Samstag, 7. Mai 2016

Stolz empfinden.

Viele Mitglieder der „großen“ Parteien sind genau wie bei den Kirchen im Grunde genommen nur noch Karteileichen.
Man bleibt in dem Verein, weil man zu phlegmatisch ist auszutreten, weil man aus jahrzehntelanger Praxis Treue gelernt hat oder aber weil man, wie in meinem Fall seine Partei immer noch klar als das kleinste Übel identifiziert.

Schöner wäre es natürlich, wenn man gerne, mit voller Überzeugung, oder gar mit Stolz für seinen Verein einträte.

Weil mir persönlicher Stolz so wesensfremd ist, habe ich womöglich ein Bedürfnis die Leistungen eines Assoziierten wohlwollend anzuerkennen; wenn ein Freund etwas Besonderes geleistet hat zum Beispiel.
Seine eigenen Taten innerlich zu bejubeln, kommt mir hingegen falsch vor. Das ist Masturbation vor dem Spiegel.
Und schon gar nicht gelingt es mir stolz auf etwas zu sein, das rein zufällig existiert.

Vorhin grübelte ich wie eigentlich das Antonym zu „Patriotismus“ lautet.
Ich bin nämlich so gar kein Patriot und kann für patriotische oder gar nationale Gefühle (gegenüber Deutschland ODER Amerika) einfach kein Verständnis aufbringen.
Auch das Wort „Stolz“ liegt mir nicht. Insbesondere könnte ich keinen Stolz auf eine Nation empfinden, da ich Stolz immer mit einer eigenen Leistung verbinde.
Was aber ist weniger ein eigener Verdienst als der Zufall wo man geboren wurde?
Wie nennt man aber nun Menschen, die keine Patrioten sind?
Im Zweifelsfall googlen. Eine Internetsuche spuckt folgende Begriffe aus:

Vaterlandsverräter, Fahnenflucht, Verrat, Unzufriedenheit, Untreue, Falschheit, Wankelmut, Unbeständigkeit, Perfidie, Nestbeschmutzer, „Jemand der sich ganz schnell verpissen sollte. Er mag sein Land nämlich nicht“, Landesverräter, Idiot, Zecke,..

Nun bin ich noch unpatriotischer, nachdem ich sehe welche Konnotationen aktiviert  werden, wenn man Menschen nach dem Gegenteil von Patriotismus fragt.
Das Abstoßende am Patriotismus ist also nicht nur das penetrante Sich-mit-fremden-Federn-schmücken, sondern die mehr oder weniger latent damit einhergehende Abwertung anderer Nationen, bzw der Nicht-Patrioten im eigenen Land.
Es stimmt eben, daß die Grenzen vom Patriotismus zum Nationalismus fließend sind und Letzterer ist einer der destruktivsten Ismen, den die Menschheit hervorgebracht hat.

Immer wenn die Patriotismuskarte gespielt wird, folgt etwas Ekelhaftes. (…….)

Es kommt selten vor, aber als Parteimitglied kann man durchaus stolze Momente erleben.
Es war ein erhabenes Gefühl Willy Brandt in Warschau auf die Knie fallen zu sehen, ihn den Friedensnobelpreis empfangen zu sehen, oder Egon Bahr die fanatische Feindschaft zu den Ostblockstaaten aufbrechen zu lassen.
Groß war auch der Moment als 1993 die SPD-Finanzexpertin Heide Simonis zur ersten Ministerpräsidentin in Deutschland gewählt wurde. Bis dahin der klassische Männerjob, den nur Landesväter übernahmen.

Stolze Momente gab es für mich selbstverständlich auch in der Kanzlerschaft Gerhard Schröders. Daß er überhaupt nach 16 endlosen Jahren Helmut Kohl aus dem Amt jagte, daß er sich endlich der Zwangsarbeiterentschädigung annahm, die erste Form der Homoehe gegen den erbitterten Widerstand Merkels einführte und insbesondere seine klare Opposition zum Irakkrieg George W. Bushs.
Begeistert war ich zudem davon wie enge Bande er zu Paris und Moskau knüpfte und so eine mächtige Triangel mit zwei UN-Vetomächten gegen die Kriegstreiber GB/USA schuf.
Großartige Politik!

Ein weltgeschichtliches Highlight war natürlich auch der deutsche Vizekanzler der Jahre 2002/2003. Ja, auch da empfand ich wohl eine Art Stolz, Fischer dabei zu beobachten, wie er in der Weltpolitik bella figura machte.

Während die CDU-Chefin schleimspurziehend auf den Knien nach Washington rutschte und mit ihrem bellizistischen Beraterling Friedberg Pflüger erklärte, daß Deutschland unter ihrer Führung an GWBs Seite in den Irak zöge, verkündete der ebenfalls Irakkriegsbegeisterte Wolfgang Schäuble, daß selbst ein Schröder es nicht wagen könne Deutschland so total zu isolieren, um an Ende im UN-Sicherheitsrat allein mit Syrien gegen 13 andere Nationen zu stehen.
Was für eine Fehleinschätzung.
In den Monaten vor dem März 2003 verließ Joschka Fischer kaum noch den Regierungsairbus und klapperte alle anderen 14 Mitgliedsstaaten des UN Security Councils ab. Er versuchte alles, drohte, warnte, lockte.

Die christlichste aller christlichen Regierungen im Weißen Haus, weigerte sich mit der gewählten deutschen Regierung zu sprechen und empfing stattdessen Angela Merkel und Roland Koch als ihre wahren Freunde.

Schäuble und andere CDU-Außenpolitiker wie Pflüger haben sich bis heute nicht davon distanziert, daß sie das US-Junktim an Saddam – entweder du rückst die Massenvernichtungswaffen raus, oder es gibt Krieg – unterstützten!
Das war mal eine tolle Alternative für jemanden, der schlicht und ergreifend die Wahrheit sagte, daß er nämlich keine Massenvernichtungswaffen hatte!
(„Nun kann sich ein Mann wie Schäuble wohl nicht vorstellen, daß auch mal jemand die Wahrheit sagt“ – Volker Pispers)

Zur Wehrkundetagung in München Januar 2003 kursierte ein George W. Bush-Unterstützerbrief der zehn europäischen USA-Unterstützer, als Außenminister Fischer Donald Rumsfeld entgegen schleuderte „Excuse me Sir I am not convinced“.

Da bebte sie wieder, die in einen Hosenanzug gezwängte uckermärkische Empörung.

Merkel, Christian Schmidt und Pflüger, die ebenfalls im Auditorium anwesend waren, erhoben sich und schleimten Rumsfeld mit Tränen in den Augen an, daß Deutschland selbstverständlich die USA militärisch unterstützen würde, wenn die CDU die Wahl (2002) gewonnen hätte.
(Ich habe die Übertragung auf Phoenix damals live gesehen).

