Dienstag, 24. September 2024

Der Planet heizt sich auf, Menschenhirne schmoren durch.

Eins ist sicher; anders als uns AfD-Schwurbler und Donald Trump einreden wollen, herrscht in der seriösen Wissenschaft keinerlei Dissens über die Erderwärmung und die menschengemachten Ursachen. Die Mechanismen sind seit Jahrzehnten bekannt; die Auswirkungen jeden Tag sichtbar und messbar.

Gletscher schmelzen, der Nordpol ist eisfrei, der Permafrostboden taut auf, Inselstaaten gehen im steigenden Meeresspiegel unter. Über der aufgeheizten Karibik bilden sich immer stärkere Hurrikans, die Schneisen der Verwüstung in die USA ziehen. Afrika leidet unter extremen Dürren und durch seine besondere Lage, nehmen die Extremwetterereignisse in Europa massiv zu.

Dr. Marc Olefs, Abteilungsleiter Klimaforschung bei der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), klärt auf.

"Wir erwärmen uns derzeit mit einer Geschwindigkeit von ca. 14 Hiroshima-Atombomben pro Sekunde. Das ist die Zusatzenergie, die wir derzeit dem System Erde hinzufügen. Und das führt dazu, dass die Luft auch mehr Wasserdampf enthalten kann & Starkregen extremer wird."

(Peter Jelinek, 24.09.2024)

Hätten wir Menschen gleich gehandelt, als der Club of Rome vor einem halben Jahrhundert zuerst vor der Erderhitzung warnte, wäre mit vergleichsweise minimalem Aufwand und geringen Kosten, die Giga-Katastrophe abwendbar gewesen.  Unglücklicherweise ist die Gattung Homo Sapiens aber generell verblödet und steckt bei solchen Erkenntnissen kollektiv den Kopf in den Sand.

Nun sind astronomische Kosten und wirtschaftliche Schäden unvermeidbar.

[…..] Kosten des Nichthandelns übersteigen Kosten von Klimaschutz um ein Vielfaches

Forscher*innen am Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung schätzen die jährlichen Schäden der Klimakrise im Jahr 2050 auf weltweit rund 38 Billionen, das ist gleichbedeutend mit 19 Prozent Einkommensverlusten. Die Kosten durch Klimaschäden übersteigen die Investitionskosten in einen effektiven Klimaschutz und Klimawandelanpassung um ein Vielfaches.

Im März 2023 zeigte eine Studie im Auftrag der Bundesregierung die gewaltigen Kosten der Klimakrise für Deutschland auf: Während zwischen 2000 und 2021 mindestens 145 Milliarden Euro Kosten durch klimabedingte Schäden entstanden, sollen bis 2050 den Schätzungen zufolge 280 bis 900 Milliarden Euro Kosten für Klimaschäden auf Deutschland zukommen. Hinzu kommen die katastrophalen Auswirkungen auf Gesundheit, die Belastung von Ökosystem, der Verlust an Biodiversität und eine schlechtere Lebensqualität, ganz zu schweigen von den direkten Gefahren für Leib und Leben. Die furchtbare Flutkatastrophe im Ahrtal und der Erft im Jahr 2021 kostete mindestens 185 Menschenleben und verursachte Schäden von 40,5 Milliarden Euro. Die Folgen für die Region sind lange nicht überwunden.

Die europäischen Klimaberichte zeigen, dass Europa sich in den letzten dreißig Jahre doppelt so schnell erhitzte wie der globale Durchschnitt – schneller als jeder andere Kontinent. Insbesondere die europäische Arktis ist die sich am schnellsten erwärmende Region weltweit – mit direkten Folgen für Klima und Wetterereignisse bei uns. 2023 war das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Die globale Durchschnittstemperatur lag 2023 bereits 1,48 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau. Die Folgen der Erderwärmung für Gesundheit, Umwelt und Wirtschaft sind verheerend.  […..]

(Bundestagsfraktion die Grünen, 14.08.2024)

Inzwischen ist es auch im reichen Europa relativ unlustig geworden. Hitzewellen von weit über 40°C sind in vielen EU-Nationen alltäglich, die Alpengletscher verschwinden, in Skigebieten gibt es keinen Schnee mehr und sehr viele Menschen sterben. Es wird jedes Jahr schlimmer. 2024 ist das bisher schlimmste und heißeste Jahr, aber schon 2022 gab es in Europa 70.000 Hitze-bedingte Todesfälle.

[….]  Der vergangene Winter war außergewöhnlich warm, und im Sommer 2022 wurden in vielen Teilen Europas Klimarekorde gebrochen. In vielen Regionen gab es lange und intensive Hitzewellen mit Temperaturen von über 40 °C. Die durchschnittlichen Sommertemperaturen in Europa waren die höchsten seit Beginn der Aufzeichnungen.

Hitzewellen stellen die größte direkte klimabedingte Bedrohung für die Gesundheit der europäischen Bevölkerung dar. Überschwemmungen, Waldbrände, Stürme und klimasensible Infektionskrankheiten sind ebenfalls eine große Bedrohung für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Die Situation wird sich weiter verschlimmern, wenn nicht genügend Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel und zur Eindämmung des Klimawandels ergriffen werden.

Ältere Menschen, Kinder, einkommensschwache Gruppen und Menschen mit gesundheitlichen Problemen oder Behinderungen sind einer aktuellen EUA-Studie zufolge am stärksten vom Klimawandel betroffen. Die Verteilung dieser Umweltgefahren und ihre Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit entsprechen weitgehend den Unterschieden in Einkommen, Arbeitslosigkeit und Bildungsniveau in Europa, wie aus einem EUA-Bericht von 2019 hervorgeht.

Der Klimawandel in Verbindung mit einer alternden Bevölkerung und der zunehmenden Verstädterung in ganz Europa bedeutet, dass viele gefährdete Menschen hohen Temperaturen ausgesetzt sein werden. Dies ist insbesondere in Süd- und Mitteleuropa der Fall. Diese Gruppen sind besonders stark exponiert, weil sich viele Schulen und Krankenhäuser in Gebieten befinden, die vom städtischen Wärmeinseleffekt betroffen sind.

Hohe Temperaturen können zu Hitzestress führen, der das Risiko von Todesfällen durch Hitzeerschöpfung und Hitzschlag erhöht. Außerdem kommt es zu indirekten Auswirkungen auf die Gesundheit, einschließlich einer schlechteren psychischen Gesundheit. Insgesamt haben Hitzewellen Schätzungen zufolge in den letzten vier Jahrzehnten rund 90 % der Todesfälle durch wetter- und klimabedingte Extremereignisse in Europa verursacht.

Der Klimawandel bringt auch mehr Überschwemmungen mit sich. In einigen Ländern leben tendenziell mehr ältere und arbeitslose Menschen in überschwemmungsgefährdeten Gebieten. Laut einer Analyse der EUA können sich diese Menschen möglicherweise weder einen Umzug noch eine Versicherung oder einen angemessenen Hochwasserschutz für ihre Häuser leisten.

Darüber hinaus ist eine neue Bedrohung die klimabedingte Wahrscheinlichkeit der Zunahme verschiedener Infektionskrankheiten in Europa. Krankheiten wie das Dengue-Fieber und das West-Nil-Fieber breiten sich in bisher nicht betroffenen Gebieten Europas aus.  […..]

(European Environment Agency (EEA), 16.11.2023)

Statt aber endlich ausreichende Schritte gegen den Klimawandel zu unternehmen, bestreiten BSW und AfD grundsätzlich die Handlungsnotwendigkeit und werden dafür von 50% der unter 30-Jährigen gewählt.

In der Berliner Runde vorgestern nach der Brandenburgwahl, waren sich mit Ausnahme von Grünen und SPD alle Parteien einig, die Ampel solle die Energiewende drosseln und müsse nun wieder auf Verbrennungsmotoren setzen.

Merz, Söder und Lindner blockieren, wo es geht, machen sich zu devoten Unterlingen der Fossil-Lobby.

Bedauerlicherweise zieht das insbesondere beim unterbelichteten Ost-Urnenpöbel. Zwar bestreiten nicht alle den Klimawandel und die Notwendigkeit, umzusteuern, aber die Maßnahmen gehen ihnen viel zu schnell. So plötzlich dürfe man keinesfalls aus Kohl und Gas aussteigen.

