Mittwoch, 6. November 2013

Patriotismus - Nein Danke!!!!!!!!!!!!!


Vorhin grübelte ich wie eigentlich das Antonym zu „Patriotismus“ lautet.
Ich nämlich so gar kein Patriot und kann für patriotische oder gar nationale Gefühle (gegenüber Deutschland ODER Amerika) einfach kein Verständnis aufbringen.
Auch das Wort „Stolz“ liegt mir nicht. Insbesondere könnte ich keinen Stolz auf eine Nation empfinden, da ich Stolz immer mit einer eigenen Leistung verbinde.
Was aber ist weniger ein eigener Verdienst als der Zufall wo man geboren wurde?
Wie nennt man aber nun Menschen, die keine Patrioten sind?
Im Zweifelsfall googlen. Eine Internetsuche spuckt folgende Begriffe aus:

Vaterlandsverräter, Fahnenflucht, Verrat, Unzufriedenheit, Untreue, Falschheit, Wankelmut, Unbeständigkeit, Perfidie, Nestbeschmutzer, „Jemand der sich ganz schnell verpissen sollte. Er mag sein Land nämlich nicht“, Landesverräter, Idiot, Zecke,..

Nun bin ich noch unpatriotischer, nachdem ich sehe welche Konnotationen aktiviert  werden, wenn man Menschen nach dem Gegenteil von Patriotismus fragt.
Das Abstoßende am Patriotismus ist also nicht nur das penetrante Sich-mit-fremden-Federn-schmücken, sondern die mehr oder weniger latent damit einhergehende Abwertung anderer Nationen, bzw der Nicht-Patrioten im eigenen Land.
Es stimmt eben, daß die Grenzen vom Patriotismus zum Nationalismus fließend sind und Letzterer ist einer der destruktivsten Ismen, den die Menschheit hervorgebracht hat.

Immer wenn die Patriotismuskarte gespielt wird, folgt etwas Ekelhaftes.

Jüngstes Beispiel ist die Eröffnungssitzung des aktuellen Bundestags.
Dier erstarkte, fast absolute CDU/CSU-Fraktion drückte eine Neuerung durch und setzte zum Ende der Sitzung das Singen der deutschen Nationalhymne an!
Zum Mitschämen! Davon bekommt man außerdem Ohrenbluten.

Seit dem November 2011 liegen meine PERSÖNLICHEN PROBLEME nicht nur auf meinem Schreibtisch, sondern auch in diesem Blog vor.

Genauer gesagt mit meiner nationalen Identität, die schließlich eindeutig festgestellt sein will.


Ich rekapituliere:

Rot/Grün wurde 1999 nämlich von der Hessen-CDU dazu gezwungen ein modernes, sinnvolles Staatsbürgerschaftsrecht zurück zu nehmen.
Ein modernes Recht, wie es in fast allen Ländern der Welt gilt.
Nur die Deutschen mit ihrem völkischen Blutrechtsvorstellungen hängen manisch am Ius Sanguinis ( lat. Recht des Blutes); jenem Prinzip, nach dem ein Staat seine Staatsbürgerschaft an Kinder verleiht, deren Eltern oder mindestens ein Elternteil selbst Staatsbürger dieses Staates sind.
Dieses Abstammungsprinzip sieht auf den ersten Blick gar nicht so verkehrt aus, bedeutet aber eben auch, daß es komplett irrelevant ist, WO und in welchem Umfeld man geboren wurde.
Ist man vor 1974 in Deutschland geboren worden und hatte sogar eine deutsche Mutter, die sich aber bedauerlicherweise von einem Ausländer schwängern ließ, hat man dessen Staatsbürgerschaft!
Auch wenn man den Vater nie gesehen hat, das Land aus dem er stammt nie besucht hat, die Sprache nicht spricht und als in Deutschland geborener Mensch bei seiner rein deutschen Familie aufgewachsen ist!
So sagte es einst das Abstammungsprinzip - die MÜTTERLICHE Abstammung war irrelevant.
Ein Kasache, dessen Vorvorvorfahren einst unter Katharina der Großen mal nach Russland eingewandert waren, konnte hingegen nach Deutschland kommen, obwohl seit Generationen niemand mehr deutsch gesprochen hatte, niemand mehr in Deutschland gewesen war und bekam noch am ersten Tag - eingefädelt von Helmut Kohls legendären Staatssekretär Horst Waffenschmidt (1982 bis 1997 Parlamentarischer Staatssekretär beim Innenminister und von 1988 bis 1998 Aussiedlerbeauftragter Kohls, zur Zeit tot) sofort einen deutschen Pass.

Natürlich blicke ich jetzt mit einem besonderen persönlichen Interesse auf die Koalitionsverhandlungen in Berlin. Wird es der SPD gelingen die Union von ihrer diskriminierenden Optionspflicht abzubringen, so daß Menschen wie ich endlich zwei Staatsbürgerschaften erhalten können?
Tatsächlich würde ich so ein großzügiges Angebot der Regierung annehmen, wenn ich dafür nicht meinen US-Pass schreddern lassen müßte.
Wie so ein Gesetz konkret aussähe, weiß ich natürlich noch nicht.
Im Moment wäre es aber höchstwahrscheinlich unmöglich für mich Deutscher zu werden, selbst wenn ich aufhörte Ami zu sein, da meine finanziellen Verhältnisse nicht üppig genug sind, um zu beweisen, daß ich kein Sozialfall werden kann.

Unterdessen macht sich meine lokalpatriotisch geliebte Heimatstadt Hamburg unter ihrem erfolgreichen Bürgermeister Scholz daran systematisch hier lebende Ausländer zur Einbürgerung einzuladen.
So einen Scholz’schen Brief habe ich selbstverständlich auch schon erhalten; kann aber aus o.g. Gründen nicht darauf eingehen.
Viele andere Ausländer in Hamburg haben offenbar mehr Zaster als ich.

Rekord: Hamburg hat die höchste Einbürgerungsquote.
Die Zahl der Einbürgerungen in Hamburg hat einen Höchststand erreicht. Im vergangenen Jahr haben 5736 Menschen in der Hansestadt die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Zum Vergleich: Im Jahr 2008 waren es noch 2800 Einbürgerungen. Die Zahlen des laufenden Jahres deuten darauf hin, dass dieser Wert Ende 2013 noch einmal übertroffen wird. Bis Ende Juni wurden 3747 Einbürgerungen gezählt. [….] So versendet Scholz monatlich rund 3700 persönliche Anschreiben an Einwanderer, um diese zu Einbürgerungsanträgen zu ermuntern. Seit Dezember 2011 sind 72.173 dieser Briefe versendet worden. Die nun seit sieben Jahren laufenden Bemühungen der Stadt machen sich auch im bundesweiten Vergleich bemerkbar. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes werden in Hamburg, gemessen an der Einwohnerzahl, die meisten Menschen in Deutschland eingebürgert. Die Quote betrug im Jahr 2011 – neuere Zahlen sind noch nicht veröffentlicht – 2,28 Prozent. Es folgen die Flächenländer Schleswig-Holstein (2,03 Prozent) und Hessen (1,84 Prozent). Berlin etwa hinkt mit einer Quote von 1,41 Prozent deutlich hinterher. Bundesweites Schlusslicht ist Sachsen (0,77 Prozent).
 (HH Abla, 06.11.13)

Ich würde Olaf Scholz den „Erfolg“ gönnen seine Einbürgerungsquote durch mich noch zu erhöhen – wenn ich reich genug dazu wäre.
Das war eine Konjunktiv-Formulierung.
Der Leitartikel des stellvertretenden Abendblatt-Chefredakteurs Iken löst bei mir allerdings wieder so einen antipatriotischen Brechreiz aus, daß ich mit solchen Typen wirklich nicht meine Staatsbürgerschaft teilen möchte – selbst wenn man mich ließe.

