Mittwoch, 23. Juni 2021

Die Frauen sind schuld!

So wie wir heute ganz selbstverständlich mit der katholischen Kirchen massenhaften Kindermissbrauch assoziierten, weil jeder schon so viele Berichte davon gehört hat, wie sich katholische Geistliche sexuell an Messdienern vergreifen, hat der Islam ein Imageproblem bezüglich der Frauen.

Es wäre unfair Misogynie nur dem Islam in die Schuhe zu schieben; Jesus denkt auch nicht daran, Frauen gleichberechtigt zu behandeln.

Sie haben gemäß der Bibel stets ihre Klappe zu halten, zu tun was der Mann sagt und sind natürlich ethisch zu minderwertig, um Priesterin zu werden.

Massenvergewaltigungen werden in den letzten Jahren regelmäßig aus dem hinduistischen Indien berichtet.  Frauenfeindlichkeit ist eine Frage der Kultur. Dabei können Religionen, die immer „die anderen“ als minderwertiger darstellen aber sehr hilfreich sein.   Ob nun das Kastensystem im Hinduismus, oder das Wiedergeburtssystem in Buddhismus, das einem von Mitleid entbindet, da diejenige, die gequält wird, ohnehin selbst schuld ist, weil sie sich offenbar im vorherigen Leben so viel zu schulden kommen ließ.

Eins ist jedenfalls in allen Fällen klar: Wenn eine Frau „geschändet“ wird, ist nicht der Schänder schuld, sondern die Geschändete selbst.

Das stellte auch im Jahr 2021 der freundliche pakistanische Ministerpräsident Imran Khan noch einmal klar.  Der ehemalige Weltklasse Cricket-Spieler kennt sich mit Frauen aus.

Er führte schon mit den illustresten Damen Beziehungen. Drei Jahre lebte er mit der MTV-Moderatorin Kristiane Backer, heiratete dann Jemima, Tochter des Milliardärs James Goldsmith. Seine zweite Ehe führte er mit der Journalistin Reham Khan, ließ sich wieder scheiden, um dann die Sufi-Predigerin Bushra Wattoo als Ehefrau Nr. Drei zu nehmen.

Befragt zur Lage der Menschrechte und der drastischen Zunahme sexueller Gewalt gegen Frauen, wußte er, daß Männer, sofern sie keine Roboter wären, gar nicht anders könnten, als Frauen zu vergewaltigen, wenn diese sich nicht sittlich verhüllt kleideten.

[…..] The controversial statements aired over the weekend came in an interview on Axios, a documentary news series on HBO.

"If a woman is wearing very few clothes it will have an impact, it will have an impact on the men, unless they're robots," the Prime Minister said.

"I mean it's common sense."   Asked directly by interviewer Jonathan Swan whether the way that women dress could provoke acts of sexual violence, Mr Khan said: "It depends on which society you live in. If in a society where people haven't seen that sort of thing, it will have an impact on them." […..]

(ABC, 22.06.2021)

Frauenrechtlerinnen beklagen sich über diese aus ihrer Sicht misogyne Aussage des Regierungschefs.

Khans Exfrau Jemima findet es auch nicht gut.

Aber ist es nicht auch ziemlich männerfeindlich, seine Geschlechtsgenossen als triebgesteuerte Gewalttäter zu sehen, die gar nicht anders können, als zu vergewaltigen?

Ich möchte an dieser Stelle betonen, daß ich durchaus in der Lage bin, im Hamburger Sommer auf der Alsterwiese, Frauen im Bikini oder auch ganz nackt, anzusehen, ohne sofort loszurasen, um sie zu vergewaltigen.

Dienstag, 22. Juni 2021

Völlig an der Realität vorbei

Gerade  rauscht es vernehmlich im deutschen Blätterwald.

Später als alle anderen Parteien haben sich Söder und Laschet auf so eine Art Wahlprogramm geeinigt.

„Wahlprogramm der Union“ ist quasi ein Widerspruch in sich; ein Oxymoron.

CDU und CDU waren nie Programmparteien, ihre Wähler sind Inkarnationen des „Weiter so!“, „keine Experimente!“ oder „die Karawane zieht weiter!“.

Wer programmatisch denkt, wählt ohnehin nicht die Union.

Anhänger des ewigen Kohl oder der ewigen Merkel wünschen sich nichts sehnlicher, als daß alles so bleiben möge, wie es immer war.

Daher werden sie auch so garstig, wenn ausgerechnet unter CDU-Herrschaft alte Gewohnheiten abgeschafft werden: Wehrpflicht, Atomausstieg und Homo-Toleranz haben die Basis-CDUler bis heute nicht verkraftet. Sie verteufeln das als ähnlich historisch dramatisch-schlimme Umwälzungen wie die Benutzung eines Gendersterns.

Eins konnte nicht überraschen: In Laschets Wahlprogramm befindet sich nicht die geringste Überraschung.

Es wäre allerdings ehrlicher und souveräner gewesen, weiterhin völlig auf inhaltliche Aussagen zu verzichten. Genau mit der Methode kamen die letzten beiden CDU-Kanzler zu ihren 16-jährigen Amtszeiten.

[….] Klingt wie: fünfte Amtszeit für Merkel!  Der Ort hip, die Inszenierung lässig – doch das Programm bleibt bieder: CDU-Chef Armin Laschet vermeidet auf dem Weg ins Kanzleramt jedes Risiko. […..]

(Florian Gathmann, 21.06.2021)

Zu den in 16 Jahren aufgetürmten Mega-Reformstaus – Klima, Digitalisierung verschlafen, marodes Bildungssystem, Agrarwende, Immobilienwahn, drastisch ungerechte Lastenverteilung, Rechtsextremismus – weiß niemand in der CDUCSU etwas  zu sagen.

Alles andere wäre auch wirklich extrem überraschend. Hätte irgendeiner in der Union Ideen für die Zukunft und/oder Tatkraft, um so etwas umzusetzen, hätte das längst passieren können. Schließlich saß man mit beachtlichen Mehrheiten 16 Jahre an den Hebeln der Macht.

Es war immer das Markenzeichen der CDU-Minister in ihren Häusern bloß nichts anzufassen und die Regierungspolitik vollständig der Koalitionspartei zu überlassen. So dämmern Seehofer, Karliczek, Bär, Klöckner und AKK matt dem Ende der Legislatur entgegen, während sich die Sozis abstrampeln.

Die Taktik funktioniert. Während die Linken und Sozis nicht nur ständig nach Veränderungen lechzen, sondern diese, wenn sie denn mal kommen, mit ihrer chronischen Unzufriedenheit kritisieren, müssen die Unionisten keine Basiskritik fürchten, so lange sie fest schlafen und jede Regierungsarbeit verweigern.

[…..] Valium fürs Volk!   Das Wahlprogramm der Union grenzt an Arbeitsverweigerung. Derart ideenlos kann man kein Land regieren – die Bundestagswahl gewinnen aber schon. […..]

(Anna Clauß, SPON, 21.06.2021)

Überhaupt ein Programm vorzulegen, ist also riskant für die CDUCSU.

Auch wenn es maximal schwammig und ideenarm bleibt, sind die beiden genannten Punkte – Steuersenkungen für die Superreichen, Schuldenbremse einhalten – schon grundsätzlich hanebüchener Unsinn.

Wenn man ein fettes Minus in der Kasse hat, sich aber Schulden verweigert und gleichzeitig auch noch viel weniger einnehmen will, weil man den reichsten 10% Deutschlands die Soli-Zahlungen erlässt und dann auch noch Steuererhöhungen ausschließt, kann das nur in Schilda funktionieren, wenn Mathematik nicht existiert.