Ich empfehle dazu DRINGEND die 30-Minütige Panorama-Reportage

Das Klima im Kohleland

vom 22.08.2024

Man kann nur staunen; alle Fachleute sind sich einig: Wir unternehmen zu wenig und zu langsam und zu spät etwas gegen den Klimawandel. Und die Deutschen schimpfen auf Greta, die Klimakleber und wollen ihre Verbrennungsmotoren weiter fahren. Stattdessen hassen sie kollektiv die Überbringer der deprimierenden Fakten: Die Grünen. Sie werden aus den Parlamenten geworfen. Stattdessen ziehen gewaltige Fraktionen der klimawandel-Leugner BSWAfD auf Wunsch des Urnenpöbels in die Landtage.

[….]  „Ein merkliches Abnehmen des gesunden Menschenverstandes und ein merkliches Zunehmen von Aberglauben (...)“, schrieb die Philosophin Hannah Arendt in ihrer „Vita Activa“ im amerikanischen Exil 1958, „deuten immer darauf hin, (...) dass der Wirklichkeitssinn gestört ist, mit dem wir uns in der Welt orientieren.“ Merkliches Zunehmen von Aberglauben trifft es, und das ist noch harmlos formuliert für das, was gerade zu erleben ist. Es kann einem schwindlig werden vor irrationalem Wahn und Verlust des Wirklichkeitssinns. Da versinkt halb Europa in den Fluten, da ertrinken immer wieder Menschen in Hochwasser, da verrecken Tiere, da werden Höfe und Häuser zerstört, Ernten vernichtet, das Lebenswerk von arbeitenden Familien ruiniert – aber noch immer soll Naturschutz eine Zumutung von ideologisch Verblendeten sein?

Da wechseln sich „Jahrhundertfluten“ und „Jahrhundertsommer“ in rasendem Tempo ab, versalzen die Böden und plastifizieren die Meere, ganze Regionen werden absehbar unbewohnbar, da erkranken und sterben Menschen, steigen die sozialen, psychischen, ökonomischen Kosten der Katastrophen – aber noch immer sollen alle Maßnahmen, die dem Erhalt lebenswerter Gegenden dienen, noch immer soll der Ausbau erneuerbarer Energien oder nachhaltiger Mobilität, noch immer soll der Schutz von Menschenleben eine Zumutung realitätsferner Klimaaktivisten sein?

Es ist absurd. Nicht Naturschutz ist ideologisch, sondern dessen blindwütige Verweigerung. Man könnte über die historische Ironie schmunzeln, wenn es nicht so bitter wäre. Was als dogmatisch und was als realpolitisch gilt, ist zu einer öffentlichen Travestie geworden. Ausgerechnet diejenigen, die eine realistische Wahrnehmung der ökologischen Gefahren für unsere Gesellschaft haben, werden hemmungslos dämonisiert. Die Grünen werden von Teilen der CDU, den Liberalen, der AfD als populistischer Punchingball benutzt, an dem sich mal albern, mal hasserfüllt abreagieren lässt. Naturschutz wird als woke, als ideologisch, als wirklichkeitsfern diskreditiert. Und ausgerechnet diejenigen, die mit schlafwandlerisch-selbstbewusster Leugnung der Wirklichkeit den Klimaschutz ausbremsen und Leben gefährden, behaupten sich als undogmatisch und nahbar.

Die Vokabeln und ihre Bedeutungen sind pervertiert, Aberglaube und Realitätsverlust gelten als nüchtern und zugewandt. Wahrhaftiges Beschreiben der Wirklichkeit und der Aufgaben, die sie stellt, gilt als abgehoben und dogmatisch. Das Drehbuch zu dieser Politik des Irrationalen ist international. Es wird in Putins Troll-Fabriken geschrieben und es dient längst nicht nur dem Ziel der Destabilisierung demokratischer Gesellschaften, sondern es zersetzt die öffentliche Vernunft, die Fähigkeit, Humbug und Lügen von Tatsachen und Wissen zu unterscheiden. Klimaschutz ist dabei das trojanische Pferd, mit dem sich ins Herz der demokratischen Selbstverständigungsdiskurse dringen und Desorientierung stiften lässt.

Ausgerechnet die FDP, die sich als liberale, aufgeklärte Partei der Möglichkeiten verstehen sollte, die für eine moderne Wirtschaft und dynamische Gesellschaft stehen könnte, hat sich verrannt im Dogma der innovationsfeindlichen Schuldenbremse. [….] 

(Carolin Emcke, 20.09.2024)

Homo Demens wird sich selbst von der Erdoberfläche fegen. Und womit? MIT RECHT!

Montag, 23. September 2024

Journalisten kapitulieren vor Dreistheit

Da beschäftige ich mich so viele Jahrzehnte intensiv mit deutscher Innenpolitik, glaube sogar ganz unbescheiden, mich da recht gut auszukennen und dann erwische ich mich selbst dabei, immer noch zu naiv zu sein.

So trat wenige Stunden nach der Brandenburgischen 12%-CDU-Katastrophe der womöglich schlechteste und korrupteste CDU-Bundesminister aller Zeiten im ARD-Morgenmagazin auf und log, daß sich die Balken biegen.

Am Erstarkten der AfD trage die Ampel die Schuld, behauptete ausgerechnet der Mann, der sogar noch rechtsradikalere xenophobe Schauermärchen, als sein Parteichef Merz verbreitet und sich als Flulltime-AfD-Werbeagentur betätigt. Ermutigt davon, ungehindert auch die abstrusesten Lügengeschichten ausbreiten zu können, fuhr Baron Münchhausen fort, für die CDU komme das Land immer vor der Partei. Daher offerierten sie der Regierung ihre konstruktive Zusammenarbeit. Die CDU habe schließlich nur ein Interesse daran, die Probleme zu lösen und wolle sie keinesfalls noch ein Jahr bis zum Wahltag behalten. Ich erwartete an dieser Stelle eigentlich, daß der liebe Gott ohnmächtig von seiner Wolke herunter ins Studio kracht und fassungslos aufschlägt.
Stattdessen sagte Moderator Michael Strempel nur „vielen Dank Jens Spahn, für das Gespräch“.

Es erinnerte sehr unangenehm an das CNN-Desaster der Biden-Trump-Debatte am 27.06.2024, als der orange Faschist seine Lügenshow abzog, ohne ein einziges mal von Dana Bash und Jake Tapper auf die Fakten verwiesen zu werden.

(….) Bash und Tapper, die beide hochkompetente, erfahrene, meinungsstarke Experten sind, ließen Trump auch die aberwitzigsten Lügen durchgehen, stellten nicht eine Sache richtig.

Ich kenne nicht die genauen Modalitäten, die zwischen der Trump- und der Biden-Kampagne ausgehandelt wurden. Möglicherweise war factchecking nicht erwünscht.

Aber beide Moderatoren wären intellektuell in der Lage gewesen, in Echtzeit auf die offensichtlichen Lügen Trumps hinzuweisen. Allein, sie taten es nicht.

CNN ließ Daniel Dale factchecken und strahlte seine Analyse auch aus – aber lange nach dem Ende der Debatte, als die Quoten schon wieder im Keller waren und Trump davon keinen Schaden mehr nehmen konnte. (….)

(Katastrophen und Katharsis, 28.06.2024)

Ob Donald Trump, der Urinduscher, Sahra Sarrazin oder Jens Spahn – ich weiß natürlich, wie ungeheuer dreist und perfide die jeden Tag lügen, aber wenn man es dann schwarz auf weiß sieht, ist man widersinnigerweise doch überrascht. Wie kann man so abartig sein? Wie kann man damit durchkommen, wie können Menschen das glauben, wie können sie das gut finden und sogar solche grotesken Typen wählen?
Fragen, die ich zwar beantworten kann, die sich aber immer wieder neu stellen, weil die braune Realität täglich auf’s Neue die Satire übertrifft.

Diese elende Scheinpolitik der rechtsradikalen Schwätzer und der Urnenpöbel frisst es! Es ist so offensichtlich, wie Merz die AfD stärkt. Aber der streitet es einfach ab und wird dafür nächster Bundeskanzler.

[….] Und doch steht an diesem Nachwahltag eine Frage im Raum, die direkt mit Merz und seiner Verantwortung zu tun hat, nämlich: Hat er das falsche Thema vorgegeben? Führt sein Kurs der maximalen Zuspitzung und Härte in der Asylpolitik womöglich in die Irre?

