Sonntag, 26. August 2018

Personal versus Programmatik

Der aktuelle SPIEGEL mit seiner Titelgeschichte „Die richtige Flüchtlingspolitik – ein Plädoyer“ ist ziemlich enttäuschend.
Aufgelistet werden zehn Punkte, die alle lange im Gespräch sind und von den meisten Parteien unterschrieben werden könnten.
Ja, natürlich sollten wir nicht Millionen afrikanische Bauern mit der hochsubventionierten EU-Agrar-Politik kaputt machen. Das schreibe ich seit Jahren gefühlt einmal die Woche. Seit Jahrzehnten wird das von Experten und Kommissionen gefordert.
Aber man sieht doch wie bereitwillig Julia Klöckner sofort das Scheckbuch zückt, wenn die Bauern einmal jammern – obwohl Subventionen ohnehin schon die Hälfte ihrer Einkünfte ausmachen.
Selbst wenn alle Farmer Afrikas ruiniert sind und in der EU auf der Matte stehen, wage ich zu bezweifeln, daß Brüssel die Kraft aufbringt umzusteuern – schon gar nicht mit solchen Lobby-hörigen Regierungen wie der Deutschen.

Es gibt in der SPIEGEL-Ausgabe noch eine ganz gute Geschichte von Christoph Scheuermann über Robert Muellers Fortschritte bei dem Versuch die Verbindungen Trumps zu Moskau nachzuweisen. Für die Leser, die sich noch nie mit dem Thema beschäftigt haben, ist das eine gute Grundlage.
Wer wie ich täglich amerikanische Medien konsumiert, wird darin allerdings nichts Neues entdecken.

Eine lange Geschichte von Philipp Oehmke beschäftigt sich mit den ersten umgekehrten #MeToo-Fällen. Hat die damals 37-Jährige Hollywood-Schauspielerin Asia Argento den damals 17-Jährigen Jimmy Bennett sexuell verführt, woraufhin dieser wegen eines erlittenen Traumas 3,5 Millionen Dollar „Schadensersatz“ verlangte und schließlich 380.000 Dollar von ihr bekam?
Ich kann mich zu dem Fall nicht äußern, ohne ganz fürchterlich politisch unkorrekt zu werden.
Man kann sich jetzt also als Hormongesteuerter Teenager-Junge von heißen Hollywood-Stars ….. …. lassen und bekommt anschließend Millionen dafür?
Sorry #MeToo, sorry Oehmke, aber ich stehe zu meiner Ignoranz und will das gar nicht genauer wissen, ersparte mir also den Artikel zu lesen.

Interessant sind aber die drei parteipolitischen Artikel.

Seite 24 f.: Scholz und Nahles rücken die SPD mit ihrer neuen Rentenpolitik deutlich nach links.
Seite 32: Die FDP gibt endgültig ihr Erbe als Bürgerrechtspartei auf.

Die journalistische Perspektive ist seltsam verrückt.

Im Falle der SPD wird ihre bisherige demoskopische Blamage in der Merkel-Groko III mit den falsch besetzten Themen erklärt. Das hätten auch Finanzminister und Parteichefin eingesehen und rissen daher nun das Steuer in der Rentenpolitik herum, um die bisher von der CDU blockierte Rentengarantie von 48% bis 2040 festzuschreiben, ohne die Lebensarbeitszeit zu verlängern.
Ökonomen tobten, aber auch die SPD-Minister handelten gegen ihre Überzeugungen.
So werde der Rentenbeitrag höher (OH SCHRECK – Verteuerung der Lohnnebenkosten) oder aber der staatliche Rentenzuschuss anwachsen (OH SCHRECK – Steuererhöhungen).
Ich fühlte mich wieder wie 1998, als Neoliberalismus und nichts anderes angesagt war.
Mit dieser (aus Arbeitgebersicht) falschen Weichenstellung verlöre die SPD auch noch die Gutverdienenden, während die ganz Armen, denen 48% Rentenniveau immer noch zu niedrig wären zur LINKEn überliefen.
Passend zur neoliberalen Perspektive von vor 20 Jahren wird der Artikel mit „Operation Retro“ überschrieben.

Ganz schlimm auch die FDP, die ob des unmöglichen Verhaltens des NRW-Ministers Stamp (Fall Sami A.) und Lindners Ranrobben an Dobrindt den Respekt vor der Justiz aufgebe und sich Populisten andiene. FDP goes Orban und Trump. Das könne nicht lange gut gehen. Auch hier gibt es eine knackige Überschrift „Recht statt rechts“ – dafür stünden nur noch die ganz wenigen uralten Altliberalen Leutheusser-Schnarrenberger, Hirsch und Baum.

Schließlich die Grünen. Bei der Bundestagswahl am 24.09.2017 dramatisch abgestraft auf 8,9% - also trotz des riesigen Frustes über die alte Groko nur der letzte Platz im Reichstag hinter Linken, FDP, AfD, SPD und CDUCSU.
Und nun quasi aus heiterem Himmel, unter Aufgabe aller urgrünen Prinzipien ein demoskopischer Höhenflug auf 15% bundesweit. Man sei kurz davor die SPD zu überholen. Aber vorsichtig. Es fehle ein grünes Projekt. Umfragen kippten auch wieder, das könne also nicht ewig gutgehen.

Wieso kommen die SPIEGEL-Leute angesichts ihrer eigenen Beobachtungen nicht auf die naheliegende Erklärung?
Die immer und immer wieder geforderte programmatische Erneuerung, die Inhalte und Parteiprogramme sind weit weniger relevant für Wahlentscheidungen als propagiert.
Das hätte ich auch gern, es stimmt aber nicht.
99% der Wähler lesen keine Wahlprogramme.

Die AfD erlebt ihren Superhöhenflug, während Parteichef Gauland freimütig beweist, daß seine Partei nicht die geringste Programmatik hat und überhaupt keine Antworten auf die drängenden Probleme geben kann.

[….] Nach allen landläufigen Erfahrungen von Politik und Medien hat sich der Mann sagenhaft blamiert. Nach Lösungsvorschlägen zum Klimawandel gefragt, sagte er: "Wir glauben nicht, dass das sehr viel mit menschlichem Tun zu tun hat." Zur Digitalstrategie, die ein AfD-Abgeordneter neulich im Bundestag anmahnte, sagte er, davon könne "im Moment keine Rede sein, und ich wüsste auch keine". Als der Interviewer konkret nachhakte, wie er die kleinen Leute davor schützen wolle, dass eine Firma wie Airbnb die Mieten in den Städten treibt, sagte er: "Da kann ich Ihnen im Moment keine Antwort drauf geben."
Nur mal angenommen, Andrea Nahles oder Horst Seehofer würden so antworten: Sie würden sich zum Gespött machen. Und sie würden ihren Parteien womöglich den Rest geben. Das eine ist doch, wenn man als Politiker keine Antworten auf Fragen hat, die die Leute umtreiben. Das andere ist, wenn man dies auf eine Art kundtut wie Gauland. Er vermittelte den Eindruck, zu all diesen Themen aus exakt einem Grund nichts sagen zu können: weil er sich nie damit beschäftigt hat.
Eigentlich ist dies unfassbare Arroganz. [….]

Das Gros der Wähler ist zu doof und ungebildet rationale Wahlentscheidungen zu treffen.
So wurde Baron von und zu Guttenberg mit 90% Zustimmungswerten schon fast per Akklamation zum nächsten Bundeskanzler ausgerufen – ganz ohne irgendwelche konkreten politischen Taten. Reine Show. Null Programmatik, pures Blendwerk, das auch diejenigen begeisterte, die sich heute empört von den Altparteien abwenden oder für Piraten schwärmten.

