Donnerstag, 13. Juli 2017

Lügen hilft.

Nach dem albernen Motto “Wer ist hier der härteste Hund?” gab TV-Lügner Wolfgang Bosbach, häufigster Talkshowgast aller Zeiten und Deutschlands Liebling gestern die Nina Hagen und lief angesichts der Kombination Maischberger/Ditfurh zeternd aus der laufenden Sendung.

TV-Profi Bosbach weiß wie man sich billig Sympathien erschleicht und so holte sich der eitle Dauerfernseh-Gast mit minimalem Aufwand die größtmögliche Wirkung.

[…..] Besonders billig machen es die Politiker, die nun nach „Bestrafung der Täter“ rufen.

Ein Glück, daß Polizei und Staatsanwaltschaften diese Idee nahe gebracht wird. Vermutlich wären sie von sich aus gar nicht auf die Idee bekommen, daß es irgendwie strafbar sein könnte Autos anzuzünden oder Polizisten mit Zwillen niederzuschießen.

Wolfgang Bosbach ist so einer, der sich billig Applaus abholt.

[….] In einem Interview mit „n-tv“ stellte Bosbach gleich klar, wer für ihn die Schuld an den Ausschreitungen trägt – und wer nicht: „Schuld sind die Chaoten und Kriminellen, nicht die Mehrzahl der friedlichen Demonstranten. [….] „Greift die Polizei hart durch, wird am nächsten Tag Polizeigewalt kritisiert. Ist die Polizei nicht an allen Orten zur gleichen Zeit, was sie gar nicht sein kann, wird sofort kritisiert, dass die Polizei nicht konsequent durchgegriffen hat. Man muss der Polizei jetzt den Rücken stärken!“, so Bosbach. [….]

Danke Bosbach! Endlich mal einer.
Die anderen Politiker fordern ja alle, daß man mit Strafen für Gewalttäter möglichst inkonsequent sein sollte. Daß Polizisten gegen Steinewerfer und Randalierer sehr nachsichtig zu behandeln wären. Alle anderen Politiker sind ja der Meinung es wäre richtig und wichtig mal einen Renault Twingo abzufackeln, um den Weltfrieden zu bewirken.
Bosbach ist für mich einer der ekelhaftesten Politiker, weil er immer wieder mit dieser „Man wird doch wohl noch sagen dürfen“-Emphase die größten Banalitäten von sich gibt, um sich beim Publikum anzubiedern.
Damit vergiftet er das politische Klima, indem er latent anderen unterstellt, sie hätten Sympathien für Kriminelle. (……)

Es funktioniert so gut! Bosbach wird heute in den Kommentarspalten gefeiert. Facebook und Twitter sind voll mit Bosbach-Lobeshymnen.

Die Herzen der Journaille fliegen Bosbach wieder zu, für alle eindeutig, erscheint Jutta Ditfurth als die böse „Provokateurin“.
Sandra Maischberger in ihrer ganzen Erbärmlichkeit sank sogar so tief, nach Bosbachs jämmerlicher Inszenierung auch Ditfurth aus der Sendung werfen zu wollen.
Nur eine Kleinigkeit wird nie erwähnt:
Ditfurth war im Recht und stellte die richtigen Fragen, Bosbach war der Lügner.

Bosbach hatte die Schanzenkrawalle gemütlich vom heimischen Sofa aus verfolgt, während Ditfurth eine Woche lang mittendrin war und Tag und Nacht vor Ort dokumentierte.
Daß eine Augenzeugin die Situation vor Ort möglicherweise besser beurteilen kann als der heilige Bosbach, kommt aber keinem TV-Redakteur in den Sinn.

Mit der Masche kommen CDU-Hardliner immer durch.

König der Dampfplauderer ist und bleibt aber Wolfgang Bosbach, der sich immer als aufrechter Kämpfer gegen Bevormundung inszeniert, der als einziger ehrlich seine Meinung sage.
Ihm ist es fast egal um welches Thema es geht, Hauptsache er kann sein Gesicht vor die Kameras bringen. Bosbach ist omnipräsent. Was Bosbach sagt, wird sofort weiterverbreitet.

