Sonntag, 6. März 2016

Crazy Horst droht und droht – Teil II

Daran haben wir uns inzwischen gewöhnt.
Der bayerische Hetzer Seehofer poltert derartig gegen die eigene Bundesregierung, daß er offenbar nicht im Geringsten ernst genommen wird.
Glaubte ihm Merkel auch nur eine der Attacken, müßte sie die CSU-Minister entlassen und die Fraktionsgemeinschaft mit den Bayern auflösen.

Seehofer ist aber im Berliner Politbetrieb sowas wie die einst wohlgelittene Tante, die bei Familienfesten gelegentlich bei Tisch in ihre Handtasche kackt oder Tourette-artig „FICKEN!“ ausruft. Schön ist es nicht, aber man ignoriert es, weil man weiß, daß sie leider so umnachtet ist, daß sie nichts dafür kann.

Immerhin, so viel Realitätsrestsinn gibt es doch noch bei Crazy Horst; er weiß offenbar, daß ihn in Deutschland niemand ernst nimmt.
Daher talibanisiert er nun die Außenpolitik der Bundesregierung, indem er beispielsweise zum Kuscheln zu Putin fährt, während dieser Aleppo platt macht.
Letzte Woche ging die Fummelei mit den Antidemokraten in Budapest weiter.

Horst Seehofer reist mit schwerem Gepäck, wieder einmal, doch er lässt sich nicht das Geringste anmerken. Lediglich eine Provokation von Angela Merkel sei dieser Besuch in Ungarn, dieser Vorwurf aus der Heimat begleitet den bayerischen Ministerpräsidenten am Freitag bei jedem Schritt. SPD-Chef Sigmar Gabriel wirft ihm sogar vor, er falle der Kanzlerin in den Rücken. Statt sie vor dem EU-Gipfel zu unterstützen, verbünde der CSU-Chef sich mit ihrem größten Gegner: mit Viktor Orbán, dem Enfant terrible der europäischen Flüchtlingspolitik. Und tatsächlich: Bei der Ankunft könnte man den Eindruck gewinnen, Seehofer fühle sich in Budapest wohler als in Berlin.
Orbán begrüßt Seehofer wie einen alten Freund. Sie schütteln sich lange die Hände, Seehofer klopft dem ungarischen Regierungschef zweimal anerkennend auf die Schulter. Dann entschwinden beide zum Vieraugen-Gespräch in den prächtigen ungarischen Regierungspalast. […]

Sicher, das Verbünden mit Faschisten, rechtsradikalen Diktatoren und Apartheid-Präsidenten hat eine lange Tradition in der CSU.

Besser macht es das aber nicht, denn Seehofer bereitet nicht nur der AfD den Boden, sondern er gehört damit auch zu den Verursachern von rechtsradikaler Gewalt in Deutschland.
Sein Kurs fällt natürlich auch in seiner eigenen Partei auf fruchtbaren Boden.

Auf kleinkommunaler Ebene pöbeln CSU-Funktionäre mindestens genauso extrem.
Beispiel Zorneding. Die oberbayerische 8921-Einwohner-Gemeinde (Landkreis Ebersberg) in der Nähe von München wird, natürlich, von einem CSU-Bürgermeister regiert, aber immerhin wählte dort jeder Fünfte grün; die CSU erreicht dort gerade mal die 40%-Marke.
Umso lauter agiert die Vorsitzende der Zornedinger CSU, Sylvia Boher.

[….]  In der aktuellen Ausgabe des von ihrem Ortsverband herausgegebenen Zorneding-Reports hetzt sie gegen Flüchtlinge, schimpft über die Hilfsbereitschaft vieler Deutscher und Politiker und sieht die Gefahr eines Gottesstaats. [….] Bohers Text ist voll von Pauschalisierungen zwischen "unseren Armen" und den fremden Asylbewerbern, denen alles in den Rachen geworfen werde. "Heute wird uns von den linksdominierten Medien weisgemacht, ein Militärdienstflüchtling aus Eritrea ist mit einem heimatvertriebenen Deutschen des Zweiten Weltkriegs gleichzusetzen???", schreibt sie. Als nach 1945 Heimatvertriebene nach Deutschland kamen, seien sie von der Bevölkerung - anders als heute - nicht mit Begeisterung empfangen worden, "kostenlose Verpflegung, Unterkunft und Taschengeld: Fehlanzeige! Integrationsbeauftragte: Fehlanzeige! Psychologen für die traumatisierten Vertriebenen: Fehlanzeige!"
Boher fragt: "Was würde Strauß dazu sagen, dass die von deutschen Staatsbürgern gewählten Volksvertreter auf allen Ebenen weit größere Solidarität mit Flüchtlingen aus aller Welt zeigen als mit den eigenen Bürgern?" [….] Es ist nicht das erste Mal, dass Sylvia Boher mit fragwürdigen Äußerungen auffällt: Bereits 1997 schimpfte sie über Flüchtlinge, die "sich auf Kosten der deutschen Beitragszahler die Zähne sanieren lassen oder Stammesfrisuren für viel Geld vom Sozialamt" bezahlt bekommen. Im Dezember 2011 äußerte sie sich abwertend gegenüber Zugezogenen "mit norddeutschem Akzent", die die "Baulandpreise für Einheimische ins Utopische wachsen lassen". [….]