Die US-Demokraten und die SPD hatten hingegen ausgefeilte gute Programme, die durchgerechnete und praktikable Lösungen für soziale Probleme bieten.
Das nützte allerdings gar nichts, wenn die Kandidaten Clinton und Schulz nicht sympathisch genug wirken.

Der umgekehrte Effekt bei Gerd Schröder 1998. Er wirkte dynamisch und sympathisch, so viel jünger und moderner als der ewige Kohl. Damit holte er heute nahezu undenkbare Rekordwahlergebnisse für die SPD – mit einer Programmatik, die heute als das pure Böse gilt.


Auch die FDP erkannte, daß sie mit der völligen Abkehr von konkreter Politik stärker denn je wurde.
Westerwelle holte mit großer Klappe und inhaltlicher Leere 2009 das Rekordergebnis von fast 15% bei der Bundestagswahl – obwohl da die Weltfinanzkrise schon längst durchgeschlagen war und jeder wissen konnte, wohin sein ewiges „Steuersenkungen Steuersenkungen Steuersenkungen“ führt.
Christian Lindner führte dieses Erfolgsrezept noch radikaler aus, indem er sich selbst als sexy Posterboy im Unterhemd posierend zum einzigen Thema machte. Das führte aus dem außerparlamentarischen Nichts kommend zu fast 11% am 24.09.17 – weit mehr als Linke oder Grüne, die sich mit Programmen abgemüht hatten.

Der Grüne Höhenflug passt ebenfalls ins Bild. Sie haben gerade sehr populäre Spitzenpolitiker, die es tunlichst unterlassen unbequeme Wahrheiten auszusprechen.

[…..] An populären Köpfen mangelt es nicht. Al-Wazir, Minister für Wirtschaft und Verkehr in der schwarz-grünen Koalition, ist Hessens beliebtester Politiker, in Schleswig-Holstein ist es sein Parteifreund Habeck, bis Ende des Monats dort Umweltminister. Der einzige Ministerpräsident der Grünen, Winfried Kretschmann in Stuttgart, ist populärer als alle seine Amtskollegen. Der abgewählte Grünenchef Cem Özdemir gehört sogar zu den beliebtesten deutschen Politikern.
Die Attraktivität ihrer Kandidaten trägt zu den guten Umfragewerten bei. Der Parteienforscher Elmar Wiesendahl sieht darin jedoch auch eine Gefahr für die Umwelt- und Friedensbewegten, die sich einst zu einer Programmpartei zusammenschlossen, um die Welt zu retten. "Die Grünen sind auf dem besten Wege, zu einer machtbewussten Berufspolitikerpartei zu werden", sagt er, "einer Partei der Köpfe." Er warnt vor einem Prozess der Entpolitisierung: "Die Grünen haben ihren Biss verloren, sie verlangen den Leuten nichts mehr ab." Kurzfristig sichere ihnen das Erfolg, langfristig verlören sie so ihr Profil. [….]
(DER SPIEGEL, Nr. 35, 25.08.2018, s.42)

So wird das was in der Politik.
Personal statt Programm.

Die Meisterin ist natürlich Angela Merkel. Selbst als Kanzlerin weigert sie sich schon seit 13 Jahren politische Ziele zu definieren und Richtungen vorzugeben.
Sie macht einfach gar nichts. Zur Belohnung gab es vier Mal nacheinander den Wählerauftrag Regierungschefin zu werden.
 Die SPD wird nichts wegen Typen wie Schäfer-Gümbel, Nahles, Müller oder Schulz – das sind dröge Langweiler

Samstag, 25. August 2018

Weg mit dem Geld

Mein Opa mütterlicherseits wurde vor 130 Jahren geboren, starb noch vor meiner Geburt.
Aber natürlich hörte ich sehr viele Geschichten vom alten Familienpatriarch, der seine eigene Firma in der Innenstadt hatte.
Es gab ein gerahmtes Bild, in dem die bis auf einen halben Zentimeter runtergeschriebenen Bleistifte angepinnt waren. Wenn sie schon so kurz waren, daß man sie kaum noch halten konnte, schnitzte er mühsam dran herum und steckte sie so auf eine Zigarettenspitze, daß er noch den letzte Millimeter Mine ausnutzen konnte.
Als eines Tages ein neuer Lehrling anfing, der um bloß nicht zu spät zu kommen eine Stunde vor der Öffnungszeit erschien, sah er dort ein kleines altes Männchen sitzen, das mit einem Hämmerchen alte krumme Nägel geradekloppte.
„Oh, dir ham sie ja auch einen Scheißjob gegeben“ sagte der Junge, worauf der Alte aufstand, seine Weste zurechtrückte und sich vorstellte „Gestatten,…“
Es war mein Opa, sein Chef. Nachrichten an seine Kinder verfasste er in winziger Schrift auf dem Papier seiner Zigarettenschachteln, die er sorgsam auseinanderschnitt und einmal überbügelte. Nie wäre ihm in den Sinn gekommen etwas ungenutzt wegzuwerfen, das man noch verwenden konnte.
Sparsamkeit bis zum Exzess.
Meine Mutter und ihre älteren Geschwister lernten beim Essen mit eingeladenen Geschäftsfreunden den Code-Satz: „Kinder, greift zu, es sind noch Berge draußen!“
Das bedeutete; es ist gleich nichts mehr da, nehmt bloß keinen Nachschlag mehr. Dann versicherten alle wie satt sie wären, schoben die Teller von sich und überließen dem Gast alles.  Essen wurde grundsätzlich nicht weggeworfen. Schon um das zu vermeiden, wurde nur knapp eingekauft.
Das war die Generation, die zwei Weltkriege durchlebte, zweimal alles verlor und echten Mangel und Hunger erlebt hatte.
Diese prägenden Einstellungen vererben sich. Ich bekam mit ungefähr 15 Jahren ein eigenes Sparbuch bei der Deutschen Bank und fühlte mich ungeheuer erwachsen, als ich ohne Hilfe der Eltern ins Einkaufzentrum fahren konnte und in freier Entscheidung gelegentlich ein paar Mark abhob, aber auch gewissenhaft mal zehn oder 20 Mark dort einzahlte.
Sparen war immer gut, weil das Geld auf dem Sparbuch erstens sehr sicher war und sich zweitens ganz allein wie von Zauberhand vermehrte.
Es machte Sinn krumme Nägel noch mal gerade zu schlagen und Bleistifte bis zuletzt zu verwenden, weil man entsprechend länger die Ausgaben für derartige neue Utensilien sparen konnte und sich das Geld daher vermehrte.
Eine Generation später war diese extreme Sparsamkeit weitgehend verschwunden.
Mein Vater ging durchaus gern mal essen, oder übernachtete in einem guten Hotel.
Aber als ihn auch seine zweite Frau verlassen hatte, er mit seinen Papieren so überfordert war, daß ich auf seine Finanzen achtete (was er mir gern überließ), staunte ich immer über seine Ausflüge zum Grocery Shopping.
Winzige Mengen nahm er. Maximal ein Brötchen auf einmal, 50g Käse, eine einzelne Tomate.
Später musste ich das Einkaufen für ihn übernehmen. Das bedeutete für mich beim Gemüsemann oder im Lebensmittelladen, zu überlegen was er gerne mag, dann die Menge, die ich kaufen würde, im Kopf zu halbieren und während der Verkäufer abwiegt noch einmal die Hälfte davon wieder wegnehmen zu lassen.
Bei meinem Vater angekommen, spulte sich stets das gleiche Ritual ab: „Das ist doch viel zu viel, das kann ich ja nie alles essen.“
Je mehr ich in seinen Haushalt eindrang, desto erstaunter war ich über die Bescheidenheit, die ich von außen gar nicht bemerkt hatte, nachdem es über 40 Jahre her war, daß wir unter einem Dach lebten.
Zwei Bettwäschegarnituren, vier Handtücher, ein sechsteiliges Besteckset in der Küche, vier Geschirrtücher.
Für mein Gefühl alles viel zu knapp.
Brauchte der Mensch gar nichts? Hat der keine Bedürfnisse?
Ich hingegen habe gern Vorräte.
Wenn ich anschließend bei mir zu Hause in den Kleiderschrank guckte, war ich erschlagen. Sieht, verglichen mit den Beständen meines Vaters, aus wie im Warenhaus. Ich könnte einen Laden aufmachen. Brauche ich wirklich einen 40 cm hohen Stapel Fatücher

