Dienstag, 19. Juli 2016

Mein Islam-Problem.

Gelegentlich wird mir vorgeworfen viel zu mild dem Islam gegenüber zu schreiben.
Stattdessen wäre ich überproportional auf das Christentum fixiert.

Nun, da ist etwas Wahres dran.
Ich äußere mich in der Tat vergleichsweise selten kritisch über den Islam, weil es „den Islam“ nicht gibt.
Natürlich gibt es auch sehr unterschiedliche christliche Konfessionen, aber Bibel-Exegese ist eine homogene Angelegenheit wenn man sie mit Korandeutungen vergleicht.
Promiske, drogenkonsumierende Rapper, unauffällige Hausfrauen, Kalifatskämpfer und säkulare Karrierefrauen, die Jeans und Bikini tragen verstehen sich allesamt als Muslime.
Der Islam hat sich in den letzten 1000 Jahren extrem heterogen entwickelt. Es gab das weltoffene, tolerante, wissenschaftsfördernde und homofreundliche Kalifat, die tolerante, integrierende Mauren-Herrschaft genauso wie Wahabiten, die das diametrale Gegenteil davon predigten.
Insbesondere gibt es aber in dem Islam keine allseits respektierten Führerfiguren wie Franziskus oder Kyrill.

Mit Schrecken erinnere ich mich an den völlig verblödeten EKD-Chef Bedford-Strohm, der mit seiner Forderung nach „flächendeckenden Islamunterricht“ eindrucksvoll seine gewaltigen Bildungslücken offenbarte.

(….) Selbst wenn man diesen naiven Denkansatz folgte, kommt man allerdings nicht weiter als bis zu Nasenspitze, denn Bedford-Strohm wurde offensichtlich bisher noch nicht mitgeteilt, daß es „den Islam“ gar nicht gibt.
Es gibt keinen Muslimischen Papst oder einen Sunnitischen Zentralratsvorsitzenden, der für den Islam spräche.
96% der Muslime in Deutschlands gehören überhaupt keinem Verband an, der Staat hat eben keinen adäquaten Ansprechpartner.
Es gibt an die vier Millionen Muslime in Deutschland und die größten Verbände sind der Zentralrat der Muslime in Deutschland e.V. (ZMD) mit rund 10.000 Mitgliedern und die aus Ankara gesteuerte Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e. V. (DİTİB), die wiederum rund 900 selbstständige Moschee-Vereine locker betreut.

Der EKD-Chef fordert hier also eine Abmachung mit einem nicht existenten Vertragspartner, die dazu führen soll, daß ebenfalls nicht existente deutsche islamische Theologen flächendeckend in Schulen eingesetzt werden.
So weit, so doof. (…..)

Ich schließe mich also auch deshalb nie den pauschal Islam-verurteilenden Statements nach IS-Anschlägen an, weil „der Islam damit wirklich nichts zu tun hat“ – und zwar in dem Sinne, daß es keinen allgemeinen Islam gibt.
Die türkischstämmige Muslimin, die in Köln als Lehrerin oder Polizistin arbeiten, hat tatsächlich keine Gemeinsamkeiten mit Omar Mateen oder Mohammed Atta.

Ganz offensichtlich sind die Erscheinungsformen des Islam eine Frage der Kultur.
Je ärmer und je ungebildeter, desto archaischer und radikaler das eigene Islambild.

Das ist aber gerade kein Islam-typischer Zusammenhang, sondern bei allen Religioten der Fall.
Je ungebildeter und dümmer der Christ, desto bösartiger und gewalttätiger seine Handlungen gegenüber Gynäkologen, Schwulen oder Ungläubigen.

Man mag einwenden, daß unter den islamischen Terroristen erstaunlich viele Ingenieure und Studenten sind, aber auch das ist typisch für alle Religionen und andere extremistische Ideologien:
Das radikale Fußvolk wird gerne von einzelnen „Führern“ gekapert, um bestimmte politische oder gesellschaftliche Ziele durchzusetzen.
Der Anführer kann ebenfalls verblödet sein, wie Lutz und Michele Bachmann, wie Trump oder Palin.
Das muß aber nicht sein. Führungsfiguren, die Hass-Ideologien und Religionen für ihre Zwecke benutzen, können auch selbst gebildet sein, wie beispielsweise Boris Johnson oder David Berger.
Das fiese Furienquartett aus Birgit Kelle, Hedwig Beverfoerde, Gabriele Kuby und Beatrix Storch ist in Wahrheit auch gebildeter als es die verbal ausgerülpsten Fäkalien ahnen lassen.
Sie sind aber nicht in erster Linie so destruktiv und antihumanistisch, weil sie alle Christinnen sind, sondern weil sie zufällig Arschlöcher sind.
Sicher half das Christentum so eine hohe Arschlochquote unter seinen Anhängern zu generieren, aber man darf nicht so weit gehen jedem einzelnen der zwei Milliarden Christen Boshaftigkeit wie Mixa, Kuby oder Haas zu attestieren.

