Mittwoch, 7. Juli 2021

Reißen die Dummen, Doofen und Armen uns rein?

 

Im Januar 2021 bekamen die ersten Deutschen eine Dosis BionTech-Vakzin.

Bedacht wurden zunächst die extrem Vulnerablen, die das allerhöchste Risiko hatten, an Covid19 zu sterben: Die Hochbetagten in den Pflegeheimen, die eben nicht alle Kontakte aussetzen können, weil sie ständig auf Hilfe angewiesen sind.

Es dürfte sich um eine der wenigen weitgehend unumstrittenen Entscheidungen des politischen Corona-Chaos handeln.

Daß Jens Spahn und Co bei den Impfplänen, Impfnachweisen, der ganzen Impfstrategie genauso versagen würden, wie bei einheitlichen Lockdown-Maßnahmen, Maskenbeschaffung, der Teststrategie oder Corona-App, war selbstverständlich zu erwarten.

Schließlich ist Spahn ein erprobter allgemeiner Versager, der seinem Amt nie gewachsen war. Derjenige, der es kann, Prof. Karl Lauterbach, hat keinen Platz an Merkels Kabinettstisch. Deutschland ist eben keine Meritokratie, sondern ein von Apathie geprägter Parteienstaat mit kleptokratischen Zügen.

Im Januar wußte ich, daß es rund ein halbes Jahr dauern würde, bis ich selbst eine Chance haben würde, geimpft zu werden und lehnte mich demensprechend passiv zurück.

Während Spahn und Laschet immer wieder total überrascht vom Pandemiegeschehen waren, staune ich über das Wahlvolk, das diese Überraschungen so hinnimmt.

Ein Pandemiegeschehen ist natürlich komplex und kompliziert, aber es gibt dafür Experten: Epidemiologen, wie Karl Lauterbach. Als Laie muß man nur den Prognosen Drostens und Lauterbach folgen, um mit frappierender Präzision alle Stadien der Pandemie vorab kennenzulernen.

Die Vakzinknappheit, das Impfdrängeln, der Impfneid und schließlich der Turningpoint, an dem es plötzlich mehr Vakzin als Impfwillige gibt.

Einen Tag, nachdem ich im Impfzentrum noch detailliert meinen Anspruch auf das Serum nachweisen musste, hob Hamburg die Priorisierungsregeln auf.

 Genau wie vorhergesagt, ist nun genügend Impfstoff da, damit jeder, der möchte sich immunisieren lassen kann.

Ein weiteres, ebenso exakt prognostizierte Problem taucht nun auf: Es gibt eine Zahlenlücke zwischen allen Menschen, die sich unbedingt impfen lassen wollen und den rund 85% Geimpften, die es für Delta-Herdenimmunität braucht.

[……] Am 6. Juli 2021 wurden in Deutschland 699.546 Impfdosen verabreicht. Damit sind nun 33.202.521 Personen (39,9% der Gesamtbevölkerung) vollständig geimpft. Insgesamt haben 47.505.270 Personen (57,1%) mindestens eine Impfdosis erhalten. [….]

(RKI Impfdashboard, 07.07.2021)

 In sechs Monaten wurde erst 40% vollständig geimpft. Wie kommen wir auf 85%, wenn die Impfbereitschaft jetzt schon nachlässt?

Nun gilt es Anreize zum Impfen zu schaffen, Impfschwänzer zu sanktionieren, die Freiwilligkeit von Impfungen beispielsweise für das Personal in Pflegeheimen und Krankenhäusern zu überdenken. Nachdem sich jeder impfen lassen kann, ist es auch Zeit die Geimpften zu privilegieren. Es braucht effektive Werbekampagnen und einfallsreiche Prämien. In New York bekommt derjenige, der sich in einem Impfmobil spontan eine Nadel in den Arm jagen lässt, einen Joint geschenkt.

Jens Spahn, unnötig zu erwähnen, ist wie immer auch von dieser Situation überrascht und hat keinen Plan. Auf den können wir nicht zählen, zumal in den letzten zwei, drei Monaten vor der Bundestagswahl ohnehin kaum einer in der Bundesregierung den Mut hat, unangenehme Wahrheiten wie „kein sicherer Präsenzunterricht“, „Reisebeschränkungen“, „vierte Welle“, „nicht ins Fußballstadion“, „Delta“ oder „Lambda“ auszusprechen.

Es liegt also an den Bürgern selbst, an den Medien und Experten die Impfmuffel in die Impfzentren zu jagen.

Nehmen wir einen Kern von 10% Hardcore-Impfverweigerern des Schlages Naidoo/Wendler/Hildmann an, gibt es prinzipiell 90% Menschen in Deutschland, die sich impfen lassen würden. Laut YouGov gelten 75% als impfbereit.

Dafür müssen wir wissen, wer eigentlich diejenigen sind, die zu faul sind bei Impfterminen zu erscheinen und damit riskieren, daß Vakzine weggeschmissen werden müssen.

Eine Untersuchung aus der Schweiz zeigt, wenig überraschend, daß mit höherer Bildung der Impfwille zunimmt. Je doofer, desto aluhütiger.

Außerdem gibt es enorme Unterschiede, wenn man die Bürger nach Berufsgruppen aufschlüsselt.
Landwirte sind die schlimmsten.


Problematisch sind, ebenso wenig überraschend, Rechte und Konservative.

Sehr hinderlich auf dem Weg zur Herdenimmunität sind Süddeutsche.

[…..] Obwohl die Impfkampagne bereits große Erfolge erzielt hat, tun sich viele Menschen immer noch mit dem Gedanken an den Piks schwer - vor allem im wohlhabenden Alpenvorland gibt es Skeptiker.  Dass die Impfungen wirken, lässt sich etwa an Bayerns Alten- und Pflegeheimen erkennen. In denen waren laut Gesundheitsministerium Anfang des Jahres mehr als 7500 Menschen gleichzeitig mit Corona infiziert. Einige von ihnen sind seither an oder mit dem Virus gestorben, die anderen gelten als genesen und darum vergleichsweise gut gegen Neuinfektionen geschützt. Dass sich die Corona-Infektionen in den Heimen mit ihren rund 150 000 Bewohnern zuletzt an nur einer Hand abzählen ließen, lässt sich aber kaum anders erklären als mit den schwerpunktmäßigen Impfungen. "Unsere Impfkampagne ist erfolgreich", erklärt denn auch Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU). Doch wo es anfangs an Impfstoff fehlte, mangelt es inzwischen an Impfwilligen. Besonders im Süden des Landes ist die Impfskepsis auch jenseits von Corona weit verbreitet.  Denn ganz egal ob Masern oder Meningokokken: Bei den Impfungen im Schulkind-Alter bleibt Bayern seit vielen Jahren hinter den Impfquoten anderer Bundesländer zurück. Innerhalb Bayerns wiederum gibt es ebenfalls ein Nord-Süd-Gefälle. In Landkreisen wie Rosenheim, Garmisch-Partenkirchen oder Weilheim-Schongau lagen die Impfquoten laut Untersuchungen aus den vergangenen Jahren oft noch deutlich unter dem Landesschnitt. […..]

(SZ, 06.07.2021)

Generell sind die Ärmeren schlechter für Impfangebote zu erreichen.

[….]  Trotz der jüngsten Fortschritte bei den Coronaimpfungen warten immer noch viele Menschen auf einen Impftermin. Besonders Geringverdienende geraten dabei ins Hintertreffen, wie eine Umfrage des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) zeigt, das zur gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung gehört.  Demnach gaben im Juni 2021 nur 49 Prozent der Befragten, die sich im untersten Fünftel der Lohnverteilung befinden, an, schon mindestens ihre erste Impfdosis erhalten zu haben. Im Vergleich dazu meldeten bereits 71 Prozent der Besserverdienenden, zumindest eine Impfdosis erhalten zu haben. [….]

(SPON, 07.07.2021)

Es ist möglich so viele Menschen zu impfen, daß Deutschland Herdenimmunität erreicht, aber das ist noch ein sehr langer Weg und erfordert sehr viel politisches Können der Regierenden.



[….] Seit Januar 2021 wird vom Robert Koch-Institut ein Monitoring zu COVID-19 Impfquoten sowie zur COVID-19 Impfbereitschaft und -akzeptanz in Deutschland durchgeführt.