Wolfgang Bosbach hat seinen Titel verteidigt. Im dritten Jahr hintereinander gelang es ihm, die Talkshow-Studios der Republik häufiger zu bespielen als jeder andere.

Bosbach, der gelernte Einzelhandelskaufmann betätigt sich als Verwaltungsratsmitglied des Kölner Eishockeyclubs „Die Haie“ e.V., sitzt als
Mitglied im Fernsehrat des ZDF, seit 9. März 2010 als Vertreter der CDU und Mitglied im Programmausschuss Programmdirektion und fungiert zudem als Juror bei der Wahl der Miss Germany.

Regierungsverantwortung trug der Berufspolitiker nie.
Er ist eher der Meckerer aus der zweiten Reihe, der aber drei Mal am Tag zur Presse rennt, um sich ins Gespräch zu bringen.
Das klappt besonders gut, wenn er sich konservativer als der Rest seiner Partei gibt.

Den doofen Griechen gönnte er nicht das Schwarze unter den Fingernägeln und biederte sich in schleimigster Weise bei den AfD-Sympathisanten an, indem er dem Affen Zucker gab und natürlich nicht richtig stellte, wo all das Geld tatsächlich hinging.
Zuletzt inszenierte er sich als Märtyrer, der sogar seine Karriere seinen Überzeugungen opfere.

Der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach legt sein Amt als Vorsitzender des Bundestagsinnenausschusses nieder. Sein Bundestagsmandat werde er aber behalten. Das teilte der Abgeordnete für den Rheinisch-Bergischen Kreis in Nordrhein-Westfalen am Donnerstag in Bergisch Gladbach mit.
Der CDU-Politiker hatte zuletzt wegen möglicher neuer Griechenland-Milliardenhilfen massive Kritik an seiner eigenen Partei geübt. Er hält das Haftungsrisiko für die Steuerzahler für zu hoch - denn dass Griechenland die Kredite pünktlich und vollständig zurückzahlt, glaubt er nicht.

Der Innenausschuss hat zwar gar nichts mit den EU-Hilfen zu tun und natürlich behielt Bosbach den Job, der das Geld einbringt – das Abgeordnetenmandat.
Aber der Urnenpöbel war begeistert von diesem angeblich so konsequenten Schritt.
Man feierte ihn. Die Hamburger Morgenpost bejubelte ihn als „ehrlichsten Politiker Deutschlands“ und rief alle anderen auf sich ein Beispiel an ihm zu nehmen.

Kein zweiter Politiker ohne Spitzenamt ist so beliebt wie der Ex-Karnevalsprinz aus Bergisch-Gladbach. Seine Talkshow-Auftritte sorgen regelmäßig für Top-Einschaltquoten.
Der Grund: Keiner spricht Klartext wie er, kaum einem anderen Politiker wird so viel Aufrichtigkeit und Unabhängigkeit zugeschrieben wie ihm. Dank Sätzen wie diesem – einem Klassiker im „WoBo“-Repertoire, den er gestern wiederholte: „Früher warst Du ein Rebell, wenn Du eine revolutionäre Bewegung angeführt hast, heute bist Du es schon, wenn du bei Deiner Meinung bleibst.“

Ja, Bosbach redet Klartext.
Er ist klar xenophob, will klar Ausländer loswerden und tritt klar gegen ein solidarisches Europa ein.
Das darf aber eben nicht mit Aufrichtigkeit oder gar Ehrlichkeit verwechselt werden.
Bosbach ist schlicht und ergreifend ein Lügner, der rechte Stimmungen anheizt.

