Dienstag, 12. März 2019

Wie man sich bettet, so braun liegt man.

Der arme Herr Beckmann war leicht verwirrt.
Ihm ist da ein Booboo unterlaufen, wie er zerknirscht zugeben musste.
Huch, da war ein Neonazi bei den ganzen anderen Rechtsextremen und Identitären.
Wer konnte sowas ahnen, fragt sich jetzt der streng katholische ehemalige Ministrant Reinhold Beckmann, 62, CDU-Mitglied und Träger des Peter-von-Zahn-Gedächtnispreises der Hamburger CDU.
Er grämt sich öffentlich für seine peinliche Aktion:

Herr Beckmann war zum 65. Geburtstag seines alten Kumpels Matthias Matussek erschienen, also dem Mann, der einst nur bösartig und handgreiflich war, später fundamental-katholisch und schließlich so hartnäckig rechtsextrem und xenophob wurde, daß er die „Merkel-muss-weg-Demos“ aufsuchte und Pegida bejubelte.
Das ist nicht neu; schon vor fünf Jahren verortete sich MM am äußersten rechten Rand des Springer-Universums, bis er selbst den Ultrakonservativen zu rechtsextrem wurde.

(…..) Die WELT nicht zu lesen hat allerdings den Nachteil, daß man es gelegentlich verpasst Poschardt, Broder oder Matussek herzlich auslachen zu können, wenn sie sich wieder einmal etwas besonders Blödes ausgedacht haben.

Heute wurde ich ausgerechnet durch einen Online-Welt-Artikel an den bis zur Handgreiflichkeit aggressiven Ultrakatholiken und Generaldummbeutel Matthias Matussek erinnert.

Ein Artikel, geschrieben im wie üblich unerträglichen Unterton, direkt übernommen von der dunkelkatholischen KNA, der aber eine sehr gute Nachricht transportierte.

Wohl selten hat eine technische Verfahrensvereinfachung den Kirchen so viel Ärger eingehandelt wie diese: Die zum 1. Januar 2015 in Kraft tretende automatische Abführung von Kirchensteuern auf Kapitalerträge zog schon 2014 massenhaft Austritte nach sich, sagte der Bischöfliche Regensburger Finanzdirektor Alois Sattler.

Tja, daran erkennt man in erfreulicher Weise wie groß der mediale Einfluß der aggressivsten Katholiban noch ist.  Nämlich klein.
Die stramm katholischen Journalisten beeinflussen durchaus die politische Klasse, die bis heute genauso verbissen wie grundgesetzwidrig an den kirchlichen Privilegien festhält, aber das gemeine Volk hat dennoch genug vom real existierenden Kirchismus der Bundesrepublik D.

Immerhin mal ein Anlass zu googeln, was der fromm-hysterische MM aktuell so von sich gibt. Irgendwie ist es in letzter Zeit etwas ruhig um ihn geworden, so deucht mir. Hat er womöglich inzwischen Vernunft angenommen? Oder wurde er endgültig zum Schweigen gebracht? Trat er in einen Mönchsorden ein? Oder füllt ihn seine neue Rolle als Ehefrau von Tebarzt-van-Elst so sehr aus, daß er die neue Regensburger Residenz gar nicht mehr verlassen kann?

Alles weit gefehlt; er schreibt noch. Und, oh Freude, man muß die Koordinaten seines Weltbildes nicht neu bestimmen; er ist immer noch ganz der alte rechte Irre.

Der katholische Ritter, der auf seiner Facebook-Seite Selfies von sich zusammen mit seinen Lieblingspolitikern (Bernd Lucke, Volker Bouffier, Annette Schavan) postet, weiß auch über Pegida-Kritiker das Richtige zu sagen.

(363 Chronik-Fotos, an die 1500 Handy-Uploads – aber als ich beim Scrolen an seine Urlaubs-fast-Nacktbilder geriet, gab mein Computer braune Rauchwolken von sich und ich mußte mich spontan übergeben, so daß ich nicht weiter suchen konnte…)

Die PEGIDA-Bewegung, die sich gegen eine angebliche Islamisierung des Abendlandes richtet, ist ein gefundenes Fressen für den bei Springers Welt in Diensten stehenden Borderline-Publizisten und katholischen Eiferer Matthias Matussek. Zu Weihnachten machte Matussek auf Facebook mit einer Äußerung auf sich aufmerksam, in der er PEGIDA-Kritiker mit Anhängern der Hitler-Jugend verglich. Es ist nicht Matusseks erste Entgleisung zu diesem Thema aber wohl die bislang drastischste.
“Die kluge Schriftstellerin Cora Stephan untersucht das dumpfe Ein-Dreschen von Politik und Presse auf die 15 000 Demonstranten in Dresden. Meine Ansicht: wer beim rituellen Treten gegen diese Menschen mitmacht, hat die Gesinnung von HJ-Pöbeln”, schrieb Matussek am 26. Dezember um 17.06 Uhr auf seiner privaten Facebook-Seite, die öffentlich zugänglich ist. Was der glühende Katholik und bekennende Homophobiker Matussek genau mit “HJ-Pöbeln” meint, wird nicht hundertprozentig klar. Es scheint, er will Kritiker der PEGIDA-Bewegung mit Pöblern oder “dem Pöbel” der Hitler-Jugend (HJ) gleichsetzen. Ein wirrer Nazi-Vergleich – exakt die Kragenweite des Schwadronierers Matussek. Das Wort “Pöbel” gefällt ihm offenbar.
Schon zuvor hat er bei seinem Arbeitgeber, Springers Welt, Sympathie für die diffuse Sache der PEGIDA erkennen lassen. […]


In den folgenden Jahren verließ MM endgültig die Sphären der Realität, schloss sich verschwörungstheoretischen Identitären an und tickt nun auf der Wellenlinie Gauland-Berger.
Zu seinem runden Geburtstag lud er das Who Is Who der publizistischen braunen Szene und netzwerkte sich von David Phimoseblogs Desiderius-Erasmus-Stiftung über Erika Steinbach und NPD-Mitgliedern zu verurteilten Nazis.

Mittendrin CDU-Beckmann, der a posteriori erklärt, er habe MM nur mit einem Lied wieder auf den rechten, also nicht ganz so rechten, Weg bringen wollen.
Ging leider schief.

[….] Ich weiß um Matthias Matussek. [….] Vor einigen Wochen kam die Einladung zu seinem 65. Geburtstag. Gehst du hin oder bleibst du weg? Ich habe lange überlegt, dann beschlossen meinen Gitarrenkoffer zu nehmen und ihm mein vergiftetes Geschenk mitzubringen, meine Version des Bob Dylan-Klassikers „Things have changed“. Er sollte was zu kauen haben. Schluckbeschwerden bekommen. Ich wollte so meine Widerworte gegen seinen Irrweg setzen.
[….] Was mir nicht ganz klar war, in welcher Gesellschaft er da tatsächlich seinen Geburtstag feiern würde. Klar, ich hätte es mir denken können. Ich muss zugeben, ich habe mich da verlaufen, ich hätte dort nicht hingehen sollen. [….]

Ob wir so ein „Asche auf mein Haupt“ auch erlebt hätten, wenn nicht ein Bild aufgetaucht wäre, auf dem ausgerechnet der Identitäre Kader Mario Müller und verurteilte Nazi grinsend beim Liederträllern genau vor ihm steht?

🤨🇪🇺 (@janboehm) 10. März 2019

Blöd, nun wurde alles bekannt.



Die Gefahr besteht nicht in Beckmanns mangelndem Urteilsvermögen, schließlich wurde Beckmann nie vorgeworfen besonders moralisch oder intelligent zu sein.
Erschreckend ist der hohe Vernetzungsgrad der verschiedenen Ultrarechten und Staatsfeinde.
Erschreckend sind die mangelnden Berührungsängste.
Man umgibt sich jetzt mit solchen Typen und schämt sich nicht dafür.

