Samstag, 6. Dezember 2014

Meine populärpsychologische Familiengeschichte


Meine Mutter war das sechste von sechs Kindern meines Opas. Die klassische Nachzüglerin. Eine späte Überraschung.
Ihre älteste Schwester wurde 1911 geboren. Auch sie war wohl ein Ausrutscher. Dann folgten die weiteren Geschwister 1920, 1921, 1923 und 1930. Als meine Mutter in Hamburg geboren wurde, regierte ein gewisser Adolf Hitler schon seit einigen Jahren.
Opa hatte damals einige geschäftliche Schwierigkeiten, weil seine Schwester, meine Großtante mit einem politisch aktiven Kommunisten verheiratet war.
Das nationalsozialistische System war von Willkür gekennzeichnet. So blieb Opa selbst von schweren Repressalien verschont.
Selbst zu alt, um noch Soldat zu werden, arbeitete er in einer „kriegswichtigen Angelegenheit“ indem er Messinstrumente für Flugzeugcockpits fertigte.
Nach dem Überfall auf die Sowjetunion schickte man ihm einige feinmechanisch ausgebildete russische Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter in die Firma. Was Opa davon hielt, weiß ich nicht.
Allerdings befand er, daß die Russen viel zu mager waren und schickte sie erst mal zu meiner Oma nach Hause, um sie aufzupäppeln. Oma war froh, weil sie dringend einen Babysitter für meine Mutter brauchte.
Und dann kam es wie es kommen mußte. Oma und Opa wurden denunziert. Und irgendein NSdAP-Offizieller überprüfte wo denn die russischen Kriegsgefangen wären. Jedenfalls nicht da, wo sie arbeiten sollten.
Man fand sie schließlich sich sonnend in Omas Garten, während meine Mutter sie mit ihrem Puppenwagen unterhielt und russisch lernte. Sie war so froh endlich jemanden zu haben. Ihre Geschwister waren fast alle erwachsen und aus dem Haus, Oma und Opa 24h am Tag damit beschäftigt den Kriegsalltag zu bewältigen. Nie hatte jemand richtig Zeit für sie. Und nun ein ganzer Haufen junger Männer, die sich nur um sie kümmerten. Das fand sie toll!
Der NSdAP-Mensch war weniger begeistert.

Als der Krieg zu Ende war und man sich endlich wieder bewegen durfte, kratze Opa alles was er hatte zusammen und kaufte sich einen gebrauchten VW-Käfer, steckte drei seiner Kinder auf den Rücksitz und fuhr los. Bis nach Portugal.
Die Enge Nazi-Deutschlands mußte durchbrochen werden.
Ein erwachsener Bruder meiner Mutter reiste gleich für ein halbes Jahr weiter nach Afrika.
Noch in den 1950ern schwang sich meine Mutter mit einer Freundin in eben jenen VW-Käfer, der inzwischen zum Cabrio umgebaut worden war und fuhr gen Süd-Ost. Über ein Jahr waren die beiden Mädchen unterwegs. Über die legendäre Autoput nach Jugoslawien, Türkei, Syrien, Libanon, Israel bis in die Levante.
Ich habe natürlich oft gefragt wovon sie eigentlich gelebt haben, aber das war erstaunlich unkompliziert. In den meisten Gegenden hatte man noch nie Deutsche gesehen und schon gar nicht zwei junge Frauen, die Auto fuhren.
Der IS war noch nicht erfunden, dafür aber die berühmte orientalische Gastfreundschaft. Sie wurden also fast immer in irgendwelche Familien eingeladen und in all der Zeit nicht einmal belästigt.

Als sie zurück in Deutschland war sprach sie recht gut türkisch und akzeptabel arabisch, prallte dann aber auf die spießige Adenauerzeit.
In meinem Besitz existiert eine schriftliche Nachricht der Polizei an meinen Opa. Beigelegt ist eine anonym geschriebene Karte eines „empörten Bürgers“, auf der die Rocklänge des Fräulein X. beklagt wird. Die Polizei bittet daraufhin meinen Opa eindringlich darum seine Tochter (die inzwischen Mitte 20 war) auf züchtigere Kleidung einzunorden.
Da war Deutschland wieder so klein.
Und offenbar war der Entschluß meiner Mutter dieses Land endgültig zu verlassen schon ausgereift.
Sie folgte ihrer gleichaltrigen Cousine, die ebenfalls von der Reiselust meines Opas angesteckt, nach New York ausgewandert war.

Mein Vater wuchs in ärmlichen Verhältnissen in einem kleinen Kaff in Pennsylvania auf. Sein Vater, mein amerikanischer Opa fiel mit 30 Jahren tot um. Oma stand mittellos mit drei kleinen Jungs da und mußte arbeiten gehen.
Sozialhilfe und KITAs gab es nicht. Also gab sie die Kinder tagsüber bei dem alten Onkel Francis ab. Der hockte bei Wind und Wetter mit seinem Gewehr auf der Veranda, erklärte seinen Neffen, daß Juden Hufe hätten und er nicht reingehen könne, da er beabsichtige jeden „Nigger“ der sich seinem Haus nähere sofort zu erschießen.
Das war keine gute Lösung.
Oma, als fromme Katholikin, gab ihre Jungs daraufhin lieber zu dem Priester. Der hatte zwar die gleichen Ansichten über Juden und „Negros“, aber immerhin kein Gewehr im Anschlag.
Etwas anderes als „Neger erschießen“ erforderte seine ganze Aufmerksamkeit. Die drei Jungs im Alter zwischen acht und zehn Jahren könnten womöglich eines Tages onanieren.
Dem mußte vorgebeugt werden, indem er sie zur Sicherheit jeden mindestens einmal pro Tag ordentlich verprügelte. Der Gottesmann tat das in bester Absicht. Wußte er doch, daß sie mit einer allein erziehenden Mutter lebten – ohne einen Vater, der kräftig zuschlagen konnte. Und so viel war für den Mann der Kirche klar: Wenn man Kinder nicht regelmäßig verprügelt, können gefährliche Onanisten aus ihnen werden.
Oma fasste schließlich den Entschluß, daß es so nicht weitergehen könne.
Kurz nach dem Krieg packte sie ihre Kinder ein, fuhr nach Manhattan und ging dort in die CITY BANK. Dem verblüfften Mann am Schalter verkündete sie, daß sie dort als Sekretärin zu arbeiten denke. Nein, gelernt habe sie das nicht, aber sie hätten ja schließlich auch keine Bank in dem Dorf aus dem sie kam.
Mein Vater sah in New York erstmals die Typen, vor denen er immer gewarnt worden war: Juden und „Neger“ und Schwule. (Vermutlich sogar Onanisten. Aber das ist Spekulation.)
Und wie das so ist, wenn man aus der Enge der Kleinstadt kommt: Man findet alles gut, was vorher verboten war.
Sein schwarzschwuljüdischer Freundeskreis war später befremdet, als er sich ausgerechnet mit einer Deutschen einließ und diese in einem Coup de Foudre heiratete.
Es passte einfach zu gut. Beide waren die Jüngsten in ihrer Familie, beide wollten immer in die Welt hinaus, beide waren mit 18 zum Entsetzen ihres Umfeldes aus der Kirche ausgetreten und beide waren nahezu vollständig vorurteilsfrei.
New York war für die beiden gerade groß genug, aber das hinderte sie nicht daran wie verrückt weiter zu reisen.
Sie zeigte ihm Europa und er zeigte ihr Amerika.

Offensichtlich kann man in ganz verschiedenen Ecken der Welt die gleichen Sehnsüchte entwickeln.
 Und offensichtlich kann man dabei auch Glück haben.
Was mein Opa nach dem Krieg auf der iberischen Halbinsel entdeckte, ist heute alles verschandelt und überlaufen.
Und ganz sicher würde ich heute meine 19-Jährige Tochter nicht in ein kleines, altersschwaches Auto setzen und ihr viel Glück wünschen auf dem Weg über die Autoput in den Nahen Osten.

