Sonntag, 25. März 2018

Was zu Deutschland gehört

Wie ich einige Internet-Memes hasse.


Blöde Frage.
Nach dem türkischen Verfassungsreferendum haben die dortigen demokratischen Regeln nichts mit dem GG in Deutschland zu tun.
Außerdem finde ich es völlig idiotisch unsere Auffassung von Freiheit ausgerechnet von autokratischen Regimen abhängig zu machen.
Wir sollten und dürfen unser Verständnis von Religionsfreiheit natürlich NICHT an Ländern mit kaum oder gar keiner Religionsfreiheit orientieren.
Was für ein kapitaler Unsinn, sich einerseits über vermeidlich unterentwickeltere, autoritäre und unfreiere Nationen zu empören und im selben Atemzug ihr Beispiel als Blaupause für unsere Regeln anzupreisen.
Natürlich gibt es keine Religionsfreiheit in Saudi Arabien oder im Jemen. Und gerade weil dort das Christentum unterdrückt wird, unterdrücken wir bei uns eben nicht muslimische Gläubige. Wir imitieren nicht das Scharia-Recht Riads, sondern setzen ein anderes Beispiel: Frei und pluralistisch.

So einen Mist sehe ich seit Tagen und dann wird gegen Merkel gehetzt, die den Islam in Deutschland etabliere.
Seit Jahrzehnten nörgele ich an Frau Merkel herum, halte sie für eine ganz schlechte und schädliche Kanzlerin.
Aber um sie in Grund und Boden zu kritisieren, muss man nicht frei erfundenen Dumfug verbreiten.
Merkel ist Christin und fördert das Christentum viel zu sehr, sie löst den Verfassungsauftrag zur Ablösung der Staatsleistungen an die Kirche nicht ein.
Seit nunmehr 99 Jahren verhalten sich deutsche Regierungen verfassungswidrig stark kirchenfreundlich.

[….] Trotz allerhöchster Staatsverschuldung verstößt die Politik gegen das seit 90 (!) Jahren bestehende Verfassungsgebot (Artikel 138 Weimarer Reichsverfassung in Verbindung mit Grundgesetz-Artikel 140), die Staatsleistungen etwa für die Besoldung von Bischöfen abzulösen, die den Kirchen für Enteignungen im Jahr 1803 (!) zugesprochen wurden. Die mangelnde weltanschaulich-religiöse Neutralität des Staats zeigt sich besonders deutlich darin, dass das Bundesverfassungsgericht zwar die ebenfalls 90 Jahre alte Verfassungsklausel über den Schutz des Sonntags zugunsten der Kirchen anwendet, während der Artikel zulasten der Kirchen von den Verfassungsorganen bewusst negiert wird. [….]

Merkel fördert also nicht etwa die muslimischen Gläubigen, sondern sie fördert das Christentum viel zu sehr.

Deutschland ist immer noch ein Verfassungsstaat, der Religionsfreiheit, also auch Freiheit von Religion garantiert.
Offensichtlich ist es nicht ideal, wenn ein Nicht-Jurist wie Horst Seehofer laienhaft das Amt des Verfassungsministers ausübt.
In allen Satiresendungen wird darüber gelacht wie sich Horst Seehofer bei der Vorstellungen seiner neuen Aufgabe versprach und sagte, er leite das „Heimatmuseum“ statt „Heimatministerium“.


Das ist durchaus lustig, weil Crazy Horst damit freudsch zugab was für einen populistischen Unsinn er anzettelt und wie erbärmlich er der AfD hinterher läuft.

Viel schlimmer ist aber, daß sich Opa Horst offensichtlich auch für einen Religionsminister hält, wenn er die Realität negierend Gauland und Höcke den Hintern küsst, indem er den Islam als nicht zu Deutschland zugehörig verdammt.

Es gibt in Deutschland aber keinen Religionsminister, die Verfassung verbietet das sogar.
Und insbesondere will niemand einen Religionsminister haben.

Dank der AfD-Sprachrohre Spahn, Dobrindt, Lindner und Seehofer betreiben die Top-Bundespolitiker mal wieder Doping für die politisch ganz Rechten.

[……] Die 2172. Debatte über den Islam
[……] Die Debatte hilft in ihrer ewigen Wiederholung niemandem weiter – höchstens ein paar Politikern und Journalisten, die ihre eigenen Positionen praktischerweise recyceln und sich damit auf Twitter, Facebook und in anderen Schnatterforen wichtig machen können. Die Debatte ist sogar kontraproduktiv, weil sie so wunderbar missverstanden werden kann. Gehört der Islam zu Deutschland, sehen Verschwörungstheoretiker darin den Beweis für den heimlichen Umbau des Landes. Gehört er hingegen nicht mehr zu Deutschland, fühlen sich viele Muslime ausgegrenzt.
So hinterlässt die Debatte vor allem Verlierer. Ein Verlierer ist übrigens auch Christian Wulff. Der ehemalige Bundespräsident hatte sich einst klüger und pointierter geäußert: "Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland." Das kleine "auch" relativiert die Aussage. [……]
Das undifferenzierte Eingemeinden des Islams hilft nicht so recht weiter. Wer besonders laut "Der Islam gehört zu Deutschland" ruft, mag sich besonders liberal finden – vielleicht aber ist er nur besonders ahnungslos. Denn vorher sollte doch einmal geklärt werden, um welchen Islam es genau geht – und wie sich Lehre und Leben trennen lassen. [……]. Ein Islam, der zu Deutschland gehört, muss auch zu Deutschland gehören wollen. [….]

