Mittwoch, 15. August 2018

Es gibt noch Ehrlichkeit im Weißen Haus.

So viel ist klar, Trump lügt fast immer. Er lügt weder systematisch noch strategisch, sondern grundsätzlich.
Und er lügt furchtlos, weil seine minimale Aufmerksamkeitsspanne ihm erlaubt jeden Tag mit Trumpula rasa zu beginnen.
Er fängt immer wieder bei Null an, als ob es alle vorherigen Aussagen nicht gegeben hätte.
Ein riesiger Vorteil gegenüber gewöhnlichen Lügnern, die sich die Mühe machen ihre Lügengeschichten einigermaßen stimmig zu früheren Märchen zu erzählen, um sich nicht in große und allzu offensichtliche Widersprüche zu verstricken.

Wenn er vom Teleprompter abliest und vorbereitete Statements abgibt, sind diese grundsätzlich nicht vom ihm geschrieben, da er sich nicht briefen lässt und über keine Detailkenntnis verfügt. Er ist viel zu faul, um eigene ausformulierte Statements zu verfassen.
 Er verbreitet also fremde Worte, die üblicherweise binnen kurzer Zeit konterkariert werden, wenn er „off script“ geht, also in eigenen Worten in Mikrofone spricht, oder twittert.

Twitter-Messages dienen nur zwei Zwecken; entweder dem obsessiven Selbstlob oder drastischer Koprolalie.
Sympathie bezeugt er nur für die Menschen, die ihn loben. Wer ihn kritisiert, wird mit blankem Hass überzogen.

Die inhaltlichen Aussagen seiner Tweets sind immer unwahr, dabei schafft er es in ganz wenigen kurzen Sätzen nicht nur erstaunlich viele Rechtschreibfehler, sondern auch enorm viele inhaltliche Falschaussagen unterzubringen.
Vor einigen Tagen zählte Don Lemon fast acht Minuten lang die Lügen nur eines einzigen Trump-Tweets auf.





Kurioserweise ist Trump aber gelegentlich gerade dann ehrlich, wenn es um seine Gefühle geht. Also ausgerechnet der einen Sache, bei der auch ehrliche Menschen die Wahrheit zumindest nicht offensiv ausbreiten.

Wenn seine Gefühle verletzt sind, wenn er sich geschmeichelt fühlt und natürlich auch, wenn er jemand hasst, posaunt Trump das ungefiltert und unmittelbar hinaus.
Amerikanische Journalisten ziehen dann üblicherweise entrückt lächelnd die Augenbrauen hoch und sagen „that’s Trump. He cannot help himself“.
In Englisch klingt es wörtlich noch passender als das deutsche „er kann sich nicht zurückhalten“, weil er sich in diesem Fall tatsächlich nicht selbst dabei helfen kann sich vor einer schlimmen Blamage zu bewahren.

Die Affäre Omarosa Manigault Newmann (44) ist ein sehr gutes Beispiel dafür.
Dahinter verbirgt sich ein Trash-TV-Sternchen, welches drei Mal in Trumps Show „The Apprentice“ auftrat, drei Mal von ihm gefeuert wurde, aber sich so gut bei ihm einschleimte, daß er sie ein viertes mal engagierte – diesmal allerdings als bestbezahlteste White-House-Mitarbeiterin. Für 180.000 Dollar auf Steuerzahlerkosten bekam sie den Titel „Kommunikationsberaterin“.
Daß sie über keinerlei Qualifikationen für den Topjob verfügte, ist irrelevant, da auch niemand eine Aufgabenbeschreibung nennen kann und sie offenbar auch statt zu arbeiten, eher private Freunde im Weißen Haus empfing.
Nach einem Jahr des Nichtstuns feuerte Stabschef Kelly sie. Manigault Newmann ging anschließend direkt in den Big-Brother-Container, erzählte dort den anderen Trash-Kandidaten, Trump sei verrückt. Inzwischen ließ sie ein Buch schreiben und verkündete der staunenden Öffentlichkeit gelegentlich Gespräche im Situation Room des Weißen Hauses mitgeschnitten zu haben.
Das ist einerseits ungeheuerlich, denn dabei handelt es sich um den geheimsten und gesichertsten Raum der Welt, somit also um ein eklatantes Versagen Kellys. Niemals hätte ein TV- Sternchen dort Zutritt haben dürfen und schon gar nicht hätte sie elektronische Aufzeichnungsgeräte bei sich haben dürfen.
Andererseits zeigt Trumps radikale Lügerei, das sich ständig selbst Widersprechen, daß selbst seine treuesten Mitarbeiter – auch sein persönlicher Anwalt Michael Cohen zeichnete heimlich die Gespräche mit Trump auf  - geradezu gezwungen sind sich auf diese Weise abzusichern, da sie immer damit rechnen müssen von ihrem Chef morgen das Gegenteil des bisherigen zu hören.
„Omarosa“ wendet sich nun also gegen Trump.