Heute ist das Reisen so viel einfacher! Aber die Fremde lockt mich so viel weniger. Meine Abenteuerlust ist unterentwickelt. Fernsehen und Internet geben mir auch so Einblicke, die in den 50ern nur durch „hinfahren“ erhältlich waren.
Städte gucke ich mir gern an. Theoretisch.
Aber das vollkommen überlaufene und mit Souvenir-Buden gepflasterte Prag von 2014 hat eben so gut wie gar nichts mehr mit der Traumstadt aus den 1960ern zu tun, die mein Vater gezeigt bekam.
Ich halte es für ein echtes Elend, daß insbesondere Fliegen so billig geworden ist.
Es sind ja nicht nur Rimini, Lloret de Mar und Mallorca, die von Deutschen überflutet sind, nein, Billigtouristen trampeln inzwischen genauso das Kambodschanische Ankor Wat und das Peruanische Machu Picchu platt.

Was für ein Treppenwitz der Geschichte, daß meine Eltern schließlich mit ihren Kindern in Deutschland sesshaft werden sollten.
Natürlich erklärten meinen Vater alle seine Freunde für verrückt, als er Amerika verließ.

Deutschland gefiel ihm aber.
Sie waren noch gar nicht lange in Hamburg und hatten mit Freunden einen feucht fröhlichen Abend, als mein Vater partypoopte, daß er jetzt aber doch langsam mal schlafen müsse, da er morgen früh aufzustehen hätte.
Meine Mutter erklärte ihm, daß er sich umsonst sorge. Morgen wäre „Buß und Bettag“ und der sei in Deutschland ein Feiertag.
Protestantische Tradition.
Da arbeite niemand.
„Buß- und Bettag“?
Für meinen Vater klang „Booze and bed-day“ ganz ausgezeichnet.
Ja, das war doch mal ein sinnvoller Feiertag!
Das Land gefiel ihm. Sechs Wochen bezahlter Urlaub und „Booze and bed-day“.
Über Jahre hat ihm niemand erklärt, was es mit diesem „Booze and bed-day“ auf sich hatte.
Aber er war doch irgendwie enttäuscht als der „Booze and bed-day“ 1995 vom Katholiken Helmut Kohl als gesetzlicher Feiertag abgeschafft wurde.

Früher war eben alles besser.






Dieses Posting ist meiner „Oma Amerika“ gewidmet, die heute 100 Jahre alt geworden wäre.
Sie war ebenfalls, wie meine beiden Eltern, das jüngste Kind ihrer Eltern.
Ihre vier älteren Schwestern wurden alle noch in Galizien geboren. Sie ist die erste aus diesem Zweig der Familie, die in den USA geboren wurde.


Freitag, 5. Dezember 2014

Heute drehen alle durch.

In meinem Zeitungsladen hörte die Inhaberin chillige Paul-Horn-Musik, hatte die Heizung auf volle Pulle aufgedreht, trug eine dicke Angora-Pudelmütze, Strickhandschuhe und jammerte in einem fort, sie könne die Kälte nicht mehr länger aushalten (Außentemperatur in Hamburg heute +7°C; es ist Dezember wohlgemerkt).

Nachdem es dunkel und ein bißchen nebelig wurde, fuhren alle Radfahrer Hamburgs in dunkler Tarnkleidung und ohne Licht immer direkt vor mein Auto.
Ich meine, ich finde es ja richtig und lobenswert, wenn mehr Organe gespendet werden. Aber ich habe keine Lust mir meine Kühlerhaube damit zu versauen.
Und dann das unfassbare Geschehen in Thüringen!
Ramelow ist Ministerpräsident! Ein tiefgläubiger Christ und Gewerkschaftler aus Niedersachsen.
CDU und die meisten Medien sind außer sich vor Entsetzen.

Ob die thüringischen Wähler DAS erwartet haben, als sie bei der Landtagswahl ihr Kreuz bei den Linken machten? Bereits nach 15 Minuten unter Bodo Ramelow als Ministerpräsident ist Thüringen kaum wiederzuerkennen. So wurde der Freistaat umgehend zur marxistischen Räterepublik umstrukturiert; Bananen sind Mangelware; eine Mauer befindet sich bereits im Bau.
Bürgerliche Medien und Boulevardzeitungen hatten zuvor noch vor dem unausweichlichen Systemwechsel gewarnt – vergeblich: Unmittelbar nach Ablegen des Amtseids im Erfurter Landtag begann Bodo Ramelow zum Entsetzen der Anwesenden, diabolisch zu lachen. Seitdem erlässt der Vorsitzende der soeben wieder in SED rückbenannten Linken tiefgreifende Dekrete im Minutentakt. […]

Das war doch klar!
In Hamburg sieht man schon endlose Flüchtlingsströme mit völlig elenden Gestalten aus dem Osten kommen.
Teilweise liefen ausgemergelte Gestalten von Erfurt und Gera barfuß bis hierher um ihr Leben!
Hat Frau Merkel eigentlich schon den UN-Sicherheitsrat wegen der schockierenden Nachrichten aus Erfurt angerufen?
Jetzt können nur noch gezielte NATO-Luftschläge verhindern, daß sich der Stalinismus über ganz Europa ausbreitet!!

Hysterie auch im Süden der Republik.
 Selbst für CSU-Verhältnisse drehen Crazy Horsts Mannen heute richtig durch.
Migranten, Ausländer, Flüchtlinge, Gastarbeiter – wie auch immer man das Pack heute politisch korrekt nennt – sollen nach CSU-Vorstellungen dazu verpflichtet werden NUR deutsch zu sprechen. Auch wenn sie zu Hause unter sich sind.
Guter Plan! Herdprämie, Anti-Ausländermaut – aus München kommen immer neue Schildbürgerstreiche.

CSU fordert Deutsch-Pflicht für zu Hause
[…]  Was die Mehrsprachigkeit angeht, gibt sich die CSU traditionell mit wenig zufrieden. […] In diesen Tagen bereitet CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer den Parteitag vor, am nächsten Wochenende treffen sich die Christsozialen in Nürnberg. Und weil die CSU den Knalleffekt so liebt, steht im Leitantrag zum Thema Integration folgender Satz: "Wer dauerhaft hier leben will, soll dazu angehalten werden, im öffentlichen Raum und in der Familie Deutsch zu sprechen."
[…] Fünf Seiten umfasst das Integrations-Papier, über das der Vorstand am Montag in München auch noch beraten wird. Es ist alles andere als eine Willkommensschrift. Ein "Gewinn für Bayern" ist demnach nur, wer auf eigenen Füßen stehe, etwas leiste und sich ein gutes Auskommen erarbeite. "Nicht willkommen sind uns hingegen Menschen, die unsere Rechts- und Werteordnung missachten und die Toleranz unserer Gesellschaft ausnutzen wollen. Auch künftig gilt für uns: Keine Zuwanderung in die Sozialsysteme." In Bayern könne man nicht alle Krisen der Welt lösen, heißt es lapidar. Tausende Flüchtlinge konnten in den vergangenen Monaten die Erfahrung machen, was es bedeutet, in Bayern unerwünscht zu sein. Unter teilweise menschenunwürdigen Bedingungen wurden sie in Notunterkünften im Freistaat zusammengepfercht. […] Die CSU rühmt sich sogar damit, dass man in Bayern härter zu Ausländern ist als andernorts. […]

Das bringt mich gerade in Schwierigkeiten.
Ich muß heute unbedingt noch eine Tante in New York anrufen. Sie spricht allerdings überhaupt kein Deutsch. Nun frage ich mich, ob es wohl ausnahmsweise zulässig ist, daß ich in meiner Wohnung auf Englisch telefoniere.
Oder ob ich Seehofer überlisten kann, indem ein Pflaster auf die Laptop-Kamera klebe und mir einen Alu-Hut aufsetze?
Oder ich faxe ihr einfach. Kann der Verfassungsschutz englisch geschriebene Faxe detektieren?

Die armen Niederbayern und Oberschwaben. Wenn die auf einmal alle nur noch Deutsch sprechen dürfen, sind viele von denen völlig von jeder Kommunikation abgeschnitten.
Aber wie weise von Angela Merkel, daß sie Günter Oettinger schon vor Jahren nach Brüssel ausweisen ließ.
Der Mann könnte noch Jahre üben und würde dennoch nie richtig Deutsch lernen.

Der Fairness halber sei erwähnt, daß nicht nur die Schwarzen und Braunen verrücktspielen; nein auch die SPD beamt sich heute zurück in die 50er Jahre.