Faktencheck der SPIEGEL-Dokumentation […]
 Kaum ein anderer Politiker ist so häufig in Talkshows zu sehen wie CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach. […]  Derzeit äußert Bosbach gern seine Meinung zum Thema Flüchtlinge. Deutschland leiste in "beispielloser Weise" Hilfe und komme "an die Grenzen der Belastbarkeit", behauptet er zum Beispiel. Vergangene Woche gab Bosbach bei einer Veranstaltung in Mönchengladbach zu bedenken, dass wir "nicht alle sozialen Probleme dieser Welt" lösen könnten. […]
FÜR UND WIDER […] Der Großteil geht nicht in die westlichen Industriestaaten, sondern in angrenzende Nachbarländer. Die mit Abstand meisten internationalen Flüchtlinge zählte die Uno Ende 2014 in der Türkei und in Pakistan, jeweils über 1,5 Millionen Menschen.
Teilt man die Summe der Flüchtlinge und Asylbewerber durch das Pro-Kopf-Einkommen eines Landes, rangiert Deutschland weltweit nur noch auf Platz 36. Ganz oben stehen Äthiopien, Pakistan und Uganda. […]
Dem Eindruck, dass Deutschland in "beispielloser Weise" Flüchtlingen Hilfe leisten muss, steht ein weiterer Vergleich entgegen. Dividiert man das in einem Jahr erwirtschaftete Bruttoinlandsprodukt eines Landes durch die Anzahl der anerkannten Flüchtlinge und der Asylbewerber, dann ergibt dies den Betrag, aus dem ein Land seine Kosten pro Schutz- und Hilfesuchenden bestreiten muss. Je kleiner die Summe, desto höher dürfte die jeweilige "Belastung" sein. Gemessen an diesem Indikator steht Deutschland auf Platz 73 von 161 hier erfassten Staaten. […]
FAZIT Der deutsche Staat leistet weder Hilfe "in beispielloser Weise", noch agiert er an den "Grenzen der Belastbarkeit". Deutschland ist daher natürlich nicht das "Weltsozialamt".

Bosbach erzählt gern das was dem Volk gefällt, bestätigt zu gern xenophobe oder antilinke Vorurteile.
Nur mit der Wahrheit hat das oft nichts zu tun.

So log Bosbach beispielsweise im Juni 2017 man könne Asylsuchende ohne Pass an der Grenze zurück schicken. Das ist falsch.

Im April 2017, kurz vor der NRW-Wahl log Bosbach im WDR das Risiko Opfer einer Straftat zu werden, wäre in NRW 70% höher als in Bayern.

[….] Bosbach ist beliebt wie eigentlich nur noch Günther Jauch. Könnten die Deutschen sich einen Kanzler backen, käme wohl ein Bosbach aus dem Ofen. Dabei wird er nicht müde zu betonen, wie schwer das ist, seinem Gewissen zu folgen oder, um es in Bosbachisch zu sagen: „als Kuh quer im Stall zu stehen.“ [….]

Im Februar 2015 log Bosbach, die linke griechische Regierung verlange keine Steuern von reichen Griechen und griechische Reeder zahlten gar nicht.

Bosbach, der unisono für sein Rückgrat bewundert wird, weil er der letzte ehrliche Politiker Deutschlands sei, funktioniert, weil die Deutschen doof sind un nicht bemerken wie er lügt, um rechte Stimmungen zu schüren.

Das Renteneintrittsalter in Griechenland liegt bei 56 Jahren im Gegensatz zu 64 Jahren in Deutschland.
 (Wolfgang Bosbach, 14.06.2015)
Fakt: Laut OECD liegt das durchschnittliche Renteneintrittsalter in Griechenland bei 61,9 Jahre für Männer und 60,3 Jahre für Frauen. In Deutschland gehen Männer mit 62,1 und Frauen mit 61,6 Jahren in Ruhestand. Im öffentlichen Sektor ist das durchschnittliche Renteneintrittsalter in Griechenland niedriger, da Personalabbau in den vergangenen Jahren oft über Frühverrentung abgewickelt wurde.

Richtig populär wurde Bosbach mit seiner Ablehnung der finanziellen Hilfen für die griechischen Geldgeber.

