Freitag, 25. Januar 2019

Wer oder was ist eigentlich Elite?

Das sitzt schon tief drin, jahrzehntelange Indoktrinierung wirken: Unternehmer sind kreativ und schaffen Arbeitsplätze, der Staat reguliert und kann mit seinen planwirtschaftlichen Methoden keine Unternehmen führen.
Diese Klischees sind so beständig wie das ewige Mantra „Linke können nicht mit Geld umgehen“ und „Rechte stehen für solide Staatsfinanzen“.
Lobby wirkt.
Denn offensichtlich ist es genau umgekehrt. Überall auf der Welt scheitern die Steuersenkungsexzesse rechter Regierungen, Deregulierungen führen zu Weltfinanzkrisen wie Lehmann 2008 und es sind immer die Linken Regierungschefs, die von Rechten Regierungen hinterlassene Schuldenberge und marode Zustände aufräumen müssen. Ob in Berlin, Hamburg oder Washington.

Konservative können nicht mit Geld umgehen, muss es richtig heißen.

Der staatliche Einfluss auf Unternehmen rettet diesen vielfach das Leben.
Was war das für ein Geschrei der Autoindustrie als sie 1984 von der Regierung gezwungen wurde Katalysatoren einzubauen. Damit drohe Arbeitsplatzverlust und Pleite.
Tatsächlich rettete der Zwang aber ihre Wettbewerbsfähigkeit, weil die Kats in den USA Pflicht wurden.
Frau Merkel ist leider nur eine devote Erfüllungsgehilfin der Autobosse, würde nie wagen ihnen Vorgaben zu machen.
Das Ergebnis ist bekannt: Alle relevanten Entwicklungen wurden verschlafen. Deutsche Autobauer können nur groß und stinkig. Weder haben sie das Dreiliterauto bauen können, noch spielen sie bei Elektro- oder Hybridantrieben eine Rolle. Man setzte eben auf den bekannten Diesel, bloß nichts Neues entwickeln und statt auf technische Innovationen zu setzen, fälschte und betrog man eben.

Mit staatlichen Vorgaben kann man viel erreichen, das zeigen Chinas technische Fortschritte in Siebenmeilenstiefeln genauso wie die bahnbrechenden Erfolge russischer Flugzeugbauer, die nur deswegen wieder international beeindrucken, weil Putin eines Tages per oder di mufti die Entwicklung neuer Flugzeugtypen verlangte. Der Wirtschaft – damit sind die Manager-gesteuerten auf Sharholder Value und kurzfristigen Gewinnausschüttungen fixierten Großkonzerne gemeint – gelingt nicht so viel. Deutsche Smartphones? Deutsche Computer? Toll Collect? Magnetschwebebahn? Pünktliche Züge?

(….) Deutsche müssen aber auch nicht alles können. Wozu auch; das wäre ja absurd in der globalisierten Welt, wenn man nicht auf das Knowhow und die Fähigkeiten derer, die es viel besser können, zugriffe.
Es gibt zum Beispiel keinen deutschen Energiekonzern, der in der Lage wäre Off-Shore-Windräder aufzustellen. RWE hat mal vor Jahren testweise zwei Errichterschiffe in Pusan bauen lassen, weigerte sich aber Rat von erfahrenen Ingenieuren anzunehmen und beauftragte einen Reeder mit dem Betrieb, der bisher nur Containerschiffe charterte.
Dilettantismus und Provinzialismus potenzierten sich so wunderbar, daß beide Schiffe nach zwei Jahren Hals über Kopf an eine chinesische Reederei verkauft wurden. Nun macht RWE eben wieder in Braunkohle, rodet den Hambacher Forst. Die modernen Technologien wurden aufgegeben. Hocheffektive Windräder auf hoher See errichten nun Briten und Dänen. Was soll’s? In Deutschland kann auch niemand ein Mobiltelefon herstellen oder ein Groß-Bauprojekt planen. Also lieber gleich das nächste mal in China anrufen, wenn Elbphilharmonie, BER oder Stuttgart21 geplant werden. (……)

Erstaunlich ist aber wie trotz dieser offensichtlichen Misserfolge immer noch völlig abgehobene Multimillionäre wie Friedrich Merz, die als Lobbyisten eifrig das Geld an das reichste Einprozent umverteilen, hartnäckig als „wirtschaftskompetent“ gelten.
Als ob Reichtum ein direkter Indikator für Intelligenz und Kompetenz wäre.