Eins der größten Hemmnisse für Kleinunternehmer, den mittelalterlichen Meisterzwang, der dringend ersatzlos abgeschafft gehört, will die SPD nun noch einmal festzurren. Das Zwangszunftwesen feiert seine ewige Wiederkehr.
So wird jeder Normalverdiener gezwungen in die Schwarz-Wirtschaft auszuweichen.
Handwerkerstunden kosten in Hamburg gut und gerne 80 Euro. Plus 50 Euro Anfahrt. Außer trickreichen Vermögenden, die solche Kosten abschreiben, kann sich das niemand leisten.
Gesellen mit Jahrzehnten Berufserfahrung werden in die Arbeitslosigkeit gezwungen, weil sie nicht selbstständig Leistungen anbieten dürfen. Jeder Wettbewerb wird zu Ungunsten der Verbraucher unmöglich gemacht.
Friseurinnen, die schon ihr halbes Leben Haare onduliert haben dürfen keinen noch so kleinen Nachbarschaftsladen aufmachen, wenn sie nicht die teure Meisterschule absolviert haben.
Und wozu die grandiose Meisterzwanghandwerkskunst in Deutschland führt, sehen wir ja an den vorbildlichen Bauvorhaben Stuttgart 21, BER und Elbphilharmonie, für die wir weltweit beneidet werden.
Diesen anachronistischen, antifreiheitlichen, antikundenorientierten Wahnsinn rühmt sich die Bundesregierung nun festzuschreiben.
Damit wird auch jede EU-Freizügigkeit ad absurdum geführt. Handwerksbetriebe aus grenznahen Gebieten in Polen, Holland oder Tschechien werden in die Illegalität gezwungen.

Klares Bekenntnis zum deutschen Meisterbrief […]
In der heutigen Plenarsitzung wurde der Koalitionsantrag „Der deutsche Meisterbrief – Erfolgreiche Unternehmerqualifizierung, Basis für handwerkliche Qualität und besondere Bedeutung für die duale Ausbildung“ eingebracht.
[…] Diesen Zustand wollen wir erhalten und festigen. Mit dem Antrag bekennen wir uns eindeutig zum Erhalt des Meisterbriefes und sprechen uns somit gegen eine fortschreitende Deregulierung durch die EU-Kommission aus.
Darüber hinaus wollen wir das deutsche Handwerk weiter stärken. Wir fordern die Bundesregierung unter anderem dazu auf, das Meister-BAföG weiterzuentwickeln, die Tarifbindung im Handwerk zu verfestigen und den Technologietransfer in das Handwerk hinein zu verbessern.

Irgendwas muß heute ins Grundwasser gelangt sein.
Deutschland dreht durch.

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Gute Aktion

Nachdem ich mich über Dekaden mit Profi-Katholiban beschäftigt habe, wundert mich eigentlich gar keine Perversion mehr.
Von den zeitgenössischen Bestien im Kleid, fällt mir immer als Erstes  der verstorbene Wiener Erzbischof Hans Hermann Groër (1919–2003) ein, wenn ich sagen sollte, wer der abscheulichste Kardinal war.

Auf geradezu übernatürliche Art treffen sich im Fall Groër auch kriminelle-sadistische Energie und abstoßende Physiognomie.


Wie man unschwer an seinen Lebensdaten erkennt, fiel die Zeit der Aufdeckung seiner brutalen sexuellen Übergriffe in die Amtszeit Jorol Ratzitilas und wurde somit nicht geahndet.
Es herrschte die Methode Opfer kriminalisieren, drangsalieren und marginalisieren vor, während die Täter unter allen Umständen geschützt wurden.

Ganz in den Hintergrund gedrängt wird derzeit eigenartigerweise ausgerechnet das Mutterland der perversen Kleriker: Österreich, das Alpenland des Staatskatholizismus, dessen habsburgischen Herrscher sich stets auch „katholische Majestät“ nannten.
In Wien war es über lange Jahre der Primas selbst, der ganz offen kleine Jungs sexuell bedrängte.
„S’Hosentüarl zu - wir ham Religion“ raunten sich die Schüler gegenseitig zu, wenn der spätere Kardinal Groer den Klassenraum betrat.
Geändert hat er sich nie - noch als Greis griff er beherzt sogar komatösen Jungs im Krankenhaus an den Schniedel.
Es wunderte wenig, daß Groers wortgewaltigster Verteidiger, Bischof Kurt Krenn, Jahre später selbst darüber stolperte, daß sein Priesterseminar in St Pölten offenbar nur ein getarnter Homo-Puff war.
Regens und Subregens stellten mit den jungen Seminaristen Sexszenen aus Pornos nach und sammelten nebenbei noch 40.000 Homoporno-Dateien auf den Rechnern des Priesterseminars.
Seine Exzellenz Kurt Krenn, der sich weit über die Grenzen seines Landes einen Namen als der unerbittliche Mr Homophob gemacht hatte, wurde auf einmal ganz weich und entschuldigte den Swinger-Sumpf in seinem Seminar mit dem legendären Ausspruch, das seien alles nur „Bubenstreiche“.
Genützt hat es freilich nichts - wie schon im Fall Kardinal Groer, der einen päpstlichen Coadjutor geschickt bekam und fürderhin nicht mehr allein handeln durfte, bekam auch Krenn einen Vatikanischen Visitator aufs Auge gedrückt und war bald Ex-Bischof Krenn. Am 11. August 2004 trat er "auf Bitten des Papstes" zurück.
In Österreich kochen diese Art Katholenskandale schon längere Zeit bis an die Oberfläche.
Kardinal Hans Hermann Groer trat 1995 als Vorsitzender der Bischofskonferenz und Erzbischof von Wien zurück.
Der aktuelle Wiener Kardinal Schönborn nannte die intensiven Recherchen der Medien Anfang der 1990er „Verfolgungsmethoden wie unter den Nazis“.

Auch wenn an der Spitze einige stolperten, heißt das nicht, dass niedere Kirchliche Chargen der Alpenrepublik nicht nach dem ewigen Muster der Omertà Catholica vertuscht hätten.

Auch Franzi, der schon anderthalb Jahre amtiert, denkt offenkundig gar nicht daran, die schlimmsten Kinderfickerfreunde im Höchstklerus juristisch zu behelligen.

Ich meine, daß die Organisation des Fischers vom Kopfe her stinkt.
Es ist schon auffällig, daß der Vatikan gerade pädosexfreundliche Männer in Spitzenpositionen hievt: 

Über den von mir auch schon mehrfach erwähnten Groër schrieb jüngst Tom Appleton:

Man denke nur an den Wiener Oberpäderasten, Kardinal Nuntius Hans Hermann Groer, der schon im halbsenilen Zustand krebskranken Kindern an die Schwänze fasste und dann eilends in eine geschlossene Abteilung im Vatikan entführt wurde, um nur ja keinen Wirbel entstehen zu lassen.


Nein, Groër, obschon tot, war wahrlich keiner, über den sich viel Gutes sagen ließe.
Das einzig „Gute“ an Groër ist, daß sich an seinem Fall mustergültig zeigen läßt wie ein servil-autoritärer Päderast ungehindert bis an die Spitze einer nationalen Kirche gelangen konnte, obwohl seine Taten nahezu allgemein bekannt waren.
Ratzinger und Woytila fanden ihn toll und beförderten ihn trotz seiner Kinderfickerei.

Groer, 1942 zum Priester geweiht, war mit 61 Jahren in den Benediktinerorden eingetreten. Als Wallfahrtsdirektor in Maria Roggendorf trat er für eine innere Erneuerung der Kirche ein - im Sinne der nicht unumstrittenen, kämpferischen Legion Mariens. 1986 berief der Papst den damals 67-jährigen zum Nachfolger des als liberal angefeindeten Wiener Erzbischofs Kardinal Franz König.
An Warnungen hatte es nicht gefehlt: Schon 1985 war von einem Benediktinerpater namens Udo Fischer Klage wegen der Neigungen Groers geführt worden. Doch Rom setzte seinen Kandidaten durch - Auftakt zu einer Reihe problematischer Bischofsernennungen, an deren Folgen die Kirche noch heute leidet. Das Fatale an der Causa Groer: Der Angeschuldigte äußerte sich nur kryptisch. Einem Eingeständnis der Verfehlungen wich er ebenso aus wie einem klaren Dementi.

Rücksicht auf Opfer wurde in der Nächstenliebe-Organisation nie genommen.
Noch heute zeigt man seinen Opfern den Stinkefinger, indem Rom sich nicht von Groër distanziert.
Im Gegenteil, der Kardinal wird in Oberösterreich wieder verehrt und mit Gedenktafeln gewürdigt.