    Im Erhebungszeitraum (17.05.21 - 09.06.21) wurden 3004 Erwachsene zur COVID-19-Impfung befragt. Von diesen waren 62.62 % (n = 1881) bereits mindestens einmal und 27.38 % (n = 822) vollständig gegen COVID-19 geimpft.

    Die COVID-19-Impfbereitschaft der Bevölkerung liegt auf einem hohen Niveau: Unter allen ungeimpften Personen geben 67 % an sich “auf jeden Fall” bzw. “eher” impfen lassen zu wollen. Berücksichtigt man die bereits mindestens einmal geimpften Personen mit, ergibt sich ein Anteil von etwa 88 % impfbereiter bzw. bereits geimpfter Personen.

    Bei Personen ab 60 Jahre sind bereits 84.3 % mindestens einmal geimpft, 42.5 % vollständig.

    Die Impfquote des medizinischen Personals und der Lehrer:innen und Erzieher:innen liegt jeweils bei etwa 84 % (mindestens einmal geimpft).

    Personen im Alter von 18 bis 59 Jahre mit Vorerkrankung(en) sind häufiger bereits mindestens einmal geimpft (69.19 %) als Personen der gleichen Altersgruppe ohne Vorerkrankung(en) (44.98 %).

    Die Impfquote bei Personen ohne Migrationshintergrund ist höher als die von Personen mit Migrationshintergrund.  […..]

(RKI, 19.06.2021)







Dienstag, 6. Juli 2021

Bleibt alles gleich – Teil II

 Am Wochenende habe ich einige Folgen der US-Serie Tour of Duty (Deutsch: NAM – Dienst in Vietnam) gesehen. Die Serie wurde Ende der 1980er Jahre gedreht und 1989 synchronisiert auf RTL Plus ausgestrahlt.

In 58 Folgen wird der Alltag einer kleinen Kampfeinheit von US-Soldaten im Vietnamkrieg 1967/68 gezeigt.

Damals hatte ich die Story bereits gesehen und war nun, über 30 Jahre später, interessiert daran, das englische Original zu erleben und mit meinem heutigen Wissen über die amerikanische Politik zu beurteilen, wie realistisch die Darstellung war.

Technisch waren sie damals noch nicht auf der Höhe moderner Dramaserien, aber ich staune über die Aktualität der Themensetzung.

Es wird viel mit der US-Außenpolitik gehadert, die Sinnhaftigkeit eines Regime-Chance-Einsatzes hinterfragt. Die Ungleichbehandlung der schwarzen GIs spielt eine riesengroße Rolle. Natürlich gab es kaum schwarze Offiziere, aber umso mehr schwarze Fußsoldaten aus einfachen Verhältnissen, die im Dschungel immer voran gehen mußten, wenn es gefährlich wurde. Die ganz wenigen Frauen werden mit unverhohlen als Sexobjekte angesehen, deren eigentliche Arbeit die alten Offiziere gar nicht ernst nehmen. Die Protagonistinnen in der Serie wehren sich heftig dagegen und wollen unbedingt erreichen, unabhängig von ihrem Geschlecht für ihre Arbeit anerkannt zu werden – wohlwissend, daß sie dann doppelt so gut wie ein Mann sein müssen.

Es kommt sogar ein latent schwuler Soldat vor, der zunächst deswegen erpresst wird, dann aber von einem freundlichen Vorgesetzen verblüffenderweise geschützt wird. Das bedeutet in dem Fall; ab zur psychiatrischen Betreuung und unehrenhafte Entlassung. Der Sergeant möchte, daß es ihm gut geht und der Homo nicht gequält wird. Die Vorstellung, daß ein Schwuler in der Army bleiben könnte, existiert noch nicht.

Immerhin, ein halbes Jahrhundert später gehören Frauen ganz selbstverständlich zur kämpfenden Truppe, werden Offizierinnen. LGBTIs dürfen zumindest offiziell nicht mehr diskriminiert werden, wenn auch Trump und die Republikaner immer noch eine strikt heterosexuelle Truppe wollen.

Es gab also in mancher Hinsicht enorme gesellschaftspolitische Fortschritte, auch in so einer konservativen Umgebung wie dem Militär.

Umso erschreckender ist es, wie festgemeißelt andere Missstände sind.

So bleibt der einfache Soldat, der seinen Kopf hinhält und das höchste Risiko trägt zu sterben, in der Regel ein Angehöriger der Unterschicht. Wer reich und gebildet ist, geht nicht zur Army. Heute gibt es ohnehin keine Wehrpflicht mehr und in den 1960ern konnten sich die Wohlhabenden, wie ein gewisser Donald J. Trump, mit Fake-Attesten und Bestechung leicht freikaufen.

Drogen sind immer noch ein enormes Problem, weil traumatisierten Soldaten keine angemessene soziale und psychologische Betreuung widerfährt. Damals wie jetzt sind Opioide für viele der einzige Ausweg und damit werden sie überflüssigerweise durch eine falsche Drogenpolitik auch noch automatisch kriminalisiert.

Der 1968 in Memphis ermordete Martin Luther King spielt in Tour of Duty eine große Rolle, weil sein Tod den schwarzen Soldaten klar vor Augen führt, wie rassistisch die USA sind. Daß sie außerhalb der Army als normale US-Bürger natürlich nie die gleichen Chancen, wie ihre weißen Freunde haben werden.

Donald Trumps unverhohlener Rassismus und die Begeisterung seiner 74 Millionen Wähler, die immer wiederkehrende Ermordung unschuldiger Schwarzer durch weiße Polizisten, das Erstarken der White Supremacy-Bewegung, zeigt auch 55 Jahre nachdem die Serie spielt, wie ungerecht die amerikanische Zivilgesellschaft ist.

Eine gruselige Parallelität tut sich durch den US-Einsatz in Afghanistan auf. Davon konnten die Produzenten bei CBS 1987 noch nichts wissen.

Nach zehn Jahren in Vietnam zog die US-Armee demoralisiert ab und hatte über 58.000 Tote zu beklagen. Verglichen mit den 1,1 Millionen gefallenen vietnamesischen Soldaten und den fünf Millionen getöteten Zivilisten, kam die USA glimpflich davon. Aber Vietnam gewann den Krieg.

Ganz genauso dümmlich stolperten GWB-Amerika in die Kriege im Irak, Syrien und Afghanistan.

Nach 20 Jahren zieht nun die NATO aus Afghanistan ab. Sie beschloss am 14. April 2021 das Ende der Mission Resolute Support.

Auf US-Seite starben 2.300 GIs und 21.000 wurden verletzt.   Die Opferzahlen der Zivilbevölkerung sind um ein Vielfaches höher, gehen in die Hunderttausende.

Auch diesen Krieg verloren die USA. Es wird nicht lange dauern bis die Taliban wieder die vollständige Kontrolle über das Land haben, Frauen in Burkas zwingen, Mädchen aus den Schulen holen und all die Zivilisten, die den westlichen Truppen in irgendeiner Form halfen, massakrieren.   Denn Schande, Schande, SCHANDE über die NATO-Staaten, Deutschland und die Bundeswehr: All ihre zivilen Helfer werden entgegen der anderslautenden Versprechungen im Stich gelassen.

[….] Nach dem Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan steht die Bundesregierung wegen des Umgangs mit zurückgebliebenen Ortskräften massiv in der Kritik. "Es ist unfassbar undankbar und zutiefst beschämend, wie die Bundesregierung die Ortskräfte im Stich lässt, die um ihr Leben fürchten und ohne die das ganze deutsche Engagement nicht möglich gewesen wäre", sagte die Vizechefin der Grünen im Bundestag, Agnieszka Brugger, am Sonntag der Süddeutschen Zeitung. "Wenn Menschen aus Afghanistan, die für die deutsche Bundeswehr gearbeitet haben, aufgrund dieser Tätigkeit jetzt um ihr Leben fürchten müssen, haben wir die Verantwortung, sie zu schützen", appellierte der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck. "Es geht jetzt darum, Leben zu schützen", mahnte das "Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte". Helfer der ausländischen Truppen stehen besonders im Visier der Taliban. […..]

(SZ, 04.07.2021)

Die westliche Staatengemeinschaft zeigt sich den Menschen, die sie angeblich schützen wollte, von ihrer widerlichsten Seite.