Merz hat in den vergangenen Wochen nach dem Messerattentat von Solingen mit Erfolg die bundespolitische Agenda bestimmt, die Regierung vor sich hergetrieben, das Thema gesetzt: Migration.

Er malte die Situation in düsteren Worten, er forderte umfassende Zurückweisungen aller Flüchtlinge an allen deutschen Grenzen, ohne je zu erklären, wie sich das umsetzen lassen könnte, wie viele Bundespolizisten es dafür bräuchte, wie man die vielen Sträßchen und Wanderwege kontrollieren soll und wie obendrein Pendler und Logistiker davon nichts merken sollen. Auch das hatte er versprochen.

Vor allem ließ sich die Bundesregierung auf Gespräche mit seiner CDU ein – und war dann sogar offenbar bereit, das Merz-Modell trotz Zweifel an der Rechtmäßigkeit in einem Pilotprojekt zu erproben. [….] Hinter der rhetorischen Eskalation der vergangenen Wochen steht aber auch die Analyse, dass die Union in der Migrationspolitik nicht glaubwürdig sei, als Spätfolge der Merkeljahre. [….] In der ARD-Nachwahlbefragung von Infratest Dimap sagten 55 Prozent der Befragten, die Union sei hauptsächlich verantwortlich dafür, dass in den vergangenen Jahren so viele Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind. Nur zwölf Prozent machen die SPD, nur zehn Prozent die Grünen verantwortlich. [….] Am Kurs will [Merz] trotzdem festhalten: »Ich will aber ausdrücklich sagen: Bei der Flüchtlings- und Migrationspolitik bleiben wir bei unserer Haltung.«

Allerdings zeigte die Nachwahlbefragung auch noch andere überraschende Muster. Bei der Frage nach dem wahlentscheidenden Thema lag die Zuwanderung nur auf Platz drei der meistgenannten Themen, mit 17 Prozent. Hinter sozialer Sicherheit und der Wirtschaft.

Bei den SPD-Wählenden lag die Zuwanderung mit acht Prozentpunkten auf Platz vier. Unter den wenigen Wählerinnen und Wählern, die der CDU die Stange hielten, lag die Zuwanderung auf einem geteilten Platz vier, mit 14 Prozent. In der Wählerschaft der AfD dagegen lag sie mit 41 Prozent klar vorn.

Auch Merz’ Idee der Zurückweisung fast aller Flüchtlinge an den Grenzen, der Kern seiner Agenda, stieß in Brandenburg nur bei 44 Prozent der Befragten auf Zustimmung. Unter den CDU-Wählenden fanden es 60 Prozent richtig.

Anders gesagt: Die Bundes-CDU hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Republik über ein Thema redet, das für die eigenen Anhänger in Brandenburg gar nicht ganz vorn auf der Agenda steht, für die der AfD aber schon; mit einer Forderung, die nur eine Minderheit teilt; auf einem Themengebiet, auf dem die Partei immer noch keine hohe Glaubwürdigkeit hat. [….]

(SPON, 23.09.2024)

Noch sagenhafter ist nur Anmaßung der Kubicki-FDP, die nach Platz 10, hinter der Tierschutzpartei und „Plus Brandenburg“ bei der gestrigen Landtagswahl den starken Mann markiert.

[….]  Verantwortlich für das Ergebnis, sagt Lindner, seien die »Rahmenbedingungen, die taktische Lage«. Und die Politik der Ampel, die von vielen Anhängern seiner Partei abgelehnt werde. Weswegen nun eben ein »Herbst der Entscheidungen« anstehe. Er sei jedenfalls »sprungbereit«.[….] Kubicki war auch nach der Brandenburg-Wahl noch am Sonntagabend wieder auf Sendung. Er formulierte eine Art Ultimatum an seine Partei: Entweder die Koalition erziele in den kommenden drei Wochen sichtbare Fortschritte in der Wirtschafts- und Migrationspolitik, sagte er Welt TV, oder »es macht für die Freien Demokraten keinen Sinn mehr, an dieser Koalition weiter mitzuwirken«.[….] Auch ein fixes Ende für diese Bewährungsphase der Ampel nennt Lindner: Der »Herbst der Entscheidungen« ende mit dem kalendarischen Winteranfang am 21. Dezember.  [….]

(SPON, 23.09.2024)

Offenkundig wollen die Hepatisgelben weiter nerven und die Regierungspolitik blockieren.

Wieso geht die Majorität der Journalisten diesen Irrsinn mit? Wieso tun sie der AfD den Gefallen, sich fast nur noch mit Migration zu beschäftigen? Ist es nicht offensichtlich, was für eine irrsinnige Scheindebatte das ist?

Natürlich soll es Meinungsjournalismus geben. Aber das False Balancing der Maischbergers, Lanzen und Miosgas, die den rechten Hetzern immer wieder den roten Teppich ausrollen ist genauso wenig verzeihbar, wie schlafende MoMa-Moderatoren, die Jens Spahn seine Lügen achselzuckend durchgehen lassen.

Selbst der konservative Christian Burmeister gibt sich verärgert.

[….] „Entweder die Ampel zeigt, dass sie die nötigen Schlüsse aus diesen Wahlen ziehen kann, oder sie hört auf zu existieren“, sagte FDP-Urgestein Wolfgang Kubicki direkt nach der Brandenburgwahl. „Das ist eine Angelegenheit von wenigen Wochen. Bis Weihnachten warten wir nicht mehr. Das ist dem Land nicht zuzumuten.“ [….] Es ist nachvollziehbar, dass bei der FDP nach einer Reihe von Wahlniederlagen die Nerven blank liegen. Allerdings blendet die Partei mit ihrem Ultimatum an SPD und Grüne ihren eigenen Anteil an der Lage weitgehend aus: Die Ampel ist weniger wegen der Grünen an sich verhasst, sondern weil sie handwerklich schlecht arbeitet und sich dauernd auf die kindischste Art und Weise streitet.

Es war die FDP, die fast jedes ambitionierte Projekt der Ampel torpediert hat – was zum chaotischen Gesamteindruck stark mit beigetragen hat. Wie wenig die FDP das Allgemeinwohl als vielmehr Spezialinteressen im Blick hat, zeigt auch der noch immer nicht endgültig geschnürtem Haushalt für 2025 – alle sollen sparen, nur die FDP-Minister müssen es nicht. [….] Das Ende der Ampel wäre kein Drama. Allerdings würden momentan wohl vor allem AfD und das BSW von einer vorgezogenen Neuwahl profitieren und das Land vor allem außenpolitisch in Turbulenzen bringen.

Die FDP könnte dies in Kauf nehmen. Oder sie kommt endlich zur Besinnung, hört auf die Schuld ständig bei anderen zu suchen und versucht es noch einmal mit konstruktiver Regierungspolitik für das verbleibende Jahr. Ob das die FDP retten würde, ist offen. Besser für das Land wäre ein solcher Versuch aber allemal!  […]

(MoPo, 23.09.2024)

Sonntag, 22. September 2024

Die Macht der Leihstimme

Es ist für mich die beste Nachricht des Tages: Lindners Katastrophengang kann ihre viel zu guten Ergebnisse von Sachsen (0,9%) und Thüringen (1,1%) nicht halten und sinkt hochverdient endlich unter die Messbarkeitsgrenze. FDP-General Bijan Djir-Sarai bleibt hartnäckig erkenntnisresistent und verspricht, wie in jeder Berliner Runde seit 2021, die Ursachen für die Wählerflucht weiter auf die Spitze zu treiben. Die Wähler hassen die FDP für das Blockieren und Quertreiben in der Ampel, geben ihr deswegen jedes Mal noch weniger Stimmen und die hepatitisgelben Bumsköppe ziehen daraus die Konsequenz, noch mehr zu blockieren und querzutreiben.

Eine Schande, wie eine miese kleine Millionärslobbypartei eine gesamte Bundesregierung ruiniert. Aber wenigstens begehen sie damit auch Seppuku und schießen sich gezielt aus jedem deutschen Parlament.

Die Putin-affinen und Wissenschaft-negierenden Extremossis sind auch in Brandenburg gruselig stark und holten bei der heutigen Landtagswahl bei einer Rekordwahlbeteiligung zusammen 43% der abgegebenen Stimmen.

