Samstag, 11. Oktober 2014

Dialektik, Rabulistik.


Schon Philipp Möller wies einmal daraufhin, daß Religionskritik unter anderem deshalb schwer wäre, da wir Menschen wie Bischof Huber staatlich eine rhetorische Ausbildung finanzierten – das Ganze nenne sich Theologiestudium.

Tatsächlich lassen sich auch Journalisten nur zu gerne vom Predigt-Singsang einlullen und fragen nicht mehr nach.
Bizarra Käßmann ist dafür ein gutes Beispiel; sie kann vor ganz großem Publikum hanebüchenen Schwachsinn von sich geben und dennoch applaudiert ihr die Masse frenetisch.

Ich habe dieses Phänomen selbst schon erlebt, als ich beispielsweise bei einer traditionellen evangelischen Hochzeit anwesend war. Ich war vorab informiert, daß der Pfaff das ganz große Brimborium auspacken würde. Er salbte die Braut und Bräutigam an diversen Körperstellen und orakelte von dem Übergang einer Liebe „in die Fleischlichkeit.“
Ich hörte genau zu und ließ mich nicht durch Pomp und Schmuck und Gesang und Gebete ablenken. Als das  Brautpaar an mir vorbei aus der Kirche schritt, war ich davon überzeugt soeben Zeuge des dümmsten und sinnleersten Geplappers aller Zeiten geworden zu sein und freute mich schon auf späteres Lästern mit anderen Hochzeitsgästen. Immerhin waren viele davon genauso ungläubig wie ich.
Aber weit gefehlt. Gerade die Kirchenfernen waren begeistert, scharten sich um den Pfaff und baten ihn sogar um sein Manuskript.
Ich dachte an Hermann Brochs „Massenwahntheorie.“
Die meisten Menschen sind empfänglich für Manipulationen, die offenbar in Gruppen noch besser funktionieren. Man denke an Illusionskünstler/Zauberer, die es verstehen Aufmerksamkeit auf bestimmte Dinge zu lenken und von anderen durch Worte/Gesten/Show ablenken.
Show ist immer hilfreich; daher verzichtet auch ein angeblich so bescheidener Papst Franz nicht auf Kostümierung, aufwändige Requisiten, bizarre Hüte, brennende Handtäschchen, Gesänge, Gemurmel und Choreographie.

Gerade die Aufmerksamkeit erregenden Aussagen führender Kirchenfürsten sind oft erstaunlich flach und nichtssagend, wenn man genau überlegt was sie eigentlich meinen könnten.

Das erleben wir just bei der sogenannten Familiensynode im Vatikan, bei der lauter ehelose, sexlose, beziehungslose, alte, grauhaarige Männer mit Kleiderfetisch zusammen hocken und beschließen was Milliarden Menschen zukünftig in ihrem Schlafzimmer machen dürfen.

Kardinal Marx macht seiner staatlich finanzierten Rhetorikausbildung Ehre, wenn er sagt:

 „Lehre der Kirche wird nicht verändert, aber sie entwickelt sich"

Hier kommt die Marxsche Dialektik zum Zug.
Wir ändern NICHTS aber wir ändern es doch.
Was soll das heißen?

Die unabänderlichen Regeln des Katechismus der Katholischen Kirche, KKK, sind niedergeschrieben.
Soll das weiterhin gelten oder nicht?
Marx, der Schwafler, macht sich mit über Radio Vatikan verbreiteten Statements wichtig, sagt aber nichts aus.
Darf man nun in Zukunft onanieren?
Darf man gar gleichgeschlechtlichen Sex haben? (Marx nennt Schwule „gescheiterte Persönlichkeiten“)
Die Antwort ist leicht:
Nein, man darf nicht.
Das ist im KKK eindeutig geregelt.

