W. Bush, so implizierte er dieser Tage, trage zumindest eine Mitverantwortung für die Terroranschläge des 11. September 2001: "Das World Trade Center wurde zu seiner Amtszeit zerstört."


Damit wagte sich Trump an eines der größten Tabus seiner Partei. Dass die Bush-Regierung viele Vorzeichen ignoriert hatte und 9/11 vielleicht sogar hätte verhindern können, das darf kein US-Republikaner laut aussprechen. Doch Trump sagt, was andere kaum zu denken wagen.


Niemand wird mir unterstellen auch nur einen Hauch Sympathie für die Teebeutler zu haben, aber mit einem liegen sie nicht so falsch: Das GOPer Parteiestablishment ist am Ende.


John Andrew Boehner, seit knapp fünf Jahren Sprecher des Repräsentantenhauses und damit offiziell nach Präsident und Vize-Präsident der drittmächtigste Mensch der US gab am 25. September 2015 bekannt zurück zu treten.
Nun herrscht seit vier Wochen Hauen und Stechen bei den GOPern. Sie stellen zwar eine satte Mehrheit, aber unter ihnen sind derartig viele komplett Wahnsinnige, daß sich niemand findet, der freiwillig diesem Konglomerat des Schwachsinns vorsitzen will.


Speaker - verzweifelt gesucht
[…] Um den Zwist in der Republikanischen Partei zu illustrieren, reicht ein einziger Tweet, geschrieben hat ihn die Pressestelle des Abgeordneten William McClellan Thornberry. Die bestätigte, dass dieser auf die Frage, ob er für das Amt des Speakers des Repräsentantenhauses kandidiere, für das formal höchste Amt nach dem Präsidenten und dessen Vize, dem Parlamentsvorsitz also, gesagt habe: "Eher werde ich Vegetarier."
[…] Das Wall Street Journal sprach von einem unversöhnlichen Graben: Auf der einen Seite stehen jene, die beweisen wollen, dass die Grand Old Party imstande ist, Regierungsverantwortung zu übernehmen. Männer wie Boehner also, die mit Blick auf die Wahlen im nächsten Jahr ihre Partei als mehrheitsfähig und besonnen präsentieren.
Ihnen stehen Mitglieder der Tea Party gegenüber, die ihre konservativen Prinzipien unbeirrbar hochhalten, die Kompromisse als Schwäche betrachten und bei jeder Gelegenheit gegen das Establishment wettern. […] Offen ist, ob Wunschkandidat Paul Ryan das Amt antreten wird. Ryan, 45, ist ein bekanntes Gesicht, er war 2012 auf Mitt Romneys Ticket als Vizepräsident vorgesehen, ein Haushaltsexperte, von dem es heißt, er wolle eines Tages selber ins Weiße Haus hinter den Tisch im Oval Office. Ryan überlegt sich nun offenbar, ob ihm das Amt des Speakers dabei eher nützen oder schaden könnte.
[…] Der chaotische und führungslose Eindruck, den die amerikanischen Konservativen derzeit hinterlassen, wird zusätzlich genährt durch einen Wahlkampf, den die bisherigen Nicht-Politiker Donald Trump, Ben Carson und Carly Fiorina dominieren. […]

So kann es kommen. Die Republikaner sind steinreich, haben Milliardenschwere Spender, sitzen auf absoluten Mehrheiten in beiden Kammern des Parlaments und werden von einer mächtigen Allianz aus ultrarechten Medien gestützt, aber dadurch haben sie die Selbstdebilisierung so weit getrieben, daß sie sich noch nicht einmal mehr selbst leiden können.


Trumps Präsidentschaftskandidatur bricht mit allen Konventionen. Er beleidigt, lügt, hetzt - vor allem auch gegen Minderheiten und Ausländer. […] Ähnlich Trumps Parteirivale Ben Carson: Getarnt hinter der Maske des netten Onkels, profiliert sich der Gehirnchirurg a.D. mit immer wilderen Statements, die nicht nur eine profunde Unkenntnis der Geschichte bezeugen, sondern auch einen skrupellosen Hang zur Agitation.