[….] »Wenn die Taliban mich kriegen, bringen die mich sofort um«

Die deutschen Soldaten verlassen ihre Camps, zurück bleiben Hunderte Übersetzer, Köche, Helfer. Etliche stehen auf der Abschussliste der Taliban. Warum lässt Deutschland sie im Stich? [….]

(DER SPIEGEL, 25.06.2021)

Die US-Armee und US-Regierung lassen aber nicht nur wie die entsprechenden deutschen Stellen die afghanischen Zivilisten im Regen stehen – Annegret Kramp-Karrenbauer erschien noch nicht mal zum Empfang der abziehenden deutschen Soldaten – sondern eben auch ihre eigenen Leute.

Die Rückkehrer sind oft so traumatisiert, daß sie sich wie im Vietnamkrieg – auch das wird in der genannten Serie thematisiert – selbst umbringen.

[…..]  Jeden Tag nehmen sich 20 US-Kriegsveteranen das Leben.  Am Veterans Day feiern die USA ihre ehemaligen Armeeangehörigen wieder als Helden. Was dabei kaum zur Sprache kommt: Tagtäglich bringen sich 20 von ihnen um. [….]

(Rita Schwarzer, NZZ, 11.11.2017)

AKK und ihre Amtskollegen sind offenbar nicht willens, sich um ihre Veteranen zu kümmern.

Thomas Howard Suitt, Professor an der Brown University ist Autor einer Studie zu Suiziden im Auftrag des Pentagons.

In den letzten 20 Jahren, also seit 9/11, starben rund 7.000 US-Soldaten bei Kampfeinsätzen in letztendlich verlorenen Kriegen.

Sehr viel mehr, nämlich 30.177 US-Soldaten nahmen sich in demselben Zeitraum selbst das Leben.   Damit ist die Suizidrate erheblich höher als in der Normalbevölkerung.

Die Gründe sind bekannt: Das Grauen des Krieges, posttraumatische Belastungsstörungen, ausbleibende medizinische und psychologische Betreuung nach den Einsätzen, sowie hartnäckige Vorurteile der Bevölkerung.

Die gewaltigen Suizidzahlen sind lange bekannt und überraschen niemand.    Genau das ist wohl ein weiterer Grund dafür, daß sich jedes Jahr tausende US-Soldaten und Veteranen selbst umbringen: Ihnen schlägt totales Desinteresse entgegen.

Montag, 5. Juli 2021

Wenn das Mitleid aufgebraucht ist.

Wenn man Kinder der Obhut der christlichen Kirche übergibt, passiert immer das Gleiche; insbesondere wenn diese Kinder nicht dem klerikalen Idealbild entsprechen, weil sie wie im 20. Jahrhundert in Deutschland unehelich geboren wurden, die Eltern sich scheiden ließen. Oder weil sie die falsche Hautfarbe hatten oder, am schlimmsten, als „Heiden“ geboren wurden.

Sie wurden schwer misshandelt, gefoltert, ausgebeutet, geschlagen, sexuell missbrauch, vielfach auch getötet.

(….) Auf Kinder Rücksicht zu nehmen, ist Typen wie Woelki oder Ratzinger auch deswegen unmöglich, weil sie als katholische Theologen natürlich ihre Bibel kennen und all die heiligen und göttlichen Ansichten dazu im Schlaf aufsagen können. Kinder soll man nicht nur misshandeln, verprügeln, züchtigen und körperlich bestrafen; nein man muss es sogar. Des lo vult.

Und christlich bedeutet,  Kinder zu quälen und prügeln, so wie es Georg Ratzinger über Jahrzehnte bei den Regensburger Domspatzen durchführte.  Die Bibel, immerhin Gottes Wort, auf das geschworen wird; zu dem sich Typen wie Nahles, Merkel und Steinmeiner ausdrücklich bekennen, ist da völlig eindeutig. Eindeutig brutal, abartig, verdammenswert.

„Entziehe dem Knaben nicht die Züchtigung; wenn du ihn mit der Rute schlägst, wird er nicht sterben. Du schlägst ihn mit der Rute, und du errettest seine Seele von dem Scheol.“

(Sprüche 23,13-14, siehe auch 13,24;22:15;20,30).

„Rute und Zucht geben Weisheit; aber ein sich selbst überlassener Knabe macht seiner Mutter Schande“ (Sprüche 29,15).

Da auch die Bevölkerungen und Regierungen der christlichen Länder über die Jahrhunderte von dieser christlichen Unmoral gegenüber Kindern geprägt waren, gaben die Staaten vielfach Kindererziehung direkt in die Hände der Kirche.  In christlichen Heimen konnten die Pfaffen und Nonnen dann ihren sadistischen Impulsen frönen und weltweit Millionen Kindern quälen, vergewaltigen und auch totschlagen.  (…..)

(Christliche Werte für Kinder, 29.05.2021)

Ein Abscheulichkeits-Maximum erreichte die kirchliche Kinderfolter im 19. und 20. Jahrhundert in Kanada. Dort wurden in 139. katholischen Einrichtungen rund 150.000 indigene Kinder gefoltert und tausende davon umgebracht.

Im Mai 2021 entdeckte man in der westkanadischen katholischen „Residential School“ bei Kamloops (British Columbia), die bis 1978 betrieben wurde, 215 Kinderleichen, die die Geistlichen einfach heimlich verscharrt hatten.

Wenige Wochen später, der nächste Fund. Diesmal waren es 751 anonyme Kindergräber bei einem katholischen Kinderheim in der Provinz Saskatchewan.

[…..] For decades, the Indigenous children were taken from their families, sometimes by force, and housed in crowded, church-run boarding schools, where they were abused and prohibited from speaking their languages. Thousands vanished altogether.  Now, a new discovery offers chilling evidence that many of the missing children may have died at these schools: The remains of as many as 751 people, mainly Indigenous children, were found at the site of a former school in the province of Saskatchewan, an Indigenous group said on Thursday. […..]

(Ian Austen and Dan Bilefsky, NYT, June 24, 2021)

Wenige Tage später fand sich das dritte Kinder-Massengrab des durch die katholische Kirche verübten Genozids.

[…..]  Am Mittwoch nun kam es zu einem dritten Fund. Experten setzten bei Suchaktionen in der Umgebung der Saint Eugene's Mission School in Cranbrook im Westen Kanadas Bodenradargeräte ein, wie die dortige indigene Lower-Kootenay-Gemeinschaft mitteilte. Sie seien so vermutlich auf die sterblichen Überreste von 182 Schülern des Internats gestoßen.  Die Gemeinschaft geht davon aus, dass es sich bei den toten Kindern, von denen viele in nur einen Meter tiefen Gräben verscharrt wurden, um Schüler des Internats im Alter von sieben bis 15 Jahren handelte. Die katholische Kirche hatte das Internat im Auftrag der Regierung von 1912 bis Anfang der Siebzigerjahre betrieben. […..]

(SPON, 01.07.2021)

Weder die deutsche, noch die US-amerikanische oder die kanadische Regierung nehmen das als Anlass der massenmörderischen Kinderf*ckerorganisation die Gemeinnützigkeit oder das Privileg keine Steuern zahlen zu müssen, zu entziehen.

Dabei können Überlebende überall auf der Welt davon berichten, wie es ihnen in kirchlicher Obhut erging.  Tla-o-qui-aht-Stammesmitglied Barney Williams, 81, war “Schüler” in Kamloops.  Auch er erlebte grausamste Folter durch die frommen katholischen Geistlichen.

[…..] Williams: Wir wurden geschlagen, wenn wir unsere indigene Sprache sprachen, obwohl wir noch kein Englisch konnten. Als Strafe steckten sie uns für acht Stunden ein keilförmiges Holzstück in den Mund. Wir mussten auch Essen stehlen gegen den Hunger. Am schlimmsten war aber der sexuelle Missbrauch. Ich wurde acht oder neun Jahre lang von einem Priester vergewaltigt. […..] Wir haben versucht, zusammenzuhalten. Aber viele von uns wussten gar nicht, was gerade passiert. Wir waren erst sechs, sieben Jahre alt. Meine Freunde und ich gingen manchmal in den Wald und weinten. Wir sagten nichts, weil wir nicht wussten, an wen wir uns wenden sollten. Der Mann, der mich vergewaltigte, sagte zu mir: »Wenn du jemandem davon erzählst, bringe ich dich um.«  […..]

