Mittwoch, 25. Januar 2017

#IBES

Bezüglich der Bildung funktioniert Fernsehen wie Internet.
Es macht Kluge klüger und Dumme dümmer.

(….) 95% der ausgestrahlten Programme halte ich zumindest für Zeitverschwendung, wenn nicht gar für Volksverdummung.
Zu einem willkürlichen Zeitpunkt willkürlich einen Sender einzuschalten, birgt also ein enormes Risiko sich selbst dümmer zu machen.
Der GONG druckt das Programm von 56 Sendern ab. Das sind also 1.344 Stunden Programm pro Tag. Selbst wenn 95% davon aus meiner Sicht mindestens überflüssig sind, bleiben mit gut 67 Stunden weit mehr Programm als ein Mensch sich ansehen kann.
Ich muß also genau auswählen und abwägen welche Sendungen ich so priorisiere, daß ich sie tatsächlich angucke. (….)

Unglücklicherweise verhalten sich Programmqualität und Einschaltquote in der Regel umgekehrt proportional zueinander.

Richtig schlimmer Mist wie Volksmusikhitparaden oder Fußball erreicht ein zweistelliges Millionenpublikum, während hochinteressante Dokumentationen auf arte gerade mal ein paar Tausend Zuschauer haben.

Bei anderen Medien sieht es genauso aus.

Die BILD-Zeitung hat eine Reichweite von täglich über zehn Millionen Menschen, während die auf ungleich höherem Niveau angesiedelten Berliner Kollegen von der taz 50.000 Exemplare am Tag verkaufen.
BILD und Bild.de sind echter Dreck, den aber jeden Tag 100 mal so viele Menschen lesen, wie die taz.

Ich bin sicher, daß ähnliche Klickzahlen-Korrelationen für die Online-Medien gefunden werden.

Qualität und Popularität treffen sich üblicherweise nicht.

Allerdings gibt es Ausnahmen im künstlerischen Bereich.
Adeles Hello-Video von Xavier Dolan wurde auf Youtube 1,9 Milliarden mal aufgerufen und die Frau kann zweifellos tatsächlich singen – egal ob man das Musikgenre mag oder nicht.
Auch Unterhaltungsserien wie „House Of Cards“, die brillant gemacht sind, können gleichzeitig ein kommerzieller Erfolg sein.

Menschen mit Geschmack und Anspruch können also in ihren Vorlieben durchaus ab und zu eine Schnittmenge mit dem Massengeschmack bilden.

Kluge Menschen können sich aber auch mal in die Niederungen begeben, um unterhalten zu werden.
Das wird bei Proll-Sport oder Dumm-Talkshows durchaus akzeptiert.

Nach 11 Staffeln RTL-Dschungelcamp gibt es aber immer noch Menschen, die sich empört über die Sendung erheben, ihre Zuschauer verdammen und zum Boykott aufrufen.

Warum eigentlich?
Es handelt sich dabei um ein Show-Format, bei dem wie in 100 anderen Unterhaltungsshows sogenannte C-Promis vorgeführt werden.
„Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ (#IBES) fällt allerdings gleichzeitig aus dem Rahmen:

1.) Statt der üblichen Sinnlos-Plappereien der üblichen Quizz-Moderatoren, werden hier mit STERN-Kolumnist Micky Beisenherz und Star-Autor Jens Oliver Haas zwei der besten deutschen Texter eingesetzt.
2.) Anders als bei anderen RTL-Shows ist #IBES ein fester Bestandteil des seriösen Feuilletons – SZ, SPIEGEL und Co – alle analysieren täglich die Dschungelgeschehnisse.
3.) #IBES spielt in einer deutlich höheren Quotendimension.
4.) Autoren und Moderatoren bedienen mehrere Meta-Ebenen. Man kann die Sendung als reine Unterhaltungsshow sehen, oder auch zwischen den Zeilen der Moderationen die mit politischen Anspielungen gespickten Nebentöne auffangen.
5.) Die Show ist fair; es gibt zwar eine enorme Fallhöhe; die Teilnehmer können sich entsetzlich blamieren, aber es sind alles Medienprofis, die das Spiel kennen. Immer wieder gelingt es einigen die Chance zu nutzen und durch die Dschungelpopularität wieder ins Geschäft zu kommen.
6.) Die Teilnahme am Dschungelcamp wird sehr gut bezahlt und erfolgt selbstverständlich freiwillig. Jeder Kandidat kann jederzeit aussteigen und jeder Zuschauer ist frei den Aus-Knopf zu drücken, bzw gar nicht erst einzuschalten.
7.) Der Haussender RTL, sonst eher nicht für Showqualität bekannt, wird durch das enorme Interesse der großen Zeitungen zu Höchstleistungen auch auf Nebenkriegsschauplätzen animiert. Allein schon auf die kurz im Hintergrund angespielte Musikauswahl zu achten, beweist wie akribisch die Macher vorgehen.

[….] „Auch auf die Gefahr hin, jetzt wie einer dieser schlimmen Presser zu klingen, die in der Großraumdisco den ganzen Abend wie schlechtgeschmackliche Übergriffler an der DJ-Kanzel kleben, um sich "It's Raining Men" zu wünschen: Es wäre doch wirklich sehr schön, wenn in den nächsten Tagen zur musikalischen Honeyhintermalung einmal "The People Who Grinned Themselves to Death" von den Housemartins eingespielt werden könnte - ein geradezu prophetischer Song, in dem nicht nur dessen Bleckstörung thematisiert wird, sondern auch seine Bronchialproblematik: "The people who grinned themselves to death / smiled so much, they failed to take a breath". Wobei die RTLsche Musikabteilung auch in diesem Jahr ohnehin schon feine Arbeit leistet und Jarle Skavhellens "The ghost in your smile" einspielte, als Honey sich mal wieder bei der Lagerfeuerwache durch die Nacht feixte und, kaum egoman, ein "H" in die Sitzbank schnitzte - mit der schönen Zeile: "I'll be the black tooth / In your Hollywood grin". Und ein Extralob natürlich für den Einsatz von "Being boring" beim nicoleschen Camp-Auszug.“
(Anja Rützel, 24.01.2017)

8.) #IBES bietet derart viel feuilletonistisch verwendbares Material, daß ein enormer texterischer Mehrwehrt entsteht. Die spöttisch-psychologisierenden Analysen in vielen Zeitungen zeigen Humor als ganz hohe Kunst.

Aus dem Rahmen fällt das erzkonservative FUNKE-Erzeugnis „Hamburger Abendblatt“, welches natürlich auch ein Stück vom Kuchen abhaben möchte und dementsprechend täglich aus dem Dschungel berichtet – allerdings gleichzeitig um ihre tumbe, konservative Leserschaft zu beruhigen einen empörten Professor das Wort erteilt.

Der Hamburger Psychiater Michael Schulte-Markwort zeigt dabei eine bemerkenswerte Unwissenschaftlichkeit.

Kollege Prof Otto Kernberg, 88, der weltberühmte Spezialist für „malignen Narzissmus“ erklärte neulich erst öffentlich das Ethos eines Psychiaters, als er gefragt wurde, wie er Donald Trump diagnostizieren würde.

[….] Einen Moment sieht Otto Kernberg überrascht aus, dann legt sich ein nachsichtiges Lächeln um seine Lippen, und er sagt, sein Berufsethos verbiete ihm, über Personen, die er nicht selbst untersucht habe, Diagnosen zu stellen; und habe er sie untersucht, dann dürfe er selbstverständlich nichts sagen. Damit entfallen alle nachfolgenden notierten Fragen [….]

Prof. Dr. med. Michael Schulte-Markwort, *1956, Leitender Arzt der Abteilung für Psychosomatik und UKE-Klinikdirektor in Hamburg frönt offenbar einem völlig anderen Berufsverständnis.
Es drängt ihn nicht nur öffentlich zu diagnostizieren, sondern er brüstet sich bei der Diagnose sogar damit den Patient nie gesehen zu haben.
Wissenschaft geht anders.
Schulte-Markwort ist sichtlich stolz darauf noch keine einzige Minute des RTL-Dschungelcamps gesehen zu haben, wendet sich aber an das Hamburger Abendblatt, um doch zu erklären, wie durch und durch übel die Angelegenheit wäre, weswegen man dieses Treiben unterbinden solle.
Das FUNKE-Blatt druckt den Artikel natürlich.

