Montag, 25. August 2014

Die krankende Situation.


Was für eine Absurdität:
Aufgrund einer rein persönlichen Katastrophe, nämlich der Krebserkrankung seiner Frau, erkennt Deutschlands oberster Protestant, daß die Position seiner Kirche zum Lebensende so unmenschlich ist, daß er sich nicht an den eigenen Richtlinien orientieren kann.
Statt das eigene Konzept daraufhin zu überdenken, wirft er aber den Vorsitzenden-Posten hin, um für sich privat die Freiheiten rauszunehmen, die für 23 Millionen deutsche evangelische Christen nicht gelten sollen.
Die Politchristen Kauder, Gröhe und Merkel nutzen den Anlass, um päpstlicher als der Papst das total Sterbe(hilfe)verbot durchdrücken zu wollen.
Meine Ansicht zu dem Thema habe ich dutzendfach dargestellt, so daß ich das an dieser Stelle nicht wiederholen muß.

Eines möchte ich aber noch ausdrücklich verdammen:

Es ist unerträglich, daß Medien ganz allgemein, wenn es um das POLITISCHE Thema „Lebensende“ geht (Patientenverfügung, Palliativversorgung, Sterbehilfegesetz,..) mit größter Selbstverständlichkeit Theologen als Experten hinzugezogen werden. So wird Ex-CDU-General Hintze, der Erfinder der Rote-Socken-Kampagne, deswegen als Autorität wider die Parteiführung wahrgenommen, weil er Pfarrer ist.

In der Debatte um ein Verbot der organisierten Sterbehilfe geht Bundestagsvizepräsident Peter Hintze (CDU) auf Konfrontationskurs zur CDU-Spitze. "Heute stehen todkranke Menschen, die aus dem Leben scheiden wollen, oftmals vor der Alternative, sich in der Schweiz bei ihrem Vorhaben helfen zu lassen oder, falls sie das Geld dafür nicht haben, sich in Deutschland vor den Zug zu werfen. Diese Not verlangt nach einer Antwort", sagte Hintze dem SPIEGEL.
[….] Es ist nicht zum ersten Mal, dass Hintze in schwierigen ethischen Fragen auf Konfrontationskurs geht. Bereits in der Debatte über die Genforschung und bei der Präimplantationsdiagnostik vertrat der ehemalige Pfarrer eine liberalere Haltung als seine Partei.

Und Schock, schwere Not, auch der Großtheologe Küng stellt sich gegen die Linie der Kirchen. Aber der ist ja ohnehin „Dissident“ – pfui, pfui.

Hans Küng ist dafür. Am 1. September soll ein Buch des 86 Jahre alten Schweizer Theologen erscheinen, der eigentlich keine Bücher mehr schreiben wollte: "Glücklich sterben?" heißt der Titel, und der Dissident der katholischen Kirche wird darin wiederholen, was er schon gesagt hat: Wenn er merkt, dass ihn der Verstand verlässt, wird er seinem Leben ein Ende setzen, mit Hilfe der Organisation Exit, deren Mitglied er ist. Gerade als Christ, der ans Jenseits glaubt, werde er das tun, hat er angekündigt.

Fast noch schlimmeres zeigt der Blick auf die Autoren solcher Artikel.
Die Süddeutsche Zeitung beauftragt nicht etwa einen ausgewiesenen Juristen, Mediziner oder Wissenschaftsjournalisten mit dem Thema.
Nein, es schreibt hier die Kirchenredaktion in Form des superfrommen Katholiken Matthias Drobinski.

Nicht die Ärzte und noch nicht einmal die Christen sind sich also einig, wenn es um die schwierige Frage geht, ob Ärzte oder Vereine schwerkranken Menschen helfen dürfen sollten, ihren Todeswunsch in die Tat umzusetzen. Wenn im September die parlamentarische Sommerpause endet, wollen die Abgeordneten des Bundestages genau diese Frage regeln. Es wird keine einfache Diskussion werden. […]

Ja, frommer Matthias, das ist ja wirklich ein Ding, daß sich “noch nicht einmal die Christen” einig sind.

Aber entscheidend ist das nicht.
Sollte das Recht liberalisiert werden, würden 50 Millionen Christen in Deutschland nicht tangiert werden.
Niemand wird Sterbehilfe aufgedrängt!
Ihr könnt das genauso gern unterlassen wie Verhütungsmittel, vorehelichen, Sex, PID, Schwulsein und Schwangerschaftsunterbrechung!
Das ist aber irrelevant für ein Bundesgesetz, das die Konfessionslosen betrifft.
Also Klappe, Kauder. Du als ausgewiesener Tötungs- und Waffenfetischist solltest zu dem Thema ohnehin schweigen.

Volker Kauder sagte Anfang August bei der 119. Allianzkonferenz in Bad Blankenburg: „Wir wollen das organisierte Helfen zum Sterben verbieten.“ Dazu gebe es zwei Formen: So gibt es etwa in der Schweiz Einrichtungen, die für ihren Dienst zum Sterben Geld verlangen. „Kein Profit mit dem Sterben“, forderte Kauder. Seine Fraktion wolle darüber hinaus Organisationen verbieten, die sich mit dem Sterben beschäftigten, beispielsweise Sterbehilfevereine.
Von Christen verlangte der Fraktionsvorsitzende: „Wenn wir Christen in dieser Diskussion nicht klar und deutlich formulieren, dass es entscheidend ist, die Sterbenden zu begleiten und nicht das rasche Beenden von Leben, dann verlieren wir eine wichtige Verantwortung in unserer Gesellschaft.“ Er sei „felsenfest davon überzeugt, dass sich die Tür, wenn sie einmal geöffnet wird, nicht mehr schließen lässt.“
Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, hält strikt gegen eine Lockerung bei der Beihilfe zum Suizid. „Ärzte sind Helfer zum Leben, nicht zum Tod“, sagt er.
 (PRO 25.08.14)

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