Aktivisten der „Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt*“ wollten das nicht mehr länger hinnehmen und schritten zur Tat nachdem Groër ein Relief an der Fassade der Pfarrkirche von Hohenzell, Bezirk Ried (OÖ), gewidmet wurde.

Sepp Rothwangl, Obmann der Plattform Betroffener Kirchlicher Gewalt, ist über die "scheinheilige Tafel" empört: Sie leugne, dass der Kardinal mehrere Zöglinge sexuell missbraucht habe (die "Affäre Groër" führte im Jahr 1995 zu einem Kirchen-Volksbegehren und einer Austrittswelle).
Weil sich Dorfpfarrer Josef Bauer weigert, der Groër-Verehrung in Hohenzell ein Ende zu setzen, hat Rothwangl am Montag das Denkmal auf eigene Faust umgestaltet: Mit einer Eisenkette befestigte er unterhalb des Reliefs einen massiven Mühlstein, aus dem der Kopf des Kardinals ragt. "Es soll an die Verbrechern Groërs erinnern, die von seinen Anhängern nach wie vor abgestritten werden", sagt der Aktivist.


Pfarrer Bauer war not amused und riss den Mühlstein sofort wieder ab.

Er hatte vorige Woche die Gedenktafel zu Ehren des verstorbenen Kardinals mit einem Mühlstein ergänzt: Die Tafel an der Hohenzeller Kirchenmauer sollte ursprünglich an Groers Gebete für ungeborene Kinder erinnern. Seine eigene abartige Leidenschaft für die lebendigen Kinder wurde dabei elegant verschwiegen. Weswegen Rothwangl, das Matthäus-Evangelium zitierend, einen Mühlstein vor Ort angebracht hatte, aus dessen Mitte Groers Kopf ragt. (18:6-16 “Wer aber irgend eines dieser Kleinen, die an mich glauben, ärgern wird, dem wäre nütze, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt, und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde.“)
“Kein Wunder, dass diese scheinheilige Groer-Ehrungstafel an der Kirche von Pfarrer Bauer angebracht wurde, denn der gilt als ultra-fundamentalistisch“, ärgert sich Rothwangl. Der Pfarrer glaubt nämlich an Teufelsaustreibungen und lässt Mädchen nicht ministrieren. Seine letzte Messe am Sonntag hielt er wieder auf Latein, mit dem Rücken zur Gemeinde, danach wurde das Mahnmal – vermutlich von Groer Revisionisten – gestohlen.
Um nun der Wahrheit Genüge zu tun, ruft die Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt zur großen Mühlstein-Sammelaktion auf: “Wir möchten das Mahnmal neuerlich berichtigen, aber diesmal auf gewichtigerem Weg: Jeder, den diese Vorgänge ebenso empören wie uns, möge einen Mühlstein beisteuern, wir liefern ihn dann gerne in Hohenzell ab.“

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Einige historische Fakten


Der Fundi-Flügel der GOPer, die immerhin vom amerikanischen Wahlvolk mit absoluten Mehrheiten in beide Parlamentskammern geschickt wurden, ist so doof, daß sie sogar Fakten und wissenschaftliche Tatsachen grundsätzlich ablehnen, weil sie nicht ihrem Glauben entsprechen.


Es ist wenig überraschend, daß diese Teebeutler-Generation durch Mangelbildung, geistige Schlichtheit und Fanatismus auf sich aufmerksam macht.
Der Zusammenhang „je doofer, desto religiöser“ ist schon lange nachgewiesen.

Religion spricht eher die Emotionen an als die Vernunft.
Je mehr Bildung ein Mensch erhält, umso wahrscheinlicher ist es, dass er Atheist wird. Nichtglaube steigt ebenfalls mit Intelligenz und Einkommen. Die Einwohner von gebildeteren Ländern empfinden Religion als weniger wichtig in ihrem täglichen Leben. […]





Während amerikanische Fundis wie Osteen, Palin oder Bachmann tatsächlich dumm wie Bohnenstroh sind, sind Europäische Religioten die bizarrere Lebensform. Sie können höflich, gebildet und umgänglich sein, aber dennoch an partiellem Schwachsinn leiden.

Unter „Religiotie“ (Kurzform für „religiöse Idiotie“) verstehe ich eine spezielle Form der geistigen Behinderung, die durch intensive Glaubensindoktrination vornehmlich im Kindesalter ausgelöst wird und die zu deutlich unterdurchschnittlichen kognitiven Leistungen sowie spezifischen Einschränkungen des affektiven Verhaltens führt, sobald es um glaubensrelevante Sachverhalte geht – etwa um das Anerkennen der empirischen Belege der Evolutionsbiologie. Im Unterschied zu anderen Formen der Intelligenzminderung muss sich Religiotie keineswegs in einem generell reduzierten Intelligenzquotienten niederschlagen. So wie wir – beispielsweise beim autistischen Syndrom – „Inselbegabungen“ feststellen können, gibt es allem Anschein nach auch „Inselverarmungen“. Religiotie sollte deshalb vornehmlich als „partielle Entwicklungsstörung“ verstanden werden – ein Begriff, den der Entwicklungspsychologe Franz Buggle schon vor einigen Jahren vorgeschlagen hat, um die spezifischen Denkhemmungen religiöser Fundamentalisten zu fassen.

Letzte Woche, auf Facebook, geriet ich wieder einmal an einen Herrn mittleren Alters, nennen wir ihn Joseph Schmitt, der nicht ungebildet und nicht unangenehm war.
Wie sich herausstellte war er aber ein klassischer Bildungsbügertums-Religiot, der eins wirklich nicht leiden konnte:
Als das bezeichnet zu werden was er ist, obwohl er es doch so eindeutig war: Ein Religiot.

MSS ist der letzte, den man als Quelle für angeblich seriöse, differenzierte Religionskritik zitieren sollte. "Religioten" ist ein pauschal diffamierender Begriff, der Religiöse allgemein als geistig zurückgeblieben bezeichnet. So wird er in der Mehrheit der Fälle eben auch gebraucht. Religiöse Fanatiker kann man mit anderem Vokabular beschreiben. [….]
Und diese Pathologisierung von religiösen Weltanschauungen ist schon widerlich. Ich muss nicht jeden Quatsch teilen oder gut finden, den Menschen glauben können. Nichtmal "respektieren". Aber wenn ich alles als für "krank" erklärbar halte, was Glaubensfrage ist, dann ist das nichts als totalitär und gegen die Menschenrechte.
Damit wären wir letztlich wieder bei der Gesinnungshaft angekommen. Und man könnte letztlich ebenso die Nicht-Einsicht in die Gefahr solcher Bezeichnungen als weltanschaulich bedingte ethische Urteilsschwäche einstufen. Es ist eigentlich ein Treppenwitz der Geschichte, daß organisierte Atheisten oder "Areligiöse" sich irgendwann selbst die arrogante Überlegenheitshaltung zu eigen gemacht haben, die man früher nur von religiösen Hetzern kannte.
Mit Humanismus oder gar "Aufklärung" hat all das nichts zu tun.
Letztlich ist die selbstherrliche Bedienung bei sozialdarwinistischen Denkmustern der "Sündenfall" der Religionskritik. Religiöse für krank zu erklären und damit diese Position als vermeintlich seriös und wissenschaftlich daherkommen zu lassen, spricht dem Geist der Aufklärung und dem Geist der Menschenrechte Hohn. Das ist postaufgeklärte Hetze.
Okay, wir halten fest: Der "Otto Normalchrist" im Jahre 2014 beißt sich im Allgemein eher auf die Lippen, bevor er böse Worte über Religionsferne oder Atheisten findet, hat nach langem Ringen in Folge des 2. Weltkriegs eine überdurchschnittlich zustimmende Haltung zu Demokratie und Menschenrechten und ist durch Kirchentage und dergleichen sensibilisiert für die Probleme der Welt, auch für Homophobie, überdurchschnittlich sozial engagiert und ist durch den Umgang mit der eigenen Geschichte, durch Workshops und Diskussionsveranstaltungen daran gewöhnt, die eigene Geschichte kritisch zu hinterfragen.
[….] Aber mit Persönlichkeiten anstatt systemischer Kritik - übrigens ein typisch deutsches Phänomen - schaffe ich keine Veränderung und ermögliche keine sachgerechte und letztlich aufgeklärte Kritik. Und diese Persönlichkeiten, Diffamierungen und Klischees sind nicht ohne Grund nicht mit den Menschenrechten vereinbar.
(J.S. 25.11.14)

Ein Musterreligiot gewissermaßen. Eloquent und larmoyant zugleich.
Sieht sich selbst fern von jedem Fanatismus, hält ganz selbstverständlich Christen für die besseren Menschen (überdurchschnittlich sozial engagiert) und sieht sich überall von den bösen Atheisten angefeindet.