[….] Gerade war zu lesen, wie Thomas Häßler mit unüberwindbarem Brechreiz daran gescheitert ist, einen Cocktail aus pürierten Fischabfällen zu sich zu nehmen.
Ich kenne niemanden, der diese Sendung schaut (!). Eine Einschaltquote von über 40 Prozent belehrt mich, dass ich Menschen kennen müsste, die dem Dschungelcamp zu diesem Erfolg verhelfen, haben doch rund 7 Millionen Menschen im Alter von 14 bis 49 Jahren zugeschaut. Ich selber habe sie noch nie gesehen. Der Bericht über Thomas Häßler und sein "Scheitern" ruft mich dazu auf, mich zu Wort zu melden.
Sadismus ist eine Verhaltensweise, die ihren Lustgewinn daraus erzielt, andere Menschen zu quälen. Das Erleben, wie jemand anderes durch mein Zutun leidet, führt zu unmittelbarer Aggressionsabfuhr und Lustgewinn. [….] Im Erfolg des Dschungelcamp bildet sich der voyeuristische Sadismus von Millionen deutscher Zuschauer ab. Ein Mensch, der seelisch nicht darauf angewiesen ist, andere Menschen zu quälen, wird sich von dieser Sendung angewidert abwenden. Ein Mensch, der diesen Sadismus nicht unterstützen möchte, wird nicht als Kandidat antreten, sei er noch so geldabhängig. Wenn Millionen Deutsche ihren mehr oder weniger heimlichen Sadismus wiederkehrend vor dem Fernseher ausleben, indem sie zuschauen, wie in diesem Fall Thomas Häßler scheitert, dann müssen sie sich der Zuschreibung ihres Sadismus stellen.
[….]  Ich erwarte von meinen Mitmenschen, dass sie ihren täglichen – auch den kleinen und geheimen – Sadismus unter Kontrolle haben und lieber an sich selbst ausleben. Viele Fitnessklubs bieten hierfür beispielsweise eine Menge Möglichkeiten. Meine Bitte: Schalten Sie ab und beweisen Sie den Fernsehmachern, dass sie mit ihrem ausgelebten und inszenierten Sadismus allein sind!

Gratulation Herr Professor.
Sie haben sich gerade erfolgreich blamiert. Es steht mir nicht zu #IBES zu verteidigen; das will ich gar nicht.
Aber aus Ihrer Analyse ergibt sich ganz klar, was Sie selbst im ersten Satz einräumen: Sie wissen nicht worüber Sie reden; dozieren dann aber doch umso deftiger als Blinder über die Dschungelfarben.

Zuschauer einer Fernsehsendung des Sadismus‘ zu bezichtigen ist kühn; vor allem aber sinnlos, wenn man so offensichtlich gar nicht das Konzept verstanden hat.
Schreiben Sie doch nächstes Mal über den Zuschauer-Sadismus beim Boxen oder K1.
Da gibt es wenigstens keine Meta-Ebenen und Texte, die man verstehen muß.

Dienstag, 24. Januar 2017

Zickzack-Sigis letzter Haken.

OK, das hat sich schon mal wieder bestätigt:
Die SPD ist grundsätzlich unfähig einen Kanzlerkandidaten zu bestimmen, ohne daß die halbe Partei vor den Kopf gestoßen ist.

Aber wie immer, wenn es um Macht geht, hat die Partei die Hosen voll und verfällt daher in den bekannten Hühnerhaufen-Modus.

[….] Alle vier Jahre widmet sich die SPD-Spitze einem sonderbaren Ritual. Zunächst versichern die obersten Genossen, sich in der Frage der Kanzlerkandidatur von nichts und niemandem unter Druck setzen zu lassen, sondern zu gegebener Zeit eine Entscheidung zu treffen. Es steigen dann allmählich Druck und Nervosität, bis am Ende alle Zeitpläne über den Haufen geworfen werden und es zur Sturzgeburt eines Kandidaten kommt. So war es vor den Wahlen 2009 und 2013. Und so könnte es nun wieder kommen.  [….](…..) [….]

Der gelegentlich so kluge Mäandertaler Sigmar Gabriel, der sich einfach nicht entscheiden kann, wird es vermutlich auch dieses mal versaubeuteln. (…..)

Merkel wäre durchaus zu schlagen, wenn man ihr ein politisches Schwergewicht gegenüberstellte.
Zu offensichtlich sind nach 12 Jahren ihre ungeheuerlichen Versäumnisse in jedem Politikbereich, zu klar ist ihre völlige Konzeptionslosigkeit.
Ich behaupte, eine Person wie Willy Brandt, Helmut Schmidt oder der Gerhard Schröder von 1998 würde Merkel im Jahr 2017 klar hinter sich lassen.

Unglücklicherweise gibt es so eine Person in der SPD derzeit nicht.
Unglücklicherweise ist das Ansehen der Gesamtpartei derzeit so mies, daß ein mittelcharismatischer Kandidat nicht auf Rückenwind der Partei setzen kann.

Deutsche Politik im 21. Jahrhundert ist eine Kette von Kompromissen und die Suche nach der an wenigsten schlechten Lösung.
Auch wenn man es schon singen kann – es stimmt, daß Globalisierung und Vernetzung, daß Internationalität und World Wide Web Regieren viel komplizierter gemacht haben.
Weise Männer wie Helmut Schmidt sahen internationale ökonomische und militärische Konflikte lange kommen, setzten sich rechtzeitig mit vier, fünf oder sechs anderen Regierungschefs zum Brainstorming zusammen und erarbeiteten Lösungen, welche verlässlich umgesetzt wurden.
Bei aller Liebe zu Schmidt; so eine vorrausschauende Weltpolitik ist heute viel komplizierter geworden. Es gehören sehr viel mehr Menschen an den Tisch, die Probleme kommen schneller und im Internetzeitalter sind vertrauliche langfristige Absprachen kaum noch möglich.
Das gilt für die wichtigen handelnden Personen untereinander genau wie die Sicht des Volkes auf ihre eigene Regierung.
Petitessen, die vor 40 Jahren niemand erfahren hätte, können heute die Zustimmungswerte zu einem Minister so abstürzen lassen, daß er nahezu handlungsunfähig wird.

Die agierenden Politiker müssen viel mehr Rücksicht auf Befindlichkeiten der Wähler nehmen.
Die von Facebook und Fakemedien verwirrten Wähler sind keinesfalls mehr bereit ihren Führungsfiguren auf Wegen zu folgen, die sie nicht auf den ersten Blick als persönlich nützlich ansehen.
Wer einmal medial abgeschrieben ist, hat so gut wie keine Chance mehr seine Wahrnehmung in der Öffentlichkeit grundsätzlich zu ändern.

Meine Sicht auf Sigmar Gabriel muß ich heute nicht ändern; ich kann nur das wiederholen, was ich schon 100 Mal geschrieben habe:
Gabriel ist ein hochintelligenter Politiker, der fantastische Reden vor riesigem Auditorium halten kann und in kleiner Runde sympathisch, nachdenklich und sehr konstruktiv sein kann.
Aber er gibt diese erratisch, irrationale Seite.
Immer wieder stößt Gabriel auf unerklärliche Weise Kollegen, Parteibasis und Journalisten vor den Kopf.
Seine Schwenks bei TTIP, Vorratsdatenspeicherung oder Waffenexporten sind berüchtigt. Jedes Mal wenden sich wieder ein paar Wähler für immer von ihm ab.
Ja, es ist ungerecht, wenn man es mit den hohen Zustimmungswerten zu Personen wie Merkel vergleicht, die bei TTIP, Waffenexporten und VDS die gleichen Positionen wie Gabriel vertritt, dies aber einfach nicht öffentlich sagt.

