Sonntag, 10. Juli 2016

Russlandversteher - Teil II

Die Nato versündigt sich gerade an ihrer Ostseite.
Seit dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes hat die immer blutiger immer terrorhaltigere Welt gezeigt wie notwendig internationale Zusammenarbeit ist.
Die großen Konflikte und Krisen Afrikas, des Nahen Ostens, des Hindukuschs  lassen sich nicht im Alleingang einzelner Staaten befrieden.
Als sagenhaft kontraproduktiv, als millionenfach tödlich erwies sich insbesondere die Strategie der großen NATO-Staaten militärisch für Ordnung sorgen zu wollen.

Es ist eine bittere Kontinuität der Geschichte, daß Russland in den letzten 200 Jahren immer wieder aus dem Westen mit Krieg überzogen wurde; 1812, 1914-1918, 1941-1945; nie aber selbst den Westen angriff.
Dennoch streckte Russland immer wieder die Hand aus, wollte sich mit Westeuropa versöhnen.
Insbesondere Deutschland schlug dabei immer wieder die Türen zu.

Russland ist der Schlüssel zu den Lösungen vieler weltweiter Probleme.
Russland hat diplomatische Kontakte und Einflusssphären, die kein NATO-Staat aufweist,
 Russland ist groß, ist asiatisch, ist schlagkräftig, ist engagiert.

Die NATO setzt bei ihrem Gipfel voll auf Abschreckung. Sie will mit den Mitteln des 20. Jahrhunderts die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts bewältigen. […]  Die Kanzlerin kündigt an, den Verteidigungshaushalt aufzublähen, statt endlich die Zusagen an die Entwicklungspolitik zu erfüllen. Die Bundesregierung hält an den amerikanischen Atomwaffen in Deutschland und an den Modernisierungsplänen fest. Die amerikanische Raketenabwehr wird in eine NATO-Raketenabwehr überführt. Das wird nicht für mehr Sicherheit sorgen, sondern das Verhältnis zu Russland weiter verschlechtern. Stattdessen brauchen wir Entspannungspolitik. Das hat nichts mit Naivität zu tun. Gerade in schwierigen Zeiten ist Dialogfähigkeit die Grundvoraussetzung für eine kluge Interessenvertretung. Deshalb müssen wir bei allen notwendigen Rückversicherungsmaßnahmen an der NATO-Russland-Grundakte festhalten. Wir müssen den Raketenschild stoppen. Und wir müssen die Abrüstung und Rüstungskontrollen wiederbeleben. Nur auf der Basis und im Bündnis der NATO kann man Frieden und Sicherheit in Europa sichern. Alles andere ist Nostalgie. […]

[…] „Der NATO Gipfel in Warschau übertrifft selbst die schlimmsten Erwartungen der Friedensbewegung. Im Zentrum zwischen den Mitgliedsstaaten und geladenen Gästen die unter der Führung der USA gestaltet werden, steht die enge militärische Vernetzung der NATO mit der EU. Russland ist das Feindbild in den verschiedensten Varianten, die von der Bundesregierung angekündigte Dialogbereitschaft erweist sich als Bluff. […] „Als Schlussfolgerung aus dem Brexit, wird nicht Abrüstung und Friedfertigkeit der EU präsentiert, sondern die Beteiligung der EU an den Machtdemonstrationen der NATO. […]

Ausgerechnet in Warschau, der namensgebenden Stadt der zusammengebrochenen Gegenallianz zur NATO, beschließen die Nordatlantiker nun dem gerupften Russland weiter auf die Pelle zu rücken. Aufrüstung und Vorrücken an Russlands Grenzen lautet der neue NATO-Plan.
Nicht nur ein Friedensnobelpreisträger ist entsetzt.

Russland hat die Aufrüstungsbeschlüsse des NATO-Gipfels scharf kritisiert. "Die Allianz konzentriert ihre Kräfte darauf, eine nicht existierende Gefahr aus dem Osten einzudämmen", erklärte das Außenministerium in Moskau. Es hielt der NATO eine "Dämonisierung" Russlands vor. Der russische Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow warf dem Militärbündnis Kriegstreiberei vor.

Die Geschichtsvergessenheit der heutigen NATO ist gefährlich und konflikt-eskalierend.

[….] Heute ist die Bundeswehr Teil der Nato-Übungen in den osteuropäischen Mitgliedstaaten; zur Abschreckung gegen Russland. Selbstredend verbietet sich jeder Vergleich zwischen damals und heute, die Deutschen sind nun Teil eines Bündnisses freier Nationen und auf Wunsch der osteuropäischen Partner dort, die sich vor dem neuen russischen Nationalismus fürchten. Und doch ist der Mangel an historischer Sensibilität erstaunlich, dass ausgerechnet das Land der Invasoren von einst, statt Soldaten zu schicken, seine Rolle nicht deutlicher als Mittler zwischen dem Westen und Moskau versteht.
Vielleicht hat das noch immer damit zu tun, dass der Krieg des Deutschen Reiches gegen die Sowjetunion 1941 hierzulande in seinen apokalyptischen Dimensionen bis heute vielfach nicht ganz begriffen wurde. Mindestens 27 Millionen Menschen wurden auf sowjetischer Seite Opfer dieses Krieges. […]


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