Fischers Erfolg war erstaunlich, denn er zog nicht nur die beiden Vetoländer Russland und Frankreich auf die deutsche Seite, sondern betrieb mit Dominique de Villepin und  Igor Iwanow sogar de facto den Hauptwiderstand gegen Washington.
Sie setzten Amerika mit Memoranden so stark unter Druck, daß Merkels und Schäubles Voraussagen gegenstandslos wurden und GWB schließlich eine geballte Mehrheit der Welt gegenüberstand.
Washington versuchte alles, ging sogar so weit, daß Amerika zu einer der größten Blamagen aller Zeiten hingerissen wurde.
Unter dem persönlichen Vorsitz Joschka Fischers, trat der US-Außenminister Powell am 05.02.2003 im Sicherheitsrat auf und bereitete seiner Nation eine kaum wieder gut zu machende Schmach, indem er log, daß sich die Balken bogen.

Nach sieben Jahren Sigmar Gabriel lechze ich quasi nach einem kleinen Anflug des Stolzes.
Aber die Chancen so etwas zu erleben stehen derzeit schlecht.

Es ist sogar noch schlimmer; immer wieder habe ich Grund mich für Nahles, Gabriel, Oppermann und Co zu schämen.

Oh Darwin, war das peinlich, wie Gabriel in der vorletzten Heute-Show vorgeführt wurde. Thema Subventionen für die steinreiche Automobilindustrie.
Es handelte sich dabei nur um einen Ausschnitt aus seiner PK, in dem er gefragt wurde, was er eigentlich einer Erzieherin, die 2000 Euro brutto verdiene, sage, mit deren Steuergeldern nun der Kauf von 60.000-Euro-Autos mitfinanziert würde.
Gabriel pampte, diese Erzieherin könne mit einem Mann verheiratet sein, der bei einem Autozulieferer wie Bosch arbeite.

Der Mann redet viel, muß viel reden, da kann man nicht alles auf die Goldwaage legen, aber inzwischen ist sein Image so ruiniert, daß sich niemand mehr über so einen Satz wundert.

Stolz auf meine Partei wäre ich vor allem, wenn sie in der Flüchtlingsdebatte klar Position gegen AfD und die C-Parteien bezöge.

Aber auch da habe ich nichts zu erwarten.

Es geht genau in die andere Richtung.

Seit 2008 hat Hamburg keine Afghanen abgeschoben: Eine „Senatorenregelung“ des damaligen Innensenators Christoph Ahlhaus (CDU) gewährte ihnen pauschalen Schutz. Jetzt hat Innensenator Andy Grote (SPD) diese Sonderregel aufgehoben. [….]

Die Bundesregierung, der immerhin ein Sozi-Vizekanzler und ein Sozi-Außenminister angehören, arbeitet zur Menschenabwehr mit Terror- und Folterregimen zusammen.

Und vollends zynisch wird die GroKo im Umgang mit dem zerstörten Talibanland Afghanistan, das auch unter Mithilfe der deutschen Bundeswehr ruiniert wurde.

So sieht sie aus, die deutsche Flüchtlingspolitik. Ist ja auch praktisch, Fluchtursachen müssen so nicht mehr bekämpft werden, sondern werden einfach wegdefiniert, und das selbst in Afghanistan. Ein Land, in dem der Bürgerkrieg schlimmer tobt als je zuvor. Aber was soll’s, Afghanistan sei sicher, sagt der Bundesinnenminister; na gut, vielleicht nicht überall; aber irgendwohin wird man die Flüchtlinge ja schon schicken können.

Da kann mal als SPD-Mitglied froh sein sich nicht zu übergeben.
Aber das Wort „Stolz“ kann aus dem Wortschatz gestrichen werden.


Freitag, 6. Mai 2016

Präsidentschaftswahlen und mehr

Eine Prognose des Wahlausganges der US-Wahl im November ist heute nicht seriös zu geben.
Natürlich, Donald Trump hat nicht die geringste politische Erfahrung und bereits so viel Porzellan zerschlagen, daß eine messbare Anzahl Republikaner Wahlenthaltung praktizieren wird. Einige kündigen sogar an für Hillary Clinton zu stimmen.
Das muß man erst mal schaffen, denn die parteipolitschen Fronten sind in Amerika derart verhärtet, daß der anderen Seite gegenüber nur blanker Hass herrscht.
Das alte Checks-and-balances-System wurde von obstruction-and-filibister ersetzt.
Erst das Land, dann die Partei – das war einmal.
Als Newt Gingrich als House-Speaker die gesamte Nation blockierte, weil er in seinem blinden Hass auf Bill Clinton lieber allen Amerikanern schaden wollte, als dem Präsidenten auch nur ein Krümelchen Erfolg zu gönnen, wurde er noch von den Wählern abgestraft.
Amerikaner nahmen es dem Ober-GOPer durchaus übel, daß er ihr Land schlecht redete und aus parteipolitischen Gründen schweren ökonomischen Schaden in Kauf nahm.

Heute befinden sich zumindest die Republikaner im Endzeitmodus.
Es ist, als wäre die Zombiapokalypse schon längst ausgebrochen. Anstand, Regeln, Formalien spielen keine Rolle mehr.
Es geht nur noch darum die anderen möglichst hart zu schlagen – auch wenn es bedeutet das Atomfeuer auf die eigene Position zu lenken.
Politische Programmatik bedeutet nicht mehr konzeptionelles Denken, Pläne entwickeln, zum allgemeinen Fortschritt beitragen.
Es zählt nur noch den Gegner zu vernichten.
Alle republikanischen Präsidentschaftskandidaten, inklusive Donald Trump versuchten sich gegenseitig damit zu überbieten wie radikal und wie schnell sie alles von Obama Erreichte „am ersten Tag im Amt“ abschaffen würden.
Den Vertrag mit dem Iran, die allgemeine Krankenversicherung, die Homoehe, die umweltschützenden Entscheidungen, „abolish the IRS“, die diplomatischen Beziehungen zu Cuba, einfach alles.
Die von den rechtsextremen den Talkern Sean Hannity, Glenn Beck, Bill O'Reilly, Rush Limbaugh und Co aufgehetzten GOPer verlangen offenbar nach nicht weniger als der vollständigen Tilgung der Obama-Präsidentschaft aus den Geschichtsbüchern.

Sarah Palin, dümmste Vizepräsidentschaftskandidatin aller Zeiten und heutiger Star der Teaparty markierte auf ihrer Website Obamacare-Unterstützer mit Zielfernrohren, gab sie virtuell zu Abschuss frei.



