Mittwoch, 23. Oktober 2019

Wo ist Merkel – Teil II

Wenn sich die Regierung der Nation, die sich über Jahrzehnte als „Leader of the free world“ verstand in einen Sumpf aus kriminellen Clowns verwandelt, neigen die dem Leader folgenden Staaten dazu in einen Hühnerhaufenmodus zu verfallen.
Ein Vakuum an der Weltspitze bietet Konkurrenz-Nationen Platz sich als Worldleader zu versuchen und das sind nicht unbedingt Diejenigen, die man sich aus westlicher, bürgerrechtlicher, demokratischer Perspektive wünscht.
Wladimir Putin hat das natürlich verstanden und besetzt systematisch die von den USA geschaffenen Lücken, dehnt seinen Einflussbereich massiv aus, macht sich unverzichtbar und immer unangreifbarer.
Ohne Russland geht im Nahen Osten gar nichts mehr und das ist die neue nicht mehr zu ignorierende Realpolitik.
Es war ohnehin dumm von Merkel und Co den Russen wegen des Ukrainekonflikts aus der G8 auszuschließen.
Der Kreml war gedemütigt, wurde dadurch wütend und rücksichtsloser.
Aber statt nur zu schäumen und zu schmollen wurde Russland anders als die apathischen Player NATO und EU aktiv im Iran und in Syrien.
Mit dem Astana-Prozess schuf Putin seine eigene Gipfelrealität. Dort schafft er zusammen mit Syrien, dem Iran und der Türkei Fakten, während die schmollenden Europäer gar nicht eingeladen sind.


Aus russischer Perspektive geschieht ihnen das nur Recht; schließlich hatten sie Russland vom diplomatischen Parkett vertrieben und versucht den Kreml mit massiven Sanktionen gefügig zu machen.
Die EU verhängte die Anti-Russland-Sanktionen im Juli 2014. Im selben Jahr wurde aus der G8 die G7.
Nach einer halben Dekade kann man feststellen:
EU und G7 haben sich selbst am meisten geschadet und das Gegenteil des behaupteten Effektes erreicht: Putin ist außenpolitisch stärker denn je, hat mehr Einfluss als zuvor, die Rückgabe der Krim ist nahezu ausgeschlossen und die alten NATO-Mächte stehen wie begossene Pudel am Rand.
Wie paralysierte Kaninchen vor der Schlange kauern sie vor dem neuen Power-Couple Erdoğan-Putin.
Der Türke droht kontinuierlich damit dreieinhalb Millionen Bürgerkriegsflüchtlinge nach Westeuropa zu schicken und Putin hat sogar noch mehr Erpressungspotential angesammelt, weil er die Hand über dem gewaltigen Pulverfass Nahost, dem IS und sogar dem NATO-Staat Türkei hält.
Schon kaufte der geopolitisch so extrem wichtige Natopartner am Bosporus das russische Raketenabwehrsystem S-400, interessierte sich gar nicht für Patriot, den amerikanischen Konkurrenten, der gerade eindrucksvoll bei den Saudischen Ölanlagen seine Schwächen offenbarte.
Keine guten Nachrichten für Washingtons engsten Partner Israel, der sich voll und ganz auf seinen Patriot-Schirm verlässt.
Ein unglaublicher Schlamassel, in den sich „der Westen“ hineinmanövriert hat.
Die alte Führungsmacht USA fällt bis auf weiteres aus.
Seit Trump die letzten vernünftigen Außen- und Sicherheitspolitiker (Kelly, Mattis, McMasters) aus dem Weißen Haus vertrieben hat, wissen die anderen NATO-Staaten kein Rezept wie man mit dem Irren umgehen soll.
Skrupellose Autokraten des Schlages Kim Jong Un, Putin oder Erdoğan nutzen das eiskalt aus, indem sie ohne lästige Aufpasser mit Trump telefonieren und den Trottel so sehr mit Scheiße füttern, daß er ihnen alles zusagt was sie wollen.
Der Mann ist äußerst empfänglich für hanebüchene Verschwörungstheorien und außerdem auch noch ganz simpel bestechlich. Mit ihm kann man spielen wie man will, da Trump die eigenen Sicherheitsexperten, die US-Geheimdienste und die Generäle alle kalt gestellt hat. Er hört nicht aus sie.

Wer wollte es Kim Jong Un, Putin oder Erdoğan oder Orbán oder Selenskij verdenken? Sie wären blöd, so eine einmalige Gelegenheit nicht auszunutzen. Wann sitzt schon mal ein Weihnachtsmann ohne Hirn im Weißen Haus, der jedem Diktator Wünsche erfüllt?
Daß IQ45 dabei die westliche Allianz, die Nato und die USA schwächt und spaltet, ist für Teheran und Moskau ein willkommener Nebeneffekt.

[….] Von Putins Gnaden
Erdoğan und Putin haben die Nachkriegsordnung an der Levante festgelegt - und damit die Machtverhältnisse im Nahen Osten neu sortiert. Amerikaner und Europäer? Die schauen einfach zu. [….] Die eigentlichen Gewinner von Sotschi sind Russland und das Assad-Regime. Putin bringt zu Ende, was er mit der Militärintervention 2015 begonnen und politisch durch den Astana-Prozess mit der Türkei und Iran flankiert hat: Er hat Russland wieder als unumgänglichen Machtfaktor im Nahen Osten etabliert. [….]

Da sich also die USA selbst aus dem Spiel nahmen, wäre es an der Zeit für den nächstgrößten Player des Westens das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen.
Das ist die EU, aber die ist durch die Merkel-Blockade, das Erpressungspotential der Ost-Mitglieder und die unfähige neue Chefin von der Leyen, die noch nicht mal ihre Kommissare durchsetzen kann, ebenfalls gelähmt.
Großbritannien kann schon gar keine Führungsrolle übernehmen, weil ein Trump-Klon in Downingstreet 10 sitzt, der insbesondere nach einem Brexit hochgradig von Washington anhängig sein wird.
Frankreich hingegen hat zwei Jahre lang versucht das US-Vakuum zu füllen und die EU wieder handlungsfähig zu machen.
Das scheiterte aber immer wieder an der deutschen CDU, die Macron bremste.
Schließlich bleibt noch Deutschland, das aber auch so gut wie handlungsunfähig ist:

1. ist die Kanzlerin verschwunden
2. verfügt die Bundeswehr nach sieben Jahren von der Leyen kaum noch über einsatzfähige Waffen

Mit Annegret ist die deutsche Verteidigungspolitik ein Fall für die Comedy geworden.

 […] Annegret Kramp-Karrenbauers Idee zur Einrichtung einer internationalen Sicherheitszone in Nordsyrien findet nach zunächst verhaltenem Echo nun offenbar doch Anklang. So sollen inzwischen immer mehr Politiker und Militärexperten aus dem In- und Ausland signalisiert haben, die Verteidigungsministerin möge doch schon mal vorgehen und damit beginnen, die Sicherheitszone einzurichten. Man komme dann definitiv bald nach.
"Die Idee, dass Syrien jetzt ganz dringend noch viel mehr Länder braucht, die sich militärisch an dem Konflikt beteiligen, finden wir total klasse", erklärte etwa ein Sprecher der französischen Regierung. "Madame Kramp-Karrenbauer soll am besten direkt persönlich die Lage vor Ort sondieren. Wir stoßen dann zeitnah dazu." […..]

Den deutschen Generälen geht es ähnlich wie Herrn Mattis, wenn er zu Trump befragt wird.