Mit der Realität hat das alles herzlich wenig zu tun.
Christen sind in allen deutschen Gremien – vom Ethikrat der Bundesregierung über Talkshows, Rundfunkräte bis zu KITA-Betreibern – exorbitant überrepräsentiert.
Die Bundesregierung besteht aus 100% Christen und die beiden großen Deutschen Kirchen verfügen jeweils über ein hohes dreistelliges Milliardenvermögen und einen Immobilienbesitz, der die Größe des Bundeslandes Saarlands erreicht. Christen-Kirchen besitzen Verlagshäuser, Zeitungen, TV-Sender und bekommen zudem auch noch kostenlose Plattformen als Kolumnisten der größten Boulevardblätter der Welt. Man denke nur an Käßmanns wöchentliche BILD-Kolumne.
EKD und RKK zusammen haben 50 Millionen Mitglieder.
Caritas und Diakonie beschäftigen 1,5 Millionen Menschen, die arbeitsrechtlich diskriminiert nicht weltanschaulich frei sind und zu ~ 99% vom Staat bezahlt werden. Bischöfe und Theologieprofessoren werden ebenfalls vom Staat bezahlt.

Die entsprechenden Atheistischen Organisationen bestehen aus wenigen hundert Mitgliedern, werden überhaupt nicht staatlich gefördert und haben bundesweit zusammen ein Budget, mit dem nicht eine einzige kleine Pfarrei auskäme.
An Bischofspaläste wie das prachtvolle Rokoko-Palais Holnstein, in dem Kardinal Marx residiert können Atheisten noch nicht einmal denken.

Und „Ottonormalchrist“ fürchtet sich so sehr vor der geballten Macht der Atheisten, daß er sich noch nicht mal mehr traut seine Meinung zu sagen?
Es stimmt, daß Christen weniger und Atheisten mehr werden, aber gegenwärtig ist die „Macht“ noch so extrem ungleich zu Gunsten der Christen verteilt, daß wir noch sehr lange nicht auf Augenhöhe miteinander reden werden.

Aber keine Sorge, liebe Christen  Wir als Atheisten sind viel toleranter als Religiöse und würden diese niemals auch nur annähernd so bestialisch behandeln, wie Religiöse uns über Jahrhunderte verfolgt haben.
Im Gegenteil, Atheisten sind prinzipiell tolerant und lassen jeden so religiös bleiben wie er möchte.
Wir wehren und nur dagegen von Religiösen mitbestimmt zu werden.
Wenn Kirchisten Homoehe, Pilledanach, Sterbehilfe und PID verbieten wollen, dann sollen sie nur für sich sprechen.

Die Menschenrechte, die in 200 Jahren mühsamen Kampfes gegen den erheblichen Widerstand der Kirchen durchgekämpft wurden als christliches Argument ins Spiel zu bringen, schlägt doch dem Fass den Boden aus.

Das sieht man ja auch an dem widerlich perfiden Judenhasser Martin Luther, der tatsächlich in seinen Schriften Hitler nicht nachstand und ungerührt heute von der EKD gefeiert wird.
Wer als „Otto Normalchrist“ Mitglied in einem Verein ist, der das betreibt, hat sich eben nicht die Menschenrechte zu Eigen gemacht.

In der Süddeutschen Zeitung von gestern wurde ein Aufsatz des bekannten Kirchengeschichtlers Prof. Hubert Wolf aus Münster abgedruckt.
Es geht um den 150. Geburtstag des „Syllabus Errorums“, in dem der unfehlbare Papst Pio Nono achzig moderne Lehrsätze verwirft.
Und der ewige Papst Pius IX ist nicht nur ein bißchen dagegen, sondern absolut.

Das oberste Lehramt der katholischen Kirche hat Katholizismus und Moderne ein für alle Mal für unvereinbar erklärt und insbesondere die fundamentalen neuzeitlichen Werte wie Gewissens-, Religions- und Meinungsfreiheit, aber auch Toleranz und Demokratie feierlich verurteilt. Katholiken, die sich auf diese Werte beriefen, wurde die Strafe der Exkommunikation und damit der Verlust ihres ewigen Seelenheiles angedroht.
(Hubert Wolf 01.12.14)

Pio Nono war auch persönlich ein rasender Antisemit, der sogar in Rom Juden ihre Kinder wegnehmen ließ, um sie zwangsweise zu konvertieren und an katholische Eltern weiter zu reichen.
Ohne Zweifel war der Mann also ein echter Schwerverbrecher, der ausdrücklich die Freiheit der Menschen bekämpfte.
Zu den Sätzen des Syllabus, die P9 verbot gehörten unter anderem:

„Es steht jedem Menschen frei, diejenige Religion anzunehmen und zu bekennen, die man, vom Lichte der Vernunft geführt, für wahr erachtet.

Der Protestantismus ist nichts anderes, als eine eigenständige Form des gleichen wahren christlichen Glaubens. In diesem Glauben ist es ebenso möglich, Gott wohlgefällig zu dienen, wie in der katholischen Kirche.

Die Philosophie und die Sittenlehre, ebenso die bürgerlichen Gesetze, können und sollen von der göttlichen und kirchlichen Lehre abweichen.

Die Kirche hat nicht die Macht, trennende Ehehindernisse aufzustellen. Diese Macht steht der staatlichen Gewalt zu, durch welche die bestehenden Ehehindernisse aufzuheben sind.

In unserer Zeit ist es nicht mehr denkbar, daß die katholische Religion als einzige Staatsreligion anerkannt und alle anderen Arten der Gottesverehrung ausgeschlossen werden.“

Der am längsten regierende Papst aller Zeiten verkündete das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis Mariens, des päpstlichen Jurisdiktionsprimats und der päpstlichen Unfehlbarkeit. Im Jahr 2000 wurde Pius IX. von Johannes Paul II. seliggesprochen.

Pio Nonos Syllabus erschien am 08.12.1864 als Anhang zur Enzyklika „Quanta cura“, in der er zum Rundumschlag gegen die verhasste Moderne ausholte.
Natürlich war der Unfehlbare damit nicht etwa allein in der RKK. Auch seine Vorgänger und Nachfolger verurteilen Menschenrechte, Freiheit und Demokratie außerordentlich scharf.
Das ist wenig überraschend für eine Religion, in deren Bibel die Unterordnung der Frau unter den Mann festgeschrieben wird und in der Jesus die Sklaverei lobt.

Der eigentliche „Syllabus errorum“, die Liste mit achtzig irrigen Sätzen, bringt im Grunde nichts Neues, sondern fasst noch einmal die zahlreichen Verurteilungen zusammen, die Pius IX. in nicht weniger als 32 Verlautbarungen seit dem Beginn seines Pontifikats 1846 ausgesprochen hatte. Verworfen werden neben Pantheismus, Naturalismus, Rationalismus, Indifferentismus, Sozialismus und Kommunismus auch geheime Gesellschaften aller Art. […]  „Deshalb verwerfen, ächten und verurteilen wir kraft Unserer Apostolischen Autorität samt und sonders die verkehrten Meinungen“, schrieb Pius IX. […] Der Syllabus war kein „Ausrutscher“ des päpstlichen Lehramtes. Er fügt sich vielmehr bruchlos ein in eine Linie der Verurteilung der Werte der Moderne, die mit dem Breve „Quot aliquantum“ von 1791 begann. Mit diesem hatte Pius VI. nicht nur die Zivilkonstitution des Klerus verdammt, die Pfarrer und Bischöfe zu Beamten des revolutionären Staates machte, sondern zugleich die Freiheitsidee der Französischen Revolution und die Erklärung der Menschenrechte. Gregor XVI. verwarf 1833 in der Enzyklika „Mirari vos“ die Ideen des französischen Priesters und Publizisten Félicité de Lamennais, der einer Koalition von Kirche und Freiheit mit dem Papst als Garanten der Freiheit das Wort redete und die alte Verbindung von Thron und Altar ablehnte. Gregor XVI. verdammte insbesondere die Gewissensfreiheit als pestillentissimus error, als „pesthaften Irrtum“. Vom Syllabus sollte sich die Linie über die Enzyklika „Immortale Dei“ von 1885, in der Leo XIII. Religionsfreiheit entschieden ablehnte, bis zur „Toleranzrede“ von 1953 fortsetzen, in der Pius XII. das alleinige Recht der katholischen Wahrheit bekräftigte und deshalb jedes subjektive Recht auf Religions- und Gewissensfreiheit ausschloss: „Was nicht der Wahrheit und dem Sittengesetz entspricht, hat objektiv kein Recht auf Dasein.“   […]
 (SZ vom 01.12.2014)

