Samstag, 8. Juni 2019

Teutonenphlegma

Deutsche Wähler, insbesondere die Westdeutschen, sind extrem phantasielos und ängstlich. Daher konnte sich hier das etablierte Parteiensystem viel länger als in anderen europäischen Staaten behaupten.
Deutsche gewöhnen sich nicht leicht um; sie wollen am liebsten, daß alles so bleibt, wie es immer war.
Wenn sich überhaupt etwas ändert, wird es eher von oben initiiert. Von Regierungschefs, die nicht nur an ihren nächsten Wahltermin denken, sondern das langfristigere Wohl Deutschlands im Blick haben.
An echte Änderungen haben sich bisher nur die drei sozialdemokratischen Kanzler Brandt, Schmidt und Schröder gewagt und für alle drei endete ihre politische Karriere frühzeitig.
Wenn man hingegen fest die Augen vor der Zukunft verschließt, bräsig jede Änderung blockiert und nur mit Begriffen wie „Kontinuität, Stabilität und Verlässlichkeit“ wirbt, kann man gefühlte Ewigkeiten im Amt bleiben, alles aussitzen und wird wie Adenauer, Kohl und Merkel vom Gewohnheitstier Wähler immer wieder bestätigt.
Na gut, wie haben zwar das langsamste Internet Europas, die Infrastruktur verfällt, wir können kein Mobiltelefon oder Elektroauto bauen, wir sind bei der Gentechnik genau wie bei der Künstlichen Intelligenz international abgehängt, weil Merkel niemals initiativ wurde und Vorgaben machte. Und so fallen wir täglich zurück. Deutschland kann kein Windrad offshore aufstellen, scheitert an Großprojekten und hält sich eine Bundeswehr, in der nur Jahrzehnte alter Schrott rumsteht, da die Anschaffung neuer Waffensysteme so viele Dekaden durchdiskutiert wird, daß sie bei Auslieferung schon lange verwaltet sind.
Symptomatisch dafür steht die Gorch Fock, das nicht mehr schwimmfähige Marine-Schulschiff, an dessen Sanierung das geballte Knowhow der Verteidigungsministeriums und der Marine scheitert. Es wurde 1958 für 10 Millionen DM gebaut. Seit 2015 wird das Schiff bei der Elsflether Werft in einem Schwimmdock in Bremerhaven saniert. Bisher wurden dafür 135 Millionen Euro verprasst. Wann das Schiff jemals wieder schwimmfähig ist, steht in den Sternen. Im besten Fall funktioniert das Kadettenausbildungsschiff in ein paar Jahren nach einigen weiteren hundert Millionen Euro Kosten wieder und Deutschland kann stolz sein auf seine Marine auf dem technischen Stand von vor 75 Jahren. Man sollte meinen, daß heutzutage von der Bundesmarine andere Fertigkeiten beherrscht werden sollten. Moderne Aufklärung, Drohneneinsatz, Tarnkappentechnik, Mobilität zu Luft. Aber wozu? Die deutschen Marinehubschrauber funktionieren sowieso alle nicht, Drohnen können wir nicht nur nicht herstellen, sondern sind seit zehn Jahren sogar zu doof welche zu kaufen. 500 Millionen hatte Ex-Verteidigungsminister de Maizière bei dem Versuch „Euro Hawk“-Drohen zu beschaffen, versenkt.
Das Projekt wurde eingestellt und immerhin besteht in den folgenden sechs Jahren Konsens darüber, daß man das Desaster nicht erklären kann und die technischen Probleme unlösbar sind.
Das ist eben Deutschland: Vollkommen unfähige und überforderte CDU-Minister und eine Regierungschefin, der das alles vollkommen egal ist.

Aber den deutschen Michel stört es scheinbar nicht. Die Bundeskanzlerin, die sich nach ihrem Verzicht auf den CDU-Parteivorsitz de facto gar nicht mehr um deutsche Politik kümmert und nur noch als präsidiale Sagengestalt über allem schwebt, erlebt ein neues demoskopisches Hoch, ist die mit Abstand beliebteste Politikerin.
Kein Wunder, denn Merkel „tut uns nichts“.
All die bösen Zukunftsthemen, die andere Politiker ansprechen und die uns erahnen lassen, daß es nicht immer so weitergehen kann – Pflegekatastrophe, Klimaerhitzung, Altersarmut – werden nicht mit der freundlichen Frau Merkel aus der Uckermark assoziiert.
Merkels bestes Wahlkampfargument ist nach wie vor, daß sie vorher schon lange Bundeskanzlerin war.
Ihre Untertanen mögen sich nichts anderes vorstellen.
Gegenwärtig haben wir die 19. Wahlperiode des Bundestages. Bei 19 Wahlen wurde nur ein einziges Mal eine völlig neue Regierung gewählt, als nämlich 1998 CDU-CSU-FDP durch SPD-GRÜNE ersetzt wurde.
Bei allen anderen Wahlen wurde mindestens eine Regierungspartei auch in die neue Regierung gewählt.
„Keine Experimente“, der berühmte CDU-Wahlslogan darf getrost als Motto für die Gesamtwählerschaft gelten.

Andere Nationen haben ein völlig anderes Demokratieverständnis und zelebrieren mit Lust möglichst radikale Wechsel, auch wenn es dazu keinen Grund gibt.
Man erinnere sich an die US-Wahl vom November 2000, als Bill Clinton die beste ökonomische Bilanz aller Zeiten hinterließ, Amerika international geachtet war und seine Zustimmungswerte Rekordhöhen erreichten.
Man hätte diese Politik fortführen können, indem man seinen intelligenten und sehr erfahrenen Vizepräsidenten Al Gore ins Weiße Haus schickt.
Aber nein, das Ami-Volk entschied sich für den Deppen GWB, der vorher nich nie im Ausland war und immer wieder mit sagenhafter Unkenntnis auffielt.
Das Ergebnis ist bekannt. Er zettelte nicht nur mehrere Kriege an, sondern stürzte auch die US-Wirtschaft in eine Rezession – inklusive Rekordschulden und der schwersten Weltfinanzkrise seit 80 Jahren.
2008 und 2016 entschieden die Amis erneut für die radikalen Wechsel.
In Italien beispielsweise ist es geradezu Volkssport denjenigen zu wählen, der am Verrücktesten wirkt.

In Deutschland gab es bisher nur CDU- und SPD-Kanzler, weil es immer nur SPD- und CDU-Kanzler gab.
Man kann sich nichts anderes vorstellen und die anderen Parteien finden sich mit der Rolle ab. Guido Westerwelle nannte sich einmal „Kanzlerkandidat“ und wurde dafür herzlich ausgelacht.

1988, nach fast 40 Jahren Bundesrepublik wurde Heide Simonis im kleinen Land Schleswig-Holstein die erste weibliche Landesfinanzministerin.
In elf Ländern und dem Bund; also gewissermaßen 12 mal 40 = 480 Jahre; amtierten nur Männer. „Frauen können doch nicht mit Geld umgehen“. Kernressorts sind nur für Männer; war immer so, soll immer so bleiben.
Die HartzIV-Kritiker haben seit 15 Jahren die Möglichkeit einfach DIE LINKE, also die einzige Partei, die Hartz wieder abschaffen will, zu wählen. Tun sie aber nicht, weil die Fantasie dazu fehlt, daß Linke in der Bundesregierung sitzen könnten.

Lange Zeit galt es als undenkbar Grüne in die Bundesregierung zu schicken. Es könnte doch nicht EIN GRÜNER, womöglich auf Turnschuhen, Deutschland repräsentieren. Fast 20 Jahre wurde täglich vor dem dann folgenden „rotgrünen Chaos“ gewarnt. Und nichts hasst der gemeine Teutone so sehr wie Chaos in der Regierung.

 
Nur durch einmalige außergewöhnliche Umstände, wird politisch etwas gewagt.
2011 gab es so eine Konstellation, als ein extrem unbeliebter MP Mappus, heimlich und dubios für fünf Milliarden Euro den Atomenergiekonzern EnBW kaufte, die Landeshauptstadt im Stuttgart21-Chaos unterging und dann auch noch Fukushima explodierte.
Nur so konnte mit Winfried Kretschmann erstmals ein Grüner Regierungschef werden. Ein MP, der sogar wiedergewählt wurde, da man sich inzwischen an ihn gewöhnt hatte.
1998 gab es ebenfalls außergewöhnliche Umstände, weil Helmut Kohl nach 16 Jahren einen gewaltigen Reformstau aufgetürmt hatte, sich vollkommen starrsinnig weigerte irgendjemand in der CDU Platz zu machen, Deutschland die höchsten Steuern aller Zeiten aufgebrummt hatte und zudem mit Gerd Schröder ein besonders dynamischer SPD-Kandidat antrat, der nicht nur eloquent redete, sondern in acht Jahren als Ministerpräsident von Niedersachsen bewiesen hatte, daß er regieren kann.