[…..] Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion Carsten Schneider hat das Programm der Union für die Bundestagswahl kritisiert. »Die Steuersenkungen für Spitzenverdiener und Konzerne gefährden den Zusammenhalt unseres Landes und sind auch ökonomisch völlig aus der Zeit gefallen«, sagte Schneider dem SPIEGEL. […..] Schneider sagte weiter: »Die vielen leeren Versprechen in dem hastig zusammengeklöppelten Wahlprogramm zeigen deutlich, dass CDU und CSU in die Opposition müssen.« […..] Auch der Generalsekretär der SPD, Lars Klingbeil, hat das Wahlprogramm kritisiert. »Das, was die Union vorlegt, ist ein Programm, bei dem auf den Vorstandsetagen die Sektkorken knallen«, sagte Klingbeil bei RTL. Für die Erzieherin oder die Pflegekraft – »also für all die Menschen, für die wir auf den Balkonen standen während der Pandemie« – passiere nichts. Stattdessen sollten Steuern für Unternehmen gesenkt und der Solidaritätszuschlag für Spitzenverdiener abgeschafft werden. […..]   Ähnlich äußerte sich Ricarda Lang, stellvertretende Bundesvorsitzende und frauenpolitische Sprecherin der Grünen: »Union wählen muss man sich leisten können«, schrieb sie auf Twitter. »Die Weigerung der Union, eine solide Finanzpolitik zu machen, gefährdet die Zukunftsfähigkeit unseres Landes.« Lang warf CDU und CSU vor, die soziale Ungleichheit im Land aktiv voranzutreiben. […..]   Die Grundidee der Union sei die Umverteilung »von unten nach oben in der Hoffnung, dass Spitzenverdiener und Unternehmen dieses zusätzliche Geld klug investieren, damit Innovation gefördert, gute Arbeitsplätze gesichert und Fortschritt beim Klimawandel gemacht wird«, sagte Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). »Die letzten 30 Jahre des Neoliberalismus haben jedoch überall in der Welt gezeigt, dass dieses Modell gescheitert ist.« […..]

 (SPON, 21.06.2021)

Natürlich sind die Vorwürfe politisch richtig.

Laschets Wahlchancen werden mit diesem nichtssagenden Murxprogramm zu Gunsten der Superreichen aber steigen, weil er niemanden verschreckt.

Diesen Fehler machte Angela Merkel im Jahr 2005 einmal, als sie getrieben von Friedrich Merz eine ganze Reihe klarer Reformschritte ankündigte. Damals stand ihre CDUCSU in Umfragen kurz vor der absoluten Mehrheit und so dachte sich die CDU-Chefin, sie könne etwas wagen.

Ihre marktradikalen von Paul Kirchhof entwickelten Ideen wurden enorm effektiv von Gerd Schröder im Wahlkampf zerpflückt. Sie CDU-Werte sackten weg. Statt absoluter Mehrheit, landete sie nur ganz knapp vor der SPD, so daß es nicht mal für Schwarzgelb reichte.

Immerhin; Merkel lernte daraus und gab nie wieder konkrete politische Ansichten bekannt. So wurde sie zur Regierungschefin mit den kaum jemals dagewesenen Zufriedenheitswerten. Die Groko dämmert dahin, hat die Arbeit auf CDUCSU-Seite vollständig eingestellt und der Urnenpöbel liebt es.

Die Groko sonnt sich 2020 in der Gewissheit von der Bevölkerung die besten Bewertungen aller Regierungen seit 20 Jahren zu erhalten und die Kanzlerin sonnt sich in unfassbaren Zustimmungsraten von 80%!

Armin Laschet begreift diesen Zusammenhang und orientiert sich an der Erfolgsstrategie. Bloß nicht die scheuen Wahlrehe aufschrecken.

Unverständlich ist nur, wie gestandene Journalisten (beispielsweise Antje Hönig) auf die hanebüchene Idee verfallen, der gemeine CDU-Wähler interessiere sich für das Wahlprogramm oder würde es gar lesen.

So ein Unsinn.

Montag, 21. Juni 2021

Mainstreamkulturwandel.

Ende der 1980er Jahre studierte ich schon, lebte allein, verdiente Geld, verbrachte meine Zeit in der Uni oder „auf der Piste“. Da fühlte ich mich durchaus erwachsen und wunderte mich dementsprechend, als um 1990 herum aus den USA eine massive Welle der „Jugendkultur“ über Deutschland hereinbrach.

Es gab nun Boybands und während die Musiker wenige Jahre zuvor noch versuchten durch Sangestalent zu überzeugen, spielten auf einmal makellose Körper, Muskeln und choreographierte Tanzeinlagen die Hauptrolle.

Mit „The New Kids On The Block” ging es los und ob des sagenhaften Erfolges gab es bald so viele gecastete künstliche Jung-Tanz-Popgruppen, daß ich schon den Überblick verloren hatte, bevor ich mich damit beschäftigen konnte.

Als Jung-Mann wurde man vor völlig neue Probleme gestellt; so musste man entsprechend der plötzlich auftauchenden Werbung mit nackten Muskelmodels plötzlich auch gut riechen und deckte sich mit Lagerfeld-, Cool Water und Zino-Davidoff-Parfum ein.

Die TV-Entsprechung war die neue weltweit megaerfolgreiche Teenie-Serie „Beverly Hills 90210“.   Ich erinnere mich an eine Abschiedsparty eines ehemaligen Schulfreundes, der einen Job in L.A. bekommen hatte. Irgendjemand sagte ihm er solle „Brenda und Brandon Walsh“ grüßen. Ich verstand nicht sofort und so wurde mir von lauter anderen Leuten, die allesamt schworen „den 90210-Scheiß“ garantiert nicht zu gucken, detail- und kenntnisreich darüber berichtet. Eine ultraerfolgreiche Teenagerserie, in der alle reich und schön sind.

Da ich schon bei der „Lindenstraße“ – noch so etwas, das alle doof fanden, aber erstaunlicherweise dennoch akribisch verfolgten – nicht mitreden konnte, sah ich mir in den nächsten Wochen auch einige Folgen „Beverly Hills 90210“ an.

Tatsächlich war die Produktion qualitativ deutschen Serien um Lichtjahre voraus.   Die Autos und die Villen der Serienfiguren waren natürlich atemberaubend. Die perfekte Kulisse für lauter Typen, die auch nur aus Oberfläche bestanden und außer ein paar amourösen Verwicklungen keine Probleme kannten.

Ein echtes Drama entspann sich nur, wenn einer der Protagonisten in den Verdachte geriet, sich finanziell einschränken zu müssen.

Ich kann nicht bestreiten, daß diese fremde Welt eine gewisse Faszination auf mich ausstrahlte, musste aber recht bald wieder aufhören die Serie zu verfolgen, da ich eine optische Aversion gegen mehrere Schauspieler entwickelte.

Da war zunächst einmal die schon im Teenageralter grotesk durch Schönheits-OPs suboptimierte Tori Spelling, dann dieses vollkommen ausdruckslose Mondgesicht Shannon Doherty, der ewig debil grinsenden Muskelmann Ian Ziering, der grotesk weiße künstliche Zähne zeigte und eigenartige krisselige blonde Schamhaare auf dem Kopf trug und natürlich diese physiognomisch extrem abstoßende Jennie Garth, die einen viel zu kleinen runden Neunaugen-Mund hatte, wie man ihn ein Vierteljahrhundert später dann wieder bei Donald Trumps typischen Gesichtsausdruck sah, wenn er den analen Schließmuskel nachmacht.

Ich verstand aber als junger Twen vor allem eins nicht; wieso war es nun auf einmal für die Teens so ein Kult Teen zu sein, daß sie ihrer speziellen Teen-Kultur frönen wollten?

Zehn Jahre vorher, als ich ein Teen wurde, wollte ich immer erwachsen sein und hoffte möglichst bald dem Teeni-Alter mit seinen rechtlichen Einschränkungen und der Schule zu entkommen!  Ich konnte die Zeit kaum abwarten endlich 18 zu werden, selbstständig zu leben, Führerschein machen, alles zu dürfen.

(…..) und auch in meiner Teenagerwelt dominierten diese Themen.

An erster Stelle die Nachrüstungs-Debatte der frühen 1980er.   In den Schulpausen sprachen wir über SALT- und START-Abkommen, opponierten gegen den NATO-Doppelbeschluss, kannten sämtliche Spezifikationen der Pershing-II und SS20-Raketen. Ronald Reagan mit seinem SDI-Weltraum-Raketenprogramm, seinen militärischen Attacken auf kleine Länder, war für uns das Feindbild schlechthin.

Die sandinistische Freiheitsbewegung Nicaraguas hatte Che Guevara als Jugendidol ersetzt, wir sorgten uns um die ausgebeutete Kaffeebauern Mittelamerikas, trugen Palästinenser-Schals, eruierten das Leben in Kibbuzim, während wir Backgammon spielten.

