Freitag, 13. September 2019

Menschen sind Tiere. Tiere sind keine Menschen.

Auffangstationen überall auf der Welt, die sich um die Rettung verwaister oder kranker Tiere kümmern kennen das Dilemma.
Die Emotionen gehen mit einem durch, wenn diese felligen Kindchenschema-Wesen hilfsbedürftig daliegen. Man will sie hegen, streicheln, sie liebkosen und sich kümmern.
In dem Fall würde man das Tier aber wie einen Menschen behandeln und damit raubt man ihm womöglich jede Überlebenschance in der freien Wildbahn.
Sie dürfen nicht ihre Instinkte verlieren oder fälschlicherweise Menschen für harmlos halten. Natürlich sind die verschiedenen Tierarten sehr unterschiedlich. So werden Geparden schnell sehr zutraulich, verhalten sich wie Schmusekatzen. Bei Leoparden oder Wildhunden funktioniert das überhaupt nicht. Die bleiben immer aggressiv (zu ihrem Glück!).
Außerdem gibt es innerhalb einer Tierart große individuelle Unterschiede.
Wird ein verwaistes Reh oder ein aus dem Nest gefallenes Krähenküken von einem Menschen liebevoll großgezogen, haut es möglicherweise sofort auf Nimmerwiedersehen ab, sobald es kräftig dazu ist.
Oder aber sie sind so auf den Menschen fixiert, daß sie immer bei ihm bleiben wollen.

Es ist auf jeden Fall falsch Tiere moralisch zu bewerten und es ist erst recht falsch als Bewertungsmaßstab die vermeidliche Menschlichkeit heran zu ziehen.
Viele Tiere können in Gefangenschaft menschliche Verhaltensweisen nachahmen, aber psycho-soziales Mimikry kann dem Vieh in seiner natürlichen Umgebung schwer schaden, auch wenn es den menschlichen Halter in Verzückung versetzt.

Die Übertragung menschlicher Moral auf ganze Tiergattungen ist nicht nur albern und absurd, sondern auch tödlich.
Es begann mit der Bibel, die Schlangen Niedertracht und Kriechertum andichtete.
Die diebische Elster, der verschlagene Fuchs, der Dreckspatz, der böse Wolf – all dieser Unsinn trägt dazu bei ganze Gattungen ausrotten.

Das beste Beispiel sind Haie und Delfine, deren charakterliche Zuordnung lediglich anhand ihrer Mundwinkel erfolgt:
Haie mit ihren heruntergezogenen Mundwinkeln gucken aus menschlicher Perspektive grimmig, gelten daher als zutiefst bösartige Fressmaschinen und werden mit Akribie weltweit ausgerottet.
Delfine hingegen wirken auf Homo Demens so, als ob sie immer lächelten und daher als die Gut-Tiere schlechthin.
Dabei fressen Haie als Kaltblüter viel weniger als ihre säugenden und lächelnden Wasser-Kollegen.

[….] Menschen sind nun einmal nicht konsequent in ihrer Tierliebe. Sie lieben niedliche Tiere, die sie maximal vermenschlichen können.

Der Hund, der wie ein Familienmitglied behandelt wird und dessen vermeidlich menschliche Eigenschaften gelobt werden. „Wie ein richtiger Mensch!“ klatschen die öffentlichen Tierhalter Glööckler, Moshammer vor Entzücken, wenn ihre Daisy am Tisch sitzt. Unter welchen Bedingungen die Tiere geschlachtet werden, aus denen Daisys Hundefutter produziert wird, interessiert nicht.
Man möchte Robbenbabies schützen, weil sie so flauschig sind und niedliche Knopfaugen im Kindchenschema-Kopf haben. Deren Haut darf nicht zur Kleidung von Menschen verwendet werden.
Schweinen und  Kühen die Haut abzuziehen ist uns aber völlig egal, weil wir halt gerne die coolen Lederhandtaschen und Lederjacken tragen.
Voller Empörung werden bayerische Uralt-Bauern mit Strafandrohungen überzogen, wenn die sich erdreisten sollten, ihren Hofhund zu kochen.
Wenn derselbe Bauer aber mal eben 20.000 Puten oder 500 Schweine „keulen“ muss, weil irgendeine Pharmakonzern Mist gebaut hat, schert es niemand.
Wir boykottieren jahrelang erfolgreich Thunfisch, weil die bösen bösen Thunfischer als Beifang gelegentlich einen Delphin erwischen, der dann sterben muss. Unmoralisch, denn wir lieben doch Flipper.
Die Thunfische selbst haben aber keinen Wert?

Was sind Menschen nur für erbärmliche Schwachköpfe.
Tiere haben keine unterschiedliche Moral, weil sie in unseren subjektiven Augen „gut“ oder „schlecht“ sind.
Niedlichkeit ist kein ethisches Kriterium, um ein Leben weniger wertvoll zu machen.
Hunde sind nicht grundsätzlich schützenswerter als Schweine. [….]

Der ganze Irrsinn der menschlichen Perspektive wird bei selbsternannten Tierfreunden sichtbar, die ihre Tierliebe an ihrer Zuneigung zu ihrem Hund oder ihrer Katze messen, während sie selbst aber täglich billiges Fleisch fressen und damit direkt zu grauenvollem Tierleid beitragen.

Dabei ist Tierleid ebenfalls ein menschlicher Begriff. Nichts rechtfertigt es einem anderen Wesen Leid zuzufügen.
Aber darüber darf man nicht vergessen, daß Tiere außerhalb des menschlichen Einflusses schon gar nicht leidfrei leben.
Tiere verhalten sich zu ihrer Umwelt oft parasitär, fressen alles kahl, scheißen alles zu und stehen in einem tödlichen Gleichgewicht zu anderen Tieren.

Zum Glück gibt es hervorragende Tierdokumentationen, die mit modernster Kameratechnik enorm lehrreich über das Reich der Fauna berichten.
Wird aber eine erzählerische Perspektive eingenommen, beginnt sofort die menschliche Absurdität der Parteinahme.
Wird über eine tapfere, fleißige Löwin berichtet, die sich unter Entbehrungen und Qualen bemüht ihre dem Hungertod nahen süßen Löwenbabies am Leben zu enthalten, freut man sich von ganzem Herzen, wenn es ihr endlich gelingt ein Gnu zu reißen und ihre Familie damit zu retten.

Wird über eine wunderschöne, leichtfüßige Gazelle berichtet, die todesmutig den Gefahren trotzend nach Wasser und Gras sucht, um ihr zauberhaftes Kitz ernähren zu können, denkt man schon ganz anders darüber, wenn sie plötzlich von einer Löwin gerissen, erwürgt und zerrissen wird.

Wir gehören selbst zur Gattung der Tiere, sind aber bedauerlicherweise mit einem so degenerierten Hirn geschlagen, daß wir uns dem Gleichgewicht der Natur entziehen und alle anderen Arten dauerhaft ausrotten.

Mit unseren Insektiziden und der Monokultur sorgt die deutsche Landwirtschaft gerade dafür die gesamte Vogelwelt auszurotten. Und wenn die armen Piepser nicht durch Nahrungsmangel oder Flächenversiegelung ausgerottet werden, tut die menschliche Liebe zu den Katzen ihr Übriges. Hauskatzen töten in den USA bis zu vier Milliarden kleine Vögel jedes Jahr. In Deutschland killen die ohnehin gut gefütterten Biester 200 Millionen Vögel.

Es ist absurd zwischen verschiedenen Tierarten Partei zu ergreifen, aber da die Katzen im Gegensatz zu Vögeln von den Menschen eingeführt wurden, liegt meine Sympathie bei den Piepsis.

Wenn Menschen gut sein wollen und ihre Tiere mit sich führen, wird es oft besonders übel. Von Menschen nach Haiwaii gebrachte Wildschweine rotteten sämtliche bodenbrütenden Vögel aus.
Auf vielen Inseln sorgen von Menschen mitgebrachte Ratten, Hunde oder Katzen  für Tiergenozide, weil die nicht endemischen Arten einen evolutionären Vorteil mitbringen, dem gegenüber die Inselarten sich nicht anpassen konnten.
Australien, das auch so eine Art Insel ist, weiß sich nur noch mit Massenmord an den eingeschleppten Viechern zu helfen – anderenfalls würde Dingos, Esel, Kamele und eben Katzen den Rest der australischen Fauna töten. Die australischen Katzen sollen sterben. Noch nicht mal Tierschützer wehren sich gegen die Pläne der australischen Regierung die zwei bis sechs Millionen verwilderten Katzen des Kontinents zu killen, die ihrerseits jeden Tag eine Million Piepsis und zwei Millionen kleine Reptilien abmurxen.

