Donnerstag, 22. November 2018

Tiefer fallen als in Gottes Arme.


Eine Frage, die mich schon lange umtreibt ist die nach dem Prozentsatz der gläubigen Christen!
Klar, in der CDU oder in der Kirche und vielfach in der Politik bekundet man tiefgläubig zu sein, auch wenn es ein Typ wie Donald Trump offensichtlich nicht ist. #45 wurde von den Evangelikalen in sein Amt gebracht.
Barack Obama oder Hillary Clinton betonten vielfach ihre tiefe Gläubigkeit, aber was hat das schon zu bedeuten in einem Land, in dem nur Gläubige in Top-Positionen gewählt werden können?
Ein Bekenntnis zum Atheismus und die US-Präsidentschaft schließen sich aus. Das mag sich zukünftig ändern, aber in den letzten Jahrzehnten war es noch so.
Gelegentlich liest man von atheistischen Pfaffen und das halte ich für keinen besonders abwegigen Widerspruch.
Es gibt viele Gründe Pfarrer zu sein. Die Jobsicherheit, das Geld, die Gemeindearbeit. Vielleicht gefallen auch die Gebäude, das Orgelspiel, die Chöre, die Machtposition, die abgefahrenen bunten Kleider, die Möglichkeit Messdienerchen zu befummeln oder sich Schlüpfrigkeiten in der Beichte anzuhören. Deswegen muss man nicht tatsächlich den ganzen Unsinn glauben, der in der Bibel steht.
Ich halte es für absolut vorstellbar, daß einem Karriere-Kurialen die Glaubensbekenntnisse ganz automatisch über die Lippen kommen. Ungläubigkeit ist vermutlich sogar ein Vorteil beim Kampf um die besten und lukrativsten Posten im Vatikan.

Offensive Zurschaustellung seiner Gläubigkeit kann also enorme Vorteile beim Erklimmen der Karriereleiter haben.
Wenn fromme Frauen wie Annegret Kramp-Karrenbauer oder Bundesbildungsministerin Anja Karliczek gegen Schwule wettern, muss das nicht unbedingt Ausdruck ihres Glaubens sein. Ich nehme eher an, es handelt sich um einen strategischen Schachzug, damit einem im CDU-Universum die Basis gewogen bleibt. Möglicherweise sind die beiden Christenpolitikerinnen auch einfach nur miese Weiber, die ihren Menschenhass ausleben.

Gläubige, die auf die Kraft der Gebete setzen und von der Allmächtigkeit Gottes predigen, glauben das alles aber auch nur eingeschränkt.
So verstecken sich Päpste hinter Panzerglas-Papamobilen, weil sie eben nicht auf Gottes Schutz vor Gewehrkugeln vertrauen. Priester stellen Blitzableiter auf ihre Kirchen, weil sie natürlich nicht glauben, Gott würde seine Gotteshäuser vom Blitzeinschlag ausnehmen. Und Kranken setzen auf Gebete in den Fällen, in denen eine Heilung im Bereich der Wahrscheinlichkeit liegt. Amputierte beten aber nicht dafür, daß ihnen ein Bein nachwächst. Witwen beten nicht dafür, daß ihr Ehemann sich gesund und munter wieder aus dem Grab ausgräbt, weil sie tief in sich wissen, daß ihr als allmächtig postulierter Gott auch nicht stärker als die Naturgesetze ist.

Natürlich gibt es aber doch immer auch ein paar wenige Irre, die verrückt genug sind um wirklich zu glauben.
Das sind die Typen, die Krebsbehandlungen ablehnen oder in Gebäude fliegen.


(….) Ich lehne alle Religionen ab. Aber ich räume den polytheistischen Lehren grundsätzlich ein größeres Maß an Toleranz ein, als den monotheistischen Extra-Ecclesiam-Nulla-Salus-Lehren ein.
Der spezifisch destruktive Kern der abrahamitischen Religionen liegt ja gerade in ihrem exkludierenden Geist.
"Wir sind besser als die“ zum Dogma erhoben, muss zu dem Unfrieden und Krieg führen, den wir auch tatsächlich als Dauerzustand erleben seit Pharao Echnaton, der von 1353–1336 v. Chr. regierte, das erste mal erklärte es gäbe nur einen Gott, nämlich Aton und damit alle anderen zum Abschuss freigab.

Christentum, Islam und Judentum sind für mich die unangenehmsten Religionen.
Von den Dreien klammere ich aber oft das Judentum aus, weil es wenigstens auf den brutalsten Aspekt, die Missionierung verzichtet.
Juden sind nie losgezogen, um sich ganze Kontinente untertan zu machen, Völker zu versklaven, Genozide anzuzetteln.
Juden werfen keine Ungläubigen auf Scheiterhaufen, halten keine Auto Dafés ab, führen keine Inquisitionen durch, ziehen nicht zu Kreuzzügen los, um über 200 Jahre ganze Landstriche leerzumetzeln. (…..)

Potentieller Wahnsinn liegt in den berühmten Käßmann-Worten vom Fall in Gottes Arme.

Ich weiß aus vorangegangenen Krisen: Du kannst nie tiefer fallen als in Gottes Hand. Für diese Glaubensüberzeugung bin ich auch heute dankbar."

Aber ich habe tatsächlich viele Menschen in großem Frieden sterben gesehen, die ihr Leben losgelassen und zurückgelegt haben in Gottes Hand.

Ist es Dummheit oder eher doch Borniertheit, die sie so etwas immer wiederholen lässt?
Ich bin jedenfalls beeindruckt davon, wie eine sehr reiche Frau, die mit 60 Jahren ihre üppige 11.000-Euro-Pension genießt, solche Sprüche von sich gibt, während ihr Gott beispielsweise im Jemen 85.000 Kleinkinder unter grauenvollen Umständen elend und langsam an Hunger krepieren ließ.

Aber was soll man schon von einer Bischöfin erwarten, die fünf Jahre als Botschafterin für einen der widerlichsten Antisemiten der Weltgeschichte arbeitete?

(….) Die Theodizee-Frage gibt es seit 2.000 Jahren, ohne daß ein einziger Kleriker darauf eine Antwort gefunden hätte.
„Auschwitz hat die Nicht-Existenz Gottes bewiesen“ lautet die Theodizee-Kurzversion.

Es passieren jeden Tag genügend Grausamkeiten, die die Nicht-Existenz eines „lieben Gottes“ unzweifelhaft determinieren; man denke nur an die 20.000 jeden Tag elend an Hunger krepierenden Kinder, während Franzls Topp-Religioten in Saus und Braus leben.

Das Besondere am Holocaust war unter anderem die Tatsache, daß die ihm zu Grunde liegende antisemitische Ideologie so perfekt zur christlichen Kultur passte – ist doch die tiefe Judenfeindschaft eine zentrale Lehre der Kirchen.

So konnte es kommen, daß die etwa 600.000 Menschen, die direkt an der Tötung von sechs Millionen Juden beteiligt waren, alle Christen gewesen sind. (….)

Vielleicht ist Käßmann auch nicht so dumm, den von ihr verbreiteten Unsinn wirklich zu glauben, sondern lediglich skrupellos in dem Wissen, daß sie so mit ihren Büchern und ihren BILD-Kolumnen Millionen verdient.
Immerhin behauptete sie ja nur mit den Taliban am Hindukusch über Gott und die Bibel zu reden, wäre eine gute Idee.
Sie war immerhin nicht verrückt genug als kurzhaarige unverschleierte Frau in Hosen wirklich durch Taliban- oder IS-Gebiete mit einer Bibel unterm Arm zu spazieren.
Vielleicht ist sie doch weniger dumm und dafür verlogener.
Vermutlich kann sie sich vorstellen wie viel ihr der Spruch von dem Fall in Gottes Hand nützt, wenn sie es mit aufgebrachten Mullahs in Afghanistan zu tun hätte.