Auch 2019 könnte ein Jahr mit einer außergewöhnlichen Konstellation sein.
Enorme Groko-Müdigkeit, sich weltweit manifestierende Klimakrise und gleich mehrere Parteichefs, die mit kaum je dagewesener Unfähigkeit auffallen.
Nicht nur Nahles und AKK debakulierten in den letzten Monaten auf hohem Niveau, sondern auch die kleinen Parteien werden durch Megafinanzskandale (AfD), brutalen Führungsstreit (Linke Wagenknecht) oder extreme Widerlichkeit (Lindner) gebeutelt.
Bleiben nur die Grünen, die erstens das Glück haben, daß die Jungwähler sich nicht mehr daran erinnern, wie sie 1998-2005 noch radikaler als die SPD soziale Einschnitte forderten, HartzIV bewarben und in einen Krieg ohne UN-Mandat zogen. Und die zweitens genau zum richtigen Zeitpunkt Europawahlen hatten; denn im „fernen Europa“ experimentieren deutsche Wähler schon eher.
Das 20%-Rekordergebnis vom 26.05. hat nicht nur zwei Parteichefinnen in extreme Schwierigkeiten gebracht, sondern dem Wähler etwas vor Augen geführt, das er sich bisher nicht vorstellen konnte:
Ein Grüner im Kanzleramt!
Bisher war das ausgeschlossen, da man nur das wählte, was wahrscheinlich war.
Deutsche Wähler hängen sich gern an Trends, wollen auf keinen Fall den Wahlverlierer angekreuzt haben. Man will zu den Gewinnern gehören und springt auf den Zug, der kurz vor der Wahl demoskopisch am besten dasteht.

Bei einer SPD im freien Fall, einer völlig überforderten CDU-Führung ohne Konzept und zudem einer LINKEN, die einfach abgetaucht ist und im Wagenknecht-Vakuum gar nicht mehr medial vorkommt, wird auch einmal das Vorstellbare, konkret denkbar. Ja, Robert Habeck könnte wirklich Kanzler werden. Und wäre das nicht irgendwie besser als Scholz oder AKK?
Der Gedanke beflügelt und ganz ohne irgendein inhaltliches Argument machen die Grünen als Inkarnation der selbsterfüllenden Prophezeiung seit der Europawahl weitere gewaltige Sprünge. Erfolg generiert Erfolg.
Schon zwei Institute – Forsa und Infratest Dimap – sehen die Grünen als stärkste Partei in Deutschland. Vor der CDU. Bis vor kurzem unvorstellbar. Aber da nun die Vorstellung möglich ist, kann es weiter bergauf gehen.

Donnerstag, 6. Juni 2019

60 Millionen Amis immun gegen Schamgefühle.

Amerikas grauenhaftester Politiker debakuliert weiter durch Europa.
In den Sozialen Medien findet man viel Satire darüber wie die gesamte Trump-Familie in Europa ausgebuht wird und das liberale Amerika bittet die Briten um Entschuldigung für den Staatsbesuch des Grauens.
Gern wird dazu gesagt, so wäre Amerika gar nicht, Trump repräsentiere nicht die wahren USA.
Das ist leider nur halb richtig. Nach über 10.000 Lügen und Skandalen jeder Art halten über 40% der Amerikaner fest zu #45. Gut möglich, daß der orangehäutige Möchtegerndiktator nächstes Jahr wiedergewählt wird.

Ana Navarro-Cárdenas hat wieder einmal Recht – die Peinlichkeit Trumps ist noch steigerungsfähig.


 Einst gab es einen gesellschaftlichen Konsens, daß man im Ausland respektiert sein wollte. Daher wurden Politiker besonders geschätzt, die in der Lage waren „Bella Figura“ zu machen. Die ein paar Fremdsprachen beherrschten, sich ordentlich kleideten, über Bildung verfügten und schlicht und ergreifend wußten wie man sich benimmt.
Die Bundeskanzler Brandt und Schmidt waren solche Staatsmänner und daher war es umso unfassbarer, daß ihnen der Provinzler Helmut Kohl folgte, der kein Wort Englisch verstand und als echter Kulturbanause galt.
Helmut Kohl auf Staatsbesuchen bedeutete immer ein zielsicheres Hüpfen von Fettnapf zu Fettnapf.
Das eigentlich Erstaunliche war aber, daß Kohl immer wiedergewählt wurde. Offenbar war es den Deutschen nicht nur viel weniger wichtig als gedacht „bella figura“ machen zu können, sondern dem tumben Durchschnittsteutonen, der in Sandalen und kurzen Hosen durch Lloret de Mar und Rimini stapfte und von den Einheimischen verlangte deutsch zu sprechen, gefiel es im plumpen Kohl sich selbst zu erkennen.


Und im Mutterland des bella figura, indem Klasse, Design und Etikette selbstverständlich sind, wählte man fünfmal Berlusconi zum Regierungschef.
Amerikaner gelten ohnehin als weniger Kultur-affin. Sie haben wenig Interesse am Ausland, kaum Fremdsprachenkenntnisse und keine Neigung zu Scham.
Amerikanische Touristen bemerkt man üblicherweise schnell als solche.
Soweit das Klischee.


Dennoch erwartete auch der Average-Ami von seiner Führungsriege die Fähigkeit sich nicht zu blamieren. Gekrönte Häupter und ehrenwerte Präsidenten aus aller Welt, sollten im Weißen Haus nicht auf Bauern treffen und man war Jacky Kennedy für Jahrzehnte dankbar, daß sie Kunst und Klasse einführte.
George W. Bushs verbale Tölpeleien beschämten die meisten Amerikaner. Es war einfach peinlich, wenn er in Brasilien fragte, ob die da eigentlich auch Schwarze hätten, oder in Madrid bei der Begrüßung durch König Juan-Carlos erwiderte wie schön es sei in der „Republik Spanien“ zu sein.
Was für eine Erleichterung die acht Obama-Jahre in der Hinsicht waren.
Abgesehen von jeder Politik, konnte man sich stets drauf verlassen, daß sowohl Michelle als auch Barack mit ihrer Bildung und Schlagfertigkeit brillierten, daß sie immer gut angezogen waren, vollendete Manieren an den Tag legten und zudem auch noch beide exzellente Redner waren.


Aber die ultrarechten Medien, die Teebeutler und Trump haben es in erstaunlich kurzer Zeit vermocht all diese Ansprüche an das Präsidentenamt zu schleifen.
Nun steigen eine groteske Witzfigur und seine verblödete Nepotistengang aus der Air Force One. Sie sind alle schlecht angezogen, desinteressiert, unhöflich, vulgär und in jeder diplomatischen Hinsicht erbärmlich.

Dabei übertrifft IQ45 selbst seine Familienmitglieder in der Disziplin des diplomatischen Affronts um Längen. Schon vor seiner Landung in einem anderen Land hat Trump üblicherweise mehrere schwere Beleidigungen ausgestoßen und wie ein Elefant mit ADHS das diplomatische Porzellan zertrampelt.

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While participating in D-Day celebrations, on sacred ground, with graves of soldiers in the background, the coward with fictional bone-spurs deemed it appropriate to attack Mueller, a decorated war veteran who was awarded a Purple Heart. Trump is a disgraceful embarrassment. https://t.co/xtXUhGrtzu
— Ana Navarro-Cárdenas (@ananavarro) 6.
Juni 2019

Je ernster und trauriger der Anlass, desto sicherer blamiert Trump sein Land.

[….] Die Queen hat es versucht, Angela Merkel auch, nun also Emmanuel Macron: Frankreichs Präsident beschwört gegenüber Donald Trump die historischen Bande der USA zu Europa. [….] Omaha Beach ist die letzte Station auf der Europareise des US-Präsidenten. Nach dem Pomp bei der Queen, den Massenprotesten am Trafalgar Square und der internationalen Gedenkfeier in Portsmouth soll der US-französische Festakt am exakten D-Day-Jahrestag der wichtigste Moment sein - der Moment an dem Trump die westliche Allianz dort würdigt, wo sie geboren wurde. So jedenfalls der Plan.
Bedenken sind angebracht. Trump sieht die Uno, die Nato und die EU, jene wichtigen Nachkriegsallianzen, als lästig. Er scheint meist taub für historische Lektionen. Er beschimpft die Verbündeten als "Abzocker", weil sie nicht genug zahlen würden für den Schutz, den die USA gewährten.
Außerdem liebt Trump zwar Generäle, Paraden und sonstigen Militärbombast, doch den eigenen Wehrdienst vermied er mit einem Attest. Er sei nie ein "Fan" des Vietnamkriegs gewesen, begründete er das in dieser Woche in einem Interview. Das sei so "weit weg" gewesen: "Damals kannte das Land keiner." Aber gegen Hitler zu kämpfen, das sei doch was ganz anderes. [….]


