Donnerstag, 2. März 2017

Parallelwelt

Natürlich gucke ich auch gern amerikanische Premium-Serien.
Was ich  allerdings ganz schwach finde, sind die offensichtlichen Durststrecken der Autoren; wenn sie mangels Phantasie und sinniger Handlungsstränge auf Paralleluniversen ausweichen.
Das gibt es in verschiedensten Formen. Der Held wird auf einmal in eine Höllendimension teleportiert, verschwindet durch ein Wurmloch, diffundiert in eine andere Realität, in ein paralleles Universum. Er kann auch einfach nur träumen oder das Gedächtnis verloren haben. Bei Startreck gibt es dafür das „Holodeck“. Bei sowas schalte ich gleich aus; das ist mir zu infantil.

Gestern hatte ich wieder einmal mit zwei verschiedenen Parallel-Ebenen zu tun. Geometrisch bedeutet das völlig kontinuierlichen Abstand. Man kann sich also endlos lange auf einer dieser Ebenen bewegen, ohne je die zweite Ebene zu berühren.

Ebene 1

Auf dieser Ebene sitze ich nachts gemütlich  vor der Glotze und gucke wie so oft Don Lemon. Lemon hatte gestern Geburtstag und verkündete dazu anlässlich eines Washington-Post Berichts BREAKING NEWS über Jeff Sessions, die es in sich haben.

 Klammer auf; ich mag ihn nicht so wirklich.
Wäre der neue US-Justizminister eine Serienfigur bei „House Of Cards“, wäre ich enttäuscht, weil er so unterkomplex und klischeehaft ist.
In Sessions kommt wirklich alles zusammen, bei dem ein Liberaler schreiend weglaufen würde: Der alte weiße Mann wurde 1946 in Alabama geboren, spricht einen schweren Südstaatenakzent und war 20 Jahre lang US-Senator von Alabama.
Selbst unter seinen GOP-Kollegen gilt der überzeugte Methodist als ultrarechts.
1986 wurde er zum Bundesrichter nominiert, war aber selbst für Alabama zu rassistisch. So nannte er schwarze Kollegen abfällig „boys“ und hatte sich auch sonst offensichtlich seit der Sklavenhalterzeit geistig nicht weiterentwickelt.
Sessions war der erste US-Senator, der sich 2016 mit Haut und Haaren Donald J. Trump verschrieb und von März 2016 an als sein Top-Politberater fungierte.
Seine Nominierung zum United States Attorney General wurde von 1.400 US-Jura-Professoren in einem offenen Brief beklagt und vom KKK-Chef David Duke bejubelt.
Der greise Nazi ist ein wandelndes Klischee: Er glaubt nicht an den Klimawandel, fordert ein radikales Abtreibungsverbot, spricht sich aber umso vehementer für Folter und Waffenbesitz aus.
Als Serienfigur wäre Sessions aufgrund dieser Eindimensionalität völlig unbrauchbar; es gibt nicht den kleinsten sympathisch wirkenden Aspekt an ihm.
Klammer zu.

Nachdem schon vier Top-Leute aus Trumps innersten Wahlkampfteam enger Kreml-Kontakte überführt wurden und die US-Wahl ohnehin mit einiger Wahrscheinlichkeit illegalen Einflüssen aus Moskau unterlag, ist es schon extrem skandalös, daß der Justizminister selbst auch als Trump-Surrogate geheime Kontakte nach Moskau gehabt haben soll.
Das ist insbesondere deswegen heikel, weil Sessions selbst oberster Aufseher aller „russian ties“ ist, die das FBI gerade untersucht und weil er von Al Franken bei seiner Senatsanhörung genau nach diesen Verbindungen gefragt wurde und; man muß es beim Trump-Team nicht extra erwähnen; log – und zwar unter Eid. Wie Bakari Sellers süffisant anmerkte ging Martha Stewart für weniger fünf Monate in den Knast.

[…] Der US-Justizminister Jeff Sessions gerät politisch zunehmend unter Druck, weil er bei der Senatsanhörung zu seiner Nominierung Kontakte zum russischen Botschafter verschwiegen hatte. Führende Demokraten in Senat und Abgeordnetenhaus fordern seinen Rücktritt. "Das Gesetz wurde gebrochen", sagte Nancy Pelosi, Sprecherin der Demokraten im Repräsentantenhaus. Der Oppositionschef im Senat, Charles Schumer, sagte, Sessions habe den Senat wissentlich in die Irre geführt: "Er hätte wochenlang Zeit gehabt, das zu korrigieren. Aber er hat es stehen lassen." [….]