Es gibt aber irre Christen, die ihren Glauben und den von Jesus erteilten Auftrag zur Mission so ernst nehmen, daß sie losziehen, um den ihren Glauben überall zu verbreiten.
In früheren Jahrhunderten führte das zum größten Massenmord aller Zeiten, weil die Völker in Australien, Afrika, Südamerika und Nordamerika leider zu freundlich waren, um die die Christlichen Conquistadores sofort umzubringen.
Heute gehen Missionare eher nicht mehr in die No-Go-Areas für Christen, weil sie wissen, daß man damit bei Donald Trumps besten Freund König Salman nicht lange am Leben bleibt.
2009 waren die Bibelschülerinnen Anita G., 24, und Rita S., 26 aus Ostwestfahlen im Jemen einen Kopf kürzer gemacht worden.

So gut wie jeder Fleck der Erde wurde inzwischen schon von Religioten heimgesucht.
Eine der letzten, vielleicht die letzte Ausnahme sind ein paar winzige Inseln der Adamanen.

[….] Die auf North Sentinel freiwillig abgeschottet lebenden Sentinelesen gelten als das letzte, vorjungsteinzeitliche Volk der Erde; die Insel und das umliegende Gewässer im Radius von drei Seemeilen (5,6 Kilometer) sind Sperrgebiet und dürfen nicht betreten werden.
Zutritt zu der Insel ist der Außenwelt verboten
Die Sentinelesen sind verletzlich gegenüber Krankheitserregern, die Fremde einschleppen könnten. Zudem seien sie bekannt dafür, fremde Ankömmlinge in der Vergangenheit angegriffen zu haben, hieß es. [….]

Das 1771 entdeckte North Sentinel Island ist von gefährlichen Riffen umgeben. Auf etwa 75 km² mit dichter tropischer Vegetation leben 30 bis 100 Menschen in völliger Isolation.

[….] Shiv Viswanathan, ein Sozialwissenschaftler und Professor an der Jindal Global Law School, sagte, North Sentinel Island sei ein geschütztes Gebiet und nicht für Touristen zugänglich. "Wie viele Menschen dort leben, ist nicht bekannt, aber die Bevölkerung nimmt ab. Die Regierung muss sie beschützen." [….]

Der offensichtlich wahnsinnige christliche Missionar John Allen Chau, ein 27-Jähriger Absolvent der Oral Roberts University in Alabama hatte sich vorgenommen auch diese letzte nicht durch Zivilisation verseuchte menschliche Kultur zu zerstören.

[….] Chau [….] left a note with the fisherman who he paid to break the law and take him to the remote island he was prohibited from visiting. The note read:
    Jesus had bestowed him with the strength to go to the most forbidden places on Earth.
Heavy reports:
    Chau had previously visited the Andaman and Nicobar Islands and had “expressed a strong desire to meet with the Sentinelese tribes to preach Christianity.” [….]

Die Sentinelesen waren zum Glück viel schlauer als die vielen hundert Millionen Menschen auf anderen Kontinenten, die sich von Christen einfach ermorden ließen und kamen dem göttlichen Unbill zuvor. Sie ließen einen tödlichen Pfeilhager auf den Ami niedergehen. Gottes Hand war nicht da als John Allen fiel.

[….] John Allen Chau[….] knew it was illegal and dangerous to try to contact the Sentinelese people on North Sentinel Island, but went anyway in hopes of converting the isolated tribes people to Christianity.

His effort failed. The tribes people killed the intruder. And Jesus was nowhere to be found.
[….]
    An American Christian missionary is thought to have been killed by tribespeople from one of the world’s most isolated communities on a remote island hundreds of miles off the coast of India, according to officials. [….]

Herzlich Glückwunsch, liebe Sentinelesen! So muss man es machen und wenn mal Frau Käßmann vorbei kommt, wisst Ihr ja was zu tun ist!

Mittwoch, 21. November 2018

Schocken!


Die Geschichte urteilt oft ganz anders über Führungspersönlichkeiten, als die Zeitgenossen.
Der Multimillionär Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Buhl-Freiherr von und zu Guttenberg schwang sich in den Jahren 2009-2011 zum beliebtesten deutschen Politiker seit Adolf Hitler 1941 auf.
Zeitungen von links bis rechts berichteten nicht mehr sachlich über ihn, sondern huldigten devot dem Mann, den sie sich als nächsten König von Deutschland wünschten.
Es war völlig sicher, daß dieser Mann Deutschlands zukünftiger Superkanzler werde. SPIEGEL und FAZ schrieben, KTG müsse nur zugreifen. Würde er seinen Hut in den Ring werfen, bliebe Merkel nur der Rücktritt.

Nur wenige Jahre später fristet KTG ein Leben als persona non grata im Exil, hofft verzweifelt darauf wieder gerufen zu werden, ist allerdings nur noch als der große Blender, die Inkarnation der Enttäuschung, der Selbstinszenierungsminister ohne irgendwelchen politischen Inhalte in Erinnerung.

Es kann auch umgekehrt laufen. Helmut Schmidt war für viele Deutsche erst mal eine Enttäuschung nach dem charismatischen Willy Brandt. Dem Weltökonomen flogen die Herzen nicht zu, als er durch die Ölkrise steuerte, den autofreien Sonntag durchsetzte und die Weltwirtschaftstreffen, sowie den Euro erfand.

20 Jahre nach seinem erzwungenen Ende als Kanzler war Schmidt zum deutschen Superstar, zum allwissenden Orakel und Zuschauermagnet emporgestiegen.

Ich bin fest davon überzeugt, daß es Gerd Schröder dereinst ähnlich ergehen wird. Die Geschichte wird ihn eines Tages als einen der ganz großen Visionäre und wichtigsten Kanzler der BRD würdigen.
Die Gründe, weswegen er heute so gern negativ konnotiert wird, werden keine Rolle mehr spielen. Man wird seinen Mut, seine ökonomische Kompetenz, seine weltpolitische Progressivität und all seine gesellschaftlichen Neuerungen und Liberalisierungen loben.
Der Andere ist natürlich der, daß „Schröder“ so ein hervorragender Trigger ist, um verbohrte Linke ganz fürchterlich aufzuregen.
Die springen dann wie pawlowsche Hunde los und blamieren sich vortrefflich mit den ewig gleichen erbärmlichen Beleidigungen: „Gas-Gerd, Putin-Versteher, Brioni-Kanzler. Das finde ich lustig.

Nur ein sozialdemokratischer Name regt SPD-Linke noch mehr auf als „Schröder“ und das ist Klaus von Dohnanyi.
Der 90-Jährige Ex-Bürgermeister Hamburgs wirkt auf die Kühnert-affinen Jusos wie in UV-Licht gehüllte Knoblauchzehen auf Vampire. Seine wichtigsten Ämter - von 1972 bis 1974 Bundesminister für Bildung und Wissenschaft, von 1969 bis 1981 Mitglied des Deutschen Bundestags und von 1981 bis 1988 Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg – und Taten (er bewirkte das Wunder von der Hafenstraße) sind längst vergessen.

Der hochgebildete Schöngeist stammt aus  einer berühmten adeligen Widerstands-Familie: Vater Hans von Hans von Dohnanyi und Mutter Christine Bonhoeffer (Schwester von Dietrich Bonhoeffer) wurden zusammen mit Onkel Dietrich am 5. April 1943 verhaftet, weil sie am Hitler-Attentatsversuch und dem Putschversuch Henning von Tresckows beteiligt waren. Adolf Hitler ließ Dietrich Bonhoeffer und Hans von Dohnanyi im KZ Sachsenhausen ermorden.
Klaus‘ Bruder Christoph von Dohnányi ist ein weltberühmter Dirigent.
Nach 1989 erwarb sich Klaus von Dohnányi noch mehr Ruhm und Ehre, als er sofort in die DDR übersiedelte und viele Jahre mit ganzer Kraft aus altruistischen Motiven für die Ossis arbeitete.
Sein Buch „Brief an die Deutschen Demokratischen Revolutionäre“ von 1990 wurde zum bedeutendsten Werk der Wende. Im Anschluss fungierte er von 1990 bis 1994 als Beauftragter der Treuhandanstalt für die Privatisierung ostdeutscher Kombinate, arbeitete beim  Fördermaschinen- und Kranbauer TAKRAF in Leipzig, war unter Schröder 2003 bis 2004 Sprecher des Gesprächskreises Ost.
Er ist Gründungskommissar der Bucerius Law School in Hamburg, leitet den Mindestlohn-Ausschuss der Bundesregierung, ist Mitglied der Atlantik-Brücke und der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik und war Gründer der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte.