Mittwoch, 5. Juni 2019

Der Christ des Tages - Teil LXXXVIII

Das Bistum Joliet im Nordosten von Illinois ist neben Belleville, Peoria, Rockford und Springfield eins von fünf Suffraganbistümern des Erzbistums Chicago.
Altbischof Joseph Leopold Imesch (*1931 †2015) führte seine 600.000 Katholiken und mehrere hundert Geistlichen in 120 Pfarreien von 1979 bis 2005 an.
In über einem Vierteljahrhundert unter seiner Leitung gab es zwar eine Menge Kinderficker unter seinen Priestern, aber Imesch sah in ihnen ausgezeichnete Hirten, die lediglich ab und zu ein bißchen unter mangelndem Urteilsvermögen litten, wenn sie kleine Jungs vergewaltigten.

[….] Bishop Imesch [….] defended accused clerics, saying they were good priests who exercised poor judgment and were victims of smear campaigns and reckless media coverage. [….]  Bishop Imesch had a long history of covering up pedophilia, transferring at least four accused priests inside his diocese without alerting parishioners. And he brought in a convicted child molester, the Rev. Gary Berthiaume, who had served as an associate pastor under him at a Detroit church years earlier. [….] Early in 2002, he said that some people are not traumatized by sexual abuse and that some priests who molest adolescents should be allowed back into ministry after therapy. [….]

Priesterpenisse in Messdiener zu stecken kann ja mal vorkommen. Nichts, das die Kinder ernsthaft schädige, befand der Kirchenfürst und falls sich jemand darüber beschwert, kann man den Priester ja immer noch in eine andere Pfarrei zu neuen Kinder schicken.
Nach zwei Dekaden als Bischof war Imesch immer noch überrascht wenn sich von seinen Pfaffen missbrauchte Jungs später beklagten.

[…..] Three priest case Two brothers, John and Jeff Welch sued the Diocese of Joliet Chancery , claiming three priests, John C. Slown, Arno Dennerlein and Richard Ruffalo abused them 1962-68 while they attended St. John the Baptist Church in Winfield. DuPage Circuit Judge John T. Elsner ruled a new state law extending the time limit for lawsuits in cases of sexual abuse of children cannot be applied retroactively to revive the brothers’ allegations.
Two priest case Two brothers sue the Diocese of Joliet, claiming sexual abuse by two different priests. The lawsuits filed in Will County Circuit Court brought to 15 the number of suits pending against the diocese in Will and DuPage counties, May 2006. […..]

Keine große Sache. Bisher sind ja auch bloß 42 Priester des kleinen Bistums angeklagt worden Kinder vergewaltigt zu haben.
Einige der Gottesmänner gingen dabei so fromm vor, daß es Gott vermutlich eine Freude war zuzusehen.

Damit komme ich zum Christen des Tages Nr. 88:
Pfarrer Frederick Lenczycki, 74, kam 1963 in das Priesterseminar des Bistums, wurde 1972 ordiniert und erklärte von Beginn an, er wolle mit Kindern arbeiten, er sei an  “adolescent psychology” interessiert.
Er interpretierte diesen Aufgabenbereich offenbar auf sehr spezielle Weise, wurde 1980 erstmals wegen „unknown difficulties” vom Bischof nach St. Isaac Jogues versetzt. 1984 beschuldigte ihn ein 12-Jähriger der Vergewaltigung. Die Staatsanwalt ermittelte und fand dreizehn weitere von Lenczycki missbrauchte Kinder.
Bischof Imesch bat ihn daraufhin “to spend some time away from the diocese” but that by “June of 1987” Lenczycki could return. 
Die drei Jahre verbrachte er kinderfickend in San Francisco und wurde warmherzig wieder in Jolie aufgenommen, wo er erneut Dutzende Kinder vergewaltigte.

[….] Bishop Imesch helped find Lenczycki an assignment within the Archdiocese of San Francisco and recommended him saing he was “an excellent priest” who “will do a fine job.”    During his tenure in the Archdiocese of San Francisco, Lenczycki abused at least three children in the late 1980s and early 1990s.
In 1992, Lenczycki applied for faculties within the Archdiocese of St. Louis and Bishop Imesch stated “I have no reason why he should not be permitted to perform priestly ministry in the Archdiocese of St. Louis.”  During the 1990s and early 2000s numerous victims came forward, including a two former seminarians who were abused by Lenczycki at St. Charles Borromeo in 1979 one under the guise of “psychological research” and another during spiritual direction, as well as a victim who was taken to Lenczycki for “counseling” when he was approximately 10 years old.  In November 2002, the DuPage County State’s Attorney filed charges against Lenczycki for the 1984 sexual abuse.  Lenczycki pled guilty in 2004 and was sentenced to five years in prison.  Just before his release in 2006, it was decided that he was too sexually dangerous to release and he served another three years. He was released on parole in 2009 and is a registered sex offender.   Over his 25-year career as a priest, it is estimated that he sexually abused at least 24 boys in three separate states. […..]

Lenczyckis Taten sind wohldokumentiert. Orginalbriefe, Ermittlungsergebnisse, bischöfliche Schreiben aus drei Jahrzehnten kann man frei einsehen.

Mit Unterstützung seines Bischofs konnte der katholische Priester nach Herzenslust Kinder quälen.

[….] Abishop’s fatal decisions: Imesch sent Fr. Lenczycki out of state in 1985 to avoid criminal charges in the abuse of 14 boys, then Bishop didn’t disclose Lenczycki’s past to new assignments and personally covered-up firsthand knowledge of abuse Cleric molested at least 25 boys in three states, convicted in 2004 The story of Father Frederick Lenczycki is the perfect example of how Bishop Imesch’s criminal cover-up of sexual abuse allowed a predator cleric to destroy dozens of children across three states.Fr. Lenczycki admitted to abusing boys as early as 1984, even providing the names of victims to church officials. Instead of calling the police, Bishop Imesch sent Lenczycki to Missouri and then to California to avoid criminal prosecution. In both states, Lenczycki quietly underwent treatment and worked in local parishes. All the while, he continued to sexually abuse children. In addit ion, Imesch didn’t disclose Lenczycki’s past crimes to officials at his later assignments in Missouri, where he continued to abuse minors. By 2002, Imesch could no longer keep a lid on the allegations against Lenczycki and was forced to bring him back to Illinois to face charges. In 2004, Lenczycki pled guilty to abusing 3 boys. When his sentence ended in 2006, the cleric was remanded back to prison as a sexually violent predator. Lenczycki was released in 2009 and is a registered sex offender in Illinois. He currently lives in Berkeley, Illinois.[….]

Wieso sieht Jesus tatenlos zu, wenn seine Gottesmänner so agieren?
Womöglich schätzt der Gottessohn ja die speziellen sexuellen Gewohnheiten des triebhaften Gottesmannes.

Lenczycki schätzte es nämlich seine Opfer wie das Jesuskind selbst zu verkleiden, bevor er sich an ihnen verging. Er versuchte also gewissermaßen Jesus selbst zu begatten. In der perversen Phantasie des Katholizismus, in der Gott seine eigene Mutter schwängert und Nonnen sich allesamt als Ehefrauen dieses Gottes verstehen, fühlte sich Lenczycki so seinem Schöpfer näher.

[….] A pedophile Catholic priest made young boys dress up as the Baby Jesus in swaddling clothes then sexually abused them. Frederick Lenczycki, 74, admitted two counts of sodomy Thursday, after a court in St Louis, Missouri, was told how he molested two boys between 1991 and 1994. [….] One of the victims had his genitals repeatedly grabbed by Lenczycki, while the pervert clergyman kept trying to rip the second one’s clothes off. They were attacked while he was chaplain of St Louis’s DePaul Health Center. [….] Lenczyski admitted his crimes in St Louis County Circuit Court Thursday [….] Those youngsters told how the priest, who they knew as Father Fred, would swaddle them in cloths like the Baby Jesus was after being born. He did so under the guise of organizing religious pageants, which never took place, and which were used as a front for the abuse. [….]  Lenczyski admitted that sex abuse in 2004 and was jailed for five years. Randy Kanaday, who is one of the two victims Lenczyski admitted attacking at Thursday’s court hearing, said the pervert’s guilty plea would help put his ordeal behind him. [….]  Church and court files seen by the paper say Lenczyki admitted abusing up to 30 boys across Illinois, Missouri and California over the course of 25 years. [….]

Immer wenn man denkt, keine Gräueltat eines katholischen Priesters könne einen noch überraschen…
Dann kommt eine Sexsoutane daher, die bizarren Fetisch-Jesus-Baby-Sex-Rollenspielen frönt und von dem Bischof als „guter Mann mit möglicherweise schlechtem Urteilsvermögen“ gelobt wird.

Dienstag, 4. Juni 2019

Botts B-Sternchen-Busen.

Nina Bott gehört zu den Namen, die ich genau wie „Rezo“ bisher nicht kannte.

