Dienstag, 28. Oktober 2014

Was schert mich meine Meinung von gestern?


Wenn ich eins hasse, dann ist es diese NIMBY-Mentalität.
So kann unsere Gesellschaft nicht funktionieren, wenn jedes Projekt, das zum Wohle aller geplant wird, zu Fall gebracht wird, weil die nörgelnden Anwohner das verhindern. Deswegen lehne ich auch die plebiszitären Elemente, die immer mehr um sich greifen, rundweg ab. Plebiszite bedeuten Diktatur der Inkompetenz.
Viele Entscheidungen sind schon für die Volksvertreter, die sich professionell mit den Themen beschäftigen, sehr schwer zu fällen. Wie sollte das ausgerechnet dadurch besser werden, wenn man die all die Analphabeten, Ungebildeten und Doofen hinzuzieht? Gefängnisse, Pflegeheime, Bahnhöfe, Trinkerräume, Psychiatrien, Asylunterkünfte, Obdachlosenprojekte, Tierheime, KITAs und vieles mehr, werden nun einmal benötigt. Wenn man vorher die Nachbarn fragt, ob sie es schön finden, wenn derartiges neben ihnen gebaut wird, klappt gar nicht mehr.
Die großen deutschen Städte sind durchNIMBYsiert.
Die Berliner erklären in allen Umfragen, daß Wohnungsnot und steigenden Mieten die größten Probleme der Stadt wären. Wenn aber der Senat etwas dagegen unternehmen will, indem er bauen läßt, rotten sie sich empört zusammen und verhindern das Entstehen neuer Wohnungen.

In Hamburg hatten wir den ekelhaften Gucci-Protest der reichen Elbvorortler, die verhinderten, daß Kinder weniger reicher Eltern die gleichen Bildungschancen erhalten, obwohl CDU, SPD, Grüne und LINKE sich massiv dafür einsetzten.
Ganz besonders abscheulich ist gegenwärtig der von rechten Kommunalpolitikern gekaperte Protest gegen das Busbeschleunigungsprogramm des Hamburger Senats.

Natürlich sehe ich solche Volksabstimmungen weniger kritisch, wenn sie zufälligerweise so ausgehen, wie ich es mir wünsche.
Auch das kommt vor.
Zum Beispiel stoppte „ das Volk“ im August 2014 die von CDU, AFD und dubiosen Investoren geplante Seilbahn über Hamburg. Gut so!

Die Fronten und Mehrheitsverhältnisse waren dem Bericht zufolge schon vor der Abstimmung klar. Die CDU und die neu im Bezirksparlament vertretene AfD sind für die Seilbahn - die große Mehrheit mit 36 von 51 Stimmen dagegen. Die Einwände der Gegner: Die Seilbahn nütze nur dem Musicalbetreiber sowie dem Seilbahnhersteller und überlaste die jetzt schon stark beanspruchten Anwohner in den angrenzenden Vierteln. Zudem unterstellten die Grünen, Linken und Piraten der Initiative "Hamburger Seilbahn - Ich bin dafür!" im Auftrag der Investoren zu handeln.

Mit einem deutlichen Ergebnis von 63,4% Nein-Stimmen prallte der rechte Politblock diesmal an den Bürgern ab.

Besonders heikel sind bei Volksabstimmungen Groß- und Größtveranstaltungen.
Viele Jahrzehnte lang waren das klare Angelegenheiten.
Fast alle Bewohner einer Stadt freuten sich und fühlten sich geehrt, wenn bei ihnen Ballspielmeisterschaften oder Olympische Spiele stattfanden.
Die Wirtschaft profitierte, die Stadtväter standen werbewirksam im Rampenlicht und die Nation war stolz.

Inzwischen setzte aber beim Pöbel ein Erkenntnisprozess ein:
Das Bachsche IOC und die Blattersche FIFA werden nicht mehr als Hort der Moral anerkannt.
Statt edler Ziele rund um Frieden und Völkerverständigung, liegen nun Umweltschäden und explodierenden Kosten auf der Agenda.
Bei Sochi und Katar, munkelt man, könnte womöglich sogar Schmiergelder geflossen sein!
Mit einem unwilligen Volk muß man schon Putin heißen, um für 50 Milliarden Dollar zwei Wochen Schlittschuhlaufen und Buckelpistenspringen zu organisieren, ohne daß es Ärger gibt.

Mit 54% lehnten die Bayern 2013 eine Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2018 in Garmisch-Patenkirchen ab.

In Berlin und Hamburg will man sich nach jeweils grandios gescheiterten Bewerbungen nun erneut für die Sommerspiele 2024 bewerben.
Vor dem Hamburger Rathaus weht schon die Olympische Fahne.
Heute Morgen konnte man noch in den Hamburger Zeitungen lesen, der Deutsche Olympische Sportbund DOSB würde sich erst im Februar 2015 entscheiden – nach den Bürgerschaftswahlen in Hamburg und nach der Wahl des neuen Bürgermeisters Müller in Berlin.
Bürgermeister und DSOB haben die Hosen voll. Volksentscheide könnten die Bewerbung zu Fall bringen und eine enorme internationale Blamage verursachen.
Und das mit einem deutschen IOC-Präsidenten, der schon im Fall Oslo debakuliert hatte.

Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Der DOSB ging völlig überraschend heute in die Offensive.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wird sich mit Berlin oder Hamburg um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2024 und eventuell auch 2028 bewerben. Diese einstimmige Entscheidung teilte das DOSB-Präsidium nach seiner Sitzung am Dienstag in Neu-Isenburg mit. In den vergangenen Wochen hatte der Verband noch den Eindruck erweckt, zunächst die Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Anfang Dezember in Monaco abzuwarten und dann eine Entscheidung zu treffen.
Nun soll bereits auf der DOSB-Mitgliederversammlung am 6. Dezember in Dresden ein entsprechender Beschluss verfasst werden, sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann. "Wir sind fest davon überzeugt, dass es eine große Chance für die dann eine Stadt und für den gesamten deutschen Sport ist", fügte Hörmann an.
[…]  Die derzeit noch geringe Unterstützung in der Bevölkerung in Hamburg und Berlin wertete Hörmann nicht als Nachteil. Bei einer durch den deutschen Dachverband in Auftrag gegebenen Umfrage sprachen sich in Hamburg nur 53 Prozent der befragten Bürger für Olympische Spiele in der Hansestadt aus, in Berlin waren es sogar nur 48 Prozent, 49 Prozent waren dagegen. "Wir müssen für das Produkt werben und die Bürger überzeugen", erklärte Hörmann.

Dann mal los, liebe Olympia-Nimbys. In diesem Fall bin ich an Eurer Seite!


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