Samstag, 16. November 2013

Der Christ des Tages Teil LXXVII


In den Augen der katholischen Kirche gibt es verzeihliche und unverzeihliche Sünden.

Wenn zum Beispiel ein Priester wie Pater Murphy mehrere Hundert Kinder vergewaltigt, wird das vom obersten Glaubenshüter der 1,2 Milliarden Katholiken als verzeihlich eingeschätzt. Murphy wird nicht etwa seines Amtes enthoben und darf in allen Ehren in seinem Pfaffenoutfit beerdigt werden.
Bei einem Paar, welches sich scheiden läßt, liegt hingegen eine sehr viel schwerere Sünde vor. Das kann die RKK nicht verzeihen und schließt beide für immer von der Kommunion aus.

Mit dem Hinweis auf die Dogmatik können Kirchisten erklären, weswegen Frauen niemals Priester werden dürfen, weswegen praktizierende Schwule in die Hölle kommen und warum Geschiedene Todsünder sind, die keine Kommunion mehr erhalten dürfen.
Wegen der unabänderlichen Werte Jesu verdammt die Kirche auch Zinsen und Banken, die sie erheben.

Die Apotheose der Dogmen sind gewissermaßen die sieben Sakramente (Taufe, Firmung, Eucharistie, Beichte, Krankensalbung, Priesterweihe, Ehe), also katholische Riten, bei denen Jesus direkt anwesend ist.
Wenn Gott einen Vertrag besiegelt, darf man logischerweise nicht irgendwann sagen „ist mir doch egal. Scheiß drauf“. Sakramente sind heilig und unauflösbar. Enttaufungen, Plaudereien aus dem Beichtstuhl oder Ehescheidungen kennt die RKK nicht. Wer geschieden ist, wird als Angestellter des Diakonischen Werkes gefeuert, weil man eine derartige Sittenlosigkeit als kirchlicher Arbeitgeber nicht dulden kann.

In den Sakramenten wirkt Jesus Christus selbst und handelt durch seine Kirche, so dass das Zweite Vatikanische Konzil auch die Kirche als Ganzes in analoger Weise als „das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit“ bezeichnet hat. Das Verständnis der Sakramente setzt den Glauben voraus, die Sakramente fördern und stärken aber zugleich auch den Glauben.

Die Kirche kann also Mord und Kinderficken ohne Probleme verzeihen, aber Ehebruch eben nicht. Die Ehe ist nämlich ein heiliges Sakrament. Sie zu brechen ist eine Sünde, von der man sich nicht reinwaschen kann.

Nur wer sich vorher von der Sünde gereinigt hat, darf die hohe Päpstliche Ehre der Kommunion empfangen.
Dabei wird nicht etwa nur eine Oblate in den Mund gestopft, sondern es handelt sich um einen extrem wichtigen Ritus, bei dem gemäß der Vatikanischen Transsubstantationslehre eine zuvor geweihte Hostie mit den Worten „HOC EST CORPUS MEUM“ (dt: das ist mein Leib, vulgo: Hokuspokus) das Fleisch von Jesus in eine Oblate umgewandelt wird, die man dann verspeisen soll.
Da man buchstäblich Jesus isst, kann natürlich nicht irgendein Sünder an einer Päpstlichen Kommunion teilnehmen.
Daher wurde am 22.September 2011 der deutsche Bundespräsident Christian Wulff, der so böse war sein Ehegelübde zu brechen vom Papst ausgeschlossen.
Er erhielt in der Hauptstadt Berlin keine Kommunion und Thierse fand es auch gut so.
Ratzinger muß da klar unterscheiden und gibt deswegen nur Staatschefs, die ihm nicht als so üble Sünder wie Wulff erscheinen, die Hostie.

Wulff hatte sich immerhin in eine andere Frau verliebt und das noch nicht mal heimlich, sondern er steht auch noch öffentlich zu der Kebse.