Ein großer Mann, der allerdings auch zu meinem Missvergnügen unter schwerer Grünen-Phobie leidet und seit Jahrzehnten Koalitionen seiner SPD mit den Grünen bekämpft.
Die jüngeren und linkeren Sozis verzeihen ihm insbesondere nicht seine persönliche Freundschaft mit Angela Merkel.
Das ist vielen nicht nur deshalb suspekt, weil sie nun einmal Chefin der großen Konkurrenzpartei CDU ist. Dubioser noch erscheint SPD-Linken die Tatsache, daß von Dohnányis offenbar nicht nur Bekannte Merkels sind, sondern tatsächlich enge persönliche Freunde sind, die das Paar Merkel-Sauer auch beraten.
Dabei befolgt Klaus von Dohnanyi streng Merkels Grundregel von der absoluten Diskretion und erzählt öffentlich nicht das geringste Bißchen über Merkels Privatleben und ihre Privatansichten.

Als notorischer Linken-Fresser macht sich der 90+-Nadelstreifensozialdemokrat derzeit wieder besonders unbeliebt, weil er im aktuellen SPIEGEL mit einem Aufsatz vor einem Linksruck der Partei warnt.
Da läuft den Pawlow-Sozis der Sabber.


Seinen Artikel gelesen haben sie allerdings offensichtlich nicht.
Denn darin steht viel Richtiges und Bedenkenswertes.

[…..] Raus aus der Nische. Warum ein Ruck nach links für die SPD tödlich wäre. […..] Im SPIEGEL vom 20. Ok­to­ber for­der­te Veit Me­dick im Leit­ar­ti­kel den Ab­schied vom Re­form­weg des Go­des­ber­ger Pro­gramms von 1959, mit dem sich SPD und Markt­wirt­schaft end­lich ver­söhn­ten. Die Par­tei sol­le sich nun »ein Stück zu­rück in die Ni­sche« vor Go­des­berg zu­rück­zie­hen, schreibt Me­dick, und »na­tür­lich muss sie nach links«. So sieht es wohl auch ein gro­ßer Teil der SPD. Aber wei­ter links gibt es schon die Lin­ke mit sta­bi­len zehn Pro­zent. Die Grü­nen wie­der­um sind er­folg­reich, ge­ra­de weil sie kei­nen ver­schärf­ten Links­kurs ver­fol­gen.
Die SPD fehlt heu­te also nicht als »lin­ke« Par­tei: Sie fehlt als Volks­par­tei mit brei­tem Spek­trum, die Ar­beit­neh­mer, Hand­wer­ker, fort­schritt­lich den­ken­de Un­ter­neh­mer und Wis­sen­schaft­ler an­spricht. Sie fehlt als Ge­gen­ge­wicht zur Uni­on für ei­nen mög­li­chen Macht­wech­sel mit ei­nem so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Bun­des­kanz­ler. Macht­wech­sel sind die Eck­pfei­ler je­der De­mo­kra­tie, aber nur wer die Mit­te er­reicht, wird ihn auch her­bei­füh­ren kön­nen. […..]
(Der So­zi­al­de­mo­krat Dohn­anyi im SPIEGEL Nr 47 vom 17.11.2018, s.29)


Und da wundern sich die Küken, wenn man als SPD-Geront die mangelnde inhaltliche Tiefe der Generation Facebook beklagt.

[…..] Die Di­gi­ta­li­sie­rung wird alle Be­rei­che der Ge­sell­schaft tief­grei­fend ver­än­dern. Vor ih­rem Hin­ter­grund wer­den sich auch die von der SPD so er­folg­reich ein­ge­lei­te­ten Re­for­men be­wäh­ren müs­sen. Hier ei­nen glaub­wür­di­gen Zu­kunfts­ent­wurf für ein po­li­ti­sches Pro­gramm ei­ner zu­ver­sicht­li­chen, mu­ti­gen und re­form­star­ken Volks­par­tei SPD im di­gi­ta­len Zeit­al­ter zu ent­wer­fen, ist un­se­re Auf­ga­be. Wir ge­hö­ren nicht in ver­staub­te Ni­schen von Wa­genk­necht und Co. […..]
(Der So­zi­al­de­mo­krat Dohn­anyi im SPIEGEL Nr 47 vom 17.11.2018, s.29)

Dienstag, 20. November 2018

Hartz-Populismus

Man kann den Einfluss guten Führungspersonals auf Parteien gar nicht unterschätzen.
Die SPD steckt vor allem deswegen in einem tiefen Sumpf, weil nach dem heillos überforderten Martin Schulz nun die unfassbar dämliche Andrea Nahles mit sicherem Griff ins Klo alles falsch macht, was man falsch machen kann.
Dieser These folgend müsste man sie also dringend austauschen und durch einen charismatischen Sympath ersetzen.

Leider geht das nicht, weil so ein Typ fehlt. Es gibt zwar sehr kluge und politisch fähige Typen wie Olaf Scholz, aber ihm fehlt leider des Frische und Mitreißende, das man nicht erlernen kann.

Die Linken haben auch keine solche Figur, die wie Macron oder Trudeau die Masse elektrisieren könnten.
Da gibt es nur die angebräunte Wagenknecht, die mit der AfD flirtet und damit beschäftigt ist ihre eigene Partei zu spalten.
Deswegen dümpelt die Linke auch trotz der Lyse der SPD bei indiskutablen knapp 10% durch die Umfragedaten.

Die Grünen haben aber mit Robert Habeck so einen Typen. Einen Typen, den ich schon vor Jahren, als sich die Mitglieder der Grünen per Urwahl für Özdemir und Göring-Kirchentag als Spitzenkandidaten entschieden, dringend als Parteichef empfahl. Aber auf mich hört ja keiner.

(….) Die ostdeutsche Merkel-Bewunderin Kathrin Göring-Kirchentag hatte die Grünen bei der letzten Bundestagswahl zielstrebig zur kleinsten Oppositionskraft hinter der LINKEn verzwergt.
Groko-Zeiten sind eigentlich fette Jahre für kleine Oppositionsparteien, weil sie sich abseits der übergroßen Kompromisse profilieren und vom Frust der Wähler über die riesige Regierung profitieren können.
Tatsächlich strahlt die Groko so gar nicht. Alle sie tragenden Parteien haben in den letzten dreieinhalb Jahren deutlich an Zuspruch verloren und Millionen Wähler heimatlos gemacht.
Die grüne Fraktionsspitze vollbrachte unter der Führung der Vorsitzenden, die zuvor schon als Spitzenkandidatin das Wahldesaster zu verantworten hatte, nun das Kunststück so zu langweilen, daß man 2017 wohl noch schwächer werden wird.
Mit konsequenter Umschiffung jeder inhaltlichen Politik brachten es Göring-Eckardt und Hofreiter fertig die Wähler eine volle Legislaturperiode so einzunebeln, daß niemand auch nur einen Schimmer von grünen Politikvorstellungen hat. Man kennt keine Konzepte, keine Pläne, noch nicht mal Meinungen zu den Bereichen Flüchtlinge oder Finanzpolitik.
Es ist noch nicht mal ansatzweise möglich auch nur die grobe politische Richtung der Grünen zu erahnen. Wollen sie auf direktem Weg in die Arme Merkels uns Seehofers, wie es sich die Süddeutschen wünschen? Oder gibt es noch Anhänger Jürgen Trittins, die sich schon vorstellen auch mal einen anderen Kanzler als Merkel zu haben?

Die einzig sichere Information aus der grünen Parteiführung ist die menschliche Zerrüttung der Führungskasper.

Peter, Özdemir, Hofreiter und Göring-Eckardt hassen sich alle gegenseitig.
 Es gibt nur die eine Gemeinsamkeit; nämlich den Wunsch, den einzig guten Spitzenkandidaten, Minister Habeck zu verhindern.
Das gelang bei der Urwahl – wenn auch denkbar knapp.