Sigmar Gabriel ist nicht so doof, sein mieses Standing beim Wähler nicht wahrzunehmen. Er hat keine Chance gegen Merkel – egal wer von beiden was inhaltlich vertritt.
Gabriel befindet sich demoskopisch in Generalverschiss; so wie die FDP in den Jahren 2012 und 2013.

Natürlich könnte er dennoch Kanzlerkandidat werden, weil es keinen mit den Hufen scharrenden parteiinternen Konkurrenten gibt und 95% der Deutschen die Bundestagswahl dieses Jahres ohnehin für entschieden halten.

Es gibt aber mit Martin Schulz einen Politiker, der weder auf Landes-, noch auf Bundes- noch auf Europa-Ebene je ein Amt in der Exekutive hatte.
Er ist somit mit keinen im Volk unbeliebten Themen wie TTIP assoziiert. Ein Vorteil, durch den die SPD ein paar Prozentpunkte und Mandate mehr erringen könnte.
Also ist es eine sinnige Entscheidung auf Schulz zu setzen.

Gabriels Außenminister-Faux-pas zeigt einmal mehr, daß er als Spitzenkandidat nichts mehr taugt.

Das Außenamt als Hort der Entspannung. So daß man mehr Zeit für seine Familie hat?
Ich kann nicht glauben, daß ein intelligenter Mann wie Gabriel so einen Unfug von sich geben kann.
Das ist so Westerwelle.

(……) Außenminister Westerwelle […..] gilt als desinteressiert und wenig engagiert.
Bevor er Außenminister wurde, war er noch nie in Washington oder Paris und hatte sich aufgrund seiner Faulheit auch nie in die Konfliktherde unserer Welt eingelesen.
Legendär seine vollkommen irrsinnige Ansicht das Außenamt sei ein Schön-Wetter-Spaß, welches kaum Arbeit erfordere, weswegen er sich nicht darauf beschränken werde, sich „ein paar schöne Jahre im Außenamt“ zu machen, sondern sich auch weiterhin in der Innenpolitik engagieren werde.
Besser kann man seine komplette Ignoranz nicht zeigen.
Immerhin, das muß man zugeben, hat Guido erkannt, daß seine früheren naiven Sprüchlein von der „werteorientierten Außenpolitik“, der „geistig-politischen Wende“ völliger Unfug sind.
 Daß er als Oppositionspolitiker tönte als Außenminister werde er die Entwicklungshilfe für homophobe Regime streichen, ist längst vergessen.
Seine 2009 großspurig angekündigten Pläne er werde sich international für ein atomwaffenfreies Europa und insbesondere den Abzug der Atomraketen aus Deutschland einsetzen, gerieten vollends in Vergessenheit. Zuletzt begrüßte er sogar die Modernisierung der US-Atomwaffen in Deutschland.
Tja, wie sich rausstellt, ist internationale Diplomatie doch ein bißchen anspruchsvoller, als es sich der Polit-Azubi aus Bonn-Bad Honnef vorgestellt hatte. 
Mal eben in ein paar Minuten läßt sich nichts erreichen.
Spätestens 2010 wurde allgemein anerkannt, was für eine Fehlbesetzung Westerwelle war. Er verlor seinen Vizekanzlerposten und den Parteichefsitz. (….)

Montag, 23. Januar 2017

Bombenliebe



So wie Militärs gelegentlich eine zutiefst erotische Beziehung zu ihren Panzern entwickeln, so wie Kriegsschiffe mit weiblichen Kosenamen versehen werden, so werden auch per se phallische Kriegsmaterialien wie Raketen und Bomben geradezu verehrt.
Für Phalli gilt bei Militärs das einfache Motto „the bigger, the better“.

Bei Atombomben bekommt jede einzelne einen Namen.

Die ersten Atombomben waren Fissionssprengsätze, bei denen sehr dicke schwere Atome wie hoch angereichertes Uran oder reines 239Plutonium gespalten werden. Die Sprengkraft misst man in „Kilotonnen“. Eine Kilotonne entspricht der Sprengkraft von 1000 Tonnen Trinitrotoluol, TNT.
Die Atombombe „Little Boy“ (Sprengstoff: 235Uran), die über Hiroshima abgeworfen wurde und 150.000 Menschen innerhalb weniger Tage tötete, entsprach 13 Kilotonnen TNT.
Die Atombombe „Fat Man“ (Sprengstoff: 239Plutonium), die drei Tage später über Nagasaki gezündet wurde, war mit 21 Kilotonnen TNT viel stärker, verfehlte aber den Stadtkern um mehrere Kilometer, so daß innerhalb einer Woche „nur“ 80.000 Menschen krepierten.

Die später entwickelten Kernfusionswaffen sind deutlich stärker. Bei ihnen werden die kleinen Atömchen Deuterium und Tritium zu 3Helium und schließlich zu 4He verschmolzen. Beides sind Wasserstoffisotope; daher der Name Wasserstoff- oder H-Bombe.
Das erfordert so viel Anfangsenergie, daß man erst mal eine herkömmliche Fissionsbombe zünden muß, um die H-Bombe in Gang zu setzen.
„Vanja“, aka AN602 war die dickste bisher gezündete Wasserstoffbombe. (….)

Dick Cheney, GWBs kriegsbegeisterter persönlicher Halliburton-Lobbyist, signierte im Jahr 2003 im Irak-Krieg verwendete Marschflugkörper liebevoll mit „with Love, Dick“.

Also kann auch ein subhumaner Polit-Furunkel echte Gefühle empfinden, wenn es darum geht, seine eigenen Taschen zu füllen.
Nichts ist für einen Rüstungskonzern so übel wie Frieden, in dem die teure Munition nicht verschossen wird.
So eine kleine BGM-109 Tomahawk-Rakete (Boosted Guided Missile) kostet mindestens eine Million Dollar pro Stück.
15.000 Präzisionsbomben, 8.000 ungesteuerte Sprengkörper und 800 Marschflugkörper wurden von den USA im Irak verschossen – da klingelten bei Cheneys Firma Halliburton die Kassen.
Denkt man in Geld und Macht kann man also viel Liebe empfinden.

Betrachtet man den dritten Irakkrieg allerdings auch unter moralischen und humanitären Gesichtspunkten, sind diese Bomben nicht ganz so gut.

Das nicht unter links-grün-versifften Gutmenschen-Verdacht stehende Bundeswehrjournal klärt auf.

Rund 1,3 Millionen Tote durch „Krieg gegen den Terror“
Die Gesamtzahl der Todesopfer der Kriege und Kriegshandlungen im Irak, in Afghanistan und in Pakistan wird von der Öffentlichkeit erheblich unterschätzt. Sie liegt bei weit über einer Million Toten. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung, die am 19. März zeitgleich in Berlin, Washington und Ottawa veröffentlicht wurde. Die deutsche, die amerikanische und die kanadische Sektion der Vereinigung „Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges“ (International Physicians for the Prevention of Nuclear War, IPPNW) präsentierten die erschreckenden Ergebnisse an diesem Donnerstag – zwölf Jahre nach Beginn des Irakkrieges – in den Hauptstädten ihres Landes.
Die Gesamtzahl der Opfer des „Krieges gegen den Terror“, der von Amerikas damaligem Präsidenten George W. Bush unmittelbar nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ausgerufen worden war („Global War on Terrorism“), ist kaum jemals öffentlich diskutiert worden. Offizielle Stellen gaben und geben nur wenig Zahlenmaterial bekannt. Bislang wurden die Opferzahlen meist erheblich zu niedrig angesetzt.
Da die Todesopfer in der Vergangenheit von offizieller Seite nur unzureichend erfasst und dokumentiert worden waren, gründete sich in Großbritannien während des Irakkrieges eine zivilgesellschaftliche Initiative namens „Iraq Body Count“ (IBC). Angaben von IBC zufolge hat der Irakkrieg bis heute etwa 211.000 Menschen das Leben gekostet. IBC addiert die Zahlen von überprüften Mediendaten aus Krankenhäusern und Leichenhäusern, von Nicht-Regierungsorganisationen sowie offizielle Daten.
Erste Studien korrigierten die Opferzahlen dramatisch nach oben. [….]