Lebensnotwendigerweise vielleicht nicht. Aber es ist praktisch, weil die Dinger in die Kochwäsche kommen, die ich als Einpersonenhaushalt nur selten mache.

Die Geschichten über die alten Sparfüchse fand ich eher amüsant. Mein Opa war andererseits gar nicht geizig, konnte durchaus großzügige Geschenke machen.
Aber ich war doch froh, daß diese Zeiten vorbei sind, daß ich diesen Aberwitz nicht mehr mitmachen muß.
Ich will nicht meine Zeit damit verschwenden rostige krumme Nägel gerade zu klopfen. Es ist viel praktischer, daß man all diese Dinge in riesiger Auswahl und preisgünstig nicht nur im nächsten Baumarkt, sondern natürlich auch mit wenigen Klicks im Internet findet.
Und wenn ich Lust habe etwas zu Essen, möchte ich auch nicht nur eine einzige Scheibe Brot vorfinden, sondern meinen Kühlschrank öffnen und dort eine gewisse Auswahl erblicken.
Schließlich weiß ich beim Einkaufen noch nicht, worauf ich später mal Hunger habe.
Am besten also, es ist alles da.

Oder war es doch sinnvoll Nägel geradezu kloppen und Zigarettenschachteln auseinander zu schneiden?

[….]  Ein Drittel aller Lebensmittel landet im Müll - die meisten, bevor sie den Kunden erreichen. [….]  Pro Jahr gehen derzeit knapp 1,6 Milliarden Tonnen Nahrungsmittel verloren, das entspricht einem Wert von 1,2 Billionen Dollar oder umgerechnet gut einer Billion Euro.
Innerhalb von drei Jahren macht das ein Plus von gut 20 Prozent. "Dies bedeutet, dass etwa ein Drittel der weltweit produzierten Nahrungsmittel im Müll landet", sagt BCG-Berater Esben Hegnsholt, einer der Autoren der Studie. [….]  Wenn Essen zu Abfall wird, hat das weitreichende Konsequenzen. Jedes Stück Fleisch, Brot, Obst oder Gemüse, das auf dem Teller fehlt, verschärft nicht nur das Hungerproblem in ärmeren Ländern, sondern schadet auch Klima und Umwelt. "Verschwendung von Essen ist auch Ursache für acht Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen", ergänzt Hegnsholt. Um diese Menge an CO₂ und anderen schädliche Gasen zu kompensieren, wären nach Berechnungen des Bundesumweltministeriums 295 Milliarden Bäume notwendig. Hinzu kommt ein großer Verbrauch an Wasser und Ackerland.
Auch in Deutschland zeichnet sich keine entscheidende Besserung ab. Es herrscht seit Jahren Stillstand. "Allein in Deutschland werfen wir jedes Jahr elf Millionen Tonnen Lebensmittel weg - das sind circa 275 000 große Lkw-Ladungen", sagte Ernährungsministerin Julia Klöckner im Juni. Zahlen in dieser Höhe ermittelte die Universität Stuttgart bereits 2012 im Auftrag des Berliner Ministeriums. [….]  Geschieht nichts, dann wird sich das Problem nach Einschätzung der Unternehmensberatung BCG weiter verschärfen. Sie prognostiziert für 2030, dass die Menge verschwendeter Lebensmittel auf 2,1 Milliarden Tonnen ansteigen könnte. Zugleich wird die Weltbevölkerung bis dahin voraussichtlich um einem Milliarde auf 8,5 Milliarden Menschen wachsen. Sie zu ernähren, gilt als eine der größten Herausforderungen der Zukunft. […..]

Es stellen sich hier mehrere Fragen.
Die Ökonomische (unfassbare Verschwendung), die Moralische (täglich verhungern 20.000 Kinder, während wir die Nahrungsmittel lieber wegwerfen) und die Ökologische.
Lebensmittelproduktion ist vielfach eine große Klimapest. Insbesondere die Fleischproduktion ruiniert die CO2-Bilanz.

(….) Auch das deutsche Mülltrennen bringt nicht viel, wenn wir weiterhin Europameister im Müllproduzieren sind, aber es ist dennoch wichtig das geschaffene Problembewußtsein der Menschen zu erhalten.

[….] Müll-Meister Deutschland
Wie sind europäischer Spitzenreiter im Kunststoffverbrauch - 213 Kilo Verpackungsmüll pro Jahr. Dabei ist es noch nicht lange her, da haben wir der Welt erklärt, wie Mülltrennung funktioniert. […..]
(ZDF, 19.04.2018) (….)

[….] Drei Viertel des Mülls im Meer besteht aus Plastik. Dieses Plastik ist ein ständig wachsendes Problem, kostet jedes Jahr zehntausende Tiere das Leben und kann auch uns Menschen gefährden. Denn bis zur völligen Zersetzung von Plastik können 350 bis 400 Jahre vergehen. Bis dahin zerfällt es lediglich in immer kleinere Partikel. Diese kleinen, festen und wasserunlöslichen Plastikpartikel unter 5mm Größe werden Mikroplastik genannt. Wenn wir heute barfuß einen Strand entlang laufen, haben wir neben den Sandkörnern meist auch viele feine Mikroplastikpartikel unter den Füßen. Von den jährlich 78 Millionen Tonnen der weltweit gebrauchten Plastikverpackungen gelangen 32 Prozent unkontrolliert in die Umwelt, wie zum Beispiel in die Meere. Zudem gelangen auch Mikroplastikpartikel in Gewässer und die Ozeane. Im Meer sind gerade diese kleinen Partikel ein großes Problem, da sie von den Meerestieren mit Nahrung, zum Beispiel Plankton verwechselt werden. So konnten in Muscheln, die Planktonfiltrierer sind, diese kleinen Plastikpartikel nachgewiesen werden. [….]
(WWF)

Die gute alte Sparsamkeit à la „schwäbische Hausfrau“ wie ich sie mit dem ersten Sparbuch kennenlernte, hat ausgedient.