Dienstag, 2. Dezember 2014

Luschen


Nein, wie gesagt, ich finde nicht, daß „die Politiker“ übertrieben ehrlich sein müssen.
Auch wenn es viele Urnenpöbler anders sehen mögen; ich verstehe durchaus die komplexen Interessengeflechte und weiß, daß Abgeordnete taktieren müssen, um sich durchzusetzen. Wenn sie immer nur stur die reine Lehre vertreten, setzen sie am Ende gar nichts durch.
Der Kompromiss macht’s.
In einer Koalitionsregierung aus drei unterschiedlichen Parteien mit drei unterschiedlichen Wahlprogrammen ist es sogar systemimmanent politische Positionen mittragen zu müssen, die man vorher sogar bekämpft hat.
Ich verstehe nur nicht wieso Parteiführungsfiguren mit der Unterschrift unter den Koalitionsvertrag davon besessen sind sich als harmonische Einheit zu präsentieren.
Wie peinlich war es, als Westerwelle 2009 nach dem Abschluss der schwarzgelben Verhandlungen verkündete, der CSU-Chef und er sagten nun „Horst und Guido zueinander!“
Offenbar verwechseln Wähler und Journalisten Harmonie zwischen den handelnden Ministern mit guter Regierung.
Dabei ist das weitgehend irrelevant, wie gut sich Minister privat miteinander verstehen.
Mit dem Schmusekurs soll doch offensichtlich Wählerwohlwollen generiert werden. Das zahlt sich aber ebenso offensichtlich nicht für die SPD aus.
Warum also sagen die Sozen dann nicht offen und deutlich welches die Konfliktpunkte sind und wieso sie gezwungen sind gegen ihre Überzeugungen zu stimmen?
Ich bin überzeugt davon, daß man diese Abwägung öffentlich transportieren  könnte.
Herr Oppermann könnte an das Rednerpult des Bundestages gehen und dort eines Tages verkünden:

„Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Kollegen!
Heute wird meine Fraktion für den Koalitionsentwurf der Antiausländermaut nach den Vorstellungen des Verkehrsministers Dobrindt stimmen. Wir als SPD halten das Vorhaben für Europa-feindlich, finanzpolitisch irrsinnig und schon ob des Verwaltungsaufwandes für nicht zu rechtfertigen. Unsere Zustimmung erfolgt wider besseres Wissens aus Koalitionsraison. Nur als Teil der Regierungskoalition war es uns möglich mehrere Ministerposten zu besetzen und damit die weitaus bedeutenderen Themen Mindestlohn, Rentenreform und Staatsbürgerschaftsrecht zu bestimmen. Als Gegenleistung für die Gaga-Maut besetzen wir ferner den Posten des Außenministers und können somit mäßigend auf eine kriegsfreudige Stimmung in NATO Und Russland einwirken. In diesen entscheidenden Fragen um Krieg und Frieden mitzuwirken halten wir für so bedeutend, daß wir dafür in Kauf nehmen kontraproduktive Gaga-Gesetze wie die Herdprämie mit durchzuwinken!“

Einige Angesprochene würden sicherlich Zeter und Mordio schreien.
„Wer hat uns verraten?  - Sozialdemokraten!“
Aber wer so borniert denkt, wählt ja ohnehin nicht (mehr) die SPD.
Also braucht man auf sie auch keine taktische Rücksicht zu nehmen.
Besser wäre es stattdessen zu versuchen durch offenes Bekenntnis zur Taktik neue Wähler anzusprechen.
Und außerdem wüßte der Bürger wem er was verdankt.

Warum wollen sich so viele hinter einem scheinbar monolithischen 80%-GroKo-Block verstecken?
Soll doch jede Partei klar sagen, daß sie mit der Groko stimmt, weil sie a, b und c rausgeholt hat, dafür aber leider x, y und z zustimmen musste.

Nicht zielführend ist es hingegen, wenn SPD-Groko-Minister plötzlich Dinge vertreten, die niemand an der Parteibasis will und nicht begründet wird, wie es zu dem Sinneswandel an der Spitze kam.
Gabriel oder Nahles könnten einerseits durch Fakten zu einer anderen Beurteilung gelangt sein. Dann sollen sie diese Fakten vorlegen.
Oder aber es ist ein politisches Geschäft wie bei Maut und Herdprämie: Man hebt sein Händchen dafür, weil man etwas noch wichtigeres der CDU/CSU dafür abgehandelt hat.

Aber wieso schwenkte Gabriel in der Ceta-TTIP-Frage auf Merkel-Kurs um?

Wieso ist die Bundesregierung plötzlich nicht mehr gegen Gentechnik auf den Äckern?

[…] [Die] Bundesregierung. Sie rückt nach SZ-Informationen immer mehr von ihrem Versprechen ab, ein möglichst strenges Anbauverbot in Brüssel durchzusetzen - obwohl 90 Prozent der Bundesbürger Gentechnik in ihren Lebensmitteln ablehnen.
Besonders umstritten ist der Plan der EU-Umweltminister, Agrarkonzernen wie Monsanto, Syngenta oder Bayer ein Mitspracherecht bei Anbauverboten einzuräumen. Dafür ist ein zweistufiges Verfahren vorgesehen: Beantragt zum Beispiel eine Firma die Zulassung einer neuen Genmaissorte in der EU, sind die Länder am Zug. Erwägt etwa Deutschland ein Anbauverbot, muss die Bundesregierung die Firma auffordern, speziell bei dieser Sorte keine Zulassung für Deutschland zu beantragen. Dem Wunsch kann das Unternehmen nachkommen oder nicht. Die Anfrage ist aber Voraussetzung dafür, dass Deutschland in einem zweiten Schritt den Anbau verbieten kann, sollte der Konzern nicht auf eine Zulassung hierzulande verzichten wollen.
Dieses Prozedere ist ein Novum in der EU-Politik, weil Konzerne so direkt Einfluss auf Regulierungsprozesse nehmen können. Vom EU-Rat, also den Länderregierungen, wird das gebilligt. Doch Gentechnikkritiker und das EU-Parlament wehren sich dagegen. "Es darf nicht sein, dass souveräne Staaten erst bei den Gentech-Multis fragen müssen, bevor sie ein Genmais-Verbot aussprechen dürfen", kritisiert Harald Ebner, Gentechnikexperte der Grünen im Bundestag.
Verhindern will die Bundesregierung in Brüssel zudem EU-Haftungsregeln. Sie sollen diejenigen Länder schützen, die Gentechnik auf ihren Äckern verbieten, aber Gefahr laufen, dass sich Pflanzen aus dem Nachbarland im Grenzgebiet ausbreiten. Diese Haftregeln seien nicht notwendig, heißt es dazu aus dem Agrarministerium in Berlin. Damit verstößt die Bundesregierung ganz klar gegen einen Beschluss des Bundestages vom Mai 2014, der diese Haftungsregelung ausdrücklich fordert. Vorgesehen ist, dass sich EU-Parlament und -Rat am Mittwoch auf einen Kompromiss einigen. Wie der am Ende aussieht, ist allerdings unklar. […]

Wieso stört man sich plötzlich nicht mehr daran finanzielle Belastungen für den kleinen Mann festzuschreiben, während man weiterhin die Milliardäre mit lumpigen 25% Kapitalertragsteuer (KESt) erheblich besser behandelt als die Menschen, die durch Erwerbsarbeit ihr Geld verdienen?
Wieso verabschiedet die linke Sozialdemokratin ein Rentenkonzept, bei dem wieder nur die abhängig beschäftigten Erwerbsarbeiter einseitig über ihre Beiträge belastet werden, während Frau Klatten, Herr Porsche, die Albrechts, die Unternehmer und die Bundestagsabgeordneten keinen Cent bezahlen müssen?
Was kriegen wir als SPD dafür, daß wir sowas mitmachen?
Kann das vielleicht endlich mal jemand im Willy Brandt-Haus erklären?