Aber, wie auch schon bei vorherigen Ossi-Landtagswahlen, bei denen die Nazis stärkste Partei zu werden drohten, gibt es vernünftige Menschen des demokratischen Spektrums, die bereit sind, die stärkste Nicht-AfD-Partei zu wählen, um genau das zu verhindern. Das klappt nicht immer – Schande Thüringen – aber immerhin in Sachsen und Brandenburg. Hier waren es erwartungsgemäß Grüne, Linke und Nichtwähler von 2019, die nun den SPD-Spitzenkandidaten wählten.

Die CDU holte bei den beiden Landtagswahlen vor drei Wochen, im Gegensatz zu den von Linnemann und Merz verbreiteten Lügen, deutlich über die Hälfte ihres Ergebnisses durch Leihstimmen, um die AfD zu verhindern. In Sachsen waren es 52 Prozent der Befragten. Und in Thüringen sogar 55 Prozent.

Auch der Brandenburgische CDU-Spitzenkandidat begriff das nicht, versuchte wie seine Parteioberen, die Nazis rechts zu überholen und landete einen kapitalen Bauchklatscher.

[….] Die CDU, die mit Jan Redmann endlich die SPD-Tradition im Land brechen wollte, bekommt gut 20 Prozentpunkte weniger als die SPD, nachdem die Parteien zwischenzeitlich im Sommer gleichauf lagen. Härter hätte die Abfuhr nicht ausfallen können.  [….]

(SPON, 22.09.2024)

Die Wähler wandern dann – wie immer – gleich zum Original. Die Merzisten und Söderisten sind diesbezüglich genauso erkenntnisresistent, wie Djir-Sarai. Sie pöbeln noch migrantenfeindlicher und machen die AfD immer stärker.

[……]  Die Gesellschaft spalten, mit immer schärferen Aussagen und Zitaten. Wie nah ist die Union damit schon dran an der AfD?

Christina Baum (AfD), Mitglied des Bundestages, 04.09.2021: "Die Schäden dieser Zuwanderung aus fremden Kulturen sind irreversibel. Zitat: Wer halb Kalkutta rettet, aufnimmt, Entschuldigung, wer halb Kalkutta aufnimmt, der rettet nicht Kalkutta, der wird selbst Kalkutta."

Jens Spahn (CDU), stellv. Fraktionsvorsitzender, 27.08.2024:"Wer ganz Kalkutta aufnimmt, halb Kalkutta aufnimmt, der hilft nicht Kalkutta, der wird irgendwann wie Kalkutta. Ich weiß gar nicht, ob man das heute noch sagen kann wie Peter Scholl Latour, aber es beschreibt natürlich das Phänomen, dass wir seit einigen Jahren in Deutschland sehen – das fängt ja schon beim Hauptbahnhof in Hamburg, wo ich gerade angekommen bin – an. Es hat sich was verändert im Land."

Maximilian Krah (AfD) Mitglied des Europäischen Parlaments 15.09.2023: "Selbst wenn man heute in Merseburg umsteigt – von Halle rede ich gar nicht – man die Frage hat, ist das noch unsere Heimat?"

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident Bayern, CSU-Vorsitzender, 02.09.2024: "In vielen deutschen Vorstädten fühlt sich der eine oder andere gar nicht mehr daheim, ist nicht mehr ganz sicher, in welchem Land er eigentlich lebt."

Björn Höcke (AfD), Fraktionsvorsitzender Thüringen, 06.11.23: "Mit der Flutung unseres Landes mit kulturfremden Menschen, die niemals ein zu Hause finden können, wollen Sie uns am Ende auch unsere kulturelle Identität nehmen."

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident Bayern, CSU-Vorsitzender, 02.09.2024: "Das ist unser Land, meine Damen und Herren. Und unser Land muss von uns geprägt und geführt werden, liebe Freundinnen und Freunde."

Deutschland nicht mehr deutsch genug? Übernimmt die Union gerade Positionen der extremen Rechten? Für den Politikwissenschaftler Thomas Biebricher haben die Aussagen aus CDU und CSU jedenfalls eine neue Qualität.

Prof. Thomas Biebricher, Politikwissenschaftler, Goethe-Universität Frankfurt: "Dass es tatsächlich um die Frage von einer kulturellen Überfremdung geht, also dass gesagt wird, es ist ausdrücklich ein Problem, dass Menschen aus Räumen, die nicht unsere Kultur teilen, sozusagen die unserer Kultur fremd sind, dass die hier sind. Und all das kennt man aus radikal rechten Diskussionen eigentlich."

Rechter Kulturkampf befeuert von CDU und CSU? In der Migrationspolitik stellen Unionspolitiker selbst Europarecht zur Disposition.

Jens Spahn (CDU), stellv. Fraktionsvorsitzender, 27.08.2024: "Wir sollten EU-Recht an dieser Stelle dann auch mal aussetzen und sagen, an unserer Grenze geht es nicht mehr weiter."

Die Partei von Adenauer und Kohl, die eine zentrale Rolle bei der Europäischen Einigung gespielt hat, will wieder Grenzen schließen? [……] 

Lassen sich Wähler von Parteien wie der AfD zurückgewinnen, wenn etablierte Parteien – wie die CDU – in ihren Positionen immer weiter nach rechts rücken? In einer Studie zu dieser Frage haben Wissenschaftler über hundert Wahlen in Europa analysiert. Und die Strategien der etablierten Parteien mit Blick auf extrem rechte Parteien untersucht. Der Politikwissenschaftler Werner Krause ist einer der Studienautoren, mit seinen Kollegen ist er zu einem eindeutigen Ergebnis gelangt.

Werner Krause, Politikwissenschaftler, Universität Potsdam. "Was wir beobachten können, ist, dass diese Verschiebungen nach rechts nicht dazu führen, dass Rechtsaußenparteien in ihrer Wähler:innenunterstützung geschwächt werden. Vielmehr – wenn überhaupt – können wir beobachten, dass im Zweifel sogar der rechte äußere Rand noch weiter gestärkt wird."

Konservative Parteien in anderen europäischen Ländern sind so schon gescheitert. In Frankreich waren Teile der Konservativen zu einem Bündnis mit dem extrem rechten Rassemblement National bereit. Bei den Wahlen landeten sie weit abgeschlagen hinter den radikalen Rechten. In Österreich hat die konservative ÖVP schon gemeinsam mit der extrem rechten FPÖ regiert. Vor den anstehenden Wahlen ist die FPÖ in Umfragen die stärkste Partei. In den Niederlanden hatten sich die Konservativen in der Migrationspolitik stark an den Rechtspopulisten Geert Wilders angenähert – die Wahlen gewonnen hat dann Wilders. Die Union aber ist offenbar überzeugt, dass es in Deutschland anders läuft. [……] 

Carsten Linnemann (CDU), Generalsekretär, 01.09.2024: "Also, wenn ich die Zahlen sehe, dann sehen wir heute eine echte verbliebene Volkspartei (...) Wir sind das Bollwerk."

Die Union als Bollwerk gegen rechts? Weil die AfD ohne die Stärke der CDU noch mehr Wähler hätte? Konnte die CDU der AfD also Stimmen abjagen? Die Wählerwanderungen bestätigen das zumindest nicht. In Sachsen sind von allen Parteien Wählerstimmen zur CDU gewandert, nur nicht von der AfD. Im Gegenteil, die CDU hat hier 44.000 Stimmen an die AfD verloren. In Thüringen sah es ähnlich aus. Dazu kommt, in einer repräsentativen Befragung in der Woche der Wahl stimmt die Mehrheit der CDU-Wählenden der Aussage zu:

Zitat: "Ich wähle nur CDU, damit die AfD nicht zu viel Einfluss bekommt."

In Sachsen waren es 52 Prozent der Befragten. Und in Thüringen sogar 55 Prozent.

Prof. Thomas Biebricher, Politikwissenschaftler, Universität Potsdam: "Dass man also so eine riesig hohe Zahl an Leihstimmen ja mehr oder weniger gekriegt hat, bedeutet natürlich auch im zweiten Schritt, dass man all diese Stimmen mit einem weiteren Radikalisierungskurs natürlich nicht mehr haben wird. Eben weil die Leute ja sagen, wir wählen euch, weil ihr anders seid noch als die AfD. In dem Moment, wo man sich immer stärker an die AfD assimiliert, gibt es keinen Grund mehr, die CDU dafür zu wählen." [……] 

(MONITOR, 19.09.2024)

Nicht nur AfD und BSW sind eine Gefahr für Frieden und Demokratie. Auch FDP und die C-Parteien gießen fleißig Öl ins populistische Feuer. Sie scheuen sich nicht davor, zur Gewalt anzustacheln und insbesondere so gezielt gegen Migranten und Grüne zu hetzen, daß diese immer mehr physisch angegriffen werden.