[…..] Militärs schütteln mit dem Kopf.
[…..] Nach der Ausschusssitzung schwante den Abgeordneten, dass Kramp-Karrenbauer für einen Einsatz ihrer Soldaten nicht mal Anfangsplanungen oder Szenarien in der Tasche hat.
[…..] Im parallel tagenden Auswärtigen Ausschuss musste sich Kramp-Karrenbauers politischer Direktor Detlef Wächter ähnlich bohrenden Fragen stellen. Mit rotem Kopf habe der gelernte Diplomat versucht, aus seinem Sprechzettel sinnvolle Antworten abzuleiten, berichten Ausschussmitglieder. […..] Kramp-Karrenbauers Vorschlag habe mit Substanz nichts zu tun, schimpfte Christoph Matschie (SPD). Die Ministerin habe nur eine Überschrift, aber nicht den Hauch eines Plans für eine internationale Schutzzone geliefert. […..] Erfahrene Generäle zeigen sich vom Vorgehen der Ministerin fast schockiert. Statt von einem Plan ist von einem "ungeschliffenen Rohling" die Rede, die Initiative der Ministerin wirke ein bisschen wie ein "Blindflug auf die Weltbühne".
Strategen mit reichlich Erfahrung merkten zudem an, dass die Ministerin Deutschlands Ansehen riskiere. "Wenn du als Erstes mit einer solchen Idee kommst, musst du am Ende einen solchen Einsatz auch militärisch führen", so ein Offizier, "sonst nimmt dich auf lange Zeit niemand mehr ernst." […..]

Eine feine Sache für die Putins dieser Welt. Bei so einer personellen Trottelparade des Westens können sie weiterhin nach Belieben das internationale Geschehen dirigieren.
Hätte Frau Merkel auch nur einen Funken der Bedeutung ihres Amtseides im Kopf, müsste sie AKK sofort entlassen, da diese offensichtlich unfähig ist und Deutschlands Ansehen in der Welt schwer schadet.
Aber wie gesagt, wo ist Merkel? Interessiert sie sich überhaupt für Politik?

[…..] Wer ist Annegret Kramp-Karrenbauer? Ihr Ministeramt hat sie noch keine 100 Tage, den CDU-Vorsitz hat sie bisher nicht zu ihrem Vorteil nutzen können, ihre außenpolitischen Vorkenntnisse sind begrenzt und ohne die Hilfe von Angela Merkel wird sie bei Putin und Erdoğan nichts erreichen. Ob sie über das politische Geschick verfügt, wenigstens die engsten Verbündeten zu überzeugen, darf man bezweifeln angesichts der Art, wie sie zu Hause den Koalitionspartner SPD düpierte. Man muss somit die Spanne der Bewertung für Kramp-Karrenbauers Idee weit ziehen: Sie reicht von couragiert in der Sache bis zu tölpelhaft im Vorgehen. […..]  Umso mehr ist es geradezu aberwitzig, dass die Ministerin im Alleingang vorprescht und die Koalitionspartner CSU und SPD nur schlampig oder gar nicht informiert. […..] Aber eine Kanzlerin, die sich jetzt von einer angeschlagenen CDU-Vorsitzenden, die auch aus innenpolitischen Motiven handelt, so vorführen lässt, ist halt auch selber schuld. […..]

Dienstag, 22. Oktober 2019

Wo ist Merkel?


Wo ist Merkel?
Diese Frage stellen sich nicht nur die ökonomisch Interessierten, die wie SZ-Wirtschaftschef Marc Beise die schläfrige Kanzlerin auffordern zu handeln.

[….] Merkel muss führen!
 Die deutsche Wirtschaft hat ihren Schwung eingebüßt - und die Kanzlerin schweigt. Dabei wäre es höchste Zeit zu reagieren - zum Beispiel mit Steuererleichterungen und kräftigen staatlichen Investitionen. […]

Nach 29 Jahren “Merkel in Toppositionen” weiß ich eins sicher: „Merkel muss führen“ ist ein Oxymoron.

Den Mega-Desastern in Syrien, der Türkei und der Ukraine begegnet die Kanzlerin ebenfalls mit intensiven Weggucken und Hände-in-den-Schoß-legen.

Nachdem sich Trump, Putin, Assad, Erdoğan und Rohani so richtig in Nordsyrien verbissen haben und der Türkische Präsident mit Millionen zusätzlichen Flüchtlingen droht, mischt sich nun Kramp-Karrenbauer ein und plant Sicherheitszonen.
Kramp-Who? Fragen sich nun vermutlich Moskau und Ankara.

[….] CDU-Chefin und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat mit ihrem Vorstoß für eine internationale Sicherheitszone in Nordsyrien laut Außenminister Heiko Maas für Irritationen bei Bündnispartnern gesorgt. "Die Fragen, die es dort gibt, sind zahlreich", sagte der SPD-Politiker. Er selbst war von Kramp-Karrenbauer per SMS informiert worden, bevor sie sich öffentlich äußerte. Dazu sagte der Minister: "Von SMS-Diplomatie halte ich wenig. Daraus wird schnell eine SOS-Diplomatie."
Kramp-Karrenbauer hatte gestern erklärt, Verbündete für einen internationalen Stabilisierungseinsatz im umkämpften Nordsyrien gewinnen zu wollen. Ziel sei es, den Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) fortzusetzen und mit einem Wiederaufbau zerstörter Regionen eine freiwillige Rückkehr von Flüchtlingen zu ermöglichen. [….]

Die Regierungschefin wird außen vor gelassen, die beiden anderen Parteichefs der Groko wurden gar nicht unterrichtet und der eigentlich zuständige Außenminister bekommt eben mal eine SMS.
Weltpolitik à la AKK.


Der kleine Annegret ist irgendwie ganz süß, wenn er so vor sich hinspinnt, oder?
Sicherheitszone! Donnerschlach, daß da seit 2010 noch niemand drauf gekommen ist.
Und wenn der kleine Annegret das sagt, werden ihm zu Liebe Trump, Putin, Erdogan und Assad auch sofort genau das tun!
Besonders der IS und die diversen Rebellengruppen Nordsyriens sind bekanntlich ein Hort der Vernunft und traditionell stets davon beseelt katholischen Frauen aus der sudwestdeutschen Pampa alles Recht zu machen.

Auch die anderen Nato-Partner sind „irritiert“, keiner wurde informiert und staunen nun was die hervorragend ausgestattete Bundeswehr mit ihren vielen, vielen perfekten Flugzeugen und Hubschraubern im Nahen Osten erreichen will.
Befehlshaberin AKK will nun also schaffen was die kleinen Arme-Leute-Armeen aus Russland und den USA nicht vermochten?
Oder will Kramp-Karrenbauer sogar gleich eine internationale Militärkoalition anführen?
Und wissen Trump und Putin schon, daß sie nach AKKs Pfeife zu tanzen haben?