[…] Und plötzlich ist da ein neues Wort in der Debatte um die Ausländer-Maut der CSU: Einführung heißt es. Das Versprechen nämlich, die Maut werde Deutsche nicht belasten, das gelte ja nur "mit der Einführung" der Maut. So sagte es an diesem Morgen die durchaus mächtige CSU-Landesgruppenchefin im Bundestag, Gerda Hasselfeldt.
Ach so? Nur mit der Einführung? Nie vorher gehört. Bisher hatte es immer geheißen, die Maut werde zu keiner Mehrbelastung für deutsche Autofahrer führen. Egal wann. Das war das Versprechen. Was hätten die Leute auf den Markplätzen von München bis Regensburg und Nürnberg bis Lindau denn gedacht, wenn CSU-Chef Horst Seehofer ihnen da im Bundestagswahlkampf zugerufen hätte: "Liebe Bayern, wir wollen eine Maut für Ausländer, die die Deutschen im Moment der Einführung dieser Maut nicht zusätzlich belastet, aber natürlich für die Jahre danach die Türen sperrangelweit auflässt, um sie dann doch für alle erhöhen zu können!" […] Und weil es so schön ist, kommt gleich die zweite große Lüge hinterher: der Soli. Wenn es nach Hasselfeldt, nach den Ländern, nach der gesamten großen Koalition geht - und es geht nach all denen -, dann wird der Soli wieder nicht abgeschafft. […] Na, na, na, da will doch nicht jemand die Steuern erhöhen? Doch, will. Das ganze Rumgemurkse mit Maut und Soli ist doch nichts anderes, als um wirklich jeden Preis das Igittibäh-Wort Steuererhöhungen zu umgehen. Mit dem Zusatz, dass die Mauthöhe für die Zukunft nicht mit der Kfz-Steuer verrechnet wird, gibt es ein neues tolles Instrument, das Wort Steuererhöhungen zu umgehen. […]

Montag, 1. Dezember 2014

Impudenz des Monats November 2014.



Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Und zur Impudenz des Monats küre ich hiermit die deutsche und europäische Indolenz gegenüber Flüchtlingen.

Das UNHCR, die „UN Refugee Agency“, agiert nicht im Verborgenen. Das ungeheuerliche Ausmaß des Flüchtlingselends ist durchaus in den Medien präsent.

Die UNHCR Hilfsprogramme werden hauptsächlich durch freiwillige Beiträge von Regierungen, dem UN-Nothilfefonds CERF aber auch von Stiftungen und Privatpersonen finanziert. UNHCR ist weltweit in 120 Ländern tätig und arbeitet dabei mit UN-Partnern, Regierungsorganisationen und Nichtregierungsorganisationen zusammen. […]   Derzeit befinden sich weltweit fast 51,2 Millionen Menschen auf der Flucht. 16,7 Millionen von ihnen gelten nach völkerrechtlicher Definition als Flüchtlinge. Neun von zehn Flüchtlingen (86 Prozent) leben in Entwicklungsländern, da die meisten Flüchtlinge lediglich in ein angrenzendes Nachbarland fliehen.
Den weit größeren Teil – 33,3 Millionen – bilden jedoch sogenannte Binnenvertriebene (Internally Displaced Persons – IDP). Sie fliehen innerhalb ihres eigenen Landes, ohne dabei internationale Landesgrenzen zu überschreiten.


Während man in Deutschland gemütlich auf Weihnachtsmärkten mit Glühwein schunkelt und Zimtsterne frisst, verelenden, hungern und frieren Millionen.
(Samstag gesehen bei Butter-Lindner Hamburg-Winterhude: ZWEI ZIMTSTERNE für sieben Euro!, 20 Dominosteine für 32 Euro)
Natürlich hilft es keinem darbenden Kleinkind mit Blähbauch im Kongo, wenn wir uns einen Glühwein weniger leisten oder griesgrämig die Weihnachtsmärkte umgehen.
Aber gerade das Geprasse zu Weihnachten macht deutlich, daß es der westlichen Welt ein leichtes wäre, genügend Mittel bereit zu stellen, damit wenigstens nicht die Menschen anderswo elend verhungern.

Ich grusele mich dabei zu lesen um welch vergleichsweise geringe Summen das UNHCR kämpfen muß.
Rund um das IS-Gebiet steht eine gigantische humanitäre Katastrophe bevor, weil viele Millionen Menschen völlig ohne irgendwelche Hilfsgüter, ohne Schuhe, ohne Decken Minus-Temperaturen trotzen müssen. Um die Menschen zu versorgen fehlen lumpige 50 Millionen Euro. Das ist gerade mal ein Drittel der Summe, die Sylvester in Deutschland für Böller ausgegeben wird.

Angesichts der Kürze der Zeit und der fallenden Temperaturen müssten die Hilfsgüter unverzüglich zu den am meisten betroffenen Menschen gebracht werden, so  UNHCR-Regionaldirektor Amin Awad.
Nach neuesten Schätzungen mussten seit Januar zwei Millionen Menschen ihre Heimatregion  verlassen. Mehr als 60.000 leben in einem von insgesamt acht Camps. Zudem befinden sich weitere Camps im Aufbau, die 300.000 weitere Menschen aufnehmen können. Momentan leben rund 700.000 Menschen in unfertigen oder verlassenen Gebäuden, Schulen, religiösen Zentren oder sogar in Parks.
UNHCR, die irakische Zentralregierung, die Regionalregierung der kurdischen Gebiete sowie dutzende Hilfsorganisationen versuchen, sichere und warme Unterkünfte für die Flüchtlinge und Vertriebenen bereitzustellen. Die Herausforderungen sind jedoch riesig. Für jene, die nicht in ein Camp ziehen können und ohne entsprechende Unterkunft sindt, versucht UNHCR zusammen mit anderen Organisationen zusätzliche Lösungen für den Winter zu finden.
Die finanziellen Mittel reichen jedoch weiterhin nicht aus. Bislang hat UNHCR erst weniger als die Hälfte der benötigten 110 Millionen Dollar für den Winterschutz erhalten. 15.000 weitere Kälteschutzsets werden benötigt, um die geplanten 40.000 Familien zu versorgen. 

Nur zum Vergleich: Die FAS berichtete gestern, daß Frau von der Leyen nun alle Flugbeschränkungen des Hubschraubers NH90 aufhob, obwohl viele Piloten der Bundeswehr an der Zuverlässigkeit zweifeln, nachdem einige von den Dingern fast abgestürzt sind.
Der Kriegsministerin ist das egal und so verkündete sie insgesamt 190 Hubschrauber der Typen NH90 und Tiger für 8,5 Milliarden Euro zu bestellen.

(Mal kurz rechnen:
8,5 Milliarden Euro = 8500 Millionen Euro = 10.599 Millionen Dollar.
10.599 Millionen Dollar : 50 Mio Dollar = 212.
212 mal die Summe, die es benötigt, um Millionen Hungernde und Frierende durch den Winter zu bringen, haut von der Leyen für Rumpelhubschrauber raus, welche die Bundeswehrpiloten gar nicht fliegen wollen.)

Flüchtlingshelfer beschreiben dramatische Umstände, unter denen syrische Vertriebene im Libanon, in Jordanien, der Türkei und im Nordirak leben: Kinder, die barfuß durch knöcheltiefen Schlamm laufen. Familien, die in kargen, kalten Rohbauten leben. Männer und Frauen, die keine Decken, keine wärmende Kleidung besitzen. Auf der Flucht vor Tod und Zerstörung haben viele bereits großes Leid erfahren. Und nun steht das nächste Problem bevor: der Winter. […]
In den vergangenen Jahren war dieser noch relativ mild, nun erwarten Meteorologen und Flüchtlingshelfer deutlich härtere Witterungen. "Die Temperaturen werden hier bald unter null Grad fallen, dann wird es schneien", sagt Susanne Carl von der Hilfsorganisation Humedica, die im Libanon stationiert ist. Für manche Regionen werden sogar minus 16 Grad erwartet.  Mehr als drei Millionen Menschen sind vor Bürgerkrieg und Terror des "Islamischen Staats" in die Nachbarstaaten Syriens geflohen. […]  Susanne Carl von Humedica ergänzt: "Öl, Gas, Decken und Winterkleidung, Schuhe - es fehlt an allen Ecken und Enden. Die Lage ist katastrophal."