Einbürgerung ja, Doppelpass nein!
Die Einbürgerung ist ein wichtiges Ziel, die doppelte Staatsbürgerschaft ist es nicht
[….]  Es ist so gut wie richtig, Menschen die deutsche Staatsbürgerschaft zu verleihen, die seit Langem in der Bundesrepublik zu Hause sind. Wer den deutschen Pass bekommt, bekennt sich zu seiner neuen Heimat; er genießt fortan dieselben Rechte – allen voran das aktive wie passive Wahlrecht – und dieselben Pflichten wie früher den Wehrdienst. Wichtiger noch als der formale Akt aber ist die Symbolik: Deutschland, dieser Schmelztiegel im Herzen Europas, der sich lange Zeit gewehrt hatte, "Einwanderungsland" zu sein, und Zuwanderer als "Gastarbeiter" behandelte, baut endlich Brücken und bezieht die Ausländer von gestern als Deutsche von morgen ein.
Wer am tieferen Sinn dieser Politik zweifelt, sollte eine Einbürgerungsfeier im Festsaal des Rathauses besuchen: Der Festakt mit der Verleihung der Einbürgerungsurkunde durch den Bürgermeister und dem gemeinsamen Singen der Nationalhymne ist ein Hochamt der bürgerlichen Demokratie.
Die Staatsbürgerschaft ist ein Bekenntnis – und dieses Bekenntnis ergibt Sinn. Bei allem Verständnis für die Betroffenen und ihre Schwierigkeiten, sich zu entscheiden, der Staat darf ein eindeutiges Bekenntnis verlangen – und er sollte es tun. [….] Zu Recht haben die Gesetzgeber seit 2000 ein Optionsmodell geschaffen – Kinder ausländischer Eltern, die in Deutschland geboren werden, erhalten automatisch die deutsche Staatsangehörigkeit, müssen sich aber zwischen dem 18. und 23. Lebensjahr für den bundesrepublikanischen Pass oder den ihrer Eltern entscheiden. Das ist, anders als die SPD derzeit in den Koalitionsverhandlungen glauben macht, eben nicht zu viel verlangt.
Eine doppelte Staatsbürgerschaft schafft doppelte Probleme. Diese beginnen bei einem theoretischen Mehrfachwahlrecht etwa bei Europawahlen, erstrecken sich über Schwierigkeiten im Privatrecht und hören bei der Frage nach den Pflichten, etwa dem Wehrdienst, nicht auf.
(Leitartikel Iken 06.11.13)

Was bildet sich dieser Iken eigentlich ein?
Ich lebe schon länger in Deutschland als er und dennoch meint er von mir erst einmal verlangen zu müssen mich zu bekennen und gemeinsam die Nationalhymne zu singen, bevor es überhaupt möglich ist dieselben Rechte zu erhalten, die Iken schon seit seiner Geburt im Jahr 1970 innehat?
Wer ist er, daß er sich einbildet etwas von mir „verlangen“ zu dürfen?
Und weiß er nicht, daß multiple Staatsbürgerschaften in allen anderen westlichen Ländern die Regel sind? Jeder, der beispielsweise in Amerika geboren wird, ist sofort automatisch Amerikaner- vollkommen unabhängig davon, ob er noch anderen Staatsbürgerschaften bekommt, oder nicht.
Und das soll „doppelte Probleme“ bringen?
Nein, ich glaube, daß ich gar nicht die Staatsbürgerschaft eines Landes haben möchte, indem man sich mit so anmaßenden Blutrechtsvorstellungen aufbläst.


Dienstag, 5. November 2013

Politischer Klimawandel


 Von den gute 70% Zustimmungsraten Ende 2008 ist Barack Obama auf blamable 40% abgestürzt.
Dafür daß er dennoch 2012 wiedergewählt wurde, schickt er vermutlich immer noch regelmäßig Dankschreiben an die GOP, die mit unterirdischer Performance und grenzdebilen Herausforderern (Cain, Bachmann,…) ein Klima schaffte, in dem auch Lothar Matthäus als mit Abstand intelligentester Kandidat gute Wahlchancen gehabt hätte.
Eigentlich wird man in Amerika mit solch einer langen Liste von unerfüllten Wahlversprechen nicht wiedergewählt, aber zu Recht befanden ihn die Amis immer noch als das geringere Übel.
40% Zustimmungsrate sind für einen amtierenden Präsidenten  ein Armutszeugnis.
Aber in der Relation kann man auch damit noch glänzen. In Umfragen liegt die Republikanische Partei bei 20%.
George W. Bush fuhr seine Maximalzustimmungsrate von 90% (kurz nach den WTC-Anschlägen 2001) kontinuierlich auf bis zu unter 30% zum Ende seiner Amtszeit herunter.
Das ist das Problem der GOPer; es gelingt ihnen zwar durch ihr beständiges Mit-Dreck-bewerfen Obama nachhaltig zu diskreditieren und politisch zu blockieren, aber sie selbst stürzen dabei noch mehr ab.
Der parteipolitische Nutzen in einem Mehrheitswahlrechtsystem ist mit einer Totalblockade im Gaga-Stil nicht zu erreichen.
Die „politischen“ Argumente der Rechten sind für jeden auch nur halbwegs geistig Gesunden nicht ernst zu nehmen. Daß Obamas Wiederwahl da als Zeichen von Gott für den Untergang Amerikas gewertet wurde, gehört zu den Standardansichten der Republikaner.
Einer der fanatischsten Irren der GOP und potentieller Präsidentschaftskandidat, Senator Ted Cruz, stammt aus der richtigen Familie. Sein Vater, Pastor Rafael Cruz, erkannte daß der US-Kongress vom Satan kontrolliert wird.

After denouncing evolution and gay rights as Marxist lies, Rafael Cruz told a Texas Christian men’s group in June that Satan controls the US government. While quoting Second Great Awakening evangelist Charles Grandison Finney, he said that the US has fallen into a state of moral decline.
“‘If the world loses its interest in religion,’ does that sound like today?” Cruz said, “‘If Satan rules in the hall of legislation,’ man this sounds like he’s talking about right now.’”

Der 2012er Präsidentschaftskandidatenkandidat Rick Santorum erkannte kurz zuvor, daß auch die US-Filmindustrie vom Satan persönlich regiert wird.

Rick Santorum is asking you to do your part to free movie theatres from the Devil’s clutches by purchasing tickets to his upcoming movie, The Christmas Candle. [….]
Santorum, who has previously said that Satan has control over mainline Protestantism and universities, thanked viewers in advance for seeing the movie.
“This is a tough business, this is something that we’re stepping out,” Santorum said, “and the Devil for a long, long time has had this, these screens, for his playground and he isn’t going to give it up easily.”

Bradlee Dean, Moderator der Radio talk show, “The Sons of Liberty” und Gründer der in Minnesota beheimateten christlichen Jugendorganisation You Can Run But You Cannot Hide International (YCRBYCHI) klärte die Nation darüber auf, daß Obama heimlich schwul sei, 225 Tunten in die wichtigsten Positionen der US-Regierung gebracht hätte, damit Heterosexuelle diskriminiere und zudem die Scharia einführen wolle.

Bradlee Dean, who has entertained the notion that President Obama is secretly gay, thinks that the president is practicing “discrimination towards heterosexuals” and “advocates Shariah law.”
“Look at who President Barrack Hussein Obama and this current administration have appointed to key positions in government–over 225 homosexuals,” Dean writes in a WorldNetDaily column published yesterday. “Talk about discrimination towards heterosexuals.”

Für Michael Moore, Bill Maher und Jon Stewart sind das beruflich rosige Zeiten.

Den GOPern bleibt eigentlich nur noch übrig mit Tricks die demokratischen Wähler am Wählen zu hindern, erklärt Rachel Maddow hier sehr schön.

<iframe src='http://player.theplatform.com/p/2E2eJC/EmbeddedOffSite?guid=n_maddow_1vote_131104' height='500' width='635' scrolling='no' border='no' ></iframe>

Bei richtigen Wahlen sieht es allerdings für die politische Rechte zunehmend düster aus.
Der Bogen ist überspannt. Das Land rückt in seiner Mehrheit offenbar tatsächlich nach links. Heute findet die Bürgermeisterwahl in der Hauptstadt der Hauptstädte statt. Und alles andere als ein Erdrutschsieg des Linken de Blasio wäre eine riesige Überraschung.