Als am 08. Januar 2011 die liberale Kongressabgeordnete Gabrielle „Gabby“ Giffords Opfer eines Attentats wurde, schadete das Palin noch nicht mal. Im Gegenteil. Sie wurde mit eigenen TV-Sendungen bedacht und Donald Trump rühmt sich in jeder Rede von Sarah Palin endorsed worden zu sein.

Es fällt mir wirklich extrem schwer mir vorzustellen, daß es 2020 schlimmer als Cruz und Trump kommen könnte.
Aber die Erfahrung lehrt, daß der totale Tiefpunkt kontinuierlich weiter unterschritten wird.

Allerdings brachte es Donald Trump fertig seine eigene Partei so zu vergiften, daß er nicht 100% unterstützt wird, obwohl er der einzige Kandidat ist und es gegen die verhassten Demokraten und die noch verhasstere Hillary Clinton geht.

Selbst für GOPer Verhältnisse hatte Trump besonders schmutzig agiert.
Cruz und andere sind so wütend auf ihn, daß sie bisher nicht in der Lage sind sich zusammenzureißen und sich der Parteiraison unterzuordnen.


Wer rausgeht, muß auch wieder reinkommen, pflegte Herbert Wehner zu sagen.
Ich wage es nach derzeitigem Wissensstand aber zu bezweifeln, ob die durchaus einflussreichen GOP-Größen Bush, Bush, Bush, Romney und Cruz wieder von ihren Palmen runterklettern, um für Trump zu werben.

Allerdings nehme ich an, eine Majorität der Republikaner wird die Zweifel an Trump ihrem Demokratenhass und dem Opportunismus unterordnen.
Chris Christi wünscht sich einen schönen Posten in der US-Regierung.

Wer aber nicht unmittelbar von einer Trump-Präsidentschaft zu profitieren gedenkt, wird sich vorstellen, daß nach einer krachenden GOP-Niederlage tabula rasa angesagt sein wird und dann die glühenden Trump-Fans chancenlos sein werden.

Schließlich gibt es auch noch andere wahltaktische Überlegungen als die Präsidentschaftswahlen, denn es werden diesen Herbst auch Gouverneure, ein Drittel der US-Senatoren und sämtliche Kongressabgeordneten neu bestimmt.

Manch einem, der ohnehin nicht für einen Posten im Weißen Haus in Frage kommt, mag da die Jacke näher als die Hose sein.
Paul Ryan ist als House-Sprecher formell der drittmächtigste Mann der Vereinigten Staaten  - nach Präsident und Vizepräsident.
Ein schöner Posten, der aber auch schnell wieder weg sein könnte, wenn im Trump-Strudel dessen Unterstützer an der Wahlurne gleich mit abgestraft werden sollten.

Da will man sich nicht unbedingt die Finger schmutzig machen!

Trump spaltet die Republikaner bis zur Spitze
[….] Paul Ryan, der Speaker des Repräsentantenhauses und damit höchstrangige Republikaner im Land, erklärte am Donnerstag, er sei "noch nicht bereit", sich für Trump auszusprechen. [….] Es gilt in der jüngeren Geschichte als beispielloser Affront, dass ein designierter Kandidat für das Weiße Haus von einem Anführer seiner eigenen Partei derart zurückgewiesen wird.   "Wir möchten einen Bannerträger, der auch tatsächlich unser Banner trägt", sagte Ryan dem Sender CNN. "Die Konservativen möchten wissen: Teilt er unsere Werte und unsere Prinzipien über einen schlanken Staat, die beschränkte Rolle der Exekutive, die Treue zur Verfassung? Da gibt es viele Fragen, auf die Konservative eine Antwort erwarten."
[….] Trump, der immer besonders gereizt reagiert, wenn er angegriffen wird, antwortete auch auf den Affront Ryans mit einem Gegenangriff. Er sei "noch nicht bereit, die Agenda von Speaker Ryan zu unterstützen", erklärte er. [….] Manche Republikaner befürchten, dass Trump auch Abgeordnete und Senatoren in gemäßigten Wahlkreisen gefährden könnte. Dort könnten die Bürger am Wahltag nicht nur Trump ablehnen, sondern aus Protest gleich auch republikanische Kandidaten für den Kongress. Ryan möchte mit seiner Skepsis sicherstellen, dass Trump und seine Partei nicht zu schnell wie eine Einheit wirken.

Donnerstag, 5. Mai 2016

Neue Fromme



Zufällig stolperte ich heute  noch einmal über den Text „Männerherzen“, in dem sich der fromme Katholik Matthias Drobinski damit auseinandersetzt, inwieweit die etwa 50 homophoben Bibelverse heute noch Geltung hätten und unter welchen Voraussetzungen man aus christlicher Sicht Schwule und Lesben vielleicht eines Tages nicht mehr diskriminieren müsse.
Das ist natürlich im Grunde genommen Realsatire, wenn eine große seriöse überregionale Zeitung aus einem Märchenbuch zitiert, wenn es um fundamentale Menschenrechte geht.
Ja, die Kirche fußt auf Gottes Worten und somit Dogmen, die als für immer unabänderliche Lehrmeinungen definiert sind.

In der Welt der Religioten bedeutet „für immer unabänderliches Dogma“, daß man durchaus in ein paar Dekaden auch mal das Gegenteil dessen vertreten kann.
Die meisten Regeln aus dem Buch Leviticus sind wertlos.
Christen essen Schalentiere, lehnen die von Jesus verteidigte Sklaverei ab, stören sich an dem von Paulus definierten Judenhass, tragen Kleidung aus Mischgeweben und statt des radikalen Zinsverbotes, das Jesus forderte, besitzen die Kirchen jetzt selbst Banken.

Als Helmut Schmidt heiratete, wurden gemischtkonfessionelle Ehen noch mit augenblicklicher Exkommunikation bestraft.

Bis heute konnte sich der Vatikan nicht dazu aufraffen die massenmordenden europäischen Nazis zu exkommunizieren.

Anders als Hitler und die Nazis, verdammte Pius XII Hitlers Gegner mehr als deutlich. Beispielsweise in der Enzyklika „Divini Redemptoris“ (am 19. März 1937 veröffentlicht).

Die "acta apostolicae sedis", die Gesetzessammlung des Heiligen Stuhls vom Juni 1949 machte die Exkommunikation der Kommunisten und ihrer Anhänger aktenkundig und offiziell.

Die Weisung des Vatikans lautet: Kein Katholik kann Mitglied einer kommunistischen Partei sein oder sie begünstigen. Kein Katholik darf Bücher, Zeitungen oder Zeitschriften veröffentlichen, lesen oder verbreiten, in denen die kommunistische Doktrin verkündet wird. Jeder Katholik, der die materialistische und antichristliche Lehre des Kommunismus verkündet, sie verteidigt oder gar verbreitet, verfällt als Abtrünniger des katholischen Glaubens der Exkommunikation.
(DER SPIEGEL)

Der unfehlbare Papst definiert „kommunistische Erzsünder“ als Intellektuelle und KP-Propagandisten, die automatisch exkommuniziert sind.