CSU toxisch

[….] Dieses Dämonisieren und auf eine Weise lächerlich machen, als gehörten die nicht mehr zum legitimen und demokratischen politischen Spektrum, das ist Identitätspolitik, das ist Kulturkampf und das hat schon eine zersetzende Wirkung. [….]

(Melanie Amann, stellvertretende Spiegel-Chefredakteurin, über die CSU)

CDU und CSU sind eine Schande für Deutschland und werden sich noch wundern. Ja, sie werden mutmaßlich die Ampel zerstören und ihren 70-Jährigen Brausekopf ohne jede Regierungserfahrung ins Kanzleramt bringen.

Aber auch Friedrich, der Braune wird dann Regierungspartner brauchen, 600 Milliarden Euro für Infrastruktursanierungen ohne Schuldenbremse und Reichensteuer auftreiben müssen, mit realem Klimawandel konfrontiert sein, eine von 12 Jahren CSU und 4 Jahren FDP völlig kaputtgesparte Bahn, sowie digitale Rückständigkeit und eine von 16 Jahren CDUCSU nahezu irreversibel zerstörte Bundeswehr vorfinden.

Insbesondere werden die migrantophoben Unionshetzer feststellen, dringend auf Migranten angewiesen zu sein.  Und zwar überproportional im Osten der Republik, wo die Bürger weniger qualifiziert sind, so daß sie beispielsweise ihre Gesundheitsversorgung unter keinen Umständen mit „Biodeutschen“ bewerkstelligen können.

Das Problem wird nicht sein, Migranten zu vertreiben, sondern Migranten anzulocken. Aber wieso sollten die noch in die blaunen Landstriche kommen?

Die CDUCSU versündigt sich an Deutschland,  Europa und dem Frieden.

[….] Lasst die Grenzen offen!

Die Bundesregierung hat temporäre Grenzkontrollen eingeführt, die Union will dauerhafte. Damit begeht die deutsche Politik Verrat an Europa – und vergisst ihre historische Verantwortung.  [….]  Die Mütter und Väter des Grundgesetzes proklamierten in der Präambel zudem den Willen des deutschen Volkes, »in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen«. Es waren mit Konrad Adenauer und Helmut Kohl nicht zuletzt zwei CDU-Vorsitzende, die dieses Ziel konsequent umsetzten.

Ihr Nachfolger Friedrich Merz setzt dagegen auf Abschottung. »Wir müssen die Kontrolle über unsere Außengrenzen zurückgewinnen«, sagte er Ende August. Die AfD dürfte das gefreut haben. Ausgrenzung von Menschen mit Migrationsgeschichte ist ihr ureigener Markenkern. Historische Verantwortung kennt sie hingegen nicht. Europas Einigungsprozess lehnt sie ab.  […..]

(Felix Bohr, 19.09.2024)

Samstag, 21. September 2024

Wähler demotivieren

Da staunt mein Lieblings Pollster Harry Enten. Nur noch zwei oder drei Prozent der US-Amerikaner, die am 05.11. wählen wollen, wissen noch nicht, wen sie ankreuzen sollen. Die extrem wertvolle Gruppe der „undicided voters“ in den Swingstates schrumpfte zwei Monate vor den Wahlen schon lange. Aber Hillary Clinton und Donald Trump kämpften 2016 noch um immerhin 15% der Wähler.

Die Zahlen sind alles andere als überraschend. Um im September 2024 immer noch „undiceded“ gegenüber Trump zu sein, bedarf es schon einer frappierenden Portion Ignoranz. Wer ist denn so verblödet, sich neun Jahre, nachdem Trump die goldene Rolltreppe herunter fuhr, um gegen Mexikaner und Behinderte zu wettern, damit zu prahlen Frauen in die Vagina zu grabschen, immer noch nicht weiß, ob er das gut oder schlecht findet? Immerhin rund die Hälfte der Wähler sind moralisch so völlig verkommen, Trump zu lieben. Und dann gibt es immer noch ein paar Prozentpunkte zusätzlich, die immer noch überlegen, ihn zu wählen.

Wahlkämpfer mit einem IQ über Zimmertemperatur halten sich daher an die Uralt-Erkenntnis, in der Schlussphase in die Mitte zu rücken und nicht mehr die Hardcore-Basis der Partei zu bespielen. Deswegen betont Kamala Harris jetzt, Fracking zu unterstützen und selbst Waffenbesitzerin zu sein, die jeden Einbrecher in ihrem Haus erschießen würde. Das klingt in meinen linksliberalen Ohren etwas widerlich, ist aber smart von ihr, da meine Stimme schon sicher ist. Ich wähle ohnehin gegen Trump. Sie muss sich auf die paar Unentschlossenen fokussieren. Leider ist bei der großen Masse der Wähler eh nichts mehr zu holen.

Aber die Demokraten haben noch ein Ass im Ärmel: Trumps Dummheit. Nach so vielen Wahlkämpfen präsentiert sich der Mann immer noch erkenntnisresistent. Er liebt es, seine ultraradikalen Jünger bei den Rallys aufzuheizen, begreift aber nicht, daß es ein Nullsummenspiel ist. Die wählen ihn ohnehin alle. Da kann er nichts mehr gewinnen. Tatsächlich kann er aber ein paar Wähler abschrecken, wenn er seine Nazi-Basis in Ekstase versetzt.

So jammerte er bei seinen FOX-Arschkriechern immer noch über die Unfairness der Moderatoren bei seiner Harris-Debatte, weil die es gewagt hatten, bei insgesamt vier wirklich aberwitzig grotesken Trump-Lügen auf die Fakten zu verweisen. Für Trump waren das „nine or eleven times“ factchecks gegen ihn. Das wäre so furchtbar gemein, daß das Publikum vor Wut durchdrehte: The audience went crazy.

Eine selbst für Trump leicht erstaunliche Aussage, da die 60 Millionen TV-Zuschauer mit eigenen Augen gesehen hatten, daß die Debatte ganz ohne Publikum in einem leeren Saal geführt wurde.  Die fanatischen Trumpanzees sind längst so von der Realität entkoppelt, daß sie ihrem orangen Messias auch den hanebüchensten Schwachsinn glauben. Aber es gibt auch einige wenige republikanische Wähler – vermutlich um die 10% - die zwar niemals für eine dunkelhäutige Demokratin stimmen würden, aber doch so angewidert von Trump werden könnten, um gar  nicht zur Wahl gehen.

 Die nun in den USA breit diskutierten Fälle von schwangeren Frauen, die starben, weil sie aufgrund der Trumpschen Anti-Abtreibungspolitik nicht behandelt wurden, haben ebenfalls das Potential zumindest ein paar republikanische Wählerinnen am 05.11.2024 zu Hause bleiben zu lassen.

[……]  Das Thema Abtreibung spielt im US-Wahlkampf ohnehin eine große Rolle - nun wurde der Fall einer Frau bekannt, die wegen strenger Regeln zu spät Hilfe erhalten haben soll und starb. Bei zwei Auftritten kritisierte Harris die Republikaner scharf.

Knapp sieben Wochen vor der US-Präsidentschaftswahl hat die Vizepräsidentin und demokratische Kandidatin Kamala Harris ihren republikanischen Rivalen Donald Trump und dessen Partei wegen deren restriktiven Abtreibungspolitik erneut scharf angegriffen. "Diese Heuchler wollen jetzt darüber reden, dass dies im besten Interesse der Frauen und Kinder ist", sagte Harris auf einer Wahlkampfkundgebung in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia, in dem ein strenges Abtreibungsgesetz gilt. "Wie können sie es wagen?"  Eine von drei Frauen in den USA lebten in einem Bundesstaat mit "Trumps Abtreibungsverbot", so Harris weiter. Man wisse von mindestens zwei Frauen, die deswegen gestorben seien - und das allein in Georgia.

