Mittwoch, 10. September 2014

Hurra, wir verblöden. Teil 37.000


Das ist schon eine ziemlich kranke Sache, daß Merkel und Schäuble im Austeritätswahn bei ohnehin schrumpfender Wirtschaft dem Simpel-Märchen von der „schwarzen Null“ frönen.
Wir sägen den Ast ab, auf dem wir sitzen, wenn die öffentliche Hand nicht mehr investiert.
Es droht die soziale Katastrophe, weil die Infrastruktur zerfällt, Schulen vergammeln und Unis schrumpfen.
Wer soll eines Tages die versumpften Wasserwege, die maroden Deiche, die zerbröselnden Brücken und porösen Siele reparieren, wenn Ingenieure aussterben und das Billiglohnland Deutschland zwar ein Heer von Billigjobbern, aber keine Steuereinnahmen mehr hat?

Im Bemühen Deutschland kontinuierlich zu verdummen, werden gegenwärtig bei einer Analphabetenquote von 10% und einer der niedrigsten Akademikerrate Europas Studienplätze abgebaut.

Neun Jahre Bundesforschungspolitik unter CDU-Leitung hinterlassen inzwischen deutliche Spuren. Bildung ist mehr denn je von Portemonnaie der Eltern abhängig.
Während in Polen 53% der Jugendlichen studieren, und in Island sogar über 60%, bringt es Deutschland gerade mal auf eine Studierendenquote von 30,9%.

Trotz der steigenden Zahl an Studienanfängern weist die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im „Bildungsbericht 2014“ auf einen Rückstand Deutschlands hin. 31 Prozent der jungen Leute werden im Lauf ihres Lebens voraussichtlich ein Studium abschließen, heißt es in der am Dienstag präsentierten Studie. Im Schnitt der OECD-Nationen seien es 38 Prozent, in europäischen Ländern wie Finnland, Dänemark oder Polen sogar um die 50 Prozent. Die „Bildungsexpansion“ in vielen Ländern habe Menschen die Möglichkeit verschafft, ein höheres Bildungsniveau zu erreichen als ihre Eltern. In Deutschland sei dagegen „kein wesentlicher Zuwachs“ von Generation zu Generation zu erkennen. Nur 24 Prozent der Erwachsenen seien höher gebildet als Vater und Mutter; und 65 Prozent der jetzigen Studenten stammen aus akademischen Elternhäusern.
 (SZ vom 10.09.2014)

Mit der Bildungsfernhalteprämie von neuerdings sogar 150 Euro monatlich pro Blag, die für Prekariatseltern gezahlt wird, die ihre Kinder möglichst lange von frühkindlicher Bildung abschotten, wird sich der Trend weg von den höheren Schulen weiter verschärfen. Zukünftige OECD-Studien dürften für Deutschland also noch düsterer aussehen.

Nachwuchs schlechter gebildet als die Eltern
Junge Leute geben sich mit weniger Wissen zufrieden als die vorherige Generation. […]  Andere Staaten strengen sich mehr an. Die Einkommenskluft zwischen den Akademikern und Facharbeitern steigt. Und: Für Schüler aus sozial schwachen Familien "bleibt das Versprechen Aufstieg durch Bildung oft in weiter Ferne", sagte Bildungsforscher Heino von Meyer bei der Vorstellung der Studie der Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit am Dienstag.
[…] Wenn man je zehn Elternhäuser vergleicht, mit und ohne Hochschulabschluss, seien die Chancen der Akademikerkinder "doppelt so hoch", sagte von Meyer.
In Deutschland hängt der Bildungsabschluss noch immer von der familiären Herkunft ab. Den Experten zufolge gehen in Deutschland Kinder von hoch qualifizierten Eltern mit einer mehr als doppelt so großen Wahrscheinlichkeit an die Universität oder Fachhochschule wie Kinder von Mittel- und Niedriggebildeten. Nur 24 Prozent aller Erwachsenen zwischen 25 und 64 Jahren sind besser ausgebildet als ihre Eltern. 58 Prozent haben den gleichen Bildungsstand, 18 Prozent bleiben hinter den Qualifikationen ihrer Eltern zurück. Bei den heute 25- bis 34-Jährigen liegt dieser Anteil sogar noch höher: bei 24 Prozent.
[…] Während in Deutschland 28 Prozent der 25- bis 64-Jährigen über einen Studienabschluss verfügen, sind es im OECD-Schnitt 33 Prozent.


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