Donnerstag, 17. November 2016

Cousins



Ja, ich bin ein Gutmensch, ja ich bin moralisch.
Nein, ich finde es nicht erfrischend gegen den menschlichen Anstand und Sprachregelungen zu verstoßen.
Ja, ich verlange von Politikern sich öffentlich gemäßigt auszudrücken.
Gemäßigt bedeutet dabei keineswegs, daß man sich wie Frau Merkel öffentlich nur noch inhaltsleere Floskeln beschränken muß, wie zB:

"wenn die Angelegenheit mit gesundem Menschenverstand angegangen wird und alle am gleichen Strick ziehen, so ist dies gewiss der erste Schritt in die richtige Richtung. Ich würde meinen: Es geht vorab darum, gemeinsam das nämliche Ziel anzustreben, getragen vom Willen, anstatt zu diskutieren, Hand anzulegen. Denn: Wer der Zukunft ins Auge blickt, stellt fest: Am Ende des Tunnels wird es immer wieder hell. Wenn irgendwelche nicht näher erläuternde Umstände es erlauben, könnten wir gewiss versuchen, etliche Aspekte immerhin den gewünschten Gegebenheiten anpassen.
Ich könnte Ihnen schon zustimmen. Sicherlich würden wir in der einen oder anderen Einzelfragen noch Meinungsverschiedenheiten haben, aber ich würde denken, dass wir die bereinigen könnten. Nur hätte ich gern noch kurz erläutern wollen, wir ich mir unseren Zeitplan noch diesbezüglich vorstellen würde: Ich möchte meinen, dass wir in den kommenden drei Monaten zunächst die vorliegenden Ergebnisse sichten sollten.“


Ich will keine Worthülsen, sondern Klartext, wie ihn Helmut Schmidt oder Peer Steinbrück benutz(t)en.

Es ist aber kein Klartext, wenn man statt Worthülsen Beleidigungen verwendet und das Publikum mit Diskriminierungen von Minderheiten unterhält.

Es gibt diese neue Lust an der Provokation. Lange nicht mehr war es so leicht für einen Machtgierigen, sich der Öffentlichkeit als Freiheitsheld zu verkaufen. "Mann" muss nur ein paar Minderheiten beleidigen und sich nach der öffentlichen Empörung darüber selbst als Opfer darstellen. Nachdem man also kräftig ausgeteilt und daraufhin kritische Reaktionen geerntet hat, stilisiert man sich in der nächsten Beleidigungsrunde zum Rächer aller ungerecht Behandelten.
In der Politik greift diese Methode um sich. Donald Trump ist natürlich der Riese unter den vielen Zwergen. Sein Wahlkampfslogan "Make America Great Again" lässt die Vereinigten Staaten mächtig klein wirken. Viel kleiner als sie sind. In Stil dieser Pseudo-Solidarität mit dem kleinen Mann machen derzeit einige gar nicht so kleine deutsche Politiker einen Jahrmarkt aus dem öffentlichen Leben. [….]

Wie schäbig. Erst gibt man seinen Vorurteilen freien Lauf, indem man von „Negern, Schwuchteln, Mongos und Schlitzaugen“ spricht und dann lassen sich Oettinger/Trump/Gauland/Scheuer/Müller auch noch dafür feiern, weil sie „free from the liver“ sprachen. Man ist ja kein abgehobener Politiker, sondern einer vom Volke.


Günther Oettinger hat eine lange Geschichte im Beleidigen von Schwachen. Er ist ein unethisch handelnder und redender Mensch.

EU-Kommissar Günther Oettinger steht erneut unter Druck: Rund zwei Wochen nach seinen abfälligen Äußerungen über Chinesen muss sich der CDU-Politiker gegen Lobby-Vorwürfe wehren. Oettinger bezeichnete die Vorwürfe am Dienstagabend im Kurzmitteilungsdienst Twitter als unbegründet.
Hintergrund ist ein Bericht der Website "EUobserver", wonach Oettinger im Mai im Privatjet des deutschen Geschäftsmannes Klaus Mangold zu einem Treffen mit dem ungarischen Ministerpräsident Viktor Orban nach Budapest geflogen sei und damit gegen die Ethikregeln der EU-Kommission verstoßen habe.
Mangold gilt als kremlnaher Lobbyist. Er ist russischer Honoralkonsul in Baden-Württemberg, Oettingers Heimat. [….]

Immer wieder erleben wir sprachliche Entgleisungen der Top-Politiker.
Entgleisungen, die leider folgenlos blieben, wie Edmund Stoibers berüchtigte Warnung vor einem „durchmischten und durchrassten deutschen Volk“.
Während man aber früher noch peinliches Schweigen, abwiegeln oder auch Distanzierungen von sich selbst erlebte, geht die aktuelle Gauland-Generation dazu über dummdreist auch noch stolz auf seinen gedanklichen Fäkalauswurf zu sein.
Hurra, habe ich da nicht fein Aufmerksamkeit generiert? Was werden die Bierseligen an den Stammtischen stolz sein, daß jemand wie Karl-Heinz Mustermann auf drei Promille spricht.