Es gibt gar keine Zinsen mehr. Besonders schädlich ist die deutsche Staatssparwut, wenn sie von schwäbischen ökonomischen Laien wie Wolfgang Schäuble praktiziert dazu führt, daß Deutschlands Infrastruktur zerbröselt, Menschen am Ende ihres Lebens in Armut getrieben werden und eine ganze Schülergeneration verblödet, weil 40.000 Lehrer fehlen und nur ein Drittel der Grundschullehrer überhaupt ihren Job gelernt haben.
Pflegebedürftige liegen in ihren Exkrementen und leiden an Austrocknung, während der deutsche Staat den größten Überschuss aller Zeiten erzielt?

[….] Der deutsche Staat hat dank der guten Wirtschaftslage derzeit so viel Geld in der Kasse wie nie zuvor. In der ersten Jahreshälfte nahmen Bund, Länder, Gemeinden und Sozialkassen unter dem Strich 48,1 Milliarden Euro mehr ein, als sie ausgaben. Dies teilte das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Daten mit. Das ist der höchste Überschuss in einem Halbjahr seit der Wiedervereinigung: Einnahmen von 761,8 Milliarden Euro standen Ausgaben von lediglich 713,7 Milliarden Euro gegenüber. Der Staat profitierte von steigenden Steuereinnahmen und Sozialbeiträgen. Den größten Überschuss erzielte der Bund mit rund 19,5 Milliarden Euro. Auch Länder, Kommunen und Sozialkassen verzeichneten ein Plus.
Zugleich profitiert der Staat von der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Dank der Niedrigzinsen kann sich auch der Staat günstiger verschulden. [….]
(SZ, 25.08.18)

Das ist hochgradig schwachsinnig. Der Staat muß unbedingt mehr Geld ausgeben.

Beim Ressourcenverbrauch aber, beim exzessiven Wegwerfen, neu Kaufen, beim Fressen, beim Plastikverschwenden sollten wir uns alle etwas mehr wie mein belächelter Opa benehmen.
Und meine Fatücher behalte ich. Sie bestehen zu 100% aus Baumwolle, werden ohne Verpackung verkauft (89 Cent pro Stück, einzeln bei Budni), sind extrem lange wiederverwertbar und auch noch hygienisch, weil sie ohne irgendwelche Keime aus der Kochwäsche kommen.

Freitag, 24. August 2018

Der Christ des Tages - Teil LXXXVI

Heute soll ein frommer Senior aus einem fernen Lande geehrt werden.
Im zarten Alter von 86 Jahren ist der Mexikaner Sergio Obeso Rivera (* 31. Oktober 1931) nicht das was man als taufrisch bezeichnen würde.
Er war 12 Jahre alt, als ihn seine Eltern ins Priesterseminar verfrachteten.
Mit nur 23 Jahren wurde er in seinem Heimatort Xalapa, rund 200 km östlich von Mexico-Stadt, fast an der Atlantik-Küste gelegen, zum Priester geweiht. Dem Priesterseminar von Xalapa blieb er weitere 17 Jahre als Lehrer treu bis ihn Papst Paul VI 1971 zum Bischof der kleinen Diözese Papantla machte. Das  Suffraganbistum mit 53 Pfarreien ist dem Erzbistum Xalapa untergeordnet.
Bischofsweihe mit 39 Jahren – konservativ, genügend misogyn, illiberal – so empfiehlt man sich für eine steile Kirchenkarriere. Und genauso kam es.
Mit 42 wurde er Titular-Erzbischof pro hac vice von Uppenna und als solcher Emilio Abascal y Salmerón, dem Erzbischof von Xalapa als Koadjutor („Aufpasser“) zur Seite gestellt, bis er schließlich 1979 mit 47 dort selbst Erzbischof wurde.
Mehrfach amtierte er als Präsident des Mexikanischen Episcopats. Er sollte über 30 Jahre das Erzbistum leiten, bis Ratzi 2007 sein altersgemäßes Rücktrittsgesuch annahm.
Der zarte Bayer hatte es ja nicht so mit Ausländern, jedenfalls nicht, wenn sie von anderen Kontinenten stammten und erhob hauptsächlich Europäer und vor allem Weiße in die allerhöchsten Kurienpositionen.
Nachfolger Bergoglio sieht das anders, und reaktivierte den 86-Jährigen vor zwei Monaten.
Nachdem im März 2018 der Päderasten-freundliche Kardinal Lehmann den Löffel abgegeben hatte war nämlich dessen Titularkirche San Leone frei.
Bergoglio erhob den 86-Jährigen Christen des Tages Nr. 86 beim Konsistorium vom 28. Juni 2018 sogar gleich zum Kardinalpriester, also hierarchisch noch über den meisten anderen Kardinälen (die nämlich Kardinaldiakone sind) stehend.
Sergio Obeso Rivera nahm Lehmanns Macht förmlich am 01.07.2018 in Besitz.

Als Kardinal ist Rivera nun Top-Kleriker und befasst sich mit den wichtigsten Schlagzeilen.
Die massiven Kinderfickereien seiner Kirche in Amerika, insbesondere zuletzt in Pennsylvania, veranlassten die adipösen Geronten sich dazu zu äußern.

Einige Anschuldigen könnten wahr sein, aber wer die Priester beschuldige, habe selbst oft Leichen im Keller, er würde im Übrigen lieber über schönere Dinge sprechen.

[…..] Swimming against the tide of promises to crack down on abuse and cover-up led by Pope Francis, a newly created Mexican cardinal said that some accusers should be “ashamed” to point their finger at clerics because many of them have skeletons in their own closets.
The victims of pedophilia who “accuse men of the Church should [be careful] because they have long tails that are easily stepped on,” said Cardinal Sergio Obeso Rivera.
The cardinal, emeritus Archbishop of Xalapa, in Veracruz, Mexico, spoke to journalists before a celebration he led in his former diocese. [….]

Sergio Kardinal Obeso Rivera erklärte also en passant die von Priestern durchgefickten, gequälten und geschlagenen Opfer sollten sich schämen.
Rivera passt damit perfekt in die Bergoglio-Linie von 2018:
Vertuschen, Opfer beleidigen, abstreiten.

 [….] The cardinal’s remarks to journalists came after the release of a sweeping, two-year-long Pennsylvania Grand Jury investigation into sexual abuse by Catholic priests.  That report has sent shockwaves around the globe.
The bombshell Pennsylvania report became public while the scandal of homosexual abuse of seminarians and other young men and boys by disgraced, former Cardinal McCarrick was still making headlines.
Obeso Rivera’s statement also came on the heels of reports of a Honduran Cardinal’s mishandling of a crisis involving rampant homosexual activity at a major seminary in his archdiocese, as well as reports of complicity by Chilean Bishop Juan Barros in covering up a widespread child sex abuse scandal in his country.
Obeso Rivera was made a Cardinal by Pope Francis less than two months ago. [….]

Die amerikanische katholische Kirche gab noch in jüngster Zeit Millionen Dollar aus, um gegen die Verlängerung der Verjährungsfristen bei sexuellem Kindesmissbrauch zu agitieren.
Die Sextäter zu schützen lassen sie sich den Inhalt der Klingelbeutel gern kosten.

[….] The US Catholic church has poured millions of dollars over the past decade into opposing accountability measures for victims of clergy sex abuse, according to state lobbying disclosures.
The lobbying funds have gone toward opposing bills in New York, Pennsylvania, New Jersey and Maryland that would extend statutes of limitations for child sex abuse cases or grant temporary civil windows for victims whose opportunities for civil action have already passed. [….]