[….] Süße Samtpfoten oder gefährliche Vierbeiner - unter australischen Artenschützern fällt das Urteil über Katzen derzeit ziemlich eindeutig aus. Von den zahlreichen Tieren wie Schweinen, Pferden, Hasen oder Füchsen, die europäische Siedler auf ihren Schiffen im 18. Jahrhundert nach Australien mitbrachten, waren es ausgerechnet Katzen, die den heimischen Arten den größten Schaden zufügten.
Sie trugen nach Angaben des Umweltministeriums dazu bei, dass 27 Säugetierarten bereits ausgestorben und weitere 124 Spezies mittlerweile bedroht sind. Nach Ankunft der ersten Siedler im Jahr 1788 gingen dem Kontinent 34 endemische Arten für immer verloren. Das sei die höchste Rate weltweit, sagt die Wildtier-Ökologin Sarah Legge von der Australian National University in der Hauptstadt Canberra. [….] Im Jahr 2015 zog die australische Regierung angesichts der dramatischen Ausmaße des Übels schließlich Konsequenzen. Man erklärte wilde Katzen zu einer Plage und stellte einen drastischen Plan auf. Bis 2020 sollen zwei Millionen wild lebender Katzen getötet werden. So sollen mehr als 100 bereits gefährlich dezimierte und nur in Australien vorkommende Tierarten vor dem Aussterben gerettet werden, darunter Vögel, Frösche, Grashüpfer, Schildkröten, Käfer und Krustentiere. Seither rücken den ungeliebten Vierbeinern in den Nationalparks Wildhüter mit Giftködern und Fallen zu Leibe, während Jäger oder Farmer auf ihrem eigenen Land zu Gewehren greifen.
"Wilde Katzen sind die Gefahr Nummer eins - und sie sind überall", sagt Andrew Cox, Mitglied der staatlich geleiteten Arbeitsgruppe National Feral Cats Taskforce, die die Maßnahmen gegen die wilden Katzen leitet. "Wenn man die Katzen nicht kontrolliert, wird man alle kleinen und mittelgroßen australischen Säugetiere verlieren." [….] Die Ökologin Legge schätzt die Zahl der von Haus- und wild lebenden Katzen getöteten Reptilien, Vögel und Säuger auf jährlich zwei Milliarden. [….]

Weg mit den Miezen.

Donnerstag, 12. September 2019

Die CSU-Garantie

Viele Politiker sind fleißig und erreichen durchaus auch Verbesserungen für die Bürger, selbst wenn diese es nicht merken.
Darüber hinaus gibt es die Kategorie der Populisten und Selbstdarsteller (Lindner, Spahn), sowie der bemühten Unglückswürmer (Schulz, Nahles), die zwar fast alles verbocken, aber wenigstens gelegentlich nach dem Blindes-Huhn-Prinzip einen Treffer landen.
Spahn bei Organspende und Homoheilern in die richtige Richtung, Lindner bei der Forderung ökologisches Autofahren nicht nach Fahrzeugtyp, sondern nach Spritverbrauch zu beurteilen, Schulz bei seiner Macron-Annäherung oder Nahles bei ihrer Feststellung die FDP sei nach dem Verzicht auf Steuersenkungen 2010 zur „Null-Themen-Partei“ geworden.
Das alles sind Politiker, die ich gern los wäre, aber man kann nicht alles was sie sagen in Bausch und Bogen verdammen, sondern muss erst mal zuhören.

Die CSU hingegen bietet dem Politik-Beobachter den seltenen Service der Flatrate-Verdummung.
Nichts, das von CSUler gefordert oder gar als Gesetz eingebracht wird ist in irgendeiner Weise sinnvoll.
Aus dem Munde eines CSU-Politikers kommt stets nur ganz großer Unsinn.
Verfolgt man CSU-Minister bleibt einem nur zu hoffen, daß sie über ihre eigenen Beinen stolpern, bevor sie anfangen können irgendetwas umzusetzen.

(…..)  Die CSU stimmte bekanntlich gegen das Grundgesetz, wurde aber überstimmt (Saupreißn!) und daher gilt die lästige Verfassung nun auch in Bayern. Gesetze sind keine vagen Vorschläge, sondern selbst CSU-Politiker müssen sich daran halten.

  [….] Der Einsatz bayerischer Landespolizisten bei Grenzkontrollen zwischen Bayern und Österreich ist nach einem von den Grünen in Auftrag gegebenen Rechtsgutachten rechtswidrig. "Der bayerische Grenzschutz verstößt nach seiner Konzeption im bayerischen Recht gegen das Grundgesetz", schrieb die Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt am Sonntag an Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Die Zusammenarbeit der Bundespolizei mit diesem unter Verstoß gegen die Verfassung konstruierten bayerischen Grenzschutz müsse "eingestellt werden", heißt es in dem Schreiben, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt.
Seit Herbst 2015 kontrolliert die Bundespolizei drei Grenzübergänge zwischen Bayern und Österreich, obwohl das dem Schengen-Abkommen widerspricht. Im August 2018 reaktivierte die bayerischen Staatsregierung zudem die bayerische Grenzpolizei, die ebenfalls Grenzkontrollen übernimmt. Dies sei verfassungswidrig, heißt es im Gutachten des Regensburger Staatsrechtlers Thorsten Kingreen und der Düsseldorfer Verfassungsrechtlerin Sophie Schönberger: "Die Errichtung einer bayerischen Grenzpolizei mit den ihr parallel zur Bundespolizei zugewiesenen Aufgaben und Befugnissen untergräbt die föderale Kompetenzverteilung im Bereich des Grenzschutzes." [….]

Ich weiß, das ist furchtbar gemein, weil Verfassungsminister Seehofer kein Abitur hat und nichts von Jura versteht, wenn man ihn trotzdem mit rechtlichen Fragen molestiert.

Insbesondere ist das aber gemein, weil grundgesetzwidrige Gesetze quasi das Markenzeichen der CSU sind. Da wirkt es sicher verstörend zu hören, daß sich auch die CSU an die Verfassung zu halten hat.

(…..)  Wieso sollten sich auch CSUler an Recht und Gesetz halten, nachdem sie schon das Grundgesetz abgelehnt hatten und mit Anti-Ausländermaut und Herdprämie gesetzeswidrige Politik einfordern?

Für den Verfassungstaliban aus Ingolstadt kein Problem – um Gesetze schert man sich in der CSU traditionell wenig.

Beide Gesetze, welche die CSU in die Bundesregierung einbrachte, wurden als verfassungswidrig verworfen.

Die einzige Bundestagspartei, die, nach meiner Kenntnis und auch vielfach dokumentiert, das Grundgesetz tatsächlich abgelehnt hat ist die CSU. Wann also wird sie endlich verboten?
Zum Hintergrund: Vier Parteien lehnten im Parlamentarischen Rat das Grundgesetz ab. „Die Gegenstimmen kamen von Abgeordneten der CSU, der Deutschen Partei, der Zentrumspartei und der KPD“.
Und die CSU beließ es nicht dabei:
„Als einziger der westdeutschen Landtage lehnte das 1949 von der CSU dominierte bayerische Parlament das Grundgesetz ab. Nach 15-stündiger Debatte, die von Tumulten begleitet wurde, gab Landtagspräsident Michael Horlacher in den frühen Morgenstunden des 20. Mai unter Pfui-Rufen der Grundgesetz-Befürworter das Ergebnis bekannt. Legendär wurde Horlachers Reaktion auf die Empörung: "Man soll die Dinge nicht so tragisch nehmen, wie sie sind."

Vorgestern erst schob sich der Erfinder der Parole „wer betrügt, der fliegt“, der aber selbst nicht flog, als sein Dr.-Titel-Betrug bekannt wurde, wieder einmal mit einem verfassungswidrigen Vorschlag in die Öffentlichkeit.
CSU-Rechtsaußen und Generalsekretär Scheuer meinte auf Rechtsstaatlichkeit verzichten zu können.

Scheuer will Flüchtlinge, die eine Straftat begangen haben, auch ohne Prozess abschieben. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) konterte: „Wer verdächtige Flüchtlinge ohne Prozess abschieben will, hat offensichtlich nicht verstanden, dass wir in einem Rechtsstaat leben.“ Ähnlich äußerten sich auch die Grünen.


Mit dem Grundgesetz  haben die CSU-Bayern also traditionell ihre Probleme.
Da wundert es nicht, daß CSU-Chef Seehofer immer wieder ungeniert Obergrenzen beim Asylrecht einfordert, obwohl das klar grundgesetzwidrig ist.