Mitglieder der katholischen Kirche blieben hingegen Adolf Hitler, Heinrich Himmler, Reinhard Heydrich, Rudolf Hoess, Julius Streicher, Fritz Thyssen, Klaus Barbie, Leon Degrelle, Emil Hacha, Ante Pavelic, Konrad Henlein, Pierre Laval, Franco, Mussolini oder Josef Tiso.

Das ist die Realität der Heiligen Römisch-katholischen Kirche.
Die Befreier von Ausschwitz, die Rote Armee, wurden verdammt und exkommuniziert, aber der Lagerkommandant Rudolf Hoess, sowie der Megasadist Josef Mengele blieben Mitglieder der RKK.

Nach 1945 half der Vatikan den Massenmördern des Jüdischen Volkes der Justiz zu entkommen.

Adolf Eichmann, Alois Brunner, Dr. Josef Mengele, Franz Stangl (Kommandant der Vernichtungslager Sobibór und Treblinka), Gustav Wagner (Stangls Assistent), Klaus Barbie, Edward Roschmann („Der Schlächter von Riga“) und Aribert Heim (KZ Mauthausen) sind einige der Männer, die auf Veranlassung des Papstes durch Bischof Hudal mit Vatikanischen Papieren ausgestattet vor der alliierten Justiz nach Südamerika flüchteten.

Die überlebenden Juden, die sich nach Israel retten konnten, schätzte der Vatikan weit weniger.

Es dauerte bis 1993 - fast ein halbes Jahrhundert - bis sich der Vatikan dazu herab ließ auch nur diplomatische Beziehungen zu Jerusalem aufzunehmen.

Tatsächlich exkommuniziert wurde vom unfehlbaren Papst nur Joseph Goebbels. Der Vatikan störte sich aber nicht etwa an dessen Antisemitismus, der schwersten Kriegsverbrechen oder dem durch seine entscheidende Arbeit durchgeführten Genozid an den europäischen Juden.
Das sind aus biblischer Perspektive verzeihliche Sünden.
Schlimm war aber, daß er 1931 die Protestantin Magda Quandt heiratete. Gemischtkonfessionelle Ehe? Iih, das war dann doch zu viel für die RKK.
Nach den unabänderlichen kirchlichen Regeln hätte damals auch der Trauzeuge dieser teuflischen Verbindung exkommuniziert werden müssen.
Das war allerdings ein gewisser Adolf Hitler und an den traute sich Rom dann doch nicht heran.

Ich verstehe mich als „evolutionärer Humanist“ im Sinne der Schmidt-Salomonschen Definition. Wir sind nicht etwa die Krone der Schöpfung, sondern die Neandertaler von morgen.
Während wir Atheisten aber rund um die Uhr gegen die rabiate Unmenschlichkeit der Bibellehren kämpfen, setzen sich die Religioten irgendwann einfach selbst auf den Zug der Veränderung und behaupten einfach, das sei jetzt christliche Lehre.

Äußerst praktisch für die Christen, denn weil die gesellschaftlichen Veränderungen zwar stetig, aber doch langsam und ungleichzeitig stattfinden, können sie einerseits selbst von ihnen profitieren und andererseits gegen diese Veränderungen wettern.

Die politische Legende Willy Brandt wurde über Jahrzehnte von CDU und CSU wegen ihrer unehelichen Geburt attackiert. Brandt war ein „Kegel“ und mußte sich noch als Bundeskanzler mit Friedensnobelpreis als „dieser Frahm“ beschimpfen lassen.
Die Parteien mit dem „C“ in ihrem Namen instrumentalisierten noch 1998 und 2002 die Scheidungen Gerhard Schröders gegen ihn – „drei Ex-Ehefrauen können nicht irren“ – prangte auf JU-Plakaten.

Eine sehr ekelhafte, aber auch bigotte Politik, denn während man noch eheliche Untreue oder gar Scheidung bei Sozis als „bähbäh“ brandmarkte, ließen die amtierenden CDU-Ministerpräsidenten Wulff und Oettinger ihre Ehefrauen sitzen und nahmen sich eine deutliche jüngere Freundin.
Markus Söder, der 2016 bekundet täglich die Bibel zu hören, poppte genau wie sein Parteichef Seehofer außerehelich. Beide bekamen während ihrer Ehen Kinder von anderen Frauen.

Ähnlich halten es schwule CDU-Politiker wie Spahn oder von Beust, die gerne davon profitieren, daß ob der gesellschaftlichen Veränderungen Homosexuelle als modern und hip gelten, während sie aber einer Partei angehören, die Menschen wie ihnen nicht dieselben Rechte zugestehen will.

Aber das sind Erscheinungen der Übergangszeit.
Die RKK verliert mit ihren menschenfeindlichen Lehren an Zulauf. Sie wird Positionen wie das Scheidungsverbot und die Homodiskriminierung irgendwann aufgeben müssen.
In Europa steht sie auf verlorenem Posten.

Allerdings gibt es in Afrika und Südamerika neben der Abkehr vom Katholizismus großen Zulauf für Evangelikale und Pfingstkirchler.
Diese hassen Homosexuelle noch mehr und halten nichts von Armen. Ihre Gründer werden durchaus mal Milliardäre, weil sie ihre Anhänger noch viel effektiver ausbeuten, als es die RKK kann.
Die Südamerikanischen Evangelikalen agieren im Gegensatz zu RKK des 21. Jahrhunderts sogar ausdrücklich feindlich gegenüber der indigenen Bevölkerung.
Brasilien, das größte Katholische Land der Welt, driftet ab.
Schlimmer geht immer.

Beim letzten Zensus wurden 123 Millionen Katholiken im Land gezählt, aber auch 42 Millionen Evangelikale, darunter 27 Millionen Pfingstler. Das ist mit Abstand Weltrekord vor Nigeria und den USA. Laut dem nationalen Statistikinstitut hat Brasiliens katholische Kirche in diesem Jahrhundert 465 Gläubige verloren. Pro Tag. Die evangelikalen Kirchen gewinnen täglich 4383 hinzu. Vor allem unter jungen Menschen. Statistiker der Uni Rio haben errechnet, dass es von 2030 an wohl mehr Evangelikale als Katholiken geben wird. […..] Wahrscheinlich ist auch nur mit göttlichem Beistand zu erklären, dass der evangelikale Pastor Marco Feliciano zwischenzeitlich zum Chef der Menschenrechtskommission ernannt wurde. Feliciano ist wie Cunha ein entschiedener Kämpfer gegen Indigene, Schwule und Lesben.