Riesige Aufmerksamkeit zogen allabendlich auch die Vorgänge in Warschau um Lech Walesa und die Gewerkschaft Solidarność auf sich. Wir waren zwar außerordentlich NATO-kritisch, freuten uns aber auch über die derben Tritte, die dieses kleine aufmüpfige Polen dem Warschauer Pakt versetzte.

In Ungarn herrschte doch ohnehin nur noch „Gulasch-Kommunismus“, der Steinzeit-Kommunist Nicolae Ceaușescu tanzte ebenfalls aus der Reihe, ließ Rumänien trotz des Boykott-Aufrufs aus Moskau an den Olympischen Spielen von 1984 teilnehmen. Das sozialistische Tito-Jugoslawien verstand sich sogar als „blockfrei“.

Die deutsche Politik spiegelte die enorme Bedeutung der Außenpolitik wider.   (….)

(Außenpolitische Positionierung, 24.05.2021)

Ich wollte immer erwachsen sein, interessierte mich für erwachsene Themen, freute mich, wenn ich von Erwachsenen als „erwachsen“ betrachtet wurde und mochte es, wenn Erwachsene mir bescheinigten, die Musik, die ich ihnen vorspielte oder die neuen Romane, die ich ihnen empfahl, wären durchaus für sie interessant.

Aber die Folgegeneration tickte offensichtlich anders. Beverly Hills 90210. Lagerfeld-Parfum und Boybands waren speziell für sie ersonnen worden. Niemals hätten sich Erwachsene dafür erwärmt.

 In den folgenden Jahren, beschleunigt durch das Internet, bildeten sich immer schneller neue Jugendkulturen heraus, die ich längst nicht mehr verfolge.

Das muss ich in meinem Alter auch nicht. Die Jugend von heute mag ich ohnehin nicht.

„Beverly Hills 90210“ (1990-2000), die Schwesterserie „Melrose Place“ (1992-1999) und der dritte megaerfolgreiche Serienhit „Friends“ (1994-2004) zeigen von heute aus betrachtet, allerdings auch, wie extrem sich amerikanische Serien entwickelten.

Diese sinnlosen problemfreien TV-Phantasien, in der jede einzelne Rolle weiß, hetero, schlank, mit makelloser Haut und perfekten Zähnen besetzt ist, wirken nur eine Generation später, wie völlig aus der Zeit gefallen.

Six Feet Under, Northern Exposure, The Sopranos, Breaking Bad spielen intellektuell zehn Ebenen höher. Die Charaktere sind hochkomplex, die Handlungsstränge meisterlich durchdacht und kein Casting-director würde heute noch alle Rollen straight and white besetzen. Natürlich gibt es jetzt auch People of Color, Queere und in jeder denkbaren anderen Hinsicht minderheitenaffine Personen, die 1990 niemals für Hollywoods Hochglanz-Serienprojekte gecastet worden wären.

So viel die AfD, Hedwig Beverfoerde, CSU, PP, PI, Werteunion, Kirche und Sachsen-CDU auch rumnörgeln mögen: Ich vermisse die Zeiten nicht, als die komplette Jugendkultur aus schönen weißen Heteros bestand.

Früher war nicht alles besser!
Es ist gut, daß heute in einer Vorabendserie ein schwules Paar nicht wie beim ersten Männerkuss 1990 in der Lindenstraße, so sehr homophobe Gefühle triggert, daß die CSU gleich den Bayerischen Rundfunk die böse Szene rausschneiden lässt, weil sie fürchtet ihre Bayern könnten anderenfalls eine Herzinfarkt erleiden.

Heute würde wohl kaum ein Hollywoodproduzent eine ganz große Serie aufziehen und sie wie FRIENDS nur mit weißen Heteros besetzen.

Nun gibt es auch mal eine Lesbe oder einen Schwarzen zu sehen, ohne das lesbisch sein oder schwarz sein, überhaupt zum Thema wird.    Und das ist auch gut so.

Tori Spelling, geboren 1973, die 1990 eine Hauptrolle in „Beverly Hills 90210“ übernahm, nachdem ihr Vater Aaron Spelling, diese extra für sie hineinschreiben ließ, passte gut in die Szenerie.

Rolle und Schauspielerin vermischen sich. Spelling wurde ebenfalls in Los Angelas geboren, ihr Vater war der extrem mächtige Produzent Aaron Spelling und Schriftsteller-Mutter Candy, 75, brachte schon 600 Millionen Dollar mit in die Ehe. Mit den Taufpaten Dean Martin und Barbara Stanwyck musste sie quasi selbst berühmt werden.

Mama Candy Spelling verwurstete sogar ihren letzten Umzug als Reality-TV-Format und ließ sich 2011 in einem Zweistunden-Special dabei filmen, wie sie ihr 5.300-Quadratmeter Haus mit 123 Räumen verkaufte  - für lumpige 85 Millionen Dollar. Sie wollte sich verkleinern zog in ein lediglich 1.700 Quadratmeter großes Penthouse in New York, das sie für den Spottpreis von 35 Millionen Dollar kaufte.

Macht so viel Ruhm und Reichtum nun glücklich?

Leider kann man es an dem Gesicht der heute 48-Jährigen Tori schlecht ablesen.




Sonntag, 20. Juni 2021

Ein Leben lang Christentum pur.

Seit 2.000 Jahren missionieren Christen. Sie überbringen die „frohe Botschaft“, beschreiben die Bibel als „Gute Nachricht“, erachten Jesus Christus als „Erlöser“ und „Heilsbringer“. Der Mann machte Blinde sehend, Lahme laufend und Tote lebendig.

Reliquien, Devotionalien, Wasser aus Lourdes, Weihwasser sind die ultimativen Gesundmacher.

Wie gesund und fit muss also erst ein katholischer Priester sein, der schließlich selbst langweiliges Esspapier in Fleisch von Jesus, Rotwein in Jesu‘ Blut und Wasser in Weihwasser verwandeln kann?

Zudem liest er jeden Tag die heiligen Worte Gottes aus der „Guten Nachricht“, verschreibt sich also 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche der HEILS-Lehre.

Von so einem erwarte ich, wenn schon nicht Unsterblichkeit, so doch wenigstens eine Lebensspanne von 200 Jahren bei bester Gesundheit und seelischer Zufriedenheit. Sicherlich sind alle gertenschlank; immerhin ist Völlerei eine der sieben Todsünden. Alles andere wäre für vom Stellvertreter Gottes geschickte professionelle Seelsorger enttäuschend.

Das dachte sich vermutlich auch letztes Jahr die französische Bischofskonferenz und hakte systematisch nach, indem sie mehr als 6.000 Priester, die jünger als 75 Jahre waren, nach ihrem Gesundheitszustand befragen ließ.

Nach sieben Priesterselbstmorden – immerhin eine Todsünde – dämmerte einigen Kleriker-Chefs offensichtlich, die Hirnchemie der Hirten könnte womöglich doch nicht so gesund, heil, selig, erlöst und gut sein, wie sie es selbst propagierten.

[…..] Alkoholmissbrauch gaben rund 40 Prozent zu. Ein erheblicher Anteil der Priester beklagte Isolation und Einsamkeit. [….]   Im Durchschnitt kommt ein Priester in Frankreich der Umfrage zufolge auf 9,4 Arbeitsstunden täglich, was 20 Prozent der Befragten als zu viel bezeichneten. Trotz des subjektiven Wohlbefindens, von dem 93 Prozent der Geistlichen berichteten, leiden 45 Prozent von ihnen an einer chronischen Krankheit. Geraucht wird wenig, doch mit 43 Prozent Übergewichtigen und 20 Prozent Fettsüchtigen sind Priester in Frankreich einem hohen Risiko für chronische Krankheiten ausgesetzt. Rund 20 Prozent zeigen Anzeichen einer Depression, sieben Prozent berichten von beruflicher Überforderung, zwei Prozent von einem echten Burnout. [……]

(Vaticannews, 27.11.2021)

Eigenartig, wieso sind katholische, französische Priester einsam? Offensichtlich haben sie doch ein erfülltes Liebesleben.