Letzterer wurde inzwischen zu so einer Art politischer Youtube-Apotheose hochgejazzt und als solche SPIEGEL-Titelgeschichte und in allen Parteivorständen als möglicherweise Europawahl-entscheidender Mega-Influencer diskutiert.
Bott, 41, in Hamburg lebende ehemalige RTL-Soap-Darstellerin holte in einem Café ihre Brüste hervor, wurde daraufhin vom Kellner gebeten das Lokal zu verlassen, saß anschließend laut weinend vor dem Schaufenster und brachte es damit auf die Titelseiten der Boulevardpresse.
Nein, Frau Bott ist nicht etwa PussyRiot beigetreten und wollte ein politisches Statement abgeben.
Sie stillte lediglich ihr Gör namens „Lio“. Ihr drittes Kind nach Luna Victoria und Lennox – wie Kinder von B-Promis eben heißen.
Kinder in der Öffentlichkeit zu säugen ist eins dieser Dauerthemen, mit dem man sehr leicht kleine Shitstorms entfachen kann. So auch in diesem Fall.

[….] Unglaublich, was Dreifach-Mama Nina Bott (41) in einem Café in der Rindermarkthalle auf St. Pauli passiert ist. Weil sie ihren im Januar geborenen Sohn Lio stillen wollte, wurde die „Prominent“-Moderatorin prompt rausgeschmissen. Das sei ihr in 15 Jahren Mutter-Dasein noch nie passiert! „Ich hatte mich gerade diskret ausgepackt und Lio angedockt, da kam der Kellner“, so die einstige GZSZ-Schauspielerin. „Ich dachte, ah, jetzt kann ich noch ein Wasser dazu bestellen, weil man soll ja immer ein Wasser dazu trinken.“
Doch so weit kam es nicht. „Dann hat er mir gesagt, das geht nicht. Ich möchte bitte sofort gehen.“ [….]  „Ich hatte echt sofort Tränen in den Augen. Ich fühlte mich so richtig ausgestoßen.“
Dann habe sie sich einfach vors Café gestellt und im Stehen weitergestillt. [….]

Öffentliches Stillen ist natürlich rechtlich gesehen erlaubt. Ob das jeder Restaurantbesucher gerne sieht während er isst, steht auf einem anderen Blatt.
So wie bei Vermietern, die keine Hunde dulden oder auch dem inzwischen berühmte Rügener Restaurant „Omas Küche“, das Kinder aus seinen Räumen verbannte, gibt es auch im Fall Bott eine Riesenaufregung. Sofort werden Boykotte gegen den Gastronomen gefordert und Protestaktionen angekündigt.
Ein Uralt-Thema, das man schon aus „Married with Children“-Folgen der 1980er Jahre kennt. Mutter stillt in Al Bundys Schuhgeschäft, er beklagt sich darüber und sofort wird zu Protesten gegen sein Geschäft aufgerufen.
2019 sind wir als Gesellschaft also offenbar keinen Millimeter weiter, weil sich dieses Thema trefflich instrumentalisieren lässt.
Weltweit wird immer mal wieder in Einkaufzentren, Sportvereinen, Restaurants Stillen für unerwünscht erklärt („Nursing Ban“) und jedes Mal gibt es dann ein „Nurse-In“ oder ähnliche Formen des Aufheulens.
Denn was tut die öffentliche Mami Bott, wenn sie aus einem Lokal hinausgebeten wird?
Sie rennt natürlich sofort zur Boulevardpresse und nutzt ihre Kinder aus, um in die Schlagzeilen zu kommen.
Das macht sie immer so. Penetrant bringt sie alle ihre Kinder mit solchen Geschichten in die Medien.
Und so bekommen diese Proteste auch ihren schalen Beigeschmack.

[….] Schauspielerin Nina Botts erster Satz in ihrem neusten Blog-Eintrag lässt Schlimmes erwarten: "Erst hat Luna geweint, dann wir beide und dann nur noch ich... 'still' und heimlich", schreibt die Zweifach-Mama.
Nina Bott teilt intimen Moment mit Baby Luna auf Instagram!
Aber keine Angst: Sowohl dem Papa, als auch dem Bruder von Bott-Töchterchen Luna geht es gut. Der Grund, warum die beiden sich weinend in den Armen lagen: Nina Bott hat ihre 19 Monate alte Tochter zum letzten Mal gestillt. Abgestillt also. [….]

[….] Nach Luna und Lennox war die ehemalige GZSZ-Darstellerin zwischenzeitlich erneut schwanger. Doch es kam zu Komplikationen und in der Folge verlor sie das Kind. In einer mutigen Aktion ging sie später mit ihrer traurigen Geschichte an die Öffentlichkeit. [….]
(Gala, 17.01.2019)

[…. ] Auf ein Still-Fotos mit ihrem neugeborenen Söhnchen Lio auf Instagram reagierten einige ihrer Follower mit krassen Negativ-Kommentaren. Die Dreifach-Mama wehrt sich nun gegen die harte Kritik.
Knapp drei Wochen ist Lio, der Sohn von Nina Bott und ihrem Freund Benjamin Baarz, nun alt. Klar, dass die 41-Jährige den Kleinen da noch täglich stillt.  Die schöne Hamburgerin postete nun ein Bild des zärtlichen Mama-Sohn-Moments auf Instagram.
Doch das passte einigen Followern gar nicht – sie ließen ihrer Kritik freien Lauf [….]

[….] Ex-GZSZ-Star Nina Bott Warum benutzt sie ihre Tochter für Werbung?
[….] Grenzwertig oder völlig in Ordnung? Ex-GZSZ-Schauspielerin und Moderatorin Nina Bott wirbt in einer neuen Werbekampagne für Essig. Nichts ungewöhnliches für die Hamburgerin, die schon mehrmals für Werbung vor der Kamera stand. Aber: Mit auf dem Werbefoto ist dieses Mal auch ihre dreijährige Tochter Luna. [….]

Lios Geburt machte sie sofort mit Instagram-Fotos öffentlich; wie auch bei den vorherigen Geburten.

Ich will mich gar nicht inhaltlich in die Causa „Nursing ban“ einmischen, aber doch zwei Aspekte der Diskussionsführung beleuchten.

Interessanterweise stehen die rüden Attacken gegen diejenigen, die nicht so gern stillende Busen fremder Damen beim Essen vor der Nase haben, fast allein in der öffentlichen Diskussion.
Offensichtlich ahnen die meisten, daß Kinder und Hunde so positiv konnotiert werden, daß man nur verlieren kann, wenn man sich diesbezüglich skeptisch äußert. Die Still- und Hunde-Freunde scheinen 99% der medialen Aufmerksamkeit zu generieren und übertreffen sich dann an Radikalität.

(….) In welchem Lokal soll sich das zugetragen haben?
In einem Café in der Rindermarkthalle auf St. Pauli in Hamburg. Welches Café war es? Ich würde da große Aufkleber an die Außenwand kleben:
"STILLFEINDLICHES Café".
Kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte. Aber ich weiß auch nicht, warum sich Frauen das überhaupt bieten lassen. Ich hätte ihn angefaucht, was ihm denn einfallen würde. (….) diverse Medien verschiedensten Niveaus haben die Meldung gebracht. Klingt nach einer dpa-Quelle.
(……)  Dann wird das Café auch noch bekannt werden. Der Inhaber wird sich wohl warm anziehen müssen. (…..)

Ganz anders als die veröffentlichte Meinung reagieren aber die Konsumenten.
In Wahrheit sind die meisten froh, wenn sie eine Oase finden, in der sie von Kindergeschrei und Hundegebell verschont bleiben.

[…..]  Urlaub ohne Kind
Rügens kinderfreies Restaurant ist zum Bersten voll
[….] In „Oma's Küche” in Binz auf der Insel Rügen dürfen ab 17 Uhr keine Kinder. Die Medien stürzen sich auf dieses Restaurant – die Gäste auch. Und in den Sozialen Medien glühen die Kommentarspalten.
[….]  „Einige sind sogar spontan zum Essen gekommen”, erzählt Rudolf Markl. Sie hätten im Radio davon gehört und wären dann gleich zum Restaurant gesteuert. „Viele Kunden begrüßen die Maßnahme”, sagt Markl. „Das Restaurant ist voll”. Der Umsatz leidet also nicht. Im Gegenteil. Wegen fehlender Plätze mussten sogar schon einige Gäste wieder nach Hause geschickt werden, erzählt der Restaurantinhaber. [….]

Hier handelt es sich um einen der wenigen Fälle eines echten Tabus. Man kann nicht gegen aggressive Hunde argumentieren (Schuld sind selbstverständlich allein unqualifizierte und verantwortungslose Halter) oder aber infernalisch lärmende Kleinkinder (Schuld sind selbstverständlich allein unqualifizierte und verantwortungslose Smombi-Eltern, die ihren Kindern kein Vorbild sind) argumentieren, weil dann sofort die „sind Sie etwa ein Hundehasser? Sind Sie etwa ein Kinderfeind?“-Keule kommt.