Vor allem fehlt Geld: Das Flüchtlingswerk schätzt, dass es eine Finanzierungslücke von 58 Millionen US-Dollar gibt - trotz bereits investierter 154 Millionen US-Dollar. […] Die Hilfe für die Flüchtlinge muss schnell erfolgen, sonst könnte es womöglich zu der von Entwicklungsminister Gerd Müller auf der Flüchtlingskonferenz in Berlin Ende Oktober prophezeiten "Jahrhundertkatastrophe" kommen. Auch UNHCR-Regionaldirektor Amin Awad drängt: "Die Zeit wird knapp." […]

Und mit einem einzigen Hubschrauber weniger für die Bundeswehr wäre das Problem behoben.
Die Deutschen mögen aber keine Ausländer und verweigern sich der ökonomischen Erkenntnis, wie dringend sie in Deutschland gebraucht werden und wie segensreich ihr Wirken hier ist.
Humanitären oder ethischen Überlegungen verschließt man sich zwischen Flensburg und Bodensee erst recht.

Kaum steigt die Zahl der Flüchtlinge, zeigt der hässliche Deutsche wieder seine ausländerfeindliche Fratze.
[…] Im beschaulichen Kneippkurort Bad Schandau haben empörte Deutsche am Ortseingang ein Schild aufgestellt: "Bitte flüchten Sie weiter, es gibt hier nichts zu wohnen!" Das ist Sachsen, Ostdeutschland. In Dresden demonstrieren die Menschen jetzt immer montags - ausgerechnet - gegen Ausländer. Motto: "Patriotische Europäer gegen Islamisierung des Abendlandes." Inzwischen sind es ein paar Tausend, die kommen.
Der CDU-Innenminister Markus Ulbig sagt: "Ich denke, man kann bei dieser Konstellation nicht pauschal gegen Demonstranten sein, die ihre Meinung sagen." Er hat so viel Verständnis für deutsche Vorurteile, dass er seine Polizei sogar angewiesen hat, spezielle Einheiten einzurichten, die ausdrücklich für straffällige Asylbewerber zuständig sind.
So sieht es nicht nur in der ostdeutschen Provinz aus. Egal ob die Flüchtlinge im vornehmen Hamburg-Harvestehude untergebracht werden sollen oder im ärmlichen Berlin-Marzahn: Die Deutschen formieren sich zum Widerstand.
Plötzlich sieht man: Das liebenswürdige Volk, das die Deutschen beim fröhlichen Fußballgucken so gern der Welt zeigen, kann immer noch ganz anders. Eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung hat gerade festgestellt, dass fast die Hälfte der Deutschen eine schlechte Meinung von Asylsuchenden hat und der Ansicht ist, dass Asylbewerber ihre Notlage nur vortäuschen, um Leistungen in Deutschland zu erschleichen. Und wenn ein Asylbewerberheim in ein altes Hotel am See einziehen soll, wie im schönen Bautzen, dann wählen gleich 15 Prozent der Leute die AfD und elf Prozent die NPD.
[…] Springers "Welt", einst Fachblatt für Vertriebene, heute Fanzine der neuen Rechten, schreibt, dass Europa schon "mit seinen hausgemachten Problemen nicht fertig" werde, der Euro sich seiner Belastungsgrenze nähere, die Wirtschaftsleistung sinke und die sozialen Spannungen zunähmen. Zynische Schlussfolgerung: "Das Problem der Flüchtlinge sollte dort gelöst werden, wo es generiert wurde - nach dem Verursacherprinzip." […]

In Deutschland blühen Antisemitismus und Xenophobie. Asylunterkünfte werden angegriffen, Flüchtlingsheime bekämpft, Migranten dutzendfach ermordet.
Man ist aber nicht überrascht. Spätestens seit dem Jubel über Deutschlands Vereinigung 1989/90 kennt jeder die Bilder von den brennenden Asylbewerberheimen von Rostock und Hoyerswerda.

[…]Helmut Kohl argumentiert […] Gorbatschow habe den Mauerfall bewirkt, nicht kettenrauchende Bürgerrechtler. Wer sich an die Namen Reagan und Gorbatschow hält (und David „Looking for Freedom“ Hasselhoff würde hier vermutlich noch seinen eigenen einfügen), der muss den Mantel der Geschichte nicht mit Bärbel Bohley oder Zonen-Gaby teilen. Ein bisschen undankbar ist das zumindest letzterer gegenüber, denn die hat ihn, Kohl, immerhin dann noch neun lange Jahre an der Macht gehalten.
[…] Und seit wann war Zonen-Gaby überhaupt in der Welt, so als Synonym für den Jeansjacken-Trottel aus dem Osten, der nach Bananen geifert und Gurken angedreht bekommt.
[…] Denn dies ist der Moment, in dem der hoch und freiheitlich gesonnene Bürgerrechtler praktisch bis zur Präsidentenwahl Joachim Gaucks seitlich von der Bühne tritt und dem hässlichen Jammer-Ossi Platz macht, der nicht mit Messer und Gabel essen kann (Kohl über Merkel) und dem Land, das sich schon fast selbst für Frankreich oder wenigstens Italien hielt, einen deutschtümelnden Rechtsruck beschert, der ihm bis heute in den Knochen steckt. Aus den Ostdeutschen, die mit Kerzen in der Hand eine Staatsmacht über den Haufen rennen, werden Ossis, die mit Knüppeln in der Hand vor den Asylbewerberheimen aufmarschieren.
[…] Man würde auf der anderen Seite aber auch noch einmal betrachten können, wie nach dem Mauerfall die Neonazikader zum Aufbau der Strukturen aus Westdeutschland eingependelt kamen wie sonst nur die Leihbeamten und die Herren von der Treuhand. Es würden auch, nur zum Beispiel, noch einmal die Plakate auftauchen, auf denen CDU-Wähler im niedersächsischen Landtagswahlkampf von Helmut Kohl fordern, dass als Nächstes auch die Oder-Neiße-Grenze fällt. Man könnte die Ängste vor dem Rechtsruck noch einmal besichtigen, die Ängste in der DDR vor dem Rechtsruck aus dem Westen. […]

Und nein, natürlich sind nicht nur die Deutschen so unfreundlich indolent angesichts des Flüchtlingselends.
Der Vatikan, als der Staat mit dem höchsten Prokopf-Einkommen der Welt nimmt keinen einzigen Flüchtling auf.

Der Vatikan bietet kein Asyl
Dabei nimmt der Vatikan selbst keine Einwanderer auf.
[…] Papst Franziskus verlangt Solidarität mit Flüchtlingen. Im Europäischen Parlament mahnte er diese Woche, das Mittelmeer dürfe „nicht zu einem großen Friedhof werden“; die Männer und Frauen, die täglich auf Kähnen an Europas Küsten landeten, brauchten „Aufnahme und Hilfe“. […]  Doch gibt es nur einen Staat in Europa, der bisher keinen einzigen Flüchtling aufgenommen hat: den Vatikan selbst. Er hat weder ein Asylrecht noch eine Anlaufstelle für Asylsuchende. Geschweige denn ein Flüchtlingsheim.
[…] Pater Gabriele Bentoglio ist Untersekretär im päpstlichen Rat für die Migranten. Er sagt, seine Aufgabe bestehe nicht darin, Flüchtlingen direkt im Vatikan zu helfen. […] Zur Zeit des „Dritten Reichs“ fanden Hunderte bedrängte Menschen dank der Kirche in Rom Schutz. […] Der deutsche Campo Santo, der Friedhof und die Gebäude der Bruderschaft, wo zu jener Zeit der irische Priester Hugh O’Flaherty viele Flüchtlinge verbergen konnte, liege zwar im Schatten von Sankt Peter, sei aber exterritorial.
Ein solches exterritoriales Gebiet des Vatikans am Stadtrand von Rom ist auch Sankt Paul vor den Mauern. Dort beantragten im Frühling 2011 ein paar Dutzend obdachlose Roma Asyl. Der Vatikan wies sie zurück. […]