Hua, diese Konservativen möchten offensichtlich nach wie vor nicht mit der Realität konfrontiert werden und halten Deutschland für eine „Wünsch dir was“-veranstaltung, in der man sich die pseudo-heile Welt der 1950er Jahre zusammensuchen darf.
Gehorsame Ehefrauen, die das Haus sauber halten, keine Scheidungen, keine Schwulen, keine Atheisten, keine Ausländer.
Dafür lauter idyllische Einfamilienhäuschen bewohnt von frommen aktiven Kirchengängern. Alle Menschen sind blond, essen Sauerbraten und Saumagen. Man urlaubt im Harz oder den Alpen, fährt deutsche Autos und hört heimatverbundene Volksmusik, gern auch „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ von Heino, der anschließend noch ein paar SS-Liedchen intoniert – der Tradition halber. Abtreibungen waren verboten und wenn es doch eine versuchte, kam sie mit einiger Wahrscheinlichkeit auf irgendeinem schäbigen Küchentisch ums Leben dabei. Kein Weib wagte es unehelich zu gebären und wenn doch, nahm man ihnen die Bälger ab, gab sie zur Folter und sexuellen Ausbeutung in christliche Heime. Überhaupt hatten es die Frauen in dieser heilen Welt der Adenauer- und Erhardt-Jahre so viel einfacher. Sie mussten sich nicht mit Bankangelegenheiten plagen, weil sie ohnehin nicht allein ein Girokonto unterhalten durften und erst der Ehemann zustimmen mußte, wenn sie einen Job annahmen. Sie brauchen sich auch nicht um sexuelle Frustration zu sorgen, weil es keine Rolle spielte, ob sie wollten. Sie mussten und wenn sie nicht wollten, durften ihre Ehemänner sie schlagen und vergewaltigen – mit dem Segen des Staates und der C-Politiker wie Horst Seehofer, der noch bei der Bundestagsabstimmung 1997 für die straffreie Vergewaltigung in der Ehe votierte. Das waren noch schöne idyllische Zeiten. Da bestand die Jugend nicht aus Gammlern und Punks. Falls einer nicht gehorchen wollte, durfte und sollte er von den Lehrern windelweich geprügelt werden – so steht es ja schließlich in der Bibel.

[….] Wenn man es genau nimmt, hätte Angela Merkel einen Grund, Horst Seehofer zu entlassen. Kaum eine Woche im Amt, stellt der Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat in der Islam-Debatte die Richtlinienkompetenz der Kanzlerin offen infrage. Und er kündigt gleich noch an, dass auch in Zukunft so tun zu wollen.
Eigentlich kann eine Regierungschefin es nicht zulassen, dass ein Kabinettsmitglied ihre Autorität derart untergräbt. Aber natürlich wird Merkel den CSU-Chef nicht mal eben so rauswerfen. Die Koalition wäre am Ende, bevor sie überhaupt zu arbeiten begonnen hat.
Allerdings: Einfach drüber hinwegsehen über Seehofers Renitenz und öffentliche Gehorsamsverweigerung, das ist für die Kanzlerin auch keine Option. Denn es geht hier nicht nur um ihre Führungskraft. Es geht um die Glaubwürdigkeit der Union und der ganzen Koalition. [….]

Zu blöd für die Funke-Redakteure und C-Politiker, daß es dieses Deutschland gar nicht mehr gibt.
Und was für ein Glück für alle massiv Unterdrückten in den 50er Jahren, daß diese Zeiten vorbei sind.

Heute gehören zu Deutschland glücklicherweise nicht nur Multikulturismus und feie Religionswahl, nicht nur Pizza und Döner, nicht nur traditionelle Chinesische Medizin und indische Meditation.

Es gehören auch allerlei Dinge zu Deutschland, die mir nicht gefallen.
Zu Deutschland gehören auch 20 Tonnen Hundescheiße, die allein in Hamburg täglich ausgekackt werden.
Dazu gräßliche Schlagermusik, überbordende Bürokratie, Unhöflichkeit, mieses Wetter, geschmacklose Mode und fanatischer Autolobbyismus.
Zu Deutschland gehören Mord, Kriminalität, Fremdgehen, Krebserkrankungen, Demenz, nach beißendem Uringeruch stinkende Pflegeheime.
40.000 MRSA-Tote durch mangelnde Krankenhaushygiene, Zweiklassenmedizin, das schwächste Internet Europas. Spahn, Jens Berger, Dobrindt und Seehofer.
Auch Sachsen gehört zu Deutschland, die tausenden Anschläge auf Schwächere und Arme.
Zu Deutschland gehören Waffenexporte, Socken in Sandalen, Wohnungsnot, eine rapide immer reicher werdende Klasse der Hyperwohlhabenden, steuerliche Umverteilung von unten nach oben, ein international nicht konkurrenzfähiges Hochschulwesen, 8 Millionen funktionale Analphabeten, Obdachlosigkeit, Alkoholismus, Drogensucht und Besserwisserei. Zu Deutschland gehören Kittelschürzen, Andrea Berg und Mario Barth genau wie fünftklassige TV-Unterhaltung und unterirdische Comedy.
Zu Deutschland gehören Christentum, Judaismus, Hinduismus, der Islam und insbesondere auch der Atheismus.