[….] Der Pariser Strafgerichtshof hat den ehemaligen Papstbotschafter in Frankreich, Erzbischof Luigi Ventura, wegen sexueller Übergriffe zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Wie französische Medien unter Berufung auf das am Mittwoch verkündete Urteil berichteten, muss Ventura für Schadenersatz und Anwaltskosten in Höhe von mehr als 23.000 Euro aufkommen.  Dem 76-jährigen Ex-Diplomaten wurde sexuell übergriffiges Verhalten gegenüber vier jungen Männern vorgeworfen. So soll Ventura, der als päpstlicher Nuntius Doyen des Diplomatischen Korps war, im Januar eine junge Führungskraft des Pariser Rathauses, die zu seiner Betreuung abgestellt war, belästigt, über ihr Privatleben befragt und mehrfach unsittlich berührt haben.  Ein weiterer Zeuge, ein früherer Priesteramtskandidat, sagte aus, Ventura habe ihn einen Monat zuvor, im Dezember 2018, im Seminar von Issy-les-Moulineaux bei Paris sexuell belästigt. […..]

(Katholisch, 17.12.2020)

Samstag, 19. Juni 2021

INMS lernt von Trump

 Es ist eine dieser klassischen Geschichten über Skandale vornehmlich konservativer Politiker. Irgendetwas in ihrer Verantwortung geht ganz fürchterlich schief und dafür gibt es nur zwei Erklärungen: Eine Schlechte und eine noch viel Schlechtere.

So ergeht es beispielsweise gern CDU-Verteidigungsministerinnen, wenn wieder einmal eine ungeheuerliche Panne/Prasserei/Naziaffäre vertuscht wurde.

Haben sie es gewußt? Dann sind sie schlechte Politikerinnen, weil sie es nicht verhindert oder sanktioniert haben.

Haben sie es nicht gewußt? Dann sind sie schlechte Politikerinnen, weil die ihr Ministerium nicht im Griff haben.

Donald Trumps Spezialität war und ist das rechtsradikal-rassistische Dogwhistling.    Er posaunt irgendeine rassistische Ungeheuerlichkeit hinaus, die seine Nazi-Q-Basis elektrisiert. Wenn es anschließend zu viel Widerspruch gibt, behauptet er leutselig, er habe gar nicht gewußt, daß man so etwas auch rechtsradikal verstehen kann und distanziere sich entschieden davon.    Die zuvor begeisterten Rassisten stört das Zurückrudern nicht; sie verstehen entweder, daß es zum politischen Spiel gehört und bekommen es gar nicht mit.  Ihnen ist nur wichtig, daß ihr organges Idol die Nazi-Codes einmal öffentlich aussprach.

Ein besonders drastisches Beispiel war Trumps Wahlkampf-Neustart am 19.06.2020, als er nach der Lockdown-Pause erstmals wieder vor großem Publikum auftrat und dafür erstens ausgerechnet den von den schwarzen US-Bürgern begangenen Tag der Sklavenbefreiung, "Juneteenth" wählte und zweitens ausgerechnet in Tulsa zu seiner weißen rechten Crowd sprechen wollte.   Dort hatte 100 Jahre zu vor ein besonders grausames Pogrom gegen die schwarze Bevölkerung stattgefunden.  Natürlich verstanden Nazis und Rassisten der gesamten USA die Wahl des Datums und des Ortes als starkes Zeichen für die „White Supremacy“.

Es gab keine gute Erklärung. Entweder Trump wußte von der historischen Belastung und setzte bewußt dieses rassistische Zeichen; dann wäre er ein ganz schlechter Präsident. Oder er wußte es nicht und hätte damit bewiesen, nichts über die amerikanische Geschichte zu wissen und wäre damit ebenfalls unweigerlich als schlechter Präsident entlarvt.

Die gesamte Veranstaltung geriet zum Desaster.

(…..) Gestern am 20.06.2020, einen Tag nach dem zunächst angesetzten Termin am Juneteenth, dem Gedenktag zur Erinnerung an den 19. Juni 1865, dem Ende der US-Sklaverei, rief Trump seine Hardcore-Unterstützer in Tulsa, Oklahoma zusammen.

Auch dieser Ort ist, wie das Juneteenth eine einzige Provokation an die BLM-Proteste.

 [….] Donald Trump beginnt an diesem Wochenende seine Wahlkampftour. Ausgerechnet in Oklahoma, wo ein weißer Lynchmob im Mai und Juni 1921 Hunderte Schwarze ermordete. [….] Der republikanische Bürgermeister freut sich, dass der Präsident seine Stadt mit einem Besuch beehrt. "Es wäre schwierig, einen Staat zu finden, in dem die Kluft zwischen dem großartigen Amerika der reaktionären politischen Trump-Fantasie und der brutalen amerikanischen Wirklichkeit größer ist als in Oklahoma", schrieb der Theaterkritiker Frank Rich vor Kurzem anlässlich der Wiederaufführung des patriotischen Musicals "Oklahoma!". Und es gibt auch kaum einen Ort in den Vereinigten Staaten, der für eine solche politische Kundgebung mehr vorbelastet wäre. Hier kam es vor einem Jahrhundert zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, in deren Verlauf Dutzende, wahrscheinlich Hunderte Menschen starben, die meisten davon Schwarze, deren Besitz geplündert und deren Wohnungen niedergebrannt wurden. Ein weißer Mob ging schwer bewaffnet gegen die Schwarzen vor; die Häuser wurden sogar aus der Luft angegriffen.  Noch bis vor wenigen Jahren wurde dieses Massaker regelrecht totgeschwiegen. Es gab keine gerichtliche Untersuchung, niemand wurde bestraft, es gab keinen Ausgleich für die Schäden in Millionenhöhe. Die meisten Amerikaner erfuhren erst kürzlich davon, als es die Streaming-Serie "Watchmen" (2019) in düsteren Schwarz-Weiß-Bildern vorführte. [….]

(Willy Winkler, SZ, 20.06.2020)

Neben Juneteenth/BLM, Tulsa gab es mit der Corona-Pandemie natürlich einen dritten triftigen Grund besser keine Trump-Massenveranstaltung stattfinden zu lassen.  Aber die Realität ist für echte Trumpster irrelevant und so rüstete sich die stramm republikanische Stadt im stramm republikanischen Staat Oklahoma für einen Massenastrum von mehreren Hunderttausend #MAGA-Hutbürgern ohne Masken für ihre Große Superspreader-Wahlkampfparty.

Eine Millionen Besucher hatten sich online angemeldet, so daß außerhalb der 20.000 Menschen fassenden Halle große Plätze mit Videoübertragungen vorgesehen waren.

Trump wollte niemand abweisen und sein angeknackstes Selbstbewußtsein im Bad der „TRUMP! FOUR MORE YEARS!“-Rufen aus Millionen Kehlen wieder aufpeppen. Daraus wurde allerdings gar nichts, denn es kamen insgesamt nur 6.111 Menschen. Die Ränge in der Halle blieben leer.  Trump log natürlich dennoch, daß sich die Balken bogen. (….)

(Trumpdämmerung?, 21.06.2021)

Ein Jahr später weiß man, daß die angebliche Wahlkampfmaschine Trump tatsächlich ihr Ende einläutete, weil so einseitig nur auf rechte, weiße Themen gesetzt wurde, daß noch viel mehr Menschen motiviert wurden für Joe Biden zu stimmen.

Der Auftritt in Tulsa, der vor einem Jahr die Hardcore-Rassisten und Supremacisten ejakulieren ließ, wurde aber zum dreifachen Bumerang.

1.   ruinierten ein paar Tiktoker seinen Auftritt, so daß Trump vor einer recht leeren Halle sprach,

2.   verlor er die Wahl,

3.   wurde erst durch diese rassische Aktion großen Teilen der US-Bevölkerung erst klar, welche Massaker es noch nach der Sklavenbefreiung an Schwarzen gab und was die Bedeutung des Juneteenth ist.

Joe Biden bestimmte diesen Tag ab heute zu einem nationalen Feiertag und setzte damit ein kaum zu unterschätzendes Zeichen an den Zusammenhalt der multicolorierten US-Bevölkerung – das diametrale Gegenteil dessen, was Trump und die Rassisten vor einem Jahr wollten.

