Freitag, 15. Juni 2018

Plasberg, go home.

Es geschehen noch Zeichen und Wunder – nach nur drei Jahren xenophober Dauerhetze der CSU, um die AfD demoskopisch aufzupumpen, fällt selbst Andrea-was-geht-Politik-mich-an?-Nahles eine Replik ein.

Die Doppelvorsitzende hatte bisher immer viel zu viel Angst vor den breiten ausländerfeindlichen Mehrheiten im Wahlvolk. Da ließ sie lieber die tausenden Opfer rechtsextremer Gewalt völlig im Stich, schwieg zu den Tätern, ignorierte die Schwächsten.

Noch schlimmer als das Schweigen der Nahles, sind natürlich die ARD- und ZDF-Talkshows, die allwöchentlich Werbung für AfD und Xenophobie machen.

Besonders abscheulich der über alle Maßen selbstverliebte Frank Plasberg, 61, der sich vom einst durchaus neutralen Talkshow-host unter dem WDR-Logo (2001-2007) zum Darling der Rechten transformierte, seit er zur ARD wechselte und insbesondere seit seine eigene Produktionsfirma Ansager und Schnipselmann GmbH & Co KG „Hart aber fair“ produziert.

Plasberg mag keine Ausländer und lädt dermaßen oft weit rechts-außen stehende Journalisten/Politiker ein, daß eine Absicht klar zu erkennen ist.
Ihm wird das seit über zehn Jahren vorgeworfen, so empörte ich bereits im Januar 2008 Marcus Bäcker von der Berliner Zeitung:

[…..] "Jung, brutal und nicht von hier - was ist dran am Streit um Ausländergewalt?", lautete der seltsam krawallige Titel der jüngsten Ausgabe von "Hart aber fair". Hessens Ministerpräsident Roland Koch, der sich angesichts des Wahlkampfs in Hessen zuletzt mit Verve auf dieses Thema gestürzt hatte, konnte sich da gleich in seinem Element fühlen. Gefallen haben dürfte ihm auch ein Einspielfilm, in dem zwei Schauspielschüler mit Migrationshintergrund eine U-Bahn aufmischten. Hernach wurden die genervten Mitreisenden gefragt, warum sie denn nicht eingegriffen hätten. Vielleicht aus Angst? Mit deutschen Schauspielschülern wurde das Experiment nicht durchgeführt. So machen übel beleumdete Privatsender auch gerne Fernsehen. […..] Bei "Hart aber fair" wurden durchaus harte Zahlen genannt - und je nach Gesinnung ignoriert, uminterpretiert oder begeistert in ein fixes Gedankensystem einsortiert. Polemische Einspielfilme und süffisante Bemerkungen Plasbergs trugen da nicht wirklich zur Wahrheitsfindung bei. [….]

Plasberg setzt auch eine Dekade später auf rechten Populismus wegen der Quoten und/oder weil er selbst rechtspopulistisch denkt. Es funktioniert, leider. Mit gut drei Millionen Zuschauern im Durchschnitt liegt Plasberg zwar hinter der auf dem viel besseren Sendeplatz gelegenen Anne Will am Sonntag, aber vor Illner, Lanz und Maischberger.