Die Bürgermeisterwahl in New York scheint längst entschieden: Siegen dürfte der Links-Demokrat Bill de Blasio. Mit seinen Klassenkampf-Parolen signalisiert er eine Zeitenwende - nicht nur in der Millionenmetropole.
[….]    Der Aufstieg des progressiven Ex-Aktivisten zum designierten Nachfolger des Multimilliardärs Michael Bloomberg, der New York City zwölf Jahre lang mit harter Hand managte wie einen Großkonzern, signalisiert eine Zeitenwende - nicht nur für die Stadt, sondern, so hoffen manche, für die gesamten USA. Denn mit seinen Parolen gegen ökonomische Ungleichheit und für eine fairere Gesellschaft, mit seinen Steuerplänen für die Reichen und seiner multikulturellen Familie verkörpert de Blasio eine "neue Linke".
So jedenfalls beschreibt der Kolumnist Peter Beinart ("Daily Beast") das Phänomen: Finanzkrise, Rezession und die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich hätten die jüngste US-Wählergeneration "nach links gedrückt". Ähnlich sieht es Chrystia Freeland in der "New York Times": "Nie waren die Plutokraten reicher" - was wiederum eine neue Gegenbewegung befeuere.
Und nirgends ist der Nährboden dafür besser als in New York City, der Stadt mit den zwei Gesichtern. Auf der einen Seite die Wall Street, die VIP-Herbstauktionen, die 95-Millionen-Dollar-Luxusimmobilien - auf der anderen Seite ein vergessenes Obdachlosenheer, das so groß ist wie seit Jahrzehnten nicht und mehr als 12.000 Familien mit Kindern umfasst. Fast 400.000 Millionäre leben hier, plus 70 Milliardäre, angeführt vom Tea-Party-Finanzier David Koch und Bloomberg. Zugleich darben 1,7 Millionen New Yorker unterhalb der Armutsgrenze - 21 Prozent aller Einwohner. Das von Touristen und Oligarchen überlaufene Manhattan ist für Normalsterbliche kaum mehr erschwinglich. Die fliehen zunehmend nach Brooklyn und Queens, wo sie bald ebenfalls zu Opfern der Gentrifizierung werden.
[…]  Dagegen hat de Blasios republikanischer Rivale Joe Lhota keine Chance. Dabei vereint dessen Lebenslauf die zwei Pole New Yorks fast noch besser: Sohn eines Cops aus der Bronx, Investmentbanker, Vize-Bürgermeister, Chef der Verkehrsgesellschaft MTA.
Hilft alles nichts: In letzten Umfragen lag de Blasio 45 Prozentpunkte vor ihm.

Außerdem finden zwei Gouverneurswahlen statt, bei denen sich die Zimmertemperatur-IQ-Teebeutler gründlich ins Abseits manövriert haben dürften.

Tea Party droht Doppelschlappe
Es geht gegen Amerikas Radikalinskis: Die Wähler von Virginia und New Jersey entscheiden am Dienstag über ihre Gouverneure. […]  In Virginia gilt Demokrat Terry McAuliffe als Favorit für den Posten des Regierungschefs.
[…]  McAuliffe […] hat einen entscheidenden Trumpf: seinen Gegenkandidaten Ken Cuccinelli. Der ist Virginias Generalstaatsanwalt und Vertreter der Tea Party. Cuccinelli kämpft an allen Fronten gegen das 21. Jahrhundert: gegen das Recht auf Abtreibung, gegen die Homo-Ehe, gegen spanische Sprache am Arbeitsplatz, gegen den allgemeinen Krankenversicherungsschutz. Das volle Programm. Als einen "vollkommen Irren" hat ihn das Magazin "The New Republic" beschrieben.
Und seitdem Rechtsaußen-Abgeordnete die US-Regierung im Oktober für zwei Wochen lahmlegten, ist die Tea Party in den Umfragen eingebrochen. Das gilt umso mehr für Virginia, da hier viele Bundesangestellte sowie Militärs leben, die der Shutdown empfindlich traf. Ganz Amerika schaue jetzt auf den Acht-Millionen-Einwohner-Staat, rief Hillary Clinton bei einem Wahlkampfauftritt: "Werden Virginias Wähler der spalterischen Politik den Rücken kehren und den Weg zurück zu gesundem Menschenverstand weisen?" […] Das würde auch Chris Christie nutzen. Der Republikaner und Gouverneur von New Jersey hat sich von seinen nach rechts driftenden Parteifreunden abzusetzen gesucht, wo er nur konnte. Die Bürger scheinen das zu goutieren: Stimmen die Umfragen, dann könnte der 51-Jährige an diesem Dienstag sogar mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit gegen Herausforderin Barbara Buono wiedergewählt werden - in einem strukturell demokratischen Staat.
Christie hat sich beim Krisenmanagement von Supersturm "Sandy" im vergangenen Jahr an der Seite von Barack Obama als Volkstribun inszeniert; zuletzt hat er seinen Widerstand gegen die Home-Ehe aufgegeben. Ideologie? Nicht mit dem "Boss", wie das "Time-Magazin" Christie einst titulierte.
Der gleichermaßen für seine Körperfülle und seine konfrontative Art bekannte Christie hatte schon vor Monaten das republikanische Agieren im Haushaltsstreit als "enttäuschend und ekelerregend" bezeichnet. […]  

Der heutige Tag dürfte für Cruz, Bachmann, Palin, Ryan, Paul und Co ein Alptraum werden.
Aber wenn wundert das? Immerhin hatten sie ja schon länger erkannt, daß Satan die USA regiert.

Montag, 4. November 2013

Die Causa Snowden


Das ist schon lustig; normalerweise changiert Christian Ströbeles Ansehen in der Unionsfraktion irgendwo zwischen „linksradikaler RAF-Sympathisant“ und „vertrottelter Öko-Geront.“
Ernst genommen wird er jedenfalls nicht auf der rechten Seite des Parlaments.
Vermutlich sehen das sogar einige seiner grünen Fraktionskollegen ähnlich, aber als der Mann mit dem einzigen Direktmandat ist er natürlich sakrosankt.

Sein Coup, mit zwei Journalisten nach Moskau zu reisen und dort Snowdens Gesprächsbereitschaft und den Wunsch nach Deutschland zu kommen, auszuloten, war allerdings so beeindruckend, daß selbst einige CDU’ler Respekt bekunden.
Hätte Deutschland eine normale Regierung, wäre auch längst ein offizieller Emissär zu Snowden geschickt worden. Bedauerlicherweise haben wir aber nur die Politsimulantengang mit Friedrich, Westerwelle und Co. Daher gab es selbstverständlich keinerlei Initiative aus Berlin.

Die jetzt im Raum stehende Idee Ed Snowden Asyl in Deutschland zu gewähren, unterstütze ich ausdrücklich. Die Gründe dafür zu erklären, erübrigt sich in diesem Blog, da ohnehin fast alle Medien breit darüber berichten. So lautet etwa die aktuelle SPIEGEL-Titelgeschichte „Asyl für Snowden“ und greift damit eine Idee des SZ-Innenpolitik-Chefs Heribert Prantl auf.

Ich zitiere heute extra nur eine Stimme.

Gewähren Sie Asyl, Frau Bundeskanzlerin!
Politiker und Prominente fordern im SPIEGEL Asyl für Edward Snowden. Tatsächlich liegt das Schicksal dieses modernen Helden jetzt in Merkels Hand. Denn in Europa wäre nur Deutschland stark genug, dem Zorn der USA zu widerstehen.
Asyl für Edward Snowden? Die Frage stellte sich schon im Sommer, und damals hat die Bundeskanzlerin abgelehnt. Sie versteckte sich hinter einer Floskel: "Das Bundesinnenministerium und das Auswärtige Amt sind nach ihrer Prüfung zu dem Ergebnis gekommen, dass die Voraussetzungen für politisches Asyl oder eine Aufenthaltsgewährung aus anderen Gründen nicht vorlagen."
Das war schon damals falsch.
Aber heute lässt sich das gar nicht mehr halten. Wir wissen jetzt, dass es den Amerikanern bei unserer Überwachung nicht um Sicherheit geht, sondern um Macht. Angela Merkel sollte also dem Mann Schutz und Asyl gewähren, der uns die Augen für das wahre Verhältnis von Sicherheit und Macht im digitalen Zeitalter geöffnet hat. Asyl für Snowden, das wäre ein mächtiges Signal dafür, dass wir unsere Rechte nicht der amerikanischen Herrschaft unterordnen - und überhaupt nicht der digitalen Herrschaft, denn das läuft heute auf dasselbe hinaus.
Wir stehen in Snowdens Schuld. Er hat uns die Augen geöffnet. Wir können jetzt die Wirklichkeit besser erkennen. […]
Deutschland sollte Edward Snowden Asyl gewähren - und durchaus nicht nur als symbolische Handlung. Denn eines Tages wird dieser Edward Snowden Nachahmer haben. Der ungeheure Überwachungsapparat der USA wird sie hervorbringen. Wenn wir Snowden schützen, wissen sie, dass sie auf unsere Hilfe zählen können. Darin liegt für die US-Dienste, die unsere Freiheit bedrohen, die schlimmste Gefahr.