Es sind aber eben nicht nur sprachliche Aussetzer, sondern auch Türöffner in eine aggressivere Gesellschaft, die Gewalt gegen Minderheiten wieder mehr und mehr akzeptiert.

"Der Schwarze schnakselt halt gern" – so sind sie, die Neger.

"Alkohol, Suff, Drogen und Frauen": Vor allem dafür geben afrikanische Männer Entwicklungsminister Müller zufolge ihr Geld aus. […..]

Jaja, die „Neger“. Sind das nicht letztendlich doch nur bessere Affen?
Was hat so einer eigentlich im Weißen Haus zu suchen?

Two officials in West Virginia have come under fire for sharing racist messages about First Lady Michelle Obama.
According to WSAZ, a message about the current first lady was shared thousands of times after it was posted on Facebook by Clay County Development Corporation Director Pamela Taylor.
“It will be refreshing to have a classy, beautiful, dignified First Lady in the White House,” Taylor wrote. “I’m tired of seeing an ape in heels.”
Clay Mayor Beverly Whaling reportedly praised Taylor’s post, writing, “Just made my day Pam.” [….]

Worte sind der Anfang, so geht es los.
Schon marschiert auch der Klan.

Siegesparade im Dezember: Ku Klux Klan marschiert für Trump
Nur zögerlich distanzieren sich Donald Trump und sein Team im Wahlkampf vom Ku Klux Klan. Nach dem Sieg des Milliardärs jubelt die rassistische Organisation. In North Carolina will sie dem künftigen US-Präsidenten mit einem Siegesmarsch huldigen. […..]

Der misogyne, xenophobe Rassist Donald Trump ließ mit seinem Wahlkampf 59 Millionen Amerikaner von der Kette.
Sie müssen sich verbal nicht mehr zurückhalten und werden handgreiflich.

In the days after last week’s presidential election, The 74 was shocked to see students and parents take to Twitter in droves to report incidents of bullying in their schools. […..] From around the country came tales of children targeted by classmates with hate-filled language because of their ethnicity, racial slurs anonymously scrawled inside school buildings, open expressions of bigotry spoken by children within classroom walls, and teachers and principals struggling to reassure their students not to be afraid.
Below is a sample of these experiences as told to our reporters, filled with pain and fear. […..]

Es begann nicht mit Trump, denn sonst wäre seine Bewerbung in der ersten Woche nach seinen Mega-Insults (Mexikaner sind Vergewaltiger, Verächtlichmachung Behinderter) schon vorbei gewesen.


Da war schon vorher etwas durch die jahrelange Arbeit der rassistischen Teebeutler weggebrochen.


Die intensive Unterstützung der Evangelikalen und Katholiken für Trump zeigte wieder einmal den durch und durch schädlichen gesellschaftspolitischen Einfluss des Christentums auf unsere Kultur.

Der stramm evangelikale Trump-Vize ist Vorkämpfer für die Entrechtung von Millionen Menschen.

Weil Trump es so will, wird der Rassist und Antisemit Steve Bannon Chefstratege des nächsten US-Präsidenten.

Zentrale Figur bei "Breitbart" ist Stephen K. "Steve" Bannon, genannt "Trumps Gehirn". […..] Fremdenhass, LGBTQ-Hass, Frauenhass, Rassismus finden bei "Breitbart" ungefiltert Ausdruck. Wer liberale Positionen bezieht, gehört zum Establishment, zur Lügenpresse (auf Amerikanisch MSM, Mainstream Media).
Viele Artikel bei "Breitbart" funktionieren wie in diesem Beispiel: Die Überschriften signalisieren ihre Wichtigkeit in Großbuchstaben ("LENA DUNHAM BITTET PAUL RYAN: BITTE NICHT STEVE BANNON!"), dann kommt ein kurzer, neutral gehaltener Bericht (in diesem Fall über die US-Schauspielerin, die den Sprecher der republikanischen Partei auffordert, gegen die Berufung Steve Bannons vorzugehen).
Erst im Forum entlädt sich der Hass auf die "liberale Bitch" Dunham, übelste Beschimpfungen wie "Schwein", "durchgeknallte Kuh" werden ebenso unzensiert veröffentlicht wie Posts mit dem Wunsch, Dunham möge nach Somalia deportiert werden, wo "schwarze Muslime" sie sich dann vornähmen. […..]

Bannons „White Supremacy“ ist dabei der Cousin des Christentums.
Das Christentum war und ist immer eine Supremacy-Ideologie. Wir sind besser als die.
So wurden über 1500 Jahre Gräueltaten, Genozide, Unterdrückung, Sklaverei, Kolonialismus, Hexenverbrennung und Inquisition im Namen Gottes organisiert.

Deswegen gibt es keinen Grund über Deppen wie Oettinger zu lachen.
Wer so denkt und redet ist böse.
Wer so denkt und redet ist ein Türöffner.
Wer so denkt und redet ist gefährlich.


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