So haben die US-amerikanischen „People of Color“ diese Ehrung also tatsächlich auch Trump zu verdanken. Trump, der natürlich etwas ganz anderes wollte, aber durch seine eigene Dummheit das Gegenteil erreichte und der heute 94 Jahre alten Bürgerrechtlerin Opal Lee entscheidend half, die als erstes vorschlug den 19.06. zu einem national Feiertag zu machen.

[…..] Eben jener Trump wurde später ungewollt zu einem Helfer Lees, weil er seine erste Wahlkampfveranstaltung vor Publikum während der Pandemie im vergangenen Jahr auf den 19. Juni terminiert hatte, in Tulsa, im Bundesstaat Oklahoma. Dabei ist zweierlei durchaus möglich: Nämlich, erstens, dass Trump von der Bedeutung des 19. Juni für die afroamerikanische Bevölkerung nichts wusste (was er übrigens mit vielen weißen Amerikanern gemeinsam hätte), und dass er, zweitens, ebenfalls nicht wusste, dass Tulsa im Jahr 1921 Schauplatz eines Massakers an Schwarzen war. Ein weißer Mob, teils von städtischen Offiziellen mit Waffen versorgt, attackierte damals Teile der afroamerikanischen Bevölkerung und brannte deren Häuser ab. […..] rund 10 000 Afroamerikaner verloren ihre Häuser und Wohnungen. Lange wurde über diese Vorfälle geschwiegen. […..] Vielleicht aber, und das ist ebenso durchaus möglich, wusste Trump nur allzu gut, was er da tat. […..]  Vor allen Dingen rückte Trump den 19. Juni ins Zentrum der nationalen Aufmerksamkeit. Viele weiße Amerikaner erfuhren erst jetzt von der Bedeutung des Tages (und auch vom Massaker in Tulsa). […..] Es war geschehen, was Opal Lee immer wollte: Juneteenth war in aller Munde. […..]

(Christian Zaschke, SZ, 19.06.2021)

Dumme, unangenehme politische Stunts können so abschreckend wirken, daß sie die Gegner viel mehr motivieren, als diejenigen, die eigentlich unterstützt werden sollten.

Hans-Georg Maaßen, der verschwörungstheoretische antisemitisch blinkende CDU-Rechtsaußen könnte mit seiner Bundestagskandidatur so eine Abwehr generieren, daß im braunschwarzen Osten tatsächlich sein SPD-Gegenkandidat das Bundestagsmandat gewinnen könnte.

[….] Einer repräsentativen Forsa-Umfrage zufolge liegt der Ex-Verfassungsschutz-Chef derzeit hinter Frank Ullrich, dem Kandidaten der SPD*. Das berichtet die Tageszeitung Freies Wort in Südthüringen. Könnten die Wählerinnen und Wähler im Wahlkreis 196 ihre Erststimme für die Bundestagswahl jetzt abgeben, würde Hans-Georg Maaßen auf 20 Prozent kommen, Ex-Biathlon-Bundestrainer Ullrich auf 22 Prozent. [….]

(FR, 08.06.2021)

Königin der Disziplin „wie erreiche ich durch die Aufstellung unangenehmer Hardliner das Gegenteil?“ ist natürlich die katholische Kirche.

(….) Kaum etwas ist besser für die Sache des Atheismus, als ein Skandal-Kardinal, der hartnäckig an seinem Posten klebt. Noch schöner ist natürlich ein Skandal-umwobener Kirchenfürst wie Woelki, der zudem auch noch extrem unsympathisch ist und über die Fähigkeit verfügt, selbst hartgesottene, an der Basis engagierte tiefgläubige Katholiken zum Kirchenaustritt zu treiben.  Daher bedauere ich immer noch den Abgang meines früheren Lieblingsbischofs Franz-Peter Tebartz-von Elst, der sich für 35 Millionen Euro eine Protzresidenz bauen ließ, während er all seinen Gemeinden die Mittel strich. (….)

(Nicht, daß das noch Schule macht!, 04.06.2021)

Einen schönen Erfolg für das linksgrünversiffte Lager konnte auch die stramm rechte INMS erreichen, indem sie massiv misogyn und verlogen eine so widerliche Anzeigenkampagne gegen Annalena Baerbock startete, daß sich selbst die CDU distanzierte und Baerbock prompt am nächsten Trag mit einem Rekordergebnis von 98,5% auch dem Grünen Parteitag gewählt wurde.

Zum Glück für uns, sind die Rechten zwar oft in der Mehrheit, mächtig und reich, aber auch ziemlich dumm.

Freitag, 18. Juni 2021

Die CDU verteilt nach ganz oben um

 Während der 16 Corona-Monate und Deutschland im Lockdown, erlitten sehr viele Klein- und Kleinst-Unternehmen, aber auch mittelständische Betriebe tödliche Verluste.

Warum eigentlich, wenn doch die Bundesregierung mehrere hundert Milliarden Euro im Namen aller Bürger locker gemacht hatte und großzügig als Corona-Hilfe verteilte?

Diese aberwitzigen Milliardensummen flossen tatsächlich, aber dabei wurde gemäß des alten Prinzips „der Teufel scheißt auf den größten Haufen“ gehandelt.

Rund 28 Milliarden Euro kostete den Steuerzahler das Kurzarbeitergeld, welches vorwiegend an die großen Konzerne gezahlt wurde und von diesen gleich als Dividende zu den Aktionären durchgereicht wurde.

In der Folge explodierten die DAX-Kurse und die Superreichen wurden noch viel superreicher – auf Kosten der Allgemeinheit.

Es gibt in Deutschland Regeln, die dafür sorgen sollen, daß auch die Wohlhabenden angemessen an den Staatskosten beteiligt werden.

Spitzensteuersatz, Erbschaftssteuer, Grunderwerbsteuer sind solche Mechanismen. Aber sie werden nur für „kleine Reiche“ angewendet.

Wer einen normalen Job hat, viele Jahre spart und möglicherweise 40.000 Euro zusammenspart, um sich am Stadtrand ein 28 Quadratmeter 1-Zimmerapartment für 100.000,- zu kaufen, ist so ein Reicher, den es voll trifft. Er steckt dem Makler 7.000,- Euro in den Rachen, hat Gerichts- und Notargebühren von etwa 2.500,- Euro, muß 5.000,- bis 6.500,- Grunderwerbsteuer  bezahlen, so daß er zusätzlich zu seinen 40.000,- Eigenkapital rund 80.000,- als Immobilienkredit aufnehmen muss und schließlich mit Zinsen mindestens 100.000,- an die Bank zurück zahlt, so daß die Bankaktionäre auch noch mal 20.000,- abgreifen.

Vielleicht sieht man so ein Miniapartment auch als Alterssicherung und vermietet es.   Nach der Mietpreisbremse wird man etwa 4.500,- Kaltmiete im Jahr erlösen, muss davon aber 1.500,- bis 2.000,- als „Vermieteranteil des Hausgeldes“ an die Verwaltung zahlen. Die übrigen 2.550,- bis 3.000,- Jahresgewinn wird man für die Bedienung des Immobilienkredites mindestens verbrauchen.

Sollte man so ein Schnäppchen gemacht haben, daß tatsächlich am Ende des Jahres Mieteinnahmen übrig bleiben, muss man diese natürlich voll versteuern.   Da schlägt das Finanzamt noch einmal zu.

Kommt eine internationale Investorengruppe daher, die statt eines maroden Apartments für 100.000,- gleich den ganzen Häuserblock für zehn Millionen kauft, zahlt sie natürlich NICHT 5 bis 6,5% Grunderwerbsteuer – das wären 500.000,- bis 650.000,- an den Staat - sondern gar nichts.

Gebühren und Steuern sind nur etwas für kleine Leute.

Dafür sorgen die Großlobbyisten.   Mit Zinsverrechnungen erreichen sie, daß sie die Mieteinnahmen nicht versteuern müssen, mit Sharedeals wird die Grunderwerbsteuer umgangen und als Alleinbesitzer braucht man auch keine Hausverwaltung mehr, die man bezahlen müsste.

Die Mechanismen, die dafür sorgen, daß der ganz kleine Wohlstand der unteren Mittelschicht voll besteuert wird, aber die Superreichen sich all diesen Pflichten entziehen können, sind lange bekannt und genauso umstritten.