 
Etwa seine Behauptung, der Holocaust wäre wahrscheinlich nicht geschehen, hätten die Juden bloß private Schusswaffen gehabt. Carson liebt Nazi-Analogien: Er vergleicht Obama mit Hitler und die Demokraten mit der NSDAP und empfiehlt die Lektüre von "Mein Kampf", in dem er Omen für Amerikas Niedergang sieht, ohne es wohl selbst gelesen zu haben.


Trotz solcher Aussagen werden beide immer populärer: In jüngsten Meinungsumfragen begeistern sie gemeinsam fast die Hälfte der republikanischen Vorwähler. Alle anderen Kandidaten rangieren nur noch unter ferner liefen.
Dieser US-Wahlkampf ist mehr als der übliche Zirkus. Sarah Palin, die 2008 als dümmlich-stolze Vizekandidatin der Republikaner Schlagzeilen machte, verblasst gegen die heutigen Stars: Trump und Carson zündeln mit einem populistischen, fremdenfeindlichen, perfide offenen Nationalismus. […]




Mittwoch, 21. Oktober 2015

Wie man Rechtsradikalismus bekämpft.

Was sagt die Sächsin, wenn sie ihren Sohn sucht?
 - Ich geh‘ mal nach dem Rechten sehen!

Es gibt ein paar soziologische Erkenntnisse über das Gedeihen des Rechtsextremismus, die unstrittig sind.

Jugendliche denken rechtextremer je ungebildeter sie sind.
Berufliche und soziale Perspektivlosigkeit fördert Rechtsextremismus.
Die Abwesenheit von Schwulen/Juden/Ausländern fördert Homophobie/Antisemitismus/Xenophobie. Die Ausländerfeindlichkeit ist in den Bundesländern am Größten, in denen es fast keine Ausländer gibt.
Antisemitismus blüht dort, wo nicht ein einziger Jude lebt.

Hier könnte also „die Politik“ präventiv wirken, indem Aufklärungsarbeit geleistet wird, in Schulen investiert wird und „abgehängten Jugendlichen“ Chancen eröffnet werden.
Unglücklicherweise geht das in Deutschland nicht, da hier seit zehn Jahren Merkel regiert, die sich nicht für Bildungspolitik interessiert und achselzuckend hinnimmt, daß dauerhaft 50.000 Lehrer fehlen, inzwischen 8 Millionen funktionale Analphabeten generiert wurden, Grundschulen verfallen und nun sogar staatliche Gelder fließen, um Kinder von Bildung FERNZUHALTEN („Herdprämie“).
Die frühere Familienministerin Kristina Schröder denkt sogar selbst völkisch und drehte ostdeutschen Initiativen gegen Rechtsextremismus die finanzielle Unterstützung ab.
Zu allem Übel regiert in Sachsen schon seit 25 Jahren ununterbrochen die CDU, die dort erhebliche Schnittmengen mit AfD und NPD aufweist.

Im Bereich der Bildungs- und Sozialpolitik ist also nicht wirklich etwas zu erwarten, um die Pest des Rechtsextremismus einzuschränken.

Unglücklicherweise bleibt es nicht bei diesem gewaltigen Polit-Versäumnis, sondern viele Politiker der C-Parteien fördern auch noch aktiv die rechtsradikalen Stimmungen mit ausländerfeindlichen Sprüchen. Sie hoffen auf diese Weise an der Wahlurne belohnt zu werden und so benutzen sie in völlig verantwortungsloser Weise Trigger von der Ausländerkriminalität, der Ausländerflut, der demographischen Invasion oder der aussterbenden deutschen Leitkultur.

Im letzten Jahr glänzte neben vielen CSU-Sprücheklopfern an erster Stelle der Bundesinnenminister de Maizière mit xenophober Stimmungsmache.