Später griff Harris das Thema auch bei einer Kundgebung in der liberal geprägten Stadt Madison im Swing State Wisconsin auf und bezeichnete das Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen als "unmoralisch". "Dies ist eine Krise im Gesundheitswesen, und Donald Trump ist der Architekt", sagte sie. Konkret erwähnte Harris in beiden Ansprachen den Fall der 28-jährigen Amber Nicole Thurman. Im August 2022 erhielt diese einem Bericht zufolge nach Komplikationen durch Abtreibungspillen aufgrund der Rechtslage in Georgia zu spät medizinische Hilfe und starb. Nach Angaben der Rechercheplattform Propublica handelte es sich in dem Bundesstaat um den ersten offiziell als "vermeidbar" eingestuften Todesfall im Zusammenhang mit einer Abtreibung in den USA. […..]

(Tagesschau, 21.09.2024)

Eine klassische NoWin-Situation für den Nazi-Clown im Spätwahlkampf. Ja, es gibt eine extrem radikale Gruppe, die Schwangere auch nach Vergewaltigung und Inzest brutal bestrafen will, aber die wählen ohnehin alle Trump.

Hier kann er nichts gewinnen. Aber mit Amber Nicole Thurman bekommen die Konsequenzen der GOP-Politik ein Gesicht und könnten die ein oder andere konservative Wählerin in einem Swingstate dazu veranlassen, gar nicht zu wählen.

Selbst Trump begreift offenbar, in welch eine Sackgasse er sich da geritten hat und reagiert mit hysterischen All Caps-Stellungnahmen, die ihn natürlich alles andere als seriös wirken lassen.

Auch die Lüge über Hunde-essende Haitianer hilft nicht. Es hilft auch nicht, wenn Trumps VP-Kandidat inzwischen freimütig einräumt, zu lügen.

Es hilft nichts, wenn Trump ausgerechnet bei dem Israeli-American Council (IAC) gegen Juden wettert.

Hier kann Trump nur seine Wähler davon abhalten zu wählen.

Insbesondere schießt sich Trump aber mit seiner Begeisterung für völlig verrückte Nazis wie Laura Loomer oder den Republican North Carolina gubernatorial candidate Mark Robinson selbst in den Fuß.

[…..] Mark Robinson tritt in North Carolina so provokativ auf, dass er den Kandidaten der Republikaner womöglich sogar die Präsidentschaft kostet. […..] Die jüngsten Enthüllungen über den Trump-Liebling aber sind derart verheerend, dass seine Karriere ebenso schnell wieder enden dürfte, wie sie begonnen hatte. Als „black NAZI!“, schwarzer Nazi, habe sich Robinson im Forum einer pornografischen Webseite bezeichnet, berichtete am Donnerstag CNN. Der US-Sender wertete Daten der Webseite „Nude Africa“ der Jahre 2008 bis 2012 aus. Darin schrieb ein Nutzer namens „minisoldr“, er wünsche sich die Sklaverei zurück und würde bestimmt ein paar Sklaven kaufen, auch ziehe er Hitler Obama vor. […..] Das Pseudonym nutzt Robinson auf anderen Plattformen, es ist überdies verbunden mit einer E-Mail-Adresse, die ihm gehört. CNN hat zudem biografische Angaben und sprachliche Auffälligkeiten gefunden, die nahelegen, dass der Republikaner der Autor war. In weiteren Einträgen beschreibt sich „minisoldr“ als „Perversen“, der gerne Transsexuellen zuschaue und in einer Universität Frauen beim Duschen beobachtete.

Als „schlüpfrigen Boulevardschrott“ wies der 56-Jährige die Vorwürfe umgehend zurück. Er bekräftigte, im Rennen bleiben zu wollen. Die Enthüllungen haben jedoch das Potenzial, nicht nur die Gouverneurswahl in North Carolina, sondern sogar die Präsidentschaftswahl zu beeinflussen. Robinson hat sich in dem Südstaat an der Atlantikküste einen Namen gemacht mit äußerst konservativen Ansichten. Besonders mit Angriffen auf die Rechte von Transgendern, ein Reizthema im evangelikal geprägten North Carolina, wo zwei Drittel der Bevölkerung sagen, Religion sei in ihrem Alltag sehr wichtig.

Die Provokationsstrategie funktionierte bei den parteiinternen Vorwahlen im Frühling, im weiteren Wahlkampf ging sie jedoch nicht mehr auf. Der Kandidat der Demokraten, Justizminister Josh Stein, lag in Umfragen schon vor Wochen mehr als zehn Prozentpunkte vorn. Robinson scheint republikanische Wähler derart abzuschrecken, dass sie am Wahltag entmutigt zu Hause bleiben könnten, angesichts der jüngsten Nachrichten über Robinson umso mehr. Deswegen droht nun sogar Donald Trump die Präsidentschaftswahl in North Carolina zu verlieren. […..] In diese missliche Lage hat sich Trump selbst gebracht, indem er Robinson bei den Vorwahlen im März unterstützte. Als „Martin Luther King auf Steroiden“ pries er den Mann, der seine Politkarriere einer Wutrede zu verdanken hatte, mit der er 2018 nach einer Schulschießerei das Recht auf freien Waffenbesitz verteidigte. Das Video des Auftritts von Robinson wurde zum Renner in sozialen Medien, verbreitet von der Waffenlobby NRA. […..]

(Fabian Fellmann, 20.09.2024)

Das sind Verliererthemen, die zwar in der festgefahrenen US-Wählerschaft die Masse nicht bewegen, aber womöglich die entscheidenden Promille der GOP-Freunde in die Wahlenthaltung treiben… könnten. Vielleicht.

Freitag, 20. September 2024

Nicht überlebensfähig

Manche Geschäftsmodelle sind nicht zukunftsfähig, weil sie entweder a priori eine miese Idee waren, oder weil der technische Fortschritt sie obsolet macht.

Die vor rund 120 Jahren vom heute noch berühmten Ferdinand Graf von Zeppelin entwickelten Luftschiffe waren natürlich um die vorletzte Jahrhundertwende spektakulär. Wer wollte nicht fliegen können?

Die Idee 10.000 bis 100.000 Kubikmeter elementaren Wasserstoff als Traggas zu verwenden, schien bestechend, da er die mit Abstand geringste Dichte aller chemischen Elemente hat und in der vergleichsweise extrem schweren Luft für sehr viel Auftrieb sorgt.

Nur ein bißchen blöd, daß Wasserstoff extrem reaktiv ist und mit dem Sauerstoff in der Luft in der berühmten „Knallgasreaktion“ zu Wasser explodiert, so daß die meisten Zeppeline wie Bomben hochgingen und abstürzten. Als das größte je gebaute Zeppelin, die LZ 129 „Hindenburg“ (245m), die rund 70 Passagiere und etwa 8 Tonnen Fracht tragen konnte, 1937 spektakulär in Lakehurst kurz vor der Landung abstürzte (35 von 97 Menschen an Bord starben), war dann auch Schluß mit der kommerziellen H2-Luftschifffahrt.

Die für mich aufregendsten Erfindung meiner ersten zwei Lebensdekaden, war der Videorekorder. Bis dahin gab es für bewegte Bilder nur die drei Fernsehprogramme mit sehr wenig Sendungen für Jugendliche und das Kino. Man war an feste Zeiten gebunden, musste Programmzeitschriften genau studieren und pünktlich an einem bestimmten Ort sein. TV-Programme aufzeichnen zu können und sie dann, wann immer man wollte, anzusehen, war ein Quantensprung. Damit einher gingen die Videotheken, die es erstmals möglich machten, Filme nach persönlichem Gutdünken zu sehen und nicht Jahre oder Jahrzehnte auf Wiederholungen zu warten. Eine unbeschreibliche Freiheit und der pure Luxus. Mit dem Aufbruch in die Privatfernseh-Ära stieg die Programmauswahl enorm. Ich weiß noch, als ich erstmals einen Kabelanschluss bekam, den Sendersuchlauf startete und aufgeregt frohlockte, nun sogar mehr Sender zu bekommen, als die neun Tasten auf meiner Fernbedienung. Ich musste erst herausfinden, wie man eine zweistellige Programmnummer tippt. Irgendwann kamen nach den VHS-Cassetten die DVDs in die Videotheken und man musste sich einen DVD-Player anschaffen.

Inzwischen gab es zwar schon 30 bis 40 Programme, aber die Videotheken hatten mit ihrer Ü18-Ecke immer noch einen entscheidenden Sellingpoint.

Aber nach dem Internet und Streamingportalen, hatten die Videotheken nichts mehr entgegen zu setzen. Sie gingen alle ein.