Natürlich wird es nie dazu kommen, daß Snowden in Deutschland vor den US-Häschern geschützt wird. Wenn Putin ihn im Sommer 2014, wie angekündigt des Landes verweisen wird, werden wir aus bequemer Entfernung einfach zugucken, wie er untergeht.

Es spricht nämlich eine Sache gegen Asyl in Deutschland: Das ginge nur, wenn Deutschland eine Bundesregierung und einen Regierungschef mit Rückgrat hätte.
Und wir haben eben bloß Merkel. Causa Finita.

Interessant ist die Wortwahl der Regierungschefin mit dem politischen Amöbenkurs:

Das transatlantische Verhältnis habe eine „überragende Bedeutung!“
Nun erkennen wir auch weswegen sich Merkel den extrem frommen ZDF-Mann Seibert als Regierungssprecher hält. Er findet offenbar diese Verschleierungsbegriffe, die politisch und juristisch keinerlei Bedeutung haben, keine Konsequenzen nach sich ziehen und eine allgemeiner Tranquilizer-Funktion haben.
Mit „überragender Bedeutung“ scheint in diesem Fall aber zunächst einmal ein Freifahrtschein für jede Internationale Sauerei der Amis gemeint zu sein: Guantanamo, illegale Angriffe auf souveräne Staaten, Nichtanerkennung internationaler Konventionen. Blockade von Klimaschutz und Abrüstung. Milliardenfacher Mißbrauch an den Persönlichkeitsrechten.

Die Enthüllungen über die US-Spionage zeigen: Die USA sind ein Regime der Angst. Die Überwachung des Handys der Kanzlerin sowie von Oppositionspolitikern sind nur die Spitze des Eisbergs. Ein »Weiter So!« in den deutsch-amerikanischen Beziehungen ist inakzeptabel. Es geht um die Sicherheitsinteressen Deutschlands, nicht um eine Privatsache von Merkel & Co.
Der eigentliche Skandal ist die Überwachung von Millionen Bundesbürgern, die selbst die Fantasie Orwells übertrifft und totalitäre Systeme vor Neid erblassen lässt. Die Aktivitäten der National Security Agency (NSA) sowie der Satellitendienste in Europa strafen auch die Illusion von der freien Welt des Internets Lügen: Konzerne wie Facebook, Yahoo und Google kooperieren mit den Geheimdiensten bzw. werden angezapft.
Wir verdanken die Enthüllungen dem Mut des jungen Mannes und einstigen CIA-Mitarbeiters Edward Snowden. Er ist der wichtigste Zeuge gegen diesen Angriff auf unsere Freiheit. Gerüchte, er befinde sich an Bord des bolivianischen Regierungsfliegers, veranlassten die EU-Mitgliedstaaten Frankreich, Spanien, Italien und Portugal auf Geheiß der USA, dem Präsidenten Evo Morales im Juli die Überflugrechte auf dem Rückweg von Moskau zu verweigern. Mit anderen Worten: Es wurde mit dem Abschuss der Präsidentenmaschine gedroht. Das ist eine unvorstellbare Aggression und Verletzung des Völkerrechts bzw. der Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen und zeigt die Angst der USA vor der Wahrheit. Die Vereinten Nationen verurteilten die erzwungene Landung von Morales in Wien. Die Botschaft des US-Präsidenten an Snowden lautete: Du bist außerhalb Russlands nicht sicher.
Snowden wird aber offenbar auch von Angela Merkel gefürchtet. Ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages im Auftrag der Linksfraktion zeigt: Deutschland könnte ohne Probleme Snowden sicheres Geleit und Asyl gewähren, insbesondere um vor einem NSA-Untersuchungsausschuss auszusagen. Die Bundesregierung hat jedoch kein Interesse an einem solchen Ausschuss geschweige denn einem Auftritt Snowdens. Sie müsste sich folgende Fragen gefallen lassen: Was wusste der Bundesnachrichtendienst (BND) und was wusste die Kanzlerin wann? Genau das muss aufgeklärt werden. Und der Bundestag sollte die US-Regierung auffordern, die Strafverfolgung Edward Snowdens sowie des Whistleblowers Chelsea (Bradley) Manning umgehend einzustellen. Das wäre eine Sternstunde des Parlaments.
Deutschland muss das Verhältnis zu den USA neu ordnen: [……]

Tja, da ist offensichtlich jemand sauer.
Merkel kann mit dem Begriff von der „überragenden Bedeutung“ alles zukleistern. Sie meint damit offensichtlich, was der Begriff an sich gar nicht hergibt: Nämlich devotes Buckeln und jeden Rechtsbruch, jede Kriegstreiberei, jede noch so dreiste Lüge stoisch und stumm abzusegnen. Bloß keine Fragen stellen.
Dabei wäre es sicher sprachlich korrekter unter „überragender Bedeutung“ zu verstehen,
daß man sich um solche Beziehungen auch entsprechend intensiv bemüht und dementsprechend Fehlentwicklungen genau und aufmerksam detektiert.
Merkel wird – wieder einmal – ihrem Amtseid nicht gerecht und schadet Deutschland.
Aber dafür liebt sie der Urnenpöbel.

In der Sitzung des CDU-Präsidiums am Montag, so berichten es Teilnehmer, mahnte Angela Merkel, die Asyl-Debatte um Snowden müsse eine andere Facette bekommen - nämlich, was die Aufnahme für das Verhältnis zu den Amerikanern bedeuten könnte.
Vor diesem Hintergrund sei die Botschaft eindeutig gewesen, heißt es: Snowden kommt nicht nach Deutschland. Und eben diese Botschaft ließ Merkel ihren Regierungssprecher Steffen Seibert später unters Volk bringen, diplomatisch verpackt, aber doch klar und deutlich. Eindringlich warnte Seibert vor einem Zerwürfnis mit den USA: "Das transatlantische Bündnis bleibt für uns Deutsche von überragender Bedeutung."
Die Kanzlerin sehe sich dem Schutz der Daten und der Privatsphäre der Bürger vor unerlaubten Zugriffen verpflichtet, so Seibert weiter. "Bei alledem geht es aber auch immer um unsere Sicherheits- und unsere Bündnisinteressen." Kaum ein Land, erinnerte er indirekt an die Hilfe der Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg, habe wie Deutschland von der Freundschaft zu den USA profitiert.
Eine Einschätzung, die auch von anderen in der Regierung und außerhalb geteilt wird. Der derzeit geschäftsführende Außenminister Guido Westerwelle (FDP) appelliert: "Bei allem Ärger, eine gute Partnerschaft mit den USA ist unersetzbar. Auf beiden Seiten des Atlantiks müssen wir jetzt darauf achten, das Verhältnis nicht dauerhaft zu beschädigen." [….]

Tja, wenn Obama das gewußt hätte, als er am 19.06.2013 in Berlin war, hätte er vielleicht auch beherzt nach dem Tafelsilber gegriffen oder an Angela Merkels Schreibtisch uriniert.
Unter Merkel lassen sich Deutschlands Bürger bereitwillig demütigen und veräppeln.

Sonntag, 3. November 2013

Rekordverdächtig


Das wird noch ein hartes Brot für mich:
Zu entscheiden wer unabhängig von meiner persönlichen Antipathie der schlechteste Minister der abgewählten Bundesregierung war.
Da es sich schon um die schlechteste Bundesregierung aller Zeiten handelt, stellte der schlechteste Minister dieser Regierung einen Rekord für die Ewigkeit auf.
Miserabelster Minister des katastrophalsten Kabinetts?

Also wer?