[……] Parteichef Cem Özdemir schnitt bei den Männern mit 35,96 Prozent extrem knapp am besten ab. Robert Habeck, Umweltminister in Schleswig-Holstein, holte nur 75 Stimmen weniger und kam auf 35,74 Prozent. Fraktionschef Anton Hofreiter vom linken Flügel der Partei bekam 26,19 Prozent. [….]
(dpa, 18.01.2017)

Urwahl ohne zweiten Durchgang. Das erinnert natürlich an die fatale Scharping-Urwahl von 1993, die direkt in die Opposition führte. (…..)
(Jeder kommt mal dran, 19.01.2017)

Die Doofheit der Grünen-Mitglieder führte also dazu, daß sie nun mit Habeck und Baerbock auf dem Weg sind stärkste Partei in bundesweiten Umfragen zu werden, während sie im Bundestag als bedeutungslose 8Komma-Partei herumdümpeln.
Die Grüne Bundestagsfraktionsführung ist umso erbärmlicher, wenn man bedenkt, daß sie im linken Lager mit einer bis auf’s Blut zerstrittenen Linken-Fraktionsspitze und der schlechtesten SPD-Fraktionsführung aller Zeiten (Nahles) zu tun haben.
Wie könnte man da glänzen!
Joschka Fischer zeigte das von 1994 bis 1998 und Robert Habeck zeigt, wie man das außerhalb des Bundestags macht.

Während es die SPD zerreißt, weil sie sich nicht klar ausdrücken kann, wenn es um HartzIV geht und die Parteichefin erst bei einer Schrumpfung auf 14% in den Umfragen einen neuen untauglich Politsprech-Kunstbegriff – „Bürgergeld“ – herauskreißt (davor war es „Fahrplan“), zeigt Habeck wie es geht.

Im Morgenmagazin prägt er den Begriff „90% Steuern“.
DAS versteht der deutsche Michel. Ein sichtlich total übernächtigter und müder Habeck ist offensichtlich immer noch um Klassen besser als eine ausgeschlafene Wagenknecht.


[….] Wörtlich sagte Habeck: "Man kriegt einen Hartz-IV-Bezug. Und dann gibt es darüber hinaus Leistungsprämien. Entweder sachlicher Art oder auch finanzieller Art, wenn man sich weiterbildet oder sich fortbildet. Und das ist das attraktivere System, dass Menschen in Arbeit gehen. Wir haben ja jetzt 15 Jahre Erfahrung. Und Menschen, die im Hartz-IV-System sind, behalten von ihrem Einkommen nur zehn Prozent. Also man arbeitet, und erhält nur zehn Prozent. Das macht ökonomisch gar keinen Sinn, als Aufstocker zu arbeiten." Habeck betonte, dass die „Menschen nicht faul sein“ wollten. Es gehe darum, die Menschen zu ertüchtigen. Es könne nicht richtig sein, Hartz-IV-Bezieher mit 90 Prozent auf ihr Zusatzeinkommen zu besteuern. [….]

Ich halte das für eine geniale Formulierung. Das ist zwar sachlich nicht ganz richtig, ist aber absolut eindringlich. Das merkt sich jeder und außerdem versteht es jeder als besonders ungerecht, wenn ausgerechnet die Ärmsten 90% Steuern zahlen, während sich globale Billionen-schwere Finanztrickser mit Friedrich Merz im Aufsichtsrat Milliarden Euro durch Cum-Cum-Cum-Ex bei eben diese Geringstverdienern abzocken.

Politik ist Verpackung. Und von Verpackung versteht Andrea Nahles leider rein gar nichts.

Faszinierend ist die Unterschied zwischen Realität und Show.
Die Grünen gelten derzeit als ehrlichste Partei, die voller Rückgrat ihre Werte gegen AfD und Konservative vertritt. Das beeindruckt Wähler der SPD und der Linken, die nun alle aufgrund dieser Show zu Habeck und Co abwandern.

In Wahrheit sind die Grünen aber längst eine CDU-affine Lobbypartei geworden, die Rundgelutscht bis zur Unkenntlichkeit jede auch noch so große Öko-Sauerei schluckt, um an die Macht zu kommen.
Sie haben in Hamburg die größte Braunkohledrecksschleuder der Welt genehmigt, für die Rodung des Hambacher Forsts votiert, forcieren Abschiebungen in Hessen, überholen die AfD von rechts in BW und genehmigten die Frankfurter vierte Startbahn.


Die Grünen waren die vehementesten Befürworter der Agenda 2010 und haben sich dann feige aus dem Staub gemacht, als die Reformen begannen unpopulär zu werden. Da hatten sie schon längst als prinzipienloser Mehrheitsbeschaffer zur CDU rübergemacht.
Die SPD tat unterdessen das was sie am besten kann: Mit sich selbst hadern, sich quälen, Gewissensbisse kultivieren.
Seit 2009 wird bei den Sozis über eine Rücknahme oder Entschärfung von HartzIV diskutiert.
Zerrieben zwischen den Grünen, die zur Agenda 2010 standen und der Linken, die das radikal ablehnte.

Gutes Öko-Führungspersonal hat nun das Unglaubliche vermocht:

 Die RRG-Partei, die HartzIV am stärksten befürwortete, weil sie die reichsten und urbansten Wähler der drei vertritt, hat sich nun mit einer atemberaubenden 180°-Wende so sehr als Anti-Agenda-Partei profiliert, daß sie locker über 20% in bundesweiten Umfragen liegt.

Die Partei, die als einzige wirklich soziale Verbesserungen für HartzIV-Empfänger erreichte, indem sie den Mindestlohn einführte, den HartzIV-Satz erhöhte und Schlechterstellung von Leiharbeitern verbot, ist die SPD. Sie wird aber weiter abgestraft von den Wählern, weil das Willy-Brandt-Haus so eine erbärmliche Performance liefert.

Besonders bitter sieht es für die Linke aus, die als einzige tatsächlich von Anfang an konsequent gegen Hartz IV wetterte und von den Ärmsten gewählt wird. Statt nun im allgemeinen „Hartz-abschaffen-Rausch“ die Lorbeeren einzustreichen, geht sie unter, schafft es nicht mehr auf zweistellige Werte in den Umfragen.

Ginge es den Wählern wirklich um Gerechtigkeit und um mehr soziale Sicherung, ja darum Hartz IV loszuwerden, müsste es genau umgekehrt sein:
Die Linken ganz groß, die Grünen ganz klein und die SPD irgendwo dazwischen.

Es sich wirklich schwermachen, das können die Sozis:

[….  Die SPD steckt mittendrin in der Debatte um den Umgang mit den einst von ihr eingeführten Hartz-Reformen für den Arbeitsmarkt und den Sozialstaat. [….] Mit höherem Mindestlohn, Zuschüssen zu Sozialabgaben und Steuergutschriften wolle sie dafür sorgen, dass weniger Bürger als heute auf Grundsicherung angewiesen seien. Es sei immer günstiger, Arbeit statt Arbeitslosigkeit zu finanzieren. Nahles blieb bei der Alternative zu Hartz IV zwar immer noch sehr vage. Ein neues System solle die Menschen aber nicht mehr so gängeln.
[….] Matthias Miersch, Chef der Parteilinken im Bundestag, sagte der SZ: "In den vergangenen Wochen ist sehr deutlich geworden, dass wir uns in der SPD in einigen Fragen schon grundsätzlich einig sind." Aus seiner Sicht spreche daher auch nichts dagegen, schon "Anfang des nächsten Jahres im Parteivorstand einige Vorfestlegungen" zu treffen. "Ich denke dabei an die Einführung einer eigenständigen Kindergrundsicherung, aber auch an die Abschaffung von Sanktionen für Arbeitssuchende." [….] Die Parteispitze will das Eingeständnis vermeiden, früher viel falsch gemacht zu haben. […..]

Bei den Grünen hingegen flutscht das handstreichartig, ohne sich mit der lästigen Realität, Finanzierungsfragen und der eigenen Glaubwürdigkeit herumzuplagen. Habeck sei Dank.