Ebenfalls nur konsequent ist das Eintreten der CSU für ein „Burkaverbot“, obwohl auch das illegal wäre.

[….] Warum ein Verbot von Burka und Niqab verfassungsrechtlich fragwürdig wäre.
[….] Mein persönliches Unbehagen beim Anblick einer vollverschleierten Frau ist deutlich geringer als mein persönliches Unbehagen beim Anblick einer fremdenfeindlichen Demonstration.
Das mag auf Ignoranz beruhen. Vielleicht verkenne ich nur, welches Maß an Unterdrückung in dieser Kleidungspraxis zum Ausdruck kommt. Sicherlich geht es anderen gerade umgekehrt. Es gibt keinen Konsens, was uns im öffentlichen Raum aus welchen Gründen wie sehr stört.
Unumstritten ist aber, dass wir fremdenfeindliche Demonstrationen nicht verbieten wollen, weil wir das Tragen von Burka und Niqab in der Öffentlichkeit verbieten. Die Abschaffung der Demonstrationsfreiheit für Radikale würde unsere Demokratie in Frage stellen.
Wäre es aber nicht eine seltsame Öffentlichkeit, in der jeder seine Ablehnung gegenüber dem Islam öffentlich zum Ausdruck bringen darf, aber Frauen, die Objekt dieser Ablehnung sind, gezwungen wären, zu Hause zu bleiben? Sollten wir nicht zumindest versuchen, in dem, was wir aus der Öffentlichkeit verbannen, kohärent zu sein?
[….] Überlegungen wie diese, die mit Vergleichen etwas Stimmigkeit in die Debatte zu bringen suchen, scheitern regelmäßig, weil von "Werten" die Rede ist. "Die Burka verstößt gegen unsere Werte."
Nicht alles, was "wertlos" ist, darf, soll oder muss gar verboten werden.
[….]  Ein allgemeines Burka- und Niqab-Verbot würde eine bestimmte Gruppe von Personen anders behandeln als alle anderen, dabei in ihre Freiheit eingreifen, indem sie diese Gruppe vom öffentlichen Raum ausschließt, und dies ohne einen klaren rechtfertigenden Zweck tun. Dass diese Konstellation verfassungsrechtlich prekär ist, dürfte auf der Hand liegen. [….]

Für die CSU gilt ihr altes Motto: Legal, illegal, scheißegal.

Auch der grundgesetzlich garantierte Schutz der Familie steht zur Disposition, wenn es nach der CSU geht.

Ja, so geht die Politik des zu 100% aus Christen bestehenden Bundeskabinetts.
Mehr Leichensäcke in Südost-Europa sind allemal besser, als sich hier mutig der rechtsradikalen AfD-Pest entgegen zu stellen.
Eine prima Sache, daß Deutschland Kindern die Wahl zwischen IS und Mittelmeer beläßt.

Bei CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt klang das ähnlich: "Die Aussetzung des Familiennachzugs ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg, die Zahl der Flüchtlinge spürbar zu reduzieren." Die CSU habe immer gefordert, den Familiennachzug für Flüchtlinge mit eingeschränktem Schutz für zwei Jahre auszusetzen. "Es ist gut, dass sich die SPD in diesem Punkt bewegt hat." CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sagte: "Hartnäckigkeit zahlt sich aus." Und CSU-Chef Seehofer ließ wissen: "Ich bin hoch zufrieden."
(Spon 29.01.2016)

Wieso wollen diese Leute überhaupt weg vom Kalifat? Bayern bleiben doch auch in Bayern.

Es bleibt nur ein kleiner Trost, daß die von CSU-Ministern eingebrachten Vorschläge und Regelungen ohnehin alle entweder illegal sind und anschließend von Richtern wieder gestoppt werden (Herdprämie, Maut) oder zumindest völlig ohne Effekt bleiben, wie Seehofers binationale Rücknahmeabkommen, die zwar teilweise in Kraft sind, aber so abstrus formuliert sind, daß sie niemand betreffen.

(…..) Aber immerhin, am 08.08. stand das erste bilaterale Flüchtlings-Zurückschick-Programm, welches die CSU auch sofort begeistert bewarb.

Ja, die #CSUliefert!
Besonders genial ist die Idee der CSU das Abkommen auf Grenzübertritte von Österreich aus zu beschränken.
Denn bekanntlich reist man von Spanien aus kommend direkt über Österreich nach Deutschland ein.


[…..] Flüchtlinge, die bereits in Spanien Asyl beantragt haben, können damit binnen 48 Stunden dorthin zurückgeschickt werden. Die Regelung ist aber beschränkt auf Menschen, die an der deutsch-österreichischen Grenze aufgegriffen werden. Informationen des "Handelsblatts" zufolge gab es in den vergangenen zwei Monaten keinen einzigen solchen Fall. Die Zeitung beruft sich auf Zahlen des Innenministeriums. [….]

Naturgemäß sind auch die anderen flüchtlingskritischen Parteien begeistert von diesem smarten CSU-Move.

[….] Der FDP-Außenpolitiker Alexander Graf Lambsdorff hat das Flüchtlingsabkommen mit Spanien als „Witz“ bezeichnet. „Wer aus Spanien nach Deutschland will, reist doch nicht über Österreich, sondern über Frankreich“, sagte Lambsdorff der „Bild“-Zeitung. [….]

Deutschland hat Grenzen zu neun anderen Staaten; der Grenzlänge nach geordnet sind das: Österreich, Tschechische Republik, Niederlande, Polen, Frankreich, Schweiz, Belgien, Luxemburg und Dänemark.

Nur zwei Wochen nach der selbstgesetzten Frist, zu der Seehofer diese neun bilateralen Abkommen schließen wollte, hat er bereits das Abkommen mit Spanien fertig und damit die beeindruckende Zahl von Null Migranten erfasst. (….)

Als Satire funktioniert die CSU, aber wirklich komisch ist es nicht, wenn man bedenkt, daß Scheuer, Dobrindt und Seehofer diejenigen sind, die in Deutschland für Netzausbau, Infrastruktur, Wohnungsbauch, schnelles Internet etc zuständig sind.
Besetzt man diese für Deutschlands Zukunft immanent wichtigen Ressorts mit CSU-Politikern muss man sich nicht wundern, daß wir technologisch abgehängt sind und alles verfällt.

Neben den drei CSU-Ministern Müller, Seehofer und Scheuer gibt es noch zwei weitere wichtige Positionen in der Bundesregierung, die von Unions-Bajuwaren chaotisiert werden.

Da ist die 41-jährige Dorothee Bär, aka #Digibaer, die mit den Flugtaxis, seit dem 14. März 2018 Staatsministerin für Digitalisierung bei der Bundeskanzlerin im Kabinett Merkel IV.
Sie ist die Inkarnation einer Witzfigur und versinnbildlicht, wieso Deutschland das langsamste Internet Europas hat.


Da senken selbst konservativste Journalisten die Daumen.

[…..] Digitalministerin Dorothee Bär ist eine Luftnummer
Die designierte Digitalministerin ist mit wenig Kompetenzen ausgestattet. Sie ist vor allem eine Meisterin der Selbstdarstellung. [….]

Angesichts der Milliardenschäden für den Steuerzahler, den ihr Parteifreund Dr. Scheuer (man hatte es fast vergessen, daß Scheuer einer der vielen Dr.-Titel-Schummler der Union ist) anrichtet, muss man froh sein über Bärs Kompetenzlosigkeit.

Daneben gibt, bzw gab es noch die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler aus der CSU, die nicht nur mit völliger Ignoranz geschlagen ist, sondern dabei auch noch so borniert dummes Zeug redet, daß sie geradezu einen ikonographischen Status unter Fachleuten und Comediens erreichte. Cannabis müsse verboten sein, weil es illegal sei, befand sie staunenden Interviewern, als sie auf das Missverhältnis von legalem Alkohol und illegalen Gras angesprochen wurde.

 (…..) Das Verdammen von Haschisch/Gras/Dope/Cannabis wird den Weg so vieler gesellschaftlicher Verbote zuvor gehen.
Verbot gemischtkonfessioneller Ehen, Frauenwahlrecht, Ius Prima Noctis, Prügelstrafe, Sklaverei, Homosexualität, Religionszwang oder Apartheid.
Religioten und Konservative klammern sich mit aller Macht an diese Freiheitseinschränkungen und Diskriminierungen, aber letztlich verlieren sie alle Kämpfe. Das kann zwar lange dauern und insofern „lohnt“ es sich wohl für Blöderfoerde und Kuby immer wieder zu versuchen die Zeit zurückzudrehen.
  Aber irgendwann wird sie die Geschichte als das betrachten, was sie jetzt schon sind: Irrende Relikte mit einer erstaunlichen Portion Bosheit und Borniertheit.