KT von und zu Googleberg? Der Mann, der sich sein Verhalten zur Kundusaffäre von der BILD diktieren ließ, die Bundeswehr mit einer Hals-über Kopf-reform ins Chaos stürzte, zu einer peinlichen Photo-Love-Story mit seiner Gräfin Stefanie bei J.B. Kerner in Afghanistan vor Artillerie-Kulisse aufbrach und schließlich nach kurzer Amtszeit in Schimpf und Schande als enttarnter Lügner und Titelfälscher aus dem Amt schied und dann das Land verließ?

Dirk, die Mütze, Niebel, der das Amt übernahm, das er kurz zuvor noch als „überflüssig“ abschaffen wollte, es dann mit einer zusätzlichen FDP-Staatssekretärin aufpumpte, mehrere Dutzend FDP-Altkader auf gut bezahlten Beamtenjobs parkte, peinlich in Afghanistan beim Teppichschmuggeln auffiel, die Entwicklungshilfe auf ein Allzeittief drosselte und es sich mit sämtlichen NGOs verscherzte, weil er nur noch Organisationen förderte, die militärisch mit der Bundeswehr zusammenarbeiten?

Die gewohnheitsmäßige Lügnerin von der Leyen, die bei all ihren „Herzensthemen“ beschämend abtauchte, zur Frauenquote ihren Richtungswechsel noch nicht mal mit einer Stellungnahme vor dem Parlament erklärte, Herdprämie abnickte, Lebensleistungsrente nicht umsetzte, nun ein Heer von Billigjobbern hinterlässt und 40 % der Deutschen die Gewissheit gibt sich auf Altersarmut zu freuen?

Daniel Bahr, der systematisch den Lobbyismus im Gesundheitssystem wuchern ließ, die Zweiklassenmedizin zementierte, Demenzkranke und andere Pflegebedürftige schändlich im Stich ließ, nichts gegen die Verseuchung der deutschen Kliniken mit nosokomialen Keinem, an denen jährliche 40.000 Menschen sterben, unternahm, und demütig vor der Pharmaindustrie buckelte?

Aigner, die Verbraucherschädigungsministerin, die bei jedem Thema von Lebensmittelampel über Kennzeichnung von Genfood bis zu Handel mit Adressen auf Seiten der Großindustrie gegen die Bürger kämpfte, der zum Datenklau auf Facebook und Co nichts anderes einfiel als ihren privaten Account zu kündigen, die sich auch beim Thema Telefonabzocke, Call-In-TV und Packungsgrößenbetrug immer gegen den Verbraucher stellte, hilflos der EHEC-Katastrophe zusah und von jedem Dioxin-Ei, jeder verpestetem Schwein und allen Vogelgrippe-Hühnern erneut völlig überrascht wurde?

Familien- und Frauenministerin Schröder, die es nicht schaffte genügend KITA-Plätze einzurichten, gegen die Frauenquote agitierte, frühkindliche Bildung mit der Bildungsfernhalteprämie verhinderte, Programme gegen Rechtsradikalismus einstellen ließ und schließlich ihren Job hinwarf, weil sie mit einem Kind (!) zu dem Schluß kam ihr Job sei nicht mit der Familie zu vereinbaren?

Oder die fromme Annette, die eine PISA-Keule nach der nächsten verantwortete, Schulen verfallen ließ, nicht verhinderte, daß jedes Jahr rund 70.000 Jugendliche ohne Schulabschluss und damit chancenlos die Schulen verlassen, die niedrigste Studierendenquote Europas bewirkte, einen Stock von rund 8 Millionen ANALPHABETEN in Deutschland hinterließ und am Ende ohne Uniabschluss dastand, weil sie bei ihrer Direktpromotion geschummelt hatte und zurücktreten mußte?

Und von der automatischen Warn-Heulboje Guido Westerwelle, die Deutschlands Ansehen in der Welt in Grund und Boden wirtschaftete, will ich gar nicht reden.

Schwierig.
Aber im Moment tendiere ich dazu Herrn Friedrich, der als Verfassungsminister noch nicht einmal die Grundrechte kennt („Sicherheit ist ein Supergrundrecht“) und ungeniert seiner Xenophobie frönt die Narrenkappe des unterirdischsten Ministers aller Zeiten zu verpassen. Absolut erbärmlich was er sich gegenüber Lampedusa erlaubt.
Sein USA-Auftritt war sogar noch peinlicher, als Guidos kreischiger „Ich-bin-hier-nicht-als-Toursit-in-kurzen-Hosen-Das-was-ich-sage-zählt“-Auftritt in der Türkei.
Und das war trotzdem noch Gold gegen Friedrichs Verhalten in Deutschland. Da klappte einfach NICHTS.

Ausländer müssten „abgewehrt werden, findet Bundesinnenminister Friedrich, der in der Heute-Journal-Sendung vom 19.02.13 nicht müde wurde über rumänische und bulgarische Arbeitskräfte Pauschalurteile zu fällen.
„Lügen, betrügen, Dokumente fälschen“ – so gingen diese Balkanesen vor. 
Und deswegen wolle er ein generelles Einreiseverbot erlassen. Geltende EU-Verträge – immerhin herrscht ab 2014 Arbeitnehmerfreizügigkeit – interessieren ihn nicht.

Ein Teil der Zuwanderer aus beiden EU-Ländern komme nur deshalb nach Deutschland, um Sozialleistungen zu bekommen, sagte Friedrich am Dienstag dem ZDF-"heute journal". "Das können wir nicht akzeptieren. Wenn ein solcher Betrug nachgewiesen werden kann, und das ist Aufgabe auch der Behörden vor Ort, dann kann man die Ausreise dieser Personen verlangen."
Wenn sie sofort nach der Abschiebung wieder einreisten, müsse erreicht werden, "dass wir für solche Menschen eine Einreisesperre nach Deutschland bekommen".


Auch die Pressefreiheit müsse eingeschränkt werden.
Das erlebt die WAZ unter anderem gerade bei der Lappalie „Olympiamedaillenvorgabe“.
Sie wollte vom Sportminister Friedrich wissen, welche Vorgabe er den Sportverbänden gemacht hatte.
Friedrich will aber dem dummen Volk nicht sagen, was er mit den Steuermitteln anstellt und klagt sich durch alle Instanzen.

Die Mitarbeiter von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich berufen sich darauf, dass ein Landesgesetz nicht für Bundesbehörden gelten könne. Im konkreten Fall geht es darum, dass ein Bild-Redakteur gefragt hatte, wie viele ehemalige Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes eine Nazi-Vergangenheit hatten. Eine einfache und allgemein gehaltene Frage, die kein schutzwürdiges privates Interesse verletzt. Trotzdem will der BND die Informationen nicht herausgeben, ist bis vor das Bundesverwaltungsgericht gegangen.
Nun verweigert das BMI aber nicht nur die Antwort auf die Frage, es zweifelt seine Auskunftspflicht grundsätzlich an. Sollte es damit durchkommen, könnte es in Zukunft abwägen, ob eine Information geheim bleiben soll oder ob das Interesse der Öffentlichkeit überwiegt. Die Pressesprecher könnten also entscheiden, welche Informationen an die Öffentlichkeit kommen. Für Journalisten wie uns würde es quasi keinen Sinn mehr machen, bei Bundesbehörden überhaupt anzufragen.
Das Innenministerium verweist auf das Informationsfreiheitsgesetz des Bundes, das könnten Journalisten ja auch benutzen. Das Informationsfreiheitsgesetz ist jedoch deutlich schwächer als die Pressegesetze. Es dauert teilweise Monate, bis eine Information herausgegeben wird. Es kostet Geld. Die Behörden haben mehr Freiheiten bei der Verweigerung der Informationen.
Auf Facebook findet man dazu beispielsweise diesen treffenden Kommentar:

Der Innenfriedrich ist irgendwie so etwas wie die 'Braune Faust Merkels', die immer zum Einsatz kommt, wenn rechtes Gesindel geschützt werden soll, Freiheiten eingeschränkt werden oder die Presse gleichgeschaltet wird. Tolle Nummer.
(N.F. 20.02.13)

Sie machen sich im Kampf gegen die Bürger lächerlich. Und vergreifen sich im Ton.
Ihr ganzes Denken ist offenbar von Überfremdungs- und Überschwulungsangst durchdrungen.