[….]  Ein überfälliger Schritt, ein völlig wirrer Vorstoß - Robert Habecks Vorschlag einer bedingungslosen staatlichen Garantiesicherung hat eine Kontroverse über die Grundsicherung angestoßen. In einem Debattenbeitrag zum neuen grünen Grundsatzprogramm hatte der Parteivorsitzende eine neue "Garantiesicherung" vorgeschlagen. Einen Zwang zur Arbeitsaufnahme soll es demnach nicht mehr geben, auch Sanktionen für Arbeitslose, die beispielsweise Termine im Jobcenter versäumen, will Habeck abschaffen. Gleichzeitig soll für Empfänger staatlicher Transferleistungen der Anreiz gesteigert werden, Geld hinzuzuverdienen. [….] Hartz IV reiche nicht zum Leben. Der Grünen-Chef fordert eine Garantiesicherung, die nur bekommen soll, wer bedürftig ist - sie wäre also kein bedingungsloses Grundeinkommen für alle. Die Zahl der Empfänger aber würde schon durch höhere Sätze steigen: Wer heute mit seinem Einkommen knapp über der Hartz-IV-Schwelle liegt, läge künftig darunter und hätte dann Ansprüche. Habeck will zudem, dass Menschen, die zusätzlich zum Leistungsbezug arbeiten, mehr von ihrem Einkommen behalten dürfen. Stand jetzt werden 80 bis 90 Prozent mit den Sozialleistungen verrechnet. Das sei "ungerecht und demotivierend". Stattdessen sollten die Betroffenen "mindestens 30 Prozent" ihres Zuverdiensts behalten dürfen. [….]

Es geht dem deutschen Urnenpöbel in Wahrheit aber um die Performance und nicht um durchdachte Konzepte, die er eh nicht versteht.
So konnten sich 90% Deutschlands vom verlogenen Blender Guttenberg einlullen lassen und so sehen die Wähler nun in Habeck und den Ökos ihre Erlöser.

Das mag ungerecht sein, aber Politikerbewertungen sind nicht gerecht.
Außerdem stünde es SPD und Linken frei statt charismafreien Kanaillen wie Riexinger, Bartsch, TSG oder Nahles ebenfalls TV-taugliche Sprachkünstler wie Habeck oder schlagfertige Engagierte wie Annalena Baerbock aufzustellen.

Sich aus dem Spiel nehmen

Die kleine homophobe Saarländerin ist mehrfach gehandicaped.

1.   Sie kommt aus einem winzigen CDU-Landesverband und verfügt daher über kaum eine Hausmacht.

2.   Anders als Merz und Spahn ist AKK ist wenig mit der Hochfinanzlobby verquickt und kann daher nicht so virtuos SPRINGER und BILD für ihre Eigenwerbung einsetzen.

3.   Die CDU-Generalin ist eine Frau und nachdem die letzten 18 Jahre ununterbrochen eine Frau an der Spitze der ausgesprochenen Männerpartei stand, ist es ein großer Nachteil keinen Penis zu haben.

4.   Die arme Kramp-Karrenbauer muß Rita Süßmuths alte Haare auftragen und sieht damit immer aus wie ein schlechtes Käßmann-Double.

Merkels Wunschnachfolgerin steht aber nicht machtlos gegen die beiden ultrarechten Männer im Kampf um den CDU-Vorsitz da.

1.   Sie hat keine moralischen Skrupel. So spielt sie die homophobe Karte und erpresst kurzerhand die Partei, indem sie ankündigt alle CDU-Ämter niederzulegen, wenn sie nicht gewählt wird. Das ist ein echtes Problem für Merz und Spahn, da ohne Merkel und AKK die weiblichen und urbanen CDU-Wähler verprellt werden könnten. Insbesondere, da sich auch Ursula von der Leyen durch ihre ununterbrochen aufpoppenden Affären selbst aus dem Spiel genommen hat. Dann bliebe nur noch die dralle Weinkönigin Klöckner, die aber in Rheinland-Pfalz mehrfach zeigte, daß sie nicht nur keine Wahlen gewinnen kann, sondern sogar sicher geglaubte CDU-Vorsprünge durch eigene Dämlichkeit auflöst. Klöckner ist anders als die drei anderen genannten Damen kein politisches Schwergewicht und gilt nicht im Entferntesten als Kanzlerinnentauglich.

2.   Spahn und Merz sind dümmlich genug, sich selbst in den Abgrund zu reiten. AKK kann also ganz wie ihr Vorbild Merkel durch Abwarten und Nichtstun einfach als diejenige übrig bleiben, die sich nicht total blamiert hat.

Spahn ist, das wurde in diesem Blog dutzendfach nacherzählt, eine Medienhure, die jeden radikalen Mist ablässt, um bekannt zu werden. Das funktionierte insofern, daß er wirklich bekannt wurde und über einen Kabinettsposten verfügt.


Dabei trat er inzwischen aber so ziemlich jedem auf den Fuß, steht nun als der Rechtsaußen da, der mit Trump, Bannon, Bolton und Grenell kuschelt. Das bringt ihm beim ultrakonservativen Kern der CDU Punkte, schreckt aber die Majorität der Wähler ab. Daher ist er notorisch unbeliebt und wäre für die CDU bei Wahlkämpfen ein Klotz am Bein, statt Zugpferd.
Seine neuesten Versuche Gaulands Themen zu stehlen, indem er gegen den UN-Migrationspakt agitiert, zeigen daß er, obwohl er mit den König der Yellow-Press (Leiter des Berliner Hauptstadtbüros der Zeitschrift Bunte) verheiratet ist, nicht schlau genug ist, die Medien zu nutzen.
Sein Mann Daniel Funke wird zwar von seinen Kollegen ehrerbietig als wunderhübsch beschrieben, aber als PR-Profi scheint er nicht viel zu taugen. Oder sein Ministermann hört nicht auf ihn.

[….] Jens Spahn zeigt seinen schönen Ehemann Daniel Funke
Bundeskanzlerin Angela Merkel will ihn ins Kabinett holen: CDU-Mann Jens Spahn. Er soll den Posten des Gesundheitsministers übernehmen. Für Furore sorgt er allerdings nicht nur mit seiner politischen Linie, sondern vor allem mit seinem schönen Ehemann. [….] Auch Heterosexuelle beneiden ihn um seinen schönen Ehemann, den Journalisten Daniel Funke (36): Dieser ist grossgewachsen, hat stahlblaue Augen und ein Zahnpasta-Lächeln. Spahn und der Beau haben letzten Dezember geheiratet – klammheimlich und in kleinem Rahmen. [….]

Das nenne ich mal Gefälligkeitsjournalismus!

Tja und Merz ist der Mann mit den Millionen, der auch mal wieder beweist, daß ein „Skandal“ erst zu einem solchen wird, indem man nach den Vorkommnissen völlig falsch damit umgeht, lügt und sich mit Salamitaktik und dümmlichen Ausreden blamiert.

Die „Tat“ ist in diesem Fall Merz‘ Vermögen. Er verdient über eine Million Euro im Jahr, besitzt Privatjets und gehört damit zu den 10.000 Reichsten in Deutschland.


Das löst zwar Neid aus, wäre aber kein Grund nicht Kanzler zu werden. Karl-Theodor Baron von und Freiherr zu Guttenberg beispielsweise ist sehr viel reicher als Merz und hat anders als dieser rein gar nichts dafür „geleistet“. Guttenbergs 600 bis 800 Millionen Euro sind ererbt und ganz offensichtlich schadete ihm das nicht im Geringsten.
 Betrüger KTG wurde zu einem der beliebtesten Politiker der Nachkriegszeit.

Friedrich Merz hätte also einfach ehrlich sein können, sich zu seinem Vermögen bekennen sollen und damit das Thema abhaken können.
Stattdessen log er sich zum Teil der Mittelschicht. Damit gab er sich der Lächerlichkeit preis und sorgte natürlich dafür, daß jetzt das Thema „Merz-Reichtum“ auf der Tagesordnung bleibt, daß er ständig damit konfrontiert wird und jede Zeitung anfängt zu graben wie viel Vermögen er eigentlich wirklich hat.
Ich kann nur staunen, daß Merz, der angeblich so intelligente Politfuchs, sich so unfassbar dämlich anstellt und die simpelsten Mechanismen der Politik offensichtlich nicht beherrscht. So generiert man shitsorms.