Moralisch nicht zu beanstanden ist für den Papst hingegen ein anderer Staatschef, nämlich der Präsident Simbabwes, Robert Mugabe, dem er am 01. Mai 2011 in Rom die Kommunion gewährte.
Mugabe, 87, Ministerpräsident 1980-1987 und seit 1987 Präsident des Landes ist natürlich nicht so sündig wie Christian Wulff.
Nun mögen die nörgelnden Gutmenschen darauf hinweisen, daß Mugabe ein grausamer Diktator ist, der so abartige Menschenrechtsverbrechen beging, daß sein Land aus dem Commonwealth ausgeschlossen wurde und ihm die Einreise in die EU verboten wurde.
Naja, er frönt einer gewissen Mordlust und hat Zehntausende Regierungsgegner umbringen lassen.
OK, er hat das Land völlig verelenden lassen, während er selbst in unfassbaren Luxus schwelgt.

Aber das ist doch Pipifax, denn für den Papst zählen die echten moralischen Werte und die sprechen eindeutig FÜR Mugabe und GEGEN Wulff.

Mugabe ist strenger Katholik, Jesuitenzögling und steht treu zu seiner Frau Grace, die schon mal an einem Tag 500.000 Dollar für Kaviar und Champagner ausgibt.

Nicht zu vergessen Mugabes Vatikan-gemäßer Umgang mit den Schwulen.
Würde Wulff je so klar handeln?

1991 eröffnete er eine Kampagne gegen Homosexualität, die „unnatürlich“ und „unafrikanisch“ sei. Homosexuelle – für Mugabe „minderwertiger als Schweine“ – können seitdem mit 10 Jahren Gefängnis bestraft werden. Mugabe begründete sein Vorgehen u. a. mit der Absicht, gegen Aids vorzugehen. Mugabes Vorgänger im Amt des Präsidenten Canaan Banana wurde wegen Homosexualität verurteilt und floh nach Südafrika, weil er um sein Leben fürchtete.
(Wikipedia)

Daher also ganz klar Kommunion für Mugabe JA, für Wulff NEIN.

Der Christ des Tages, Pfarrer Werner Kraus, weiß auch zwischen kleinen und großen Sünden zu unterscheiden.
Pfarrer Kraus aus Zirndorf war übergangsweise Katholischer Fürther Dekan und ist dort nun Stellvertreter von Dekan André Hermany, Pfarrer von Cadolzburg, den der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick 2011 in dieses Amt einsetzte.
Kraus, bzw nun Hermany ist damit oberster Repräsentant von mehr als 55000 Katholiken des Erzbistums.
Zum Dekanat Fürth gehören 14 Pfarreien und die des Christen des Tages Nr. 77, St. Josef der Arbeiter, Zirndorf, ist mit einer aktiven Katholikenzahl von 6180 die Zweitgrößte.


Kraus, der kürzlich sein 25-Jähriges Dienstjubiläum feierte ist in der Gemeinde sehr aktiv – insbesondere beim Geldeintreiben. Die Kirchensteuer erscheint ihm deutlich zu niedrig und so fordert er auf der Internetseite seiner Pfarrei ein zusätzliches „Kirchgeld“  von jedem Gläubigen.

Hören Sie unsere Bitte!
Sie haben folgende Möglichkeiten, das Kirchgeld zu bezahlen:
    Überweisung auf das Konto der Kirchenstiftung Kto. 27656 bei der Sparkasse Fürth, BLZ 76250000
    Barzahlung im Pfarrbüro
    Umschlag mit Ihrem Namen und Ihrer Anschrift und dem Vermerk Kirchgeld im Kollektenkörbchen legen. [….]
Ich danke schon im Voraus für jede Gabe.
Werner Kraus, Pfarrer
(st-josef-zirndorf.de)

Daß St. Joseph etwas teurer ist, sollte die Schäfchen nicht stören. Dafür genießen sie auch einen Pfarrer mit einem festen moralischen Kompass.
Als er einst einen Messdiener dabei erwischte, wie dieser eine „BRAVO“ las, gab Kraus sofort den Mixa und schlug zu.

