Freitag, 8. Mai 2015

Nach Merkel die Sintflut.


Bei Merkels ureigener Affäre, die sich um die ungeheuerlich schludrigen Zustände in ihrem Kanzleramt dreht, verfällt sie sofort in ihr Erfolgsmuster:
Sie stiehlt sich davon, tut so, als ob sie überhaupt nichts mit der Regierung zu tun habe und gibt lediglich völlig inhaltslose Satzhülsen von sich.
Das muss man ihr lassen: Sie hat das Phrasendreschen zur Perfektion gebracht.


Man kann es ihr noch nicht mal richtig übel nehmen. Denn immerhin ist diese Methode machtpolitisch extrem erfolgreich. Für politisch Interessierte ist der Merkel-Stil ungefähr so befriedigend wie ein schlimmer Niesreiz ohne Niesen, aber da sich die Kanzlerin selbst nicht die Bohne für Politik zu interessieren scheint, kann ihr das egal sein.
Einen Vorwurf kann man nur dem deutschen Urnenpöbel machen, der sich bereitwillig von diesem Nonsens einlullen lässt und Merkel manisch immer wieder wählt.

Merkel erinnert an die sich ausbreitenden Flächen des „Nichts“, die in Michael Endes „Phantásien“ alles Umliegende verschlingen.

     Bei uns im Moder-Moor, fuhr das Irrlicht stockend fort, ist etwas geschehen - etwas Unbegreifliches - das heißt, es geschieht eigentlich immer noch - es ist schwer zu beschreiben - es begann damit, daß - also im Osten unseres Landes gibt es einen See - oder vielmehr, es gab ihn - er hieß Brodelbrüh. Und es begann also damit, daß der See Brodelbrüh eines Tages nicht mehr da war - einfach weg, versteht ihr?

      Wollen Sie sagen, erkundigte sich Ückück, er sei ausgetrocknet?

      Nein, versetzte das Irrlicht, dann wäre eben dort jetzt ein ausgetrockneter See. Aber das ist nicht der Fall. Dort, wo der See war, ist jetzt gar nichts mehr - einfach gar nichts, versteht ihr?

      Ein Loch? grunzte der Felsenbeißer.

      Nein, auch kein Loch, - das Irrlicht wirkte zusehends hilfloser - ein Loch ist ja irgendetwas. Aber dort ist nichts.

      Die drei anderen Boten wechselten Blicke miteinander.

      Wie sieht denn das aus - huhu - dieses Nichts? fragte der Nachtalb.

      Das ist es ja gerade, was so schwer zu beschreiben ist, versicherte das Irrlicht unglücklich. Es sieht eigentlich gar nicht aus. Es ist - es ist wie - ach, es gibt kein Wort dafür!

      Es ist, fiel der Winzling ein, als ob man blind wäre, wenn man auf die Stelle schaut, nicht wahr?

      Das Irrlicht starrte ihn mit offenem Mund an.

      Das ist der richtige Ausdruck! rief es. Aber woher - ich meine, wieso - oder kennt ihr auch dieses -?

      Augenblick! knarrte der Felsenbeißer dazwischen. Ist es bei der einen Stelle geblieben, sag?

      Zunächst ja, erklärte das Irrlicht, das heißt, die Stelle wurde nach und nach immer größer. Irgendwie fehlte immer mehr von der Gegend. Die Ur-Unke Umpf, die mit ihrem Volk im Brodelbrüh-See lebte, war dann auch plötzlich einfach weg. Andere Einwohner begannen zu fliehen. Aber nach und nach fing es auch an anderen Stellen im Moder-Moor an. Manchmal war es anfangs nur ganz klein, ein Nichts, so groß wie ein Sumpfhuhn-Ei. Aber diese Stellen machten sich breit. Wenn jemand aus Versehen mit dem Fuß hineintrat, dann war auch der Fuß weg - oder die Hand - oder was eben sonst hineingeraten war. Es tut übrigens nicht weh - nur daß dem Betreffenden dann eben plötzlich ein Stück fehlt. Manche haben sich sogar absichtlich hineinfallen lassen, wenn sie dem Nichts zu nahe gekommen sind. Es übt eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus, die umso stärker wird, je größer die Stelle ist. Niemand von uns konnte sich erklären, was diese schreckliche Sache sein konnte, woher sie kam und was man dagegen tun sollte. Und da es von selbst nicht wieder verschwand, sondern sich immer mehr ausbreitete, wurde schließlich beschlossen, einen Boten zur Kindlichen Kaiserin zu senden, um sie um Rat und Hilfe zu bitten.
(Michael Ende: Die unendliche Geschichte 1979)

Genauso verschlingt Merkel als inhaltliches Nichts ihre Koalitionspartner und insbesondere ihre Vizekanzler.
Niko Fried nannte es in der gestrigen SZ „die Entfremdung“ von allen ihren bisherigen fünf Vizekanzlern.