Wieso ahnte er nicht was auf ihn zukommt und legte sich Antworten zu Recht?
Stattdessen sieht er dann in Talkshows ganz schlecht aus.

[….] Vollends in die Defensive gerät der Bewerber, nachdem Will fragt: "Warum denken Sie, dass Sie das als, pardon, reicher Besserwessi der gehobenen Mittelschicht (...) hinbekommen?" Er habe "schon eine Ahnung davon", wie normale Familien so leben, gibt Merz zu bedenken und versäumt auch nicht, seine Stiftung für "benachteiligte Kinder" zu erwähnen, "in die meine Frau und ich auch privates Geld einzahlen".  Baerbock ist aber bereits in voller Fahrt und erklärt in Anspielung auf das Unternehmen, dem Merz als Aufsichtsrat vorsteht: "Es kann doch nicht sein, dass Blackrock mehr Vermögen verwaltet als manche Staaten!" Worauf Merz augenzwinkernd damit kontert, dass er in ähnlicher Funktion auch bei "einem Hersteller von Toilettenpapier" arbeite.
Schwesig geht "ad hominem" und greift den Mann, Klopapier hin oder her, nun direkt an. Er habe bei einem Unternehmen "Kasse gemacht", das aktiv bei massenhafter er Steuerhinterziehung geholfen haben soll. In ihrem früheren Job als Steuerfahnderin habe sie auch erleben müssen, dass große Firmen sich bequem einen schlanken Fuß machen konnten, während Pendler vom Finanzamt gefragt werden, ob sie nun "70 oder 65 Kilometer zur Arbeit fahren". [….]

Man kann in der deutschen Politik steinreich sein, aber wenn man dazu auch noch das Publikum für dumm verkaufen will und lügt, wird es eben doch zum Problem.

[….] Es war nicht Merz' wirtschaftlicher Erfolg, der die Debatte los trat, sondern Merz selbst: Mit seiner Aussage, er rechne sich, obschon Millionär, zur "gehobenen Mittelschicht". Dabei verdient er nach allen wissenschaftlichen Definitionen mit einer Million Euro brutto im Jahr ein Vielfaches der Mitte.
Reiche sind nicht per se die schlechteren Politiker. Die besseren sind sie sicher nicht.
[….] Statt einfach seinen Fehler zuzugeben, macht es der Kandidat nun schlimmer. Er zählt sich nach seinen Worten nicht zur Oberschicht, weil er dabei an Erben denkt, die ihr Leben genießen. Sollen die Wähler einem Politiker trauen, der jenseits aller Fakten seine eigenen Definitionen zurecht strickt? Gesteht Merz seinen Irrtum nicht bald ein, macht er sich unmöglich. [….]  Was die verunsicherte Mittelschicht jetzt braucht, sind Politiker, die sich um sie kümmern. [….] Wenn sich Merz endlich ehrlich macht, haben die Deutschen keinen Grund, ihm wegen seiner Millionen zu misstrauen. Sie sollten nur genau hinschauen, ob er auch Millionärspolitik vorschlägt. Den Solidaritätszuschlag für alle abzuschaffen etwa, wie Merz es fordert, nutzt vor allem Besserverdienern wie ihm selbst. [….]

Vollends charakterlos zeigte sich Rechtsaußen Merz, indem auch in ganz durchsichtiger peinlicher Weise AfD-Lügen von der Grenzöffnung nachplappert.

[….]"Bis heute ist die Frage nicht geklärt", sagt er in die Richtung jener "Wertkonservativen", die sich inzwischen offenbar mit ungesundem Patriotismus angesteckt haben, "auf welcher rechtlichen Basis eigentlich die Grenzen geöffnet wurden". Gerade so, als wäre die AfD-Legende von einer Öffnung der Grenzen bare Realität.
Dankenswerterweise lässt ihm Annalena Baerbock dieses fahrlässige Framing nicht durchgehen. Geduldig erklärt die Co-Chefin der Grünen den Witz vom Schengenraum, in dem es keine Grenzen gab und gibt, von einer "Öffnung" auf dem Höhepunkt der dramatischen Migrationsbewegungen von 2015 also keine Rede sein kann. [….]

Merz ist also offensichtlich doof und er lügt ungeniert. Und zwar auf dem Rücke der Schwächsten, der Flüchtlinge. Um bei den Nazis Sympathien zu erzeugen

Ausgerechnet er, der ehemalige Richter, kennt die rechtlichen Zusammenhänge nicht.

Jeder blamiert sich, so gut er kann. Gut für AKK.

Sonntag, 18. November 2018

Dass sowas von sowas kommt - Teil IV

Zu den wahrlich beeindruckenden Fähigkeiten Donald Trumps gehört es, Menschen in Not ordentlich Salz in die Wunden zu streuen.
Wenn jemand am Boden liegt, tritt er richtig gern nach, macht sich über die Opfer lustig, überzieht trauernde Angehörige mit Vorwürfen.

Blaming the victims. His response to every tragedy: How can I hurt?

  Ihre Tochter wurde in Charlottesville von einem Nazi totgefahren?
-      Die Nazis sind aber very fine people

Ihre Kinder wurden in einer Schule von erschossen?
-      Tja, hätten sie mal die Lehrer besser bewaffnet.

Ihre Geschwister wurden in der Synagoge von einem weißen Rassisten gekillt?
-      Ätschie, selbst schuld, wenn sie den Tempel nicht besser bewachen lassen.

Ihr Haus ist verbrannt und in den Flammen sind ihre Eltern umgekommen?
-      Das kommt eben davon, wenn man so schlampig ist und die Wälder nicht ordentlich harkt.


Als echter Psychopath mit zutiefst sadistischer Veranlagung kann Trump kein Mitleid empfinden und erfreut sich ganz offensichtlich am Elend anderer.

Wenn man aber von derart exponierter Position aus unablässig seiner Leidenschaft für Gewalttätigkeit frönt, bleibt das nicht ohne Folgen.

Die Briefbombenserie des Cesar Sayoc auf 14 prominente Trump-Kritiker ist genau das was zu erwarten war, wenn ein bösartiger Präsident jeden Tag Menschenhass schürt.

[….] Last year, hate crimes rose 17% & anti-Semitic hate crimes increased a staggering 37%. This is the 3rd year in a row the FBI’s annual hate crimes report has shown an overall increase in hate crimes across America—we must address this disturbing trend. [….]

[….] Law enforcement reported 7,175 hate crimes to UCR in 2017, up from 6,121 in 2016. Although the numbers increased last year, so did the number of law enforcement agencies reporting hate crime data—with approximately 1,000 additional agencies contributing information. The report, Hate Crime Statistics, 2017, includes hate crime information for last year, broken down by location, offenders, bias types, and victims.
According to the report, the most common bias categories in single-bias incidents were race/ethnicity/ancestry (59.6) percent, religion (20.6 percent), and sexual orientation (15.8 percent). In addition to the 7,106 single-bias incidents reported last year, there were also 69 multiple-bias hate crimes reported. [….]

Samstag, 17. November 2018

Wenn das Politische privat wird.