[…..] Mützenich beschreibt, wie am Sonntag die Spitzen der Koalition zusammengesessen haben - ein durchaus "interessierter Kreis" wie er findet, gerade wenn Kramp-Karrenbauer solche Gedanken mit sich herumtrage. Aber von ihr sei nichts gekommen.
Und das, was Mützenich sich jetzt an Informationen besorgt hat, wirft bei ihm vor allem Fragen auf. Das gehe nicht nur ihm so, sagt der SPD-Fraktionschef. Partner im Ausland würden "aufgeregt" im Auswärtigen Amt anrufen. All das zeige, dass es sich bei Kramp-Karrenbauers Vorstoß wohl um eine "sehr persönlich gehaltene Idee eines Kabinettsmitglieds" handele. So macht Mützenich den Vorschlag klein. Und die Ministerin gleich mit. "Ich finde schon, Frau Kramp-Karrenbauer muss endlich ankommen im Kabinett und sollte durchaus aus den letzten Stunden ein bisschen lernen", ätzt der SPD-Fraktionschef.
[…..] Der SPD ist klar, sollte der Vorschlag der Verteidigungsministerin bei den internationalen Partnern Anklang finden, müsste auch Deutschland Bodentruppen nach Syrien schicken. In Militärkreisen rechnet man mit einigen tausend Soldaten, der Einsatz würde dann sogar den heutigen Beitrag der Deutschen in Afghanistan und Mali in den Schatten stellen.
[…..] "Die Abläufe waren nicht optimal", heißt es in der CSU-Landesgruppe. Und es wird darauf verwiesen, dass jemand, der so stark unter Druck stehe wie Kramp-Karrenbauer, halt besonders anfällig für neue Fehler sei. […..] Merkel und Kramp-Karrenbauer treffen sich noch während der Fraktionssitzungen mit Außenminister Maas und Vizekanzler Olaf Scholz. Doch auch dabei kommt es zu keiner Verständigung. Scholz zeigte sich anschließend vor seiner Fraktion erschrocken darüber, wie wenig konkret Kramp-Karrenbauer auf Fragen der SPD hätte antworten können, die Ministerin habe "das Klassenziel nicht erreicht". [….]

Es gibt immer noch SPD-Linke, die meinen, man brauche den Sachverstand der SPD-Minister gar nicht und überlasse den weltpolitischen CDU-Blitzbirnen lieber ganz allein die Regierung.

Ob sich die träge Uckermäkerin nach 14 Jahren im Amt nur ihrem üblichen Phlegma hingibt, oder aber einfach nur freundlich zu ihren CDU-Nachfolgerinnen sein will, indem sie Altmaier und Kramp-Karrenbauer Gelegenheit gibt sich zu profilieren, ist letztendlich irrelevant.
Es geht um Weltpolitik, um Leben und Tod, um Deutschlands Zukunft. Da kann man nicht die Praktikanten vorschicken, damit die sich mal ausprobieren können.
Noch schlimmer aber der ethische Totalausfall der CDU-Chefin, die offenbar glaubt mit die massakrierten Kurden nuetzen zu können, um irgendwie ihr Image aufzubessern.

[….] Annegret Kramp-Karrenbauer hat einen Vorschlag gemacht, der das Potenzial hat, die deutsche Außenpolitik grundlegend zu verändern - oder die Karriere der Verteidigungsministerin zu beenden. [….] In der Sache ist das ein plausibler Vorschlag, im Stil aber haben sich Kramp-Karrenbauer und auch die Kanzlerin bereits am ersten Tag schwere, ja unerklärliche Fehler geleistet. Die Arbeitsteilung zwischen Kramp-Karrenbauer und Angela Merkel ist unangemessen und lässt hinter der außenpolitischen Initiative zu viel innenpolitische Motivation vermuten. Und der Koalitionspartner SPD wurde sinnlos düpiert.
[….] Es geht ja nicht nur um einen Militäreinsatz, es geht ganz nebenbei auch um eine Kooperation mit Russland, trotz Ukraine-Krieg und Sanktionsregime; es geht um eine neue Positionierung im Verhältnis zu den USA und in Europa. Selbst mit dem syrischen Diktator Assad müsste man sich ins Benehmen setzen, immerhin soll die Sicherheitszone auf seinem Territorium eingerichtet werden. Es ist deshalb unverständlich, ja völlig falsch, dass Merkel die Öffentlichkeitsarbeit für diesen Vorschlag Kramp-Karrenbauer überlässt.
Eine solche Initiative, in der es in der Konsequenz um Krieg und Frieden, um Leben und Tod gehen kann, kommt weder der CDU-Vorsitzenden, noch der Verteidigungsministerin zu, nicht einmal dann, wenn man beide Ämter zusammenzählt. Vielmehr setzen sich die beiden CDU-Politikerinnen schlicht dem Verdacht aus, einen Militäreinsatz als Profilierungsmittel für die angeschlagene neue Parteivorsitzende zu instrumentalisieren. [….]

Personalprobleme


Gestern Nacht habe ich den aktuellen SPIEGEL durchgelesen. Die Titelgeschichte taugt so gar nicht als Erbauungslektüre.

[….] Rückzug aus Syrien
Die Kapitulation des Westens wird zur Gefahr für Europa
Die USA ziehen ihre Truppen ab - und die EU schaut machtlos zu, wie die Despoten Putin, Erdogan und Assad das Bürgerkriegsland unter sich aufteilen. […..]

Vielleicht habe ich mich in den Wochen zuvor etwas zu viel mit dem amerikanischen Aspekt des Desasters beschäftigt, weil die Handlungen Trumps selbst für seine Verhältnisse so extrem dumm und gefährlich sind.
Die SPIEGEL-Autoren wenden den Blick aber auch auf die Handelnden vor Ort, die total versagende EU und das geschickte Strippenziehen Putins und Lawrows.


Es ist außerordentlich deprimierend, seit zweieinhalb Jahren weiß die EU mit wem sie es in Washington zu tun hat, seit Jahren befindet sich tout Brüssel in der Abhängigkeit Erdoğans. Der Mann hält 3,6 Millionen Syrische Bürgerkriegsflüchtlinge als Geiseln und erpresst damit 28 andere Staaten, die seitdem nichts, aber auch rein gar nichts geschafft haben, um auf die internationalen Krisen einzuwirken, die viel zitierten „Fluchtursachen“ abzuschwächen oder einfach die notleidenden Menschen untereinander zu verteilen.
Man kann es nicht fassen was sich die EU gerade leistet. Da wird über einen Brexit gesprochen, der ein zu 100% durch eigene Doofheit selbst generiertes Problem ist und nur noch als surreale Comedy wahrgenommen wird. Verhandelt wird auf europäischer Seite übrigens von dem längst abgewählten Jean-Claude Juncker, weil die neue Chefin Ursula von der Leyen in der Versenkungen verschwunden ist, sich offensichtlich gar nicht mehr an die Öffentlichkeit traut seit sie durch eigene Unfähigkeit und eine extra Portion Borniertheit gleich dreifach mit ihren Kommissaren scheiterte.
Manfred Weber von der EVP-Fraktionsspitze, von der Leyens eigener Partei also, senkte die Daumen über Sylvie Goulard, weil er Macron eins dafür auswischen wollte von der Leyens größter Förderer zu sein.
Die neue Kommissionschefin sah es nicht kommen, griff nicht ein, sprach gar nicht mit der EVP, weil sie nicht nur nicht die geringste Ahnung hat wie Brüssel funktioniert, sondern sich bis heute auch noch hartnäckig weigert Leute zu engagieren, die es wissen.
Sie hockt lieber mit ihrer alten niedersächsischen Gang in irgendwelchen Hinterzimmern und läßt den lieben Gott einen guten Mann sein.


Wenn man das gewaltige Politikversagen des Europäischen Rates und den nie dagewesenen Sumpf in den USA betrachtet, wenn man rekapituliert wie die gesamte westliche Welt schmachvoll die Segel streicht und auf ganzer Front dilettierend vor den Autokraten Erdoğan, Putin, Assad und Rohani scheitert, kommt man nicht umhin die Systemfrage zu stellen.