[…..] Der CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach hat angekündigt, dem zweitem Rettungspaket für Griechenland nicht zuzustimmen. „Wir marschieren weiter mit großen Schritten in Richtung Haftungsunion und gehen dabei zu Lasten künftiger Generationen Risiken ein, die ich für unvertretbar halte“, sagte der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses der „Passauer Neuen Presse“. […..]

Auch in diesem Fall band der CDU-Rechtsaußen unter dem Jubel der Wähler dem Volk einen braunen Bären auf.

In Wirklichkeit ist es genau andersrum.
Deutschland verdient sich eine goldene Nase an der „Griechenland-Rettung“, die in Wahrheit ein Bereicherungsprogramm für Deutschland und internationale Spekulanten ist.

Kredite und Anleihekäufe zu Gunsten Griechenlands bringen Deutschland jedes Jahr einen hohen Gewinn ein.
Insgesamt beläuft sich der Profit auf 1,34 Milliarden Euro.
Viele sind allerdings der Meinung, dass diese Erträge im Sinne echter Solidarität Griechenland zugute kommen sollten. […..]

 […..] Von der griechischen Krise profitieren nach wie vor auch expansionswillige deutsche Firmen: Sie erhalten Zugriff auf die - zur Zeit wenigen - Filetstücke griechischen Staatsbesitzes, die Athen auf Druck Berlins und der EU zur Schuldentilgung veräußern muss. Jüngstes Beispiel ist der Verkauf der Betriebsgesellschaft des Hafens von Thessaloniki: Am 24. April hat ein deutscher Investor gemeinsam mit einem französischen und einem griechischen Unternehmen den Zuschlag für die Übernahme von 67 Prozent der Gesellschaft erhalten. An dem 67-Prozent-Paket hält die Deutsche Invest Equity Partners (DIEP) mit 47 Prozent die Mehrheit, während die französische Terminal Link SAS sich mit 33 Prozent und die griechische Belterra Investments sich mit 20 Prozent begnügen. […..]
 Der Hafenbetreiber arbeitet rentabel; er sicherte dem griechischen Staat allein im ersten Halbjahr 2016 bei einem Umsatz von rund 21,2 Millionen Euro einen Gewinn von 5,5 Millionen Euro. […..]
Während deutsche Unternehmen bei Übernahmen in Griechenland regelmäßig mit schwerreichen Oligarchen kooperieren, gehört zu den deutschen Krisenprofiteuren auch der Discounter Lidl, der von dem armutsbedingt zunehmenden Zwang zum Kauf preisgünstiger Lebensmittel profitiert. […..]
Die hohe Arbeitslosigkeit, die grassierende Armut und mangelnde Lebensperspektiven treiben vor allem jüngere Menschen in Scharen aus dem Land. Nach aktuellen Angaben haben seit 2008 gut 450.000 Menschen Griechenland verlassen; viele sind, wie die bundeseigene Außenwirtschaftsagentur Germany Trade and Invest (GTAI) schreibt, "jung und gut ausgebildet" gewesen. […..]
Laut einer Studie, die im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums erstellt worden ist, arbeiteten bereits 2014 mehr als 3.000 griechische Ärztinnen und Ärzte in der Bundesrepublik. […..]
Massenauswanderung bestens ausgebildeter Personen [ist] für den griechischen Staat mit dem Verlust "besonders wertvollen Humankapitals" verbunden. Die Ausbildung von Hochqualifizierten koste viel Geld, konstatiert Gkolfinópoulos; sie werde dabei gewöhnlich "aus öffentlichen Mitteln" finanziert. Wanderten Hochqualifizierte nun aus, dann habe Griechenland eine Investition getätigt, deren Nutzen nun andere Länder genössen - so unter anderem die Bundesrepublik. Dass "Griechenland besonders medizinisches Personal ins Ausland verliert", sei ein harter "Schlag für den öffentlichen Haushalt, da die medizinische Ausbildung als die teuerste gilt". […..]

Aber wen interessieren schon Fakten, wenn man mit Bosbachs Lügen viel besser den eigenen braunen Vorurteilen frönen kann?