Mit Olaf Scholz haben wir einen Finanzminister, der im Gegensatz zu seinem Vorgänger Wolfgang Schäuble, der gar nicht dran dachte, den superreichen CDU-Spendern durch Schließungen ihrer Steuerschlupflöcher zu schaden, endlich einen Fachmann, der kein korrupter Lobbyhöriger ist, sondern genau diese Dinge anpackt.

Er war schon maßgeblich an der internationalen Mindeststeuer beteiligt, um Steueroasen trocken zu legen.

Olaf Scholz stritt auch hart dafür, den Superreichen das Vermeiden von Grunderwerbsteuerzahlungen zu erschweren. Das spielt eine besonders große Rolle, um die Immobilien- und Bodenspekulationen zu bremsen, die ihrerseits die Mieten explodieren lassen und Superreiche immer reicher machen.

Scholz brachte den entsprechenden Gesetzentwurf ins Kabinett, um die Sharedeals aufzuweichen.    Allein; er scheiterte an der zahlenmäßigen Übermacht der CDU, die gut geschmiert von der Immobilienlobby vehement dafür kämpften, diese Steuerprivilegien für Multimillionäre und Milliardäre zu erhalten.

Da die SPD nun einmal bloß 20% bei der letzten Bundestagswahl erhielt, kann sie nicht ihre Wünsche pur durchsetzen. CDU und CSU haben viel mehr Stimmen und so wurde die Neufassung der Sharedeals zwar ein kleines bißchen teurer für die Immobilienmultis, aber bei Weitem nicht so, wie die SPD wollte.

Olaf Scholz tat was er konnte. CDU und CSU setzten ihre Steuergeschenke für superreiche Finanzinvestoren in der Immobilienbranche durch.

Es ist natürlich das Versagen des Willy Brandt-Hauses und der debakulierenden Kühnert-Nowabo-Esken-Blase, daß sie nicht rund um die Uhr auf diese dreiste Lobbyhörigkeit der CDU zu Lasten der Mieter aufmerksam machen.

Ganz ähnlich lief es bei den Zinsverrechnungen, die es internationalen Konzernen durch Auffächerungen in Tochterfirmen ermöglichen, sich so arm zu rechnen, daß sie vollständig aus der Solidargemeinschaft ausscheiden, gar keine Steuern mehr zahlen und die Lasten den „kleinen Leuten“ überlassen.

Auch hier erkannte Olaf Scholz im Gegensatz zu der CDU, dringenden Handlungsbedarf und wollte das Steuerschlupfloch schließen, so daß die Superreichen ebenfalls zahlen müssen.

Wieder stieß er beim Koalitionspartner CDU/CSU auf so massiven Widerstand, daß es unmöglich war mit 20% SPD-Stimmen für mehr Gerechtigkeit zu sorgen.

[…..]  Manfred Naumann, ehem. Referatsleiter Bundesfinanzministerium: „Es frustriert mich, dass der Gesetzgeber – also in dem Fall auch das Bundesfinanzministerium und der Gesetzgeber – nicht dazu in der Lage sind, so eine Regelung, die seit Jahren und Jahrzehnten gefordert wird, innerhalb von 20 Jahren in irgendeiner Form im deutschen Gesetz unterzubringen. Das ist schade.“

Er wollte das eigentlich ändern. Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat 2019 einen überraschenden Gesetzentwurf vorgelegt. Danach sollte in der Regel der Zinssatz gelten, zu dem sich der Konzern Geld von der Bank leiht. Überteuerte, interne Zinsen sollten damit passé sein. Ein großer Fortschritt. Doch dann ging es in die Verhandlungen mit der CDU/CSU-Fraktion. Und danach wurde der entscheidende Passus von einem Tag auf dem anderen einfach ersatzlos gestrichen.

Christoph Trautvetter, Netzwerk Steuergerechtigkeit: „Es gab einen massiven Widerstand der CDU. Der Vorschlag lag vor, er war unterschriftsreif und wurde nicht umgesetzt, obwohl er ganz gezielt eben Steuervermeidung von professionellen Investoren bekämpft hätte und damit ein wichtiges Problem auch gelöst hätte.“

Die Union meint, die bestehenden Gesetze reichen aus. Allem voran durch die sogenannte „Zinsschranke”. Der Schönheitsfehler: Sie wirkt kaum. Die Zinsschranke regelt, dass in Deutschland Zinszahlungen über drei Millionen Euro nur zu einem Teil abgesetzt werden dürfen. Aber die Unternehmen nutzen auch hier einen Trick. Sie spalten sich einfach auf. Ein Unternehmen kann bis zu drei Millionen Euro an Zinsen voll absetzen. Fünf Tochterunternehmen jeweils bis zu drei, zusammen also bis zu 15 Millionen Euro, zehn Töchter zusammen bis zu 30 Millionen Euro, und so weiter.“

Die Pears Group etwa hielt – Stand 2019 – etliche Tochterfirmen mit Namen wie Angel, Barn oder Sagittarius in Luxemburg. Sie teilten sich diesen einen Briefkasten. Darüber flossen offenbar die Gewinne ab.

Gerhard Schick, Bürgerbewegung Finanzwende e. V.: „Wenn man gerade im Immobilienbereich für jede einzelne Immobilie eine eigene Gesellschaft gründet, was keine großen Kosten verursacht, dann kann man trotz Zinsschranke eigentlich große Teile des Gewinns ins Ausland schieben. Die Zinsschranke ist also umgehbar.“

Trotzdem stellte sich die Union quer. [….]

(Monitor, 17.06.2021)

Und wieder einmal begreift man nicht, wie der SPD-Vorstand so sagenhaft unfähig sein kann, daraus nicht ein riesiges Wahlkampfthema zu machen und rund um die Uhr damit zu trommeln:

SEHT HER! Die Multimilliardäre werden auf Eure Kosten immer reicher! Wir versuchen das zu stoppen, aber die Union kämpft verbissen für das reichste 1% der Deutschen gegen die 99%.

Nun sind diese Vorgänge nicht geheim. Man kann darüber lesen und oder sie dankenswerterweise einfach verständlich von der MONITOR-Redaktion präsentiert bekommen.

Aber offensichtlich ist die große Mehrheit der Deutschen entweder nicht gewillt ein gerechteres Steuersystem zu bekommen, welches nicht so stark die Superreichen bevorzugt. Oder es interessiert sie nicht.

Laschet und die CDU stehen in der Wählergunst ganz oben; sind bei den unter 25-Jährigen stärkste Partei.

Donnerstag, 17. Juni 2021

Soldaten. Polizisten. Priester.

Das ist kein ganz neues Thema dieses Blogs: Uniformität ist mir zuwider.

Sie tötet die Individualität und fördert dieses unangenehme und destruktive „Wir sind besser als die“-Gefühl.  So etwas artet in Korpsgeist aus und dann gelten Anstand und Moral, Toleranz und Mitgefühl kaum noch etwas.

Psychologie spielt natürlich eine große Rolle.   Wir kennen das aus Situationen wie zum Beispiel einem dringend überfälligen Wohnungsputz. Man hat schon drei Stunden gebügelt, staubsaugt, abgewaschen und denkt sich, nun brauche man zur Belohnung nicht auch noch den Müll rausbringen, weil man schon genug getan hätte.

Das ist rational betrachtet reiner Unsinn. Das eine hat mit dem andere nichts zu tun; der alte Müll stinkt weiter vor sich hin – ob man nun gebügelt hat, oder nicht.  Das menschliche Hirn konstruiert aber dennoch einen Zusammenhang. Durch die Fleißleistung bei den anderen Tätigkeiten, meint man einen Müll-Freifahrtschein „verdient“ zu haben.

Jeder kennt das Gerücht, „Kinderschänder“ stünden in der Knast-Hierarchie ganz unten und goutiert das auch klammheimlich. Denen soll es besonders schlecht gehen, weil „Kinderschänden“ als schlimmste Untat angesehen wird. Man stellt sich darunter die abscheulichsten Verbrechertypen vor, die Kinder in ihr Auto locken.
So stimmt das Weltbild wieder. Ansonsten stimmt nicht so viel an dem Bild. Zunächst einmal suggeriert das Verb „schänden“, der Täter bringe Schande über das Kind und genauso wird es auch von den Schrift-Religionen betrachtet. Damit wird das Kind das zweite Mal Opfer. Vergewaltigungsopfer sind in Wahrheit aber nicht diejenigen, bei denen die „Schande“ liegt. Nur die Täter haben Anlass, sich zu schämen.