Ich habe immer wieder meine Elterngeneration gefragt, wie die es damals mit uns handhabten? Ich wurde als Kleinkind auch immer mitgeschleppt. War das nie ein Problem?
Antwort meiner Mutter: Nein, nie, weil Du Dich nie so benommen hast.
 Vor Facebook und Instagram waren Eltern offensichtlich damit beschäftigt Eltern zu sein und auf ihre Kinder zu achten, statt in den Sozialen Medien mit ihrem Eltern-Sein zu prahlen.
Statt daneben zu sitzen, wenn im Freibad das eigene Kind ertrinkt, man aber nichts davon bemerkt, weil man immer nur aufs Handy starrt, haben meine Eltern offensichtlich tatsächlich aufgepasst, wenn ich als kleiner Hosenscheißer in unseren Gartenteich sprang.

Erstaunlich fehl am Platze erscheint mir auch die Argumentation mit der „Natürlichkeit“.

„Stillen ist die ursprünglichste, natürlichste Art der Nahrungsaufnahme (…..)Ich halte Menschen, die damit ein Problem haben, sowas in einem Café oder Restaurant miterleben zu dürfen (!), für ein wenig gestört in der Wahrnehmung von Menschen und Körperlichkeit. Wenn ein erwachsener Mann eine stillende Mutter sieht und "das" ekelig  (….)“dann ist bei solchen Männern ernsthaft was schiefgegangen (….)“

Das ist auch so ein Satz, der selbstverständlich stimmt, aber mit dem Thema rein gar nichts zu tun hat!
Denn nur weil etwas „natürlich und ursprünglich“ ist, gehört es nicht zu unserer Zivilisation das öffentlich zu praktizieren.
Geschlechtsverkehr, Stuhlgang oder auch einfach Schnarchen sind ebenfalls „natürlich und ursprünglich“, haben aber dennoch rein gar nichts in einem Lokal verloren, in dem andere Leute essen.
Es gibt auch Etablissements, in denen auf der Bühne Geschlechtsverkehr praktiziert wird, oder Stripclubs, in denen Männer keinen Zutritt haben.
Es ist doch zu begrüßen, daß sich jeder sein Refugium suchen kann, wo er sich wohlfühlt und daß es Gastronomen gibt, die all diese Nischen bedienen.
Ja, Geschlechtsverkehr ist auch absolut natürlich und ursprünglich.
Bestimmt will ich das nicht verbieten.
Aber dennoch würde ich nicht in einem Restaurant essen gehen, in dem die Tischnachbarn es miteinander treiben.
So wie es kinderfreie Ferienanlagen gibt, Nichtraucherbars oder Restaurants, in die man erst ab 12 darf, weil andere Erwachsene möglicherweise gern mal ohne Kindergeschrei essen, oder Geschäfte, in die man keine Hunde mithinein nehmen darf, kann es doch wohl auch Cafés geben, in denen Stillen nicht gern gesehen wird.
Da gehen dann eben Leute wie ich hin.
In der Mehrzahl der Gastrobetriebe sind Hunde, Kinder und stillende Mütter gern gesehen und da können die anderen ja hingehen.

Das Thema „Natürlichkeit“, das auch noch von besonders ungebildeten und verblödeten Menschen wie Andrea Nahles mit dem katholischen „Naturrecht“ verwechselt wird, wird gerne von progressiven Menschen gekapert, um damit gesellschaftliche Lockerungen zu rechtfertigen.
Die Homoehe soll erlaubt sein, weil Homosexualität im Tierreich bei tausenden Spezies vorkommt und daher „natürlich“ ist.

Hier werden Dinge vermischt, die nichts miteinander zu tun haben.
Ja, sicher soll die „Homoehe“ legal sein. Aber nicht, weil Tiere das auch so machen, sondern weil sie eine Produkt des evolutionären Humanismus ist.

Die natürlichen Vorgänge in Fauna und Flora, sind nicht grundsätzlich für die menschliche Gesellschaft geeignet, nur weil sie seit Millionen Jahren im Tierreich praktiziert werden.
Löwen zB killen andere Raubkatzen mit einem Genickbiss, weil es Nahrungsmittelkonkurrenten sind. Je mehr Leoparden und Geparden der Leo totbeißt, desto mehr Gazellen für ihn und damit umso größere Chancen seine Gene in seinen Kindern weiterzugeben.
Das ist evolutionär vernünftig.
Es ist auch vernünftig, daß eine Maus bei Nahrungsmangel oder drohender Gefahr durch zB eine Überschwemmung ihren eigenen Nachwuchs auffrisst, weil sie so mehr Energie hat, um erneut schwanger zu werden, falls sie ohnehin die Brut verliert.
Deswegen fressen sich ungeborene Haikinder schon gegenseitig im Uterus auf.

(….) Natürlichkeit verträgt sich allerdings nicht mit Zivilisation. Es wäre auch natürlich, daß Menschen ohne Zähne verhungern oder daß alte Menschen sehr oft blind werden.
Die Zivilisation ist aber unnatürlich. Deswegen bekommen in Hamburg Menschen mit Grauem Star eine Cataract-Operation. Wie am Fließband werden in einem kleinen ambulanten Eingriff neue Linsen eingesetzt und dabei auch gleich die Kurzsichtigkeit korrigiert.
Wir lassen der Natur eben nicht ihren Lauf, sondern greifen ein. Wir implantieren Zähne, passen Hochleistungshörgeräte und Cochlea-Implantate an, setzen Defibrillatoren und Pacemaker in die Brusthöhle, entfernen Tumore aus Prostata und Dickdarm. All das ist völlig unnatürlich und in der Geschichte der Menschheit sehr neu. Aber der evolutionäre Humanismus verlangt solche technischen Korrekturen an der natürlichen Biologie.
Dementsprechend wollen wir auch Kindersterblichkeit in Deutschland möglichst nicht akzeptieren – auch wenn das ein natürlicher Ausleseprozess wäre.
In vielen moralischen Aspekten ist Unnatürlichkeit überlegen.
Das betrifft den Beginn genauso wie das Ende des Lebens, welches wir mit Opiaten und Morphinen erheblich angenehmer gestalten, als es natürlich wäre.

Es ist natürlich Kinder aus Versehen zu zeugen, sie durch Verhütungsmittelfehlfunktionen zu generieren, sie aufgrund einer Gewalttat zu erschaffen. Das geht ganz leicht. Zehnjährige Mädchen werden ohne den Vorgang zu verstehen von ihrem elfjährigen Bruder geschwängert, oder es ist jemand nach einer nächtlichen Sauftour schwanger, ohne sich überhaupt zu erinnern Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. In vielen Teilen der Welt gibt es Massenvergewaltigung im Zuge ethnischer Kriege.
Die Kombination von Ei und Samenzelle zu einem neuen Leben funktioniert ohne Liebe, ohne Ethik, ohne Religion, ohne Vertrag und ohne Vertrauen. (……)

Also Nina Bott, es ist natürlich natürlich, Dein Kind zu stillen.
Das bedeutet aber noch lange nicht, daß dabei jeder zugucken soll.
Es ist auch natürlich, wenn Frau Bott nach dem Essen aufs Klo geht. Ich will das aber dennoch nicht sehen.
Auch wenn Bott ihre Kinder auf dem natürlichsten Wege zeugte, gibt es keinen Grund den Akt in einem öffentlichen Café vorzuführen.

Montag, 3. Juni 2019

Die arme Queen.

Als britische Königin macht man auch was mit.
Mit 93 Jahren muss sie gute Miene zum Bösen Spiel machen und diese fürchterlichen Proleten Jared, Ivanka, Melania und Donald mit Pomp und allen staatlichen Ehren überhäufen, ihnen einen Toast aussprechen und den dicken orangen Tölpel nun auch noch während des gesamten Dinners an ihrer rechten Seite sitzen haben.
Immerhin assistieren ihr Charles und Camilla bravourös und außerdem wird sie froh sein, daß ihr Ehemann Philip sich mit seinen 97 Jahren entschuldigen lässt und sich das Elend im Buckingham Palast nicht antut.

Peinlichkeit ist immer eine Frage er Fallhöhe. Rülpsen und Furzen ist weniger schlimm, wenn dies inmitten angetrunkener Teenager am Lagerfeuer geschieht, als wenn man damit seinen Banker bei offiziellen Verhandlungen um einen Immobilienkredit begrüßt.
Setzt man Trump und Elisabeth II. zusammen, generiert man den größtmöglichen Gegensatz. Einerseits die erfahrenste und beste Diplomatin der Welt, die wie niemand sonst die Contenance bewahren kann und andererseits das diametrale Gegenteil, das manisch jedes Porzellan zerschlägt und keine Minute ohne vulgäre Beleidigungen vergehen lässt.

Beim gegenwärtigen Staatsbesuch der Trump-Familie in Großbritannien gibt es wieder Trump as Trump can.

Meghan Markle, Herzogin von Sussex, Mitglied des Königshauses bezeichnete Trump quasi im Anflug auf London als „nasty“, betritt die Aussage anschließend wieder, obwohl sie auf Band festgehalten wurde.

Die wichtigste Regel der internationalen Diplomatie – sich bei Staatsbesuchen nicht in die inneren Angelegenheiten der besuchten Nation einzumischen – pulverisierte Trump gleich mehrfach.