Dabei werden die meisten Menschen dadurch reich, daß ihre Eltern schon reich waren.
Konzentrierte Mengen dieser weit von der Realität entrückten Profi-Erben sitzen in der US-Regierung. Russ, Trump, de Vos – sie alle glänzen mit Inkompetenz und zeigen täglich, daß sie rein gar nichts von Ökonomie verstehen – auch wenn sie zufällig selbst sehr reich sind.


[…..] "Listen, it's not fair to you and we all get that," Lara Trump, the wife of the president's son Eric Trump, said in an interview with the digital news network Bold TV. "But this is so much bigger than any one person. It is a little bit of pain but it's going to be for the future of our country. And their children and their grandchildren and generations after them will thank them for their sacrifice right now." […..] After receiving backlash on Twitter for the comments, with multiple users comparing her to Marie Antoinette, Lara Trump tweeted a statement.
"#FakeNews is rampant these days," she tweeted. [….]


Marie-Antoinette von Österreich-Lothringen (*1755 in Wien; †1793 in Paris), die berühmte als Königin von Frankreich und Navarra Geköpfte tut mir langsam Leid ob der Vergleiche, die sie posthum erdulden muss.
Sie war das fünfzehnte Kind und letzte Tochter von Maria Theresia von Österreich, musste schon als Dreijährige ein Korsett tragen und wurde für die dynastischen Interessen ihrer machthungrigen Mutter gnadenlos an den Opa ihres Ehemannes verschachert. Mit 14 Jahren zwangsverheiratet, hatte es das ungebildete schwer gequälte Mädchen Kronprinzessin und ab ihrem 18. Lebensjahr Königin zu sein.

Ob sie den bösen Spruch, für den sie heute noch berühmt ist, wirklich gesagt hat, weiß niemand genau.

[….] Von ihr war die Anekdote im Umlauf, sie habe auf die Vorhaltung, die Armen könnten sich kein Brot kaufen, geantwortet: „Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie Brioche [Gebäck] essen.“ Dieser Ausspruch wurde allerdings bereits Jahre vor Marie-Antoinettes Thronbesteigung 1774 von Jean-Jacques Rousseau um 1766 zitiert. Im sechsten Buch seiner 1770 vollendeten und 1782 veröffentlichten Autobiografie Die Bekenntnisse findet sich die Stelle: « Je me rappelai le pis-aller d’une grande princesse à qui l’on disait que les paysans n’avaient pas de pain, et qui répondit: Qu’ils mangent de la brioche! » (deutsch: „Endlich erinnerte ich mich des Notbehelfs einer großen Prinzessin, der man sagte, die Bauern hätten kein Brot, und die antwortete: ‚Dann sollen sie Brioche essen!‘“) Es könnte sich um eine Wanderanekdote handeln, die auch schon der ersten Frau von Ludwig XIV. zugeschrieben wurde. [….]
(Wiki)

Das arme Mädel muss sich über 200 Jahre nach ihrem Tod immer noch mit Friedrich Merz und Lara Trump vergleichen lassen.


Besagter Fast-CDU-Chef hat übrigens all seine Versprechen über seinen Einsatz für die Partei längst wieder kassiert, ist lieber zu Blackrock zurückgegangen und weigert sich beim Wahlkampf zu helfen.

[….]  Was hatte Friedrich Merz im Wahlkampf um den CDU-Vorsitz nicht alles behauptet. Er trete aus persönlicher und staatspolitischer Verantwortung an, hatte Merz gesagt. Denn er sehe mit großer Besorgnis, dass es in Deutschland eine Abwanderung nach links, aber auch nach rechts gebe. […..] Es ist noch keine zwei Monate her, dass Merz all das gesagt hat. Aber seine persönliche Verantwortung scheint ihm inzwischen nicht mehr so wichtig zu sein. Am Wochenende kündigte er an, in diesem Jahr in keinem Wahlkampf auftreten zu wollen[…..]  Wenn Merz die Eindämmung der AfD wirklich so wichtig wäre, wie er behauptet hat, würde er seiner Partei jetzt helfen. Doch seine Jobs bei Blackrock & Co. sind ihm offensichtlich wichtiger. [….]