Noch immer genießt die RKK das weltweite Privileg Kinder ficken zu können, ohne deshalb von der Weltöffentlichkeit verbannt zu werden.
Kein anderer Verein der Erde könnte auch nur ein Hundertstel der Kinderfickerfälle überstehen, ohne mit Prozessen und Verachtung überzogen zu werden.
Die RKK ist weiterhin hochgeachtet, kassiert Milliarden vom Staat, genießt Steuerprivilegien.


Donnerstag, 23. August 2018

Hinter Trump

Die letzten Tage verliefen für den Mann, der im Wahlkampf immer wieder “I hire the best peoplefor this administration tönte und dessen best people nun reihenweise entlassen, angeklagt oder verhaftet sind.


Vorgestern wurde sein Wahlkampfmanager Paul Manafort wegen Betrugs schuldig gesprochen und sein ehemaliger Anwalt Michael Cohen legte ein Geständnis ab.
Beide werden vermutlich viele Jahre im Gefängnis verbringen


Während Trump die Mueller-Untersuchungen immer hysterischer als Hexenjagd diffamiert, beweist dieser das diametrale Gegenteil.


[…..] Seit 15 Monaten gräbt Mueller im Umfeld Trumps, und die Ergebnisse können sich sehen lassen. Trumps ehemaliger Sicherheitsberater und ein außenpolitischer Berater haben sich schuldig bekannt, die Behörden über ihre Kontakte zu russischen Offiziellen belogen zu haben. Dutzende russische Firmen, Offiziere und sonstige Individuen hat Mueller wegen Wahlbeeinflussung angeklagt. Nun kommen die spektakulären Fälle Manafort und Cohen dazu. […..]


Unnötig, die politischen und juristischen Probleme Trumps an dieser Stelle nachzuerzählen, da ohnehin die gesamte Weltpresse 24 Stunden pro Tag darüber berichtet.

Nach seinem jüngsten Auftritt bei FOX kann niemand mehr bestreiten, daß Trump vollkommen geistesgestört ist und sofort in eine Irrenanstalt weggesperrt werden muss.

[….] "Wenn ich je des Amtes enthoben werden sollte, würde der Markt zusammenbrechen. Ich denke, alle wären dann sehr arm" [….]


Es ist sinnlos den US-Präsidenten verbal zu attackieren, weil sein zutiefst verstörender psychopathischer Wahnsinn jeden Tag coram publico offengelegt wird.


Glücklicherweise ist der Mann über 70 und seine Restlebensspanne somit überschaubar.
Dramatischer ist die verbrannte Erde hinter ihm, der völlige moralische Bankrott weiter Teile der US-Bevölkerung, Politiker und Medien.

[……] In einer gesunden Demokratie hätte eine Delegation führender Vertreter der Mehrheitspartei im US-Parlament gestern um eine Dringlichkeitssitzung im Weißen Haus gebeten. Um den Amtsinhaber zum Rücktritt aufzufordern und im Falle der Verweigerung die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens anzukündigen. Aber Amerikas Demokratie ist nicht wirklich gesund. Sie kränkelt an vielen Stellen. Ein Indiz: Die Partei, die einst den Demokraten Bill Clinton aus dem Amt drangsalieren wollte, weil er Sex mit einer Praktikantin geleugnet hatte, drückt bei Trump beide Augen zu. […..]



Orwells Zukunftsversion war euphemistisch verglichen mit dem bizarren Spin, den Trumps Lautsprecher Sarah und Rudy täglich von sich geben.
Die Realität ist nicht die Realität wird nun ernsthaft behauptet, so wie es schon vor anderthalb Jahren Trumps Managerin Conway erklärt hatte, als sie „alternative Fakten“ für die Wirklichkeit lieferte.


August 2018

Abermillionen Amis leben in dieser völlig realitätsentkoppelten Hassblase, Multimilliarden-Medienkonzerne bedienen diese Matrix.


[…..] Wer sich in Amerika auf dem Fernsehsender Fox News über die Ereignisse des spektakulären Dienstags informierte, der musste den Eindruck gewinnen, es habe sich um einen Tag wie jeden anderen gehandelt. Nichts sonderlich Wichtiges los gerade. Ein Typ, der mal kurz für den Präsidenten gearbeitet hat, ist wegen ein paar Finanzdelikten schuldig gesprochen worden. Ach, und ein ehemaliger Anwalt des Präsidenten hat sich schuldig bekannt, da ging es ebenfalls um Geld. Mit Donald Trump, so die Lesart von Fox News, einem Propaganda-Kanal im Gewand eines Nachrichtensenders, hat das alles nichts zu tun. Dabei hat das alles natürlich sehr viel mit ihm zu tun. [….]


Mittwoch, 22. August 2018

Berliner Ekeligkeiten


Die Unterschiede zwischen der im Dezember 2012 gestorbenen katholischen Traditionalisten Website Kreuznet und ihrer heutigen Entsprechung Philosophia Perennis (PP, Pipi, Phobosophie Phimosis, Phimoseblog) bestehen in der konkreten politischen Einflussnahme und im Humor.

Die unverkennbar Süddeutsch/Österreichisch/Schweizerischen Kreuznet-Macher blieben im Verborgenen. Bis heute weiß man nicht wie viele Autoren es gab und wer sie waren. Sicher ist aber, daß sie allesamt einer tiefen Faszination für den homosexuellen Analverkehr frönten und über eine groteske Form des Humors verfügten. Immer neue und abstrusere pseudo-vereinfachte Beschimpfungen ließen sie sich einfallen. Ob es ihre Absicht war, oder nicht; zumindest unfreiwillig zogen sie damit auch ein Publikum an, das der Wortschöpfungs-Komik frönte. Einige Kreuznet-Neologismen sind bis heute unvergessen: Gomorrhisten = Homoperverse = Kotstecher (Schwule), Urinduscher (David Berger), Bundestagsschwuchtel (Volker Beck), Blut- und Homopartei (CDU), Gummi-Isolatoren (Kondome), Brechreiz-Turnübungen (schwuler Sex).

Ein homo-gestörter Kölner Religionslehrer dreht vor antikirchlichen Revolvermagazinen durch. […] Der in den Sodomismus abgestürzte Ex-Thomist David Berger trägt seine Homo-Seuchenhaut weiterhin zum Markt.
In der morgigen Ausgabe des antikatholischen Kirchenkampf-Magazins ‘Spiegel’ wird der Homo-Gestörte seine widernatürlichen Phantasien auf die Kirche projizieren.
[…] Der Gomorrhist – der im Erzbistum Köln als Religionslehrer wütet – sagt erneut, daß er mit einem anderen Widernatürlichen homosexuelle Brechreiz-Turnübungen durchführt.
(Kreuznet 21.11.10)

Der alte Mann ist vor dem Druck zusammengeklappt.
[…] Dafür wird Benedikt XVI. als Kondom-Papst in die Geschichte eingehen. Papst Benedikt XVI. hat den „ausnahmsweisen“ Gebrauch von Gummi-Isolatoren für männliche Geschlechtsorgane gerechtfertigt.
Damit hat er in der dekadenten Konzilskirche einen bisher unvorstellbaren Dammbruch provoziert.
Die vom Papst mit viel Wenn und Aber legitimierten Kondome werden für die Masturbation zu zweit verwendet. Dabei wird der menschliche Geschlechtsakt simuliert. Seine törichten Thesen äußerte der Heilige Vater in dem Interviewbuch „Licht der Welt“ mit dem Münchner Publizisten Peter Seewald (56).
(Kreuznet 20.11.10)

David Berger, zunächst als Traditionalist vom rechten vatikanischen Flügel geistiger Verbündeter Kreuznets, fiel in Ungnade, als er sich outete, kollaborierte mit Liberalen, um Kreuznet zu Fall zu bringen, nur um anschließend kontinuierlich wieder nach rechtsaußen zu wandern und schließlich mit dem Pipi-Blog selbst eine vielgeklickte Plattform zu gründen, die sogar noch rechtsradikaler und abscheulicher gegen Minderheiten, LGBTI-Aktivisten und alle Parteien links der AfD hetzt. Der Urinduscher ist der legitime Nachfolger Kreuznets, bedient wie seine Vorgänger monatlich ein Millionenpublikum faschistoider Verschwörungstheoretiker.