In Washington rätselt man unterdessen immer noch wie es eigentlich angehen kann, daß „diese Moslems“ die Amerikaner nicht mögen.
Wie kann man sich nur anstellen?
Nur, weil durch die völkerrechtswidrigen Lügentiraden des Weißen Hauses 1,3 Millionen Menschen gekillt wurden und eine vielfache Anzahl vertrieben wurde, gibt es doch keinen Anlass die US-amerikanische Politik abzulehnen.

Natürlich wäre die Situation eine ganz andere, wenn es sich um russische Angriffe gehandelt hätte. Die wären natürlich böse gewesen; so wie es auch böse von Wladimir Putin war so intensiv gegen den Irak-Krieg zu streiten und sein Veto gegen den US-Angriff im UN-Sicherheitsrat einzulegen.

Das wissen zumindest die schlauen Jungs aus der SPRINGER-Redaktion. Genau, das sind die, welche durch die Verlagsstatuten zur Amerika-Freundlichkeit verpflichtet sind.
Julian Reichelt, der Posterboy der neuen Deutschen Kriegsfreudigkeit, stellte das schon vor Monaten in einem Grundsatzkommentar für Europas größte Zeitung richtig: Amerikanische Bomben sind gut, Russische schlecht.
Reichelt, *1980 in Hamburg, Chefredakteur von Bild.de bezeichnet Kai Diekmann als sein großes Vorbild und ist im Begriff so eine Art heterosexueller Milo Yiannopoulos zu werden.
Den Linksgrünversifften und Bahnhofsklatschern zeigt er was eine Harke ist.

Amerikanische Atomwaffen findet er klasse.

[….] Gern jammern Abrüstungs-Groupies, man könne die Welt mehrere Hundert Male mit den vorhandenen Atomwaffen zerstören. Absurde Mathematik: Denn nach dem ersten Mal wäre es eh egal. Die richtige Mathematik muss vielmehr lauten:
Lieber 8000 amerikanische Bomben als eine einzige iranische.
(Julian Reichelt, 19.02.2010)

Klar, daß Reichelt auch die totale Überwachung durch die NSA preist. Snowden dagegen verdammt er, der helfe nur den islamistischen Terroristen.

[….] Wir feiern mit den Falschen. Snowden ist auch ein Held für all jene, die in Berlin, Madrid, London Busse in die Luft sprengen wollen.
(Julian Reichelt, 08.07.2013)

Aber zurück nach Syrien und in den Irak.
Für Reichelt sind die 1,3 Millionen von amerikanischen Bomben Getöteten keine Erwähnung wert.
Aber schlimm sind die russischen Bomben.
Und noch viel schlimmer sind die Linksgrünversifften, die den Unterschied nicht erkennen wollen.

Oh doch, es gibt gute und böse Bomben!
[….] Der derzeit beliebteste und erfolgreichste Satz der staatlich russischen Propaganda lautet: „Es gibt nicht gute und böse Bomben.“
Gemeint ist damit, dass die Bomben der US-geführten Koalition auf die ISIS-Hochburg Mossul kein bisschen besser sind als die russischen Bomben, die seit Monaten auf Aleppo regnen.
Verbreitet wird der Satz nicht nur von den Propaganda-Organen Sputnik und Russia Today, sondern auch von Journalisten, die in Deutschland in unterschiedlichen Kreisen hohes Ansehen genießen: Publizist Jürgen Todenhöfer, Verlegererbe Jakob Augstein, „Handelsblatt“-Chef Gabor Steingart. [….] Das ändert allerdings nichts daran, dass dieser Satz dumm, falsch, zynisch und gefährlich ist.
[….] Als Symbol für Machtausübung gibt es selbstverständlich gute und böse Bomben, und es gab sie auch schon immer. Bomben sind deutlich besser in den Händen jener aufgehoben, die sich Wahlen stellen, Gesetze achten und von einer freien Presse kontrolliert werden (zum Beispiel Obama), als in den Händen von Despoten, die auf Kritik mit Gewalt und Unterdrückung reagieren und niemandem Rechenschaft schuldig sind (zum Beispiel Putin).
Amerikanische Nuklearwaffen waren immer schon besser als russische (oder pakistanische oder chinesische), weil sie von Politikern kontrolliert werden und wurden, die deutlich mehr Achtung für menschliches Leben und den Willen ihrer Wähler haben.
[….] Als politisches und ethisches Konzept gibt es die gerechte Bombe natürlich genauso, wie es den gerechten Krieg gibt. [….]
„Es gibt nicht gute und böse Bomben“ – das Perfide an diesem Satz ist, dass er zunächst so weise, so friedlich, so sanftmütig, so klug klingt. Er ist es nicht. Er ist radikal.
Wer ihn nachplappert, macht sich gemein mit Radikalen. [….] Es ist ein dummer Satz für Feiglinge.

Da ich nicht allzu viele Kraftausdrücke verwenden möchte, verkneife ich mir einen Kommentar und klaue die Titanic-Antwort.

Julian Reichelt, c/o Bild.de!
»O doch, es gibt gute und böse Bomben!« betitelten Sie ein Propagandastück, das selbst einem Dick Cheney ein respektvolles Schnalzen entlockt hätte und in dem Sie erläuterten, daß die Kinder, die in Syrien durch russische Bomben sterben, eben einem bösen Finsterling zum Opfer fallen, während die Kinder, die durch Bomben der amerikanischen Verbündeten sterben, sich im Grunde glücklich schätzen können, für die gute Sache zerfetzt worden zu sein. Aber trotz Ihrer brillanten Ausführungen sind wir doch noch etwas im Zweifel, ob man in diesem Zusammenhang wirklich davon sprechen kann, daß es »gute Bomben« gibt. Vielleicht denken wir aber noch mal drüber nach, wenn eine davon zur Abwechslung mal Sie erwischt.
Jenseits von Gut und Böse: Titanic

Sonntag, 22. Januar 2017

Fakten sind auch nur Meinungen

Während der Präsidentschaft Bill Clintons, die ökonomisch betrachtet zweifellos eine der Erfolgreichsten in 100 Jahren war, begannen Trump-Fan Newt, der Molch, Gingrich und die radikal nach rechts gerutschten Republikaner mit totaler Obstruktion.
Lieber sollte die ganze Nation in den Abgrund gerissen werden, als den Demokraten den geringsten Erfolg zu gönnen.
Seither ist von der großen Spaltung der Amerikaner die Rede, die jeder antretende Präsidentschaftskandidat zu überwinden verspricht.
Aus unterschiedlichen Gründen (Koch-Lobbyismus, Irakkrieg, Teaparty, Obamas Hautfarbe, etc) verschärfte sich diese Spaltung aber nur noch. Die Wortwahl ist inzwischen reiner Euphemismus. Zwischen der sogenannten „Obama-Coalition“ und den Trump-Anhängern herrscht blanker Hass.

Sie akzeptieren sich gegenseitig nicht und sind außer sich vor Wut vom anderen nicht akzeptiert zu werden.
Es gibt dabei aber natürlich einen in unzähligen Memes dargestellten Unterschied:
Republikaner hassten Obama, weil sie Rassisten sind und Demokraten verachten Trump, weil er Rassist ist.

  
Es ist unmöglich geworden sich noch zu verständigen, da man sich auf keine Gesprächsgrundlage mehr einigen kann.

Ein gutes Beispiel ist der hochemotionale Grundsatzstreit um die allgemeine Krankenversicherung, die von der GOP seit sechs Jahren als dämonisches Teufelszeug verdammt wird. Obamac-Care werde man als allererstes abschaffen schwor seither jeder Republikaner, ohne daß auch nur ansatzweise eine Alternative erdacht worden wäre.

Je nach politischer Farbe stellen sich Menschen bei Straßenumfragen entweder vehement gegen „Obama-Care“ oder gegen den „Affordable Care Act“.
Daß es sich dabei nur um zwei Namen derselben Sache handelt, scheint niemand zu wissen.