Immer wieder beklagten Leitartikler und Menschenrechtler, daß damit erst der Boden für die rasant ansteigende Zahl rechtsextremistisch-terroristischer Attacken bereitet werde.

Die braunen Untermenschen von 2015 fühlen sich inzwischen so ermutigt, daß sie keinerlei Hemmungen mehr haben öffentlich ihren Hass auszuposaunen.

In der ARD läßt Günther Jauch devot die Hassflut eines Björn „Odo“ Höcke laufen. Der inzwischen nach ganz rechtsaußen abgedriftete homophobe Ultranationalist Akif Pirinçci hetzt eine halbe Stunde vor 20.000 Menschen in Dresden und von so einer Stimmungslage ermutigt wird am Vortag der Bürgermeisterwahl in Köln eine Kandidatin von einem Nazi fast umgebracht.

Möglicherweise war aber schon durch das Mitführen des Galgens für Merkel und Gabriel auf der vorherigen Pegida-Demo der Bogen etwas überspannt.


Bis Anfang des Monats waren es nur die Usual Suspects, die sich deutlich gegen Pegida und AfD positionierten. Die Linken, einige Grüne, Heiko Maas, Monitor und Anja Reschke.

Offensichtlich wurden aber einige durch das Attentat auf Henriette Reker aufgerüttelt. Wurde ihnen auf einmal klar, daß auch sie selbst Opfer des rechten Packs werden könnten?

Neuerdings gibt es klare Aufforderungen sich von Pegida zu distanzieren auch von Steffen Seibert, Peter Altmaier oder Thomas de Maizière.

Noch nicht angekommen ist diese Erkenntnis bei der CSU.
Dort wird weiterhin gegen Ausländer gehetzt – und das völlig sanktionslos.

Konsequenzen in der Partei? Keine.

[….]  Fassen wir zusammen: Eine CSU-Ortsvorsitzende kann gegen Ausländer hetzen und die höchsten Repräsentanten des Staates schmähen, muss sich dafür nicht einmal entschuldigen und bekommt dafür in ihrer Partei hundertprozentige Rückendeckung von Ortsvorstand, Gemeinderatsfraktion und Parteioberen im Landkreis. Was bitte ist die vom Kreisvorsitzenden Thomas Huber ausgerufene "Null-Toleranz-Politik" gegenüber fremdenfeindlichen Meinungen wert, wenn eindeutige Äußerungen aus Reihen der CSU ohne Folgen und die Redner im Amt bleiben?  Nichts als leere Worthülsen. [….] Es ist höchste Zeit, dass die Verantwortlichen bei der CSU aufwachen. Texte wie der von Sylvia Boher sind keine Aufforderung zum inhaltlichen Diskurs über die Flüchtlingspolitik, sondern Hetzschriften. Sie helfen in keiner Weise, die Situation im Landkreis produktiv voranzubringen, sondern dienen ausschließlich dazu, den ausländerfeindlichen Ton in der Asyldebatte weiter zu verschärfen. Sylvia Boher hat diese Haltung in der CSU hoffähig gemacht.

Pegida, AfD und NPD können sich also bei der CSU bedanken, daß ihr Gedankengut durch die CSU transportiert, akzeptiert und beworben wird.

Aber was soll man sich über eine Partei wundern, in der ein krimineller saufender Hurenbock, der durch und durch korrupt war, als gottgleicher Ehrenvorsitzender verehrt wird?
Aber was soll man sich über eine Partei wundern, in der Generalsekretär Scheuer Ausländern entgegen pöbelt, „Wer betrügt, fliegt!“, um dann nach seinem eigenen Dr.-Betrug nicht zu fliegen, sondern zu bleiben und noch mehr das Maul aufzureißen?
Aber was soll man sich über eine Partei wundern, in der Parteichef Seehofer den Ton vorgibt?