Wenn man nun im Westen dazu übergeht pauschal „de Islam“ für alles Schlechte in der Welt verantwortlich zu machen – und dazu neigen leider auch meine Komplizen aus der linke und atheistischen Ecke – geht man Trixi Storch auf den Leim, die schon lange frohlockt im Anti-Islamismus „ein Knallerthema“ gefunden zu haben, um die AfD stark zu machen.
Man geht sogar allgemein der religiotischen Maxime „Wir sind besser als die“ auf den Leim, indem man den christlich-islamischen Antagonismus betont.
So spalterisch und verlogen agieren (nicht nur) deutsche Konservative gern:
Die (guten) christlich-jüdischen Werte versus die (schlechten) muslimischen Ansichten.
Indem jeder gegen den Islam in Stellung gebracht wird, erhöht sich automatisch der moralische Wert der „christlich-jüdischen“ Seite.
Dabei ist das natürlich blanker Unsinn.
Die meisten bundesrepublikanischen gesellschaftliche „Werte“ sind in Wahrheit gerade nicht unser „christlich-jüdisches Erbe“, sondern wurden gegen den erbitterten Widerstand der christlichen Kirchen langwierig durchgesetzt.


Über viele Jahrhunderte lebten Islamische Herrscher die weitaus moderneren und liberaleren Werte als Christen.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß ich gegenwärtig natürlich lieber in einem christlich geprägten Land lebe als in Saudi-Arabien oder Pakistan.
Obwohl man nicht vergessen sollte, daß ultrahomophobe und ultrafrauenfeindliche Staaten wie Uganda oder das südliche Nigeria christlich sind.


Ich lasse mich ungern gegen den Islam einspannen, da ich nicht das Spiel der rechten AfDler und Dunkelkatholiken mitmachen will, die auf diese Weise das Christentum groß machen wollen.
Man sollte alle Religionen gleichermaßen zurückdrängen.
Vielleicht ist das Judentum etwas sympathischer, weil dort nicht missioniert wird, aber die ultraultraorthodoxen Juden sind genauso gefährlich wie ihre Fanatikerkollegen unter Christen und Muslimen.

Man wird wenig Erfolg im Kampf gegen die Religionen haben, wenn man immer nur die Finger ausstreckt und auf die anderen zeigt, die noch schlimmer wären.
Man sollte vor seiner eigenen Haustür kehren.
Ich lebe in einer christlich geprägten Gesellschaft, regiert von einem Bundeskabinett, das zu 100% aus überzeugten Christen besteht,
Die christlichen Kirchen verfügen in Deutschland über gewaltige Privilegien und werden jedes Jahr mit Milliarden aus dem Steuersäckel überhäuft.
Daher sind die christlichen Kirchen auch diejenigen, auf die ich zuerst zeige, wenn ich Religion kritisiere.

In den letzten Monaten fällt mir aber eine Eigenschaft an „den Muslimen“ türkischer Abstammung auf, die mich rätseln läßt.
Kann es sein, daß es religiös bedingt ist, daß gerade Menschen türkischer Abstammung dazu neigen sehr schnell persönlich beleidigt zu sein, sich angegriffen fühlen und um ihre Ehre fürchten?
Oder ist das ein psychologisches Phänomen aller Menschengruppen, die wie die ehemaligen türkischen Gastarbeiter seit 50 Jahren diskriminiert und nicht voll anerkannt werden?
Vielleicht muß man etwas durch besonderen Stolz und Pflege seiner angestammten Kultur überkompensieren, wenn man in Schule und Beruf immer abfällig behandelt wird.

Was auch immer die Ursachen sind: Es ist mir schon sehr fremd, daß sich offenbar sogar eine große Mehrheit der in Deutschland lebenden Türken persönlich verletzt fühlt durch die Armenien-Resolution oder das Böhmermanngedicht.
Wer Erdogan beleidigt, beleidigt damit alle Türken?
Wer die Massaker an den türkischen Armeniern im Jahre 1915 Völkermord nennt, beleidigt im Jahr 2016 in Deutschland lebende Türken?

Um das klar zu stellen: Als im Exil lebender Amerikaner habe ich nicht das allergeringste dagegen, wenn amerikanische Präsidenten geschmäht und beleidigt werden, es stört mich auch nicht im Geringsten, wenn amerikanische Massaker wie in Vietnam oder auf den Philippinen, wie der Landraub an den „Native Americans“ oder die rassistische Internierung aller Japanisch stämmigen Amerikaner im zweiten Weltkrieg, wenn die Sklaverei mit den härtesten Worten verurteilt wird.

Ich fühle mich sogar immer noch partiell verantwortlich für diese Verbrechen – und zwar in dem Sinne, daß man sie eben nicht vergessen sollte.
Aber nichts davon könnte mich persönlich beleidigen.

Muß ich etwa dem konservativen stellvertretenden Abendblatt-Chefredakteur Iken in dieser Sache Recht geben?

Viele Muslime haben ein Problem mit der Selbstkritik – die aber gehört zu Deutschland.
[…] Die Junge Islam Konferenz [ist] kein reines Muslimtreffen. Als bundesweites Forum bietet sie religiösen und nicht religiösen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund eine Plattform für die "Debatte über die Rolle des Islam in Deutschland". Da sollte man ein paar kritische Fragen erwarten dürfen – zumal die Junge Islam Konferenz ein Projekt der Stiftung Mercator und der Berliner Humboldt-Universität ist.
Aber wer die Verlautbarungen betrachtet, findet eine selbstkritikfreie Zone. […] Einer Studie des Wissenschaftszentrums Berlin zufolge lehnen 13 Prozent der Christen in Europa Schwule ab, aber fast 60 Prozent der Muslime. […]


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