Bizarr, wenn endlich die RKK nach Jahrhunderten der Großverbrechen in Südamerika schwächer wird, wenden sich die Linken und Armen und Geschundenen den noch übleren Religionen zu.

Einen ähnlich bizarren Twist gibt es in Deutschland.
Hier vögeln nun auch C-Politiker ungeniert fremd, outen sich als schwul und wenden sich den durch die Linken über die Jahrzehnte erkämpften Liberalsierungen zu, während Grüne und SPD immer religiöser werden.
Die SPD wird so sehr von Hardcore-Christen – Nahles, Thierse, Griese – dominiert, daß sogar die Gründung einer säkularen AG innerhalb der SPD verboten wurde.

Die Grünen sind personell ohnehin weitgehend deckungsgleich mit dem evangelischen Kirchentag.
Der größte Grüne Star, Winfried Kretschmann ist Mitglied im Zentralrat der Katholiken.
Alexander Bonde, 41, eine der Stützen des Kabinetts Kretschmann I, seit 2011 Landesminister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg, kann nicht weiter Karriere machen, weil…
….   (das glaubt einem kein Mensch…) …. der fromme evangelische, mit der CDU-Politikerin Conny Mayer-Bonde verheirate Vater dreier Kinder, mit einer anderen Frau, noch dazu einer Grünen, geschlafen haben soll.

Doch die Tinte unter dem Koalitionsvertrag ist noch nicht getrocknet, da nimmt schon der designierte Finanzminister seinen Hut. Der Grüne Alexander Bonde (41) - bisher Landwirtschaftsminister in Stuttgart - stolpert über ein angebliches Tête-à-Tête mit der Lokalpolitikerin Kerstin Lamparter. Die hatte in der vergangenen Woche bei Facebook von einer außerehelichen Beziehung mit dem Minister berichtet. Danach wurde der Druck auf Bonde offenbar so groß, dass er sich nun dazu genötigt sah, an gleicher Stelle seinen Amtsverzicht zu verkünden.
(RP 03.05.2016)

Für den religiösen Breisgauer im Kabinett des frommen Katholiken Kretschmann ist das ein Rücktrittsgrund.
Eine außereheliche Affäre! So ein unmoralischer Mann kann natürlich kein Minister sein!
Willkommen im Jahr 2016 bei den Grünen!

[…..] Hallo Grüne, geht's noch?
[…..] Aber symptomatisch ist es eben doch, dass im Zuge des neuen grünen Bürgerglücks nun so getan wird, als sei der behauptete außereheliche Sex unvereinbar mit politischer Verantwortung. Das ist nicht nur Unsinn, es ist bigott.
Ein Politiker muss weg, wenn er sich moralisch diskreditiert. […..] Es galt für Sebastian Edathy von der SPD, der sich Bilder nackter Jungs beschaffte. […..] Bonde aber soll einvernehmlich mit erwachsenen Frauen geschlafen haben. […..]Die Welt geht es nichts an.

Mittwoch, 4. Mai 2016

Bamf, borniert.

Es ist schon wieder so weit; ich muß den Uraltwitz auspacken:

Was habt ihr bloß alle gegen Beamte?
Die tun doch gar nichts.

Es widerstrebt mir zutiefst solche Klischees zu reiten, aber unglücklicherweise komme ich bei Behördenvertretern schlecht drum herum, wenn diese sich alle Mühe geben das Bild vom faulen und denkfaulen Beamten zu bestätigen.

Es gibt nicht ohne Grund eine ganze Satireindustrie, die sich an schwachsinnigen Behörden abarbeitet – man denke nur an die Extra3-Rubrik „Realer Irrsinn“, die sich seit Jahren ausschließlich mit Behördenpossen beschäftigt; eine wahnsinniger als die nächste. Stets scheinen die Amtspersonen nur damit beschäftigt zu sein möglichst widersinnig das Geld der Steuerzahler zu verprassen und dabei Otto Normalbürger zu drangsalieren.



Gestern Nachmittag erlebte ich in dem kleinen EDEKA hier um die Ecke, wie ein Peterwagen mit drei Polizisten anhielt, weil ein schwarzer Rangerover mit laufender Warnblinkanlage schräg auf dem Parkplatz an der Straße stand und ein Reifen auf dem Radweg ragte.
Der proppere Herr in schwarzen Leder, sowie seine zwei Domina-artigen Kolleginnen blieben mit Blaulicht auf der Straße stehen, blockierten damit nun endgültig den gesamten Verkehr, gingen mehrfach um das Auto herum, prüften TÜV-Plakette und Halter, bis sie schließlich zu dritt den Supermarkt enterten, sich umgekehrt durch den Kassenraum kämpften, um die Kassiererin beim Kassieren zu stoppen. Sie solle sofort die Marktleitung rufen.
Das kann durchaus beunruhigend wirken, wenn drei Bewaffnete zwischen den Laufbändern mit dem aufgereihten Toilettenfeuchtpapier und der Brunnenkresse für 99 Cent stehen. Alles stoppte.
Schließlich kam der Geschäftsführer angerast und gab der Begehr der Uniformierten nach, indem er „den Halter des Wagens mit dem Nummernschild PI-XX …“ ausrief und ihn unverzüglich zum Parkplatz bestellte.
Die Pinneberger Fahrerin war natürlich eine zierliche blonde schmuckbehangene Frau im Twinset, die zu ihrem Auto ging, einstieg, ein wenig rangierte, sich gerade hinstellte und dann den Einkauf fortsetzte.
Der Gerechtigkeit wurde zum Sieg verholfen.

Klar, es sollte einen freuen in einer Stadt zu wohnen, deren größte Probleme offensichtlich in schräg geparkten Autos bestehen.
Und ja, natürlich soll man nicht über Polizisten lästern; wenn man sie mal braucht, ist man froh, daß sie da sind.

Nicht so witzig ist es, wenn bei echten Problemen Behördenvertreter auf ihre Behördenhaftigkeit bestehen.

Thema Flüchtlinge.
Über 5.000 Lehrer fehlen für Integrationskurse.
Während die Bundesregierung mit Peitschen und Straf-Moral gegen Heimatvertriebene vorgeht, ihnen pauschal mangelnden Integrationswillen unterstellt, drängen sich diese in Wahrheit in die Deutschkurse, scheitern aber daran, daß de Maizière und seine Kollegen nach wie vor nicht in der Lage sind auch nur annähernd genug Kurse anzubieten.
Statt auf erfahrene Freiwillige zurück zu greifen, setzen Innenministerium und Bamf auf Schikane und Bürokratie. Es scheint, daß Integration weiterhin in de Maizières Haus mit allen Mitteln verhindert werden soll.