In der Zeit, in der ich lebe, sind einige dieser Kämpfe glücklicherweise schon vorbei. So stehen Sklaverei und Verbot von Frauenwahlrecht nicht mehr auf der Tagesordnung.

Einige Kämpfe sind noch am Anfang; deren Ausgang werde ich vermutlich nicht mehr erleben: Vollständiger Rückzug der Religionen aus dem Staat, Verbot von Geschwistersex, Ehe zu Dritt oder Tierrechte.

Andere Kämpfe befinden sich eher in der Endphase.
 Tempolimit wird überall akzeptiert mit der Ausnahme von Deutschland und auch bei der Bewaffnung mit automatischen Waffen für jedermann, Folter und Todesstrafe gibt es „im Westen“ de facto nur noch eine einzige rückständige Nation.
Schwule und Cannabis werden in Westeuropa, Amerika und Australien von deutlichen Mehrheiten akzeptiert.

Sie zu diskriminieren taugt nur noch für ein paar rechts- und rückständige Parteien, die wenigstens noch ein Alleinstellungsmerkmal behalten wollen. (…..)


Die gute Nachricht ist: Mortler gab ihr Amt als unfähigste Drogenbeauftragte aller Zeiten im Juli 2019 ab, weil sie ins EU-Parlament gewählt wurde. Dorthin schicken CDU/CSU/FDP traditionell diejenigen, die wirklich absolut ungeeignet sind.

Die schlechte Nachricht ist: Die CSU durfte eine Nachfolgerin bestimmen und schaffte es offenbar sogar eine noch schlechter geeignete Person zu finden.

[….] Neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung soll die CSU-Politikerin Daniela Ludwig (44) werden. Die CSU schlug die bisherige verkehrspolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag für die Nachfolge von Marlene Mortler (CSU) vor, wie es am Montag in Koalitionskreisen hieß. [….]

Da es sich um eine CSU-Personalie handelt, ist es unnötig zu erwähnen, daß Ludwig nicht die allergeringste Fachkenntnis oder auch nur Interesse an dem Thema mitbringt.
Sie ist aber „leidenschaftlicher Fan von Franz Josef Strauß und lehnt „Ehe für alle“, sowie „Homoadoption“ kategorisch ab.

[…..] Wie schon ihre Vorgängerin Marlene Mortler (CSU) steht auch die neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung wegen ihrer mangelnden fachlichen Qualifikation in der Kritik. Doch Daniela Ludwig (CSU) geht das Thema offensiv an: Sie hat angekündigt, in den nächsten Tagen alle Drogen durchzuprobieren, um die nötige Expertise für den Job zu erlangen.
"Das wollen wir doch mal sehen, ob ich keine Ahnung von Drogen hab", erklärt Ludwig, während sie an mit Crystal Meth gefüllten Pfeife zieht, sich eine Ecstasy-Pille einwirft und je eine Line Kokain und Speed schnupft. "Woah! Haha! Das Drogenproblem in Deutschland hau ich mit links platt. Ich und keine Ahnung? Von wegen! Ich bin unbesiegbar!" [….]



Eins immerhin weiß Ludwig doch: Die schlimmste Droge, die deswegen unbedingt verboten und hart bestraft gehört, ist Haschisch!

[…] In einer Radiosendung in ihrer Heimat Rosenheim hatte sich Ludwig der ablehnenden Haltung  des AfD-Kandidaten mit einem kurzen Satz angeschlossen, der vorher zu Cannabis befragt worden war. Alle anderen Befragten hatten der Frage weitaus mehr Zeit gewidmet.
Man muss schon lange suchen, um ein wenig mehr zu Ludwigs Position gegenüber Hanf zu finden. Doch was man dann findet, erschreckt. Ludwig vertritt im Jahr 2015 noch immer die Theorie von Cannabis als Einstiegsdroge, was aufgrund des aktuellen Forschungsstandes nicht einmal ihre Vorgängerinnen gewagt hatten.

    " [...]. Darüber hinaus gilt Cannabis auch weiterhin als Einstiegsdroge für viele Kinder und Jugendliche, die später auf weitere, härtere Drogen umsteigen. Ich glaube, dass der Gesetzentwurf der Grünen und die Legalisierung von Cannabis der falsche Weg ist. Der erleichterte Zugang zu der Droge und die damit verbundene Verharmlosung von Cannabis sendet genau das falsche Signal an die Jugendlichen. Ich sehe nicht, wie durch den Gesetzentwurf der Jugendschutz gestärkt werden soll - schließlich bleibt Cannabis für die unter 18-jährigen auch weiterhin verboten. Insofern bin ich der Ansicht, dass wir mit der geltenden Rechtslage ein klares Zeichen gegen den Drogenkonsum setzen. […] "

kommentiert Ludwig 2015 das Cannabis-Kontrollgesetz der Grünen. [….]

CSU, das ist und bleibt die Partei mit Doofheitsgarantie.

[….] Ludwig hat bereits durchblicken lassen, dass sie vom bisherigen Kurs bezüglich Cannabis wohl nicht abweichen wird. Es ist ein Trauerspiel!
Denn eine legale Abgabe an Erwachsene wäre vernünftig und ist überfällig. Es würde Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichte entlasten, die bis heute jeden strafrechtlich verfolgen müssen, der mit der Droge erwischt wird. [….] Können wir es uns wirklich leisten, die knappen Ressourcen in Justiz und Exekutive auf kleine Kiffer zu verwenden? Hat das Land nicht ganz andere Probleme? Und soll sich die Organisierte Kriminalität mit dem Verkauf der Droge weiter die Taschen füllen? [….]  Die weltweiten Erfahrungen mit einer Freigabe zeigen aber auch, dass viele Argumente der Gegner nicht stimmen. Beispielsweise, dass die Zahl der Konsumenten durch eine Freigabe stark ansteigt.
Eigentlich wäre es der Job einer Regierung, aufbauend auf diesen Erfahrungen ein zukunftsweisendes Konzept zu entwickeln. Aber mehr als Ideologie ist vor allem von den Unionsparteien in diesem Punkt wohl nicht zu erwarten. Oder wie es die bisherige Drogenbeauftragte Marlene Mortler einmal ausgedrückt hat: "Cannabis ist verboten, weil es illegal ist. Punkt." [….]


Mittwoch, 11. September 2019

EU-Personal

Das Geschacher um die neue EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen war natürlich nicht elegant.
Außerdem war es Wasser auf die Mühlen der Brüssel-Kritiker, weil eine Chefin auserkoren wurde, die nie zur Wahl stand – und genau das hatte man fälschlicherweise bei der EU-Wahl suggeriert: Die Wähler könnten quasi direkt den Boss wählen.
Andererseits sind die Wähler auch ein wenig verblödet, wenn sie dieser Illusion Glauben schenken.
Die EU ist eben kein Nationalstaat, kein homogenes Gebilde, hat kein einheitliches Wahlrecht und keine EU-weit gültigen Wahllisten.
Die EU ist immer noch in statu nascendi; erst nach den Wahlen wurde darum gerungen in welche Fraktionen die gewählten Parteien eigentlich gehören.
Besonders unappetitlich verfährt dabei traditionell die Europäische Volkspartei EVP, die Rechtsradikale, EU-Feinde, extrem Homophobe und Antidemokraten von der ungarischen Fidesz nicht aus ihren Reihen ausschließen mag, weil das ihre Mehrheit kostete.
Nach der antisemitischen „Anti-Brüssel-Kampagne“ Orbáns ist seine Fidesz bis heute Mitglied der EVP-Fraktion, weil von der Leyen seine Stimmen brauchte.
Jarosław Kaczyńskis rechtspopulistische Prawo i Sprawiedliwość (PiS) schloss sich mittlerweile der offen EU-kritischen Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer (EKR) an, die ebenfalls für von der Leyen stimmten.
Die PiS ist eigentlich so rechtsradikal, daß sie in die Nazi-Fraktion "Identität und Demokratie" (Vlaams Belang, Rassemblement National RN, Wahre Finnen, Lega, AfD, FPÖ,..) gehört, wie es sich der ID-Chef Marco Zanni von der italienischen Lega-Partei wünschte, aber die meisten europäischen Rechtsradikalen sind durch Millionenkredite aus Moskau sehr Russland-hörig. Hier nimmt die traditionell Russland-feindliche PiS eine Sonderstellung ein.