Dasselbe Schicksal ereilte die bis vor 20 Jahren allgegenwärtigen Fotogeschäfte. In Hamburg gab es in jedem Einkaufzentrum und jedem großen Supermarkt „Photo-Porst“. Dort gab man regelmäßig seine Filme ab, besprach, welche Art Abzüge man wollte – Hochglanz, Matt, 9X14 oder 10X15. Eine Woche später holte man seine Packung mit Fotos ab und guckte gebannt, wie viele davon „was geworden“ waren.

Aber mit dem Siegeszug der Digitalkamera starb die gesamte Branche. Aus, Schluß, vorbei.

Analoge Anrufbeantworter, die Nachrichten auf eine Kassette mit Tonband aufnahmen, sind genauso verschwunden, wie Videorekorder, Floppy Discs oder der Walkman.

Auch Ideologien überleben sich. Ein ganzes Verteidigungsbündnis und dutzende westliche Parteien verstanden sich in erster Linie als Widerstandsbewegungen gegen den Weltkommunismus. Man hatte Angst vor dem Warschauer Pakt; es galt den Expansionsdrang der KPdSU und ihrer osteuropäischen Satelliten aufzuhalten.

Aber nach Gorbatschow und dem Fall der Mauer hatte sich der antikommunistische Affekt erledigt. Die CSU konnte die Wähler nicht mehr damit erschrecken, die SPD als „fünfte Kolonne Moskaus“ zu brandmarken.

In diesem Blog wurde schon oft beschrieben, wieso sich die Sexualfeindlichkeit so perfekt als Machtmittel der Religionen eignet: Der Sexualtrieb ist nämlich nahezu universell. Fast jeder scheitert am Zölibat, oder hat bei der Einhaltung zu kämpfen. Darauf folgen schlechtes Gewissen, Reuegefühle und Angst vor der Verdammnis in der Hölle: Alles Gefühle, die Geistliche ausnutzen, um Gehorsam oder Geld zu erpressen. Der Zölibat erzwingt priesterlichen Gehorsam und verhindert gleichzeitig, daß Geistliche ihr Vermögen an Kinder vererben.

Also war es nur naheliegend, daß christliche Sekten die Körper und Triebfeindlichkeit immer mehr auf die Spitze treiben. Mormonen-Jungs und Mädels werden mit spezieller Antimasturbationsunterwäsche davon abgehalten, sich selbst „zu beflecken“. Ich kenne keine Zahlen, mutmaße aber, daß sich nicht jeder mormonische Teenager exakt daran hält und daher erfolgreich sehr viel schlechtes Gewissen generiert wird.

Noch radikaler waren die russischen und rumänischen Skopzen im 18. Und 19. Jahrhundert, die Enthaltsamkeit so streng verlangten, daß sie sowohl Männern, als auch Frauen, operativ die Geschlechtsteile entfernen, beziehungsweise zerstören ließen:

[….] Um erlöst zu werden, hatte sich der Mensch gemäß der skopzischen Glaubenslehre nach dem Hauptgebot Christi der „Feuertaufe“ zu unterziehen, bei der er kastriert bzw. seine (äußeren) Genitalien mit einem glühenden Eisen verstümmelt wurden. Die Skopzen propagierten völlige sexuelle Enthaltsamkeit und forderten als Bedingung für den Eingang ins Himmelreich von männlichen Mitgliedern die Entfernung der Hoden und des Penis, von Frauen die Beschneidung der Vulva und Entfernung der weiblichen Brust. Bei den männlichen Skopzen gab es beim Erreichen des Höhepunktes der rituellen Handlung, „der Feuertaufe“, eine höhere und eine niedere Form, um das „Tor zur vervollkommenen Erlösung“ zu durchschreiten:

    das „kleine Siegel“ bezeichnete die Abtragung der Hoden, in denen die Skopzen den „Schlüssel zur Hölle“ sahen;

    das „große Siegel“ bezeichnete die zusätzliche Entfernung des Penis, den die Skopzen als „Schlüssel zum Abgrund“ verstanden, wobei mit „Abgrund“ die weiblichen Geschlechtsteile als Lustobjekt gemeint waren.

Die Beschneidung der Frauen wurde seltener ausgeführt. Seit etwa 1815 begann man, den Frauen Brust und Vulva zu verstümmeln, mit der Absicht, den geschlechtlichen Trieb einzuschränken und die Möglichkeit zum Koitus zu beschränken. Dazu wurden die Klitoris und die kleinen Schamlippen entfernt, die Brustwarzen ausgeschnitten oder gespalten oder eine Ablation der Brüste vorgenommen. Die Eingriffe wurden mit Küchenmessern, Beilen, Sicheln und glühenden Messern vorgenommen oder erfolgten durch Abbinden mit einer Schnur.

Die Sektenmitglieder wurden vor der rituellen Verstümmelung „Esel“ und „Ziegen“ genannt und danach als „weiße Tauben“ und „weiße Lämmer“ bezeichnet  […..]

(Wikipedia „Feuertaufe“)

Diese Hingabe bewundere ich schon lange! Viel mehr antisexuelle Enthaltsamkeit-propagierende Religioten sollten mit gutem Beispiel voran gehen und sich alles abschneiden, was vorsteht.

(…..)  In der Bibel gibt es sogar Stellen, die man als Aufforderung zur Kastration lesen könnte.


Denn es kommen Tage, da wird man sagen: Wohl den Frauen, die unfruchtbar sind, die nicht geboren und nicht gestillt haben.

Lukas 23,29.


In diesem Zusammenhang seien die russischen Skopzen genannt, die sich im 18. und 19. Jahrhundert kastrieren ließen, um ihre besondere Bindung an Jesus zu zeigen.
Rituelle Penis- und Hodenentfernungen dieser Art sind in der russisch-orthodoxen Kirche bis Mitte des 20. Jahrhunderts belegt.
Vor drei oder viertausend Jahren kam es bei der Entfernung der Hoden oft zu Infektionen und anderen Komplikationen.
Das war nicht schön.
Bedauerlicherweise habe ich in einer ARTE-Sendung (einmal gesehen, wie eine Hijra rituell entmannt wurde.
Aua, aua, aua! Das war auch überhaupt nicht schön - ein Seil, eine Klinge und ZACK war alles ab (incl. Penis).
In Indien gibt es Millionen Hijras.
Ich bin aber sicher, daß der Vatikan mit seinen finanziellen Möglichkeiten bedeutend bessere medizinische Bedingungen bei der Hodenentfernung der Priester schaffen könnte.  In einem modernen OP mit den zur Verfügung stehenden Narkotika dürfte die Prozedur erheblich humaner verlaufen.
Wenn man bedenkt, daß die Priester dafür ihr lebenslanges „Geschenk“ des Zölibats per Garantie erhielten, wäre der Schmerz eine leicht zu rechtfertigende Beeinträchtigung.
Zur Not ginge auch eine Hodenzerstörung durch ionisierende Strahlung (Röntgenkastration, Menolyse).
Die Glaubwürdigkeit der Kirche wäre auf diese Weise schnell und effektiv wiederhergestellt.
Niemand müßte mehr Angst haben seine Kinder in katholische Schulen oder Kindergärten oder Chöre oder Internate zu geben.
So eine Kastration ist allerdings irreversibel. Das hat Vor- und Nachteile.
Der Vorteil ist, daß weniger katholische Priester aufgrund von sexuellen Gelüsten zurück in den Laienstand wechseln wollen würden.
Der Nachteil: Falls ein katholischer Priester aus spirituellen Gründen zu einer Religion konvertieren möchte, die sexuell aktive Kleriker hat, wäre er dort stigmatisiert.  (….)

(Vorschlag zur Güte, 20.04.2010)

Wider Erwarten konnte sich das Skopzentum nicht durchsetzen und der Messias kam auch nicht. Logischerweise nicht; denn Jesus wäre erst beim Erreichen der Zahl von 144.000 kastrierter Skopzen wieder aus dem Jenseits auf die Erde gereist. Aber die Menschen brachten es bloß auf knapp unter 10.000 Exemplare.

Man ahnt es schon: Der Nachwuchs blieb aus.

Nicht überlebensfähig auf lange Dauer sind auch die Amish, denen ich durchaus einige Sympathien entgegenbringe, da sie, wie die Juden, nicht missionieren und andere mit ihrer Religiotie in Ruhe lassen.