(DER SPIEGEL, 03.07.2021)

Wie fühlen sich Angehörige der Opfer sich wohl in einer Welt, in der die für diese Massenmorde Verantwortlichen heiliggesprochen werden, man die Vertreter der Organisation in Ethikkommissionen beruft und sie mit Milliarden Geldsegen überschüttet?

Letzte Woche wurden zwei der zu den Einrichtungen gehörenden katholischen Kirchen in Kanada niedergebrannt.

[…..] Williams: Ich will das nicht gutheißen. Aber in Anbetracht dessen, was uns als Kindern angetan wurde, kann ich nicht sagen, dass es mir leidtut. […..]

(DER SPIEGEL, 03.07.2021)

Herr Williams ist sehr viel höflicher als ich es an seiner Stelle wäre.

Sonntag, 4. Juli 2021

Lahmer Lobby-Laschet

Linke, Grüne, Sozis, liberale Medien regen sich heute ganz fürchterlich auf über Hans-Georg Maaßen, die CDU und ihren Chef.

Der faschistoid-völkische Verschwörungstheoretiker, der für die CDU in Thüringen für den Bundestag kandidiert, hat wieder einmal etwas faschistoid-völkisch-Verschwörungstheoretisches von sich gegeben.

Die Tagesschau und der NDR wären von Linksextremen unterwandert, es müsse einen Gesinnungstest für ARD-Redakteure geben. Der Faschist Bernd Höcke sieht es genauso.

[…..] Der CDU-Bundestagskandidat Hans-Georg Maaßen hat in einem Fernsehinterview die Medien in Deutschland scharf kritisiert. Dabei stellte er die öffentlich-rechtlichen Sender und insbesondere die ARD in den Fokus. Beim Sender „TV Berlin“ forderte er einen Charaktertest für Journalisten der ARD-„Tagesschau“ – und löste damit scharfe Kritik aus.  „Der Norddeutsche Rundfunk ist für die ,Tageschau‘ zuständig“, sagte der ehemalige Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz. „Wenn man sieht, dass es da auch Verbindungen gibt zwischen der ,Tagesschau‘ oder zwischen Personen, die für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und die ,Tagesschau‘ arbeiten und der linken und linksextremen Szene, dann wäre das wirklich auch eine Untersuchung wert“, sagte Maaßen. Konkrete Beispiele oder Vorwürfe dafür nannte er nicht. [….]

(Tagesspiegel, 04.07.2021)

Selbstverständlich sind die Parteien links von der CDU wütend. Selbstverständlich ist der Deutsche Journalistenverband DJV wütend, sogar einige West-CDUler sind wütend über solch ungeheuerliche Entgleisungen.

 [….] »Das muss man in seiner Unfassbarkeit kurz auf sich wirken lassen. Diese Äußerungen sind unerträglich und gefährlich. Wir kennen diese Erzählung von AfD und Rechtsaußen. Sie versuchen immer wieder, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit Unterstellungen zu untergraben«, sagte die Vizevorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Katja Mast, dem SPIEGEL. »Maaßen sucht mit dieser Äußerung erneut die unwürdige Nähe zur AfD und ganz rechten Kräften.«   [….] Der ehemalige Linken-Vorsitzende Bernd Riexinger schrieb: »Maaßen gehört nicht in den Bundestag, sondern selbst vor einen Untersuchungsausschuss über seine Zeit im Bundesverfassungsschutz.«  [….] »Ich fordere die CDU und allen voran Armin Laschet auf, jetzt endlich ein Machtwort zu sprechen«, sagte SPD-Fraktionsvize Mast. »Maaßens Äußerungen dürfen nicht schon wieder unkommentiert stehen gelassen werden. Laschet muss endlich Farbe bekennen und Hans-Georg Maaßen in die demokratischen Schranken weisen.« Der Generalsekretär der Sozialdemokraten, Lars Klingbeil, schrieb mit Blick auf den CDU-Chef und Kanzlerkandidaten: »Und Armin Laschet schweigt.«  Der Fraktionsvize der Grünen im Bundestag, Konstantin von Notz, sprach von einem »Frontalangriff auf die Pressefreiheit durch einen Kandidaten der CDU« – und ergänzte in Richtung Laschet und den CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak, sie könnten zwar nichts dafür, dass Maaßen in Thüringen aufgestellt worden sei, »aber sie können was dafür, dass sie zu diesen Ungeheuerlichkeiten schweigen«. [….]

(SPON, 04.07.2021)

Es ist wieder einmal nur die zweite Reihe der Parteien, die Ziemiak und Laschet zum Handeln auffordert. Beredtes Schweigen kommt von den jeweiligen Parteivorsitzenden. Auch Annalena Baerbock hat dazu offensichtlich keine Meinung; wie so oft, wenn es schwierig wird.

Ich halte es für sehr bedenklich, daß bei so drakonischen Angriffen eines Vertreters der größten Regierungspartei und aktiven Parlamentskandidaten auf das deutsche Grundgesetz, Merkel und ihre Minister, Steinmeier, Walter-Borjans, Esken, Habeck, Lindner und Co schweigen.

Vielleicht wollen sie den Rechtsextremisten in der CDU nicht größer machen als er ist und überlassen daher den Widerspruch kleineren Kalibern.

[…..] Ohne Belege behaupten, Journalist*innen der @tagesschau hätten angebliche linke und linksextreme Szenekontakte und dann eine charakterliche Überprüfung für #ARD-Journalist*innen fordern? @HGMaassen, Sie sollten sich schämen. Da ist dringend eine Entschuldigung fällig! [….]

(DJV, 04.07.2021)

[….] Gesinnungstests für Journalist*innen. Vielleicht sollte die @cdu_thueringen mal das Verhältnis ihres Kandidaten #Maaßen zu Art. 5 Grundgesetz klären. [….]

(DJV Thüringen, 04.07.2021)

[….] Unsere Pressefreiheit ist unantastbar. Wer einen Gesinnungstest für Journalisten fordert, fällt in dunkelste Zeiten zurück. Das ist mit den Werten der @CDU nicht vereinbar. @HGMaassen treten sie zurück und aus der CDU aus. [….]

(Dirk Toepffer, CDU-Fraktionschef NdS, 04.07.2021)

Zu glauben, man könne Armin Laschet dazu bringen „ein Machtwort zu sprechen“ ist allerdings naiv, da dem Mann erkennbar nichts an der Verfassung liegt.

Seit er Bundesvorsitzender ist, läßt er immer wieder demonstrativ Antisemiten und Rechtspopulisten in seiner CDU gewähren, kann öffentlich gar keinen Anlass zur Kritik erkennen. Laschet duldet rechtsextreme Verschwörungstheoretiker in der CDU, Laschet duldet Antisemitismus in der CDU. Ein homophober dunkelkatholischer Opus-Dei-Mann ist sein engster Berater.

Er wird auch deshalb nicht rabiat gegen Maaßen vorgehen, weil er weiß, daß seine ostdeutschen Landesverbände so rechtsextrem ticken, daß sie enorme Überschneidungen mit der AfD haben und durchaus mit völkischen, homophoben und antisemitischen Ideen sympathisieren.  So kann auch die notorisch faschistenaffine Thüringer CDU wieder einmal gar kein Problem sehen.


 Armin Laschet wird aber auch aus wahltaktischen Gründen ungern mit dem rechten Rand seiner Partei brechen.   Denn Deutschland ist ein grundsätzlich konservatives Land, welches Reformeifer und Einsatz für Bürgerrechte eher bestraft als belohnt.    Laschet will ohne irgendeine inhaltliche Festlegung im Schlafwagen ins Kanzleramt fahren.  Eine vermutlich erfolgreiche Strategie; so haben es Kohl und Merkel auch zu ihren Rekordamtszeiten gebracht.

[….] In Sachen Persönlichkeitstest ist dieser Wahlkampf schon jetzt aufschlussreich. Über Armin Laschet weiß man spätestens seit dem brutalen Konflikt mit Markus Söder, dass er sich nicht leicht einschüchtern lässt. Nun weiß man auch, dass er über die Gabe verfügt, einen Wahlkampf mit größtmöglicher Teilnahmslosigkeit zu begleiten. Nach dem Rezept von Angela Merkel: Wer sich am energischsten wegduckt, vor allem inhaltlich, gewinnt. [….]