[….] Horst Seehofer spricht von "Notwehr". Bayerns Ministerpräsident sagt nicht genau, was er meint. Er raunt. Der CSU-Chef droht nicht den Flüchtlingen, wie dies Rechtsradikale tun; er droht vielmehr der Kanzlerin, er kündigt eine "wirksame Notwehr" Bayerns gegen die weitere Aufnahme von Flüchtlingen an.
[….] Staatsnotstand, Staatsnotwehr: Das ist eine Drohung mit Mitteln, die aus dem Gedankengebäude des absoluten Staates stammen. Die Lehre vom "ius extremae necessitatis" und vom "ius imperium eminens", vom "Staatsnothwehrrecht" also, läuft darauf hinaus, dass der Staat in einem Ausnahmezustand machen kann, was er will; es wird als Recht und Pflicht der Staatsgewalt angesehen, zur staatlichen Selbsterhaltung die dafür angeblich notwendigen Vorkehrungen zu treffen. So schreibt es Nikolaus Thaddäus Gönner in seinem Werk "Teutsches Staatsrecht" aus dem Jahr 1804.
Und so ähnlich vertrat es dann Carl Schmitt, der bekannteste und umstrittenste deutsche Staats- und Völkerrechtler des 20. Jahrhunderts. Von ihm stammt der Satz: "Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet". Die im Ausnahmezustand getroffenen Entscheidungen, so lehrte Schmitt, lassen sich in ihrer Richtigkeit nicht anfechten - ob es sich nun um Verurteilungen oder Notverordnungen handele.
Dem demokratischen Rechtsstaat ist solches Denken gänzlich fremd. Das Grundgesetz hat für genau bezeichnete Fälle (bei drohender Gefahr für den Bestand des Bundes oder eines Landes) ein Notstandsrecht geschaffen. Die Bewältigung steigender Flüchtlingszahlen ist keine Problemlage, die hier subsumiert werden kann.



Dienstag, 20. Oktober 2015

Fluchtursachen bekämpfen!

Zugegeben, mit einer These, die Merkel tapfer gegen die Braunen ihrer eigenen Partei verteidigt, hat sie recht: Zäune lösen das Flüchtlingsproblem nicht, Flüchtlinge werden immer einen Weg nach Deutschland finden.

Ich bin zwar der Meinung, daß viele Einwanderer für Deutschland ein Segen sind und gehöre zu den Leuten, die PEGIDA als „Gutmenschen“ verachtet, weil ich gerade besonders gerne in einem multikulturellen Umfeld lebe und die Verschiedenheit sehr schätze.
Aber WENN man die unfreiwillige Zuwanderung nach Deutschland begrenzen will, muß man in der Tat „die Fluchtursachen bekämpfen“, wie es Merkel, Gabriel und die anderen Minister gebetsmühlenartig verkünden.
Abschreckung, Strafrecht und Einmauern wird im 21. Jahrhundert so gut wie gar nichts nützen.
Es wäre auch sehr fraglich, was die jährlich ca 300.000 Deutschen davon halten, die ins Ausland ziehen, wenn CDU und CSU Deutschland undurchlässig einzäunten.

Nein, „Fluchtursachen bekämpfen“ ist schon richtig, damit diejenigen, die sich in ihrer Heimat wohlfühlen auch da bleiben können.
Guter Plan.
In der Theorie.

Wie aber funktioniert „Fluchtursachen bekämpfen“ in der Praxis?

Dazu hört man ganz weinig von der Bundesregierung, von Horst Seehofer und Björn Höcke.
Ich habe dafür auch kein Patentrezept.
Aber immerhin kann ich einige Punkte aufzählen, die das Gegenteil bewirken.

Es ist sicher nicht im Sinne von „Fluchtursachen bekämpfen“ die schlimmsten Krisengebiete der Erde aus denen die Menschen zu uns fliehen mit immer mehr Waffen aus Deutschland zu fluten!