DER SPIEGEL, stets ein deutlicher Kritiker Putins, liest sich derzeit fast wie RT.

[…..] In Syrien passiert, was Putin will
Erdogan und Putin demonstrieren gern ihre Freundschaft. Aber wenn sie sich nun in Sotschi treffen, fehlt die Augenhöhe: Im Syrienkonflikt ist der türkische Präsident dem Kremlchef ausgeliefert. […..]
Während aber RT skrupellose Propaganda betreibt, geben die SPIEGEL-Autoren Christian Esch, Julia Amalia Heyer, Katrin Kuntz, Roland Nelles, Maximilian Popp, Christoph Reuter, Raniah Salloum, Christoph Scheuermann und Severin Weiland im Moment nur die Wahrheit wieder: Putin hat gewonnen. Während die gesamte EU mit fünfmal so vielen Einwohnern und einer unendlich viel stärkeren wirtschaftlichen Leistung als Russland seit 2010 hilflos vor Syrien steht und nicht die geringste Ahnung hat, was man unternehmen könnte, ist dem Kreml-Herrn gelungen sich zum ganz starken Mann der Region aufzuschwingen.



Das SPIEGEL-Titelbild erweckt in der Tat den Eindruck; die demokratischen Staaten sind die Diktatoren hoffnungslos unterlegen, kapitulieren und versagen.
Erschwerend kommt hinzu, daß die wenigen Regierungschefs aus (noch) demokratischen Nationen, die sich international durchsetzen gerade die sind, die sich zwar noch demokratisch wählen ließen, dann aber massiv die Axt an die demokratischen Wurzeln ansetzten: Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, unabhängige Justiz – all das ist in Russland, Ungarn, Polen und der Türkei mehr als fraglich.
Aber sind solche Staatschefs stark, weil sie ihre Demokratien in Autokratien umwandeln?
Ich meine nein, sie können das tun, weil die anderen Demokraten zu schwach und zu heuchlerisch sind.
Man kann natürlich nichts als EU Geld mit Waffenlieferungen in den Nahen Osten verdienen, die eigene Agrarlobby auf Kosten afrikanischer Farmer bedienen und die daraus folgenden Migrationsbewegungen einzig und allein Diktator Erdoğan überlassen und sich ansonsten darauf verlassen, daß Rechtspopulisten wie Kurz, Salvini und Orban die Außengrenzen hermetisch abriegeln, jeden ersaufen lassen, der flieht.

Klar, diktatorische Planwirtschaften wie China können Großprojekte in vergleichsweise atemberaubender Geschwindigkeit umsetzen, weil sie anders als Demokratien keine Rücksichten auf Bürgerrechte, Sozialstandards oder Umwelt nehmen müssen.

Aber Putin triumphiert nicht deswegen über den Westen.
Sein Vorteil ist vielmehr, daß er sehr viel intelligenter als Trump ist, daß er keine Zeit mit der Sorge um Wiederwahl verschwendet und außerdem nicht unter dem unerträglichen Phlegma einer Angela Merkel leidet. Er plant langfristiger.

[…..] Putins geniales Spiel
[…..] Putin muss nach der Kapitulationserklärung Trumps kaum in den Syrienkonflikt eingreifen, es läuft für ihn auch so alles nach Plan. Durch geschickte Diplomatie und skrupellose Kriegführung hat er Assad an der Macht gehalten.
Nach dem Rückzug der Amerikaner ist Russland die einzig verbliebene Großmacht in Syrien. Putin ist in einer Position, in der er alle anderen Kräfte fortwährend gegeneinander ausspielen kann.
Während die USA ihre Verbündeten in Syrien gegen sich aufgebracht haben, hat Russland über die Jahre das Gegenteil erreicht: Mit Assad und Iran ist Putin ohnehin verbündet. Aber auch die türkische Führung, die einmal mehr den Kampf gegen die Kurden geschickt instrumentalisiert, rückte immer näher an Moskau heran. Den Kurden wiederum bleibt nach dem Einmarsch der Türken keine andere Wahl, als auf Russlands Vermittlung zu hoffen. Es ist an Putin und an seinem so brillant wie skrupellos taktierenden Außenminister Sergej Lawrow zu entscheiden, wer welche Gegenden in Syrien bekommt.
Putin und Lawrow haben im Verlauf des Krieges nie ausschließlich auf Assad gesetzt, sondern auch mal den Türken und den Kurden geholfen. Anfang August, bei der 13. Runde der sogenannten Astana-Gespräche in der Hauptstadt von Kasachstan, bereiteten Moskaus Unterhändler den entscheidenden Zug vor. Die Gespräche liefen nach Russlands Willen und Vorstellung, Iran und die Türkei waren mit dabei, die USA und Europa dagegen nicht. […..] Nicht der Erfolg der türkischen Invasion liegt in Moskaus Interesse, sondern deren Scheitern. Aber Putin und Lawrow spielen gern über Bande. Und in der vergangenen Woche ist alles nach Wunsch verlaufen: Putin antizipierte, anders als Erdoğan, dass sich die Kurden im Falle eines Rückzugs der Amerikaner und eines Angriffs der Türkei Assad zuwenden würden. Assads Machtbereich wird nun schlagartig größer. Im Norden Syriens gibt es Ölquellen, die Geld bringen, außerdem leben dort Hunderttausende Syrer, die Assad, ohne einen Schuss abfeuern zu müssen, zurückbekommt.
 […..]
(DER SPIEGEL Titelgeschichte, 18.10.2019)


An dieser Stelle muss man sich die alte Weisheit Egon Bahrs vergegenwärtigen.

"In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt."
(Egon Bahr)

Putin und Erdoğan sind einst sehr weit auf Deutschland und die EU zugegangen.
Ihre staatlichen Interessen waren klar: Im Konzert der Großen anerkannt werden, enge Bindung an die EU und wirtschaftlicher Aufschwung.
Auf diesen drei Grundlagen hätte Europa sie integrieren und ins demokratische Lager ziehen können. Schröder und Fischer verstanden das.
Die CDU wollte aber höchstens den dritten Punkt gewähren und so wurde es zu einem der folgeschwersten Kardinalfehler Merkels, daß sie nach ihrem Amtsantritt mit dem Kriegsverbrecher GWB paktierte und dafür Russland und die Türkei maximal vor den Kopf stieß.
 Die so Gedemütigten versuchten es noch eine Zeit lang weiter. Gaben es aber irgendwann auf, orientierten sich stattdessen an Diktaturen, brachen die offensichtlich zu nichts führenden Demokratisierungsbestrebungen ab, verkehrten sie ins Gegenteil und sannen schließlich auf Rache.
Sie griffen zu, als sich die Gelegenheit ergab die EU zu erpressen und staunten wie plan- und wehrlos Brüssel alles geschehen ließ.
Die Erkenntnis, daß die EU so nicht weitermachen kann, ist alt. Wir brauchen Reformen, eine gemeinsame Außen- und Verteidigungspolitik, die Abschaffung des erpresserischen Mehrheitsprinzips. Europa braucht eine „Telefonnummer“, also handlungsbefugte Vertreter, die auf internationaler Ebene agieren.
Stattdessen kochen auch und gerade die Deutschen lieber ihr eigenes Süppchen, sehen achselzuckend zu, wenn einer wie Macron immerhin versucht das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen und verfallen bis heute in einen aufgeregten Hühnerhaufenmodus, wenn Trump und Erdoğan plötzlich in Syrien Tatsachen schaffen.
Syrien? War da was? 2015? Kurden? IS?
Vier Jahre Zeit verplempert ist die Bilanz der gegenwärtigen europäischen Regierungschefs.