Man gewöhnt sich ja an seine Pappenheimer.
In der Woche gebe ich mir fast immer nebenbei die drei abendlichen Talk-Sendungen auf CNN: Erst Anderson Coopers 360, dann Cuomo Prime Time und schließlich Tonight mit Don Lemon. Anschließend kommt Christiane Amanpour aus London; da sehe ich mir die Interviews nur an, wenn mich die Gäste interessieren, weil sie in der Regel Einzelinterviews führt und keine Studio-panels hat.
Amanpour ist auch freundlicher und neutraler als ihre Vorgänger. Insbesondere Don Lemon gibt in den ersten fünf bis zehn Minuten seiner Sendungen immer eine sehr persönlichen politische Einschätzung ab („Don’s Take“), die einem gewissen Präsidenten offensichtlich gar nicht gefällt.
Die Crosspromotion amerikanischer Newssender ist leider unerträglich.
Alle zwei Minuten heißt es „I gotta go“ und es folgen 27 lange und unerträgliche Trailer für andere CNN-Sendungen. Zusätzlich zu diesen aufgezeichneten Clips werfen sich insbesondere Chris Cuomo, der Bruder des gerade wiedergewählten New Yorker Gouverneurs und Don Lemon gegenseitig die Bälle zu.
Der Jurist Cuomo, der viel zu viele, viel zu weiße Zähne hat, die er auch viel zu gerne zeigt, schaltet schon zehn Minuten vor dem Ende seiner Sendung rüber zu Lemon, um Werbung für seinen Kollegen zu machen.
Das ist irgendwie ganz süß, wie der 48-jährige heterosexuelle, katholische Familienvater Cumo aus dem quirligen New York den 52-jährigen schwulen Lemon aus dem tiefsten Louisiana anflirted.
Cuomo scheint seinen „brother D-Lemon“ wirklich zu lieben; das kann man gar nicht spielen.
Ich nehme an, daß beide nicht nur durch den aufeinanderfolgenden Sendeplatz, sondern insbesondere als Lieblingsopfer Trumps zusammengeschweißt werden. Cuomo, weil er aus einer klassischen liberalen demokratischen New Yorker Polit-Dynastie stammt. Vor seinem Bruder Andrew war auch schon sein Vater Mario Gouverneur und damit verkörpern die akzeptierten Cuomos all die Werte, die der Proleten-Milliardär Trump zutiefst verachtet, aber auch insgeheim beneidet. Die Cuomos sind gebildet und anständig, verkehren mit den alteingesessenen liberalen Größen der New York Times, die #45 zutiefst verachtet, weil sie ihn nicht so loben, wie er es gern hätte.
Lemon stammt aus diametral entgegengesetzten Verhältnissen in den Südstaaten. Er wuchs nicht nur arm und unterprivilegiert auf, sondern ist auch noch schwul, schwarz und gebildet. Auch damit verkörpert er so ziemlich alles, das Trump hasst.
Und nun schicken fanatische, rassistische Trump-Fans Briefbomben an CNN, überziehen Cooper, Cuomo und Lemon mit Hass und Morddrohungen.
Es vergeht kein Tag, an dem nicht der amerikanische Präsident persönlich CNN und deren Top-Moderatoren/Journalisten radikal beleidigt und diffamiert.
Diese Woche warf er spektakulär Cuomos Kollegen Jim Acosta aus dem Weißen Haus und wurde anschließend gerichtlich gezwungen ihn wieder hineinzulassen.
Trump glaubt immer noch, das Weiße Haus gehöre ihm, alle arbeiteten nun für ihn. Niemand konnte ihm bisher klar machen, daß es genau umgekehrt ist.
Demokratische Prozesse, verfassungsmäßige Rechte und Gewaltenteilung werden von dieser Administration nicht verstanden. Trump glaubt, der Justizminister sei sein persönlicher Anwalt, der das DOJ dafür einsetzen müsse Trump zu schützen.
Daß Jeff Sessions aber dem Gesetz verpflichtet ist, regte ihn so auf, daß er ihn feuerte.
Widerspruch wird nicht nur nicht geduldet, sondern bestraft im nepotistischen Kleptokraten-Haus Trump. Als Mira Ricardel, die stellvertretende Nationale Sicherheitsberaterin Melanias peinliches Benehmen auf ihrer Afrikareise (hinter verschlossenen Türen) kritisierte, ließ das slowenische Nacktmodel das Regierungsmitglied Ricardel feuern.
So läuft das in der Regierung des mächtigsten Landes der Welt. Der Präsident stellt seine Tochter und seinen Schwiegersohn als mächtigsten Berater ein und so sorgt die Familie akribisch dafür, daß jede Beleidigung der Herrscherfamilie brutal geahndet wird.
Man hält zusammen in der Trump-Familie. Zumindest so lange, wie Schönheitschirurgie Papas jüngste Frau faltenfrei halten kann. Irgendwann muss sie dann natürlich gegen eine neue Katalogbraut ausgetauscht werden.


In ihrer gestrigen freundlichen Übergabe diskutierten Cuomo und Lemon über eine andere bizarre Familienangelegenheit im Weißen Haus.
George Conway, Ehemann der Kampagnenmanagerin und Großlügnerin Kellyanne, tickt politisch offensichtlich völlig anders als die Königin der „alternative facts“ wie des frei erfundenen Bowling Green massacres, erklärte, er würde eher auswandern, als noch einmal für Trump zu stimmen.
Die (maßgeblich von seiner Frau geprägte) Trump-Administration sei eine „Shitshow in a dumpsterfire“. Recht hat er.


Natürlich fragt man sich wie die Ehe wohl funktioniert.
Cuomo argumentierte, man müsse mit seinen Freunden politisch nicht übereinstimmen, könnte das ausklammern.
So kenne ich das auch von größeren Familientreffen meines amerikanischen Clans: No politics, no religion – und alle verstehen sich.
Blöd nur, wenn die doofen Familienmitglieder aus Europa dabei sind, die sich nicht daran halten und ständig über amerikanische Politik reden wollen.
Cuomo erinnerte an einige Meinungsunterschiede zwischen ihm und Lemon, betonte aber, das ändere doch nichts an ihrer Freundschaft. Dennoch liebe er ihn.

Lemon war aber anderer Ansicht. Ja, man könne natürlich unterschiedlicher Meinung sein, aber bei der derzeitigen Administration ginge es eben nicht darum, sondern um das Nicht-Anerkennen von Fakten, die systematisch Verbreitung von Verschwörungstheorien und Lügen. Um Hassbotschaften und Anstachelung zur Gewalt.


Lemon hat Recht, es geht nicht um politische Meinungsverschiedenheiten.
Das Politische ist privat, wenn es um fundamentale Dinge wie Menschenhass und Wahrheit geht.

Ich kann das nur unterstützen. Natürlich müssen meine Freunde nicht meine politischen Ansichten teilen. Sie können auch andere Parteien bevorzugen, für verschiedene Steuermodelle plädieren, Musik lieben, die ich nicht ausstehen kann. Sie können fürchterliche Klamotten anziehen, eigenartige Sexualpraktiken betreiben und abscheuliche Sachen fressen. Sie dürfen auch umgekehrt gern genauso über mich denken.

Wer aber Trump oder die AfD unterstützt, also Menschen dafür verachtet, daß sie eine andere Hautfarbe haben oder von jüdischen Verschwörungen überzeugt ist, wird von mir ganz privat entfreundet.

Das ist etwas anderes als eine „Entfreundung“ auf Facebook. Dort halte ich es gar nicht für angebracht, weil das die Verfilterblasung der Welt befördert. Man sollte sich im Internet auch mit solchen Typen umgeben und ihnen tagtäglich widersprechen, ihnen die Fakten nahebringen und ihnen klarmachen, daß man radikal ihren Hassbotschaften opponiert.

Aber in meinem kleinen privaten realen Freundeskreis dulde ich keinen Schwulenhass oder Frauenfeindlichkeit. Keinen Rassismus und keine Xenophobie.
Denn nach meiner privaten Meinung sind Menschen, die solchen Ansichten anhängen schlechte Menschen.

Freitag, 16. November 2018

Bruderkrieg – Teil II

Nationen hassen die Nachbarländer, Volksgruppen hassen die anderen Volksgruppen ihrer Nation, Städte verabscheuen ihre Nachbarstädte und auch Nachbarn fetzen sich mit Vorliebe mit ihren direkten Nachbarn. Menschen verwenden enorme Energie darauf ihresgleichen zu bekämpfen.
Dieser extreme Hang zum Bruderkrieg bezieht sich aber nicht nur auf geographische oder ethnische oder religiöse Brüder.
Dieses Prinzip wird auch in der Politik mit viel Leidenschaft betrieben.

Die Steigerung von Feind lautet Parteifreund.