[…..]  Matthias Matussek hat Geburtstag. Seine Gästeliste steht symbolisch dafür, wie weit die extreme Rechte in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.
Zum Geburtstag singt Reinhold Beckmann Matthias Matussek ein Ständchen. Der Identitäre Kader Mario Müller von der »Kontrakultur Halle«, der 2012 zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt wurde, weil er einen Antifaschisten mit einem selbstgebastelten Totschläger aus Socke und Hantelmutter angegriffen und schwer verletzt hatte, ist wie selbstverständlich lachend mit dabei.
Aber was solls, Matussek nennt den ehemaligen Jungen Nationalisten (JN) Mario Müller schließlich seinen „Identitären Freund Mario“ und Müllers Buch „Kontrakultur“ kann man auch ganz selbstverständlich im Buchhandel kaufen. Es wird z.B. bei Thalia als eine mitreißende Mischung „für die Jugend, die ihr Land nicht verloren geben möchte“ angeboten. Diese »Identitäre Jugendkultur« ist für den Buchhandel* nämlich keine neofaschistische Gruppierung, sondern „schillernde Vielfalt“ und „ein Muß für Aktivisten und für alle, die abseits der großen Heerstraße das geistige und identitäre Abenteuer suchen.“ […..] 

Im Abendblatt ist der entsprechende Artikel überschrieben mit "Die Medienelite und der Neonazi"


[….]  In der Nacht zum Montag, so gegen 1.30 Uhr, war für Matthias Matussek die Welt noch in Ordnung: „Offenbar ist mir die Party des Jahres gelungen“, schrieb der zuletzt durch äußerst rechtes Gedankengut aufgefallene Hamburger Publizist beseelt auf Facebook. „Für die nächste Geburtstagsfeier werde ich das ICC (gemeint ist das Internationale Congress Centrum Berlin) anmieten, um all die Frustrierten, die nicht eingeladen waren, zufriedenzustellen.“ […..]  Unter Matusseks Gästen war auch der rechtskräftig wegen Körperverletzung verurteilte Neonazi Mario Müller, einst Mitglied der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“, heute einer der führenden Köpfe der rechtsextremen „Identitären Bewegung“.
Der Rechtsextremist feierte bei Matussek mit der Crème de la Crème der deutschen Medienszene: ARD-Moderator Reinhold Beckmann war ebenso zugegen wie „Bild“-Kolumnist Franz-Josef Wagner, die einstigen Feuilleton-Chefs von „Zeit“ und „Focus“, Ulrich Greiner und Stephan Sattler, sowie „Stern“-Autor Jochen Siemens. Zudem waren drei „Spiegel“-Redakteure Matusseks Gäste, unter ihnen der preisgekrönte Reporter Alexander Smoltzcyk und der viel gelesene Kolumnist Jan Fleischhauer.
Diese alten Weggefährten trafen bei Matussek, einst angesehener Reporter bei „Stern“, „Spiegel“ und „Welt“, auf dessen neue Freunde. Etwa auf die Vorsitzende der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung, Erika Steinbach. Oder Michael Klonovsky, persönlicher Referent von Alexander Gauland, dem Vorsitzenden der AfD-Bundestagsfraktion. […..] 

Also, daß man Franz-Josef Wagner, Jan Fleischauer, Dieter Stein von der JF , Alexander Smoltczyk, die radikale Eiferin Bettina Röhl und Matthias Matussek als deutsche Medienelite, gar als Crème de la Crème bezeichnet, halte ich für eine sehr gewagte These, Herr Renner.
Ich hätte die Überschrift „der unterste Medienabschaum und der Neonazi“ für passender gehalten.
 A propos "Abschaum" - wo war eigentlich David Berger?

Montag, 11. März 2019

Selber fressen macht fett.

Peterspfennig, Kollekte, Kirchensteuer, Miserior, Caritas, Spendenaufrufe – Geld zu sammeln ist für Kirchen nicht etwa nur zur „zweiten Natur“ geworden, sondern schon seit Jahrhunderten ERSTE Natur der Kirchen.
Insbesondere in den USA und Deutschland quellen die christlichen Kassen über; im katholischen Frankreich kommen Bischöfe mit einem Bruchteil des Gehaltes aus.
 In Pennsylvania, dem Geburtsstaat meines Vaters werden inzwischen Garagen neben den Kirchen selbst so riesig wie Kirchen, weil die Gemeinden trotz der Milliarden-Entschädigungen für die durch Pfaffen missbrauchten Kinder derartig viel Geld übrig haben, daß sie sich einen bizarren Wettkampf liefern die Gebäude der Nachbargemeinde zu übertreffen.

Nichts könnte entfernter von angeblich christlichen Werten wie Bescheidenheit oder Armut liegen.

Joel Osteens (*1963) neocharismatische Lakewood Church in Houston, Texas bringt es wöchentlich auf 52.000 Gottesdienstbesucher, denen er hochprofessionell Geld abknüpft zur Ehre Jesu.

[…..] Royalties from Osteen’s book sales, radio show, public speaking fees, and church collection reportedly generate $55 million per year. He and his wife, co-pastor Victoria Osteen, live with their two kids in a $10.5 million mansion in the Houston suburbs. Osteen’s net worth is reported as $40 million. [….]

 40 Millionen Dollar sind eine vorsichtige Schätzung, andere Quellen gehen von deutlich höheren Einkünften aus – genau wird man es  nie wissen; schließlich sind Kirchen generell steuerbefreit in den USA.
 Damit spielt Osteen zwar noch nicht in der Liga der Prediger Pat Robertson (100 Mio) oder Kenneth Copeland (300 Mio), aber auch der Mann aus Houston besteht auf von den Gläubigen finanzierte Luxuslimousinen und Privatjets.


Die Ansprüche der Gottesmänner treiben nicht nur im Vatikan bizarre Blüten. Man muss sich schon was einfallen lassen, um derartige Summen zu verprassen.

Osteen besitzt nicht nur eine Millionenvilla, sondern auch anderen Dinge, die der Armut verpflichteten Prediger wichtig sind, wie beispielsweise einen Ferrari.


[….] Joel Osteen, who has a reported net worth of more than $50 million, no longer accepts the $200,000 salary to which he's entitled as senior pastor of Lakewood Church. Instead, he earns his money from lucrative speaking engagements across the U.S. and sales from his 14 books[….] The preacher with the megawatt smile also takes in an estimated $43 million a year in collections at his church [….]
Osteen also spoke about his wealth [….]
"I'm not asking for money on television. I don't try to be slick, I just try to be sincere. I just try to be who we are. You know it's a battle we have to fight. ... We just feel that this is God's blessings. We're big givers. We live what we preach. [….] "

Das wichtigste Gebot Osteens ist: “Alles Geld für Osteen”, keinesfalls darf die schöne Kohle an ärmere Menschen verschwendet werden. Klopfen Bedürftige an, werden die Türen blitzschnell verbarrikadiert.

[….] In August 2017, after receiving criticism for not helping Hurricane Harvey victims, Osteen opened his 16,800-seat Houston megachurch to evacuees. [….]

Man muss schon Prioritäten setzen. Man wird nicht fett, wenn man seine Mahlzeit anderen gibt.

Auch die Tornado-Opfer (23 Tote) dieses Monats in Alabama bekommen das was ihnen am meisten hilft: Von Trump signierte Bibeln.

[….] President Donald Trump signs Bibles at an Alabama church that is serving as a disaster relief area for people affected by a string of deadly tornadoes that ripped through the state last weekend. […..]

Mehrere Dutzend Mega-Churches in Alabama hielten es wie Osteen in Texas; sie verschlossen ihre Türen und gaben den Tornado-Opfern keinen Cent.


Anders als die Megachurches verhielt sich der Poarch Band of Creek Indians, an Native American tribe und sagte spontan zu die teuren Beerdigungskosten zu übernehmen.

[….] But their loved ones won't have to worry, at least, about the costs of the funerals. A Native American tribe says it will cover the funeral and burial expenses for all the victims of Sunday's tornadoes.
The Poarch Band of Creek Indians tribe will be making a $184,000 donation to cover the costs, Lee County coroner Bill Harris confirms to CNN. […..]

Schnell die Türen fest verschließen, wenn das Elend anklopft, ist aber selbstverständlich auch eine beliebte Handlungsvorschrift bei deutschen Christen.

In Hamburg ist es der Erzbischof Heße selbst, der Schülern die Tür vor der Nase zuknallt, ihre Schulen schließt, weil er die Grundstücke lieber profitabel verticken will. Bis ihn der rotgrüne Senat stoppte.