Ich behaupte aber, es liegt nicht an den demokratischen Strukturen, daß man hilflos den erratischen Launen Washingtons und sinisterer Autokraten ausgeliefert ist. Die EU ist immer noch ökonomisch sehr stark und könnte durchaus kraftvolle Antworten finden.
Die EU hat aber ein gewaltiges Personalproblem.
Überall sitzen hasenfüßige Egoisten in den Staatskanzleien, die nicht weiter als bis zu ihrer Wiederwahl denken. „Nach uns die Sintflut“ ist das Motto.
Wer noch nicht mal digitale Infrastruktur und Klimapolitik anfasst, bekommt bei internationalen Großkonflikten erst Recht auf keinen gemeinsamen Nenner.
Möglich wäre es, wenn es noch weitdenkende international vernetzte Staatsmänner gäbe.
Wären statt Orban, Merkel, Johnson und Kurz noch Kaliber wie Helmut Schmidt, Valéry Giscard d'Estaing, Kreisky, Brandt, Gonzalez, Władysław Bartoszewski, Olof Palme „am Ruder“, bin ich mir sicher, daß sie sich schon seit Jahren eng abgestimmt hätten, um den lange drohenden Desastern im Nahen Osten, in der Türkei, in Moskau entgegen zu wirken.

Noch deprimierender ist, daß auch das lange klar ist. Im letzten Bundestagswahlkampf setzte die SPD mit dem ehemaligen EU-Parlamentspräsidenten Schulz und dem Außenminister Gabriel ganz auf die Europäische Karte, versprach Macrons Reformbemühungen zu unterstützen, international enger zusammen zu arbeiten.
Allein, die Wähler wollten es nicht, straften RRG ab, holten Antieuropäer ins Parlament und machten erneut eine Märkische Schlaftablette zur Kanzlerin, die schon in den 12 Jahren zuvor alles liegen ließ.

Durchaus verständlich, daß Deutschland in Moskau und Ankara ausgelacht wird.

Sonntag, 20. Oktober 2019

Realität – Teil II

Es nervt mich, es nervt mich unglaublich, daß mehr und mehr Leute meinen Realpolitik wäre eine Angelegenheit, die man wie ein beleidigtes Kind behandeln könne.
Uns gefällt die Groko nicht? Also sind wir muksch, ziehen uns in den Schmollwinkel zurück.
Was ist das nur mit den Linken, daß sie sich neuerdings immer nur einen schlanken Fuß machen wollen und sich ein Beispiel an Christian Lindner nehmen, dem auch alles irgendwie zu anstrengend, zu kompliziert wurde und sich daher beleidigt in die Ecke stellte – „da mache ich nicht mit. Sollen doch andere regieren!“
Ist der FDP entsprechend bekommen. Nach dem zweistelligen Bundestagswahlergebnis ist sie jetzt wieder in der wohlverdienten Bedeutungslosigkeit angekommen. Spielt inhaltliche keine Rolle mehr und nähert sich mit aktuell etwas über sechs Prozent in den Umfragen wieder der 5%-Hürde.

Ich habe auch keine Erklärung für die sagenhafte Unfähigkeit des Willy-Brandt-Hauses, das nicht in der Lage ist die großen Erfolge der SPD in dieser Groko darzustellen.
Aber Fakten bleiben Fakten.

(….) Die Bertelsmänner haben sich diese Effektlosigkeit der Unions-Minister genauer angesehen und die Arbeit des Groko-Kabinetts überprüft.
Das Ergebnis ist ein Desaster für die Parteichefs Söder und Kramp-Karrenbauer.

Die SPD-Seite der Groko arbeitet höchst effektiv und seriös.

 [….]  Hält die Große Koalition, was sie verspricht? Weitgehend ja - zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie. [….]  Demnach hat die Regierung aus Union und SPD in ihren ersten 15 Monaten zahlreiche Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag umgesetzt. 47 Prozent der Versprechen seien vollständig oder teilweise erfüllt, 14 Prozent "substanziell in Angriff genommen" worden. Das sei deutlich mehr als die - ebenfalls schwarz-rote - Vorgängerregierung zur Halbzeit geschafft hatte.
Die Autoren der Studie untersuchten 296 "echte Versprechen": Vorhaben, bei denen sich klar überprüfen lässt, ob sie umgesetzt wurden. Ihr Fazit: Die Bilanz der jetzigen Koalition sei "rekordverdächtig". Sollte die Regierung in ihrem jetzigen Tempo weiterarbeiten, könnte sie bis zum Ende der Legislaturperiode fast alle Versprechen eingelöst haben.
[….]  Von den 296 Wahlversprechen stammen der Studie zufolge 73 (etwa ein Viertel) aus dem Wahlprogramm der SPD und 32 (elf Prozent) aus denen von CDU und CSU. 46 Vorhaben (16 Prozent) finden sich in den Programmen beider Koalitionspartner wieder. [….]  Zwischen Union und SPD ist die Umsetzungsbilanz ausgeglichen: Die SPD setzte der Studie zufolge 33 der 73 Vorhaben um, die allein aus ihrem Wahlprogramm stammen (45 Prozent). Von den 32 unionsgeprägten Versprechen waren am 30. Juni, dem Stichtag der Untersuchung, 14 umgesetzt worden (44 Prozent). [….] 

Während für die CDUCSU die blamable Erkenntnis bleibt, daß ihre Minister sehr viel schlechter als die Sozen arbeiten, müssen sich Totalversager wie Andrea Nahles fragen lassen, wie zum Teufel sie es geschafft haben eine so erfolgreiche Realpolitik als völliges Desaster zu erkaufen.
Viele SPD-Mitglieder wollen „nur noch raus aus der Groko“, weil sie fest davon überzeugt sind, diese erreiche gar nichts oder setze nur neoliberale Dinge um – obwohl das diametrale Gegenteil der Fall ist.
                                                             
Das ist ein ganz neuer Spin des Versagens der politischen Linken von 2019:
Wählerabschreckung durch Erfolg!
Enttäuschung auslösen durch Ehrlichkeit!
Die eigene Parteibasis frustrieren durch Effektivität.
Sozial Schwache vergrätzen durch Politik für sozial Schwache.

Die Groko arbeitet nicht nur gut, sondern so viel besser als ihr Ruf, daß es schon an ein Wunder grenzt demoskopisch so katastrophal dazustehen.

[…..] Die GroKo glänzt unbemerkt.
"Besser als ihr Ruf" betitelt die Bertelsmann Stiftung ihre ausführliche Auswertung der Arbeit der Großen Koalition und trifft damit den Kern der vorgestellten Forschungsergebnisse: Viele Menschen sind demnach überzeugt, dass Koalitionsversprechen oft nicht umgesetzt würden. [….]

Da setzt die Groko überwiegend und kontinuierlich ureigene SPD-Forderungen um und in den Sozi-Basisgruppen auf Facebook ziehen Jusos und Parteilinke über Scholz als „Schäuble 2.0“ her, ätzen er solle endlich in die CDU übertreten. (….)


In der Groko gibt es mindestens sechs Vollpfeifen – AKK, Klöckner, Seehofer, Scheuer, Karliczek, Spahn.

Das ist schlimm genug.
Scheuer lügt und betrügt, verursacht Milliardenschäden für die Bürger, alle drei CDU-Frauen sind hoffnungslos überfordert, debakulieren ahnungslos durch ihre Ämter und dann ist da noch der Superminister, der nun die Gamer-Szene als Feind entdeckt hat.