Sich in diesem Sumpf eine Mehrheit für eine EVP-Kandidatin zu suchen, kann nicht elegant sein und so verzeihe ich den europäischen Regierungschefs das Gekungel um von der Leyen, die aufgrund ihrer Verwurzelung in fundamental-christlichen rechtsradikalen Schwulenhasser-Kirchen viele Fürsprecher bei Fidesz und PiS hat.

Mauscheln ist in diesem Fall unumgänglich.
 Schwer zu ertragen ist aber die Personalie von der Leyen an sich.
 Sie hat als Ministerin ihre Unfähigkeit vielfach bewiesen und mit der Finanzierung von evangelikalen „Homo-Heilern“ bewiesen wie weit rechts sie in Wahrheit steht.
Die deutsche EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen reist auf radikal-evangelikalem Ticket und kam mit Stimmen der rechtsextremen Babiš, Orbán und Morawiecki ins Amt, bei denen sie sich auch sofort erkenntlich zeigte, als in ihren Ländern die Rechtsstaatlichkeit weiter abgebaut wurde.

Erbärmlicherweise konnten die EU-Regierungschefs keinen besseren Chef ermauscheln.

Es liegt am heterogenen Konstrukt der EU, daß ihre Kommission nahezu ausschließlich nach Proporz und nicht durch Fähigkeit besetzt wird.
Man kann den Kommissionspräsidenten kaum einen Vorwurf machen, wenn beispielsweise Berlin den am rechten Rand ohne Fachkenntnisse und sprachliche Fähigkeiten herumtrottelnden Günther Oettinger nach Brüssel schickt und darauf beharrt, der Mann müsse deutscher Kommissar werden.
Juncker hatte nicht die Autorität Frau Merkel anzurufen und um einen besseren Deutschen zu bitten, weil damit das sorgsam austarierte Gleichgewicht zerstört worden wäre.
Das EU-Parlament dient in diesem Fall als Feigenblatt, das die Kommissare bestätigen muss. Aber wie will man mit diesen zusammengewürfelten Fraktionen eine klare Linie finden? Zumal die verblödteten Wähler lauter semidebile EU-Hasser ins Parlament schickten mit dem Auftrag alles zu sabotieren. Die 73 ID-Abgeordneten wollen „Stachel im Fleisch“ sein und da sind noch nicht mal die 26 Pis-Parlamentarier und die 29 irren Farage-Brexit-Abgeordneten eingerechnet.
Im Rat der EU herrscht Einstimmigkeitsprinzip; das bedeutet, für jede einzelne Entscheidung braucht man das OK aus Warschau, Budapest und London. Babiš, Orbán, Morawiecki und zu allem Übel jetzt auch noch der irre Johnson haben ein Vetorecht.

Fassungslos starren wir alle auf das Chaos an der Themse, lesen immer mehr desaströse Szenarien über die nahe ökonomische und finanzielle Zukunft.
Kann man diesen irren Brexit nicht doch nicht aufhalten? Sieht es nicht nach der Kaskade der parlamentarischen Niederlagen des PMs schlecht für ihn aus?


Nein, man kann den Brexit nicht aufhalten, da die Hälfte der Briten fanatische Irre sind, die nicht verschwinden würden und erst ihre Lektion durch eine dramatische Rezession lernen müssen.
Außerdem bedeutet eine Brexit-Verschiebung, daß weiterhin der zutiefst verlogene und amoralische Veto-Johnson am Tisch der EU-Regierungschefs säße und den Rest Europas lähmen und chaotisieren würde.
Schließlich muss den Möchtegern-Exit-Nationalisten in Frankreich, Italien und Ungarn gezeigt werden welche fatalen Konsequenzen außerhalb des Handelsdaches EU blühen.


Die gegenwärtige EU ist schon schwierig genug. Es gilt Abstimmungsregeln zu straffen, das Einstimmigkeitsprinzip abzuschaffen und Verstöße gegen EU-Regeln – wie sie beispielsweise Deutschland immer wieder begeht – wesentlich radikaler zu ahnden.
Es muss Schluß damit sein, daß insbesondere osteuropäische Mitglieder europäische Werte wie Pressefreiheit oder Unabhängigkeit der Justiz schliefen können, ohne daß massive Konsequenzen aus Brüssel folgen, weil jede nationale Regierung durch das Veto-Recht Erpressungspotential hat.

Es muss endlich Schluß damit sein, daß Brüssel von einer nationalen Regierung wie zum Beispiel der in Polen gezwungen werden kann Janusz Wojciechowski, 64, PiS ausgerechnet als Agrarkommissar, also als Herr über die größten Geldmassen einzusetzen.
Die EU-Agrarpolitik, die massiv Fluchtursachen schafft, weil zentralafrikanische Länder mit hochsubventionierten EU-Hühnerklein überschwemmt werden. In Ländern wie dem Senegal, wo 80% der Menschen von Landwirtschaft leben, werden die Bauern massenhaft in den Ruin getrieben, weil sie ihre Hirse nicht mehr verkaufen können, weil die EU Billigweizen, der nur 30% der einheimischen Hirse kostet in den Senegal pumpt.
Diesen Wahnsinn soll nun also Wojciechowski weiterführen und dabei für eine PiS-Regierung sprechen, die so radikal wie kaum eine andere Migration (als direkte Folge der EU-Politik) blockiert.

[….] Der Pole Janusz Wojciechowski soll nächster EU-Agrarkommissar werden. Ursula von der Leyen präsentierte heute ihr Team, das sie als künftige EU-Kommissionspräsidentin führen will.
Erwartungsgemäß stellte von der Leyen den polnischen Juristen Janusz Wojciechowski (64) offiziell als ihren Kandidaten für das Amt des EU-Agrarkommissars vor.
Gegen Wojciechowski ermittelt derzeit das Europäische Amt zur Betrugsbekämpfung (OLAF) wegen angeblich falscher Spesenabrechnungen während seiner Zeit als Europaabgeordneter. [….]

Von der Leyen steht in der Schuld der PiS, deren homophoben Positionen sie offenbar ohnehin nahesteht.
Daher belohnt sie Polen mit dem mit Abstand größten EU-Ressort.

Aber auch sonst hat sie kein glückliches Händchen. Gleich vier von ihnen stecken in juristischen Schwierigkeiten.

[….] Bei vier Kandidaten dürften laufende juristische Verfahren einiges an Klärungsbedarf hervorrufen. Bei dem Polen Janusz Wojciechowski könnte es „Unregelmäßigkeiten bei der Erstattung von Reisekosten“ geben, die in seiner Zeit als Europaabgeordneter von 2004 bis 2016 anfielen. Er selbst spricht von einem Versehen, die EU-Antibetrugsbehörde ermittelt.
Auch gegen die Französin Sylvie Goulard gibt es, wie gestern berichtet, eine laufende Ermittlung wegen Betrug, bei denen es um die Vorwürfe der Scheinbeschäftigung geht. Die Rumänin Rovana Plumb steht ebenfalls in der öffentlichen Kritik - wegen Korruption, da sie in ihrem Heimatland an einer Regierungsentscheidung zugunsten einer Firma verantwortlich sein soll.
Weiteren Kandidaten dürfte vor allem ihre Herkunft zum Verhängnis werden. Der Ungar Laszlo Trocsanyi wird sich in der Anhörung vermutlich Fragen zum EU-Strafverfahren gegen sein Heimatland wegen Verletzung rechtsstaatlicher Prinzipien anhören. Der Italiener Paolo Gentiloni soll in Zukunft für die Kontrolle der EU-Haushaltsvorgaben zuständig sein - Kritiker kreiden an, dass solch ein Posten nicht aus dem hochverschuldeten Italien besetzt werden solle.
Ein letzter Wackelkandidat ist Margaritis Schinas aus Griechenland, dessen Posten unter dem Titel „Unseren europäischen Lebensstil schützen“ läuft. Im Hinblick auf die Abschottungstendenzen der EU in Richtung Mittelmeer gab es für diese Besetzung Kritik von Grünen und Sozialdemokraten. [….]

Dienstag, 10. September 2019

Gürtel enger schnallen

AKK schwurbelte in ihrem großen Sommerinterview am Wochenende genauso vage vor sich hin, wie es die grüne Hamburger Bürgermeisterin Fegebank auch tut:

[….] Für die CDU-Chefin zählt [….], dass sich die Menschen die Schritte für besseren Klimaschutz auch leisten können. "Klimaschutz darf kein Elite-Projekt sein", betonte sie. Ein Beispiel aus ihrer Sicht: Eine Abwrackprämie für Ölheizungen statt einem kompletten Verbot, wie es die SPD ins Spiel gebracht hatte. [….]