(Markus Feldenkirchen, SPIEGEL-Leitartikel, 03.07.2021)

NACHTRAG:

Inzwischen gibt es doch eine deutliche Reaktion von Saskia Esken.

Samstag, 3. Juli 2021

Multi-Trigger

Es ist inzwischen eine Binsenweisheit: Die Konservativen in den USA haben mit Donald Trump die letzten Rudimente ihrer Programmatik über den Haufen geworfen.

Amerikaner töten, an Russland ranwanzen, die NATO lächerlich machen, mit Kim Yong Un kuscheln, Staatsdefizit in nie dagewesene astronomische Höhen treiben, Sex-und Pornoskandale, öffentliche Untreue, Freihandelsabkommen kündigen und den Warenverkehr mit immer neuen Zöllen blockieren – all das waren über Jahrzehnte die in Stein gemeißelten Todsünden republikanischer Politik.

Nun bejubeln sie all das, weil es ihr Führer tut.   Rechte kennen keine Sachpolitik mehr, sondern nur noch Hass auf die anderen.  Es muss also das getan werden, was Linke/Demokraten/Liberale nicht wollen.

Europäische Autokraten kopieren diese politisch (leider) erfolgreiche Strategie der Dekonstruktion. Es wird keine aufbauende Idee mehr präsentiert, keine Zukunftsplanung mehr entworfen, sondern nur noch rekapituliert, wogegen man ist, wen man hasst und was man zu verhindern trachtet.

Es ist nämlich einfacher Wähler zu gewinnen, weil man die gleichen Dinge hasst, als skeptische Menschen von einer positiven Idee zu überzeugen.

Wieso hassen aber FN-Franzosen, Pis-Polen, Fidesz/Jobbik-Ungarn, Tory/UKIP-Briten, AFD/Wagenknecht-Deutsche, GOP-Amis, AKP-Türken neuerdings so viel und offensiv?

Der Hass speist sich in fast allen Fällen aus Angst, Unwissenheit und gekränktem Selbstbewußtsein.

Die weltweite Bürgerrechtsbewegung hat den einst so stolzen Konservativen das Rückgrat gebrochen. Über Jahrhunderte konnten sie den Planeten durch Zufälle der Geburt (Geschlecht, Nationalität, Hautfarbe) dominieren.

Nun wird aber die aus ihrer Sicht natürliche Überlegenheit in Frage gestellt, weil sie lästigerweise all die Menschen, die man immer ohne Gewissensbisse ausnutzen und ausbeuten konnte, respektieren sollen.

Frauen, Schwule, Schwarze, Migranten, Queere, Umweltaktivisten, Sklavenbefreier, Klimaschützer, Feministinnen, Humanisten, Tierschützer, Greenpeace, UNHCR, Robin Wood, Sea-Shepherd, Oxfam, AI, Ärzte ohne Grenzen, Sea-Watch, Extinction Rebellion, Kinderschutzbund, Zentralrat der Juden, SIPRI und viele andere mehr stehen für eine Bedrohung der alten konservativen Weltordnung.

Die Rechten haben Angst vor den Rechten der anderen.

Intellektuell hoffnungslos damit überfordert, sich auf eine multipolare Welt einzustellen, in der neben ihrem eigenen Lebensmodel nicht nur Weitere existieren, sondern man diese auch noch respektieren soll, reagieren sie mit angstbeißen.

Migranten, Schwule, Frauen und Kinder gab es natürlich schon immer. Aber über Jahrhunderte hatten die sich unterzuordnen und öffentlich nicht in Erscheinung zu treten.

GOPer in Texas und Alabama haben nicht unbedingt etwas gegen Latino-Migranten, wenn diese still und artig zu Hungerlöhnen hinter ihnen her putzen, auf den Feldern ernten und ihren Rasen mähen. So wie damals die afroamerikanischen Sklaven auf den Baumwollfeldern.

Wenn sie aber in den Colleges auftauchen, im TV sichtbar werden, Kino-Rollen übernehmen, in Parlament gewählt werden, es sogar zum US-Präsidenten bringen, herrscht bei den Rechten Alarmstufe Rot, weil jeder einzelne eine Bedrohung ihrer exklusiven Welt darstellt.

Das ist der Kern der #MAGA-Bewegung. Die USA soll wieder so werden wie 1950, als Bunte, Queere, Arme, Ausländer nichts zu sagen hatten.    Jede einzelne dieser Eigenschaften, die einen Menschen anders als den heterosexuellen, weißen, rechten, westlichen Mann machen, stellt einen eigenen Trigger dar, der erst Angst und dann Hass auslöst.   Kommen mehrere Trigger zusammen, können Konservative ihren Hass nicht mehr zügeln. Staatssekretärin Chebli ist ein Paradebeispiel dafür und regt CDU, CSU und AFDP fürchterlich auf.

(….)  Diese Leute, die David Bergers, NeverforgetNikis, Jürgen Elsässers, Hildmans, Kubischecks, Stürzenbergers, van Laacks, Lengsfelds verfügen über einen unendlichen Vorrat von Hass und Häme.    Die Hetze sprudelt jeden Tag wieder neu aus ihnen heraus und jeder kann ein Opfer dessen werden. Insbesondere auch diejenigen, mit denen sie eben noch Seite an Seite standen.   Die Hetze trifft aber nicht jeden gleich intensiv. Sie haben eine Handvoll „Lieblinge“, die sie über alle Maßen triggern, wenn nämlich viele verschiedene Trigger in einer Person vereint sind.

Zu den Personen, deren Namen nur erwähnt werden muss, um diese rechtsextremen Hetzer pawlowsch zu sabbern und knurren zu bringen gehören George Soros (reich, liberal, Jude, Trump-Gegner, Philanthrop), Claudia Roth (Grün, Frau, bunte Kleidung, LGBTI-freundlich, Menschenrechtsaktivistin), Sawan Chebli (SPD, Frau, Muslima, ärmliche Herkunft, Aufsteigerin), Anetta Kahane (Jüdin, links, Aktivistin, Einsatz für Migranten) und Greta Thunberg (jung, Frau, unangepasst, Klima).

Es sind also insbesondere Frauen, auf die neben den wirklich gefährlichen oben genannten Hetzern auch die bekannten publizistischen Figuren des rechten Randes der Demokratie, also Maaßen, Tichy, Matussek, Broder, Sarrazin, losgehen wie ein Knallfrosch im Nitroglycerin-Bad.

Das lässt sich zweifellos psychologisch mit einer tief verunsicherten Männlichkeit erklären; diese alten konservativen Männer fühlen sich bedroht, wenn eine Frau sich nicht gehorsam in die zweite Reihe einordnet, womöglich aus eigener Kraft gegen Widerstände Karriere macht und auch noch selbstbewußt auftritt.

(…..)  Sawsan Chebli, 40, geboren in Berlin, ist dafür ein Paradebeispiel.

Sie ist Tochter palästinensischer Flüchtlinge, die lange Zeit in Deutschland nur geduldet wurden und sich als Staatenlose vieler Rechte beraubt durchschlugen. Erst mit 15 Jahren bekam Chebli ihren ersten Pass – und damit die deutsche Staatsbürgerschaft. Mit zehn Geschwistern hauste sie in einem Moabiter Zimmer; insgesamt waren sie 12 arme, ungebildete Kinder. Erst in der Schule hörte sie das erste mal deutsch. Die Chancen standen katastrophal schlecht.

Aber sie ist schlau. Was dann folgte ist nicht das typische Flüchtlingsschicksal:
1999 Abitur am Lessing-Gymnasium.

2004 Abschluss an der FU Berlin als Diplom-Politologin und Expertin für internationale Beziehungen.

2010 bis 2014 war sie Grundsatzreferentin für interkulturelle Angelegenheiten in der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport

2014 bis 2016 stellvertretende Sprecherin des Auswärtigen Amts.

2016 ist sie Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund.

2016 Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales.

Man ahnt schon, Chebli passt nicht gut in Schubladen. Sie ist überzeugte Muslimin, aber säkular, trägt kein Kopftuch, macht Karriere als deutsche Beamtin. Sie engagiert sich in der SPD, tritt für Frauenrechte ein, hält aber ihr Privatleben radikal aus der Öffentlichkeit fern.    Im Vergleich zu vor Selbstbewußtsein platzenden Politikern des Schlages Spahn, Söder oder Altmaier ist sie scheu und unauffällig.