Wie aber soll ein auf Kompromiss setzendes politisches System funktionieren, wenn eine Hälfte des Volkes alles grundsätzlich ablehnt, weil es von der anderen Seite vorgeschlagen wird?

Mittlerweile bewegen sich auch in Deutschland knapp ein Viertel der Bürger ebenfalls nur noch in ihren inzestuösen Informationsblasen, die sich längst von Fakten entkoppelt haben.
Wie aber kann es eine Gesprächsgrundlage geben, wenn man sich noch nicht einmal darauf verständigen kann, was die Realität ist?
Wolfgang Schweiger, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Hohenheim, sieht im Wochenendinterview der SZ schwarz:

SZ: […] Wie sollten Ihrer Meinung nach die klassischen Medien mit offensichtlichen Falschmeldungen umgehen, zum Beispiel mit der Breitbart-Nachricht, in Dortmund habe an Silvester ein islamistischer Mob versucht, eine Kirche abzufackeln? Ignorieren oder dementieren?

Schweiger: Der klassische Journalismus muss sich mit diesen Themen beschäftigen. Ansonsten driften die Agenden der breiten Öffentlichkeit und der rechtsalternativen Welt noch weiter auseinander.

SZ: Und wie groß ist Ihre Hoffnung, dass man in dieser verschwörungstheoretischen Welt wirklich jemanden überzeugt, dass in Dortmund kein islamistischer Mob gewütet hat?

Schweiger: Wenn ich ehrlich bin: Gering. Diese Entwicklung gefährdet meiner Meinung nach tatsächlich unsere Demokratie. Der politische Diskurs kann nur funktionieren, wenn die Bürger informiert sind. Diese Informiertheit basiert darauf, dass man halbwegs neutrale, wertungsfreie Informationen bekommt, auf deren Basis man sich seine Meinung bildet. Wer sich aber auf Facebook informiert, und das tun mittlerweile viele Menschen, findet dort in seinem Newsfeed bunt gemischt: journalistische Nachrichten und Kommentare, rechte und linke Meinungsmache, Unternehmens-PR, Markenwerbung. Zwischen diesen Angeboten und Inhalten zu unterscheiden, fällt vielen Menschen zunehmend schwer. […]
Es fehlt die verlässliche Hand, die Nachrichten verifiziert, bewertet, einordnet. Mittlerweile kann online jeder ein professionell anmutendes Informationsangebot erstellen. Und diese Produkte stehen gleichrangig mit klassischen journalistischen Texten in einem Newsfeed oder in einer Trefferliste auf Google. […]

Wie soll es in Amerika eine auf der Realität basierende Diskussionskultur geben, nachdem Donald Trump den Chef der rechtsradikalen Fakenews-Seite Breitbart erst zum Wahlkampfmanager und dann zum Chefberater des Weißen Hauses macht?

Wie soll es in Amerika eine auf der Realität basierende Diskussionskultur geben, nachdem Donald Trump eine Erziehungsministerin aussucht, die schon bei ihrer Anhörung lügt, daß sich die Balken biegen, die öffentliche Schulen generell bekämpft, die Schusswaffen an Schulen wegen der Grizzlybären-Gefahr für notwendig hält und selbst nicht einen einzigen fehlerfreien Satz fertigbringt?
Die DeVos-Familie spendete andererseits rund 200 Millionen Dollar an die Republikanische Partei. Dafür springt in der käuflichen Trump-Welt natürlich auch unabhängig von jeder Qualifikation ein Ministeramt heraus.

Ladies and gentleman, our next secretary of "education," Betsy DeVos.


Ich sehe Schwarz, und zwar dunkelschwarz, wenn ich die ersten zwei Trump-Tage betrachte.
Der Mann schert sich immer noch kein bißchen um die Realität und beurteilt die gesamte Welt extrem dünnhäutig nur danach, wer ihn bewundert und wer das blasphemischerweise verweigert.
Nach der mäßig besuchten Amtseinführung und der am nächsten Tag umso größeren Protestdemonstration ließ er seinen Sprecher Sean Spicer massiv lügen.
Es ging um das alte Penis-Problem alternder Männer.
Trump konnte es nicht ertragen, daß Obama einen größeren (Zuspruch) als er hat.
Für das Weiße Haus tritt der neue Pressesprecher an und haut in zwei Minuten gleich sieben heftige Lügen raus.

Here are 7 falsehoods and mischaracterizations from Sean Spicer’s debut.
[….] [….]

Trumps Chefberaterin nennt es „alternative Fakten“ – so ist das in Trumps Welt.
Objektivität muß endlich subjektiv bewertet werden.


Ja, CNN und viele andere factcheckten die Angaben der neuen US-Regierung. Natürlich war alles gelogen. So ist das nun mal bei Trump.


Mit dem neuen Leader of the free world gibt es nicht mehr nur Postfaktizismus, sondern neuerdings auch Alternativfaktizismus.

Zu behaupten, die Erde sei eine Scheibe, die vor 6.000 Jahren von Gott kreiert wurde, ist nun also nicht nur keine Lüge mehr; ist auch nicht bloß eine „andere Theorie“, sondern ein FAKT, nämlich ein alternativer Fakt.

Willkommen in der Trump-Ära.
Jetzt gilt Lüge = Wahrheit, Krieg = Frieden.

Eins ist also schon am Tag Zwei der Trump-Präsidentschaft klar – man kann seinem Sprecher nichts glauben.


[….] Donald Trump ist ein Narzisst, das war klar. Wie kränkbar der neue US-Präsident ist, verblüfft dann aber doch. Wie sein Sprecher für ihn lügen muss, auch. Trumps erster Tag in Zitaten.

Die Betroffenen haben ein grandioses Gefühl der eigenen Wichtigkeit, sie verlangen nach übermäßiger Bewunderung, sie idealisieren sich selbst und sind stark von Fantasien grenzenlosen Erfolgs, Macht, Glanz oder Schönheit eingenommen.
(Aus dem "Deutschen Ärzteblatt"zum Thema "Narzisstische Persönlichkeitsstörung").

US-Präsident Donald Trump am Samstag vor CIA-Beamten:"Wir hatten ein Feld voller Leute, Sie haben es gesehen, es war vollgepackt. Dann stehe ich heute Morgen auf, und ich schalte einen Fernsehsender ein, und die zeigen - ein leeres Feld! Und ich sagte: Moment mal - ich habe eine Rede gehalten! Ich habe hinausgeblickt und da waren - es sah aus wie eine Million oder eineinhalb Millionen Menschen! Die haben ein Feld gezeigt, wo praktisch niemand stand! Und sie haben gesagt 'Donald Trump hat nicht viele Leute angezogen!'"

Sie glauben von sich, besonders und einzigartig zu sein und nur von anderen außergewöhnlichen oder angesehenen Personen oder Institutionen verstanden zu werden oder nur mit diesen verkehren zu können. Darüber hinaus zeigen sie ein offensives Anspruchsdenken und erwarten, bevorzugt behandelt zu werden.

Trump: "Es hat fast geregnet, der Regen hätte die Leute abschrecken sollen, aber Gott blickte herab und sagte: 'Wir werden es doch nicht auf deine Rede regnen lassen!' Als ich anfing, dachte ich noch: 'Oh nein', bei der ersten Zeile bekam ich ein paar Tropfen ab ,und ich dachte noch 'ohh, schade, aber wir ziehen das einfach durch'. Aber in Wahrheit hat es sofort wieder aufgehört, es war fantastisch. Dann kam richtig die Sonne heraus. Und als ich abging, sofort, nachdem ich weg war, fing es an zu gießen!" [….]


Samstag, 21. Januar 2017

Rätsel Christen.