(…..) Und nun ist das Erzbistum not amused. Ganz offensichtlich wollte es mit den von der CDU auf Kosten der Hamburger Bürger geschenkten Filetgrundstücken ordentlich die Kassen klingeln lassen, statt sie weiterhin gemeinwohlorientiert zu nutzen.
Zu blöd, daß zwischenzeitlich die Farben des Landesregierung wechselten und der SPD-Bürgermeister Tschentscher das finanzielle Wohl der Multimilliarden-Organisation RKK nicht als vorrangig vor den Interessen der Hamburger Bürger betrachtet, so wie es Heße mutmaßlich erwartete.
So hat der Erzbischof also nicht nur die Schulen, die immerhin auch eine Einnahmequelle waren, geschlossen und weite Teile der Katholikenschaft Hamburgs gegen sich aufgebracht, sondern  sein eigentlicher Plan, sich damit finanziell gesundzustoßen, ist nun ebenfalls Makulatur. (….)


Die Türen vor den Bedürftigen zu verschließen kann man aber auch ganz wörtlich verstehen.
Natürlich öffnen die Kirchen NICHT ihre geheizten Räume, wenn bei Minusgraden draußen Obdachlose erfrieren.

[….] Die Eiseskälte in Deutschland wird für obdachlose Menschen zur tödlichen Bedrohung: Bereits zehn von ihnen sind in diesem Winter nach Recherchen der Bundesarbeitsgemeinschaft für Wohnungslosenhilfe auf der Straße gestorben. Dazu komme ein weiterer Verdachtsfall, sagte Geschäftsführerin Werena Rosenke. Obdachlose seien unter anderem in Berlin, Hamburg, Köln und Düsseldorf erfroren. [….]

Während die meisten deutschen Kirchen einfach nur ihre Türen abschließen, wenn draußen Menschen buchstäblich vor Kälte sterben, gehen einige Gemeinden noch weiter und vertreiben aktiv das Elend.

Der Pastor der Heilig-Geist-Kirche in München sorgt mit baulichen Anti-Obdachlosen-Maßnahmen dafür, daß keiner der Habenichtse unter dem Vorsprung des Haupttors schlafen kann.

So geht christliche Nächstenliebe! Selig sind die Armen, aber mögen sie arm bleiben, damit die Kirchen ihr Geld mehren.

[….]  Seit Kurzem hindert ein großes Blech am Haupttor der Heilig-Geist-Kirche Obdachlose daran, vor dem Gotteshaus zu übernachten. Dies hat jedoch nichts mit fehlender Nächstenliebe zu tun, [Nein, gar nicht! –T.] sondern hat gute Gründe, erklärt Pfarrer Rainer Maria Schießler.
[….] Aber: Weil Heilig-Geist nicht zur Fußgängerzone gehört, wo Betteln verboten ist, wird die Kirche intensiv von Bettlern aufgesucht. Eine Gruppe von Obdachlosen schläft schon seit Jahren, so erzählt es Schießler, vor dem Haupttor seiner Kirche. Wenn’s warm ist, ist dieses Tor für alle  Menschen geöffnet, doch zwischen November und März ist es aus heizungstechnischen Gründen geschlossen. Menschen, die kein Zuhause haben, campieren dann vor der Kirche, die sie vor Wind und – durch einen Vorsprung – auch vor Regen schützt. "Das Problem ist, dass der Platz zu einem Lager ausgebaut wurde", sagt Schießler. [….] Schießler fürchtet, dass die campierenden und urinierenden Bettler mehr Camper und andere anziehen, die sich dann ebenfalls um seine Kirche herum erleichtern.
[….] Der Eingang der Talseite ist schon seit einiger Zeit mit einem Gitter vor Campern geschützt. "Aber ich wollte kein zweites Gitter, sonst schauen wir ja aus wie ein Gefängnis." [….]



Sonntag, 10. März 2019

Hinsetzen – Teil V

Der Begriff „Schäbigkeit“ erfährt im politischen Sinne durch Sahra Wagenknecht eine ganz neue Dimension.
Es ist schon grundsätzlich schäbig aus niederen egoistischen Motiven eine linke, der internationalen Solidarität verpflichtete Partei kontinuierlich durch nationalistisches und xenophobes Blinken nach rechts zu verschieben.

Es ist besonders schäbig dabei auch noch in Kauf zu nehmen, die einzig linke Partei zu zerschlagen, indem man als Bundestagsfraktionsvorsitzende  gleichzeitig eine Konkurrenz-Organisation gründet.

Noch schäbiger ist es aber als #Aufstehen-Chefin noch nicht mal ein Risiko eingehen zu wollen, indem sie in beiden „Parteien“ weiter führende Rollen einnimmt, so daß sie immer auf der sicheren Seite steht, falls  „Aufstehen“ oder „die Linke“ dabei auf der Strecke bleiben.


Auch symbolisch betrat die Bewohnerin einer Millionen-Villa im Saarland neue Größenordnungen der Schäbigkeit, indem sie sich dezidiert an homophobe, gewalttätige und antisemitische Kräfte der „Gelbwesten“ anknüpfte.

Gerade gestern gab es in Köln einen Versuch der rechtsextremen, verschwörungstheoretischen identitären Ausländerhasser um den Pipi-Blogger David Berger mit Gelbwesten Hetze gegen Schwache zu betreiben. Wagenknechts Gesellschaft.

Einziger Lichtblick in dieser schäbigen Angelegenheit ist der mangelnde Erfolg der plumpen rechtspopulistischen Hetze zum Zwecke des Wagenknecht-Ego-Boostings. #Aufstehen dümpelt traurig dahin und wird keineswegs zu der schlagkräftigen Liste Wagenknecht, die sich die Querfrontlerin erhoffte.

Sie zog nun die Reißleine und erklärte ausgerechnet in der sehr konservativen F.A.S. vom toten Pferd abzusteigen.

[……] Die hat während ihrer Abwesenheit viel Spott einstecken müssen. Zwei Monate lang pausierte Sahra Wagenknecht krankheitshalber, die Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag und Gründerin der Bewegung „Aufstehen“. […..]

Für jeden, der auch nur ein bißchen mit linken Positionen außerhalb des Parteienspektrums sympathisiert, ist das ein positives Signal, da die rechtslastige Frauke-Petry-Freundin alle wohlmeinenden Unterstützer abschreckte.
Kaum einer könnte ungeeigneter als linke Integrationsfigur sein als die egomane Lafontaine-Ehefrau.

[….] immer wieder wie Verständnis für rassistische Reflexe. [….] Dass man "natürlich" mit Pegida reden müsse, sagte Wagenknecht schon 2015. Schließlich gebe es "eine Reihe von Leuten, die da hingehen, weil sie die herrschende Politik ablehnen, weil sie empört sind über prekäre Jobs und miese Renten". Später sprach Wagenknecht mit Bezug auf Flüchtlinge von "Kapazitätsgrenzen", nannte das Asyl- ein "Gastrecht". Es gab nicht wenige, die sie da beim Schmieden einer Querfront zwischen einer populistischen Rechten und einer ebenso populistischen Linken wähnten.
[….] Wer das Innere einer Nation in den Mittelpunkt seines Denkens stellt und Verständnis für all jene Pegida-Klatscher zeigt, die erklärten Hass gegen Linke mindestens tolerieren und decken, ist als linke Integrationsfigur vollkommen ungeeignet. [….]

Aber auch im Rückzug beweist Wagenknecht erneut eine besondere Qualität der Schäbigkeit, indem sie Ausreden findet und als Kapitänen des sinkenden Schiffs zuerst sich selbst rettet.
So bereitet sie dem Ansehen linker Politik einen schweren Schlag, fördert den Hass auf Politiker. Schande über Wagenknecht, die Schäbige!

 [….] Sahra Wagenknecht will nicht mehr. Nun, da sich mit der Bewegung „Aufstehen“ keine Publicity mehr generieren lässt, kein großes Interview, kein Talkshow-Auftritt, nun, da also die Mühen der Ebene drohen, zieht sich die prominente Linke aus den Führungsgremien zurück. Das was von Anfang an auch ein Egoprojekt war, um Wagenknechts Macht in der Linkspartei auszubauen, taugt als solches nicht mehr – also darf die Basis übernehmen. Wie durchschaubar, wie aussagekräftig und wie traurig.
[….] Wagenknechts Rolle schadete von Anfang an den berechtigten Anliegen der „Aufstehen“-Leute. [….] Hoffte sie auf Rückenwind für ihren auf den Nationalstaat fokussierten Ansatz, der Migration stark einschränken will? [….] Sie tat mit hämischen Angriffen auf SPD und Grüne viel dafür, dass Rot-Rot-Grün im Bund bis heute keine echte Perspektive ist. [….]


