Sonntag, 29. März 2015

Gottes erbärmliche Epigonen.


Das Konzept der Allmacht ist schwachsinnig.
Um das zu beweisen reicht schon der alte kleine Witz mit dem schweren Stein:

Kann Gott einen so schweren Stein erschaffen, daß er ihn selbst nicht mehr hochheben kann?

Und schon verloren – beide möglichen Antworten zeigen, daß Gott nicht allmächtig ist.

Ähnlich einfach kann man die Existenzfrage Gottes abhandeln.

Es gibt nur zwei Möglichkeiten:

Fall A) Ein allmächtiger Gott existiert nicht.

Fall B) Ein allmächtiger Gott existiert. Dann zeigen aber Auschwitz und die weiteren bekannten Genozide, daß er ein Arschloch sein muß und das ist per Definition eben nicht göttlich. Also existiert eben doch kein (lieber) Gott.

Was ich hier wieder einmal skizziere, ist das alte Theodizee-Problem.
Der Begriff wurde durch Gottfried Wilhelm Leibniz, dem letzten Universalgelehrten der Geschichte in seiner Abhandlung  „Essai de Théodicée“ (1710) geprägt.

Damit griff er aber eine Jahrtausende alten Gedankengang auf.

Die große Theodizee-Frage [teodiˈt͜seː] (frz. théodicée, v. altgriech. θεός theós Gott und δίκη díke Gerechtigkeit) wird immer wieder gestellt - seit Jahrtausenden, seit Epicur.

Sextus Empiricus, der Arzt und Philosoph des 2. Jahrhunderts, formulierte das Dilemma folgendermaßen:

Entweder will Gott die Übel beseitigen und kann es nicht:
Dann ist Gott schwach, was auf ihn nicht zutrifft,
Oder er kann es und will es nicht:
Dann ist Gott missgünstig, was ihm fremd ist,
Oder er will es nicht und kann es nicht:
ist er schwach und missgünstig zugleich, also nicht Gott,
Oder er will es und kann es, was allein für Gott ziemt:
Woher kommen dann die Übel und warum nimmt er sie nicht hinweg?

„In letzter Zeit war die Leistungsbilanz Gottes, was die Juden anbelangt nicht gerade überwältigend." Er könne nicht zugleich allmächtig und gerecht sein - denn wäre er es, hätte er Ausschwitz nicht zugelassen. Doch offensichtlich konnte er es nicht verhindern.
Und was ist wenn es einen Gott gibt, der Ausschwitz verhindern wollte, aber nicht konnte?

Auch dazu hat Bauer eine einfache Antwort: „Ein armer Kerl, der Unterstützung braucht, der sich seine Stärke von uns holen muß - einen solchen Gott brauche ich nicht!“

Interessanter als die große Theodizee-Frage an sich finde ich die Tatsache, daß professionelle Priester, Ordensleute und klerikaler Hochadel nach 2000 Jahren Kopfzerbrechen immer noch keine Alibi-Antwort gefunden haben.

All die vom Steuerzahler finanzierten Theologiestudiengänge, all die Jahren in den Priesterseminaren – es hat alles nichts genützt.
Die Kirchisten sind nicht einen Schritt weiter. Bei jedem Unglück fangen sie wieder an zu Stammeln und winden sich.

Nach dem Germanwings-Absturz über den französischen Alpen ging es wieder los mit den verstandesfeindlichen Plattitüden.
Martin Hein, 61, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und Mitglied des Ethikrates der Bundesregierung bekannte, der Glaube an Gott helfe den Hinterbliebenen.
Was für eine Frechheit.
Hein ist noch nicht mal die flapsige Gegenfrage, weshalb man nicht nach Gott frage, wenn etwas Gutes geschehe, zu peinlich. Er wagt es diesen Gedanken sogar mit einen unausgesprochenen Vorwurf zu vertiefen: Weshalb hätten die Angehörigen denn nicht frühzeitig Dank und Demut gelernt?

[….]  Und nur selten fragen wir, wenn es uns gut geht: Wie konnte Gott das zulassen?
[….] [Die Frage nach der Bedeutung Gottes] wird ja schon dadurch sichtbar, dass viele Menschen, zum Beispiel in Haltern, gleich nach Bekanntwerden des Absturzes in die Kirchen gegangen sind. Es ist ja nicht so, dass die Erfahrung solcher Katastrophen unbedingt von Gott wegführt. Sie kann auch zu ihm hinführen, weil wir merken: Unser Leben ist ausgeliefert, von Anfang bis Ende, wir haben es nicht in der Hand. Angesichts dieser Tatsache kann der Glaube an Gott sehr wohl Halt geben.
[….] Auf welche Weise Gott die Welt regiert, entzieht sich unserer Kenntnis. Wir können nur darauf vertrauen. Aber jetzt ist die Passionszeit, die auf Ostern hinführt. Sie sagt uns, dass Gott dem Leiden nicht ausweicht, dass er sogar in Jesus Christus den Tod ganz bewusst auf sich nimmt. Das Christentum ist die Religion, die aus dem Tod dieses einen Menschen heraus eine Antwort auf das Leben zu geben versucht.
[….] Das Schlimmste, was wir Kindern antun können, ist ihnen eine heile Welt vorzutäuschen. Auch Demut und Dank für das Gute kann man früh lernen.

Wieder einmal beeindruckt, daß in diesem von Tibor Pézsa geführten Interview die dämlichsten Plattitüden einfach so hingenommen werden.
Keine Nachfrage nirgends.

Heins Chef, der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm wird angesichts des Unglücks natürlich auch von der Presse hofiert und haut noch dümmlichere Phrasen raus. Natürlich. Bedford-Strom ist zwar nicht so bekannt und berüchtigt für seine Dummheiten wie seine Vorgänger Huber und Käßmann, aber er gibt sich große Mühe ähnlich Schwachsinniges zu formulieren.

Wie die mit Springers Hetzblatt BILD verbundene Kollegin Käßmann, nutzt auch HBS eine Springer-Boulevard-Zeitung, die B.Z. Bei ihm schwingt ein „die Angehörigen sollen sich mal nicht so aufregen – Gott ist doch bei ihnen!“ mit.
 Wieso Gott überhaupt erst die Katastrophe verursacht, bzw nicht stoppt (das ist moralisch einerlei) sagt der EKD-Boss nicht.

[…] Gott ist immer bei den Opfern, mittendrin. Im Kreuzestod Jesu hat Gott menschliches Leiden selbst erfahren. Deshalb können wir Christen auf jeden Fall sagen, dass Gott bei denen ist, die leiden und verzweifelt sind.
[…] Gott will uns trösten, er wird abwischen alle Tränen, heißt es in der Bibel. Am Ende der Zeiten wird alles Leid überwunden sein.
[…] Gott leidet mit uns. Er ist bei uns in unseren dunkelsten Stunden. Darauf vertrauen wir Christen.
[…] Ein solches Unglück konfrontiert uns mit der Endlichkeit in einer brutalen Weise. “Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden”, sagt der Psalm 90. Das kann heißen, sich darüber bewusst zu werden, welches Geschenk es ist, mit unseren Liebsten zu leben und ihnen dafür danke zu sagen.
[…] Ich glaube, dass der Karfreitag über religiöse Grenzen hinweg Orientierung geben kann. Dass sich die Menschen an einem Tag im Jahr das Leiden vergegenwärtigen, ist etwas ungeheuer Wichtiges. Deshalb bin ich dankbar, dass der Karfreitag als stiller Tag gesetzlich geschützt ist. […]