2017 läuft es nicht anders als bei den faschistischen südamerikanischen Diktaturen der 1970er, die Tausende Menschen verschwinden ließen, nicht anders als in der Franco-Diktatur, als Myriaden Kinder geraubt und verkauft wurden, nicht anders als in Deutschland 1933-1945, als sich die christlichen Kirchen um Adolf Hitler scharten.
Fast immer sind die Christen an der Seite der rechtsradikalen Diktaturen und bekämpfen Menschen und Menschenrechte.
Der raffgierige Rassist und Sexist Donald Trump wurde extrem überproportional von Christen gewählt und präsentierte bei seiner Amtseinführung einen Rekord an Geistlichen.
Millionen Familien durch Abschiebungen auseinanderreißen, alle Umweltschutzregeln aussetzen, Homosexuelle kriminalisieren, zig Millionen Menschen die Krankenversicherung nehmen, das Volk noch mehr bewaffnen?
Da freuen sich die Evangelikalen mit ihren Bibeln in der Hand und jubeln Trump zu!

Stets sucht die Kirche die Nähe zum ganz großen Geld und bemüht sich nach Kräften die Elenden noch mehr zu drangsalieren.

Einzige Anlaufstelle [für ungewollt Schwangere in Irland] waren der Bon Secours order, also ein katholischer Frauenorden, der die Schwangeren demütigte und ausbeutete.
Wie ihre lieben frommen Schwestern in Spanien sahen sie in den „gefallen Mädchen“ zunächst einmal eine Chance ordentlich Reibach zu machen.
Sie raubten den Frauen ihre Babys und verkauften sie gewinnbringend nach Amerika.

Die Verhältnisse in Österreich waren nicht anders und in Spanien betrieben dem faschistischen Regime treu ergebene Nonnen im 20. Jahrhundert sogar massenhaften Kindesraub und Menschenhandel. Sie sollen bis zu 300.000 Babies verkauft haben.  (……..)

Die Magdalenen-Heime - benannt nach der biblischen Figur der ehemaligen Prostituierten Maria Magdalena, der Jesus ihre Sünden verzieh - wurden im 19. Jahrhundert in Irland als Zuflucht für in Ungnade gefallene Frauen gegründet. Anfang des 20. Jahrhunderts übernahm die katholische Kirche diese Einrichtungen und führte strenge Regeln ein. Die Aufsicht unterstand den Barmherzigen Schwestern (Sisters of Mercy), die die jungen Frauen zu bis zu zehn Stunden unbezahlter täglicher Arbeit zwangen. Der sonst so heilige Sonntag bildete keine Ausnahme. Hunger, Prügel und sexueller Missbrauch führten zu zahlreichen Ausbrüchen und in den 50er- und 60er-Jahren auch zu Aufständen.

Auch wenn Nonnen keine Kinder oder Kranke in die Finger bekommen, stehen sie gern auf der Seite der Brutalen.
Beispiel Syrien. Dort ist die katholische Kirche eine der letzten und wichtigsten Stützen des Assad-Regimes. Daß Hunderttausende gekillt werden, teilweise sogar vergast wurden, stört nicht weiter.

Wie aber auch in den vielen anderen katholischen Kinderheimen, wurden uneheliche Kinder grundsätzlich als würdelose Sünder behandelt, die man vor allem zu schlagen und misshandeln hatte.
Natürlich wurde dabei auch gelegentlich ein Balg totgeschlagen.
Viele andere Gören ließen die frommen Nonnen einfach verhungern.

Die Christen-Kirchen standen an der Seite Hitlers und stehen heute an der Seite extrem Menschenrechts-feindlicher Typen.
Sowohl für Assad, als auch für Putin, Orban und Beata Szydło.

Die rund 100 Millionen Mitglieder hören auf den Prunk-Patriarchen Kyrill, welcher im eine-Million-Euro Maybach durch Moskau rast und eine Vorliebe für extrem teure Uhren auslebt.

Die Spitzen des Staates zeigen sich regelmäßig zu den Feiertagen beim Gottesdienst, der Klerus wurde in politische Gremien eingebunden, Patriarch Kyrill macht vor Wahlen stets klar, wen die Kirche für den richtigen Kandidaten hält, und preist die Putin-Ära als 'ein Wunder Gottes'.  […] Besonders die Jungen und die Angehörigen der Intelligenzija, […] stoßen sich heute daran, dass Würdenträger in Staat und Kirche sich in ihrem zynischen Verhältnis zur Macht immer ähnlicher werden. Selbstverständlich werden die Straßen gesperrt, wenn der Patriarch in seinem Maybach mit Begleitkolonne durch Moskau fährt, genauso wie das für den russischen Präsidenten oder Premier geschieht. […]  
Der Hang hochgestellter Kirchenmänner zu Prunk und Luxusgütern weckt bisweilen den Eindruck, als würde der Klerus jetzt nachholen, was die Oligarchen in den wilden Zeiten des Banditenkapitalismus vorgelebt haben.
 (Süddeutsche Zeitung 27.04.12)

Der Prass- und Prunk-begeisterte Metropolit Kyrill rafft aber nicht nur Luxusgüter an sich und spannt den Staat für seine Geldgier ein, sondern er unterstützt auch euphorisch die diskriminierende Hetze gegen sexuelle Minderheiten in Russland.

Nazi, Faschisten, Kinderquäler und Pädophile – das sind die Typen, für die sich Kirchen engagieren. Je rechtsaußen, desto frommer.

Die Perussuomalaiset (PS, Basisfinnen oder Wahre Finnen) vertreten genauso radikal-christliche Standpunkte, wie das Verbot von Homosexualität.

Auch die deutsche AfD ist die Speerspitze des christlichen Fundamentalismus.

Die österreichische FPÖ beruft sich auf ein „wehrhaftes Christentum.“

László Kiss-Rigó, Bischof von Szeged-Csanád und der Ungar Péter Kardinal Erdő sind die Hauptverbündeten Victor Orbans. Die ungarische Kirche erzwingt gewissermaßen die antiziganistische und antisemitische Politik, forciert Homophobie und Aggressionen gegen Flüchtlinge.
Die radikal menschenfeindliche und antidemokratische Politik des Beata Szydło-Kabinetts wurde im Wesentlichen durch die Propaganda des kirchlichen Senders Radio Maryja ermöglicht.

Die katholische Kirche war ebenfalls die Antriebskraft der Massenproteste gegen die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe in Frankreich, stritt wider die Menschenrechte Arm in Arm mit dem faschistischen Front National und machte Le Pen so noch viel stärker.

Unter dem so freundlich bejubelten Papst Franziskus hat sich nichts an der ostentativen Parteilichkeit der RKK für die spalterischen Rechts-Außen-Kräfte geändert.
Kinderfickerfreund Ratzinger wird hochgeschätzt im Vatikan.

Die Rede ist, mal wieder, von den Legionären Christi, LC, die römisch-katholische Kongregation päpstlichen Rechts und ihrem legendären Gründer Marcial Maciel Degollado.

Kinderfickende Nazis ersetzten auf Geheiß Woytilas und Ratzingers die verhassten südamerikanischen „Befreiungstheologen“, die sich für die Armen einsetzen und den faschistischen Mörder-Diktatoren kritisch gegenüberstanden.
Der Priester Maciel Marcial Degollado, (1920–2008), Chef der LC und Multimillionär war der erklärte Liebling des Papstes Johannes-Paul II.
Da er sagenhafte Summen in die Kasse der RKK spülte, drückte der Wächter der Glaubenslehre Ratzinger alle Augen zu.
Maciel Marcial Degollado hatte mindestens fünf Kinder von zwei Frauen und vergewaltigte darüber hinaus mehrere Dutzend (bis zu 100) Jungs.
Die Vorgehensweise war laut STERN immer gleich:

Vater Maciel rief die ca 12-Jährigen Jungs zu sich, klagte über „schmerzhaften Samenstau in den Hoden“, müsse sich zur Abhilfe masturbieren lassen und dabei auch Kinder penetrieren.
Er erklärte dazu, er habe eine persönliche Erlaubnis von Papst Pius XII „die Schmerzen im uro-genitalen Bereich“ derart zu behandeln.
Hochwürden Samenstau bevorzugte dabei blonde und hellhäutige kleine Jungs, die ihm seine „Legionäre“ weltweit suchten und zuführten.
Seit 1976 wurden Berichte über diese Kindesvergewaltigungen nach Rom geschickt.
Man hielt dort immer die schützende Hand über Maciel.
JP-II ("Maciel ist ein vorbildlicher Priester") würdigte ihn 2004 mit einem Empfang im Petersdom, Ratzinger stellte die Untersuchungen gegen ihn bereits 1999 ein.