Aber im Gegensatz zu vielen deutschen Karrierepolitikerinnen ist sie nicht auf den Mund gefallen, vertritt ihre Meinungen auch dort wo es wehtut und inszeniert ganz gern mal ihren Erfolg.

Meiner Ansicht nach ist es das Normalste der Welt, daß eine Frau mit dem Hintergrund zwischen Zurückhaltung und Vorlautheit mäandert.   Ihre Kollegen sehen das scheinbar nicht so; sie wird leidenschaftlich gehasst dafür, daß man sie so schlecht einordnen kann.

[….] Viele ehemalige Kollegen verdrehen bei Erwähnung ihres Namens mindestens die Augen. Chebli erregt Misstrauen, Abneigung, Wut, Neid. Als sie vor eineinhalb Jahren als Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement ins Berliner Rote Rathaus wechselte, gingen bei ihr Morddrohungen ein. Im Netz wurde sie als "trojanisches Pferd der Muslimbrüder" bezeichnet und als "Migranten-Aschenputtel" beschimpft. [….]

(DER SPIEGEL, 13.07.2018)

Zu allem Übel ist die zierliche Staatssekretärin auch noch attraktiv und zieht sich gern sehr schick an.   Weißhaarige Alpha-Männer mit Testosteronüberschuss verwirrt das. Sowas kennt Seehofer nicht aus Bayern. (…….)

(Gutmenschenmob, 22.10.2018)

Ein weiterer Multi-Trigger der verängstigen rechten Kleingeister ist der LINKE Bundestagskandidat Shoan Vaisi.

[…..] In Iran gehöre ich der Minderheit der Kurden an, was allein schon zu Konflikten mit dem Staat führt. Ich bin seit meiner Jugend politisch aktiv, habe mich vor allem für die Rechte von Minderheiten und Frauen eingesetzt. Direkt nach dem Abitur wurde ich wegen meines politischen Engagements vom Staat verfolgt. Am Ende hatte ich die Wahl: Entweder ich würde für viele Jahre in Iran ins Gefängnis gehen und gefoltert werden, oder ich verlasse das Land. So bin ich dann zu Fuß in die Türkei gelaufen und schließlich in Deutschland gelandet. Schnell habe ich mich hier bei den Linken engagiert. In Iran gehörte ich ebenfalls einer linken Gruppierung an. […..]

(S. Vaisi, Spiegel-Interview, 02.04.2021)

Links, Flüchtling, Kurde, Iran – da kommt so einiges zusammen, um Rechte dazu zu bringen mit den Zähnen zu klappern und sich sofort einzunässen.

[……] Shoan Vaisi kandidiert für den Bundestag – „Alptraum“ der Rechten[……] Tareq Alaows wollte eigentlich im September für die Grünen in den Deutschen Bundestag einziehen. Doch als Geflüchteter, der 2015 aus Syrien nach Deutschland kam, zog er derart viel Hass auf sich, dass er im März den Rückzug seiner Kandidatur bekannt gab. Als Grund führte er damals „die hohe Bedrohungslage für mich und vor allem für mir nahestehende Menschen“ auf.    Für viele war Alaows’ Rückzug ein Schock. Auch für den Essener Shoan Vaisi. Doch er fühlte sich dadurch auch angespornt. Nach dem Motto: Jetzt erst recht. „Zwei Tage nach Alaows’ Rückzug habe ich meine Kandidatur für den Bundestag bekannt gegeben“, erzählt der 31-Jährige. [……]  „Die Aufmerksamkeit hat mich positiv überrascht“, sagt Vaisi, der sich in den zehn Jahren seit seiner Ankunft in einem Erstaufnahmelager im hessischen Gießen ein extrem flüssiges Deutsch erarbeitet hat. Überrascht habe ihn, obwohl damit ja leider zu rechnen war, aber auch der Hass, der ihm entgegenschlägt. [……]   Auf Twitter hat Vaisi deshalb zum Thema Hass eine markante Botschaft veröffentlicht: „Die Drohungen gegen Alaows haben gezeigt, wie erschreckend die Vorstellung, dass ein Geflüchteter im deutschen Bundestag sitzt, für die Rassisten in Deutschland ist. Ich möchte ihren Alptraum wahr werden lassen.“ [……]

 (Fabian Scheuermann, FR, 03.07.2021)

Tja, liebe Nazis, mögen Menschen wie Vaisi weiterhin so mutig sein, unsere Kultur und Gesellschaft bereichern, auf daß Ihr braunes Gesochs stets die Hosen voll habt!

Freitag, 2. Juli 2021

Deutsche Homophobie

 In der liberalen Social-Media-Blase ist heute wieder was los.

[……] Die Allianz-Arena darf keinen Regenbogen, da nicht die Regeln des Gastgeberortes gelten, sondern die der #UEFA. Im Stadion von St. Petersburg darf kein Regenbogen, weil nicht die Regeln der UEFA gelten, sondern die des Gastgeberortes. Was für ein Drecksverband. [….]

(Johannes Kram, 02.07.2021)

Die böse UEFA kriecht mal wieder vor homophoben Regimen.

[…..] Im Kampf um Respekt, Toleranz und Gleichberechtigung ist die Europäische Fußball-Union (Uefa) erneut eingeknickt. Der Kontinentalverband untersagte unter anderem seinem EM-Sponsor Volkswagen, bei den Viertelfinalspielen am Freitag in Sankt Petersburg und am Samstag in Baku die zuletzt verwendeten Werbebanden in Regenbogenfarben zu verwenden. Am Freitag in München und am Samstag in Rom sollten sie dagegen zum Einsatz kommen.  „Aufgrund von Bedenken der Uefa im Hinblick auf die rechtlichen Rahmenbedingungen an den Spielorten in Russland und Aserbaidschan hat der Verband uns darüber in Kenntnis gesetzt, dass eine Bespielung der Werbebanden in Regenbogenfarben in St. Petersburg und Baku nicht möglich sei“, teilte Volkswagen am Freitag mit und betonte: „Diese Entwicklung bedauern wir.“ Man habe erneut ein „deutliches Zeichen pro Vielfalt“ setzen wollen. […..]

(SZ, 02.07.2021)

Die queer-freundliche Westwelt ist natürlich empört und schießt scharf gegen dieFunktionäre.

[…..]   Die Dreistigkeit und Verlogenheit der UEFA ist kaum zu überbieten. Mit diesem Vorgehen verrät sie nicht nur Lesben, Schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen in Aserbaidschan und Russland, sondern in ganz Europa. Während sie den Wunsch des Münchener Stadtrats nach einer Beleuchtung des EM-Stadions in München mit Verweis auf ihr Hausrecht ablehnt, knickt sie bei autokratischen Machthabern ein und verbietet nun auch die Regenbogen-Werbebanner in den Stadien von Baku und St. Petersburg. Ihre #EqualGame-Kampagne ist offensichtlich gescheitert.   Einmal mehr wird während dieser EM deutlich, dass die Beteuerungen der UEFA, für eine diverse, inklusive und diskriminierungsfreie Gesellschaft zu stehen, so wertlos wie heuchlerisch sind.  […..]

(Alfonso Pantisano, LSVD, 02.07.2021)

Ich schätze die Pantisano-Brüder sehr, aber welcome to reality; das ist eben die Welt der konservativen Fußball-Funktionäre, die durch die Millionen deutschen Vereinsmitglieder in ihre Machtpositionen kommen.

Das sind die Menschen, die die deutschen Fußballfans durch ihre finanzielle Unterstützung an der Macht halten.

(……)  Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer ist ein großer Förderer der CSU – "Köpfe für Stoiber" - so wie die meisten Fußballer C-Parteien empfehlen. Christoph Metzelder, Uli Hoeneß, Berti Vogts, Rummenigge, Sepp Maier, Pierre Littbarski und Eike Immel – alles CDU/CSU-Helfer.

[….] Auch Parteienforscher Falter sagt, [……] Bei Fußballern, die meist junge Millionäre sind, sind es wohl eher die konservativen Parteien. Da achtet eben doch jeder auf seinen Geldbeutel", beobachtet Falter. [….]

(DER SPIEGEL, 30.08.02)

Die Fußball-Bundesliga ist bis heute eins der letzten Refugien, in denen „schwul“ ein schlimmes Schimpfwort ist und unter dessen Tausenden aktiven Spielern kein einziger Schwuler offen lebt.