Genau wie damals bei Kreuznet, gibt es täglich auch bei PP rund fünf neue „Artikel“, bei denen Berger Medienmeldungen aufgreift und dazu vor Hass triefende Hetze liefert. Immer offener sympathisiert er mit Gewalt.


Am Wochenende trat er in Cottbus gemeinsam mit PEGIDA-Rechtsaußen Siegfried Däbritz auf, der als bester Freund Lutz Bachmanns zu dessen Hochzeit eine "Heißwachs-Arschritzen-Enthaarung für Lutz" organisierte.


(….) Dräbitz ist immer noch in Sachsen aktiv und war der Einpeitscher der Menge, die angesichts der Seenotrettungsaktionen im Mittelmeer „ABSAUFEN! ABSAUFEN! ABSAUFEN!“ skandierte. (….)

Nicht nur das, der Urinduscher heizte auch selbst der rechtsradikalen Meute ein, die zu seiner Rede begeistert „Volksverräter! Volksverräter! Lügenpresse! Lügenpresse!“ skandierte.

Hier werden die Unterschiede zu Kreuznet (KN) deutlich:

Berger ist absolut humorlos, ist vollkommen unfähig zu lachen oder auch nur einen Funken von Selbstironie zu entwickeln.

Berger ist hochgradig egoman, kann es ähnlich wie Trump kaum unterlassen sich selbst zu loben, Bilder von seinem Muskelkörper zu verbreiten und in einem geradezu psychotischen Name-Dropping damit zu prahlen wen er in der rechtsradikalen Szene kennt und dies mit Selfis zu demonstrieren.

Berger ist realpolitisch aktiv, vernetzt sich mit Gauland, Weidel, Storch, Steinbach, macht exzessiv Wahlwerbung für die AfD und bringt sein persönliches Gewicht für einen rechten Umsturz in die politische Agenda ein.

An dieser Stelle folgt die ewige Frage „Wieso beschäftigst du dich mit diesen Typen, warum liest du das überhaupt?“

Für beide, PP und KN, gilt das Tote-Qualle-Am-Strand-Prinzip:
Sieht man eine tote und verwesende Qualle am Strand, weiß man schon im Abstand von 20 Metern, daß sie ekelig ist, wird aber von einer innerlichen Kraft dahingezogen, um sich das genauer anzusehen und mit einem Stock drin herumzustochern.

Für beide, PP und KN, fühle ich eine gewisse moralische Verpflichtung mich den zögernden Sympathisanten entgegenzuwerfen.
Die vielen fanatischen Anhänger des Urinduschers sind natürlich genauso wenig mit Argumenten zu überzeugen, wie die rasenden Trumpfans, die gestern bei seiner Rally in Charleston, West Virginia angesichts der dramatischen Entwicklungen um Cohen und Manafort ernsthaft grölten „LOCK HER UP! LOCK HER UP!“, also Hillary Clinton als Hauptproblem ansahen nach anderthalb Jahren Trump-Präsidentschaft. Diesem menschlichen Abschaum sind längst alle Synapsen durchgeschmort. Denen ist nicht mehr zu helfen.
Aber was ist mit den stillen Mitlesern von PP und all den unbedarften Typen, die beispielsweise als engagierte Atheisten auf Facebook PP-Links teilen, weil sie dies für seriöse Informationen über „den Islam“ halten?
Da muß man öffentlich widersprechen, um wenigstens ein paar Schwankende daran zu erinnern, daß nicht jeder so denkt, daß es ein Leben außerhalb der Berger-AfD-Pegida-Blase gibt.

Nur für KN galt der satirische Aspekt. Es war hochkomisch zu lesen, was sich die Homohasser jeden Tag für neue Formulierungen einfallen ließen.

Nur für PP gilt die reale Gewaltgefahr.

Obschon sich Berger offiziell als Israelfreund inszeniert – ganz offensichtlich aus Opposition zu den zutiefst verhassten Muslimen – streut er aktiv antisemitische Vorurteile, indem er immer wieder von der Deep-State-artigen Einflussnahme von Juden wie Annetta Kahane und George Soros orakelt und diese als mächtige Strippenzieher im Hintergrund verteufelt.
Das ist nicht nur eine exakte Wiederauflage der NSdAP-Hetze, sondern das hat auch Folgen.

Insbesondere in Bergers Wohnort und Hauptwirkungskreis Berlin steigen die antisemitischen Straftaten an.


Ganz anders als vom perfide lügenden Pipi-Chef behauptet, geht der deutsche Judenhass eben nicht hauptsächlich von muslimischen Zuwanderern aus, sondern wird weit überwiegend von deutschen Rechtsradikalen aus Bergers bevorzugtem Millieu begangen.

[….] Die Landkarte des Antisemitismus zeigt Schwerpunkte. Vor allem einen: Berlin. Die deutsche Hauptstadt ist auch die Hauptstadt der Judenfeindlichkeit. Noch immer – auch mehr als 70 Jahre nachdem die Nationalsozialisten hier den Massenmord an den Juden geplant hatten.
[….][….]  Laut Polizei verüben in rund 90 Prozent der Fälle rechtsextremistisch motivierte Täter die Angriffe. „Antisemitismus ist in Deutschland noch immer ein Kern der rechtsextremen Szene“, sagt Bundesbeauftragter Klein. „Ich nehme in Deutschland eine größere Aggressivität gegen Juden wahr und eine sinkende Hemmschwelle, Juden verbal oder körperlich anzugreifen.“ [….]

Bemerkenswerterweise ist der Judenhass genau wie der gewalttätige Hass auf Migranten dort besonders ausgeprägt, wo es am wenigsten Juden und Muslime gibt: In den östlichen Bundesländern.
Und in Berlin, wo der Berger umgeht und Hass sät.

[….] Seit 2010 gab es bundesweit 11.786 antisemitische Straftaten in Deutschland, davon 327 Gewaltdelikte. [….] Besonders häufig kommt es in Berlin kommt zu antisemitischen Ausfällen. Seit 2010 gab es hier insgesamt 1.649 antisemitische Delikte – das sind 14 Prozent aller entsprechenden Straftaten in Deutschland. Die Zahl der Taten ist damit, in Relation zur Einwohnerzahl, mehr als dreimal so hoch wie im Bundesdurchschnitt. [….] Aber nicht nur in Berlin, auch in Thüringen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt ereignen sich antisemitische Delikte deutlich häufiger. Mit 24 bis 30 Vorfällen je 100.000 Einwohnern ist die Zahl entsprechender Straftaten ungefähr doppelt so hoch wie im Bundesschnitt. [….]

Dienstag, 21. August 2018

Ein Land erledigt.

Griechenland ist den EU-Rettungsschirm los.
Das Durchatmen der Regierung in Athen ist nur zu gut zu verstehen.
Endlich Schluß mit der demütigenden Behandlung durch die anderen Euro-Länder.