 Doch die Nonchalance, mit der sich Wagenknecht jetzt vom Acker macht, ist schlimmer. [….] Was dazu passt, ist Wagenknechts groteske Informationspolitik. Der Arbeitsausschuss der Bewegung habe von Wagenknechts Rückzug erst aus der Presse erfahren, hieß es am Sonntag bei Aufstehen. Wagenknecht spricht also mit einer konservativen Sonntagszeitung über ihre Motive – ohne es für nötig zu halten, ihre MitstreiterInnen vorab zu informieren. Die Aufstehen-Strategen, die sich ehrenamtlich engagieren, müssen sich fühlen wie Hanswürste.
So, liebe Frau Wagenknecht, schürt man Politikverdrossenheit. [….]

Samstag, 9. März 2019

Das Kulturgut

Da gab es also eine Kita in Hamburg, die nicht mehr wünschte die kleinen Racker zum Fasching in Indianerkostümen zu sehen.

Eine hervorragende Steilvorlage für die ganz große Shitstorm-Show. Die Hamburger Boulevardmedien druckten seitenweise empörte Leserbriefe und beide Vorsitzenden der C-Parteien ritten das Thema gründlich bei ihren Aschermittwochs-Grölereien.

[…] Die Halle jubelt, auch als sich Söder gegen Schüler-Demos gegen den Klimawandel zur Schulzeit wendet und sagt: „Demos bitte am Freitagnachmittag oder Samstag früh“. Oder als er die Diskussion um Indianer-Kostüme in Hamburg aufs Korn nimmt: „Wenn die Welt wüsste, über welchen Quatsch wir streiten, hätte die Welt keine Angst und keinen Respekt vor uns. Wir müssen wieder vernünftig werden.“ [….]

100 Jahre Karneval und nun wollen die Linksgrünversifften in ihrem Verbotswahn die Kostüme bannen.
Dabei hatte natürlich keine Partei und kein Parlament irgendetwas gefordert, sondern lediglich eine private Kita einen dezenten Hinweis gegeben.

[…..] Dabei hatte sich die Leitung der Einrichtung im Stadtteil Ottensen für vorurteilsfreie Kostüme eingesetzt. Schon vor Jahren veröffentliche die Kita eine Broschüre, in der auf ein vorurteilsbewusstes Fasching aufmerksam gemacht wurde.
„Wir achten im Kitaalltag sehr auf eine kultursensible, diskriminierungsfreie und vorurteilsbewusste Erziehung“ und das solle sich auch an Faschingstagen nicht ändern, hieß es. [….]

Aber welche Rolle spielen schon Fakten, wenn konservative Großsprecher eine Chance sehen sich auf Kosten von Minderheiten vor einer johlenden Menge zu profilieren?


[…..] Eine Woche nach ihrem verunglückten Scherz über Toiletten für Transgender und Berliner Macchiato-Trinker hatte sie am politischen Aschermittwoch die Gelegenheit, sich zu entschuldigen. In Demmin, Mecklenburg-Vorpommern, tat Kramp-Karrenbauer aber nichts dergleichen. Vielmehr kritisierte sie ihre Kritiker: "Manchmal muss man auch genau hinschauen, bevor man sich über irgendwas künstlich aufregt." Und: "Heute habe ich das Gefühl, wir sind das verkrampfteste Volk, das überhaupt auf der Welt herumläuft, das kann doch so nicht weitergehen." Silvester-Böller, Fleischessen, Veganismus, Diesel-Fahren, Indianer-Kostüme beim Kita-Fasching – Kramp-Karrenbauer ließ keine der identitätspolitisch aufgeladenen Themen für ihre Gegenoffensive aus. Double down nennt man das im Englischen. 
Politisch fällt die ganze Fastnachtsepisode wohl eher in die Kategorie Geplänkel. Vor dem Narrengericht in Stockach hatte Kramp-Karrenbauer gewitzelt: Die dritte Toilette sei für Männer, die nicht wüssten, ob sie beim Pinkeln sitzen oder stehen sollten. […..]

Einmal, es war gleich in der ersten Klasse meiner Grundschullaufbahn, war ich auch als Indianer verkleidet. Und zwar nicht freiwillig.
Zur Einweihung einer neuen Aula mussten sich alle Jungs auf der Bühne in einen Kreis setzen, bekamen eine Feder ins Haar gebunden und mussten diese Karl-May-Laute machen; uns die Hand vor den Mund schlagen und Uhuhuhu jaulen.
Dazu tanzten die mit Mutters Rouge bemalten Mädchen, ebenfalls mit alter Taubenfeder im Haar um uns herum und sangen „Weh ja heia Weheheja waheia!“
Ich fand es so entsetzlich und diese grausigen fünf Minuten brannten sich derart in mein Hirn, daß ich mich auch ein halbes Jahrhundert später noch mitschäme.
Damals gab es vermutlich noch gar nicht den Begriff „Sozialphobie“, aber so stelle ich es mir vor agoraphobe Panikattacken-Trigger vor: Gegen den Willen in blamabler Exposition auf eine Bühne ausgeleuchtet werden vor einem großen dichtgedrängten Publikum.


In den folgenden Jahren gab es weitere Faschingsfeste der Schule. In der Zweiten Klasse wurde ich mit einer Paillettenweste meiner Mutter als Zauberer ausstaffiert und ab der dritten Klasse gelang es mir erfolgreich mich um diese Demütigungen zu drücken. Dank trickreicher Ausreden  musste ich nie wieder in Verkleidung zu organisiertem Lustig-Sein erscheinen.
Mit ca 16 Jahren war ich mal auf einer New-Wave-Black&White-Party, aber nur weil ich die (sehr viel ältere) Gastgeberin toll fand und ohnehin nur schwarze Klamotten besaß. Ich mußte mich also nicht verkleiden, galt aber als perfekt dem Partymotto angepasst.
Anschließend waren Toga-Partys „in“, bei denen man de facto nackt erschien und sich ein weißes Bettlaken um den Leib wickelte. Als Varianten existierten noch „Caribbean-Night“ oder „70er“ für die beliebten Motto-Parys. Unnötig zu erwähnen, daß die alle ohne mich stattfanden.

Die Saarländerin Kramp-Karrenbauer betrachtet Karneval offensichtlich als „Kulturgut“, welches es gegen die übertriebene political Correctness der Verbots-affinen Berliner Grünen zu verteidigen gelte.
Dabei ist deutscher Karneval keineswegs Kulturgut, sondern eindeutig Kulturschlecht.
Als Fernsehzuschauer erlebt man viel Brutales, aber nichts ist derartig schlecht wie Übertragungen von Mainzer Faschingsumzügen, „Köln wie es singt und lacht“ oder gar Saarländischen noch gruseligeren Abarten.


Statt armen Flüchtlingen und Asylanten diese Ausgeburten der Humorhölle als deutsche Kultur aufzuzwingen, sollte man lieber endlich die Gelegenheit nutzen sich von dem teutonischen Alptraum zu verabschieden.

Heil Hitler und Alaaf“ lautete das Motto des Kölner Karnevals in der NS-Zeit.


Die Karnevalisten stehen in einer erbärmlichen Tradition.

Wir sollten und endlich von dem Mist trennen.
Man muss es nicht verbieten, schließlich gibt es überall Peinliches in Deutschland. Sollen sich doch ein paar Rheinische Deppen blamieren damit.
Aber wir könnten uns wenigstens ein bißchen dafür schämen und versuchen dieses internationale Debakel etwas weniger hoch zu hängen.
Jahrzehntelang wurden in Zoos und Zirkussen Menschenrassen und Behinderte zur allgemeinen Belustigung ausgestellt. War auch Tradition.
Machen wir aber nicht mehr.
Wir stecken auch keine Schwulen mehr in den Knast, nehmen unverheirateten Frauen nicht die Kinder weg und verbrennen keinen Hexen mehr.
Der evolutionäre Humanismus bedeutet auch eine gewisse Weiterentwicklung; wir müssen und nicht an jede historische Schrecklichkeit klammern; zumal wir laufend Neue entdecken (Halloween, Selfi-Wahn, Schlagermove, Motorradgottesdienst), die dann zukünftige hoffentlich weiser gewordene Generationen mühsam wieder abschaffen müssen.