Nächster Premier sollte Boris Johnson werden.

[….]  Donald Trump has backed Boris Johnson to be the next Prime Minister while Nigel Farage said he has been "banned" from meeting the US president.
Mr Trump, who is visiting the UK for a three-day state visit on Monday, said he thinks the former foreign secretary would be "excellent" as a successor to Theresa May.
Speaking to the Sun, Mr Trump said: "It's something that I find very interesting.
"I actually have studied it very hard. I know the different players.  "But I think Boris would do a very good job. I think he would be excellent." [….] (Daily Telegraph, 1 June 2019)


Der nächste diplomatische Affront erfolgte, indem der “No Nothing” aus dem Weißen Haus dem zukünftigen Regierungschef auch noch erklärte wie dieser bei dem seit drei Jahren gescheiterten Brexit-Verhandlungen agieren solle – und fiel damit gleich noch allen anderen EU-Partnern in den Rücken.

[….]  [….]  Vor seinem Staatsbesuch bekräftigte US-Präsident Donald Trump seine Meinung: May hat schlecht verhandelt, ein „No Deal“-Brexit wäre ganz toll, als britischer Verhandlungsführer wäre Farage, als nächster Premierminister Boris Johnson geeignet. Wenn man das vielstrapazierte Wort nochmal verwenden will; Bei dieser Einmischung in die Politik eines befreundeten Landes war der Begriff Demütigung gewiss angemessen. Von Farage, von Johnson, von ihren Freunden in den Medien dazu kein Wort. Ein jämmerliches Bild.
Bei der Pressekonferenz am Dienstag könnte May zum ersten und letzten Mal in ihrer unglückseligen Amtszeit Format zeigen und dem unverschämten Besucher mit ein paar klaren Sätzen über die Grenzen transatlantischer Einmischung den Kopf waschen. Die Erfahrung lehrt: Es wird wohl nicht dazu kommen. [….]

Da das Fass längst übergelaufen ist, wundert es kaum wie IQ45 aus der Air Force One über London schwebend seinen Gastgeber, den Londoner Bürgermeister Khan rabiat bepöbelte:

[….] Trump trug im Vorfeld auch viel dazu bei, seine Gastgeber zu düpieren. So beschimpfte er den Londoner Bürgermeister Sadiq Khan, den er auf dem Weg nach Großbritannien als "Verlierer" bezeichnete. Der Labour-Politiker mache einen "furchtbaren Job". Khans Sprecher wies Trumps Kritik als beleidigend zurück. [….]

Anders als das im Protokoll gefangene Staatsoberhaupt und die erbärmliche Noch-Regierungschefin May, tat Khan das wofür er gewählt wurde und hielt die humanistischen Werte Englands hoch.

[….] "Ihre Werte und wofür Sie stehen sind das komplette Gegenteil der Werte Londons und dieses Landes." Londons Bürgermeister Sadiq Khan empfing am Montag US-Präsident Donald Trump zu dessen dreitägigem Staatsbesuch in Großbritannien mit einer Videobotschaft, die es in sich hat.
"Präsident Trump, wenn Sie das sehen", beginnt Kahn. "Für uns ist Diversität keine Schwäche, sondern eine Stärke. Wir respektieren Frauen und wir denken, sie sind Männern ebenbürtig, wir denken, es ist richtig, unser aller Rechte zu schützen, und besonders die Rechte der Verwundbaren und an den Rand Gedrängten", so Khan weiter. [….]


Die arme Queen; wie halt sie das nur aus, diesen bornierten und ignoranten Trampel zu hofieren?
Vermutlich, weil sie ein knappes Jahrhundert lang für diesen Moment trainierte und sich wie niemand sonst auf der Welt zusammenreißen kann.
Sie ist die vollendete Gastgeberin, auf die alle Briten stolz sein können.
Genau wie sich heute alle Amerikaner für ihren Präsidenten in Grund und Boden schämen sollten.

Elisabeth II. ist allerdings auch keine Maschine, sondern ein Mensch mit Emotionen. Emotionen, die sie nicht völlig abschütteln kann.
Camilla, Charles und Elisabeth lauschten mit versteinerten Mienen  und ohne eine Regung dem Toast des US-Präsidenten beim Statedinner.


Man muss kein Psychologe sein, um zu erkennen, wer bei den Windsors richtig unbeliebt ist.
Die 93-Jährige Dame kann nämlich auch ganz anders, kindliche Freude empfinden und strahlen wie ein Honigkuchenpferd, wenn sie jemand wirklich mag.
Wie zum Beispiel die Obamas.






Sonntag, 2. Juni 2019

Frauenkarte wegschmeißen


Um 09.55 Uhr hatte ich heute Morgen die Nahles-Bombe in meiner Mail-Box.
Immerhin, als SPD-Mitglied erfuhr man es als Erstes.

Zwei positive Sätze über Andrea Nahles will ich ausdrücken:

1.
Ich respektiere ihr Engagement. Die SPD liegt ihr wirklich am Herzen. Sie wollte die Partei wieder aufrichten.

2.
Ich respektiere ihre Konsequenz. Nahles läßt diesmal kein Hintertürchen offen. Parteivorsitz, Fraktionsvorsitz und Bundestagsmandat legt sie nieder, also ist Schluss mit aktiver Politik.

Und ja, natürlich tut sie mir persönlich Leid, wie es mir immer Leid tut, wenn eine öffentliche Figur total scheitert und ihr gesamtes Lebenswerk atomisiert am Boden liegt. Theresa May erwischte es erst vor einer Woche.

[…..] Ich wäre ein schlechter Richter, weil ich viel zu viel Mitleid empfinde.
Mir tat sogar Saddam Hussein leid, als er bärtig und halbverhungert aus seinem Erdloch gezerrt und später zu Tode gefoltert wurde. Oder Gaddafi, der von seinen Häschern gepfählt wurde, bis es ihm den Darm zerriss.
Natürlich will ich nicht sagen, daß einer der beiden Ex-Diktatoren ein netter Mensch war. Beide haben noch Schlimmeres veranlasst, als das was ihnen final widerfuhr.
Ich mag mich dennoch nicht an Leid und Folter alter Leute erfreuen.
Die weinende May, die ihren Lebensinhalt – den Vorsitz der Tories – aufgibt und gerade noch trotzig rausbrachte, sie liebe das Land, erlitt heute auch die maximale Folterstrafe.
Sie wird in die Geschichte eingehen als größte Versagerin aller britischen Regierungschefs, die in drei Jahren nicht einen einzigen politischen Erfolg vorzuweisen hatte, ihre stolze Nation zum internationalen Gespött machte, ihre heißgeliebte Partei, für die sie einst mit absoluter Mehrheit Premierministerin wurde bei den gestrigen Europawahlen in die Einstelligkeit führte und als Krönung auch noch auf der menschlichen Ebene jedes einzelne Stück Porzellan zerschlug.
In ihrer eigenen Partei schlägt ihr blanker Hass entgegen, niemand weint ihr eine Träne nach, jeder ist froh sie loszuwerden und hält diesen Schritt für weit überfällig.
Was für ein bitteres Ende. [….]

Kevin Kühnert schämt sich sogar öffentlich dafür immerfort an Nahles‘ Stuhl gesägt zu haben.


Und Lars Klingbeil, der für mich völlig unverständlich immer noch als „Lichtblick“ eingeschätzt wird…

[….] Die SPD-Parteispitze ist ein Sammelsurium von Menschen, die es immer weniger schaffen, den Nerv der Zeit zu treffen. Oder ihn nie getroffen haben wie der notorische Wahlverlierer Ralf Stegner. Einzig Malu Dreyer und natürlich der Generalsekretär Lars Klingbeil sind Lichtblicke. [….]

… übertrifft sich mal wieder selbst mit seinen hohlen Phrasen.

[….] "Es muss ein Ruck durch diese Partei gehen"
Das fordert SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil anlässlich des Rücktritts von Andrea Nahles – und wohl auch angesichts der desaströsen Wahl- und Umfrageergebnisse. [….]

Klingbeil hatte am 26.05.2019 ex cathedra erklärt, nun dürfe es keine Personaldiskussionen geben – eine Stunde bevor seine Chefin eine riesige Personaldiskussion anzettelte.

Viele Sozialdemokraten streuen nun Asche auf ihr Haupt. Das wäre doch irgendwie unfair, wie man mit Nahles verfahren wäre.

[…..] "Es macht mich fassungslos und sagt vieles aus über den Zustand einer Partei und den Charakter handelnder Akteure wie man mit Andrea Nahles umgegangen ist", sagte Harald Christ, Präsidiumsmitglied des SPD-Wirtschaftsforums, dem SPIEGEL. "Es darf jetzt keine Gewinner geben die hinter diesem Angriff stehen, es wäre grotesk wenn diese Methoden noch belohnt würden."
Auch der Europa-Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth (SPD), zeigte sich erschüttert über schlechten Stil in seiner Partei: "Liebe Andrea Nahles! Der öffentliche Umgang mit Dir war schändlich. Einige in der SPD sollten sich schämen. Du hast Dich nach Kräften bemüht, manche Wunde der Vergangenheit endlich zu heilen. Danke für Deinen Einsatz! Respekt für diese Entscheidung." […..]