 [….] Für seine Ansprache hat sich Tsipras einen symbolischen Ort ausgesucht: die Insel Ithaka im Westen des Landes. Hier endete das monumentale Epos der Odyssee - der Irrfahrt des Odysseus. Und so spricht auch der griechische Regierungschef von einer Odyssee seines Landes seit 2010, die jetzt zu Ende geht:
    "Griechinnen und Griechen, heute ist ein Tag der Erlösung. Es ist aber auch der Beginn einer neuen Ära. Dabei werden wir nicht den Fehler machen, zu vergessen, was wir aus den Sparprogrammen gelernt haben. Wir werden nie die Ursachen vergessen und diejenigen, die unser Land in die Notlage geführt haben."
Tsipras trägt ein weißes Hemd, im Hintergrund das strahlend blaue Ionische Meer und die Bucht, in die Odysseus nach dem Trojanischen Krieg heimkehrte - so schildert es der antike Dichter Homer. Immer wieder bedient sich Tsipras auch in seiner Ansprache der griechischen Mythologie. Alle Fernsehsender des Landes übertragen die Rede. [….]

Die Know-Nothings von der AfD haben inzwischen vergessen, daß sie sich einst als Anti-Euro-Partei gründeten und die armen Schlucker in Europas Süden aus der gemeinsamen Währung drängen wollten.
Mit den Heimatvertriebenen haben sie Opfer gefunden, die in der Skala des Elends noch weit unter den Griechen stehen und auf die es sich effektiver eindreschen lässt.

Aber die Austeritäts-Gläubigen in Brüssel klopfen sich schon mal auf die Schultern. Rechne man alles zusammen wären innerhalb von acht Jahren 260 Milliarden Euro „Hilfe“ aus Europa nach Griechenland geflossen.
Nun sei das Land saniert und könne wieder auf eigenen Füßen stehen – allerdings verlangen Troika und Juncker von der griechischen Regierung eine Haushaltspolitik, die jährlich ein Etat-Plus von 3,5% ausmacht.

Soweit die von Deutschland und insbesondere Schäuble geprägte EU-Sicht auf das nun so erfolgreich abgeschlossene Kapitel „Griechenlandrettung“.

Um die acht Jahre a posteriori so rosig zu sehen, muss man allerdings mehrere Schichten griechische Tomaten auf den Augen haben und weite Teile der Realität ausblenden.

[…] Griechenland-Rettung: Ein trauriges Stück EU-Geschichte geht weiter
„In Brüssel feiert man sich heute, weil Griechenland aus dem ESM-Programm aussteigt und an die Finanzmärkte zurückkehrt. Für die Griechen ändert sich wenig, die Rezessions- und Verarmungspolitik ist auf Jahrzehnte festgeschrieben“, sagte Alexander Ulrich, Obmann der Fraktion DIE LINKE im Wirtschaftsausschuss des Deutschen Bundestages. Ulrich weiter:
„Unter der beschlossenen verstärkten Kontrolle muss Griechenland weiter kürzen, sobald die unrealistisch hoch angesetzten Konsolidierungsziele verfehlt werden – unter strikter Überwachung von EU-Kommission und mit den finanziellen Waffen der EZB im Nacken. Man nennt es nicht 4. Programm, um den Imageschaden zu vermeiden. Doch für die Menschen in Griechenland ist es genau das.
Wirtschaftskommissar Moscovici hat Recht, wenn er die Rettungspolitik gegenüber Athen und die mangelnde Legitimation der Eurogruppe kritisiert. Dass in der EU die Menschen eines Landes über Jahre hinweg derart ausgepresst werden, um die Forderungen von Banken zu bedienen, die sich verzockt haben, ist ein Skandal.“ […..]

Fast die gesamten 260 Milliarden Euro waren aber nicht etwa ein großzügiges Geschenk, sondern sind Kredite, die Griechenland mit horrenden Zinsen über eine lange Laufzeit zurückzahlen muss.
Ein sehr gutes Geschäft für Geberländer wie Deutschland, die auf dem Kapitalmarkt sonst keine so hohen garantierten Zinsen bekommen.

(….) Was im deutschen Polit-Sprech als großzügig und solidarische „Griechenlandhilfe“ vermarktet wird, ist in Wahrheit das Gegenteil, nämlich Ausbeutung.
Umverteilung vom armen Griechenland ins reiche Deutschland.

[….]  Deutschland gilt als Zahlmeister Europas. An der Rettung Griechenlands hat die Bundesrepublik allerdings ganz gut verdient. Die
Die Griechenland-Krise hat Deutschland einen ordentlichen Gewinn beschert. Seit dem Jahr 2010 hat die Bundesrepublik insgesamt rund 2,9 Milliarden Euro an Zinsen erhalten. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor.
Der Regierungsantwort zufolge gab es seit 2010 vor allem Gewinne aus Ankäufen griechischer Staatsanleihen im Zuge des "Securities Market Programme" (SMP) der Europäischen Zentralbank (EZB), die bei der Bundesbank anfielen und dem Bundeshaushalt überwiesen wurden. Auch die Bundesbank kaufte in großer Zahl die Staatspapiere. [….]

Aber wen interessieren schon Fakten, wenn Teile der Regierung auf radikalem rechtspopulistischem Kurs sind? (….)
(Aus den Augen, aus dem Sinn, auf der Tagesordnung, 13.07.2018)

Westeuropäische Banken, insbesondere Deutsche und Französische verdienen nun wieder an Griechenland, ziehen von den Griechen mühsam erwirtschaftete Zinsen aus dem Land ab.
Sie verdienen also an den nach Athen transferierten Milliarden, die wem noch mal zu Gute kamen? Ach ja:

[…..]   Da wurde mittels Kreditausfallversicherungen auf den Kursverfall griechischer Anleihen gewettet. Die Prämien stiegen. Mit ihnen stiegen die Anleihezinsen: "Bereits im Mai 2010 waren sie für Griechenland unbezahlbar." Weil nun aber, gegründet auf "neoliberale" Annahmen, das strukturelle Defizit hochgerechnet wurde, habe Griechenland büßen müssen. Die ersten zwei Tranchen der Milliardenkredite gingen nur an die Gläubiger, darunter prominent deutsche und französische Banken. […..] 

Wie ist es möglich ein Land, das wesentlich zum Wirtschaftsboom der Export-Nation Deutschland beitrug, doppelt auszupressen?
Das erklärt der Wirtschaftsprofessor Stephan Schulmeister in seinem Buch "Der Weg zur Prosperität" (Ecowin Verlag, 2018): Durch eine Fülle neoliberaler Annahmen wurde Griechenland als strukturell defizitär heruntergerechnet.
Was nicht in die Realität der Schäubles dieser Welt passte, wurde passend gemacht.
Indem griechische Arbeitslose, die nach den von Schäuble aufgezwungenen neoliberalen Brutal-Maßnahmen immer noch arbeitslos waren, zur „strukturellen Arbeitslosigkeit“ gerechnet wurden, waren sie selbst Schuld und die Troika behielt Recht.

