Sonntag, 15. Mai 2016

Pfingst-Überzeugungen

Die meisten Menschen haben es offensichtlich gern einheitlich, übersichtlich, uniformiert.
Diktaturen aller Couleur versuchen sich daher an der Illusion der Einheitsmenschen.

Und tatsächlich, noch heute beindrucken Leni Riefenstahls NSDAP-Parteitagsfilme mit den Myriaden einheitlich gekleideten Menschen, die so perfekt aufgereiht sind, daß das Individuum vollständig in der Masse verschwimmt.

(….)
Der Tausendfüßler, das Volk,
Zog sein grünfleckiges Tarnzeug
An und aus,
Schrie, haut auf den Lukas,
Biß ins Sommergras
Und bettelte um Gnade.
(…)
(Marie Luise Kaschnitz – Ich lebte)

Wenn Kim Jong Un in dieser Hinsicht brilliert, sein Volk zu einem einziges Tausendfüßler amalgamiert aufmarschieren lässt, richten sich die Kameras der Welt auf Nordkorea.
 Solche Bilder begeistern uns immer noch.

Vielleicht fasziniert uns diese Homogenität, nach der auch so viele andere Gruppen streben – Soldaten, Schützenvereine, Fußballfans, Priester, Neonazis, u.v.a.m. – deswegen so sehr, weil wir wissen, daß es eine Illusion ist.
Homo Sapiens funktioniert nicht wie ein Termitenstaat oder ein Heringsschwarm.

Allmählich dämmert es uns, daß nicht jeder Mensch in so eine Schablone zu pressen ist.
Immer noch wird versucht Individualität auszutreiben – wenn ein Nagel hervorsteht, muß man ihn einschlagen – so das Prinzip in asiatischen Schulen.

Was nicht passt, wird passend gemacht.
Homosexualität ist in vielen Kulturen immer noch nicht vorgesehen und daher auch nicht öffentlich sichtbar.
Keine Gaybars in Pjöngjang, kein Karneval in Riad.

Die Welt lernt aber hinzu. In Europa, Australien und beiden Amerikas scheinen inzwischen Mehrheiten Homosexualität zu akzeptieren, sie sogar als Bereicherung zu empfinden.

Verständlicherweise wollen andere nicht dem einheitlichen Heteromodell entsprechende „Individualisten“ nun nachziehen.
Jedes Tausende Kind wird mit unklarer Geschlechtszugehörigkeit geboren.
Bis vor ganz kurzer Zeit galt das als extremer Makel, der brutal operativ schon im Säuglingsalter behoben wurde. Unter allen Umständen mußte ein Kind in die „männlich oder weiblich“-Schablone passen. Da wurde der Mensch gar nicht erst gefragt, ob er das überhaupt wollte.

Die meisten Menschen fühlen sich entsprechend ihrer Sexualorgane einem Geschlecht zugehörig. Penis = Mann, Vagina = Frau.

Bei einigen ist es aber nicht so. Sie sind Transgender.
In der Öffentlichkeit wirkt es so, als ob sie eines Tages ihr Geschlecht wechseln.
Das klappt inzwischen durch ausgefeilte Operationstechniken und Medikamente verblüffend gut.

Tatsächlich ist diese öffentliche Wahrnehmung wohl ein Missverständnis. Ein Mann-zu-Frau-Transsexueller gleicht in Wirklichkeit lediglich sein Geschlecht an. Sie war immer eine Frau, die durch eine Laune der Natur im mit Penis geboren wurde.

Besonders schwer zu verstehen ist es eigentlich nicht.
Möge sich doch jeder, der sich eindeutig als Mann oder eindeutig als Frau versteht vorstellen, man hätte plötzlich das „falsche“ Geschlechtsteil an sich.
Würde man es nicht loswerden wollen, um sein „altes Ich“ wiederzubekommen?

Ich finde, es gehört wenig Empathie dazu, um zu verstehen, daß man als Mann ungern mit Vulva lebt, respektive daß eine Frau sich sehr an einem an ihr festgewachsenen Penis stört.

Zu doof für so eine Erkenntnis sind natürlich die amerikanischen Konservativen in North Carolina, die vollkommen ausflippen bei der Vorstellung, daß eine Mann-zu-Frau-Transsexuelle eine öffentliche Damentoilette benutzen könnte.

[….] North Carolina hat sich nun darauf versteift, dem Kulturkampf, den das fortschrittliche Obama-Amerika und das rückständige Trump-Amerika hier seit Jahren ausfechten, ein „Toilettengesetz“ anzufügen. Zum Schutz der Privatsphäre soll es nach einem Gesetz mit dem Namen „HB2“ Transgender-Schülern oder -Schülerinnen nicht erlaubt sein, diejenige Toilette aufzusuchen, die ihrer Geschlechtsidentität entspricht. Das Justizministerium in Washington hat diese Woche eine Klage wegen der Verletzung von Bürgerrechten dagegen eingereicht.
Doch weil der Bundesstaat sich nicht beugen will, legt jetzt US-Präsident Barack Obama nach. Am Freitag noch sollte ein Brief an die Schuldistrike des Landes verschickt werden, der die Schulen anweist, die Diskriminierung von Transgender-Kindern zu unterlassen. Andernfalls ist klar: Fördergelder sind gefährdet. [….]

Da bin ich wieder an dem Punkt:
Ich weiß, daß die GOPer und evangelikalen Religioten vollkommen wahnsinnig sind, aber wenn ich sie wie in den letzten Wochen massiv auf CNN auftreten sehe, kann ich es dennoch kaum glauben.
Sie sind so sagenhaft verdummt, daß sie das Wort „Transgender“ offensichtlich überhaupt noch nicht verstanden haben. Für sie bleibt ein als biologischer Mann Geborener in Frauenkleidern für immer ein Perverser, der das sicherlich nur tut, um seine anderen Perversionen, wie zum Beispiel das Kinderschänden auszuleben.
Daß es dafür nicht einen einzigen Beleg gibt, daß vielmehr Kindesmissbrauch fast immer von den engen Verwandten und Vertrauten begangen wird, stört Republikaner und Religiöse nicht.

The daughter of America's most famous evangelical Christian has said God let 9/11 happen to show the US they need him.
Anne Graham Lotz, the daughter of Billy Graham, claimed God has abandoned Americans because of their attitude towards transgender rights, evolution and the separation of church and state.
“I think that’s why God allows bad things to happen," she told the right wing radio station Conservative Review. "I think that’s why he would allow 9/11 to happen, or the dreadful attack in San Bernardino.

Die wahnsinnigen Christen fordern immer noch den Schablonen-Menschen, der sich ihrem Rollen-Verständnis zu fügen hat.
Individualität und aus der Reihe tanzen ist nicht vorgesehen.
Anderenfalls hagelt es Strafen – von Gott.


Diese adipöse Kim-Davis-Reinkarnation wird vermutlich Donald Trump wählen.
Und der Heigei, der heute zu Pfingsten ausgegossen wurde, dürfte mit ihr sein.

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