[…..] In ihrem Denkzettel-Buch „Unhinged“, was so viel bedeutet wie „aus den Angeln gehoben“, beschreibt die aus Youngstown, Ohio, stammende Baptistenpredigerin Trump als unkon­trollierten „Rassisten, Eiferer und Frauenfeind“, dessen geistiger Zustand sich (möglicherweise „wegen zu viel Cola Light“) im Verfall befinde. Trump habe intern das Schimpfwort „Nigger“ für Afroamerikaner benutzt und seinem „Hass“ auf Vorgänger Barack Obama Ausdruck verliehen.
In ihrer Generalabrechnung beschreibt sie das Weiße Haus als Ort, „an dem jeder jeden belügt“. Über Vize-Präsident Mike Pence sagt sie: „Er sitzt seine Zeit ab, bis Trump zurücktritt oder des Amtes enthoben wird.“ Über First Lady Melania Trump: „Sie zählt jede Minute, bis ihr Ehemann aus dem Amt ist und sie sich scheiden lassen kann.“ Über die älteste Tochter und Beraterin Ivanka Trump: „Ich habe beobachtet, wie Trump sie umarmt, berührt und küsst – ich glaube, dass er seine Tochter begehrt.“ [….]

Trump ist wenig amüsiert. Wie üblich gilt nun „he cannot help himself“ und so schleuderte er eine ganze Kaskade von wüsten Beschimpfungen gegen seine ehemalige Mitarbeiterin ab.
Er kann nicht schweigen, er erklärt auch nicht wieso er die „vierfach Gefeuerte“ auch viermal persönlich einstellte, sondern reduziert die Arbeit in der Regierungszentrale der mächtigsten Nation der Erde auf eine Reality-show.

August 2018


August 2018

Natürlich kommt in Trumps Furor auch sein tiefsitzender Rassismus zu Tage – die schwarze Manigault Newmann ist für ihn „whacky, deranged, low-life and a dog“.
Dabei schreibt er „whacky“ natürlich falsch, nämlich ohne „h“: Wacky, nennt sie auch nur beim Vornamen.

[….] Im Streit mit seiner früheren Mitarbeiterin Omarosa Manigault Newman hat US-Präsident Donald Trump noch einmal nachgelegt. In einem Tweet bezeichnete er die 44-Jährige als "Hund", ohne sie beim Namen zu nennen. "Wenn man durchgedrehten, jammernden Abschaum verschonen will und ihm einen Job im Weißen Haus gibt, dann hat es wohl einfach nicht geklappt", schrieb Trump. Er lobte seinen Stabschef John Kelly dafür, dass er "diesen Hund" schnell gefeuert habe.
Eine afroamerikanische Frau als Tier zu schmähen, kommt nicht überall gut an - nicht einmal in Trumps eigenem politischen Lager. Jeff Flake, Senator aus Arizona, forderte seine Parteifreunde dazu auf, nicht einfach darüber hinwegzugehen, wie CNN berichtet. Diese Art der Sprache "ziemt sich nicht für einen Präsidenten der Vereinigten Staaten". [….]

Aber Trump offenbart in dieser Tweettirade auch Ehrlichkeit.
Man weiß nun was Manigault Newmann im Weißen Haus zu suchen hatte.
Sie hat so viele nette Sachen über Trump gesagt. Das reichte ihm als Kriterium.
Nun sagt sie böse Sachen über ihn und fällt in radikale Ungnade.
So einfach ist das bei Trump. So ehrlich kann er sein.

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