Dienstag, 18. Dezember 2018

Jedes Jahr.

Was ist denn das mit den Weihnachtsmärkten dieses Jahr?

Natürlich nerven diese an jeder zweiten Straße aufgestellten ätzenden Bretterbuden mit penetranter ohrenkrebserregender Last-Christmas-Beschallung, debil blinkender Primitiv-Illuminierung und den olfaktorischen Attacken aus dem Bratfett des Grauens und säuerlich-abgestandener Glühwein-Gülle.

Heute Abend holte ich mir eine volle Stink-Dröhnung am Mühlenkamp, indem ich nur mit dem Auto durchfuhr und leider vergaß schnell genug das Fenster zu schließen, als mich eine rote Ampel zwang genau neben so einer Glühwein-Gebäck-Gebratenes-Wolke stehen zu bleiben.
Ein Mist, denn ich war gerade auf dem Weg zu einem Lebensmittelgroßeinkauf und nach so einer Wolke vergeht mir jeder Appetit.

Weihnachtsmärke sind grauenhaft; insbesondere für sozialphobische Misanthropen wie mich.
Und wer wäre kein Misanthrop angesichts der Vorstellung, daß Menschen sich freiwillig wie in einer Sardinenbüchse zwischen Autoabgasen zusammenpressen, um sehr billigen, Kopfschmerzfördernden extrem gesüßten Rotwein in Plastikbechern zu kippen? Kulturloses Pack. Heißer süßer Alkohol, der so grauenvoll gewürzt ist, daß die meisten aus Notwehr noch so viel Billig-Rum aus dem Aldi-Brick hinzukippen, daß die Geschmacksnerven absterben.

Extrem süßen Wein trinken eigentlich nur Teenager, die das erste mal trinken, weil sie den ungewohnten und damit irgendwie ekelhaften Alkoholgeschmack mit Zucker übertünchen müssen.
So habe ich auch angefangen. Heimlich mit 13. Asti Spumante und Matheus-Rosé im Bockbeutel.
Aber eigentlich begreift man nach wenigen Abenden wie abscheulich das ist und steigt auf trockenere, herbere Varianten um, bei denen man auch den Wein und nicht bloß Zuckerwasser schmeckt.
Als Erwachsener Glühwein zu trinken ist unentschuldbar. Und pervers.
Wer Glühwein trinkt, frisst auch kandierte Früchte und kippt ein Pfund Zucker in frischen Kaffee, mischt Bier mit Cola.

Ich gehe viel lieber morgen um 12.00 Uhr zu meinem Zahnarzttermin und lasse mir den 26d aufbohren als nur eine Minuten auf einem Weihnachtsmarkt zu verbringen.
Vielleicht hat jetzt der ein oder andere sensible Leser die Botschaft zwischen den Zeilen verstanden: Ich mag Weihnachtsmärkte nicht.

Normalerweise verliere ich darüber aber kein Wort, weil sie wie all anderen beschissenen Massenzusammenrottungen in unserer Event-Welt ohnehin nicht zu verhindern sind. Man muss sie wie schlechtes Wetter oder eine Grippe einfach hinnehmen. Da hilft nur, sie so weit wie möglich zu umgehen, sich fernzuhalten und sich zu Hause einzuigeln, wenn das Grauen wieder naht.
Die Eventisierung der modernen Gesellschaft halte ich ohnehin für die Geißel der modernen Menschen.

(….) Am schlimmsten ist es an der Außenalster; dort sind Spaziergänge am Tag fast unmöglich geworden, da Myriaden kläffender Hunde, abertausende Radfahrer und zudem ein unendlicher Pulk widerlich nach Schweiß stinkender Jogger normales Gehen unmöglich machen. Es ist vielmehr ein einziges Ausweichen, Spießrutenlaufen.
Zudem ist Hamburg, die 134. größte Stadt der Welt, dem Wahn verfallen unablässig irgendetwas zu veranstalten. Eine aberwitzige Eventisierung der gesamten Innenstadt hat sich durchgesetzt. Kein Wochenende, an dem nicht die Straßen gesperrt sind, weil Alstervergnügen, Schlagermove, CSD, Marathon, Cyclassics, Triathlon, Weinfest, Dom, Harleydays oder Motorradgottesdienste das Stadtbild in den immer gleichen lärmigen Klaumauk aus Bierbuden, Würstchen und Humpta-Musik verwandeln.
Einfach unerträglich. (….)