Pressesplitter:

Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, hat die Rolle der Bundesregierung bei der Aufklärung der NSA-Affäre scharf kritisiert. Er sei "arg enttäuscht" von Innenminister Hans-Peter Friedrich, sagte Schaar dem SPIEGEL. "Das lückenlose Überwachen von Kommunikation, wie es von den Amerikanern offenbar betrieben wird, ist nicht mit unserem Verfassungsverständnis vereinbar. Da müsste der Verfassungsminister klare Worte sprechen. Die habe ich bisher nicht vernommen", sagte Schaar.

CDU und CSU wollen nach jahrelangen Diskussionen das deutsche Staatsbürgerschaftsrecht reformieren und gehen dabei erstmals auf die SPD zu. […]
"Ich frage mich, ob es noch Sinn macht, die jungen Leute zwischen 18 und 23 Jahren durch diese Zerreißprobe zu jagen", sagte CSU-Chef Horst Seehofer dem SPIEGEL. "Die Bereitschaft, sich in Deutschland zu integrieren, erhöht dies nicht."
[….]  Auch Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU), CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe und der Chef der NRW-CDU, Armin Laschet, können sich nach Informationen des SPIEGEL Änderungen beim Optionszwang vorstellen. Eine entsprechende Bereitschaft hatten Kanzlerin Angela Merkel und CSU-Chef Seehofer dem SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel vor Beginn der Koalitionsverhandlungen signalisiert.
Heftige Kritik an den Überlegungen gibt es von Seehofers Parteifreund, Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, und den Innenpolitikern in der Union. "Es ist ein Denkfehler zu glauben, allein die doppelte Staatsangehörigkeit fördert die Integration", sagte Friedrich dem SPIEGEL.
Bei einer internen Vorbesprechung der Unionspolitiker für die entsprechende Koalitionsarbeitsgruppe am vergangenen Donnerstag in der bayerischen Landesvertretung lehnte Friedrich es sogar ab, einen Reformvorschlag für die Koalition zu erarbeiten.

Zweieinhalb Jahre lang hat sich Hans-Peter Friedrich durch seine Amtszeit gequält. Ihn trafen zwei der größten Krisen, die je ein Innenminister zu bewältigen hatte – das totale Versagen der Behörden angesichts einer rechtsextremen Mörderbande und die Ausspähung durch den amerikanischen Freund. Aber Friedrich blieb ratlos, ohne Richtung, ohne Empathie, immer mit verschränkten Armen: Wer das Primat der Sicherheit in der Innenpolitik infrage stellt, hat wohl den Schuss noch nicht gehört. Hans-Peter Friedrich war dem Amt, das er bekleidete, nicht gewachsen.
[….]  Der 56-Jährige sieht sich als den letzten Konservativen des Berliner Politikbetriebs. Ressentiments sind nicht seine Sache, aber politisch unterlaufen sie ihm immer wieder. Sein Konservatismus ist nicht aggressiv, aber einfallslos. Bloß nicht übermütig werden! Er hat ein Faible für scharfe Grenzen. Für Friedrich ist da draußen immer noch Feindesland. Flüchtlinge aus Afrika, Surfer im Internet, Glücksucher vom Bosporus, Freizügigkeit in der EU – das alles macht ihn eher nervös, als dass er Chancen funkeln sähe. Er empfindet es als seinen persönlichen Triumph, Bulgaren und Rumänen aus dem Schengen-Raum herausgehalten zu haben.
[….]  Die NSA-Affäre hat Friedrich erst jetzt mit voller Wucht getroffen, wo sie zur Majestätsbeleidigung wurde. Nachdem er zunächst die NSA-Kritiker als Naivlinge und Antiamerikanisten bezeichnet hat, ruft er jetzt nach Strafmaßnahmen, von denen jeder weiß, dass es sie nie geben wird. Warum ist ihm bei seinem Besuch in Washington nicht der Kragen geplatzt? Da ist sie wieder, Friedrichs große Müdigkeit; die Abwesenheit jeder Autorität, wie sie seine Amtsvorgänger von Otto Schily bis Wolfgang Schäuble oder Thomas de Maizière hatten. […]  Er ist nicht neugierig, sondern müde. Er ist nett, aber politisch fehlt ihm jede Empathie, jede Durchsetzungskraft, ohne die es in der Innenpolitik nicht geht. Trotz alldem gilt Hans-Peter Friedrich für die nächste Regierung als "gesetzt". Vier weitere Jahre. Er will es. Horst Seehofer will es. Aber es geht nicht.



Samstag, 2. November 2013

Neues von TVE - Teil VI




Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst – man muß ihn einfach lieben!
Zuverlässig wie ein Uhrwerk schaufelt er  das Loch, in dem er sitzt kontinuierlich immer tiefer.
Nach einer Kaskade von Lügen und Unverschämtheiten hat er immer noch nicht auch nur ansatzweise verstanden was er angerichtet hat.
Vielleicht wird er zur Kenntnis genommen haben, daß er sich weltweit zum Witzbischof gemacht hat, der rund um den Globus für seine Prunksucht ausgelacht wird.


Seine Selbsterkenntnis ist allerdings so mangelhaft, daß er sich immer noch für einen so großartigen Bischof hält, daß sich sein Bistum glücklich schätzen könnte ihn zu haben.
Großzügig ließ TVE heute mitteilen, ER sei bereit zur Versöhnung.
Er ist also so großherzig seinen Kritikern zu verzeihen.

Verschwendung? Protzerei? Falschinformationen? Glaubt man den Aussagen von Franz Xaver Brandmayr, dann wirft sich der umstrittene Bischof Tebartz-van Elst nichts davon vor. Im Gegenteil: Brandmayr, Leiter des päpstlichen Priesterkollegs in Rom, bei dem Tebartz-van Elst während seines Papstbesuchs wohnte, schildert ihn als einen Mann mit reinem Gewissen: "Er ist wohl aber enttäuscht, von anderen, die sich in ihrer Verantwortlichkeit plötzlich abputzen."
[….]  Er spreche ausdrücklich im Namen von Tebartz-van Elst, so Brandmayr. Und dieser habe gesagt, dass er gern nach Limburg zurückkehren würde. "Er ist bereit zur Versöhnung", sagt der Rektor des päpstlichen Priesterkollegs "Anima" in Rom, "und es wäre schön, wenn es der katholischen Kirche gelänge, alles zu klären, und es sich schließlich zeigt, dass alles korrekt gelaufen ist."  […] Laut Brandmayrs Ausführungen ist auch der Papst nicht böse auf den"Bling-Bling-Bischof". Kurz nach der Audienz des Limburger Bischofs beim Papst habe er mit Tebartz-van Elst gesprochen. "Es gab keinen Tadel, sondern Verständnis und das gemeinsame Bemühen, eine Lösung und Klärung zu finden", sagte Brandmayr in dem Interview.

Von ganzem Herzen wünsche ich mir natürlich, daß es so kommen möge. TVE bald wieder in Amt und Ehren als Kirchenfürst der reichen Hessen-Diözese Limburg.
TVE ist ein ausgesprochen effektiver Bischof, auf den ich nicht verzichten möchte, weil sein Wirken auf alle Diözesen ausstrahlt.

Die Affäre um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst zeigt in Duisburg unleugbar Wirkung. Im Monat Oktober sind 107 Katholiken aus der Kirche ausgetreten. Durchschnittlich treten etwa 30 Katholiken aus der Kirche aus. [….]
Mit einigen Austritten wegen des inzwischen "beurlaubten" Bischofs hat Stadtdechant Bernhard Lücking zwar gerechnet, doch zeigte er sich angesichts der Amtsgerichtszahlen, von denen er erst durch die RP erfuhr, entsetzt und traurig. Der katholische Geistliche hat ebenfalls keinen Zweifel daran, dass viele Duisburger Katholiken wegen der Limburger Bischofsaffäre der Kirche den Rücken gekehrt haben. Für einige mögen die Schlagzeilen der vergangenen Wochen und Tage dabei der letzte Auslöser zum Kirchenaustritt gewesen sein.
All das sei überaus betrüblich, meint Lücking. Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, in der der neue Papst zur neuen Bescheidenheit aufruft und damit eine Aufbruchstimmung initiiert habe, bei der Glaubwürdigkeit, Barmherzigkeit und Wahrhaftigkeit großgeschrieben werden, unterlaufen die Limburger Vorkommnisse alle positiven Ansätze. Der Schaden, der in den vergangenen Monaten angerichtet wurde, sei unermesslich.