Hartwig Stork dachte, er könnte bei dieser großen Aufgabe helfen. Der ehemalige Oberst der Bundeswehr hat in seiner Dienstzeit viele Jahre im Ausland verbracht, unter anderem auch an der US-Militärakademie Westpoint. Dort brachte er US-Kadetten Deutsch bei, arbeitete als "assistant professor". Deshalb wollte er in seiner ostwestfälischen Heimat als Lehrer in Integrationskursen für Flüchtlinge arbeiten. Doch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) lässt ihn nicht. Nicht weil er es nicht kann, denn das hat man gar nicht überprüft. Stork habe kein Hochschulstudium oder einen sprachlichen Berufsabschluss und damit sei er nicht geeignet. [….] Die für Integration zuständige Abteilungsleitern im BAMF, Regina Jordan, begründet dieses Pochen auf dem Uni-Abschluss wie folgt: "Das Hochschulstudium vermittelt gewisse Grundqualifikationen, die ich als Lehrkraft in einem Integrationskurs einfach brauche: Abstraktionsfähigkeit und auch die Fähigkeit, sich Sachverhalte eigenständig zu erschließen".



Dienstag, 3. Mai 2016

All eyes on Indiana

Ted Cruz wäre schon sehr gern US-Präsident und somit mächtigster Mann der Welt, denn nur in dem Job kann er seine bahnbrechenden Erkenntnisse der Menschheit vermitteln.

Schusswaffen machen die Gesellschaft sicher.




Die Abschaffung der Krankenkassen macht Amerikaner gesünder.

Die Abschaffung der Bundessteuerbehörde IRS und radikale Steuersenkungen führen zu einem ausgeglichenen Haushalt.

According to the Tax Foundation, a nonpartisan think tank, Cruz's tax plan would cost the government $768 billion in revenue over 10 years, money that would be added to the national debt -- unless, as president, Cruz found a way to reduce government spending.

Es gibt keinen von Menschen verursachen Klimawandel.

Die Gay marriage-Entscheidung des Supreme Court sieht Cruz als eine Form der Tyrannei an.

He called last June’s legalization of same-sex marriage and laws regarding the rights of transgender people have led to a “time of crisis” in the United States. He said the Supreme Court ruling that essentially overturned state bans on marriage equality is “illegitimate” and the “very definition of tyranny.” Cruz also blasted President Obama after the White House was lit up in the colours of the rainbow pride flag following the ruling.

Den Nahen Osten befriedet man durch einen radikal anti-iranischen Kurs und Flächenbombardements bis der Sand glüht!

In early December, Sen. Ted Cruz, R-Texas, began saying that his military approach to ISIS would be "carpet bombing." He said during a speech in Iowa on Dec. 5 that "we will utterly destroy ISIS. We will carpet bomb them into oblivion. I don't know if sand can glow in the dark, but we're going to find out."

Trotz dieser wunderbaren Erkenntnisse Cruz’ konnte er bisher nur 572 Delegiertenstimmen einsammeln, während Kollege Trump bereits 1002 Stimmen auf sich vereinte.

Die magische Anzahl von 1237 Delegierten, die ausreicht, um sicher als Präsidentschaftskandidat nominiert zu werden, befindet sich also in greifbarer Nähe für den Irren aus New York.

Die meisten verbleibenden Delegierten gibt es für die GOP-Kandidaten am 07.06., dem letzten Vorwahltag zu gewinnen: 172 in Kalifornien und 51 in New Jersey.
Beides sind ganz schlechte  Staaten für Cruz; Kalifornien gilt als liberal und New Jersey ist Trumps Hinterhof.

Die einzige Möglichkeit für Cruz noch einmal richtig aufzuholen bildet die heutige republikanische Vorwahl im Bundesstaat Indiana; dort werden 57 Stimmen vergeben.

Der radikalrechte Texaner ist so verzweifelt, daß er sein gesamtes Pulver für Indiana verschoss.

1.   Er bildete eine Wahlallianz mit Kasich, der heute nicht antritt, um die Anti-Trump-Stimmen bei Cruz zu sammeln.

2.   Er zog überraschend jetzt schon, also lange vor einer Nominierung seine Vizekandidatin Fiorina aus der Tasche. Ein Manöver, welches man sich üblicherweise für die general elections aufhebt.



Etwas unglücklich verliefen allerdings die ersten gemeinsamen Auftritte der beiden ultrakonservativen Lügner.
Erst wußten sie nicht wie man sich an den Händen hält und kurz darauf wirkte Fiorina so als würde sie vor Entsetzen in Ohnmacht fallen, als Heidi Cruz plötzlich vor ihr stand.


3.   In einem letzten Akt der Verzweiflung wollte sich Cruz gestern als harter Mann präsentieren und marschierte überraschend mitten in eine Trump-Fan-Crowd, um sie mit “hard talk” zu konfrontieren.   Auch das ging natürlich schief. Kein Trump-Fan ließ sich locken; im Gegenteil, sie nannten ihn wie ihr Idol „lyin‘ Ted.“

Trump selbst glaubt, daß er heute Cruz endgültig erledigen kann.
Um noch einmal klar zu stellen, welch miesen Stil GOPer pflegen, brachte er Rafael Cruz, den Vater seines Erzrivalen, in Zusammenhang mit dem Kennedy-Mord.

Trump übernahm in einem Telefoninterview des Senders Fox News die Darstellung des "Enquirer", Rafael Cruz sei kurz vor dem Mord an Kennedy mit dem Attentäter Lee Harvey Oswald zusammen gewesen. Dem Blatt zufolge zeigt ihn ein Bild mit Oswald beim Verteilen von Pro-Fidel-Castro-Flugblättern in New Orleans im Jahr 1963 - ein paar Monate vor Kennedys Ermordung in Dallas. "Was hatte er mit Lee Harvey Oswald zu schaffen, kurz vor dem Tod?" fragte Trump. "Es ist schrecklich."

Cruz Senior, ein regelrechter Hassfanatiker und Extremist, der schon zu Morden an Schwulen aufrief, wurde sofort von seinem Söhnchen Ted ("Er ist der leibhaftige Teufel; erbärmlichere Hurensohn“ - John Boehner) in Schutz genommen.

Republican presidential hopeful Ted Cruz lashed out at rival candidate Donald Trump on the day of Indiana's primary on Tuesday, calling him a pathological liar, narcissist and bully after the front-runner linked Cruz's father to John F. Kennedy's assassin.
"I'm going to tell you what I really think of Donald Trump. This man is a pathological liar. He doesn't know the difference between truth and lies," Cruz told reporters in a scathing indictment.
"He lies practically every word that comes out of his mouth. And...his response is to accuse everybody else of lying."

Wenn man sieht wie sich Parteifreunde gegenseitig behandeln, wird es sicher noch ein demokratischer Hochgenuss, sobald sich Trump wie angekündigt mit Hillary Clinton beschäftigt.