Unnötig zu erwähnen, daß die katholische SPD-Parteichefin auch beim Fasching an Peinlichkeit unübertroffen ist.


Ja, vor Jahrzehnten hat man sich nichts dabei gedacht Schwarze “Neger” zu nennen, Schwule zu verdreschen, Abfall auf die Straße zu werfen, Frauen auf den Po zu hauen, sie als „Schätzchen“ anzureden oder auch ethnische Minderheiten beim Fasching lächerlich zu machen.
Das war alles Kulturgut.

Aber nur weil wir damals nicht böswillig blackfacing betrieben, ist das heute nicht genauso möglich.
Früher waren wir dumm und ignorant. Heute, immerhin ein kleiner Fortschritt, hören wenigstens einige auch mal Intersexuellen, Native Americans oder Schwarzen zu.

Intersexuelle finden es gar nicht witzig was AKK so raushaut -  im Gegensatz zu der bierseligen CSU-Meute in Söderstan.


Nur weil Söder, AKK und große Teile der veröffentlichten Meinung nichts dabei empfinden Indianer nachzumachen, bedeutet es nicht, daß die Betroffenen nicht darunter leiden. Nachfahren amerikanischer Ureinwohner fühlen sich diskriminiert.
Wir haben es vorher nur ignoriert, was sie dazu denken

[….] Die sind fassungslos. Schockiert, in welche Richtung die aktuelle Debatte geht. Warum? Weil ein Großteil der Bürger das Kostüm-Verbot eben nicht nachvollziehen kann. „Diese Verkleidungen sind verletzend. Es ist traurig, dass so wenige das verstehen“, sagt Carmen Kwasny zur MOPO. Sie ist die Vorsitzenden des Vereins „Native American Association of Germany“, [….] „Ganz besonders schlimm ist dies für Kinder und Jugendliche indianischer Abstammung, die hier in Deutschland leben und in pädagogischen Einrichtungen im Rahmen von ‚Indianerprojekten‘ und zur Faschingszeit auf offener Straße damit konfrontiert werden“, so Kwasny. Native-Gäste aus den USA und Kanada würden nach wie vor mit lautem „Indianergeheul“ begrüßt. „Das ist geschmacklos und peinlich.“ Kein Native American würde sich mit der Hand auf den Mund schlagen, dabei einen Schrei ausstoßen. Das sogenannte „Lulu“ – ein Trällern, wird von Frauen mit Hilfe der Zunge im Mund erzeugt - ist vielmehr Teil eines Ehrentanzes.
[….] „Mit Hilfe des Internets und der sozialen Netzwerke werden Informationen innerhalb kürzester Zeit weltweit verbreitet und so erfahren Native Americans in den USA und Kanada auch, wie ihre verschiedenen Nationen hierzulande dargestellt werden und es wird ständig von Native-Seite aus Kritik daran geäußert“, so Kwasny. Auch die aktuelle Debatte ist längst in den USA angekommen, sorgt dort für Bestürzung. Native-Teenager in einer amerikanischen Middleschool haben sich gegenüber der Organisation über die „Rücksichtlosigkeit und Respektlosigkeit“ beschwert.
„Wir haben das Gefühl, dass man sich mit den Kostümen über uns lustig macht“, soll ein junger Native laut Kwasny gesagt haben. Native Americans tragen keine Kostüme, es sind traditionelle Kleidungen. Die Adler-Federn würde man nur dann erhalten, wenn man besondere Taten vollbracht habe. [….] Inzwischen äußern sich auch immer mehr Indianer in den sozialen Netzwerken. Der Hamburger Steven Whitfield, nach eigenen Angaben gebürtiger Chickasaw Native American, bittet, künftig auf Indianer-Kostüme zu verzichten: „Macht das nicht“ [….]

Natürlich wird PC oft übertrieben, aber so weit wie in den USA sind wir noch lange nicht. Und der Karneval ist wirklich keine Tradition, auf die man stolz sein könnte. Es lohnt sich nicht sie zu erhalten. Im Gegenteil. Weg damit.

Freitag, 8. März 2019

Moderner Staatsfunk

Ein Kind der 1980er wie ich assoziiert mit dem Begriff „Staatsfunk“ Medien aus totalitären Ländern, die nur das berichten was die Regierung möchte und auch gar keinen anderen Anspruch haben.
Die sowjetische „Prawda“, die „aktuelle Kamera“ der DDR oder auch das „Korean Central Televisio“ (KCTV) 조선중앙텔레비죤aus Pjöngjang.
In westlichen demokratischen Staaten sind selbst die Parteizeitungen wie der Bayernkurier pluralistischer, aber es gibt überall private Medien, die so extrem einseitig sind, daß der Vergleich mit „Staatsmedien“ naheliegt.
Als Helmut Kohl in den 1990ern bei Sat1 in der Sendung „Zur Sache, Kanzler“ vom glühenden Kohl-Fan Heinz Klaus Mertes interviewt wurde,  hatte er keine Kritik zu befürchten. Der Sender gehörte seinem persönlichen Gönner und Spender Leo Kirch, Moderator Mertes galt als „Bundesmikrofonhalter“.
Die SPRINGER-Zeitungen waren fast ebenso einseitig positioniert. Peter Boenisch (1927-2005) kam 1959 zum Axel-Springer-Verlage, wurde 1961 Chefredakteur der Bild-Zeitung, von 1965 bis 1979 Chefredakteur der Bild am Sonntag, 1971 Geschäftsführer der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik GmbH & Co, 1978 -1981 Chefredakteur der WELT und schließlich 1983 Staatssekretär, Leiter des Presse- und Informationsamtes und Regierungssprecher der Bundesregierung unter Helmut Kohl.

[….] Sat 1 und „Bild“ trommeln im Wahlkampf für den Kanzler. Im Hintergrund zieht Leo Kirch die Fäden, der Herr der Medien und Freund Helmut Kohls. Zu besichtigen ist eine Melange aus publizistischen, wirtschaftlichen und politischen Interessen – im Dienste beiderseitigen Machtgewinns: Kohl satt! [….]

Die von Kohl und der CDU/CSU als „Rotfunk“ beschimpften Anstalten WDR oder NDR und die von ihm gehassten und boykottierten SPIEGEL und STERN und ZEIT waren natürlich liberaler ausgerichtet.

[….] Rudolf Augstein diagnostizierte, Kohl habe Denken und Nachdenken "nicht in seinem Repertoire"; durch "Herumsitzen" habe er geschafft, "was ihm kaum einer noch zugetraut hätte, die Kanzlerschaft". Der Mann hieß in vielen Texten "der Dicke" , auf dem Titelbild stand: "Kohl kaputt" (1979), "Ist Kohl noch zu retten?" (1985), "Der Minus Kanzler" (1986).
Kohl regierte weiter, aber er litt unter der Kritik. "Es lohnt sich, in Deutschland links zu schreiben und rechts zu leben", schrieb er 1994 an den Hamburger Staatsrat Knut Nevermann. Kohl hasste alle Hamburger Blätter, und auf die Frage, ob da nicht zu differenzieren sei, sagte er: "Ja, natürlich. Der SPIEGEL ist ein Schweineblatt und der ,Stern' ist ein Verbrecherblatt. Das ist doch differenziert."
Zum Bruch war es im Wahlkampf 1976 gekommen. In einem SPIEGEL-Gespräch, das sein letztes bleiben sollte, sagte Kohl einen tölpeligen Satz: Er wolle notfalls auch "mit einer Stimme Mehrheit oder weniger" regieren. Die Redaktion machte daraus die Überschrift und zeigte Kohl auf dem Cover als Birne; die Wahl gewann Helmut Schmidt, und Kohl beschloss, nur noch inoffiziell, also im Hintergrund, oder indirekt, also über seine Fritzenkötters, mit dem SPIEGEL zu reden. Er sagte: "Ich lese den nicht und bin übrigens nicht gegen den SPIEGEL, auch nicht gegen die Müllabfuhr in Bonn. Aber ich bleibe trotzdem nicht über Nacht in der Kläranlage." [….]

Sie kritisierten CDU, CSU und FDP heftig, konnten aber andererseits nie von der SPD auf der Habenseite verbucht werden.
Das haben „linke“ Journalisten so sich, daß sie mit ihren politischen Freunden besonders kritisch umgehen.