Vielen Dank Exzellenz! Sie sind den Konfessionslosen in Deutschland eine große Hilfe!
Wenn es tatsächlich so kommen sollte, daß Papst Franz TVE wieder auf seinen Posten zurück läßt, wäre das auch ein eindeutiges Lackmustestergebnis für die interessante Frage wie erst der neue Pontifex sein gläubiges Fußvolk und seine Predigten von der Bescheidenheit nimmt.
Kirchisten neigen ohnehin immer dazu ein neues Pontifikat mit enormen Hoffnungen zu verbinden. Was war das für ein Gejohle zwischen Garmisch und Flensburg, als 2005 ein Deutscher Papst wurde. „Wir sind Papst.“
95% der Presse bejubelten Ratzinger – oftmals wider besseres Wissens. Aber man wollte der RKK unbedingt einen Boom auf dem Leib schreiben.
Es dauerte allerdings nicht lange; da hatte der Dalai Lama den bayerischen Papst auch im katholischen Bayern im Beliebtheitsranking überholt. Die Kirchenaustrittszahlen erreichten Rekordniveau.
Selbst mit einem sympathischen Papst, der sich nicht so massiv für Päderasten einsetzt und Holocaustleugner hofiert, wie es Ratzinger tat, dürfte die Kirche in Europa allerdings kontinuierlich weiter verlieren.
Die Konzepte sind einfach zu altmodisch und zu menschenfeindlich; das Personal zu verlogen.

Die christlichen Kirchen in Deutschland müssen selbst bei intensiven Reformbemühungen weiter mit sinkenden Mitgliederzahlen rechnen. Das prognostiziert Religionssoziologe Detlef Pollack vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Uni Münster. „Der Mitgliederschwund ist nahezu unaufhaltsam. Auch Reformsignale von Papst Franziskus und Neuerungen in den evangelischen Landeskirchen halten den Trend nicht auf.“
Schwerer als der Einfluss aller kirchlichen Bemühungen wiege die Entwicklung im gesellschaftlichen Kontext der Kirchen. „Das Wohlstands- und Bildungsniveau ist so hoch und die soziale Absicherung so gut, dass immer weniger Menschen die seelsorglichen und sozialen Angebote der Kirchen nachfragen.“ [….]
Die Zahl der Kirchenmitglieder und Kirchgänger in Deutschland geht seit Jahrzehnten kontinuierlich zurück, wie Pollack erläutert. Während es 1949 in Deutschland Ost und West fast nur Protestanten und Katholiken gab, sind heute etwa je ein Drittel der Bevölkerung Katholiken, Protestanten und Religionslose. Zehn Prozent gehören etwa Islam, Judentum und Orthodoxie an. Seit 1990 treten aus der evangelischen Kirche jährlich etwa 0,7 Prozent der Mitglieder aus, aus der katholischen Kirche im Schnitt 0,5 Prozent. Nur für das Jahr des Missbrauchsskandals 2010 sei ein Ausschlag von 0,73 Prozent festzustellen; andere kirchliche Ereignisse wie der Papstwechsel zeigten kaum Einfluss. „Diese Austrittszahlen summieren sich über die Jahre auf Millionen Menschen.“
„Die Kirchen gehen längst auf die Menschen ein“

Sehr schön. Die Protestanten werden sich auf ein Kerntruppe von unterbeschäftigten Berufsmüttern zurechtschrumpfen. Die Gemeindezentren werden der letzte Rückzugsort für geistig träge Vorstädter mit Hang zum Batiktuch und schlechter Chormusik sein.

In den katholischen Gemeinden werden sich letztlich nur noch die wenigen homophoben Schwulen sammeln, die noch nicht mitbekommen haben, daß es dem Rest der Welt längst egal ist an welche Geschlechtsteilen sie herumdrehen, wenn abends das Licht ausgeht.

Philipp Gessler: Bühling schildert in einem Buch, das kommende Woche erscheint, Kämpfe zwischen Liberalen und Reaktionären im Priesterseminar. Frauenfeindlichkeit, schwule Sexorgien, neu ankommende Seminaristen, die von den Älteren als Frischfleisch oder Bückstücke bezeichnet werden, elitäres Gehabe, stark verklemmte oder gar psychisch gestörte Männer im Seminar, Karrierismus, Verschweigen und Wegducken - andere, schönere Erfahrungen im Priesterseminar verwelken in dieser Atmosphäre. Vor der Sendung habe ich mit Daniel Bühling über sein Buch und seine Erlebnisse gesprochen. […]

Gessler: Sie sind jetzt selber schwul und leben mit einem Mann zusammen, mit dem Sie verpartnert sind, zugleich schildern Sie, wie viele schwule Beziehungen es im Priesterseminar gibt. [….] Ihrer Schätzung und der Erfahrung nach sind etwa zwei Drittel der Priester schwul, Sie selber zitieren Wissenschaftler, die gehen von einem Wert bis zu 40 Prozent aus - ist denn das Priesterseminar ein Umfeld, das besonders schwule Männer anlockt?

Bühling: Ja, denke ich auf jeden Fall, durch mehrere Kriterien. Also die Ästhetik, die Kunst dieser Welt, dieses Emporgehobene dieser Welt ist, glaube ich, für einen schwulen Mann sehr anziehend.

Gessler: Hat es noch andere Gründe, also was zieht gerade offensichtlich schwule Männer überproportional häufig an der katholischen Kirche an, außer die Ästhetik?

Bühling: Ich glaube, auch diese reine Männerwelt, also dieses männerdominierende in der Kirche, spielt da eine große Rolle, eine ganz eigene Welt voller Ästhetik, aber auch dieses, ja, Männerdominierende. […]

Gessler: Nach der Lektüre Ihres Buches wundert man sich ja nicht mehr so über einen Bischof von Limburg und die Auswüchse seines Lebensstils, nicht wahr?

Bühling: Ja. Und der Bischof von Limburg ist meines Erachtens auch kein Einzelfall in dem, was ich erlebt habe. Und nicht nur die Bischöfe, auch bei vielen Priestern, die noch eine Stufe darunter stehen, ist der Lebensstil oftmals auch nicht in Zusammenhang zu bringen mit dem, was sie nach außen hin darstellen von Einfachheit und Armut.

Gessler: Sie beschreiben das ja als ein System im Grunde auch der Verlogenheit und der Verschwiegenheit. Dazu passt dann auch ein Lebensstil, der nicht dem entspricht, was man eigentlich von einem, sagen wir mal pathetisch, "Mann Gottes" erwartet.

Bühling: Ja, genau. Also dieses Motto, wie wir es als Buchtitel gewählt haben, "Du sollst nicht darüber sprechen", entspricht genau dem. Nichts nach außen tragen, im Heimlichen leben, dann ist alles in Ordnung, aber nichts öffentlich machen.

Gessler: Sie beschreiben in Ihrem Buch, was man auch immer wieder von einfachen Gemeindemitgliedern hört, dass mittlerweile die Mehrheit der jungen Pfarrer heute konservativ bis reaktionär ist. Was bedeutet das denn eigentlich für die Zukunft der katholischen Kirche hierzulande?

Bühling: Also ich denke, wenn man den Priesternachwuchs anschaut - und das war für mich auch überraschend, die jungen Männer, die nachkommen, die sehr konservativ geprägt sind -, heißt das für mich, dass wir mit dieser Kirche, wenn wir den Nachwuchs anschauen, eher auf einem Rückschritt sind und nicht auf einem Vorwärtstrend. Also das Denken geht wieder mehr zurück. [……………………]

*Daniel Bühling: "Das 11. Gebot: Du sollst nicht darüber sprechen. Dunkle Wahrheiten über das Priesterseminar"
Riva-Verlag. München 2013
224 Seiten, 19,99 Euro

Freitag, 1. November 2013

Impudenz des Monats Oktober 2013




Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Ganz kurz gesagt; weil es einfach mal wieder fällig ist bekommt Obama den Titel diese Monat.
Niemand wird mir vorwerfen können, daß ich mich jemals für Obama den gegenwärtigen US-Präsidenten begeistert habe.
Als 2007/2008 die deutschen Medien ihre Begeisterung für „den Neuen“ nicht mehr zügelten, wies ich stets darauf hin wie unkonkret und pathetisch ich seine Reden empfand.
Ja, er konnte und kann bei öffentlichen Auftritten brillieren. Es ist nur inhaltlich nicht viel nach, wenn man den Zuckerguss abkratzt.