Jetzt kommt ganz viel Klimaschutz, aber keine Sorge, das kostet nichts und darf niemanden wehtun. Vor allem aber darf die Wirtschaft nicht belastet werden.
Die Energie- und Benzinpreise werden nicht steigen, es darf keine Fahrverbote geben und alle dürfen weiterhin so oft nach Mallorca wie sie wollen.

[…..] MOPO: Was halten Sie eigentlich vom diskutierten Inlandsflugverbot?
[…..] FEGEBANK: Das wäre zum jetzigen Zeitpunkt falsch. Es geht zunächst darum, Alternativen zu schaffen, in die Bahn zu investieren. Wenn die komfortabel, zuverlässig und preiswert ist, verzichten die Leute von selbst auf Inlandsflüge. Hier muss mehr getan werden. […..]

Kein Wunder, daß Deutschland alle Klimaziele reißt, wenn noch nicht mal die Grünen wagen ihrer Klientel irgendetwas abzuverlangen.

Pro Jahr starten von deutschen Flughäfen über 80 Millionen Menschen in die Luft.
Wenn die Menschheit die Klimakatastrophe nicht verschlimmern will, muss der Mensch sich pro Jahr auf eine Tonne CO2-Ausstoß begrenzen.
Bei einem Flug von Hamburg nach New York entstehen pro Passagier schon vier Tonnen CO2.

Fegebank und Kramp-Karrenbauer agieren in dieser Angelegenheit nicht nur feige, sondern auch völlig unverantwortlich.

Fun Fact am Rande: Nicht nur die Grünen Bundestagsabgeordneten sind die Fraktion mit den meisten Flugmeilen pro Kopf, auch in Hamburg sind die Grünen Spitzenreiter im Fliegen und damit im CO2 produzieren.

[….] Abgeordnete flogen 2018 gut 365 Mal um die Erde
Ausgerechnet Abgeordnete der Grünen saßen am meisten im Flugzeug. Insgesamt sind die zurückgelegten Strecken im Vergleich zu 2017 noch gestiegen. [….] Verglichen mit 2017 sind die rund 14,6 Millionen Flug-Kilometer ein Anstieg von gut 22 Prozent. [….] Neben den (Flug-)Reisen mit Delegationen können Abgeordnete auch Einzeldienstreisen unternehmen. Von diesen gab es seit Herbst 2017 bisher 854 und damit pro Parlamentarier im Schnitt 1,2. Demnach unternahmen die Grünen seit Beginn der Legislaturperiode pro Kopf die meisten solcher Einzelreisen, die 67 Abgeordneten flogen 126 Mal in Eigenregie - jeder rechnerisch also 1,9 Mal. [….]

[….] Hamburger Senat: Ausgerechnet eine Grüne fliegt am häufigsten durch Deutschland.
Zehn Dienstflüge im Jahr 2018, alle innerhalb Deutschlands: Eva Gümbel, Grünen-Staatsrätin der Wissenschaftsbehörde. [….]

Nein, wenn man wirklich etwas tun will, um den Klimawandel nicht noch dramatischer zu gestalten, ist Einlullerei falsch und unmoralisch.

Das was wirklich getan werden muss, hat so verdammt schmerzhaft für Wirtschaft und Verbraucher zu sein, daß sie tatsächlich drastisch ihr Verhalten ändern.
Die Preise für Benzin, Kerosin und vor allem Fleisch müssen so deutlich steigen, daß nicht bloß ein bißchen aufgestöhnt wird wegen der höheren Kosten. Tatsächlich muss die Mehrheit der Verbraucher ihr Verhalten wegen der enormen Kosten ändern. Schluss mit SUV und Mallorca für jeden.

Ich behaupte, das schadet der Wirtschaft nicht, sondern wird ganz im Gegenteil für einen Innovationsschub sorgen, von dem Deutschland nur profitieren kann. Schließlich werden über kurz oder lang alle Länder auf Benzin und Fleisch verzichten müssen. Derjenige, der die entsprechenden Technologien anbietet, wird im Vorteil sein.
Wenn Autos mit weniger Leistung und weniger Emissionen gebaut werden, braucht man dafür nicht weniger Arbeitsplätze.

Wir brauchen keine Fegebanks und AKKs, die Beruhigungspillen verteilen, den Menschen suggerieren, sie bräuchten ihr Verhalten nicht zu ändern, alles könne auf Basis von Freiwilligkeit und besseren Angeboten geschehen.

Nein, wir brauchen Politiker, die keine Show veranstalten, sondern effektiv regieren. Einen wie Olaf Scholz, der hoffentlich am Ende des Jahres SPD-Vorsitzender und anschließend Bundeskanzler wird.

[….] Die Bundesbürger müssen sich nach Ansicht von Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) beim Klimaschutz auf "spürbare Auswirkungen" einstellen. "Mit dem Klein-klein kann es nicht weitergehen", sagte Scholz am Donnerstag der Süddeutschen Zeitung. So müsse der Staat konkrete Vorgaben erlassen, welchen Standards künftig Heizungen entsprechen sollen. Wer Autos mit hohem Spritverbrauch fahren wolle, müsse das bei der Kfz-Steuer spüren. [….] Im Zentrum wird dabei ein Preis auf Kohlendioxid stehen. Dieser solle zwar so gestaltet werden, "dass nicht jeder sofort reagieren muss", sagte Scholz. "Aber man muss wissen, dass es teurer wird, je länger man wartet." Wenn von morgen an der Umweltverbrauch bepreist werde, kaufe sich keiner am nächsten Tag ein neues Auto oder ersetze in der folgenden Woche die Heizung. "Aber das nächste Auto muss die Umwelt weniger belasten, und die Heizungsanlagen müssen wesentlich schneller erneuert werden." Es werde keine Lösung geben, "von der niemand etwas merkt".[….] Anders als die Union, die viel fördern und anreizen will, plädiert die SPD auch für strikte Vorgaben. Förderprogramme allein reichten nicht, sagte Scholz. "Deshalb müssen wir uns auch um Ordnungsrecht kümmern." So müsse festgelegt werden, "welche Standards Heizungen ab 2030 erfüllen müssen". [….] Auch beim Verkehr will Scholz umsteuern und zugleich umverteilen. Das Fahren großer Geländewagen soll teurer werden. "Wenn fabrikneue Autos mit hohem CO₂-Ausstoß verkauft werden, muss sich das auch bei der Kfz-Steuer deutlich niederschlagen." [….]

Montag, 9. September 2019

Grüne Arbeitsgruppe der CDU

Nach den beiden haushohen SPD-Wahlsiegen des Olaf Scholz von 48,4% am 20.02.2011 und den 45,6% am 15.02.2015 steht nun am 23.02.2020, also in absehbarer Zeit die nächste Bürgerschaftswahl an.
Die Grünen, die 2011 wegen der absoluten SPD-Mehrheit gar nicht gebraucht wurden und auch 2015 gerade eben so in die Regierung rutschten sind frustriert, weil die Hoffnung auf ein schwaches SPD-Ergebnis auch nach dem Abgang von „König Olaf“ in dem Maße schwindet, wie sein Nachfolger Peter Tschentscher an Statur gewinnt und schon jetzt der beliebteste Politiker Hamburgs ist.

Noch einmal Rotgrün möchten die Elbgrünen, die ehemals sehr linke „GAL“ und nun zum Appendix der Law-and-Order-CDU verkommenen Oliven, aber unbedingt verhindern.
Bei jeder Gelegenheit setzten sie sich von linker und sozialer Politik ab, flirten mit den Schwarzen, mit denen die Topgrünen Fegebank und Steffen schon vor 2011 unter dem Rechtsaußen-CDU-Bürgermeister Ahlhaus gern Abschiebungen durchführten, Brechmittel mit Todesfolge einsetzten, den sozialen Wohnungsbau komplett einstellten, die größte CO2-Drecksschleuder Europas genehmigten, so viele Straßenbäume abholzten wie nie zuvor und die CDU-Privatisierungen mittrugen.

Und auch heute zeigen die Hamburger Grünen, wie wenig sie von sozialer Politik halten, setzen sich für die Starken ein und sind ganz und gar nicht gewillt in irgendeiner auch nur entfernt ökologischen oder linken Weise Position zu beziehen.

Die Hamburger Grünen sind so eine Art Political Action Committee (PAC) der CDU.

Die Fegebank-Grünen verbinden aber nicht nur inhaltliche Übereinstimmungen und Abneigung gegen Sozialpolitik mit der CDU; nein, sie übernehmen auch den Habitus der Schwarzen, indem sie Posten und Privilegien über politische Inhalte stellen.