Die Verbindungen zwischen Trump und FOX sind allerdings noch viel enger als die zwischen Springer/Kirch/Sat1 und der CDU.

Fox kennt überhaupt gar keine Skrupel zu lügen bis sich die Bäume biegen, um Trump zu preisen.
Es lohnt sich, denn Trump klebt den FOX-Moderatoren an den Lippen, telefoniert nach jeder Hannity-Sendung mit dem ultrarechten Hetzer und steht im täglichen Kontakt zum Besitzer Murdoch.
#45 lässt seine Politik direkt von FOX bestimmen und rekrutiert sogar das Regierungspersonal aus den Reihen der ultrakonservativen Demagogen des Murdoch-Imperiums. Diese Verbindungen sind bekannt und offensichtlich (der zweite und einzige Mandant Michael Cohens außer Trump war FOX-Hetzer Sean Hannity) wurden vom NEW YORKER ausführlich analysiert.
Es handelt sich tatsächlich um Staatsfunk. Als die Fox-Frau Diana Falzone vor allen anderen von Trumps Schweigegeldzahlungen an von ihm gebumste Pornodarstellerinnen erfuhr, bekam sie von oben klare Anweisungen:
"Rupert will, dass Donald Trump gewinnt. Also lass es bleiben."
FOX ist gefährlicher als Staatsmedien diktatorischer Länder, da Murdoch ein Eigenleben führt, die gesamte US-Regierung lenken kann und zudem erweckt FOX öffentlich den Eindruck ein neutraler News-Sender zu sein.

[….]  Donald Trump und seine Anhänger lieben Fox News. Und der Medienkonzern, allen voran sein Gründer Rupert Murdoch, sind im Gegenzug immer an Trumps Seite, wenn es etwas zu berichten gibt. Die engen Bande zwischen Trump und dem Sender haben in der Vergangenheit immer wieder für Schlagzeilen gesorgt - etwa, als der Fox-Kommentator John Bolton zu Trumps Sicherheitsberater gekürt wurde. [….] Die Politik- und Medienwissenschaftlerin Nicole Hemmer sagte dem "New Yorker", in der Geschichte der USA sei man "noch nie so nah am Staatsfernsehen" gewesen. Fox sei sowohl Trumps "Schild als auch sein Schwert" - das TV-Netzwerk nehme den Präsidenten in Schutz und verbreite seine Propaganda. [….]
    44 Interviews habe Donald Trump dem Fox-Network bislang gegeben. Den anderen drei großen Fernsehanstalten der USA insgesamt nur zehn. CNN habe bisher nicht mit ihm sprechen dürfen, denn diesen Sender bezichtigt Trump der "Fake News".
    Fox und das Weiße Haus würden so reibungslos miteinander kooperieren, dass schwer auszumachen sei, wer hier wem folge. Trump retweete fast alle Zeilen, die das Fox Netzwerk veröffentliche. Seine Sprecherin Sarah Sanders halte kaum mehr Pressekonferenzen ab, dafür sei sie schon etwa 30 Mal in Fox-Shows wie "Fox and Friends" oder "Hannity" aufgetreten.
    Im Juli 2018 ernannte Trump den langjährigen Fox News-Produzenten Bill Shine zum Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses und stellvertretenden Stabschef. Bill Shine sei sehr eng mit Trumps Vertrautem Sean Hannity befreundet, einem der stilprägenden Fox-Moderatoren, [….]            Es gab weitere Personalwechsel zwischen Fox und Weißem Haus: Der Neurochirurg Ben Carson, der als Kommentator bei Fox News auftrat, ist heute Minister für Wohnungsbau im Kabinett Trump. Der Kommentatorin K.T. McFarland wurde zur Sicherheitsberaterin ernannt, trat aber nach kurzer Zeit zurück. Die Fox News-Moderatorin Heather Nauert schlug Trump als Botschafterin der Vereinten Nationen vor. Und Hope Hicks, früher Trumps Pressesprecherin und enge Vertraute, führt nun die Öffentlichkeitsarbeit bei 21st Century Fox. [….]

Die Demokraten können der geballten Medienmacht aus Rupert Murdoch, den Kochs, Mercer, David Pecker und Trump nichts entgegensetzen.
Es gibt keine so skrupellosen linken Medienkonzerne, weil Doofheit, Hass und Rücksichtslosigkeit konservative Eigenschaften sind.
MSNBC kritisiert Trump zwar leidenschaftlich, bleibt aber bei der Wahrheit und ist ein ökonomischer Zwerg verglichen mit FOX. New York Times und Washington Post sind eben kein „linkes Fox“, sondern seriöse Medien.

Die Demokratische Partei setzt nun in einer Art verzweifelter Notwehr auf Boykott.
Eine ziemlich erbärmliche Maßnahme, die ihre ganze Hilflosigkeit zeigt.
Demokraten sperren Presse aus? Wirklich?
Soweit sind wir im Land Of The Free im Jahr 2019? Weil Trump gegen die Pressefreiheit agitiert und kritische Journalisten radikal bekämpft, zahlen die Demokraten mit gleicher Münze heim?
Ich halte das für wenig einfallsreich.
Andererseits hat der DNC nichts zu verlieren. Kein FOX-Zuschauer würde sie wählen und der Drang es Fox irgendwie heimzuzahlen, ist verständlich.
Immerhin wird so mit offenen Karten gespielt. Fox ist Trump und Trump ist Fox.
Im Gegensatz zu Trump regieren die Demokraten nicht; sie sperren die Nazi-Medien also nicht aus staatlichen Prozessen aus, sondern nur aus Partei-internen Veranstaltungen.

 [….] Der Spott ließ nicht lange auf sich warten. "Wer sich vor Shep Smith fürchtet, der sollte vielleicht lieber nicht Präsident werden", ätzte am Donnerstag Jack Shafer, der Medienkolumnist der Zeitschrift Politico. Das war Shep Smith gegenüber nicht sehr nett, der ein grundsolider, vernünftiger Journalist ist, auch wenn er für den rechtskonservativen Sender Fox News arbeitet. Vor allem aber war es ein Hieb zwischen die Augen für die Demokraten, die am Tag zuvor verkündet hatten, keine ihrer zwölf Kandidatendebatten von Fox News veranstalten zu lassen. Die Antwort aus der Branche war recht einhellig: Angsthasen!
[….] Mit Fox News fremdeln die Demokraten schon lange. Dass ihre Kandidaten dort nicht debattieren, ist eigentlich die Regel. Und es ist verständlich. Fox News wurde 1996 von Rupert Murdoch als konservatives Gegenstück zu CNN gegründet, inzwischen sind viele Shows jedoch regelrechte Propagandasendungen für Trump. Fox-Moderatoren wie Sean Hannity, Lou Dobbs, Tucker Carlson und Laura Ingraham verteidigen den Präsidenten bedingungslos.[….]

Die Einer-links-einer-rechts-Pseudoneutralität bei CNN wird ohnehin übertrieben. Es hat keinen Sinn zu allen Themen immer Trump-Verteidiger und GOP-Agitatoren einzuladen, wenn diese wie Frau Conway ohnehin nur wie gedruckt lügen.

Donnerstag, 7. März 2019

Fast hätten wir es schon mal geschafft!

Das war ja heute ein seltsamer Tag. Ich hatte zwei Geschäftstermine mit mehreren offiziellen Anzugstypen.
Ich weiß, für viele ist das der ganz normale Alltag, aber ich arbeite üblicherweise eher im Grottenolm-Modus allein.
Daher schätze ich solche Termine gar nicht und mogele mich möglichst daran vorbei. Heute musste es aber sein und dann wurde zu allem Übel auch noch meine misanthropische Grundüberzeugung heftig erschüttert, weil die alle nett und sozial engagiert waren.
Makler und Banker in diesen typischen Outfits: Superschmale auf Figur geschnittene Maßanzüge, Louis-Vuitton-Schals, makellose Haut, akkurate Frisur, spitze italienische hellbraune  Schuhe, Rolex und dann sind die heimlich linksgrünversifft, setzen sich für Flüchtlinge ein?
Was ist los mit mir; wieso hege ich Sympathie für die?
Vielleicht bin ich doch kein richtiger Misanthrop.
Ich verachte Menschen eher allgemein, konzentriere meinen Hass auf eine überschaubare Gruppe von Personen des öffentlichen Leben und klar, auf diesen unfassbar lärmenden Nachbarn zwei Wohnungen über mir, der das ganze Haus akustisch perfide molestiert. Oder Trump, oder Gauland, oder die Pfaffen.