Dokumente aus den Vatikan-Archiven belegen laut AP, dass der Heilige Stuhl schon in den fünfziger Jahren Beweise hatte, wonach Maciel drogenabhängig und pädophil gewesen sein soll. Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge ermittelten damals drei sogenannte Visitatoren, das Ergebnis sei jedoch bis heute nicht veröffentlicht worden. 1998 sollen sogar einige seiner Opfer Anzeige erstattet haben.    Doch Papst Johannes Paul II. verband eine enge Freundschaft mit Maciel, die sich seit dem ersten Zusammentreffen im Januar 1978 entwickelt hatte. Der Papst verehrte den Mexikaner, führte ihn gern als Vorbild an und widmete ihm noch 2001 eine Festmesse auf dem Petersplatz.

Der gegenwärtige Papst, der im Bundestag mit standing Ovations bedacht wurde, ist der Beschützer eines der perfidesten pädosexuellen Gewalttäter.
 Die seit Dekaden bekannten Untersuchungsergebnisse über den brutalen Päderastensumpf seiner Legionäre hält Ratzinger bis heute unter Verschluß.

Tatsächlich aber hatten zehn Opfer, die von Marcial Maciel in den 50er-Jahren im römischen Seminar missbraucht worden waren, den Vatikan schon vor 30 Jahren verständigt. Seit 1983 war auch Papst Johannes Paul II. über die Missbräuche informiert. Doch er schätzte den Ordensgründer und lobte noch 1994 öffentlich dessen «effiziente Führung für die Jugend». 1997 sagte die Gruppe der zehn Opfer vor den Medien, Maciel habe Hunderte Knaben missbraucht.
Ein Jahr später erhob die Gruppe Anklage gegen Maciel bei der Glaubenskongregation, die unter Kardinal Ratzinger für alle schwerwiegenden Missbrauchsfälle in der Kirche zuständig war. Ratzinger aber war nie bereit, die Gruppe der Opfer anzuhören und gegen Maciel etwas zu unternehmen. Worauf sich die Gruppe 2002 bei der UNO Gehör verschaffte und im Genfer Palais des Nations die Medien über die Untätigkeit der Glaubenskongregation informierte.
(Tagesanzeiger 02.05.2010)

Ratzinger führt also die Tradition seines Vorgängers fort und ermutigt die Legionäre geradezu weiterhin Kinder zu ficken und zu quälen. Rom weiß schließlich Bescheid und hat noch nie etwas unternommen.

Im Gegenteil, mit der Rapid-Seligsprechung des größten Marcial Maciel Degollado-Fans Woytila, hat Ratzinger noch mal unterstrichen, daß er fest an der Seite der Sextäter steht und nicht an die Opfer zu denken gewillt ist.
 Sein ganzes Mitgefühl gilt nur den LC. Er ernannte nach Maciels Tod 2008 einen neuen Chef und ließ mitteilen Benedikt XVI. werde den Ordensmitgliedern "auf dem Weg der Reinigung" beistehen und sie nicht alleinlassen.

Bergoglio ändert ebenfalls nicht die klare Entscheidung der RKK zu Gunsten der Holocaust-Täter und wider die Auschwitz-Befreier.

Die "acta apostolicae sedis", die Gesetzessammlung des Heiligen Stuhls vom Juni 1949 machte die Exkommunikation der Kommunisten und ihrer Anhänger aktenkundig und offiziell.

Die Weisung des Vatikans lautet: Kein Katholik kann Mitglied einer kommunistischen Partei sein oder sie begünstigen. Kein Katholik darf Bücher, Zeitungen oder Zeitschriften veröffentlichen, lesen oder verbreiten, in denen die kommunistische Doktrin verkündet wird. Jeder Katholik, der die materialistische und antichristliche Lehre des Kommunismus verkündet, sie verteidigt oder gar verbreitet, verfällt als Abtrünniger des katholischen Glaubens der Exkommunikation.
(DER SPIEGEL)

Der unfehlbare Papst definiert „kommunistische Erzsünder“ als Intellektuelle und KP-Propagandisten, die automatisch exkommuniziert sind.

Mitglieder der katholischen Kirche blieben hingegen Adolf Hitler, Heinrich Himmler, Reinhard Heydrich, Rudolf Hoess, Julius Streicher, Fritz Thyssen, Klaus Barbie, Leon Degrelle, Emil Hacha, Ante Pavelic, Konrad Henlein, Pierre Laval, Franco, Mussolini oder Josef Tiso.

Das ist die Realität der Heiligen Römisch-katholischen Kirche.
Die Befreier von Ausschwitz, die Rote Armee, wurden verdammt und exkommuniziert, aber der Lagerkommandant Rudolf Hoess, sowie der Megasadist Josef Mengele blieben Mitglieder der RKK.


Ich denke da zum Beispiel an einen am 13.Oktober 1887 in Veľká Bytča geborenen Priester, namens Jozef Tiso.
Als Mitglied und späterer Vorsitzender der HSLS (Hlinkova slovenská ľudová strana) hockte der ultranationalistische und extrem antisemitische Slowake im tschechischslowakischen Parlament, wurde Minister und sprang bei der erst besten Gelegenheit als Hitlers Schoßhündchen auf den Stuhl des slowakischen Präsidenten.
In Folge des Münchner Abkommens 1938 erklärte sich die Slowakei für unabhängig.
1939 ließ Josef Tiso sich zum „Vodca“ (Führer - in Anlehnung an sein deutsches Vorbild) erklären.
Vollkommen ohne Druck aus Deutschland und aus voller Überzeugung erließ der katholische Professor für Moraltheologie Tiso dann derart antisemitische Gesetze, daß diese noch die Nürnberger Rassengesetze in den Schatten stellten.
Für die 89.000 Juden in der Slowakei war es ein vorweggenommenes Todesurteil. („Judenkodex“ vom 9.9.1941). Schon im Jahr 1942 wurde die Deportation der slowakischen Juden mit eigenen administrativen Kräften durchgeführt.
Tiso brüstete sich dem Vatikan gegenüber sogar damit – Katholizismus und Antisemitismus war für ihn ein und dasselbe:

„Ich versichere bei meiner christlichen Ehre, daß die Deportationen unserem Willen entspringen und auf unsere Initiative hin durchgeführt werden! Ob es christlich ist, was hier mit den Juden los ist?... .. Ich frage, ob es christlich ist, wenn ein Volk seinen ewigen Feind loswerden will. Dass das jüdische Element dem Slowaken das Leben bedrohte, davon muss hier niemand überzeugt werden. Es hätte noch schlimmer ausgesehen, hätten wir uns nicht rechtzeitig von ihnen gesäubert. Und wir taten es dem Gottesgebote nach: Slowake, schüttel sie ab, befreie dich von deinem Schadenstifter!“

Katholische Moraltheologie.

Am 25.März 1942 geht der erste Zug mit Tausenden slowakischer Juden vom Bahnhof Zilina los in die deutschen Vernichtungslager. Bis Oktober 1942 hat Tiso auf diese Weise schon 2/3 der slowakischen Juden nach Auschwitz, Majdanek und Sobibor verschleppen lassen.
Tiso zahlte sogar 500 Reichsmark pro Kopf an Berlin, weil Deutschland die Vernichtung übernahm. Ein lohnendes Geschäft für den fanatischen Priester – wurde doch das gesamte Eigentum der Juden vorher geraubt.
Als das Stück Scheiße Jozef Tiso am 29.08.1944 mit einem slowakischen Volksaufstand gegen sein Horrorregime zu kämpfen hat, jammert er Hitler um Hilfe an – und bekommt sie auch in Form von deutschen Besatzungssoldaten. Dadurch wird er in die Lage versetzt auch noch die letzten Aufständischen, Juden, Kommunisten und Roma in die deutschen KZ’s Auschwitz und Sachsenhausen bringen zu lassen.
Das freut den katholischen Priester derart, daß er in Banska Bystrica einen Dankesgottesdienst zelebriert und schwülstige Dankestelegramme nach Berlin schickt.