Jan van Aken: Gabriels grenzenlose Waffenexporte
"Die Zahlen machen eines klar: Gabriels vollmundige Ankündigung einer restriktiven Rüstungsexportpolitik war nur hohles Gerede", kommentiert Jan van Aken, außenpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE, die Rüstungsexportzahlen des ersten Halbjahres. Van Aken weiter:
"Das, wofür Gabriel im letzten Jahr noch zwölf Monate gebraucht hat, hat er in diesem Jahr schon in einem Halbjahr geschafft: Rüstungsexporte für über sechs Milliarden Euro! Anstatt die tödlichen Exporte zu reduzieren, ist er auf dem Weg zu einem Allzeithoch.
Vollkommen fassungslos macht, dass auch noch Rüstungsexporte an die Golfstaaten genehmigt wurden, die Krieg im Jemen führen. Was Kriegs- und Krisengebiete sind, die ja angeblich nicht beliefert werden dürfen, definiert die Bundesregierung offenbar nach Gutdünken. Das zeigt aufs Neue, dass klare, gesetzliche Verbote nötig sind, um Waffenexporte zu stoppen. Sonst findet sich immer ein willfähriger Minister, der die Despoten am Golf mit Kriegsmaterial ausrüstet."

Völlig unverständlich auch, daß Merkel und Steinmeier erst im OKTOBER 2015 auf die Idee kommen mal mit König Salman und Präsident Erdogan über die Situation zu sprechen.

[…]  Natürlich ist der Dialog um die Migrationsbewegungen mit der Türkei notwendig. Aber besser wäre es gewesen, man hätte die gleiche Aufmerksamkeit schon früher für Ankara aufgebracht. Das gilt auch für die Kanzlerin. In den vergangenen Jahren hätte es viel mehr Möglichkeiten gegeben, die Türkei durch eine kluge Politik an Europa und an die europäischen Werte zu binden.
[…] Dass das nun unter den Bedingungen der Flüchtlingskrise geschieht, lässt Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Engagements der Kanzlerin hierfür aufkommen. Es ist einfach viel Zeit verspielt worden. […] Der Besuch war richtig, aber ich hätte mir gewünscht, dass die Kanzlerin, so wie es Frank-Walter Steinmeier bei seinem Besuch gemacht hat, nicht nur Erdogan und den Ministerpräsidenten trifft, sondern auch Vertreter der HDP und der CHP, also der Opposition. Das wäre zu diesem Zeitpunkt ein wichtiges Signal gewesen.

Und wie kann es eigentlich angehen, daß Frau Merkel dem türkischen Präsidenten jetzt mal eben mehrere Milliarden Euro anbietet, während mehrere Millionen syrische Flüchtlinge in Elendslagern Jordaniens und des Libanons hungern, weil es an Geld fehlt.

50 Cent pro Tag fürs Essen
[…] Wenn Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier Anfang dieser Woche in Jordaniens Hauptstadt Amman landet und in einer Limousine zum Königspalast gefahren wird, wird er einiges sehen von dieser Stadt und vieles nicht zu Gesicht bekommen. […] Über eine Million Menschen aus der Region hat Jordanien aufgenommen, darunter allein 630 000 syrische Flüchtlinge. Seit Hunderttausende syrische Flüchtlinge über die Türkei nach Europa gereist sind, schauen die Diplomaten wieder hierher: auf die Aufnahmeländer in der Region. […] Die Syrerin Safaa al-Hadschi, 23, fünf Kinder, lebt in einer Ein-Zimmer-Wohnung im Viertel Jabal Faisal. Ihr Zuhause kostet im Monat 100 Dinar, umgerechnet 125 Euro. Im Winter tropft es durch die Decke. Das Viertel, vor Jahrzehnten gegründet als palästinensisches Flüchtlingslager, bietet die günstigsten Mieten der Stadt. Wie Safaa leben 80 Prozent der syrischen Flüchtlinge in Jordanien in Städten statt in Lagern. Zwei Drittel von ihnen haben nicht genug Geld für ein Dach über dem Kopf und einen vollen Magen.
Safaas Mann verdingt sich als Tagelöhner, in guten Wochen bringt er so etwa 50 Euro nach Hause. Die Arbeit bedeutet Gefahr, denn ohne Genehmigung dürfen Flüchtlinge in Jordanien nicht arbeiten, und wer erwischt wird, dem droht die Abschiebung. Eine Arbeitserlaubnis aber kostet bis zu 500 Euro im Jahr - unerschwinglich für Familie al-Hadschi und die allermeisten. Wie Zehntausende Flüchtlinge sind sie auf Hilfe angewiesen. Die Lebensmittelgutscheine des Welternährungsprogramms sind allzu knapp bemessen. Weil dem zuletzt die Spenden ausblieben, steht selbst den bedürftigsten Flüchtlingen weniger als 50 Cent am Tag für Essen zur Verfügung. Sie brauchen wieder mehr Hilfe, um zu überleben, sagt Safaa. Doch mehr als Marken und Rationen wünscht sie sich: "eine Arbeitserlaubnis". Hilfen allein, zumal unzuverlässige, ersetzen keine Zukunftsperspektive. […]