[…..]  […..] Für nachgerade perfide hält [Prof Schulmeister], wie bei der EU-Kommission mit Arbeitslosenstatistiken umgegangen werde: Es wird unterschieden zwischen "strukturell" Arbeitslosen und echten Arbeitslosen. Strukturell arbeitslos sind alle, die nicht arbeiten können oder "freiwillig" arbeitslos sind (landläufig nennt man das "faul"). Schulmeister legt dar, wie die Zahl der strukturell Arbeitslosen aufgebläht werde: "Als Teil des Konzeptes wird angenommen, dass flexible Arbeitsmärkte jeden durch ,Schocks' verursachten Anstieg der Arbeitslosigkeit rasch korrigieren." Daraus folge: "Wenn die Arbeitslosigkeit hoch bleibt oder weiter steigt, dann muss sie strukturell bedingt sein."
Also: Der arbeitslose Friseur und die arbeitslose Klempnerin gelten ganz schnell als arbeitsunwillig. […..]

Deutschland ist wesentlich am enormen griechischen Defizit mitschuldig, indem es den konservativen Tsipras-Vorgänger-Regierungen hunderte Panzer andrehte und sich bis heute beharrlich weigert die von den deutschen Nazis erpressten Milliarden zurückzuzahlen.

(…..)  Die Griechen sparen bekanntlich dermaßen, daß es quietscht. 
Große Teile Athens mutieren zu Slums, Nierenpatienten können sich ihre Dialyse nicht mehr leisten und Hunger wird wieder alltäglich.
Es trifft, wie immer im Kapitalismus, diejenigen, die nichts dafür können.

Deutschland ist der große Profiteur der Schande von Griechenland.
 Dort wird das einfache Volk ausgepresst nachdem die griechische Regierung Deutschen Rüstungsfirmen Milliarden-Aufträge erteilt hatte, hunderte Panzer kaufte, U-Boote bestellte. 
Deutsche Anleger freuen sich über die Dividenden, die ihnen griechische Staatsanleihen bringen. Deutsche Banken, als die griechischen Kreditgeber verdienen üppig am Hellas-Desaster. 
Ganz Griechenland fungierte als Absatzmarkt für deutsche Waren, die mit hartem Euro bezahlt wurden. (….) (…………………)

[…..] Athen kauft nicht nur Schiffe, U-Boote und Flugzeuge, sondern baut auch die größte Panzerarmee in der Europäischen Union auf. 1612 Kampfpanzer meldete die griechische Regierung Anfang Juli dem Waffenregister der Vereinten Nationen.
Gut 1000 davon sind deutsche Leopard-1- und Leopard-2-Panzer. Die haben sich die Griechen weit über zwei Milliarden Euro kosten lassen. […..]  Nach der Jahrtausendwende will Athen seine Armee gut und teuer modernisieren. Im März 2003 bestellt es beim Münchener Panzerbauer KMW 170 neue Leopard-2-Panzer. 30 Panzer werden in Deutschland gebaut, 140 in Lizenz beim Staatsbetrieb Hellenische Verteidigungssysteme (HDS) in Griechenland. Gesamtauftragswert: 1,72 Milliarden Euro.
2005 wird sich Athen auch mit der Bundesregierung über den Kauf von 330 gebrauchten Leopard-1 und -2 einig, die die Bundeswehr aussortiert. [….]

(….) Stichwort Reparationen Griechenland. Stand 2017, 72 Jahre nach Kriegsende: Immer noch weigert sich die deutsche Bundesregierung das Geld, welches die deutsche Wehrmacht 1944 geraubt hatte zurück zu zahlen.

Prof. Hagen Fleischer, Historiker, Universität Athen:
„Es war eindeutig die blutigste Besatzung von allen nicht-slawischen Ländern. Weit über 30.000 exekutierte Zivilisten, darunter auch viele Frauen und Kinder. Systematisch zerstörte Infrastruktur und Wirtschaft. Plünderorgien, vom Raubbau in den Bergwerken, die für die deutsche Seite interessant war, bis hin zum Abtransport von Olivenöl und von Lebensmitteln. Und daraus resultierten die mindestens 100.000 Hungertoten vom ersten Besatzungswinter.“ 

Die deutschen Besatzer pressten dem ausgeplünderten Land zudem Millionen-Kredite ab. Jeden Monat musste die griechische Nationalbank eine so genannte Zwangsanleihe aufbringen.

Prof. Hagen Fleischer, Historiker, Universität Athen:
„Damit wurden dann vor allem solche Kosten und Ausgaben der Wehrmacht gedeckt, die nicht unter die normalen Besatzungskosten in einem Krieg fallen. Das waren dann die Kosten für die Kriegsführung im östlichen Mittelmeer. Selbst Rommels Nordafrikafeldzug wurde zum Teil von den Griechen mitfinanziert.“

Bemerkenswert ist: Noch kurz vor Kriegsende hatten die Nazis mit der Rückzahlung der Zwangsanleihe begonnen, wie aus Dokumenten hervorgeht, die Hagen Fleischer entdeckt hat. Eine von Nazi-Deutschland selbst berechnete und anerkannte Restschuld von 476 Millionen Reichsmark blieb aber offen.

Heute entspricht das rund 10 Milliarden Euro. Geld, das griechische Regierungen schon seit Jahrzehnten zurückverlangen.

Deutschland bekleckerte sich wahrlich nicht mit Ruhm in der „Eurokrise“.
Berlin verdiente gut, ja, aber es zerstörte das immanent wichtige Vertrauen in Europa. Vertrauen, daß Merkel 2015 fehlte, als sie Hilfe bei der Verteilung der Flüchtlinge anmahnte.

Die Bundesregierung versagt aber insbesondere dabei ihren eigenen Bürgern zu erklären wie enorm wichtig die europäischen Absatzmärkte für Deutschland sind. Nun sogar noch viel mehr nachdem England aus der EU austritt und Trump Handelskriege anzettelt.
Prosperierenden Staaten im Süden Europas sind im ureigenen Interesse Deutschlands – und zwar von Portugal im Westen bis zur Türkei im Osten.
Die europapolitisch stets abwesende Merkel hat es leider immer noch nicht begriffen und kann sich nicht aufraffen Macron kräftig bei seinem proeuropäaischen Kurs zu unterstützen. Möglicherweise ihr schwerster politischer Fehler überhaupt. Dafür bezahlen wir vielleicht noch Generationen, wenn die EU von Rechtsextremen zerschossen wird.

 [….] Weite Teile Südeuropas haben sich noch immer nicht von den Euro-Turbulenzen der Nullerjahre erholt. Eine Generation junger, arbeitsloser Europäer hat Angst, abgehängt zu bleiben. Weil die EU ihr Wohlstandsversprechen nicht mehr einlösen kann, suchen viele nach Schuldigen und machen die deutsche Sparpolitik für ihre Lage verantwortlich. [….] In Deutschland wiederum hat sich ein gefährliches Narrativ breitgemacht: Die anderen wollen nur unser Geld. Es gibt das ungute Gefühl, dass es immer wieder "die fleißigen Deutschen" sind, die "den faulen Südeuropäern" ihre Schuldenmacherei finanzieren. [….]
Die Bundeskanzlerin muss auf die Sorgen und Nöte der Südeuropäer eingehen, wenn sie nicht dauerhaft mit den Le Pens, Salvinis und anderen Antieuropäern zu tun haben will. Um es klar zu sagen: Deutschland muss bereit sein, mehr zu geben. Diese Einsicht ist nicht nur ein Gebot politischer Schwerkraft, es ist auch ökonomisch sinnvoll. Die Bundesrepublik hat vom Euro so sehr profitiert wie kaum ein anderes Land. Es liegt also im deutschen Interesse, die Währungsunion zu stärken und vor der nächsten Krise zu bewahren. [….]