Noch nach Jahrzehnten standen die Christen fest zu den faschistischen Massenmödern.

Hitler wurde nicht exkommuniziert, blieb bis zu seinem Ende Katholik.

Als Eichmann von israelischen Agenten in Südamerika aufgespürt wurde, protestierte der argentinische Kardinal und Leiter der Katholischen Aktion, Antonio Caggiano:

"Es ist unsere Christenpflicht, ihm zu verzeihen, was er getan hat."

6 Millionen Menschen umbringen ist also aus katholischer Sicht nicht nur theoretisch verzeihbar, sondern es ist sogar ChristenPFLICHT so eine Petitesse zu verzeihen.

Immerhin war Eichmann ja auch nicht schwul - dann läge der Fall natürlich anders und er müßte in der Hölle schmoren.

Adolf Eichmann, Alois Brunner, Dr. Josef Mengele, Franz Stangl (Kommandant der Vernichtungslager Sobibór und Treblinka), Gustav Wagner (Stangls Assistent), Klaus Barbie, Edward Roschmann („Der Schlächter von Riga“), und Aribert Heim (KZ Mauthausen) sind einige der Männer, die auf Veranlassung des Papstes durch Bischof Hudal mit Vatikanischen Papieren ausgestattet vor der alliierten Justiz nach Südamerika flüchteten.

Nach dieser etwas längeren Vorrede stellt sich mir nun erneut die Frage, wieso ausgerechnet ein professioneller Christ, also ein Pfarrer, der wie selbstverständlich CSU-Parteimitglied ist, die kontinuierlichen xenophoben Ansagen seiner Partei-Oberen seit vielen Jahrzehnten kennt, im Jahr 2017 plötzlich auf den Gedanken verfällt, die CSU sei ja gar nicht so menschenfreundlich, wie es sich für eine C-Partei gehöre.
Die Kirche, die voller Enthusiasmus für NSdAP und Führer eintrat, soll nun auf einmal so Hort der Flüchtlingsfreunde sein?

[….] Angefangen hat der Ärger über seine CSU zu Beginn des Jahres, sagt Pfarrer Ulrich Schneider-Wedding. Damals war er noch CSU-Mitglied, als dann aber "die Angriffe Horst Seehofers auf Angela Merkel" begannen, da habe er sich zu fragen begonnen: "Ja, wo sind wir eigentlich?" Jedenfalls ist er dann im März 2016 aus seiner Partei, der CSU, ausgetreten. Er habe allerdings nicht aufhören wollen damit, "christliche Werte aktiv in die Politik" einzubringen.
Und deshalb ist er danach, obgleich evangelischer Pfarrer in Regensburg, in die CDU eingetreten. Am Freitag hat der 55-Jährige einen Brief in die Staatskanzlei abgeschickt, an den Ministerpräsidenten und seinen ehemaligen Parteichef. Mit einer zentralen Aussage: "Als Christ und als Pfarrer konnte ich nicht länger eine Partei unterstützen, aus der heraus Merkel wegen ihrer humanitären Haltung angegriffen wird."
Er habe deutlich mehr Lust, schreibt der Pfarrer an Seehofer, eine zu einer modernen Partei sich entwickelnde CDU zu unterstützen, "als Ihren Schmusekurs gegenüber populistischen Strömungen". Der Kurs der CSU mache Populisten nicht überflüssig, ist der Pfarrer überzeugt: "Sie päppeln sie erst hoch." Was die CSU biete, sei seiner Ansicht nach "Populismus light", ein "unausgegorenes, halbschariges Konzept", das nicht nur nicht aufgehe, sondern die Gefahr von rechts noch zu verstärken drohe. [….]

Schneider-Weddings Kollege Süßmann aus Eurasburg bei Bad Tölz fiel ebenfalls nach 68 Jahren plötzlich auf, daß die CSU doch gar nicht für Arme, Ausländer und LGBTIs kämpft.

[….] Michael Süßmann, 68, ist entsetzt über die restriktive Linie der CSU in der Asylpolitik.
 [….] Flüchtlingen Deutsch beibringen, Behördenbriefe erläutern, Fahrräder reparieren und ein wenig "Ersatzpapa" für einen 16-jährigen Afghanen sein: Das leistet der 68-jährige Michael Süßmann, weil es getan werden muss. Und es treibt den evangelischen Pfarrer um, dass Politiker, die das Christ-Sein vor sich her tragen, es nicht leben, wie er findet.
Er ist entsetzt über die restriktive Linie der CSU in der Asylpolitik, die auf Abschreckung und schnelle Abschiebung setze. Er spricht von einer "Entchristlichung des Abendlandes" und hat aus Anlass des Auftritts von Finanzminister Markus Söder am Sonntag in Beuerberg seiner Empörung in einem Leserbrief an die SZ Luft gemacht. Die CSU-Politik nennt der engagierte Flüchtlingshelfer Süßmann "nur erbärmlich"; er warnt vor einem gefährlichen Spiel des Brandstiftens mit Worten. Und ärgert sich nicht zuletzt über seine eigene Kirche - die evangelische -, deren Landessynode Söder als berufenes Mitglied angehört. [….]


Was ist los mit den Pfarrern Schneider-Wedding und Süßmann? Haben sie in den Jahrzehnten ihres Lebens nie die Bibel gelesen?

Wenn es um die große Schuld der Stellvertreter Gottes und all seines Bodenpersonals geht, ergibt sich immerhin ein stimmiges Bild.
Das kann man in seinem eigenen Wort, der Bibel, der Guten Nachricht, zweifelsfrei nachlesen.

Der Menschensohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln aus seinem Reich alles, was zum Abfall verführt, und die da Unrecht tun, und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähneklappern sein.
(Mat 13,41)

18Wenn jemand einen widerspenstigen und ungehorsamen Sohn hat, der der Stimme seines Vaters und seiner Mutter nicht gehorcht und auch, wenn sie ihn züchtigen, ihnen nicht gehorchen will, 19 so sollen ihn Vater und Mutter ergreifen und zu den Ältesten der Stadt führen und zu dem Tor des Ortes 20und zu den Ältesten der Stadt sagen: Dieser unser Sohn ist widerspenstig und ungehorsam und gehorcht unserer Stimme nicht und ist ein Prasser und Trunkenbold. 21So sollen ihn steinigen alle Leute seiner Stadt, daß er sterbe, und du sollst so das Böse aus deiner Mitte wegtun, daß ganz Israel aufhorche und sich fürchte.
(5 Mose, 21)

Ihr sollt nicht meinen, daß ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.
(Mat 10,34)

Kommt, versammelt euch zu dem großen Mahl Gottes und eßt das Fleisch der Könige und der Hauptleute und das Fleisch der Starken und der Pferde und derer, die darauf sitzen, und das Fleisch aller Freien und Sklaven, der Kleinen und der Großen!
(Joh 19,17)

So spricht der HERR, der Gott Israels: Ein jeder (...) erschlage seinen Bruder, seinen Freund, seinen Nächsten.
(2 Mose 32,27)

Wenn jemand zu mir kommt und haßt nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht mein Jünger sein.
(Lukas 14,26)

Doch jene meine Feinde, die nicht wollten, daß ich über sie herrschen sollte, bringet her und erwürgt sie vor mir!
(Lukas 19,27)

63So wie der Herr seine Freude daran hatte, auch Gutes zu tun und euch zahlreich zu machen, so wird der Herr seine Freude daran haben, euch auszutilgen und euch zu vernichten.
(5 Mose 28)

Nein, der CSU kann man keinen Vorwurf machen.
Mit ihrem Asyl-feindlichen Kurs, ihrer Freude über auseinandergerissene Familien, zu Tausenden ertrunkenen Kindern im Mittelmeer und der „Wir geben nichts ab“-Haltung tragen sie das „C“ im Namen völlig ZU RECHT.