Ich verstehen ja den Impuls aus so einem Kabinett fliehen zu wollen.
Aber so sehr ich Karl Lauterbach schätze, so sehr frage ich mich wie er auf die irrige Idee kommen kann, daß ein Kabinett mit sechs gefährlich Unqualifizierten schlimmer wäre als ein Kabinett mit zwölf gefährlich Unqualifizierten, wenn die SPD ihre Minister abzieht und Merkel als Minderheitsregierungschefin die Posten mit Unionslern besetzen muss, die dann auch noch so rechts blinken, um die parlamentarische Unterstützung und von FDP und AfD zu erhalten.


Wenn die SPD die Groko aufkündigt bedeutet das nämlich nicht, daß es gar keine Regierung mehr gibt und sich wie von Zauberhand alles selbst regelt, sondern dann gibt es eben eine rein rechte Regierung ohne irgendwelche sozialen Anteile.
Dann können Millionen arme Rentner eine Grundsicherung sofort vergessen und werden sie auch nicht mehr bekommen in den nächsten Jahren. Dann gibt es keinen Mindestlohn mehr, keinen Schutz für ausgepresste Paketboten und dafür riesige Steuergeschenke für die Superreichen.

Das wird dann die Realität. Aber man macht sich nicht die Hände schmutzig.


Samstag, 19. Oktober 2019

Besoffene Amis und Briten.

Als kleiner Junge verstand ich die Tragik nicht; eine gute Bekannte der Familie, die schwer krank war sollte eigentlich zwei Monate in eine Spezialklinik, kam aber nach wenigen Tagen zurück, lachte und erklärte man habe sie als „zu gesund für uns“ nach Hause geschickt.
Ich hielt das für eine gute Neuigkeit, denn das war ja meine „Cola-Tante“, die uns immer einen Cola-Lolli mitbrachte.
(Coca Cola gab es in unserem Haushalt nicht, umso mehr freuten mich diese Lollis)
So gut war die Neuigkeit aber doch nicht, denn sie war heftige Alkoholikerin. Ihr drohte die Entmündigung und daher schickten ihre Familie sie zur „Urschrei-Therapie“ der Psychosomatischen Klinik Bad Herrenalb. In den 1970ern der letzte Schrei.
Neben den üblichen Matern wie Töpfern, Waldlauf und Morgengymnastik, traf man sich täglich in einer mit Gummimatten ausgelegten Halle, zog sich kollektiv nackt aus, warf sich auf die Erde und begann zu schreien wie am Spieß. Das musste so laut und aus dem Magen kommen, bis man sich ob der Überanstrengung des Gebrülles übergeben musste. In dem Moment sollte sich der Neben-Schreier an den Kotzenden pressen und ihn/sie so fest umarmen, daß auch wirklich der ganze Mageninhalt hervorgelockt wurde.
Idealerweise generierte so eine Sitzung am Ende ein Knäuel grölender und heulender Nackter in einem Vomitus-Bad.
Meine „Cola-Tante“ fühlte sich außerstande mitzumachen und musste immer lachen als sie vom Cheftherapeuten im Adamskostüm angebrüllt wurde endlich lauter zu brüllen.
Die Horrorgeschichten aus Herrenalb verfolgten mich noch eine Zeit.
 So bizarr und unfreiwillig komisch das auch klang; aber abgesehen von dieser speziellen Methode, der „Urschreitherapie nach Arthur Janov“, leuchtet es ein: Alkoholiker müssen erstens erkennen, daß sie ein echtes Problem haben und außerdem so enorme finanzielle oder persönliche oder physische Probleme bekommen, daß sie zu drastischen Methoden bereit sind.
Es kann sogar Glück im Unglück sein, wenn man Job und Wohnung verliert und buchstäblich in der Gosse landet. Möglicherweise erwächst daraus die Erkenntnis, daß es so nicht weitergehen kann.
Wer aber zB durch sehr wohlhabende Eltern finanziell unabhängig ist, wird womöglich diese drastische Erfahrung nie machen, also auch nicht den Entschluss fassen aufhören zu müssen und trinkt sich tot.

Die Kriterien sind:
I. Craving (starkes Verlangen Alkohol zu trinken)
II. Kontrollverlust über den Alkoholkonsum bezüglich Beginn oder Menge
III. Toleranzentwicklung gegenüber der Alkoholwirkung
IV. Einengung auf das Alkoholtrinken und dadurch Vernachlässigung anderer Interessen
V. Anhaltender Alkoholkonsum trotz eindeutiger schädlicher Folgen (gesundheitlich, psychisch oder sozial)
VI. körperlichem Entzugssyndrom bei Reduzierung der Alkoholmenge oder Abstinenz

Alkoholiker können außerordentlich geschickt darin sein ihren Alkoholkonsum zu verbergen und sich selbst einreden noch „alles im Griff zu haben“.
Damit erklärt sich auch der Erfolg der „Anonymen Alkoholiker“. In den AA-Kreisen entfällt dieser selbstillusionierende Mechanismus und so gedeiht die Erkenntnis welche Ausmaße die Sucht angenommen hat.

Meine Cola-Tante starb tatsächlich mit Mitte 40 an einer Leberzirrhose.
Sie hatte den Absprung nie geschafft, weil sie es stets verstand die Illusion zu erwecken, daß sie nur gelegentlich mal trinke.

Brexiteers und Trumpisten sind das gesellschaftliche Äquivalent zum Abhängigkeitssyndrom (F10.2) im Diagnosesystem ICD-10.
Sie sind ihrem „Cult-Leader“ verfallen, kapseln sich von der Realität ab.
IV. Einengung auf FOX News und dadurch Vernachlässigung anderer Interessen
V. Anhaltender Johnson-Konsum trotz eindeutiger schädlicher Folgen (gesundheitlich, psychisch oder sozial).
Das Problem der Selbsterkenntnis ist besonders schwerwiegend, weil die nicht betroffenen Landsleute alles dafür tun, daß die Nation dennoch nicht zusammen bricht.

Ich bin daher überhaupt kein Fan eines knappen Votums des US-Senates für ein Impeachment. Natürlich müssen wir Trump loswerden und es würde die Welt sicherer und besser machen, wenn dieser offensichtlich morbide Verbrecher nicht mehr im Oval Office säße.
Aber seine 62 Millionen Wähler würden genau wie meine Cola-Tante ihr Problem nie erkennen.
Schnell würden Dolchstoßlegenden entstehen, natürlich hätte der „Deep State“ die Republikaner („Rinos“) im Kongress gekauft.
Amerika bliebe Amerika, der nächste Präsident würde womöglich langsam wieder auf einen vernünftigen Kurs einschwenken. Aber die 62 Millionen unter Morbus Trumpus Leidenden würden eben nie in der Gosse landen, nie begreifen welch tödlicher Krankheit sie verfallen waren. Bei der nächsten Wahl würden sie erneut hunderte geistig retardierte Teebeutler in die Parlamente schicken.