Und das sind nur ein paar aktuelle Fluchtursachen-generierende politische Taten Deutschlands.

Die längerfristige Ausbeutung Afrikas wird kontinuierlich verschärft.

[…] Der Vorsitzende der Konferenz der Linken-Fraktionsvorsitzenden von Bund und Ländern, der Hesse Willi van Ooyen, lehnt es ab, „dass wir den Menschen aufoktroyieren, wo sie leben sollen“. Mit Sanktionen werde man die Menschen nicht aufhalten. Flucht könne man nur bekämpfen, indem man ihre Ursachen beseitige.
Wissler pflichtete ihm bei. „Wenn man Waffen in alle Welt liefert, wenn man Diktatoren unterstützt, wenn man die Meere leer fischt – dann hat man die Situation, dass die Menschen weggehen“, sagte sie. Hinzu komme noch die katastrophale Veränderung des Klimas, das Menschen in die Flucht treibe.
„Die Menschen werden sich von schärferen Grenzkontrollen nicht abschrecken lassen“, urteilt auch Kristina Vogt, Vorsitzende der Linken in der Bremer Bürgerschaft. Die Exportabkommen, die europäische Staaten mit vielen afrikanischen Ländern getroffen hätten, seien „absurd“. Sie trügen dazu bei, die örtlichen Wirtschaftsstrukturen zu zerstören, sagte Vogt der Frankfurter Rundschau. Ebenso müsse das „Landgrabbing“ bekämpft werden. Dabei würden große Konzerne die örtlichen Landbesitzer mit internationaler Unterstützung enteignen. Der Fraktionsvorsitzende der Linken in Sachsen-Anhalt, Wulf Gallert, fügte hinzu: „Die EU produziert durch ihre Handelspolitik Armut und Fluchtursachen.“ Nun erreichten „die Folgen der europäischen Politik Europa zu Fuß“. […]

Da wundert man sich noch, daß die von EU-Politik ruinierten Menschen irgendwann ihre Füße in die Hand nehmen und auch hierher kommen wollen?

Merkel ist nicht irgendwer in der EU; sie könnte durchaus die Entwicklungshilfe auf die seit vielen Jahren zugesagten 0,7% BIP anheben und aufhören aus reiner Profitgier die EU-Agrarwirtschaft Afrika ausbeuten zu lassen.

Was die deutsche Bundesregierung treibt ist offensichtlich das Gegenteil von „Fluchtursachen bekämpfen“.
Aber strategische Politik lehnt Merkel ab. Sie geht grundsätzlich nicht an die „Ursachen“, sondern fummelt viel zu spät an ein paar Symptomen herum.
Zur Freude des Urnenpöbels natürlich; denn der die tumben Wähler fürchten sich gar sehr vor grundlegenden Änderungen und Reformen.