Zudem sind es eher selten die so übel konnotierten bösen fremden Verbrecher, die Kinder sexuell missbrauchen, sondern ganz im Gegenteil, die so positiv konnotierte FAMILIE, aus der die Täter stammen. Oder katholische Geistliche.

Für die gilt aber offenbar das „ich muss nun nicht auch noch den Müll heraustragen“. In ihren Uniform-Soutanen gelten sie als so gute Menschen, daß man alle Augen zudrückt.

Bis heute sieht die Bundesregierung keinen Anlass, juristisch gegen eine RKK vorzugehen, die nicht nur Myriaden Kinder in Deutschland, vergewaltigt, gequält und verprügelt hat, sondern bis heute die Aufklärung darüber blockiert.

Auch in diesem Fall ist es die Kirchliche Uniformität, welche zu dem irrigen Schluss verleitet, da könne man ruhig wegsehen.

Armin Laschet, aussichtsreichster Kanzlerkandidat, gab sich auf die Frage, ob es einer staatlichen Kommission bedürfe, um die Kinderfi**erei der katholischen Kirche aufzuklären, regelrecht empört. Das solle man nun wirklich der Kirche selbst überlassen. Er zeigte nicht einen Hauch Mitleid für die Opfer der Verbrechen und steigt seither in den Umfragen.

[….] NRW-Ministerpräsident Laschet bescheinigt der Kirche, sich "intensiv um die Aufklärung der Missbrauchskrise" zu kümmern.   "Sie reagiert heute schnell und professionell, wie aktuelle Fälle zeigen, wo sie auch bei Wahrung der Unschuldsvermutung tätig wird", sagte Armin Laschet (CDU) dem katholischen Monatsmagazin "Herder Korrespondenz" (Juni). "Das ist schon sehr konsequent."  Der CDU-Politiker wies darauf hin, dass sexueller Missbrauch nicht nur ein Problem der katholischen Kirche, sondern der gesamten Gesellschaft sei. [….]

(Domradio, 27.05.2019)

[….] Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet will sich in die Debatte um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki nicht einmischen. Das sei keine Frage, die der Staat beantworten könne, sagte Laschet vor Journalisten in Düsseldorf.   "Der Kindesmissbrauch ist ein Vergehen, das aufgeklärt werden muss, in jeglicher Hinsicht. Ich habe Respekt, wie die Kirchen das machen." Die Kölner Vorgänge müssten innerkirchlich geklärt werden.  [….]

(Domradio, 22.12.2020)

[….] Von dem Versprechen, den Missbrauch der vergangenen Jahrzehnte aufzuarbeiten, ist nichts geblieben. Massenhaft treten die Katholiken und Katholikinnen aus der Kirche aus. Spöttisch kann man inzwischen sagen, dass es aktuell leichter ist einen Impftermin zu bekommen als in Köln einen Termin beim Amtsgericht, um aus der Kirche austreten zu können.  Und was macht die Landespolitik? Die schaut zu, wenn auch irritiert. Der Ministerpräsident betrachtet das ganze bisher als innerkirchliche Angelegenheit, über die Parteien hinweg herrscht ein eher beredtes Schweigen.  [….]

(WDR, 05.02.2021)

Wieso steht ein Kanzlerkandidat, der sich so nachdrücklich für die Täter einen Kindersextäter-Rings einsetzt, nicht in Umfragen bei 0%?

Offensichtlich ist diese Gesellschaft Uniform-blind.

Wer seine Individualität ablegt und sich hinter einem Einheits-Outfit versteckt ist sakrosankt.   Wir wissen seit vielen Jahren, daß sich bei anderen Uniformierten, nämlich den Polizisten überproportional viele Rechtsextreme sammeln.

[…..] In Hessen sollen weit mehr Polizisten an Chats mit rechtsextremem Inhalt teilgenommen haben als vermutet. Hessens Innenminister Peter Beuth nannte im Landtag die Zahl von 49 aktiven Beamten, die an sieben verschiedenen Chatgruppen mit unterschiedlichen Inhalten teilgenommen haben. Darunter seien Beamte des Landeskriminalamtes, des Landespolizeipräsidiums und verschiedener hessischer Polizeipräsidien gewesen. Hinzu kämen sieben Teilnehmer, die keine hessischen Polizisten seien. [….]

(SPON, 16.06.21)

Auch bei Polizisten suggerieren die Uniformen aber, sie könnten gar nicht schlecht sein und so herrschen wie bei den Kindersex-Priestern bei Politikern und Journalisten große Beißhemmungen.

Kritik an der Polizei wird nie gern gesehen und sofort von nahezu allen Parteien scharf gekontert.

Hartnäckig positiv konnotiert werden selbstverständlich auch die Uniformierten schlechthin; Soldaten!

Noch nicht mal die verbrecherische Wehrmacht darf als solche angesehen werden.

Bis heute gilt alles „Soldatische“ als Tugend. Mit Stolz verweisen Ehemalige darauf „gedient“ zu haben.  Warum eigentlich? Von uniformierten Männerbünden; Boyscouts bis KSK; geht selten etwas Gutes aus.


(….) In Afrika sind Männer-Vergewaltigungen durch Armee-Angehörige offenbar an der Tagesordnung.

[….] Im Gegensatz zu den Medienkampagnen über die Vergewaltigungen von Frauen in Kriegsgebieten wird die sexuelle Gewalt an Männern durch Soldatinnen und Soldaten explizit verschwiegen, obwohl das quantitative Ausmaß seriösen Schätzungen zufol­ge um ein Vielfaches höher ist. Während bei Frauen auch eindeutige Begriffe wie „Vergewaltigung“ verwendet werden, wird die sexuelle Gewalt gegen Männer durch Begriffe wie „Kulturelle Destabilisierung“ kaschiert und damit der bewußten Wahrneh­mung entzogen. Dabei sind Männer in kriegerischen Auseinandersetzungen immer schon bevorzugt an den Genitalien gefoltert, durch Verstümmelungen gedemütigt oder durch Vergewaltigung und sexuellen Mißbrauch beschämt und traumatisiert worden. Männer und die Integrität männlicher Sexualität scheint allerdings – wie immer – nicht einmal ansatzweise schützenswert zu sein.   Sexuelle Gewalt gegen Männer wird weltweit als Kriegswaffe eingesetzt – doch kaum jemand spricht über die grausamen Taten. Gerade den Opfern fällt es schwer, das Tabu zu brechen und ihre Erlebnisse in Worte zu fassen: Ein Mann, er heißt Job, hält seinen Kopf zwischen den Händen und blickt beschämt auf den Boden, als er leise und traurig zu sprechen beginnt: „Ich wurde von Soldaten festgenommen und ins Gefängnis gebracht. Dort fesselten zwei Soldaten meine Hände und Beine und vergewaltigten mich, einer nach dem anderen.“ [….]

(Arte, 08.10.2010)

Sexuelle Gewalt gegen Männer durch US-Soldaten kennen wir natürlich auch aus Abu Ghuraib, Bagram und Guantanamo.   Homo-Vergewaltigungen werden ebenfalls immer wieder aus der russischen Armee berichtet. Dort führt das berüchtigte und ultra-brutale Großvater-System unter den Wehrpflichtigen zu mehren Suiziden jeden Tag.

[Um] Andrej Sytschow […..das] Leben zu retten, mussten die Ärzte beide Beine und seine Genitalien amputierten.   Gewalt unter Kameraden gehört zur russischen Armee wie Gleichschritt und Schießübungen. Erpressung, Prügel, Folter und Vergewaltigung sind an der Tagesordnung. Die Soldaten sind sich selbst die größten Feinde.  Der Volksmund nennt die Misshandlungen von Rekruten durch ältere Soldaten "Djedowschtschina", "Herrschaft der Großväter". Wer Erniedrigung und Schmerz im ersten Dienstjahr übersteht, gibt diese Grausamkeiten an nachfolgende Rekruten weiter. [….] Das Komitee der Soldatenmütter, eine Menschenrechtsorganisation, die gegen die Missstände kämpft, registriert jedes Jahr etwa 2000 Todesfälle in der Armee - in Friedenszeiten. Ein großer Teil lasse sich auf Misshandlungen zurückführen. Im vergangenen Jahr haben nach Angaben der Militärstaatsanwaltschaft 341 Soldaten ihrem Leben freiwillig ein Ende gesetzt.   Auslöser soll nach Expertenmeinung auch hier in den meisten Fällen die brutale Quälerei gewesen sein. Die Dunkelziffer der Gewaltfälle dürfte noch weit höher liegen. [….]