Der Geistliche ohrfeigte im Schwimmbad, in aller Öffentlichkeit also, einen minderjährigen Schüler, weil der in der (sündigen?) „Bravo“ geblättert hatte. Nicht nur in Zirndorf brach ein Sturm der Entrüstung aus.

Wenn es nicht um Großsünden wie kleine lesende Jungs geht, ist Pfarrer Kraus durchaus gnädig.
Insbesondere seinem frommen Glaubensvorbild, dem bescheidenen Bischof Tebartz-van-Elst, begegnet er nur mit Wohlwollen.
Da ist der Christ des Tages Nummer LXXVII keine Ausnahme; die konservativen Hirten scharen sich um Deutschlands besten Oberhirten.
Nur weil einer lügt, betrügt, diffamiert und prasst, haben die einfachen Gläubigen, die das bezahlen müssen, noch lange kein Recht das Maul aufzumachen!

Die Finanzaffäre um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat beim Landeskomitee der Katholiken in Bayern einen heftigen Streit ausgelöst. Der Vorsitzende Albert Schmid musste sich am Samstag bei der Herbstvollversammlung des Komitees in Neumarkt dafür verantworten, dass er den umstrittenen Bischof stets verteidigt hat. [….] Schmid [hatte] gesagt, sein Beistand für Tebartz-van Elst sei von ihm als Privatperson ausgegangen. „Ich bin ein Mensch, der gerne hilft, wenn er darum gebeten wird.“ Er sei auch als Experte für Kirchenrecht gefragt gewesen. Mehrfach hatte sich Schmid mit dem Bischof in Regensburg getroffen. Die Diskussion um den Fall Limburg hatte er als völlig unangemessen bezeichnet und von einer Vorverurteilung gesprochen.
[….] Der Limburger Bischof verbringt seine vom Vatikan verordnete Auszeit derzeit in der Benediktinerabtei im niederbayerischen Metten. „Es ist eine massive Belastung für den Bischof“, sagte Schmid, der Tebartz-van Elst in den vergangenen Tagen in Regensburg getroffen hatte.

Auch Kraus setzte sich in seiner Predigt für den armen, bescheidenen TVE ein.
Allerdings wagten es zwei mindere Weibsbilder im Publikum zu widersprechen. So ein undankbares Pack.
Der Christ des Tages brach daraufhin den Gottesdienst ab.
Wo kämen wir dahin, wenn Gläubige auf einmal eine eigene Meinung haben und nicht mehr still und gehorsam „Ja und Amen“ sagen?

In der katholischen Kirchengemeinde St. Josef in Zirndorf (Kreis Fürth) fliegen seit Jahren die Fetzen. Pfarrer Werner Kraus ist es, der mit für einen Geistlichen eher unüblichen Vorgehensweisen und sehr direkter Wortwahl immer wieder für Aufregung unter den Gläubigen sorgt. Zur Zeit ist die Tuschel-Frequenz an den Wirtshaustischen wieder besonders hoch.
Der geistliche Würdenträger hat einen Gottesdienst kurzerhand abgebrochen, weil Gottesdienstbesucher seine Predigt mit Zwischenrufen gestört haben. Die Frage, die in Zirndorf jetzt heftig diskutiert wird: War diese Reaktion des Pfarrers angemessen?
„Ich war innerlich so aufgewühlt, dass ich den Gottesdienst nicht mehr fortführen konnte“, beschreibt Pfarrer Kraus seinen Gemütszustand, als es zu dem Eklat kam.
Gerade eben hatte er mit seiner Predigt zum Thema „Vergebung“ begonnen und in diesem Zusammenhang gleich den Namen des Limburger „Skandal“-Bischofs Tebartz-van Elst erwähnt. Die Reaktion darauf war nach den Schilderungen des Geistlichen zunächst der lautstarke Zwischenruf („Unmöglich!“) einer Gottesdienstbesucherin, dann hätte sich auch noch eine zweite Frau eingeschaltet.
Um die bereits ausgebrochene Debatte in der Kirche zu unterbinden, habe er den Gottesdienst kurzerhand abgebrochen, erklärte Kraus.



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