Das sind meines Erachtens so extreme Töne, daß die anderen Parteien mit allen Mitteln dagegen vorgehen sollten.

Die Pfarrgemeinde St. Martin Zorneding wird von einem katholischen Priester geleitet, der das Wort „Nächstenliebe“ immerhin schon einmal gehört hat und daher gegen den Menschenhass aus der CSU predigt.

Das ist nicht gut für ihn. Denn erstens widerspricht man der CSU nicht und zweitens ist der Mann dunkelhäutig. Und mit „Negern“ hat die CSU bekanntlich sowieso ein Problem.

Ende des vergangenen Jahres war Zorneding in die Schlagzeilen geraten. Die ehemalige CSU-Ortsvorsitzende Boher hatte damals im örtlichen Partei-Mitteilungsblatt geschrieben, Bayern werde von Flüchtlingen regelrecht überrannt. Es handele sich um eine Invasion. Migranten aus dem afrikanischen Eritrea nannte sie Militärdienstflüchtlinge. Und CSU-Vize Johann Haindl bezeichnete Ndjimbi-Tshiende als "Neger", nachdem der Pfarrgemeinderat die Äußerungen Bohers missbilligt hatte.

Ndjimbi-Tshiende, am 18.03.1949 in Sintu (Demokratischer Republik Kongo) geboren hat auch so ganz andere Vorstellungen von der Gemeinde-Arbeit.
Das gefällt der CSU gar nicht:

 Meine Vision: eine Pfarrgemeinde auf der Grundlage von Gerechtigkeit, gegenseitigem Respekt und Geschwisterlichkeit nach dem „Wort Gottes“ in der Bibel; eine Kultur der Diskussion am Beispiel des afrikanischen Palaversystems (über alles kann man reden, Gegenseitige Positionen kann man zu einem Konsens bringen, wenn alle ehrlich sind; meine Spiritualität ist auf Christus zentriert, schließt aber die anderen nicht aus; meine Vorgehensweise nimmt immer zunächst das Wesentliche in Angriff nach der Wertehierarchie und bevorzugt die Qualität vor der Quantität. Lieber weniger reden, genau beobachten und immer klare Stellung nehmen. Alle, ob Klein, Jung, Alt, Familie, Alleinstehend, Arm oder Reich haben Platz in einer Pfarrgemeinde. Wo Menschen sind, entstehen auch Probleme, diese sind mit der Vernunft zu lösen, Emotionen lassen eher die Lage explodieren. Darum lieber darüber schlafen. Mein Leben ist ein Grund zum täglichen Feiern…

Ein „Neger“ in Bayern, der auch noch der CSU widerspricht?
So konnte das nicht weitergehen.

Die frommen Katholiken des Erzbistums München und Freising schickten dem Pfarrer aus Zorneding so lange Morddrohungen, bis er das Handtuch warf und ankündigte den Ort zu verlassen. Kardinal Marx akzeptierte den Rücktritt sofort und denkt gar nicht daran sich mal in Zorneding blicken zu lassen, um der CSU zu sagen, was er von Morddrohungen gegen einen seiner Pfarrer hält. Naja, ist halt „nur ein Neger“.

Zornedings katholischer Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende wird die Pfarrei Sankt Martin verlassen. Der gebürtige Kongolese, […] hat in den vergangenen Monaten fünf Morddrohungen erhalten, weil er sich klar gegen die rechtspopulistischen Äußerungen der ehemaligen CSU-Ortsvorsitzenden Sylvia Boher positioniert hatte. Auch Nachstellungen hatte er aus diesem Grund erfahren. […] Sein Rücktrittsgesuch wurde vom Erzbischöflichen Ordinariat München und Freising Anfang der vergangenen Woche angenommen, die Gremien der Pfarrei hat er am Freitag über seine Entscheidung in Kenntnis gesetzt. […]


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