Nach Pell, McCarrick und O’Brien nun also mit Barbarin der vierte Kardinal, der wegen Kinderfickereien verknackt wird.
Glück für solche richtig miesen Typen wie Kardinal Groer, der das über Jahrzehnte kontinuierlich selbst machte, daß er noch zu Zeiten JPIIs aufflog. Damals wurden die Rotröcke noch konsequent vom Vatikan geschützt und Groer musste nie in den Knast.
Solche Geschichten triggern meine Misanthropie so sehr, daß alle Menschen in die Schublade stecken möchte.
Es gibt aber tatsächlich auf der Straße auch diese normalen, netten Nicht-Üblen, denen gegenüber ich keinerlei Groll empfinde.
Nicht jeder Mensch ist schlecht.

Ich bin wohl viel eher Antinatalist als Misanthrop.
Ich mag es generell nicht, wenn Menschen leiden. (Klar, mit der Ausnahme Trump – dem wünsche ich die Pest an den Hals.) Den Menschen sollte es gut gehen, ich setze mich sogar aktiv dafür ein Qualen, Leid, Schmerz und Angst zu reduzieren.
Es muss auch keine Megakatastrophe kommen, Menschen sollen nicht umgebracht werden.
Mir reicht es völlig die Fertilität gen Null zu drücken. Einfach keine neuen Homo  Sapiens mehr produzieren und die Alten in Ruhe älter werden lassen.
Das muss auch nicht schlagartig gehen. Es kann ja ruhig ab und zu noch mal einer ein Kind bekommen. Aber eben Einzelne, die reichen aus.

Zwei Straßen weiter von mir war bis vor kurzen ein größeres zweistöckiges Möbelgeschäft. Das ging Pleite und wurde von der norddeutschen Bäckerei JUNGE übernommen. An sich ist das OK, weil JUNGE ein nettes Bäckerei/Café-Dingsbums ist. Andererseits ist das für mich nicht lebenswichtig, weil es in Hamburg seit einigen Jahren auch GAUES gibt und die backen nun einmal unbestritten die allerallerbesten Brote, die es gibt auf der Welt. Wer Zugang zu Gaues-Geschäften hat, kauft natürlich nie mehr woanders Brot.
Eigenartig ist nur, daß gerade mal 30 Meter weiter die nächste riesengroße Junge-Verkaufsstätte ist. Das machen die jetzt in Hamburg so; Bäcker an Bäcker und sogar Filialen einer Kette direkt nebeneinander.
Heute Mittag war ich kurz in diesem neuen JUNGE und war ja doch neugierig, was die mit diesem ganzen Platz machen. Wo sollen die Kunden herkommen in einer Straße voller großer Cafés?
Aber da schlug das Klischee zu. Der neue Junge war auf beiden Ebenen bis auf den letzten Platz besetzt. 90% junge Mütter, die neben ihren Kinderkarren/Kinderwagen hockten und Latte Macchiato soffen.
Dabei war ich schon geflohen, weil ich eigentlich bei dem näher gelegenen DAT BACKHUS diesen tollen italienischen Nusskuchen kaufen wollte, aber nicht zum Tresen vordringen konnte, weil der gigantische Laden bis zum Bersten mit jungen Müttern und ihren Kreischblagen gefüllt war.

Das meine ich. Es kann ja gern mal einer ein Kind bekommen, aber muss das immer noch so massenanfallweise passieren? Wieso rotten die sich Dutzendfach überall öffentlich zusammen? Und das in einem Land wie Deutschland, welches neben dem Vatikan und Japan die niedrigste Geburtenrate hat.
Wie sieht es denn bloß in anderen Ländern aus, in denen die Frauen gleich vier oder sechs Leibesfrüchte ausbrüten? So viel Latte Macchiato gibt es doch gar nicht auf der Welt!
Schade, daß ich meine Mutter nicht mehr fragen kann, wie sie eigentlich damals die Zeit totschlug, als ich ein Baby war. Da gab es noch gar keinen Latte Macchiato und keine Starbucks-Filialen. Was haben die Mütter damals bloß mit dem Tag angefangen, wenn sie sich nicht in diesen Stadtcafés Stunde um Stunde mit dem Klugtelefon spielend den Hintern plattsitzen konnten, während die ADHS-Gören armen Geronten-Bloggern auf die Nerven gehen?

Da muss was passieren. Wenn es hier schon so schlimm ist.
Die Menschen lebten mal im Einklang mit der Natur, ohne Flora, Fauna und Atmosphäre zu verpesten. Das war vor ein paar Myriaden Jahren. Da haben wir uns dezent zurück gehalten und waren nur wenige Tausend in ganz Europa.
Ich bin begeistert. In ganz Europa so viele Menschen wie heute in Sankt Goarshausen (Rhein-Lahn-Kreis, Rheinland-Pfalz), nämlich 1302 oder Großenehrich (Kyffhäuserkreis, Thüringen, 2356 people) oder gar Pleystein (2421 Leute, Landkreis Neustadt an der Waldnaab in Bayern)

[….] Der Homo sapiens hatte Glück, es war einige Male sehr knapp. Viele seiner Verwandten sind längst von der Bildfläche verschwunden: der Homo erectus etwa, oder der Neandertaler. Aber der anatomisch moderne Mensch hat überlebt. Und das, obwohl seit seinem Auftreten vor 300 000 Jahren immer wieder nur verschwindend wenige seiner Art die Erde bevölkerten. Eine Studie zeigt nun, wie nah das Aussterben auch für den Homo sapiens einst war: Vor rund 40 000 Jahren lebten demnach in ganz Mittel- und Westeuropa nur etwa 1500 Menschen - noch weit weniger als bislang angenommen. [….]

Das waren auch Homo Sapiens. An sich sind die nicht so schlimm; es müssen nur viel weniger sein. Offenbar reichen ein paar Tausend aus, um zu überleben.

[….] Aus sogenannten ethnografischen Analysen, also vor allem dem Vergleich mit heutigen Jäger-und-Sammler-Gesellschaften, ergibt sich eine durchschnittliche Gruppengröße von etwa 40 Personen. Daraus errechneten die Forscher um Schmidt die absolute Anzahl der Menschen. So ergab sich ein Wert von etwa 1500 Personen, mit einer Untergrenze von 800 und einer Obergrenze von 3300. Nicht eben viel für Mittel- und Westeuropa - so viele Menschen werden heute in sechs Minuten weltweit geboren.
Nur in fünf Regionen gab es überhaupt eine dauerhaft überlebensfähige Population von 150 Personen oder mehr: in Nordspanien, Südwestfrankreich, Belgien, in Teilen Tschechiens und im Tal der Urdonau in der Schwäbischen Alb. Im Südwesten Frankreichs mit seinen Karsthöhlen lebte dabei mit 440 Personen die größte Gruppe. Die Zentren lagen rund 400 Kilometer voneinander entfernt, dazwischen lagen große Landschaftsräume, die nur kurzfristig, saisonal oder gar nicht besiedelt waren. Das sei ein europaweit einheitliches Muster, so die Forscher.
[….] "Auch wenn regionale Populationen wiederholt ausstarben, ist dieses System durch die hohe Mobilität, flexible Anpassung an unterschiedliche Naturräume sowie die Leerräume sehr resilient", erklärt Schmidt. "Vieles deutet darauf hin, dass die menschliche Besiedlung nicht ausschließlich Umwelteinflüssen, sondern auch soziokulturellen Mustern folgt." Entscheidend für den Erfolg war also die Art, Intensität und Beständigkeit der Vernetzung über große Distanzen. [….][….]

Mittwoch, 6. März 2019

Trump, der Weihnachtsmann.

Wieso hat Trump bei den Republikaner trotz der aufeinanderfolgenden Desaster, der Megastaatsverschuldung, seiner 8.000 Lügen, der nie dagewesenen Faulheit, seines offen zur Schau getragenen Rassismus immer noch so kontinuierlich hohe Zustimmungsraten?



Ein Grund sind die starken inhaltlichen Übereinstimmungen der beiden Superioritätsideologien Trumpismus und Evagelikalismus, wie wir gestern gesehen haben.