Der Anstand gebietet es einer so tief Gefallenen noch nachzutreten.
Das ist schon richtig so. Im Augenblick der größten Qual einer Vollblutpolitikerin soll man nicht gehässig sein und natürlich stinkt es, wenn gerade die eifrigsten Nahles-Kritiker jetzt Krokodiltränen vergießen.
Den Angehörigen der Nahles-Kamarilla nehme ich ihre ehrliche Trauer ab.

Häme zieht ihr Vorvorgänger und Hauptkritiker Sigmar Gabriel auf sich, weil er nun einen sachlichen Diskurs anmahnt.

[….] Zuvor hatte sich bereits Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel zu Wort gemeldet und eine "Entgiftung" der SPD gefordert. "Solange die SPD sich nur mit sich selbst beschäftigt, solange es nur um das Durchsetzen oder Verhindern von innerparteilichen Machtpositionen geht, werden die Menschen sich weiter von uns abwenden", sagte er der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (HAZ). Auch künftig dürfe in der Partei hart über inhaltliche Differenzen gestritten werden, sagte Gabriel, der in seiner Zeit häufig mit Nahles über Kreuz lag. Nötig sei aber ein ehrliches Interesse an Menschen und ein freundlicher und solidarischer Umgang "nach innen und außen". [….]

Ich finde allerdings seine Einlassungen geradezu milde. Schließlich hatte er mit offenen Visier Nahles kritisiert und hat allen Grund sich über sie zu ärgern.
Gabriel wurde immerhin als beliebtester Politiker Deutschlands und gegen seinen Willen von Nahles als Außenminister zu Gunsten eines typischen Nahles-Hinterzimmerdeals abgesägt. Sie verkündete Schulz werde neuer Außenminister und beendete Gabriels politische Karriere.
Es war nur einer der unzähligen brutalen Nahles-Mauscheleien, bei denen sie sich auf Kosten Anderer Macht sichern wollte und dabei ob ihrer grandiosen Tölpelhaftigkeit der Partei schwer schadete und verbrannte Erde hinterließ.

Auch wenn mir Nahles als Privatmensch Leid tut, gehe ich nicht so weit wie Kühnert und schäme mich dafür wie böse ich ihr immer zusetzte.
Ich nehme für mich in Anspruch kein Opportunist zu sein und kritisiere die extrem fromme Katholikin schon öffentlich seit sie Juso-Vorsitzende wurde.
Ich habe sie auch scharf kritisiert als die SPD Ende der 1990er im Zenit ihrer Macht war. Sie geht mir aus vielen Gründen, politisch Relevanten und auch gänzlich Irrelevanten auf die Nerven.
Ich teile aber insbesondere ihr religiöses Weltbild, ihre Papst-Verehrung, das Verbot säkularer Gruppen in der SPD, ihre Eintreten gegen umfassende Patientenverfügungen und Sterbehilfe nicht.
Und ich halte sie für eine erbärmlich schlechte Strategin, die der SPD unterm Strich immer mehr schadete als half.
Ihr Agieren in demn letzten Tagen war ein Paradebeispiel dafür.
Selbst ihre wohlmeinendsten Freunde in der Fraktion schlugen nur noch die Hände über dem Kopf zusammen angesichts der völlig realitätsentkoppelten und beratungsresistenten Chefin.

[…..] Dann sprechen die Abgeordneten wieder über Nahles' Plan. Viele sind dagegen, sie fürchten, dass die Vorsitzende mit ihrem Vorstoß die Fraktion erst recht spalten wird. Manche sind regelrecht verzweifelt angesichts der Sturheit ihrer Chefin.
"Ich halte die Entscheidung, nächste Woche die Entscheidung herbeizuführen, für falsch", sagt Fraktionsvize Sören Bartol aus Hessen nach übereinstimmenden Angaben. "Machtpolitisch entspricht das dem Lehrbuch. Ich glaube aber, dass das Ergebnis uns alle umbringt." [….]
(DER SPIEGEL, 01.06.2019)

Genau das ist das Problem mit Nahles. Sie ist eine absolute Instinktpolitikerin, die nur aus dem Bauch heraus entscheidet.
Leider hat sie aber einen sehr schlechten Instinkt und irrt sich meistens.
Sie müsste die Optionen, die sich ergeben zu Ende durchdenken, aber dazu fehlt ihr ganz offensichtlich die Intelligenz. Und so führte sie auch diesmal ihre Partei in die Sackgasse.

Natürlich kann die SPD in dieser Megakrise keine handfeste Führungskrise, die auch noch die gesamte Bundesregierung an den Abgrund führt, gebrauchen.
Es wäre schön gewesen, wenn Nahles uns das erspart hätte.
Sie konnte es aber nicht, weil sie einfach eine schlechte Politikerin ist. Sie machte so viel falsch, daß die Option sie zu halten nicht mehr blieb.

Als einfaches Parteimitglied fühle ich mich bei Nahles-Auftritten immer wie Uwe Schmidt.

[….MdB] Uwe Schmidt, gelernter Hafenfacharbeiter aus Bremerhaven, erzählt, er habe neulich bei einem missglückten Wahlkampfauftritt hinter Nahles gesessen. Er habe seine Sonnenbrille nicht abgenommen – "weil ich nicht erkannt werden wollte". [….]
(DER SPIEGEL, 01.06.2019)

Nahles mag fleißig sein und sich Mühe geben, aber man kann nicht Parteichefin sein, wenn sich die Mitglieder für sie schämen müssen und immer nur bangen nicht auf die Peinlichkeiten aus dem Willy-Brandt-Haus angesprochen zu werden.

Sie ist nicht an den Intrigen und Lügen und Kabalen und Durchstechereien gescheitert, denn darin ist sie selbst Meisterin. Sie ist die Königin des Apparates, das Strippenziehen ist ihre erste Natur.
Sie ist nicht der arme Martin Schulz, der aus dem edlen, aber fernen Brüssel in die Berliner Schlangengrube geworfen wurde, sondern sie ist diejenige, die seit 30 Jahren Schlangen züchtet.

Wolfgang Thierse, der zweite Top-Katholiban der SPD, der auch schon so viel dafür tat die Wähler von der Partei wegzutreiben, sprang seiner Glaubensgenossin natürlich bei.

[….]  Der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse hat seine Parteimitglieder nun davor gewarnt, die SPD-Chefin zu stürzen. "Nachdem die SPD in ihrer großen und langen Geschichte mit Andrea Nahles zum ersten Mal eine Frau an ihre Spitze gewählt hat – welches Zeichen ist es, wenn diese Frau nach einem Jahr wieder gestürzt wird?", schrieb Thierse laut einem Bericht des Tagesspiegels in einem Appell an die SPD-Bundestagsabgeordneten.
"So sehr es menschlich verständlich ist, nach einer furchtbaren Wahlniederlage Personalfragen zu diskutieren – es ist der falsche Weg." In den vergangenen drei Jahrzehnten seiner SPD-Mitgliedschaft habe die Partei 13 Vorsitzende verschlissen "und damit den Niedergang der SPD nicht aufgehalten, sondern vielmehr befördert". [….]

Auch Thierse, wie die meisten Religioten mit sicherem Instinkt für den größtmöglichen Fehlschluss.
Natürlich möchte man nicht gern dauernd den Zug wechseln, aber wenn dieser Kurs auf die Wand nimmt, muss man leider abspringen.

Ekelhaft finde ich allerdings, wenn so ein eifriger Unterstützer der frauenfeindlichsten Großorganisation der Welt, ZdK-Mitglied Thierse nun die Frauenkarte spielt. Was für ein Heuchler!

In diesem Blog gibt es hunderte Artikel mit scharfen Angriffen gegen Andrea Nahles, weil sie immer wieder so viel falsch macht.
Das Einzige, das ich ihr genauso wenig wie andere ihr jemals vorwarfen, ist es eine Frau zu sein.
Sie ist Politikerin und für ihre Rolle als Partei- und Fraktionsvorsitzende spielt ihr Geschlecht keine Rolle.
England hatte schon zwei konservative Premierministerinnen, Deutschland eine Kanzlerin, zwei CDU-Chefinnen. Es amtieren deutsche Ministerpräsidentinnen, die Grünen haben seit Jahrzehnten weibliche Sprecher.
Jetzt soll ausgerechnet die SPD milder mit Nahles umgehen, weil sie kein Mann ist?

Bei Thierse wundert mich gar nichts mehr, aber wieso kommt der von mir hochgeschätzte MdB Lauterbach, Mitglied der Parlamentarischen Linken (PL) ebenfalls mit diesem Argument? Er fragte öffentlich, ob man auch so unfair mit Nahles umgegangen wäre, wenn sie ein Mann gewesen wäre?
Ja, wäre man. Als Beleg gelten all die Männer, mit denen Nahles unfair umging und sie brutal wegmobbte – Müntefering, Schulz, Scharping, Gabriel.