(….) Amerikanische Quäker und ihre total-zölibatären „Shaker“-Brüder sind pazifistische Genossen, während amerikanische Evangelikale geradezu fanatische Waffenfans sind.
Wiedertäuferische Gruppen sind die Mennoniten, die Hutterer und die Amischen.
Hutterern und Amish-peoplen begegne ich schon seit Dekaden mit einer gewissen Faszination.
Hat man nicht immer das Gefühl, daß Hutterer und Amish besonders zufrieden und ausgeglichen wirken?
Das gilt zwar sicher nicht für Amishe Jugendliche, die zufälligerweise irgendwie aus der Reihe tanzen, weil sie musische Interessen haben, eine Künstlerische Ader in sich spüren oder gar schwul sind. Die haben nichts zu lachen in ihrer Gemeinschaft.
Aber die Täufer praktizieren eine Sache vorbildlich - sie machen Menschen erst zu echten Mitgliedern ihres Glaubens, wenn sie erwachsen sind.
Die Taufe im Kindes- oder gar Säuglingsalter wird strikt abgelehnt, weil ein Mensch aus freiem Willen zu ihrem Gott finden soll.
Auch dieses Modell ist nicht perfekt.
Wie „frei“ ist schon der Wille, wenn man 18 Jahre indoktriniert wurde und alle Menschen, die man kennt und liebt auch Amishe sind?
Allerdings gibt es aber die großartige Tradition des „Herumhüpfens“ („Rumspringa“). Nach dem Ende der Schule dürfen die Jugendlichen auf unbestimmte Zeit noch mal so richtig die Sau rauslassen. Alles ausprobieren, das vorher verboten war und im Lande herumreisen.
Die Eltern sind in dieser Zeit verpflichtet große Toleranz walten zu lassen. Wie viele Springer anschließend freiwillig zurückkommen und mit der Taufe ein Leben unter den strengen technikfeindlichen Regeln der Amish wählen, ist von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. Offenbar können aber die extrem fundamentalistischen Amish nahezu alle Jugendlichen zurück gewinnen, während sich in den liberaleren Familien über die Hälfte der Hopser gegen die Taufe entscheiden.
Die bei Katholiken und deutschen Protestanten übliche Methode schon Säuglinge zu taufen und sie damit für immer zum Mitglied der Kirche zu machen, finde ich zutiefst menschenverachtend.
Die Kirchen vergreifen sich damit an Unschuldigen, die sich nicht wehren können.
In vielen Ländern ist es auch im Erwachsenenalter nicht mehr möglich aus der Kirche auszutreten - zum Beispiel in Spanien.
Auch ein deutscher Katholik kann nur formal aus der Kirche austreten, seine Seele gehört dem Vatikan aber auf immer; es sei den man wird exkommuniziert. (….)

(Religion ist wie ein Penis, 20.11.2010)

Sich von dem modernen Amerika abzukoppeln, macht Sinn für die hauptsächlich in Pennsylvania und Ohio lebenden Amish. So kommt die Jugend nicht in Versuchung und sie können ihrer Lebensweise treu bleiben.

Ein sehr anstrengendes Leben, das keinen Platz für Individualität lässt, aber auch in den festen Familienverbänden enorme Sicherheit gibt.

Geschieht einer Amish-Familie ein finanzielles Desaster oder wird jemand schwer krank, erscheinen ganz selbstverständlich die anderen Amish mit Lebensmittelgaben und Geschenken. In einer Reportage sah ich, wie einem Amisch-Mann das Haus abbrannte und er mittellos mit einem halben Dutzend kleiner Kinder in der Ruine saß. Schon am nächsten Tag erschienen, ohne daß das französische Reporterteam erklären konnte, wie sich die Neuigkeit eigentlich ohne Internet und Telefone so schnell herumgesprochen hatte, Dutzende Pferdewagen mit Baumaterial und kräftigen Amishen, die in wenigen Tagen ein noch schöneres Haus wieder aufbauten, ohne daß Geld floß.

Diese Solidarität hat ihren Preis: Absoluten Gehorsam, nicht aus der Reihe tanzen, den Oberen gehorchen, unterordnen, beten und arbeiten.

Die gut 300.000 Amishen in den USA werden dennoch nicht auf lange Sicht überleben. Mit ihren landwirtschaftlichen und handwerklichen Methoden sind sie zwar unabhängig vom Weltmarkt und Energiepreisen, ernähren sich gesund und werden insbesondere als Möbelbauer hoch geschätzt, aber sie haben sich auch von Washington abgetrotzt, daß ihre Kinder mit 14 Jahren die Schule verlassen.   

Das ist konsequent, weil intellektuelle Verdummung die Religiosität befördert, aber es schafft auch Abhängigkeiten, da der extrem niedrige Bildungsstand die Existenz von amishen Ärzten, Ingenieuren, Veterinären, Anwälten verhindert. Wenn es gesundheitlich brenzlig wird, brauchen sie immer Hilfe von außen.

Darüber berichtet die aktuelle Dokumentation“ The Amish Dilemma“, die in deutsch in der ARD-Mediathek abrufbar ist.

Abgesehen von der Verblödung, leiden die Amish auch noch an Langeweile. Musik, Bücher, TV, Internet gibt es nicht. Was bleibt da noch übrig, außer poppen?
Dementsprechend produzieren sie ein Balg nach dem anderen. Es sind also sehr große Familien, bei insgesamt wenig Amish. Sex vor der Ehe und Masturbation kommen selbstverständlich nicht in Frage, also wird sehr früh geheiratet und das ist meistens eine Person, mit der sie mehr oder weniger nah verwandt sind. Durch den starken Inzest nehmen Erbkrankheiten zu. Mukoviszidose und Trisomie21 sind, wie über 100 weitere genetische Krankheiten sehr häufig. Und das in einer akademikerfreien Gesellschaft, die auf medizinische Hilfe von außen angewiesen ist.

Fast jede Amish-Familie hat „ein besonderes Kind“ – also ein Mongoloides – welches als besonderer Segen Gottes angesehen wird. Selbstverständlich lehnen sie Gentests und Fruchtwasseruntersuchungen ab.

Die genetische Vielfalt sinkt rapide. In wenigen Generationen werden alle Amish weitgehend schwachsinnig sein.

Dabei wäre dem leicht Einhalt zu gebieten; sie müssten nur ihre Sexualethik ins Gegenteil verkehren. Amish-Frauen sollten dringend ausgehen und viel mit fremden Männern vögeln, sich unbedingt außerehelich schwängern lassen.

Aber das weiß man schon seit über 20 Jahren, ohne daß die Amish Konsequenzen ziehen und endlich zum Rudelbumsen mit den „english people“ raten.

[….]  The Amish make up only about 10 percent of the population in Geagua County in Ohio, but they're half of the special needs cases. Three of the five Miller children, for example, have a mysterious crippling disease that has no name and no known cure. Their father, Bob Miller, says he realizes there is a crisis in the community, which is why he and two other fathers, Erwin Kuhns and Robert Hershberger, have agreed to break a strict Amish rule that forbids them to appear on camera. The three sat for an informal interview.

The three Byler sisters were all born with a condition that has no cure and mysteriously leads to severe mental retardation and a host of physical problems. Last year, doctors figured out the girls have the gene for something called Cohen Syndrome; there are only 100 known cases worldwide.  Since then, more than a dozen other cases of Cohen's have been discovered in Ohio Amish country.

"Nobody knew it was around here and we found, what, 20 to 30 cases in this area now that they didn't realize. Nobody knew about it," says Erwin Kuhns.

But for so many years, the Amish have had no names for these disorders. It was simply a mystery why half the headstones in Amish cemeteries were headstones of children.

The genetic problems come down to something called the "founder effect" because the nearly 150,000 Amish in America can trace their roots back to a few hundred German-Swiss settlers who brought the Amish and Mennonite faiths to the United States in the 18th century. Over generations of intermarriage, rare genetic flaws have shown up, flaws which most of us carry within our genetic makeup but which don't show up unless we marry someone else with the same rare genetic markers.

Kuhns and Miller admit these conditions have gotten more widespread in recent years. So much so that concerned families pulled together, held an auction and raised enough to build a clinic within buggy range of all the Amish. They also hired a pediatrician and researcher named Dr. Heng Wang to start caring for their children.   [….]

(CBS, 2005)

Auch das Geschäftsmodell „Amish“ wird nicht überleben.