Samstag, 28. Oktober 2017

Fly-over-nation

Immer wenn ich mit meinen Ami-Verwandten telefoniere, fragen sie mich sehnsüchtig wann ich sie denn mal besuchen komme.
Möglicherweise liegt das nicht speziell an mir, sondern daran, daß Amerikaner generell freundliche, lockere Menschen sind.
Diesen herzlichen unverbindlichen Plauderton können sie wesentlich besser als Deutsche. Nach meinem Eindruck sind sie dabei auch geübter im Humor, machen mehr selbstironische Bemerkungen.
Als Reisemuffel mit ganz ganz leichten Vorbehalten gegenüber der amerikanischen Politik und Religiosität, zeige ich mich natürlich immer begeistert und dankbar für die Einladung, habe aber stets einen handfesten Grund zur Hand, weswegen das im Moment gerade nicht geht.
In dieser Beziehung ist Trump ein Glücksfall, denn nun habe ich eine perfekte Ausrede; sorry, aber ich will eine „America first“-Administration unter Trump nicht unterstützen, indem ich die Tourismusindustrie ankurbele und in den USA Geld ausgebe.
Für meine Urlaubsplanung gilt „America last!“ Das sind meine privaten Wirtschaftssanktionen, die zwar auch die Majorität der Amerikaner treffen, die Trump nicht gewählt hat, aber ich glaube, es hilft letztendlich der ganzen Nation, wenn die Trumponomics sich als gewaltiger Fehlgriff erweisen und es zu einer tiefen Rezession kommt. Denn nur so lernen die Hillbillies und Rednecks, daß man keine nationalistischen Rassisten wählen darf.
Na gut, allzu hart sind meine Privatsanktionen nicht, da ich ohnehin nicht nach Amerika geflogen wäre. Aber mein nächstes Notebook kommt nicht noch einmal von hp.

[…..] Eine Umfrage für das Tourismus-Fachmagazin FVW bestätigt diesen Trend. Danach verspürt jeder zweite Deutsche, der grundsätzlich an einer USA-Reise interessiert ist, wegen der Politik von US-Präsident Trump derzeit keine „sonderlich ausgeprägte Lust“ auf Nordamerika.
Das Magazin hat bei der GfK eine repräsentative Befragung in Auftrag gegeben: Bei 46 Prozent der USA-Reiseinteressierten hat sich demzufolge der Blick auf die Vereinigten Staaten durch die ersten Wochen der Präsidentschaft Trumps verändert. Sie würden derzeit nicht Urlaub in den USA machen, da sie sich unwillkommen fühlen oder die Politik von Donald Trump nicht durch Urlaubsreisen unterstützen wollen. [….]

[….] Die fetten Jahre für die US-Reisebranche scheinen erst einmal vorbei. Als Auslöser gilt nicht nur der starke Dollar, sondern auch die aggressive Politik. [….] Im vergangenen Jahr setzte die amerikanische Tourismusbranche mehr als 250 Milliarden Dollar mit Gästen aus anderen Ländern um. Die fetten Jahre sind jedoch, das prognostizieren mehrere Studien, erst einmal vorbei. Trump Slump nennen sie diese Entwicklung, den Trump-Durchhänger.
Das staatliche Bureau of Economic Analysis, das regelmäßig Daten zur volkswirtschaftlichen Entwicklung herausgibt, hat Anfang April errechnet, dass die Einnahmen durch ausländische Touristen in den drei Monaten nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten gegenüber den drei Monaten davor um 10,2 Prozent gesunken sind. Und das Marktforschungsinstitut Tourism Economics schätzt, dass in diesem Jahr 4,3 Millionen weniger Gäste in die USA reisen werden, im kommenden Jahr gar 6,3 Millionen. […]

 […..]  Im Land dieses Präsidenten? Seit Donald Trump vor fast einem Jahr die Wahl gewonnen hat, haben die Vereinigten Staaten für viele Bundesbürger dramatisch an Faszination verloren. Noch 2015 war die Zahl der deutschen USA-Besucher mit 2,3 Millionen auf einen neuen Rekordstand geklettert. Heute dagegen erscheint das einstige Traumziel manch Reisewilligem plötzlich als Heimstatt der Sonderlinge, der Hitzköpfe und Hinterwäldler.
[….] Schon 2016 war die Zahl der ausländischen Besucher wegen des anziehenden Dollar-Kurses merklich zurückgegangen. Mittlerweile scheint der Höhenflug der Währung gestoppt, der negative Tourismustrend aber hat sich in den ersten fünf Monaten dieses Jahres ungebremst fortgesetzt: Allein zwischen Januar und Mai kamen fast 840 000 ausländische Touristen weniger ins Land als im gleichen Vorjahreszeitraum. Rechnet man die Kanadier heraus, die sich als direkte Nachbarn gern vom Welttrend abkoppeln, liegt das Minus gar bei 1,2 Millionen oder 5,6 Prozent.
[….] Besonders dramatisch sind die Einbrüche bei Besuchern aus Russland, Brasilien, der Schweiz und Mexiko. Der Tourismus aus Afrika und Vorderasien ist wegen Trumps Einreisestopp und seiner Dauerkritik am Islam mit Rückgängen von bis zu 40 Prozent gar regelrecht kollabiert. [….] Verunsichert sind auch viele große Unternehmen, die in den USA Fabriken betreiben oder das Land als unersetzlichen Absatzmarkt betrachten. Ihre Direktinvestitionen lagen im ersten Vierteljahr um 44 Prozent, im zweiten gar um 54 Prozent unter den jeweiligen Vorjahreswerten.[…..]

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