Montag, 2. Mai 2016

Thema durch

Jeden Tag staune ich erneut über die Verblödung und sagenhafte Uninformiertheit der Menschen.
Man könnte sich heute so leicht wie nie informieren.
Es gibt doch alle Angebote.
Daher muß man leider in seinem privaten und social-media-Umfeld immer wieder alles erklären.

Manchmal allerdings kommt ein Punkt, an dem man merkt, daß man zu Erklärungen genötigt wird bei Dingen, die schon lange abgefrühstückt sind.
So lange, daß man es aufgibt erneut Rechtfertigungen aufzusagen.

Warum er denn Frauen, Schwule und Sikhs in der Regierung hätte wurde Justin Trudeau vor einigen Monaten gefragt.
Because it’s 2015“ so seine inzwischen legendär-lapidare Antwort.


Recht hat er, der Kanadier.
Muß man sich etwa ernsthaft immer noch erklären, wenn man nicht Regierungen ausschließlich mit weißen, grauhaarigen anzugtragenden Männern bestückt?

Ähnlich albern wird die TTIP-Angelegenheit inzwischen.
Seit 2013 wird darüber verhandelt und immer noch sollen die 800 Millionen Menschen, die es betreffen wird auf Wunsch von Konzerninteressen im Dunkeln gehalten werden?

Ja, die deutsche Bundesregierung verfügt über besonders wenig Rückgrat, läßt sich devot nickend von amerikanischen Diensten ausspionieren und wagt es bis heute nicht Edward Snowden, der unter anderem die Bespitzelung Merkels öffentlich gemacht hatte, die Einreise zu genehmigen, weil Washington ja was dagegen haben könnte.

Ob TTIP mehr schadet oder mehr nutzt?
Ich vermute, Ersteres trifft zu.
Wissen kann man es nicht, weil die Verbraucher diesbezüglich wie Champignons gehalten werden: Im Dunklen gelassen und mit Mist gefüttert.

Dank Greenpeace und des Rechercheverbundes SZ/NDR/WDR sind nun einige Verhandlungspositionen geleakt worden.

Die TTIP-Leaks bestätigen, was Kritiker schon lange fürchten: Die USA führen die Verhandlungen als Diener der Konzerne. Die EU kann sich darauf kaum noch einlassen. [….]

Die Amis sind richtig pissed und Profikriecherin Angela Merkel, die zuvor gerade erst vor der NSA, dann vor Präsident Erdogan und zuletzt noch einmal vor der deutschen Autoindustrie auf Knien rutschte, versucht zu retten was zu retten ist.

Im rauen Verhandlungsklima sind am Ende auch andere Optionen denkbar. Brüssel könnte weich werden. Bisher fehlen wirklich klare Worte in der Öffentlichkeit: Wenn sich Washington nicht bewegt, dann gibt es kein Abkommen!  So deutlich war das bisher aus Brüssel nicht zu hören. Die europäischen Bedingungen könnten also leicht unterlaufen werden. [….]

Wer soll ausgerechnet einer Merkel-dominierten EU glauben, sie würde nicht ihre Werte verraten?

Die Kanzlerin will einfach so weiterwurschteln und TTIP schnell abschließen.

Die Parteien der deutschen Regierungskoalition sind sich offenbar nicht einig über die Bewertung der veröffentlichten TTIP-Dokumente. Die Kanzlerin will an einem schnellen Abschluss der TTIP-Verhandlungen festhalten. "Wir halten den zügigen Abschluss eines ehrgeizigen Abkommens für sehr wichtig", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Grundsätzlich wolle die Bundesregierung alles tun, um bei den Verhandlungen voranzukommen. […]

Und hier bin ich an dem Trudeau-Punkt angelangt.
Ich will gar nichts mehr hören darüber wie dringend die Regierung TTIP will und wie toll das alles werden könnte.

Es soll endlich veröffentlicht werden worüber überhaupt verhandelt wird, because it’s 2016.

In welchem Jahrhundert leben wir denn, daß Merkel meint solche weitreichenden Dinge buchstäblich im geheimen Hinterzimmerchen tun zu können?
Das Feudalzeitalter, in dem alles von oben entschieden wird, ist vorbei.
Es gibt nichts zu erklären, zu vermuten, zu eruieren und abzuwägen beim Thema Transparenz im Internetzeitalter.

Bermerkenswerterweise trat für die SPD und Gabriels Ministerium heute nur sein Staatssekretär Matthias Machnig vor die Kamera und der klang keineswegs mehr so, als ob TTIP kommen müsse.
Weg mit den albernen Konstruktionen wie Geheimleseraum und Sprechverbot.

Wenn Obama tatsächlich auf diese hochabstruse Form der Geheimniskrämerei besteht, dann soll man ihm die Tür vor der Nase zuschlagen.
So wollen wir Europäer nicht mehr behandelt werden, because it’s 2016.

Sonntag, 1. Mai 2016

Impudenz des Monats April 2016

Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Impudenz des Monats sind all die „bürgerlichen“ Politiker, die aus Angst vorm Wähler rechts blinken und dafür am Wahltag von den richtig Rechten überholt werden.

Die Republik Österreich, das kleine sympathische Land am Rande Bayerns wird gewohnheitsmäßig von einer nicht mehr allzu großen Koalition aus SPÖ und ÖVP regiert.
Seit gut zwei Jahren ist die Regierung „Faymann II“ im Amt.
Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) ähneln mit ihrer Hasenfüßigkeit ein bißchen der deutschen GroKo, ohne daß einer der beiden über den Machtinstinkt einer Angela Merkel verfügte.
Beide an der Regierung beteiligten Parteien verhalten sich wie rotes und blaues Wachs im Ofen. Sie schmelzen ab, während sich eine braune, amorphe Masse um sie herum bildet.
Mit knapp 27% (SPÖ) und knapp 24% (ÖVP) beeindruckte das Wahlergebnis der beiden Großen von 2013 ohnehin wenig; würde heute gewählt, wäre die rechtspopulistische FPÖ mit Abstand stärkste Partei.

Wie haben die das eigentlich hinbekommen?
Offensichtlich lernt man eben nicht aus der Geschichte.
Österreich war mal eine Weltmacht und erlebte seine absolute Blütezeit als Multikultistaat. Damals sprach man in Wien genauso selbstverständlich deutsch wie kroatisch oder ungarisch. Nie erblühte die Kultur so sehr wie im multikulturellen Österreich.
Inspiriert von einem besonders berühmten Landsmann probierten die Österreicher im 20. Jahrhundert das Gegenteil von Multikulti, nämlich den totalen Nationalismus und ernteten dementsprechend auch den totalen Niedergang.