Fußball ist das Rudiment des Ressentiments und der Intoleranz, in dem Schwarze mit Affenlauten vom Platz getrieben werden.

So wie Fußball die rechten Parteien unterstützen, so sind die Fußball-Topfunktionäre umgekehrt auch so gut wie immer CDU/CSU-Mitglieder.

Der skandalumwobene Gerhard Mayer-Vorfelder, 1975 bis 2000 Präsident des VfB Stuttgart und von 2001 bis 2006 als Präsident des DFB war sogar ein ausgesprochen radikaler CDU-Rechtsaußen, agierte als CDU-Finanz- und Kulturminister von Baden-Württemberg geradezu völkisch.

Theo Zwanziger, 2006 bis 2012 Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), saß in den 1980ern für die CDU im Landtag von Rheinland-Pfalz.

Auf Zwanziger folgte kurzzeitig Wolfgang Niersbach, der aber schnell in einem Korruptionssumpf unterging.

Der DFB, mit sieben Millionen Mitgliedern der angeschlossenen Vereine der größte nationale Sport-Fachverband der Welt, ist auch jetzt fest in der Hand der CDU-Rechten.

Mit Reinhard Grindel, dem langjährigen CDU-Rechtsaußen und Bundestagsmitglied aus Hamburg, stimmt die Fußballwelt wieder. [……] Grindel ist seinem Job angemessen moralisch verkommen und fördert [……] die Xenophobie.

Multikulti ist in Wahrheit Kuddelmuddel

(DFB-Präsident Reinhard Grindel)  [……]

[….] Knapp zwei Monate später, nach dem schmählichen Ausscheiden der deutschen Mannschaft schon in der Vorrunde und mitten in der Debatte um die Schuldigen für dieses Desaster, packt Grindel die Sache plötzlich wieder aus. Er fordert eine Stellungnahme Özils zu der Foto-Affäre, weil „viele deutsche Fans darauf warten“ würden. Damit bediene er, halten ihm Kritiker vor, den rechtspopulistischen Zeitgeist. Und spiele denen in die Hände, die schon immer was gegen Nationalspieler mit Migrationshintergrund hatten.  [….] „Mich wundert das überhaupt nicht“, sagt der ehemalige Grünen-Abgeordnete Özcan Mutlu. Schon damals habe sich Grindel im Parlament nicht nur als „Rechtsaußen“, sondern auch als „gewiefter Strippenzieher und absoluter Opportunist“ hervorgetan.  Grindel saß 14 Jahre lang für die CDU im Bundestag - von 2002 bis 2016. Er war dort Mitglied des Innen- und des Sportausschusses. Und andere Kollegen, die namentlich nicht genannt werden wollen, berichten ähnliches über ihn wie Mutlu. Als Politiker [……]  attestieren ihm Beobachter „knallharte Ellbogenmentalität“ Wenn Humor und gute Worte nicht weiterhelfen würden, setze Grindel seinen Willen auch schon mal mit bösen Briefen, ruppigen Telefonate oder Drohungen durch, berichtete der „Spiegel“. "Multikulti ist in Wahrheit Kuddelmuddel“, verkündete Grindel dort bereits im Dezember 2004. Es handle sich dabei um „eine Lebenslüge, weil Multikulti in vielen Vierteln eben nur Monokultur geschaffen hat, wo Anreize zur Integration fehlen“. [….] Grindel blieb in den Folgejahren auf diesem Kurs. Dabei war der spätere DFB-Präsident im Parlament auch anderweitig auffällig. So verweigerte er einem Gesetz zur Strafbarkeit von Abgeordnetenbestechung, das der Bundestag im Frühjahr 2014 mit überwältigender Mehrheit beschloss, die Zustimmung – mit nur neun anderen Abgeordneten und obwohl er gleichzeitig als Anti-Korruptionsbeauftragter des DFB fungierte.  Besonders engagiert widmete sich der CDU-Politiker Grindel aber der Ausländerpolitik. Er warnte vor Masseneinwanderung, Überforderung des Staates, Ausbeutung der Sozialsysteme. [….]  Und im Jahr 2013 hielt er eine Rede zur doppelten Staatsbürgerschaft, an die sich Mutlu mit Schaudern erinnert. „Was Grindel da von sich gab, war nicht nur tendenziös. Es war reinster AfD-Sprech, bevor es diese Partei überhaupt gab.“  [….]

(Tagesspiegel, 11.07.2018)

(Eins noch zum Thema Fußball, 14.07.2018)

Es ist wohlfeil gegen die UEFA zu schießen, als wäre sie ein ferner abstrakter bösartiger Usurpator.

Die Uefa wird getragen vom DFB.    Es ähnlich halbwahr, wie auf "DIE IN BRÜSSEL BEI DER EU" zu schimpfen. Das sind keine Aliens, sondern dort sitzen DEUTSCHE Beamte.

Der UEFA-Vizepräsident heißt immer noch Reinhard, der zu korrupt und verlogen war, um weiter DFB-Chef zu bleiben. Aber als UEFA-Vizechef entsendet ihn der DFB doch. Es ist wie mit Brüssel; wenn wir die gescheiterten konservativ-korrupten Deppen wie Oettinger und von der Leyen in die Kommission schicken, müssen wir uns nicht wundern, wenn nicht gegen Ungarn und Polen vorgegangen wird.

 Grindel war schon der homophobe Hardliner, als er DFB-Boss wurde.

[….] Reinhard Grindel dürfte aller Voraussicht nach der neue Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) werden. [….]  Ein Mann des Vertrauens, ein Monument gelebten niedersächsischen Anpackens, ein CDU-Bundestagsabgeordneter, der in seinem Wahlkreis Rotenburg und Heidekreis offenbar alles und jeden kennt. Das geht zumindest aus einem Wahl-Werbe-Video hervor, das nun zum herzhaften Beömmeln einlädt.  Zu sehen ist darin Grindel beim Wählerfang und es ist alles so herrlich daneben, dass man fast weinen muss - vor Schadenfreude. Ein bisschen kommt es einem vor wie beim "Praktikantenrap" von Edeka: Warum verhindert niemand so etwas, nun ja, Saupeinliches? Der Plot geht so: Das Ortsschild Scheeßel im Landkreis Rotenburg (Wümme) führt den Zuschauer hinein in eine Welt aus Händeschütteln, wackerem Smalltalk und "Grindel staring at things". Da begrüßt der kommende starke Mann im deutschen Fußball die Freiwillige Feuerwehr, er gibt sich als bürgernaher Tätschelonkel im Kindergarten, als Grinsepeter im Kuhstall, als Mitmacher in verschiedenen Bereichen des Mittelstandes.  Grindel stakst im Anzug auf Volksfesten herum, posiert mit dem örtlichen Schuhmacher und seiner pollunderbehängten Gattin, ehe er beim Bolzen auf dem Fußballplatz (immer noch im Anzug) einen auf Soccer Dad macht. Und natürlich immer wieder Kühe. Kühe im Stall, Kühe auf der Weide, Kühe, Kühe, Kühe. Niedersachsen halt. Dazu trällert ein ohrenpieksendes Hartmut-Engler-Stimmchen einen Song mit der Zeile: "Komm' mit ins Zukunftsland, es liegt in deiner Hand, mit Herz und Verstand - ooooh, Niedersachsen".[….]

 (Jonas Beckenkamp, SZ, 20.11.2015)

Homos und Ausländer kann Grindel nicht leiden.

[….] Der neue DFB-Präsident Grindel hat gute Verbindungen zu Horst Seehofer. Als CDU-Bundestagsabgeordneter stimmte er gegen die Homo-Ehe und für den Verkauf von Panzern nach Saudi-Arabien. […..]

(Benedikt Niessen, 15.4.16)

Die Deutschen, genauer gesagt, die deutschen Fußballvereine, der Deutsche Fußball-Bund e. V. (DFB) mit sieben Millionen Mitgliedern als Dachverband von 26 deutschen Fußballverbänden, haben sich für Reinhard Grindel als UEFA-Vize-Präsidenten entschieden.

Sie sollten sich jetzt nicht wundern, wenn „die UEFA“ genau die homophobe Politik umsetzt, für die der deutsche Vizechef steht.