Über ein Jahrzehnt seit seinem Rückzug aus der Politik, kocht Friedrich Merz ganz offensichtlich immer noch vor Wut auf seine Parteichefin Angela Merkel.
Ein so frommer Katholik wie er ist auch nach vielen Jahren völlig unfähig auch nur die geringsten Anzeichen von Verzeihen oder Barmherzigkeit zu zeigen.
Der Grund ist offensichtlich der, daß sich die beiden so ähnlich sind. Merz und Merkel sind fast gleichaltrig, waren beide Bundestagsfraktionsvorsitzende der CDU und bemühten sich darum Kanzlerkandidat zu werden.
Der überzeugte Christ zeigt sehr klar, was ihm Nächstenliebe bedeutet: Gar nichts. Er hasst Merkel wie die Pest. Und nicht nur für die Kanzlerin kann er keine Nächstenliebe empfinden.
Wie die Merkel vom Leipziger Parteitag vertritt er einen klaren Kürzungskurs bei den Armen und bemüht sich hauptberuflich darum die Superreichen reicher zu machen.
Der Blackrock-Multimillionär mit 19 Aufsichtsratsposten gleichzeitig, dem auch zwei Flugzeuge gehören, zählt sich längst zum obersten einen Prozent der Deutschen.
So ein Mann ist wie geschaffen für den Vorsitz der C-Partei.

Und weiter sage ich euch: Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein
Nadelöhr gehe, denn daß ein Reicher ins Reich Gottes komme.
Matthäus 19,24

Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe,
denn daß ein Reicher ins Reich Gottes komme.
Markus 10,25

Es ist leichter, daß ein Kamel gehe durch ein Nadelöhr,
denn daß ein Reicher in das Reich Gottes komme.
Lukas 18,25

Friedrich Merz, der auch gegen die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe gestimmt hatte, ist ebenfalls ein scharfer Gegner der „Ehe für alle“.


Wenn man sich nicht so intensiv gegenseitig innerhalb des eigenen politischen Lagers bekämpfte, wäre RRG längst Realität.

Aber insbesondere der langjährige Linken-Chef Lafontaine verwendete viele Jahre lang all seine Energie und die sechsstelligen Tantiemen des ultrarechten Schmuddelblattes BILD dafür die CDU ins Kanzleramt zu bringen.
Nichts war ihm wichtiger als sich an der SPD zu rächen.

Die Rechten, das ist immerhin erfreulich, können das aber auch.
Je rechter, desto mehr Hass.
So leidenschaftlich wie Frauke Petry und Markus Pretzell intrigierten, um Parteichef Bernd Lucke zu demütigen und zu entmachten, so intensiv agitierten Höcke und Gauland, um ihr dasselbe anzutun, nachdem Petry sich zur AfD-Herrscherin hochgemobbt hatte.
Und nun stecken die Braunen ihre Köpfe zusammen, um die ebenso verhasste neue starke Frau Alice Weidel abzuschießen.

Unvergessen natürlich die abgrundtiefe Hass, mit dem sich die 17 allesamt überzeugte Christen und Parteifreunde 2016 im Vorwahlkampf der GOP überzogen. Der Mann, der von allen am drastischen Hass auskübelte, wurde folgerichtig auch Kandidat und US-Präsident.

Eine Lehrstunde des politischen Bruderhasses erleben auch die konservativen Regierungschefs May und Netanjahu.
In London geht es längst nicht mehr um Sachfragen, sondern darum der eigenen christlichen Parteichefin weh zu tun.
Die Rachegelüste sind so extrem, daß Johnson und seine Mitstreiter dabei gern in Kauf nehmen die ganze Partei und sein Heimatland zu ruinieren.

[….] Die Gegner von Theresa May in der eigenen Partei waren die Ersten, die noch am Dienstagabend gegen den Kompromiss Stimmung machten – noch bevor sie den Vertragsentwurf überhaupt gelesen hatten. Boris Johnson, der ehemalige Außenminister, wetterte, dass der Status des "Vasallenstaates" inakzeptabel sei: Seit 1.000 Jahren habe es keine Situation gegeben, in der Großbritannien so abhängig von außen gewesen sei. Er werde gegen den Vertrag stimmen.
Der notorische EU-Kritiker Jacob Rees-Mogg sagte, der Vertrag sei nicht das, was Theresa May versprochen habe, auch er werde gegen ihn stimmen. Er räumte allerdings ein, bislang nichts unternommen zu haben, um ein Misstrauensvotum gegen Theresa May vorzubereiten. Damit hatte Rees-Moog in den vergangenen Monaten immer wieder gedroht. [….]

In Jerusalem regiert Netanyahu, der amerikanische Staatsbürger und größte Fan Donald Trumps als Chef des sehr rechten Likud-Blocks mit weiteren sehr rechten Parteien in einer sehr rechten Koalition:

Likud (konservativ, Bibi)
Kulanu (Wir alle, Wirtschaftsliberal, Mosche Kachlon),
Schas (ultraorthodoxe „Sephardische Tora-Wächter, Arje Deri),
HaBajit haJehudi („Jüdische Heimat“, nationalreligiös, Naftali Bennett),
Vereinigtes Thora-Judentum (aschkenasisches ultraorthodoxes Judentum; religiös-konservativ) und
Jisra’el Beitenu (Unser Heim Israel, nationalistisch, Avigdor Liebermann)

Mini-Trump Bibi verfügt nicht nur über dasselbe antagonistische Verhältnis zur Wahrheit wie #45, sondern er ist auch genauso aggressiv und kriegsbegeistert.
Mit Kriegsminister Liebermann  verfügt(e) er aber über einen Fanatiker, der ihn selbst in dieser Hinsicht noch übertrifft.

Nach den letzten Gefechten mit dem Gaza-Streifen hatte die Hamas eine Waffenruhe angeboten und einseitig begonnen.
Ministerpräsident Netanjahu ging darauf ein und zerbrach damit seine Koalition.
Avigdor Liebermann tobte wegen des verhassten Kurzzeitfriedens derartig, daß er sein Amt niederlegte.
Waffenstillstand? Mit Palästinensern? Nicht mit ihm!

[…..] Benjamin Netanjahu verbrachte den Mittwoch in der Wüste. Dort, am Grab seines Vorgängers David Ben Gurion, erreichte den Premierminister die Nachricht, dass Verteidigungsminister Avigdor Lieberman zurücktreten wird. Lieberman hatte es nicht für nötig befunden, den Regierungschef vor seiner kurzfristig einberufenen Pressekonferenz darüber zu informieren, dass er und seine nationalistische Partei Jisrael Beitenu (Unser Haus Israel) die Koalition verlassen werden.
[…..] Unmittelbar nach Liebermans Ankündigung ereilte Netanjahu die nächste Erklärung eines Ministers: Der für Bildung zuständige Minister Naftali Bennett drohte mit seinem Rücktritt, sollte er nicht Verteidigungsminister werden.
[…..] Lieberman und Bennett hatten sich ebenso wie Justizministerin Ajelet Shaked und Umweltschutzminister Zeev Elkin in der Sitzung des Sicherheitskabinetts am Dienstag gegen einen Waffenstillstand ausgesprochen. […..] Der als politischer Hardliner bekannte Lieberman verband seine Rücktrittsankündigung mit heftigen Angriffen auf Netanjahu: Das Nachgeben gegenüber der radikalislamischen Hamas bezeichnete er als "Kapitulation vor dem Terror". […..]

Aus der Perspektive eines einigermaßen rationalen Europäers sind Netanjahu und Liebermann gleichermaßen rechtsaußen, unzurechnungsfähig, verlogen und betreiben beide eine für Israel extrem aggressive und schädliche Politik.

Untereinander aber bekriegen sie sich erst recht, weil der eine dem anderen nicht rechtsextrem genug ist.

[….] Rechts, rechter, am rechtesten
[…..] Netanjahu ist plötzlich ein Getriebener und Israel steuert auf einen harten Wahlkampf zu, der vorwiegend darum kreisen wird, wer die rechteren Positionen vertritt. Denn es treten mehrere Parteien aus diesem politischen Spektrum an, die sich unterscheiden wollen. Es droht in den nächsten Monaten eine Schlammschlacht in Israel. [….]