Die über 3000 Weihnachtsmärkte in Deutschland mit ihrem Multimilliardenumsatz sind einfach nur ein weiteres dieser immer gleichen Fressbuden-Events. Die gibt es jedes Jahr und sie sind immer gleich beschissen. Unkreativ, ökologische Katastrophen und der perfekte Absatzmarkt, um die angeschickerten Deppen dazu zu bringen billigen chinesischen Tand überteuert zu kaufen.
Ich wundere mich nur darüber, daß die Buden, in denen Bier und Würstchen unter das Volk gebracht werden, überhaupt noch zwischendurch abgebaut werden.
Was für ein Umstand.
Lasst die grässlichen Press-Pappe-Schuppen doch einfach das ganze Jahr stehen. Dann kann sich das zu bespaßende Volk zu jeder Zeit mit einem Handtuch einen Platz reservieren.

Statt aber diesen tumben Konsumzirkus einfach achselzuckend hinzunehmen – Menschen sind nun mal Idioten und mögen sowas – wird aber beklagt, daß es so ist wie es ist.

 [….]   Zum Beispiel, weil sie an fünf Tassen Glühwein bis zu 20 Euro verdienen, während ihr Einkaufspreis dafür rund 1,70 Euro beträgt.
Nicht viel anders ist es bei den Bratwürsten, Koteletts oder Champignonschälchen. Ein Essensbudenbetreiber auf einem großen Weihnachtsmarkt in Nordrhein-Westfalen spricht von "zehn Prozent", die die Kunden in den letzten Jahren mehr bei ihm ausgegeben hätten. [….]  Auf den meisten deutschen Weihnachtsmärkten gibt es einen vorherrschenden Trend: Krapfen statt Kunst. Masse statt Klasse. Kleinkunst wird rar, Glühwein und Fressbuden regieren die Städte. [….]  Nun trägt das Wort Weihnachtsmarkt den Kommerz ja schon im Namen. Doch in den vergangenen Jahren, so scheint es, haben sich die Märkte noch einmal die Kommerzkrone aufgesetzt. Während sich die Besucher mit Glühwein und fettigem Essen vollstopfen, müssen sich Kleinkünstler existenzielle Sorgen machen. [….]  Insgesamt verzeichnen die Weihnachtsmärkte ein starkes Wachstum. Die jüngsten erhobenen Daten gehen von jährlich 159 Millionen Besuchern aus, nach Schätzungen des Deutschen Schaustellerbundes hat sich ihre Zahl in den vergangenen 20 Jahren fast verdreifacht. [….]  "Man kann eine deutliche Eventisierung von Weihnachtsmärkten beobachten", sagt Gunther Hirschfelder, 57, Kulturanthropologe der Universität Regensburg, der seit 20 Jahren zum Thema Weihnachtsmarkt forscht.
Hirschfelder beobachtet eine Vervolksfestung der Weihnachtsmärkte, etwa durch zunehmende Kostümierung der Besucher mit Weihnachtsmützen oder Elchhaarreifen. Christliche Symbole dagegen sehe man immer seltener. Der Stern von Bethlehem wird immer öfter zur Schneeflocke. "Wir haben heute viel Markt, aber nur noch ganz wenig Weihnachten", sagt Hirschfelder. [….] 

Waaaaaaas? Weihnachten ist gar nicht mehr das besinnliche Familienfest, bei dem alle zusammen der Geburt Jesu gedenken und von Nächstenliebe durchströmt alle lieb zueinander sind?
Heutzutage wird damit Geld verdient? Ich bin schockiert. Auf die Idee wäre ich nie gekommen, daß nun sogar das heilige Christfest mit dem Konsumgedanken verseucht ist. Potzblitz.

Die larmoyanten Klagen über den Charakterverlust Weihnachtens sind fast noch unerträglicher als Weihnachten selbst.

Aber man kann es noch toppen.
Weihnachten wird zunehmend zum Kampfbegriff der Rechtsextremen und Verschwörungstheoretiker.

In den USA wird immer wieder – völlig wahrheitswidrig – behauptet, man dürfe nicht mehr „merry christmas“ wünschen, da säkulare Sozialisten damit das Christentum bekämpften.

Natürlich brüstet sich Trump damit dieses gar nicht existente Tabu zu brechen.


Seine unterbelichteten verschwörungstheoretischen Epigonen in Deutschland beklagen den Untergang ihrer Heimat, weil man durch „Merkels Umvolkungswahn“ gar keine Weihnachtsmärkte mehr besuchen könne, ohne sofort von Scharia-praktizierenden Islamisten kastriert zu werden.
Deutschland ist zwar so sicher wie seit 25 Jahren nicht mehr, aber was interessiert Hass-Fanatiker wie Trump oder Berger schon die Realität?

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