[….] Hart aber unfair: Frank Plasberg geht mit flüchtlingsfeindlicher Rhetorik auf Quotenjagd
 […..] Wenn die Sendung mit der Maus demnächst erklären würde, wie man mit Framing eine bestimmte Meinung in die Köpfe des TV-Publikums pressen kann, fände sie ein prägnantes Beispiel im eigenen Sender-Programm. Mit rhetorischen Mitteln vom ganz rechten Rand bedient die vom WDR produzierte Talkrunde Hart aber Fair in einer Sendungsankündigung das Klischee vom kriminellen Flüchtling.
"Flüchtlinge und Kriminalität – Die Diskussion" lautet der Titel der Sendung, die an diesem Montagabend um 21 Uhr ausgestrahlt werden soll. Während der Titel noch Spielraum zur Interpretation lässt, macht die Sendungsbeschreibung klar, welche Ängste man hier gerne triggern möchte:
"Junge Männer, geflohen aus Krieg und archaischen Gesellschaften – für viele hierzulande Grund zu Sorge und Angst. Können solche Flüchtlinge überhaupt integriert werden? Wie unsicher wird Deutschland dadurch?"
Die Ankündigung liest sich, als habe sie Alexander Gauland in sein Tagebuch geschrieben. Dabei stammen die Sätze von einer Talkshow, die im letzten Jahr durchschnittlich 3,05 Millionen Zuschauer hatte.
Dass Flüchtlinge aus vermeintlich "archaischen Gesellschaften" nicht zur Kultur des Abendlandes passen, unterstellt die AfD immer wieder. In den sieben Jahren, die der Krieg in Syrien andauert, scheint nicht nur die AfD vergessen zu haben, dass es ursprünglich die gebildete Mittelschicht war, die in dem entwickelten aber unterdrückerisch regierten Land gegen Baschar al-Assad aufbegehrte. Abgesehen von der politischen Klasse war die syrische Bevölkerung von einer "archaischen Gesellschaft" also weit entfernt. Und wenn Plasbergs Redaktion dann noch von jungen Männern schreibt, die aus dem Krieg geflohen seien, reproduziert sie ein Bedrohungsszenario, bei dem Rechtspopulisten ebenso ein Schauer über den Rücken läuft, wie wenn sie Jean Raspails Angstporno "Das Heerlager der Heiligen" lesen. Darin überrollen eine Million Flüchtlinge aus Indien den europäischen Kontinent. Doch diese Vorstellungen sind schlicht falsch. […..][…..] Die Theorie, dass die Wahrnehmung der Realität bestimmt, wie wir handeln, lernen Medienwissenschaftlerinnen wie Miriam Meckel schon im ersten Semester. Bereits 2010 erklärte die Publizistin im Spiegel, wie Medien bestimmte Meinungen von Menschen verstärken. "Jemand, der von Grund auf schon ängstlich ist, lässt sich natürlich leichter von solchen Themen ansprechen und beeinflussen", sagte sie damals in dem Interview und schlug vor, stattdessen einfach öfter zu erklären, wie die Fakten wirklich aussehen. Genau das hat Hart aber Fair hier nicht gemacht, auch wenn im Text völlig unpräzise die Rede davon ist, "viele" seien besorgt. […..] Denn auch danach geht es suggestiv weiter, wenn der Text die Frage stellt: "Können solche Flüchtlinge überhaupt integriert werden?" Das sei "eine Frage wie aus dem Lehrbuch der schwarzen Dialektik", schreibt Meyer, "denn diese Frage stellt sich doch überhaupt nicht". Tatsächlich wäre es Unsinn, überhaupt noch Integrationszentren, Sprachkurse und andere Bildungsprogramme für Flüchtlinge zu betreiben, wenn wir gar nicht an deren Erfolg glauben würden. […..]

Es ist zu vermuten, daß Kritik von Berliner Zeitung, SPIEGEL, ZAPP oder Vice bei Ansager und Schnipselmann GmbH & Co KG die Sektkorken knallen lässt.
Wenn sich die „Gutmenschen“ empören, freuen sich Plasbergs nationalistisch-islamophobe Lieblingsgäste (Köppel, Spahn, Söder, Weidel, Storch) ebenso wie die AfD-Anhänger.

[….] „Hart aber fair“, ARD Quotenfang mit Populismus
Frank Plasberg lässt im Ersten über Flüchtlinge und Kriminalität diskutieren. Dabei bedient er sich bei den Slogans der AfD.[…..]
Auf Twitter und bei Facebook stören sich zahlreiche Menschen an dem tendenziell fremdenfeindlichen Rahmen, den die beiden Schlagwörter bilden.
Ebenso wie an der suggestiven Stoßrichtung der zwei Fragen, die die Redaktion den Diskutanten mit auf den Weg gibt. […..][…..]
Es ist nicht das erste Mal, dass bei „Hart aber fair“ mit populistischen Titeln auf Quotenfang gegangen wird. Und auffallend häufig geht es dann um Flüchtlinge und Ausländer, wie eine aufmerksame Twitterin in einer eindrucksvollen Auflistung der entsprechenden Sendethemen feststellt.
[…..] Der erste Blick auf die Statistiken, die Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamts und erfrischend sachlicher Gesprächspartner, präsentiert, heben die populistischen Ankündigungen der Sendung ganz schnell aus den Angeln.
[…..] In Deutschland werden immer weniger Straftaten begangen, das gilt für Bio- wie für Passdeutsche, für Eingeborene wie für Zuwanderer. Bei letztgenannter Gruppe ist der Rückgang am stärksten, obwohl die Definition, wer wann als Zuwanderer gilt, erweitert wurde und die Gruppe dadurch stark angestiegen ist.
Hier wird ein Aspekt deutlich, den auch Asmen Ilhan, Gruppenleiter eines Gewaltpräventions-Projekts namens „Heroes”, anspricht, den Plasberg aber nicht diskutieren will: Als Zuwanderer gelten in der Statistik wie in der öffentlichen Wahrnehmung Menschen, die hier geboren wurden, weil ihre Eltern aus anderen Ländern kamen. „Das sind Deutsche“, sagt Ilhan und macht damit klar, dass sich die hohe Bereitschaft zur Kriminalität in diesem Milieu gar nicht dadurch erledigen lässt, dass diese Menschen in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden. Doch bis heute unterschieden wir zwischen deutschem und ausländischem Blut: bei der Passvergabe, bei der Kriminalitätsstatistik und bei Plasberg. „Wir reden immer über die und uns“, sagt auch Shabanyi, selbst Tochter eines Iraners und einer Deutschen. […..]