Aber auch die weniger rassistischen und nicht ganz so ideologischen, möglicherweise noch nicht mal völlig verblödeten Konservativen sehen große Vorteile in Trump.
Er mag ein Prolet und Rassist sein, aber er ist eben auch ihr Wunscherfüllungsonkel.

Wenn man ihm Geld gibt, wird man direkt mit schönen Botschafterpöstchen oder hübschen Orden entlohnt. Offene und klare Käuflichkeit hat Vorteil für die Menschen mit viel Geld.
Mrs. Adelson (37 Milliarden Dollar schwer) holte sich gerade ihre Belohnung ab.

[….] Miriam Adelson was awarded Medal of Freedom after donating $500k to Trump aides’ legal expenses
The Adelsons were the biggest donors to Trump's campaign other than Trump.
In the last three months of 2018, GOP megadonors Sheldon and Miriam Adelson donated $500,000 to a fund set up to pay legal expenses incurred by aides to President Donald Trump. [….]
Contributions to the fund are specifically allocated to pay expenses for aides wrapped up in the investigation into whether Russia colluded with the Trump campaign. The Adelsons donated $250,000 each on October 1. Just a little over one month later, Trump awarded Miriam Adelson the Presidential Medal of Freedom.
Before receiving the medal, the Adelsons donated $30 million to Trump’s presidential campaign in the final months of the 2016 race, and last year, donated $100 million to various Republican candidates and GOP-aligned PACs in the midterm elections. [….]

Man mag sich fragen, ob 30 Millionen Dollar nicht etwas teuer sind für eine Umhänge-Orden im Materialwert von 100 Dollar.
Aber Trump trotz erheblicher Stimmenminderheit ins Oval Office gebracht zu haben, lohnt sich für derartig superreiche Milliardäre wie die Adelsons durch die dramatischen Tax-deductions. 1,5 Trillionen Dollar, also 1.500 (deutsche) Milliarden Dollar fließen so an die Superreichen.
Das Ehepaar Adelson sitzt auf fast 40 Milliarden Dollar Vermögen. Eine Steuersenkung von 35% auf 21% bei erheblich vergrößerten Abschreibungsmöglichkeiten bringt ihnen also ein Vielfaches der lumpigen 30 Millionen, die sie an Trump überwiesen.

[…..] Business Tax Rate
The Act lowers the maximum corporate tax rate from 35 percent to 21 percent, the lowest since 1939. The United States has one of the highest rates in the world. But most corporations don't pay the top rate. On average, the effective rate is 18 percent. Large corporations have tax attorneys who help them avoid paying more.
Business Deductions
It raises the standard deduction to 20 percent for pass-through businesses. This deduction ends after 2025. Pass-through businesses include sole proprietorships, partnerships, limited liability companies, and S corporations. They also include real estate companies, hedge funds, and private equity funds. The deductions phase out for service professionals once their income reaches $157,500 for singles and $315,000 for joint filers.
The Act limits corporations' ability to deduct interest expense to 30 percent of income. […..]

Trump mag dumm, peinlich und ungebildet sein. Ein Witzfigur, über die man lacht, aber für Superreiche ist er sehr lukrativ. Er liefert zuverlässig das, was ihnen am wichtigsten ist. Wenn die Kasse derartig klingelt, kann man seine alberne Frisur und die primitive Proletensprache getrost ignorieren.

Lindsey Graham, der einst Trump beschimpfte wie kein anderer Republikaner, fiel nicht nur um, sondern raste in die diametral entgegengesetzte Richtung. Wie schon Senator Ted Cruz bemüht er sich nun besonders eifrig darum Trump in den Arsch zu kriechen, lobpreist, rühmt ihn und attackiert dessen Kritiker.


Metaphern, die Worte wie “Rückgrat” oder „Scham“ oder „Anstand“ verwenden, verbieten sich natürlich im Zusammenhang mit Republikanern, die als Deficit-Hawks seit Jahrzehnten jeden einzelnen Dollar Schulden der Demokraten anprangern und zur Staatsaffäre aufbauschen, aber die Trillionen Dollar Trump-Schulden noch nicht mal flüsternd erwähnen.
Insofern sind Graham und Cruz, die nun speichelleckend und pawlowsch sabbernd jedes noch so abstruse Treiben Trumps abnicken durchaus rational. Er ist Präsident, deswegen ist er mächtig und er tut das was Rechte am meisten wollen: Diskriminierung von Minderheiten und mehr Geld für die Superreichen.

Trump brachte ohne die geringsten Skrupel ultrakonservative Richter, von denen einer mutmaßlich ein mehrfacher Vergewaltiger und Lügner ist, in den Supreme-Court. Auf Lebenszeit.

Dort machen sich Neil Gorsuch und Beer Kavanaugh auch sofort daran die elementarsten Bürgerrechte zu zertrümmern.

[….] Brett Kavanaugh just scored a major victory against civil rights, and he didn’t even lift a finger
Colorado surrenders to that anti-LGBTQ baker.

Trump wirkt.
Er mag dumm sein wie Bohnenstroh, aber er gibt den Rechten was die sich am meisten wünschen. Politik für die Reichen, für die Kirchen, gegen Minderheiten, gegen die Verfassung.

[…..] The Supreme Court declined on Monday to step into a religious liberty dispute concerning whether taxpayer funds can be used for historic preservation at churches.
The court decision to stay out of the dispute is a loss for the churches and leaves in place a decision by the New Jersey Supreme Court that held the denial of state funds to religious establishments did not violate the church's free exercise rights.
However, Justice Brett Kavanaugh, joined by Justices Samuel Alito and Neil Gorsuch, wrote separately to say that while he agreed that the court should not take up this particular case because some of the facts were in dispute, he was troubled by a lower court opinion that went against the churches.
"At some point, this court will need to decide whether governments that distribute historic preservation funds may deny funds to religious organizations simply because the organizations are religious," Kavanaugh wrote. [….]

Bald wird sich auf der rechtsextrem-evangelikale Traum von einer Kriminalisierung aller Schwangerschaftsunterbrechungen erfüllen.
Frauen entmündigen und bestrafen.

[….] Kavanaugh Just Showed How He’d Roll Back Abortion — Without Overturning Roe v. Wade. Supreme Court freezes Louisiana law, but the newest justice would let it take effect by finding a bizarre way around a case decided two years ago. [….]

Noch wichtiger ist natürlich Trumps skrupelloses Eintreten für Waffen.
Die phallischen Mord-Instrumente sind im Land der 30.000 Schusswaffentoten den Rechten wichtiger als alles andere.

[….]  Trump signs bill reversing Obama rule to ban gun purchases by mentally ill
[….]  President Trump killed a regulation that would have tightened gun background checks Tuesday, signing a bill to undo one of his predecessor's executive actions following the San Bernardino shootings in 2015.
The Obama administration rule required the Social Security Administration to submit records of mentally disabled people to the National Instant Criminal Background Check System, the FBI database used to determine whether someone can buy a firearm under the 1993 Brady Bill.
The rule would have applied to about 75,000 people who were “adjudicated as a mental defective" and who had applied for Social Security benefits, and had a mechanism to notify those affected so they could appeal. But congressional Republicans said the rule could ensnare people who had mental health issues but otherwise were competent to own a gun. [….]  The bill signing fulfills a campaign promise for Trump. Even before Obama announced his executive actions before his State of the Union Address last year, Trump said he would "un-sign that so fast" once he becomes president. [….] 

Endlich können auch die psychisch Kranken ohne jede Einschränkung vollautomatische Waffen bekommen, so viel sie wollen.
Das freut das Republikanerherz.
Denn gegen Schulschießereien helfen bekanntlich nur Globuli und Gebete, nein, sorry, thoughts and prayers! Ich war kurz mit den evangelikalen Irren in Deutschland durcheinander gekommen.

[….]  Florida State Senator Kelli Stargel votes against assault weapons ban, claims “thoughts and prayers” are enough to stop school shootings.
 In a despicable but not surprising development, Republican State Senator Kelli Stargel voted against a moderate and sensible ban on assault weapons after the recent school shooting at Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland, Florida, that left 17 dead and many more injured.
Adding insult to injury, the Florida lawmaker went on to suggest that “thoughts and prayers” are enough to stop school shootings. Speaking on the floor of the Florida Senate, Stargel said:
    Thoughts and prayers are really the only thing that’s going to stop the evil from within the individual that is taking up their arms to do this type of massacre. [….]