Unglaublich, aber wahr, die Grünen haben soeben im linkesten Hamburger Bezirk Eimsbüttel die rotgrüne Koalition aufgekündigt und springen mitten in der Amtsperiode des SPD-Bezirksamtsleiters Kay Gätgens in das Bett der CDU.
Darüber hinaus ignorieren sie auch noch demokratische Regeln und setzten eine der ihren ohne Ausschreibung per order die mufti auf den Posten. Katja Husen, Geschäftsführerin des Zentrums für Zahn- Mund- und Kieferheilkunde am Universitätsklinikum Eppendorf hat keine Verwaltungserfahrung, ist keine aktive Politikerin, aber Regierungskompetenz schadet ohnehin nur beim Projekt Grün-Schwarz.

[…..] Die SPD Eimsbüttel ist verstimmt. „Der künftigen Koalition geht es einzig um den Austausch der Bezirksamtsleitung und nicht um die allseits anerkannte fachliche Kompetenz, die Kay Gätgens mitbringt", sagt Gabor Gottlieb, Fraktionsvorsitzender der SPD. Und weiter: „In der Vergangenheit war es Konsens aller Fraktionen, die Bezirksamtsleitung öffentlich auszuschreiben. Dass die neue Koalition dieses transparente Verfahren gleich zu Beginn aufgibt, zeigt einen neuen politischen Stil.“
Der grüne Fraktionschef Ali Mir Agha kontert, dass eine öffentliche Ausschreibung rechtlich gar nicht möglich sei, da die Amtszeit von Kay Gätgens noch läuft. So bliebe nur die Möglichkeit eines konstruktiven Misstrauensvotums, um die Bezirksamtsleitung auszutauschen. […..]

Das Zeichen an den wahlkämpfenden Bürgermeister Tschentscher und die Wähler ist wenige Monate vor der Bürgerschaftswahl überdeutlich:
 Wir wollen Oliv-Grün! Unser Herz hängt an der CDU.

[….] Die Hamburger Grünen sind so dermaßen rechts, daß sie auch heute ohne Not und vor allem ohne Sinn – denn die Hanseaten-CDU ist so schwach, daß es niemals zu einer Grünschwarzen Regierung reichen kann – in die Arme der Schwarzen zurück wollen.
Die Grüne zweite Bürgermeisterin Fegebank scheut ökologische oder gar soziale Festlegungen wie der Teufel das Weihwasser. Sie schielt nur auf die CDU-Parteizentrale. Dort möchte sie gemocht werden und so wechselt mitten in der Legislatur ausgerechnet die Grüne Fraktion aus Hamburg-Eimsbüttel, 265.000 Einwohner, des linksalternativsten Bezirks Hamburgs von Rot-Grün zu Schwarz-Grün.

[….]  Am Ende geht's nur um Macht Hamburg: Das verlogene Liebesspiel von CDU und Grünen
So schnell können aus politischen Feinden also Partner werden. Jahrelang hat Eimsbüttels CDU gegen das rot-grüne Bezirksbündnis gewettert, dabei vor allem die Verkehrspolitik kritisiert. Und jetzt? Wollen beide Parteien zusammen ein neues Bündnis schmieden, angeblich wegen der großen Überschneidungen in Verkehrsfragen. Ein Paradebeispiel für verlogene Machtpolitik. [….]

Der Grüne Justizsenator Steffen, der auch schon unter CDU-Bürgermeistern Justizsenator war, erklärt, er fühle sich der CDU näher als der SPD. „In den ausführlichen Gsprächen hat sich gezeigt, dass die Erarbeitung von Leitlinien für künftige Planungen die Menschen und der Natur den nötigen Raum zu geben, mit der CDU besser möglich ist.“
Ja klar. [….]

Erstaunlicherweise wird der scharfe Rechtsdrall der Hamburger Grünen kaum bemerkt und kaum kritisiert. Die Umfrageergebnisse liegen über 20%.

Wir kennen das aus den sehr CDU-affinen Realo-Landesverbänden in BW, Hessen und dem Saarland. Dort schadete der schwarzgrüne Kurs auch nicht; im Gegenteil, die Bürger mögen es. Schließlich haben die Anhänger der Grünen inzwischen das höchste Monatseinkommen, wohnen in Vororten, fahren SUV und machen gern und viele Flugreisen.

[…..]  Die Grünen sind einmal angetreten als Partei der Basisdemokratie. Mit Machtspielen und Parteien-Filz gingen sie hart ins Gericht. Und nun? Zeigen sie in Eimsbüttel, dass es ihnen nicht um das Wohl des Bezirks geht, sondern nur um die Macht. Der von ihnen mitgewählte Bezirksamtsleiter Kay Gätgens (SPD) soll im Oktober in einer Kampfabstimmung abgewählt werden. Bei ihm handelt es sich um einen erfahrenen Verwaltungsexperten. Stattdessen wollen die Grünen zusammen mit der CDU ohne Ausschreibung mit Katja Husen eine grüne Klinik-Geschäftsführerin ins Amt hieven. Sie sei eine „Idealkandidatin“, eine „engagierte grüne Frau“, jubeln die Grünen. Nein! Kungelei ist das. Politik zum Abgewöhnen. [….]
(HH Mopo, 07.09.2019)

Sonntag, 8. September 2019

Grundfähigkeiten.

Befragt nach der Hamburger Politik spottete der altersweise Helmut Schmidt einst, der Bürgermeister solle weniger Politiker und mehr Verwalter sein.

Und wie das so ist mit Schmidt, wenn er etwas Provozierendes raushaut; in 99,9% der Fälle hat er völlig Recht.
In der Tat erfordert deutsche Kommunalpolitik weniger politische Visionen und Strategien, als ordentliche Verwaltung.
Der Chef eines Stadtstaats sitzt zwar auch im Bundesrat und nimmt dadurch Einfluss auf die Bundespolitik, aber das Arbeitsfeld ist nicht zu vergleichen mit Geopolitik, wie sie im Bundeskanzleramt gemacht werden sollten.
Man ist zufrieden mit dem Bürgermeister, wenn alles funktioniert.
Die Senate leiden allerdings darunter, daß pünktliche Müllabfuhr, saubere Gehwege oder ein intaktes Abwassernetzgar nicht bemerkt werden, obwohl sie teuer sind.
Erst wenn etwas Selbstverständliches Ausfallerscheinungen bekommt, wird es dem Bürger bewußt.
Zu wenige Wohnungen werden in Hamburg als Riesenproblem betrachtet.
Kaputtgesparte Brücken, die jetzt alle umständlich gleichzeitig saniert werden, nerven ganz erheblich.

Aber in der Zeit der CDU-Regierung von 2001-2011 (erst mit Schill und der FDP, dann solo und schließlich mit den Grünen) sonnte sich Beust in enormen Beliebtheitswerten. Niemand störte es, daß in der Dekade der soziale Wohnungsbau vollkommen eingestellt und keine öffentlichen Bauten instand gehalten wurden.
Die schwarzen Bürgermeister Beust und Ahlhaus waren extrem schlechte Verwalter, die mit ihren Privatisierungsorgien und der Landesbankpolitik gewaltige zweistellige Milliardenlöcher rissen, unter denen wir noch Jahrzehnte leiden werden.
Schlechte Verwaltung wird allerdings erst mit einigen Jahren Verzögerung sichtbar. So hielten die Hamburger Beust für einen guten Politiker, wählten ihn immer wieder, obwohl er ganz mies verwaltete, sich nie um Bauvorhaben kümmerte.
 Auszubaden haben es die folgenden Sozi-Regierungen Scholz und Tschentscher, die nun darunter leiden die Verwaltungsversäumnisse aufräumen zu müssen.
Sie sind dabei enorm erfolgreich; Hamburg boomt, wächst und gedeiht mehr als alle anderen deutschen Städte, aber die Bürger sind genervt von den allgegenwärtigen Dauerbaustellen.

Als Senator, Kämmerer oder auch Minister muss man in der Tat nicht zwingend berufliche Erfahrungen in dem Fachgebiet haben. Es schadet natürlich nichts und es verwirrt die Wähler, wenn Politiker Ressort-Hopping betreiben.
So landen dann Karliczek, Gröhe, Seehofer, AKK oder Altmaier plötzlich als Chefs in Ministerien, mit dessen Themen sie sich nie vorher beschäftigt haben.
Wenige Politiker sind solche Allround-Genies (es tut mir leid schon wieder den ehemaligen Finanz- Wirtschafts-, Innen- und Verteidigungsfachmann Helmut Schmidt zu nennen), daß sie fast alles können.
Man kann sich aber durchaus in ein Thema hineinarbeiten.
Unser Bürgermeister Peter Tschentscher ist habilitierter Mediziner, war klinischer Chemiker, Oberarzt am UKE zuständig für Laboratoriumsmedizin, Innere Medizin, Transfusionsmedizin und Medizinische Mikrobiologie, bevor er sich als Politiker den Finanzen verschrieb und sich als Finanzsenator von 2011 bis 2018 bundesweit Reputation in dieser Disziplin erwarb.