2351 Unkeuschheit ist ein ungeregelter Genuß der geschlechtlichen Lust oder ein ungeordnetes Verlangen nach ihr. Die Geschlechtslust ist dann ungeordnet, wenn sie um ihrer selbst willen angestrebt und dabei von ihrer inneren Hinordnung auf Weitergabe des Lebens und auf liebende Vereinigung losgelöst wird.
2352 Masturbation ist die absichtliche Erregung der Geschlechtsorgane, mit dem Ziel, geschlechtliche Lust hervorzurufen. „Tatsache ist, daß sowohl das kirchliche Lehramt in seiner langen und stets gleichbleibenden Überlieferung als auch das sittliche Empfinden der Gläubigen niemals gezögert haben, die Masturbation als eine in sich schwere ordnungswidrige Handlung zu brandmarken", weil „der frei gewollte Gebrauch der Geschlechtskraft, aus welchem Motiv er auch immer geschieht, außerhalb der normalen ehelichen Beziehungen seiner Zielsetzung wesentlich widerspricht". Der um ihrer selbst willen gesuchten geschlechtlichen Lust fehlt „die von der sittlichen Ordnung geforderte geschlechtliche Beziehung, jene nämlich, die den vollen Sinn gegenseitiger Hingabe als auch den einer wirklich humanen Zeugung in wirklicher Liebe realisiert" (CDF, Erkl. „Persona humana" 9). […]
2357 […] Gestützt auf die Heilige Schrift, die [Homosexualität] als schlimme Abirrung bezeichnet […], hat die kirchliche Überlieferung stets erklärt, „daß die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind".[…] Sie verstoßen gegen das natürliche Gesetz, denn die Weitergabe des Lebens bleibt beim Geschlechtsakt ausgeschlossen. Sie entspringen nicht einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem Fall zu billigen.
2358 [Homosexuellen] ist mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen. […] 2359 Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit gerufen. Durch die Tugenden der Selbstbeherrschung, die zur inneren Freiheit erziehen, können und sollen sie sich - vielleicht auch mit Hilfe einer selbstlosen Freundschaft -‚ durch das Gebet und die sakramentale Gnade Schritt um Schritt, aber entschieden der christlichen Vollkommenheit annähern.

Man soll also Schwule bemitleiden und selbstverständlich dürfen sie niemals Sex haben. Hier ist die katholische Lehre für 1,2 Milliarden Menschen absolut eindeutig.

Mit Dialektik versucht Marx die Schärfe hinaus zu nehmen, aber als echter M-Bischof geht auch er bald zu einer gewissen Rabulistik über.

Zur Frage der Akzeptanz homosexueller Paare von Seiten der Kirche - ein weiterer neuralgischer Punkt aus Sicht der Ortskirchen im Westen - sprach Kardinal Marx von einer gewissen Dynamik.
„Homosexuelle dürfen nicht ausgegrenzt werden. Und ich kann ja nicht sagen, dass in einer homosexuellen Beziehung, die über Jahrzehnte geht und treu gelebt wird, ich habe ja solche Leute erlebt – ich kann nicht sagen, das ist alles nichts! Nur weil es eine homosexuelle Beziehung ist. Das ist ein bisschen zu stark! Das sind Dinge, die wir genauer anschauen müssen. Einfach alles über einen Kamm scheren, das kann man nicht.“

Genau! Wenn Schwule JahrzehntE zusammen leben ist das schon ein bißchen was.
Wenn sie nur ein Jahrzehnt zusammen leben, ist das noch maximal ein ganz kleines bißchen.
Wenn Schwule ein der zwei Jahre zusammenleben sind sie so gut wie nichts.
Und jede Beziehung unter drei Monaten ist Abschaum.
Naja, und die Promisken ab in die Hölle - wie eh und je.

Der oberste Katholik Deutschlands, der in einem Millionen-Rokoko-Palais residiert und beim Papst ein und ausgeht, läßt sich dazu herab zu sagen, daß Homosexuelle, die wenigstens 100% dem konservativen Beziehungsbild entsprechen – also gläubig, monogam, langfristig gebunden – immerhin nicht nichts sind.

Ich darf daran erinnern, daß Marx‘ sechsstelliges Jahresgehalt auf Lebenszeit vom Steuerzahler aufgebracht wird und seine Kirche einen zweistelligen Milliardenbetrag vom Staat bekommt.

Sollen doch Katholiken gerne seinen Ansichten folgen.
Aber ich will das nicht und ich will ihn auch nicht mitfinanzieren!

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