Das betrifft auch den möglicherweise in der letzten Mikrosekunden doch noch abgewendeten No-Deal-Brexit.
Kompromissbereite Europäer und britische Parlamentarier mit Restverstand würden das Vereinigte Königreich vor einer gewaltigen Katastrophe bewahren.
Natürlich wäre es viel besser den Brexit abzusagen und wenn er schon kommen muss, wäre es für alle Beteiligten harmloser ihn mit Deals und Regelungen abzufedern.
Aber die Idioten, die 2016 für den Brexit stimmten, müssten dann Idioten bleiben.
Sie würden  weiterhin die Konservativen zu total destruktiver Politik drängen oder gleich die Fanatiker von der UKIP wählen.
Daher war ich auch nicht begeistert, als Juncker und Johnson vorgestern überraschend erklärten, sie hätten sich doch noch auf einen Deal geeinigt.
Allerdings kassierte der britische MP schon wieder eine Klatsche.

[….] Das Votum an diesem Super-Samstag ist ein Misstrauensvotum gegen Boris Johnson. Das britische Parlament traut dem Premierminister nicht über den Weg. Deshalb hat die Mehrheit der Abgeordneten in Westminster für einen Antrag gestimmt, der endgültig einen No-Deal-Brexit am 31. Oktober verhindert: Die Sorge war einfach zu groß, dass Johnson die Ratifizierung des Austrittsvertrags bewusst verzögern könnte. Für den Premier ist das eine weitere verheerende Niederlage im Unterhaus. Nun muss er das tun, was er nie wollte: Johnson ist gesetzlich dazu verpflichtet, noch bis Mitternacht um eine Verlängerung der Austrittsfrist in Brüssel zu bitten.
Mit dem Votum vom Super-Samstag hat das Parlament offenbart, wie schwach der Premierminister in Wahrheit ist. Beim EU-Gipfel in dieser Woche markierte Johnson zwar den starken Mann, der einen Deal mit nach Hause bringt. Dass ihm dies gelungen ist, darf man in der Tat als politisches Kunststück bezeichnen. Doch daheim in London zeigte sich nun, wie wenig Macht er hat und wie eng sein politischer Spielraum ist. Daran ist er selbst schuld. […..]

So Leid es mir für die vernünftigen Briten und Amerikaner tut, aber leider geht es ihren Nationen noch nicht schlecht genug, die debile Hälfte der Bevölkerung hat noch nicht erkannt welch tödlichem Irrtum sie frönt.

Wenn GB und USA nicht nur kurz durchatmen und weiterwurschteln wollen, müssen sie einen pädagogischen Prozess durchlaufen.
Johnson und Trump sollten also im Amt bleiben und ihre jeweilige Nation mit Karacho so dermaßen gegen die Wand fahren, daß jeder einzelne ihrer Wähler durch eine tiefe Rezession am eigenen Leib erfährt was für eine verdammt schlechte Idee es war solche rechtspopulistischen Schwätzer zu wählen.
Nur dann erkennen sie, daß man der Hetze von FOX und SUN nicht trauen darf, nur dann wählen sie in Zukunft vielleicht etwas vernünftiger.

Freitag, 18. Oktober 2019

Bleibende Bildung

Heute versuchte ich von dem alten Herrn, um den ich mich kümmere eine Unterschrift zu bekommen; es war nur eine Formalie, aber gerade mit solchen Dingen beziehe ich ihn gern mal mit ein seit er im Pflegeheim ist.
Seine Demenz schreitet schnell mit den typischen Schüben voran.
Den wichtigen Schriftverkehr erledige ich inzwischen, ohne daß er es mitbekommt, aber gelegentlich gehe ich einen Teil seiner Post weiterhin mit ihm zusammen durch, so daß er das Gefühl hat noch gebraucht zu werden und die Fäden in der Hand zu halten.
Heute wollte er aber nicht einfach nur so unterschreiben und begann ein zweiseitiges juristisches Schreiben zu studieren.
Ein aussichtsloses Unterfangen, da er kaum noch einen Satz zu Ende sprechen kann. Die Konzentration reicht nicht mehr; er fängt mit einem Gedanken an und hat den Faden schon wieder verloren, bevor der Satz ganz ausgesprochen ist.
Er nahm also das erste Din-A4-Blatt zur Hand und starrte drauf.
Man soll Demente nicht korrigieren oder belehren, weil sie das noch mehr verunsichert.
Also hütete ich mich davor ihn wie einen Deppen dastehen zu lassen; wohlwissend, daß er ohnehin keine Chance mehr hatte inhaltlich zu folgen.
Tatsächlich verstand er den Sinn des Ganzen überhaupt nicht, aber es geschah etwas Erstaunliches: Im dritten Absatz fand er einen Rechtschreibfehler. Ein Wort hätte außergewöhnlicherweise groß geschrieben werden müssen und stand dort aber klein.
Daraufhin nahm ich mir den ganzen offiziellen Text vor; es war immerhin ein von einem Justiziar aufgesetztes offizielles Statement an alle Aktionäre. Da erwartet man keine grammatikalischen oder orthographischen Schwächen.
Tatsächlich war auch alles völlig korrekt, aber dieser eine Fehler, den der alte Herr entdeckt hatte, war wirklich vorhanden.

Demenz ist komplizierter als viele meinen. Es ist nicht bloß eine kontinuierliche Verblödung, sondern eine ungleichförmige, unvorhersehbare Angelegenheit.
Auch die Persönlichkeit wird verändert und wenn man gerade denkt, „so, jetzt ist er völlig gaga“, brechen blitzartig klare Momente durch.
Da ich kein Neurologe oder Hirnforscher bin, will ich gar nicht erst versuche das zu erklären.
Aber offensichtlich wurde ihm in der Schule so gründlich gutes Deutsch beigebracht, daß die Regeln auch acht Jahrzehnte später noch bombenfest sitzen, wenn alles andere schon so verschwommen ist, daß er nicht weiß wer ihm gegenübersitzt und in welchem Jahr er sich befindet.
Mir gefällt der Gedanke, daß solche Grundpfeiler der Bildung sich zu einem integralen Bestandteil der Persönlichkeit manifestieren und auch noch vorhanden
sind, wenn man schon Windeln trägt und mit Gegenständen spricht.

Als die letzte noch völlig Google-frei aufgewachsene Generation, ging es mir in der Schule nicht anders.
Im Deutsch-Leistungskurs galt für alle Klausuren – natürlich inklusive der Abitur-Klausur – daß mehr als fünf Rechtschreibfehler automatisch die Note „Mangelhaft“ nach sich zogen. Wir hatten schließlich schon elf Jahre Deutsch-Unterricht hinter uns. Wer dann immer noch nicht perfekte Rechtschreibung beherrschte, war offenbar falsch in dem Kurs.
Eine „Reifeprüfung“ konnte man jedenfalls nicht mehr ablegen.
A posteriori erinnere ich mich auch nicht daran, solche Regeln als streng empfunden zu haben. Das war nun mal Oberstufe.
Ich erinnere mich an meinen strengen, aber sehr freundlichen und pädagogisch erstklassigen Mathelehrer. Ich war einer von nur einer Handvoll Schülern seines Grundkurses, der Mathematik als Abiturprüfungsfach hatte. Der Kurs war aber recht groß und da es sich um einen Pflichtkurs handelte, waren darin auch einige wirklich schlechte Schüler, die von sich behaupteten „ich verstehe Mathe nun mal nicht!“. Unser Lehrer wollte das nicht hinnehmen und kümmerte sich mit einer Engelsgeduld um Diejenigen, die immer zwischen Mangelhaft und Ungenügend oszillierten.
Immer wieder bestellte er sie an die Tafel, um mit ihnen zusammen zu rechnen, ihnen ein Erfolgserlebnis zu verschaffen. Er wurde nie ungeduldig und verstand es die Schlechten gerade eben nicht zu demütigen und sie vom Haken zu lassen, bevor es ihnen unerträglich peinlich wurde.
Aber natürlich war er in der 12. und 13. Klasse auch in einem Dilemma, weil es schließlich Abiturstoff gab und er nicht in jeder Stunde die Grundregeln bis zurück in die fünfte Klasse erklären konnte.
Wer nach all der Engelsgeduld nach acht, neun Jahren auf dem Gymnasium immer noch nicht die binomischen Formeln kannte oder bei ähnlichen 100-fach wiederholten Grundkenntnissen scheiterte, konnte eben kein „Ausreichend“ mehr bekommen. Selbst wenn das dramatische Folgen hatte, weil der Schüler womöglich schon in vier anderen Kursen keine Fünf Punkte erreichte, so daß er sitzengeblieben wäre, oder womöglich die Schule hätte verlassen müssen, weil er schon einmal sitzengeblieben war, gab es kein Pardon.
Irgendwann mussten diese Grundlagen nun mal sitzen, sonst gab es kein Abi.
Jedes Jahr ging ein Dutzend Oberstufenschüler vorzeitig von der Schule ab. Und warum auch nicht?
Es gibt auch wunderbare Berufe, die man ohne Abitur und Studium ergreifen kann. Das persönliche Glück hängt davon nicht ab.