Immerhin, Frank Plasberg bekommt in den letzten Wochen mehr Gegenwind.
Gegenwind, der ihm derzeit noch Auftrieb verleiht, aber hoffentlich zukünftig dazu führt seine Sendung so massiv mit Zuschauerschwund zu strafen, bis sie abgesetzt wird.


Es hilft wenig gegen die in ihren rassistischen Filterblasen ausharrenden AfD-Wähler zu argumentieren, weil Argumente sie entweder gar nicht erst erreichen oder von ihnen nicht geglaubt werden.
Aber man kann durch massive Kritik auf allen Plattformen Druck auf die Programmmacher bei WDR und ARD ausüben.
Man kann an Parteien und anderen Vereine mit Vertretern in den Rundfunkräten schreiben.


Juni 2018

Juni 2018

[…..] Lorenz Meyer ([…..] Hochschullehrer) äußert sich öffentlich auf Facebook:
"Derartige Formulierungen, Unterstellungen und Zuschreibungen sind ein Nährboden für Angst, Hass und Hetze. Und da von 'archaischen Gesellschaften' die Rede ist: Wenn etwas archaisch ist, dann ist es das in diesen Worten vermittelte Weltbild."


Er schreibt weiter: "Nein, 'Hart, aber fair' ist an dieser Sendungsankündigung überhaupt nichts!"
In der Sendungsankündigung würde die "Flüchtlingsthematik" wieder auf die "jungen Männer reduziert und damit das Angstbild einer Invasion junger Männer bedient".
Laut BAMF würde der Anteil "junger Männer für 2017 mit gerade mal 21 Prozent" ausgewiesen.
Lorenz gibt weiter zu bedenken: "Weiter heißt es im Text (in der Ankündigung von "hart aber fair"), dass diese jungen Männer hierzulande „ein Grund zu Sorge und Angst“ seien… In der Medienwirkungsforschung ist lange bekannt, dass Medien eine Sache nur lange genug als angsteinflößend darstellen müssen, bis sich irgendwann die Angst tatsächlich manifestiert. Und dann beginnt ein Teufelskreis: Die Medien werden sich bestätigt sehen und sich stärker mit dem Thema auseinandersetzen, was wiederum die Angst noch stärker anheizt usw. usf…[….]

Juni 2018

Glücklicherweise ist auch Georg Diez aus seiner einjährigen Pause in den USA zurück; immer wieder interessant seine Kolumnen zu lesen:

[….]  Jetzt, wo die Redaktionen der großen deutschen Talkshows bald in die Sommerpause gehen und sich auf die Schultern klopfen können für das, was sie in den vergangenen drei Jahren geleistet haben - den Rechtsruck herbeigetalkt, die Spaltungen in der Gesellschaft vertieft, das AfD-Reden im Alarmmodus reproduziert - sollte man mal überlegen, wie es danach weitergeht. Denn das Beste wäre, wenn es nicht ein Jahr Pause gäbe, sondern das Alte beendet und etwas Neues begonnen würde. 
Schluss also mit Anne Will, Maybrit Illner, Sandra Maischberger und Frank Plasberg. Wobei vor allem die letzten beiden in der vergangenen Woche wieder gezeigt haben, wie Ängste für sie vor allem dazu da sind, Quote zu machen. Wie der Islam als mediale Waffe genutzt wird, um Feindbilder zu schaffen. Wie Geflüchtete pauschal abgeurteilt werden im deutschen Talk-Tribunal, wo meistens gestritten wird, ohne dass man sich zuhört, und am Ende niemand klüger ist als zuvor, aber natürlich alle Recht haben. […..]
 Wer stets die ewig gleichen Chef-Schwadroneure einlädt, reduziert Politik auf Politiker und Parteien und einen krawalligen Blick auf die Welt. Er entpolitisiert damit die Gesellschaft, die keine Lust mehr hat, Politik ständig zu delegieren. Und er entmündigt letztlich die Bürger, die nur als Zuschauer und Steuerzahler geduldet sind, aber keine Mitsprache haben, was Themen, Gäste, Argumente angeht.
Im digitalen Zeitalter, und das ist das dritte Problem, ist das fatal. Die digitale Logik hat den Einzelnen emanzipiert. Das spüren die Menschen, das ändert ziemlich viel - für die organisierte Politik, die sich bislang diesem Druck weitgehend verschließt, genauso wie für die etablierten Medien, die so tun, als seien sie diejenigen, die darüber entscheiden, was und wie diskutiert wird. Die Talkshows mit ihrem übersteigerten Diskurs-Anspruch und ihrer destruktiven Gesprächspraxis sind hierfür besonders gute Beispiele. […..]

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