Kanzlerin Merkel in der BND-Affäre: Schweigen und strahlen
[…]  Und wie es Angela Merkels Art ist, schweigt sie nun öffentlich über Gabriels Verhalten hinweg, getreu der Erfahrung, dass ihr Licht in umso hellerem Glanz erstrahlt, je höher sie über jeglichen Streitereien zu stehen scheint.
[…] Das Verhältnis der Kanzlerin zu ihren Stellvertretern ist der entscheidende Nukleus in allen drei Koalitionen gewesen, die Merkel bislang geführt hat, zumal, wenn die Vizekanzler auch Parteivorsitzende waren. […] Franz Müntefering fühlte sich von Merkel hintergangen, weil sie in der Union Bestrebungen keinen Riegel vorschob, rot-grüne Reformen zurückzudrehen.  Mit Frank-Walter Steinmeier gab es in der Außenpolitik sowieso dauernd Differenzen, vorneweg in der Russland-Politik. An Guido Westerwelle irritierte Merkel alsbald, dass ein politisches Talent wie er nie in ganzer Länge den Schritt vom Oppositions- zum Regierungspolitiker schaffte. Und das Verhältnis zu Philipp Rösler war nicht erschüttert, weil er Joachim Gauck als Bundespräsidenten gegen Merkel durchsetzte, sondern erst als er diesen Triumph zu genüsslich auskostete. […]

Weiter führt der SZ-Kommentator aus, das Aneinanderrasseln mit Gabriel könne für Merkel gefährlicher werden, da der Anlass des Streites diesmal aus dem Nukleus des Kanzleramt komme und daher an ihr kleben bleibe.

Schwer zu beurteilen, aber ich will an dieser Stelle mal einen Blick auf Merkels andere Vizes werfen.
Die Menschen, die ihr als Vize-Vorsitzende der CDU dienten.

2000 hießen Merkels Vizeparteivorsitzende     Volker Rühe, Jürgen Rüttgers, Annette Schavan, Christian Wulff.

2002, 2004: Christoph Böhr, Jürgen Rüttgers, Annette Schavan, Christian Wulff

2006, 2008: Roland Koch, Jürgen Rüttgers, Annette Schavan, Christian Wulff

2010: Volker Bouffier, Ursula von der Leyen, Norbert Röttgen, Annette Schavan

2012: Volker Bouffier, Julia Klöckner, Ursula von der Leyen, Armin Laschet, Thomas Strobl

Das Polit-Nichts Merkel schrumpft also nicht nur ihre Koalitionspartner bis zur Unkenntlichkeit, sondern saugt auch ihren Parteistellvertretern die Existenz aus.
In den 15 Jahren ihres Vorsitzes sind alle Vizes de facto verschlissen, vergessen oder der Lächerlichkeit preisgegeben worden.

Gegenwärtig dienen der Vorsitzenden fünf Sockenpuppen als Vizes: Volker Bouffier, Julia Klöckner, Armin Laschet, Dr. Ursula von der Leyen und Thomas Strobl.
Bundespolitisches Format hat eindeutig nur von der Leyen und die gewohnheitsmäßige Lügnerin versinkt in gewaltigen Affären.
Die vier anderen sind alles lediglich Landeslichter, von denen auch noch drei Opposition sind und keinerlei Amt in die Waagschale werfen.

Als SPD-Mitglied sehe ich die Sache nüchtern: Sollte Merkel im Jahr 2017 Lust verspüren noch einmal zur Bundestagswahl anzutreten, wird sie auch gewählt werden. Der Urnenpöbel kann gar nicht anders. Das ist pawlowsch antrainiert, sobald ihr Name auf einem Wahlzettel erscheint.

Aber die CDU hat keinen einzigen/ keine einzige Papabile.
Den gesamten CDU-Nachwuchs hat sie systematisch verdorren lassen. Gerade die Jüngeren auf dem Sprung in den Zenit der Macht wurden alle aus der Politik getrieben: Dafür stehen Hildegard Müller und Ecki von Klaeden.

Und nun erscheinen solche Umfragen.


Gysi, seit 25 in der ersten Reihe der Bundespolitik ist jetzt bei den Deutschen beliebter als von der Leyen, de Maizière oder Seehofer.
Gut gemacht, Frau Merkel!
Ihre potentiellen CDU-Kanzlernachfolger allesamt unbeliebter als der Mann, den die CDU seit 25 Jahren als Stasi, SED-PDS oder Kommunisten beschimpft!
Diejenigen, die ihn über zweieinhalb Dekaden vom Konrad-Adenauer-Haus aus verdammten sind alle ins Nichts geplumpst.