[…..] Für Fraktionsvize Karl Lauterbach brachte das Thema Frauenfeindlichkeit ins Gespräch: „Da hat auch Frauenfeindlichkeit eine Rolle gespielt“, sagte Lauterbach der Welt. In der SPD müsse man sich nun überlegen, in welchem Stil man in Zukunft miteinander umgehen wolle. [….]
(RND, 02.06.19)

Nein, das weise ich empört zurück.
Man kann mir Katholikenfeindlichkeit oder vielleicht auch Eifel-Feindlichkeit, ganz sicher sogar Karnevals-Feindlichkeit unterstellen.
Aber daß Nahles eine Frau ist, spielt keine Rolle.
Sie ist einfach eine ganz schlechte Politikerin. Unabhängig davon ob sie XX- oder XY-Chromosomen hat.

Samstag, 1. Juni 2019

Impudenz des Monats Mai 2019

Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Den Titel erhält diesmal der sogenannte „Stalin-Club“ (auch „Nahles-Kamarilla“) in der SPD.

Hurra, in der neuen Forsa-Umfrage liegen die Grünen bundesweit mit 27% vor der CDU/CSU (26%) unter die SPD rauscht auf ein niemals für möglich gehaltenen Tiefstand von 12% zurück.
Möglich machen es neben der Parteivorsitzenden selbst insbesondere die ihr 100%ig ergebenen Getreuen um sie herum, die sie komplett von der realen Welt abschirmen und daher ein Hauptgrund dafür sind, daß Nahles immer und immer wieder die Stimmung in der Bevölkerung und Parteibasis katastrophal falsch einschätzt.

[…..]   Der damalige SPD-Chef Franz Müntefering wollte einen Vertrauten zum Generalsekretär machen. Nahles zog an den Strippen, gewann im Vorstand mit 23:14. „Münte“ schmiss hin. […..]
Nahles und ihre Boygroup könnten die Stimmung falsch eingeschätzt haben. Nicht zum ersten Mal hätte ihr Frühwarnsystem versagt. Nach dem Rücktritt von Schulz im Februar 2018 wollte Nahles sofort Parteichefin werden. Nix da, sagte der Vorstand.
[…..] Statt beim Parteitag im April 2018 die harmlose Gegenkandidatin Simone Lange einzubinden, attackierte Nahles sie. Ergebnis: 66 Prozent. Im Herbst 2018 unterschätzte das Team Nahles in der Maaßen-Affäre den Tsunami an der Parteibasis komplett. Sie blieb auch deshalb an der Spitze, weil niemand in der SPD den Schleudersitz haben will. […..]

Andrea Nahles ist durch und durch eine Netzwerkerin, die ist die Inkarnation eines Apparatschiks.
2013 bekam die SPD in der zweiten Merkel-Groko das mit Abstand größte und reichste Ministerium zugesprochen: Das Sozialministerium mit seinem über 120 Milliarden-Etat.
Es war einigermaßen absurd einer Berufsanfängerin diesen Knochenjob zu geben. Nahles hatte nie einen Job auf dem freien Arbeitsmarkt, keinerlei Verwaltungserfahrung, gehörte nie einer Regierung an. Ihre einzige „Qualifikation“ ist ihre Groschenroman-Kenntnis, die sie mit ihrer Magistraarbeit mit dem Titel Die Funktion von Katastrophen im Serien-Liebesroman unter Beweis stellte.
Nun sollte sie das gewaltige Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) mit seinen riesigen sieben Abteilungen und insgesamt über 1200 Mitarbeitern; darunter gleich fünf Staatssekretäre, leiten.
Was dann kam, war wenig überraschend. Politisch blieb sie einfallslos, vermochte es in vier Jahren nie die gewaltige Macht so einzusetzen, daß die Bevölkerung davon einen positiven Eindruck bekam. Alle ihre politischen Initiativen waren lau, inkonsequent und schwach.
Nahles machte sich stattdessen zur Dirk Niebel und nutzte die Ressourcen ihres Hauses, um ihren Getreuen Jobs zu verschaffen, engste Vertraute zwischenzulagern und verwandelte die Leitungsebene zu einem Verwahrort von JUSO-Altkadern, die ihr die Treue schworen und an einem großen Plan arbeiteten:
Da gegen Merkel keine Wahl zu gewinnen ist und sie somit 2017 erneut Kanzlerin werden würde, sollte Nahles bis zum Jahre 2021 ihre Hausmacht festigen, um dann als Kanzlerkandidatin die Wahl zu gewinnen.
Ihre persönliche Garde sorgte aus der sicheren Burg des BMAS heraus dafür innerparteiliche Gegner von Nahles kalt zu stellen.
Die lästige Tagespolitik hingegen überließ sie völlig den Ministerkollegen. So waren es Maas und Gabriel, die sich PEGIDA, den Montagsdemos, dem aufkommenden AfD-Hass auf Minderheiten und den populistischen xenophoben Töne aus der CSU entgegenstellten. Immer wieder saß Justizminister Heiko Maas als Haupthassobjekt der Ultrarechten in den Talkshows, um den wutschnaubenden GaulandhöckeStorchPetrys Paroli zu bieten.
Nahles kam in den vier Jahren als Superministerin nie mit einer Stellungnahme zum Thema Flüchtlingshass hinter ihrem Chefsessel hervor.
Sie netzwerkte und investierte ihre gesamte Energie in das Projekt „Nahles for Bundeskanzlerin 2021“.

[…..] Nahles […..] ist von einer Boygroup umgeben, die sie seit Juso-Zeiten kennt. Überall in Partei, Fraktion und Regierung sitzen langjährige Vertraute.
Benjamin Mikfeld ist Abteilungsleiter im Vizekanzleramt von Scholz. Annen erfährt von Außenminister Heiko Maas aus erster Hand, was in der Welt abgeht. Björn Böhning, viele Jahre Strippenzieher für Berlins Regierenden Michael Müller, ist Staatssekretär im Arbeitsministerium, Nahles’ früherer Wirkungsstätte. Alle drei waren unmittelbar nach ihr Vorsitzende der Jusos, der kampferprobten SPD-Nachwuchsorganisation.
Dort lernten sie von der Pike auf, wie agitiert und finassiert wird. Zum innersten Kreis des Machtsystems Nahles zählen darüber hinaus der Bundesgeschäftsführer im Willy-Brandt-Haus, Torben Albrecht, ihr Büroleiter Sebastian Jobelius, der Oberstratege Hannes Schwarz und die Pressesprecherin Lena Daldrup.
Diese vielen Männer und eine Frau bilden eine verschworene Gemeinschaft. Sie sind für die „Chefin“ Augen und Ohren in einer SPD, die nicht zu Unrecht oft als „Schlangengrube“ beschrieben wird. Für Nahles gehen sie durchs Feuer. Sie zahlt Loyalität mit Loyalität zurück. Intern lästern Gegner über den „Stalin-Club“, die „Nahles-Kamarilla“, die Abweichler teils rabiat auf Linie bringe und sich zu stark abschotte. […..]

Innerhalb der SPD wurde Nahles nach der Bundestagswahl 2017 tatsächlich zur Supermacht.
Aber ihre Kamarilla hatte sie inzwischen so erfolgreich von der Realität abgeschirmt, daß sie dem Gefühl erlag von allen geliebt zu werden und alles richtig zu machen. Daher kultivierte sie regelrecht ihre bizarren Sangesauftritte, ihre groteske Lache, das derbe Vokabular und den gruseligen Karnevalshumor.

Selbst Seeheimer-Chef Johannes Kahrs, der Nahles in der gegenwärtigen Megakrise klar unterstützt sagt heute im Mopo-Interview „ihr Humor ist mir nicht zugänglich“.

Nahles merkt aber nichts davon, weil sie wie einst ihr Idol Ratzinger von Gänswein von ihren Jüngern abgeschirmt und gelobt wird.
So unterliegt sie der irrigen Annahme jeder möge sie.
Umso schockierte ist sie zu den wenigen Gelegenheiten, wenn sie mit der harten Realität in Form von Wahlergebnissen konfrontiert wird. Auf SPD-Parteitagen brach sie schon in Tränen aus, weil sie vollkommen von ihren schlechten Stimmenergebnissen überrascht war.

Das was eigentlich eine Symbiose aus Nahles und ihren Jüngern sein sollte – die Chefin wird innerhalb der Partei geschützt und dafür steigen ihre Epigonen mit ihr ins Kanzleramt auf – entwickelte sich zu einer wechselseitig parasitären Beziehung.
Nahles mit ihrer schlechten Menschenkenntnis und mangelnden strategischen Intelligenz platzierte lauter Ja-Sager um sich herum, die sie zielsicher in die Jauchegrube führen. Allerdings werden eben diese rückgratlosen Nahles-Jünger allesamt mit ihr untergehen.