Vermutlich habe ich es an der ein oder anderen Stelle schon einmal erwähnt; ich kenne privat einen Manger eines recht großen Traditionsunternehmens, den ich zwar selten sehe, aber bei Gelegenheit doch immer ausquetsche, wie er bestimmte politische Probleme aus Unternehmersicht analysiert.
Vielleicht ist der gute Mann nicht absolut repräsentativ, weil er immer darauf beharrt, der Unternehmer habe in erster Linie Verantwortung für seine Mitarbeiter. Ihre Interessen wären auf jeden Fall zu schützen und hätten Vorrang vor persönlichem Gewinnstreben.
Grundsätzlich sieht er aber schwarz für Europa. Unser System habe sich überholt, wir würden schon bald von China und Indien abgehängt sein. Insbesondere, weil „die Politik“ ja nichts entscheide, Europa nicht mit einer Stimme spreche und unsere derzeitigen Führer viel zu zögerlich wären.

Wenn er einen Wunsch frei hätte, würde er die beiden größten Enttäuschungen seines Lebens zu einem Gespräch bitten – nämlich Angela Merkel und Barack Obama – und folgende Frage stellen: „Sie haben doch einst die Probleme ihrer jeweiligen Nationen völlig richtig erkannt. Woran liegt es denn, daß sie davon nichts umgesetzt haben?“

Bezüglich Merkel meine ich, daß er ein Opfer der konservativen Presse ist, die er liest. Da wurde immer viel zu viel in Merkel reininterpretiert, das sie nie darstellte.
Die ganze Wunschideologie der Arbeitgeber konnte man in sie hineininterpretieren.
Immerhin ist nach knapp 25 Jahren auch bei den konservativen Unternehmern angekommen, daß Merkel nichts taugt.

Beim US-Präsidenten liegt der Fall durchaus etwas komplizierter.
Daß Obama nichts hinbekommt, kann man partiell mit dem ungeheuerlichen Widerstand der GOPer erklären und mit dem enormen Einfluß der Finanz- und Industrielobby Amerikas.
Amerikanische Senatoren und Kongressabgeordnete müssen Zweidrittel ihrer Zeit für „Fundraising“ aufwenden. Geld sammeln, Spenden kassieren, Bettelbriefe schreiben.
Es kostet viele Millionen wiedergewählt zu werden. Wer nicht brav ist, wird seinen Job los.

Andererseits hat ein US-Präsident auch eine starke Position. Zudem begann Obama mit einer breiten parlamentarischen Mehrheit. Wie konnte er nur so naiv sein es Jahrelang „im Guten“ mit der Republikanern zu versuchen bis die Mehrheiten futsch waren?
Und was ist mit Guantanamo? Und was ist mit der verdammten verrotteten Infrastruktur? Es müßte doch verdammt noch mal irgendwie möglich gewesen sein in den Bundesstaaten verbündete zu finden, um die maroden Brücken, Stromleitungen und Staudämme mal wieder auf einen halbwegs akzeptables Niveau zu bringen.

Obama scheint aber insbesondere international – und hier hatte man die größten Hoffnungen in ihn gesetzt – mehr und mehr seinem unmittelbaren Vorgänger nachzueifern.
Er gibt wieder den häßlichen und rücksichtslosen Amerikaner, dem es einfach egal ist, was die ewig nörgelnden Ameisen in Europa denken.
In was für eine Bredouille er mit den Ausspähprogrammen gekommen ist, scheint er gar nicht begriffen zu haben. Die Handys von verbündeten Regierungschefs abzuhören, ist eine NoWin-Situation. Schwer zu sagen was peinlicher ist: Entweder er ist ein Volltrottel, der die Kontrolle über die Geheimdienste und die Terrorbekämpfung völlig verloren hat und gar nicht mehr weiß was unter seiner Verantwortung geschieht, oder aber er ist ein Lügner, der seine Verbündeten verachtet.
Beides ist nicht gut. Zumindest müßten ein sehr zerknirschtes „Mea Maxima Culpa“ und einige rollende Köpfe folgen.
Stattdessen windet sich der Potus mit Unkonkreten heraus, läßt seinen Sprecher vage antworten und stört sich auch nicht an der dummdreisten Sandkasten-Ausrede seiner Geheimdienstchefs vor den Kongressausschuss: „Buhu, aber die anderen haben angefangen!“

Diejenigen, die in dem größten Abhörskandal aller Zeiten um Aufklärung bemüht sind, müssen auf Obamas Geheiß um ihr Leben fürchten.
Spitzenjurist Obama kümmert sich wohl nicht so besonders um Paragraphen, wenn sie ihm nicht in den Kram passen. Snowden ist auf der Flucht vor der US-Administration, weil er beispielsweise Angela Merkel über eklatanten Missbrauch an ihren Persönlichkeitsrechten aufklärte.

Es geht um das Schicksal eines Flüchtlings, den die Amerikaner verfolgen, als handele es sich um die Reinkarnation von Bin Laden. Snowdens Handeln mag in den USA strafbar sein; wirklich kriminell sind die Zustände und die Machenschaften, die er anprangert. Man muss ihm einen stabilen Aufenthaltstitel für Deutschland geben, auch wenn man dabei einen Konflikt mit den Amerikanern riskiert.
Edward Snowden verlangt nichts Unanständiges von Deutschland. Er verlangt nur, dass sich Deutschland anständig verhält. Snowden will, wenn er nach Deutschland kommt und hier aussagt, die Garantie, dass er nicht an die USA ausgeliefert wird. Dieses Begehren ist nicht suspekt, sondern selbstverständlich. Man kann den Mann, der Informationen liefert, nicht zum Dank dafür ausliefern. Das wäre grober Undank; das wäre Verrat an einem Aufklärer. Freies Geleit für Snowden und die Zusicherung der Nichtabschiebung in einem Geleitbrief für ihn: Das wäre, das ist auch eine Akt der Wiederherstellung der von der US-Spionage verletzten deutschen Souveränität und Integrität.
[….]  Man soll, man muss Edward Snowden einen stabilen Aufenthaltstitel für Deutschland geben. Man soll, man muss Edward Snowden freies Geleit gewähren. Das alles ist rechtlich möglich. Snowden braucht Schutz vor einer Auslieferung in die USA. Deutschland sollte ihm diesen Schutz versprechen und gewähren.

Was ist das eigentlich für ein Witz? Der erste schwarze Präsident der USA, der sich den Bürgerrechten verschrieben hatte und gelobte Amerikas Ansehen in der Welt wieder zu verbessern, jagt amerikanische Staatsbürger unter den Schutz von Wladimir Putins starken Armen.
Ich kann mich noch gut an Zeiten erinnern, als es umgekehrt war und sowjetische Dissidenten nach Amerika flohen.

Und auch in Pakistan setzt sich Obama fortwährend über das Völkerrecht hinweg und läßt auf dem Territorium anderer Nationen Menschen ohne Gerichtsverfahren hinrichten.
Aktueller Fall:

Bei einem Drohnenangriff der Amerikaner im Nordwesten Pakistans ist nach offiziellen Angaben Taliban-Anführer Hakimullah Mehsud getötet worden. Das teilten Sprecher sowohl des pakistanischen Militärs als auch der Taliban am Freitagabend mit.
Der Angriff mit zwei Raketen auf ein Fahrzeug erfolgte nach Angaben von Sicherheitsvertretern in Nord-Waziristan nahe der afghanischen Grenze. […]
Mehsud Stellvertreter Wali ur Rehman war bereits Ende Mai bei einem Drohnenangriff im Grenzgebiet zu Afghanistan getötet worden.

Man stelle sich bitte vor irgendeine andere Nation – vielleicht eine Islamische – würde auf dem Territorium der USA nach Gutdünken mit Drohnen rumballern und amerikanische Staatsbürger töten. Dann wäre aber was los!

Wirklich positiv an Obama ist eigentlich nur noch, daß er nicht zu den GOPern gehört. Auch wenn man es aus europäischer Sicht kaum glauben kann: Aber die Republikaner sind noch viel schlimmer als die Obama-Administration.
Ich bin also - relativ betrachtet – froh, daß Obama Präsident ist.
Absolut gesehen ist Obama ein Alptraum.