 (O. Bilger, SZ vom 11.11.2008)

In Deutschland gibt es "Djedowschtschina" vermutlich nicht in dieser extremen Form und in Amerika bringen sich die Soldaten statt während der Grundausbildung, überwiegend erst nach den Militäreinsätzen selbst um.   Innerhalb der US-Armee gibt es jährlich rund 20.000 Vergewaltigungen. Da allerdings auch Frauen „dienen“, stellen sie 90% der Opfer. […..]

(Anal-Soldaten, 20.03.2017)

Auch in der Bundeswehr, in der inzwischen glücklicherweise auch Frauen dienen, herrscht aufgrund des Männerüberschusses und alter Traditionen immer noch ein Faszinosum für Analsex.  (….)

[….] Fallschirmjäger: Obst in den Po und Paddel drauf!   In einer Zweibrücken Kaserne ist es äußerst unappetitlich zugegangen: Fallschirmjäger sollen sich auf einer Feier Obst in den Hintern geschoben und mit einem Paddel drauf gehauen haben. Wegen dieser Vorfälle wird die Kompanie nun von ihrem Kongo-Einsatz entbunden. […..]

(STERN, 21.06.06)

[…..]  Das Amtsgericht Zweibrücken hat im Prozess zur "Dörrobst-Affäre" um obszöne Aufnahmerituale in einer Kaserne den angeklagten Hauptmann zu einer Geldstrafe in Höhe von 2000 Euro verurteilt.   Der Richter sah es als erwiesen an, dass der ehemalige Kompaniechef das "entwürdigende Verhalten" seiner Untergebenen auf einer Feier geduldet habe. […..] 

(SPON, 11.06.2008)

[…..] Schon wieder schockiert ein Skandal die Bundeswehr: Bei den Gebirgsjägern im oberbayerischen Mittenwald sind junge Soldaten mit entwürdigenden Mutproben und Aufnahmeritualen schikaniert worden. Sie mussten bis zum Erbrechen Alkohol trinken und rohe Schweinsleber essen, um in der internen Hierarchie aufsteigen zu können. [….]

(AZ, 10.02.10)

 [….] Nach SPIEGEL-Informationen bestätigten interne und bisher geheim gehaltene Ermittlungen, dass bei der Ausbildung von Sanitätern, im Militärjargon "Combat First Responder" genannt, offenbar sexuell-sadistische Praktiken an der Tagesordnung waren. [….] Demnach fesselten sich die Soldaten gegenseitig an Stühle, mussten stundenlang so verharren und wurden mit Wasserschläuchen abgespritzt. [….] Statt einer professionellen Armee, die für junge Menschen eine interessante Karriere bietet, erhält die Bundeswehr durch die Vorgänge in der Staufer-Kaserne wieder das hässliche Image einer männergeprägten Chauvinisten-Truppe, in der Rituale wie Erniedrigung bis hin zu den sexuell-sadistischen Ausbildungsmethoden weiterhin Platz haben und von den Vorgesetzten nicht geahndet werden. [….]

 (Matthias Gebauer, SPON, 27.01.2017)

Sexuelle Übergriffe bei Gebirgsjägern  [….] Nach den Vorfällen in der Bundeswehr-Kaserne in Pfullendorf wird ein weiterer Fall bekannt, in dem Soldaten einem Kameraden gegenüber übergriffig geworden sind. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung soll ein Soldat bei den Gebirgsjägern in Bad Reichenhall unter anderem durch Vorgesetzte sexuell belästigt und diskriminiert worden sein.   [….] Laut Ministerium handelte es sich dabei um eine Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 231 in Bad Reichenhall. "Dort sei er zwischen November 2015 und September 2016 durch Mannschaftssoldaten und einige Vorgesetzte (Ausbilder) seines Zuges mehrmals diskriminiert sowie verbal und tätlich sexuell belästigt und genötigt worden" [….] Laut Ministerium laufen derzeit Ermittlungen gegen 14 Beschuldigte, davon zwei Feldwebel, zwei weitere Unteroffiziere und zehn Mannschaftssoldaten. [….] Ein Sprecher des Ministeriums betonte auf Anfrage, es handele sich um einen von zahlreichen Einzelfällen aus der Vergangenheit. [….]

(Christoph Hickmann, SZ vom 21.03.2017)

Ich möchte hier noch einmal klarstellen, daß ich moralisch keinerlei Einwände gegen analen Sex habe. Es ist völlig in Ordnung, wenn die Geistlichen im Vatikan es sich mit Freude gegenseitig besorgen.

Wenn es sich dabei aber um ein Demütigungsritual unter Zwang handelt, ist es kein Sex, sondern Gewalt.  Dafür gibt es erstens keinerlei Rechtfertigung, aber zweitens stellt sich die Frage wieso so viele Uniformierte darauf abfahren. (…..)

(Anal-Soldaten, 20.03.2017)

Heute gehen Berichte über einen deutschen Panzergrenadierzug durch die Presse, der In Litauen mit allem auffiel, wovon Uniformierte eben Schlagzeilen machen: Rechtsextremismus und Vergewaltigungen.

[….] Rassistische Beleidigungen, Gewalt, sexuelle Nötigung: Wegen des Verdachts auf schweres Fehlverhalten unter deutschen Soldaten zieht die Bundeswehr einen ganzen Panzergrenadierzug aus dem NATO-Einsatz in Litauen ab. [….] Bei einer alkoholgeschwängerten Skandal-Party in einem litauischen Hotel Ende April sollen einige Kameraden rechtsextreme und antisemitische Lieder angestimmt haben, auch soll es zu einem Fall sexueller Nötigung gekommen sein. Einem Anfangsverdacht auf Straftaten wird nachgegangen. Wie der "Spiegel" berichtete, sollen Soldaten aus demselben Zug am 20. April ein "Geburtstagsständchen" für Hitler angestimmt haben. [….] Im Laufe der Ermittlungen kam nun auch ans Licht, dass 569 Schuss Handwaffen-Munition bei der Bundeswehr in Litauen abhanden kamen. [….]

(Tagesschau, 16.06.2021)

Die katholische Kriegsministerin Kramp-Karrenbauer, beeilte sich aber auch in diesem Fall zu versichern, das Ansehen der Bundeswehr schützen zu wollen.

Sie handelt genau wie bei der Kirche – es gilt die Täterorganisation weiß zu waschen und die Opfer im Stich zu lassen.

[….]   „Die Entgleisungen beschädigen das Ansehen der Bundeswehr und Deutschlands. Das wird mit aller Härte bestraft werden“, kündigte Verteidigungsminister Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) schon am Mittwoch an. Allerdings: Rechtsextreme Vorfälle unter in Litauen sta­tio­nierten Sol­da­t*in­nen gab es mutmaßlich schon früher. Mit voller Konsequenz hat die Bundeswehr darauf nicht reagiert.  Nach Angaben des Verteidigungsministeriums weiß die Bundeswehr schon seit dem 4. Januar 2020 von Vorwürfen gegen einen ebenfalls in Rukla stationierten Soldaten. Er soll einen Kameraden „mehrfach verbal (im Zusammenhang mit der Hautfarbe des Betroffenen) beleidigt und bloßgestellt haben“. Die Bundeswehr geht dem Vorfall zwar nach, hat die Ermittlungen nach fast eineinhalb Jahren aber bis heute nicht abgeschlossen. Der Beschuldigte hat weiterhin Zugang zu Waffen.   In einem zweiten Fall sollen im Sommer 2020 vier deutsche Soldaten im Raucherbereich vor der litauischen Kaserne „Tiergeräusche imitiert haben“, als ein schwarzer Soldat aus Frankreich an ihnen vorbeiging. [….]

(taz, 17.06.2021)