Die Litanei, die nun folgen muss, kann sich jeder denken: „Niveaulimbo“ an deutschen Schulen.
Ein schreckliches Klischee, wenn sich ältere Menschen über die Doofheit der Jüngeren echauffieren und darauf beharren, es früher viel schwerer gehabt zu haben.
In dieser Vereinfachung trifft das auch sicher nicht zu.
Wer mit Klugtelefon, Wikipedia und Google aufwächst, lernt Rechtschreibung und Grundrechenarten natürlich anders, als jemand, der wie ich noch nicht mal einen Taschenrechner benutzen durfte.
Aber dafür stellen sich andere Probleme, die ich noch nicht kannte.
Wie navigiert man sich durch eine unendliche Flut nicht seriöser und nicht relevanter Informationen?

Außerdem ist Bildungspolitik offensichtlich Moden unterworfen.
Ich war beispielsweise eine sehr gender-gerechte Generation. Wir bildeten uns regelrecht etwas darauf ein, daß Jungs und Mädchen nun durcheinander gewürfelt waren, bei Klassenreisen in einem Zimmer schlafen durften, daß Jungs Jazzgymnastik und Mädchen Fußball belegten. Ca 20 Jahre später kam wieder die Geschlechtertrennung in Mode, nachdem man entdeckte, daß reine Mädchenklassen deutlich besser in MINT-Fächern abschneiden.
20 Jahre vor meiner Zeit wurde in den Schulen sehr viel mehr auswendig gelernt. Heute 80-Jährige können oft immer noch Dutzende lange Balladen auswendig aufsagen.
Zu meiner Schulzeit hielt man das stumpfe Auswendigkernen für völlig überholt. Das fördere weder das Denken noch die Kreativität. Kinder wären doch keine Roboter.

Heute sieht man auch das unter dem Aspekt der Disziplin wieder anders, weiß mehr über kognitive Prozesse des Hirns.

Dafür ist eine Regelschlampigkeit eingetreten.
15 Punkte gibt es in Mathe schon, wenn man 80% der Aufgaben löst und nur knappe zehn Jahre nach meinem Abi bekam ein ehemaliger Nachhilfeschüler von mir eine „Eins Minus“ für seine Deutsch-Abiklausur und das Minus auch nur als Abzug für über 150 orthographische Fehler. „Aber die wissen ja, daß ich da nicht so gut bin.“
Ich staunte nur wie in der kurzen Zeit so eine eiserne Regel wie „ohne perfekte Rechtschreibung ist die Note immer automatisch mangelhaft“ zu einem „sehr gut Minus“ in Deutsch werden konnte.

Möglicherweise ist der Niveaulimbo doch zu weit gegangen, wenn in der Berufsausbildung Chefs Privatlehrer engagieren müssen, um ihren Lehrlingen Grundlagen in Mathe und Deutsch beizubringen.
Wenn sogar schon Verkäufer Abitur haben sollen, weil der Realschulabschluss inzwischen wertlos ist.

Dissertationen gehen mit Magna Cum Laude durch, wenn Herr Guttenberg für alle offensichtlich seine Dr.-Arbeit bei Wikipedia zusammenkopiert hat?
Von der Leyen oder Schavan bekamen ihre Dr.-Titel, obwohl sie noch nicht mal wissen wie man ordentlich zitiert.

Ich kann das nicht verstehen und werde schon aus Protest zum Snob. Wenn ich mich durch die Kommentare bei Spiegel.de oder Zeit.de klicke, nehme ich die Kommentare mit haarsträubender Rechtschreibung gar nicht mehr ernst.
Das ist meine kleine elitäre Rache als Angehöriger einer Spezies, der als Jugendlicher wenigstens einiges so massiv eingetrichtert wurde, daß es auch von einer Demenz nicht wegzuwischen ist.

Ich kann es nicht akzeptieren, daß Deutschland sich eine so verblödete Forschungsministerin leistet, daß die hiesigen Bildungsanstalten weiterhin kontinuierlich an Niveau verlieren.
10% der in Deutschland Lebenden Erwachsenen sind funktionale Analphabeten.
Sehr viele davon haben einen Schulabschluss. Ohne lesen und schreiben zu können. Und das Niveau sinkt weiter.

[…..]  Schüler dreier Ostländer sind die großen Verlierer
2012 gehörten sie noch zur Spitzengruppe - jetzt sind vor allem in Brandenburg die Schülerleistungen beim zweiten IQB-Bildungsvergleich dramatisch gesunken. Vor allem Mathe bereitet den Neuntklässlern Probleme.
Fast ein Viertel der Neuntklässler in Deutschland erreicht die Mindestanforderungen im Fach Mathematik nicht. Das geht aus dem IQB-Bildungstrend 2018 hervor, der am Freitag in Berlin vorgestellt wurde. Die Wissenschaftler am Institut für Qualitätsentwicklung (IQB) haben mit der Studie von der Förderschule bis zum Gymnasium die Kompetenzen der Neuntklässler in den Fächern Mathe und Naturwissenschaften erhoben. […..]  Die Ergebnisse unterscheiden sich zwischen den Bundesländern teils erheblich: […..]   In Biologie, Physik und Chemie muss Berlin als Schlusslicht herhalten, noch hinter Bremen und Hamburg. Den ersten Platz im Vergleich der Bundesländer sicherte sich hingegen Bayern, ganz knapp vor Sachsen. […..]  In Mathe ist der Trend zudem in Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein rückläufig. Auch hier haben sich die Neuntklässler im Vergleich zur ersten Studie von 2012 verschlechtert.
In den Naturwissenschaften haben neben Brandenburg insbesondere Sachsen-Anhalt und Thüringen Kompetenzen bei ihren Schülern eingebüßt. Die Zahl der Schüler, die den Regelstandard erreicht, ist deutlich gesunken. Abstriche müssen zudem Rheinland-Pfalz, das Saarland und Schleswig-Holstein verzeichnen. Sachsens Schüler haben sich zumindest in Biologie und Chemie etwas verschlechtert. Positive Entwicklungen gibt es hingegen kaum. […..] 

Heute braucht man keine Rechtschreibung mehr, weil es „Autocorrect“ gibt?
Was für eine Unverschämtheit gegenüber den Teens und Twens, die auch heute noch fehlerfrei schreiben können.