Bürgermeister zu sein verlangt aber andere Fähigkeiten, in die sich Tschentscher hineinarbeitete.

Die Fachministerien auf Bundesebene sind politischer und erfordern weniger Durchsetzungsfähigkeit als Verwalter, weil es einen großen Beamtenapparat mit möglichst kompetenten Abteilungsleitern und Staatssekretären gibt.
Problematisch wird es aber in den Fällen, wenn eine Fachfremde wie Ursula von der Leyen an die Spitze gesetzt wird und sich sogleich daran macht den eigenen Apparat zu zerstören, wahllos Mitarbeiter feuert und durch ebenfalls unerfahrene externe Berater ersetzt. Dann entsteht ein Kompetenz- und Führungsvakuum, das zu den gegenwärtigen Zuständen führt: Rechtsradikale Sümpfe in den Kasernen, Gewehre, die nicht schießen, neue Stiefel gibt es erst im Jahr 2021 wieder und die Großgeräte sind ohnehin alle kaputt.
Anders gelagert ist der Fall Seehofer, der noch nicht mal Abitur hat, nun aber als Verfassungsminister so eine Art oberster Jurist sein soll, keinerlei Erfahrung mit Bau hat und zudem auch noch ungeheuer faul ist, so daß ihm die verzweifelten Staatssekretäre kaum etwas vorlegen können, da er ohnehin so selten im Ministerium ist.

Es hilft natürlich, wenn der Fachminister nicht nur ansatzweise sein Fachgebiet beherrscht, sondern auch schon mal in einer Verwaltung gearbeitet hat, so daß er sich zumindest vorstellen kann, wie so ein großer Beamtenapparat funktioniert.

Der größte anzunehmende Unfall in dieser Hinsicht ist selbstverständlich Trump, der nicht nur borniert, faul und ein gefährlicher Irrer ist, sondern der auch noch aus einer Celebrity-Fake-Welt kommt, die in jeder Hinsicht das Gegenteil von Real- und Weltpolitik ist.
Alle fähigen Zuarbeiter und Berater haben inzwischen das Weite gesucht, aber selbst die debilen Trump-Jünger, die jetzt noch an seiner Seite stehen, verzweifeln offenbar zunehmend.

[…..] President Donald Trump's aides and confidants are growing more and more worried about his mental state after days of erratic behavior, wild outbursts, and bizarre fixations.
"No one knows what to expect from him anymore," one former White House official, who spoke on the condition of anonymity to discuss internal conversations about the president, told Insider.
They added: "His mood changes from one minute to the next based on some headline or tweet, and the next thing you know his entire schedule gets tossed out the window because he's losing his s---."
Sources told Insider the president's advisers are particularly worried about his stubborn refusal to acknowledge that a tweet he sent over the weekend claiming that Alabama was going to be hit by Hurricane Dorian was false. They believe that his frustration is compounded by stress about the 2020 election and the economy's recent downturn.
"People are used to the president saying things that aren't true, but this Alabama stuff is another story," the former official said. "This was the president sending out patently false information about a national-emergency situation as it was unfolding." [….]

Leider sitzt Trump an wahrlich keiner unbedeutenden Stelle, sondern verfügt über reale gewaltige Macht.

Verglichen damit kann man froh sein, daß Deutschlands schlechteste Minister Karliczek und Scheuer zwar bedauerlicherweise weder Fachkompetenz noch Verwaltungsfähigkeiten haben, aber eben auch nur Deutschland damit schaden und nicht die Welt in Brand setzen können.

Grundsätzlich können CSU-Bundesminister keine verfassungsgemäßen Gesetze auf den Weg bringen; alles muss von den Gerichten kassiert werden.
Aber dabei richten sie wie zum Beispiel bei der sinnlosen Anti-Ausländermaut, von der seit zehn Jahren jeder Schüler wußte, daß sie illegal wäre, Milliardenschäden zu Ungunsten der Steuerzahler an.

Andreas Scheuer verhält sich dabei im Ministerium offenbar wie ein Trump für Arme, wütet erratisch in seinem Büro vor sich hin, während sich besorgte Ministeriale fragen, wie man den Spinner von seinen größten Schnapsideen abbringen kann. So führte die kindische E-Scooter Begeisterung Scheuers zu inzwischen Dutzenden schweren Schädel-Hirn-Verletzungen, weil die Regeln zu lasch sind.

[….] Ist Verkehrsminister Scheuer ein Draufgänger, der Expertisen der eigenen Behörden schlicht ignoriert? Ein Berater des Ministeriums schildert die Stimmung als angespannt: ganz oben ein launischer Chef, der schnelle Effekte und Erfolge will – weiter unten verzweifelte Experten auf den Fachebenen, die "nur noch versuchen, das Schlimmste zu verhindern". Hätte Scheuer sich durchgesetzt, dürften Scooter auch auf Gehwegen fahren. Auf sein Geheiß hatten die Beamten im ersten Entwurf der Verordnung außerdem den Testbetrieb sogenannter Hoverboards erlaubt, eine Art Brett mit zwei seitlich angebrachten Rädern und Motor. Hundsgefährlich, wie Scheuers Leute befanden. Das rief die Verkehrsminister der Bundesländer auf den Plan. Es ging hin und her. Nachdem die ersten alarmierenden Berichte aus Polizei- und Unfallstationen eingegangen sind, ist das Vorhaben zunächst vom Tisch. […..]
(Der Spiegel, 07.09.2019)

Anja Karliczek kommt gar nicht so weit solchen Unsinn zu machen, da sie als Verwalterin so sagenhaft verblödet ist, daß selbst die wenigen Gesetze, die überhaupt aus ihrem Ministerium auf den Weg gebracht wurden, gar nicht umgesetzt werden. Es wird Geld angewiesen, bereitgestellt und als Sondervermögen geparkt. Weiter nichts. Der Bildungsstandort Deutschland tritt auf der Stelle. Der Bund gibt Milliarden aus, aber sie versickern im Verteidigungs-, Bau- oder Bildungsministerium, kommen nie in der Wirtschaft oder gar „bei den Menschen“ an.

[….] An Schnel­lig­keit man­gelt es auch bei der Ver­ga­be von Mit­teln an Schu­len. Mo­na­te dau­ert es, manch­mal Jah­re, bis das Geld des Bun­des an­kommt. [….]  Ein Bei­spiel ist das so­ge­nann­te Schul­sa­nie­rungs­pro­gramm. Der Bund hat es be­reits 2017 auf­ge­legt, um für neue Toi­let­ten, Trep­pen­häu­ser oder Iso­lier­fens­ter zu sor­gen. 3,5 Mil­li­ar­den sind vor­ge­se­hen. Ge­ra­de ein­mal 2,4 Mil­li­ar­den Euro sind ver­plant. Ge­baut wur­de noch we­ni­ger. Von 3780 vor­ge­se­he­nen Maß­nah­men wur­den bis Ende März gan­ze 27 ab­ge­schlos­sen.
Ähn­lich könn­te es beim »Di­gi­tal­pakt Schu­le« lau­fen. Fünf Mil­li­ar­den Euro spen­diert der Bund, da­mit die Schu­len Lap­tops oder Ta­blets kau­fen und die Klas­sen­zim­mer ans In­ter­net an­schlie­ßen kön­nen. Mit­te Au­gust hat­ten erst 9 der 16 Bun­des­län­der die nö­ti­gen För­der­richt­li­ni­en ver­öf­fent­licht: In Ber­lin kön­nen von den 257 Mil­lio­nen Euro, die für das Pro­gramm zur Ver­fü­gung ste­hen, 2019 des­halb höchs­tens 38 Mil­lio­nen Euro ab­ge­ru­fen wer­den.

Be­son­ders trü­be ist die Bi­lanz bei der För­de­rung des so­zia­len Woh­nungs­baus. [….]
(Der Spiegel, 07.09.2019)

Diese Minister können es einfach nicht.
Man mag Olaf Scholz für dröge und charismafrei halten, aber daß er regieren und verwalten kann, ist angesichts der Unions-Pfeifen ein riesiger Vorteil.
Zum Glück haben die Bundesminister der C-Parteien keine Nukes.