Statt also Konsequenzen zu ziehen und sich gegen das Wiedererstraken von Nationalismus und Xenophobie zu stemmen, brunzen sich die österreichischen Bundespolitiker in die eigenen Hosen, weil sie aus lauter Angst vor den FPÖ-Blitzbirnen die Kontrolle über ihre Peristaltik verlieren.
In vorauseilendem Gehorsam drehten sie das Steuer auf ganz rechts, schlossen die Grenzen, kopulierten mit Orban und wollen nun auch mit dem Brenner Europas Nabelschnur kappen.
Im Ergebnis wird völkisches und rechtsradikales Denken hoffähig gemacht.
Daher gewann am 24.04.2016 FPÖ-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer 35% und ließ alle anderen Parteien weit hinter sich.

Politiker müssen nicht so sein wie Seehofer. Auch nicht in der „Flüchtlingskrise“, wenn Bischöfe und Kardinäle für Abschiebung und Härte plädieren.
Michael Häupl, der Wiener Bürgermeister, hat es gestern vorgemacht: Mit einem klaren Kurs gegen Fremdenfeindlichkeit setzte er sich durch, während die CDU-Schwester ÖVP, die sich wie Seehofer an die Rechtsradikalen rangewanzt hatte, am Ende bei unter 10% landete. Endlich einstellig.

Politiker haben diese Lenkungsfunktion und können, sofern sie über Moral verfügen, anders als Seehofer auch in die richtige Richtung lenken.

Es gibt unbestreitbar eine Gefahr von rechts, überall in Europa (bis auf Spanien) blühen nationalistische, xenophobe, misogyne, homophobe, antieuropäische, islamophobe und antisemitische Parteien.

Wieso scheint es ein Naturgesetz zu sein, daß sich die „Parteien der Mitte“ manisch dem rechten Pöbel andienen wollen, Zugeständnisse machen und nationalistische Politik imitieren?
Könnten sie nicht AfD, FN, FPÖ, Jobbik, PVV (Wilders) so scharf verurteilen, wie sie das üblicherweise mit kommunistischen Parteien machen?

Die FPÖ hat leichtes Spiel
 [….]  Weil es UN-Generalsekretär Ban Ki Moon war, der am Donnerstag im Nationalrat in Wien eine Rede hielt [….]  hatte sich auf der Regierungsbank das ganze Kabinett versammelt.
Vom sozialdemokratischen Kanzler über den konservativen Vizekanzler bis zu jenen Minister, die die Schließung der Balkanroute organisiert und die Sperren am Brenner vorbereitet haben, wurde beifällig genickt und applaudiert. Es waren dieselben Menschen, die tags zuvor ein Asylgesetz befürwortet hatten, mit dem eine "zunehmend restriktive Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik" in Österreich fortgesetzt wird. Beschlossen wurde es, mit großer Mehrheit, in jenem ehrwürdigen Haus, in dem unter den Habsburgern ein Vielvölkerparlament getagt hatte.
Nationale Interessen müsse man kompromisslos vertreten, weil Brüssel beim Schutz der Gemeinschaft scheitere, argumentiert die Regierung. Bei der FPÖ heißt das gedankengleich, nur knapper: Österreich zuerst. [….] Mit einer solchen Abschottungspolitik ist Österreich nicht allein. Und in einem Staat, der sich als Ziel der Sehnsüchte vieler Migranten überfordert sieht, kann über eine restriktive Zuwanderungspolitik durchaus sachlich argumentiert werden. Aber die Debatte wird nicht mehr sachlich und auf Ausgleich bedacht geführt. Das rot-schwarze Establishment fühlt sich von den Rechtspopulisten getrieben. [….]  Hier manifestiert sich exemplarisch jener Bruch, der nicht nur Österreich, sondern auch viele andere EU-Staaten im Inneren spaltet: Politik ohne Anspruch und Vision, als Erfüllungsgehilfin all jener, die Europa schon als gescheitert ansehen - das führt zu einer Entfremdung der Zivilgesellschaft und legt eine weit tiefere Verunsicherung bloß, als sie mit der Flüchtlingskrise allein begründet werden kann. [….][….]

Man stelle sich vor CDU, FDP und SPD hätten in den 1970ern und 1980ern wöchentlich betont, man müsse die Anliegen der RAF-Anhänger endlich ernst nehmen und dann schon mal angefangen die Wünsche Christian Klars und Brigitte Mohnhaupts umzusetzen, indem nach RAF-Vorstellungen am Grundgesetz gerüttelt würde.

Klingt absurd, aber der rechte Terrorismus forderte sehr viel mehr Todesopfer als die RAF und deren Vorstellungen von Abschaffung des Asylrechts und Ausländerdrangsalierung werden bereits umgesetzt.

Die deutsche Bundesregierung läßt die Menschen, die sich gegen rechts engagieren allein, kooperiert mit Folterregimen und setzt einfach voraus, daß jeder sich wünsche weniger Ausländer um sich zu haben.

Der deutsche Innenminister schürt sogar absichtsvoll mit klaren Lügen xenophobe Vorurteile, die gesamte CSU kopiert AfD-Politik und je hetzerischer Rechte daher plaudern, desto intensiver werden Storch, Scheuer, Söder, Bosbach und Sarrazin von MaischbergerWillIllnerLanz an ihre Brust gedrückt.

Man stelle sich vor die gesamte politische Klasse des Bundes setzte sich jeden Tag für den Zuzug neuer Mitbürger ein, klärte über die ökonomische Notwendigkeit und menschliche Gebotenheit dieser Politik auf.

Aber nein, die herkömmlichen Parteien päppeln die Rechten erst auf und wundern sich anschließend, wenn sie von ihnen überrollt werden.

Barack Obama unterlag vom Anfang seiner Amtszeit an einem ähnlichen Denkfehler.
Ich glaube, er empfand sich sogar selbst  - schwarz, liberal und Irakkriegsgegner – als Zumutung für das Establishment.
Statt also seine exekutive Gewalt und die legislativen Majoritäten zu nutzen, war auch er von dem Wahn besessen den rechten Republikanern Wünsche zu erfüllen.
Statt also gleich von Anfang an knallhart seine für amerikanischen Verhältnisse linken Ambitionen (Krankenversicherung, Schwulenrechte, Folterverbot, ..) durchzusetzen, eierte er in gebückter Haltung vor der GOP.
Der Erfolg: Die GOP wurde stärker, holte sich die Mehrheiten in beiden Kammern, wurde durch die Teebeutel noch deutlich rechtsextremer und zu allem Übel blieben dann die ursprünglichen „linken“ Anhänger Obamas auch enttäuscht zu Hause.

Ja, Gabriel, wenn man es der AfD recht machen will, muß man sich nicht wundern, wenn die braunen Brechmittel in den Ländern die SPD überholen und die Sozis nicht mehr zur Wahl gehen.