Da können sich die Fußballfans an die eigene Nase fassen und sollten nicht über „die UEFA“ jammern.  65% der Deutschen beklagen den Glaubwürdigkeitsverlust der UEFA. Ich kann da aber keinen „Verlust“ erkennen. Die UEFA ist genau so wenig glaubwürdig, wie ich es von Typen wie Grindel erwarte. Es wäre sehr viel glaubwürdiger erst mal Grindel dort abzuziehen und einen liberaleren Vertreter Deutschlands zu entsenden.

Donnerstag, 1. Juli 2021

Wie man auf die da oben blickt.

 Konservative und Linksliberale haben eine völlig andere Haltung gegenüber Obrigkeit und Gehorsam.

Für die Rechten sind es wichtige Werte. Sie hinterfragen weniger wem sie eigentlich folgen und halten die Folgsamkeit an sich für ausreichend.

Linke folgen einerseits nur widerwillig und wenn sie es tun, hinterfragen sie dauernd, ob sie das tun sollten.

Unglücklicherweise gilt Gehorsam nicht nur als soldatische Tugend, sondern gehört auch zum Kern des Christentums.

Nichts und niemand hasste Martin Luther so sehr wie die Juden und das Judentum. An zweiter Stelle kamen aber gleich die Bauern, die es während der Reformation gewagt hatten, sich gegen ihre Fürstbischöfe zu erheben. Ihnen wünschte der Held der Protestanten Tod, Folter und Schlimmeres an den Hals, weil sie seiner Ansicht nach gegen die göttliche Ordnung verstießen. Die extreme Obrigkeitshörigkeit der deutschen Protestanten machte es Hitler auch so leicht, die „Deutschen Christen“ total auf seine Seite zu ziehen. Auch wenn der ein oder andere Pfaff nicht jeden Aspekt des Nationalsozialismus mochte, so sahen sie in Hitler doch den legitimen Führer und dem widersetzt man sich nicht.

Viele Wehrmachtssoldaten litten unter Gewissensbissen, wenn sie Verbrechen begingen und offensichtlich falschen, grausamen Befehlen folgten. Aber sie fühlten sich an den Fahneneid; ihren Treuschwur an den Führer persönlich gebunden. Dabei waren Treue und Gehorsam Werkzeuge des Bösen.

Aber auch wenn es um nichts Böses oder Illegales geht, sondern um etwas Zwischenmenschliches wie ein Eheversprechen, ist das starre Festhalten an diesem Schwur unter Umständen höchst kontraproduktiv. In einer schlechten Ehe festzustecken ist ein Übel!

 (…..) Eine hohe Scheidungsrate nenne ich einen Fortschritt; denn die Möglichkeit sich zu trennen, bedeutet im Umkehrschluss, daß ein Großteil der bestehenden Ehen auf Freiwilligkeit beruht.    Absurderweise spricht man aber immer noch von „gescheiterter Ehe“ bei einer Scheidung. Dabei heißt Scheidung nur, daß eine Ehe beendet wird.  Aber eine Ehe, die irgendwann, womöglich nach Jahrzehnten des glücklichen Zusammenlebens, getrennt wird, kann höchst erfolgreich und für alle Beteiligten angenehm gewesen sein.

Meine Eltern ließen sich scheiden, bevor ich in die Grundschule kam, betonten aber beide bis an ihr Lebensende, es habe sich um die ganz große Liebe gehandelt. In der gemeinsamen Zeit trafen sie große Entscheidungen, lebten auf verschiedenen Kontinenten, zeugten Leben etc. Ich nenne das nicht „gescheitert“.   Ich spreche auch nicht gegen die Ehe an sich aus. Insofern ist es nicht mit der Kirche zu vergleichen, die ich durchaus grundsätzlich ablehne.     Aber ich wende mich gegen die unkritische und absurde Erhöhung der Ehe, die alles Nicht-eheliche als minderwertig, gescheitert oder bedauerlich ansieht. (…..)
(Tabubrüche, 27.12.2020)

Die Vorstellung möglichst lange an einer Führung festzuhalten, wäre grundsätzlich erstrebenswert, ist leider immer noch so mainstream, daß sich CDU, Kirchen, Vereine mit ihren ewigen Vorsitzenden brüsten.
Muss einer mal überraschend früh seinen/ihren Hut nehmen wie Reinhard Grindel als DFB-Chef oder Kramp-Karrenbauer als CDU-Chefin, gilt das als Makel.

Es gilt regelrecht als Stigma der SPD, daß sie seit Willy Brandt so viele Vorsitzende verbraucht hat.   Und die SPD scheißt bekanntlich in jede Hose, die man ihr hinhält (Dieter Hildebrandt), also gilt es als destruktiv die eigene Parteiführung in Frage zu stellen.

Ich behaupte, es gibt keine pauschale Regel dafür, ob man in Zweifelsfall lieber länger oder kürzer an einem Chef festhalten sollte.

Kohl und Merkel waren für das Land, aber auch ihre Partei deutlich zu lang im Amt. (Und „they say“; auf Bundestrainer Löw träfe das auch zu. Das kann ich natürlich nicht beurteilen.)

Andererseits haben wir Sozis leider unseren sehr guten Vorsitzenden Björn Engholm (1991 bis 1993) viel zu früh gehen lassen. Er hätte 1994 Kanzler werden können. Auch der hochintelligente und geniale Stratege Henning Voscherau, Hamburger Bürgermeister 1988-1997, hätte unbedingt in Amt bleiben sollen und nicht wegen ein paar Prozente zurücktreten sollen.

Linke, Grüne und Sozis fühlen sich von den ewigen Amtszeiten ihrer Konservativen Gegenspieler so sehr unter Druck gesetzt, daß sie sich inzwischen kaum noch trauen, die eigene Spitze zu kritisieren.

Man wollte Andrea Nahles trotz katastrophaler Fehler, nicht nach drei Monaten wieder in den Wind schießen, weil man ja eben erst Martin Schulz nach nur einem Jahr als SPD-Vorsitzenden losgeworden war.

Dabei hat das eine mit dem anderen gar nichts zu tun. Nahles war eben bedauerlicherweise auch eine schreckliche Fehlbesetzung und es wäre uns viel erspart geblieben, wenn man sie nach ein paar Wochen wieder gefeuert hätte.    Das Gleiche gilt natürlich auch für Esken und Walter-Borjans. Je länger wir an ihnen festhalten, desto mehr reiten wir uns in den Abgrund.

Auch die Linken haben viel zu viel Beißhemmungen gegenüber ihrer langjährigen Fraktionsvorsitzenden und NRW-Spitzenkandidatin Sahra Sarrazin, die nahezu jeden Tag neue widerliche völkische Entgleisungen verbreitet und es damit geschafft hat, die Linke für so viele Menschen unwählbar zu machen, daß sie nun um den Einzug in den Bundestag zittern muss.

Eine sagenhaftes Totalversagen, wenn man sich dagegen die miserablen Umfragewerte der SPD und die unbeliebte Groko ansieht. Die Linke müsste eigentlich die Unzufriedenen nur einsammeln. Aber eine Partei mit Wagenknecht und Noch-Ehemann Lafontaine, der wieder mal im Alleingang eine ganze Partei talibanisiert, indem das Paar im Saarland dazu aufruft keinesfalls die Linke zu wählen, ist natürlich nicht attraktiv.

[….] Gegen die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht beginnt ein Parteiausschlussverfahren. Parteiinterne Kritikerinnen und Kritiker hatten den Schritt beantragt, die beiden vorliegenden Anträge würden nun in einem Verfahren gebündelt, teilte die Landesschiedskommission der NRW-Linken mit. "Das Verfahren wird eröffnet." Die Kommission hatte am Wochenende über Wagenknechts Verfahren beraten. […..]

(Die Zeit, 28.06.2021)

Herzlichen Glückwunsch! Endlich, Linke! RRG sollten bei der Obrigkeitshörigkeit einen Gang zurückschalten und ruhig eher mal offensichtlich schlechte Chefs austauschen.

Baerbock sollte als Kanzlerkandidatin abtreten. Bürgermeister Boris Palmer sollte aus der Grünen Partei geworfen werden und der konservative CDU-Katholiban Winfried Kretschmann sollte auch gleich sein Amt abgeben.

Das SPD-Führungsduo sollte lieber gestern als heute zurücktreten und die Neuen an der Linken-Spitze scheinen auch eine Katastrophe zu sein.