Hartnäckig gilt der Erfüllungsgehilfe der Heuschrecken und Superreichen als der Mann für die CDU-Wirtschaftskompetenz.
Warum?

Ich behaupte, der von Rechten gehasste Bundesumweltminister Jürgen Trittin (1998-2005) hat mehr für die Wirtschaft getan als alles CDU-Wirtschaftsminister zusammen.
Trittin setzte auf Ökosteuerreform und erneuerbare Energien. Dadurch sind inzwischen über eine Million sehr zukunftsweisende und sichere Jobs in Bereich der regenerativen Energien entstanden.
Das ist eine große soziale Tat und sehr wichtig für die Zukunftsfähigkeit dieses Standorts.
Er erreichte das, indem er eben nicht nachplapperte was Wirtschaftslobbyisten von ihm wollten, sondern durch klare Ansagen gegen ihren Wunsch. Auch zu ihrem eigenen Besten.

Keiner würde aber den Grünen oder Sozialdemokraten Wirtschaftskompetenz zusprechen.
Ein ähnlicher Irrtum wie der Begriff „sozial Schwache“, der sich für Menschen mit geringen Einkommen eingebürgert hat.

[…..] Die sind nicht sozial schwach, sondern ökonomisch schwach. Nach meiner Erfahrung sind die ökonomisch Starken oft sozial schwach! [….]
(Hagen Rether)

Zeit auch den Begriff der Wirtschaftskompetenz neu zu lernen.

[….]  In Deutschland gilt als wirtschaftskompetent, wer der Wirtschaft möglichst viele Gefallen tut. Ein fataler Irrtum in Zeiten von Trump, Brexit und anderen Symptomen der Globalisierungskrise.
Die neue Chefin der CDU war diese Woche bei den Leuten vom Bundesverband der Deutschen Industrie, die sich gerade fragen, ob Annegret Kramp-Karrenbauer denn genauso wirtschaftskompetent ist wie Friedrich Merz. Das ist der, der nach kurzem Ausflug in die Politik doch die Vorzüge der Vermögensverwaltung für sich wiederentdeckt zu haben scheint. […..] Jetzt fragt man sich, was das eigentlich heißt, wenn jemand sagt, dass jemand was von Wirtschaft versteht. Und ob der oder die schon kompetent ist, wenn er oder sie was Nettes für die Wirtschaft macht. Und was das dann ist. Mal wieder nach - töröh! - der Abschaffung des Soli rufen?
Gut möglich, dass wir in den dramatischen Zeiten von Trump, Brexit und Gelbwesten im Gegenteil eine ganz neue Definition von Wirtschaftskompetenz brauchen. Bei der es noch weniger reicht, mal irgendwo im Aufsichtsrat zu sitzen und sonntags schöne ordnungspolitische Sätze aufzusagen. Noch scheint die Vorstellung bei uns tief verankert, wonach jeder, der irgendwo in Ostwestfalen einen mittelständischen Betrieb leitet, automatisch voll wirtschaftskompetent ist - und weiß, welche Wirtschaftspolitik für ein Land mit ein paar Millionen Unternehmen und zig Millionen Nichtmanagern in einer wackelig globalisierten Wirtschaft bei regelmäßigen Finanzkrisen richtig ist. Eine kuriose Vorstellung, die sich in den vergangenen Jahrzehnten auch dadurch verselbstständigt zu haben scheint, dass bei uns das Ökonomendogma der Angebotslehre gepredigt wurde, nach der immer alles gut ist, was für Unternehmen gut ist. Weil Unternehmen dann Job und Einkommen und Kekse schaffen.
[…..][…..] Ist es wirtschaftskompetent, wie Donald Trump atemberaubend teuer die Steuern für Reichere und Unternehmen zu senken - was vor einem Jahr in Davos auch deutsche Konzernchefs feierten -, wenn dafür die Staatsverschuldung massiv hochschnellt und die Unternehmen trotzdem nicht mehr Geld in Jobs und Zukunft investieren?
[…..]  Dann bedeutet Wirtschaftskompetenz nicht zwingend, den Unternehmen schnelle Gewinnmöglichkeiten zu schaffen - sondern dafür zu sorgen, dass die schönen Gewinne nicht irgendwann weg sind, weil das Volk aus Frust und Verzweiflung irgendwelche Spinner wählt. Oder es sonstwie kollateral kriselt. […..]

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