Die Rechtfertigungen der GOPer in Lemons Panel waren gewohnt absurd. Nein Sessions habe gar nicht gelogen, als er Kontakte mit dem russischen Botschafter verschwieg, weil Franken ihn als Trump-surrogate gefragt habe, während Sessions aber in seiner Eigenschaft als US-Senator mit Botschafter Sergej Kisljak gesprochen habe. Zwei Mal. Während der heißen Phase des Präsidentschaftswahlkampfes.
Alternativ wurde auch Erinnerungslücken vorgeschlagen. US-Senatoren sprächen mit so vielen Botschaftern, daß sie sich nicht daran erinnern könnten, ob Kisljak dabei gewesen wäre.
Das ist sogar noch hanebüchener, da schon zu der Zeit die russische Wahlbeeinflussung DAS ganz große Thema des Wahlkampfes war.


Das sind jetzt so massive Anschuldigungen, daß ich mir nicht vorstellen kann, wie Sessions um einen Rücktritt als Justizminister herumkommen soll.
Er ist schließlich der oberste Chef aller Ermittlungsbehörden, die sich wortgetreu an Gesetze zu halten haben.

Auf dieser Ebene sehe ich das Ende Sessions als unvermeidlich an. Das dürfte dann für Trump extrem problematisch werden.


Ebene 2

Trump-Fans akzeptieren bekanntlich nicht nur keine Fakten, sondern bemerken sie erst gar nicht, weil sie in einer Parallelebene leben und nur rechte Verschwörungsblogs, FOX und Breitbart konsumieren.

Breitbart ist schließlich kein dubioses Fascho-Magazin mehr, sondern hat exklusiven Zugang zum Weißen Haus, in dem ihr langjähriger Chef der oberste Präsidentenberater ist.
Breitbart ist ganz nah dran am mächtigsten Mann der Erde, während Don Lemons CNN ausgeschlossen wird.

Die White Supremacy-Theoretiker sind inzwischen Praktiker geworden.
Für sie stellt sich die Lügen-causa Sessions wie folgt dar.

[…..] House Minority Leader Nancy Pelosi (D-CA) is calling on Sessions to resign, and the Democratic National Committee is already out with a list-building email, sent Wednesday evening: “BREAKING: Jeff Sessions may have perjured himself.”
But it is all just more “fake news.” A chance greeting at a public event, and a Senate meeting in the course of his official duties, do not add up to anything, and the full transcript — also omitted by the Times — makes it clear Sessions told the truth. [….]
(Joel B. Pollak, Breitbart, 1 Mar 2017)

Es ist so einfach – immer wenn ein Rechtsradikaler aus Trumps Dunstkreis einer sogenannten Lüge überführt wird, sind es “fake news”, weil Trump-Leute grundehrlich sind.
Dahinter stecken selbstverständlich die durch und durch verdorbenen Demokraten, die alle schwul und amerikahassende Nazi-Kommunisten sind.
Bei den Kommentatoren herrscht große Einigkeit.


(Aus prinzipiellen Gründen kann ich Breitbart nicht verlinken, aber da es sich um den Hauptinformationskanal des mächtigsten Mannes der Welt handelt, lohnt es sich schon ab und zu mal in deren Parallelwelt zu blicken.)

Every time Trump has a good day, the media tosses out another fresh batch of 'Russia Conspiracy'  We can turn it into a drinking game!
(Sculder_4)

Sessions is going to roll up the DC pedophile ring. It has lots of Democrats nervous.
(BigDaddy)

Democrats are in their death throes. They want every scalp in Trump's administration. They will continue boring us with fake news like this for the next 8 years.
(………)

Democreeps are a danger to our nation.
(Darwin Alti)

Fake News WaPo does this because it works. WaPo is opposition Party member. This weakens Trump and Sessions. Trump needs to call WaPo out as Fake News on this. Good time would be tomorrow after he signs refugee restriction EO.
(…....)

Deplorable all day long. Exactly why their monicker is "The Washington Compost"!
(TexasVetgal)

A more pertinent point is how the media became anti-White in direct proportion to Jewish control.
(Sammy)

The media is a powerful tool that has spent decades propagandizing for diversity, multi-culturalism, open borders, liberalism, degeneracy and everything contrary to White Christian interests.
(Mike)

Aren't you lefties suppose to be dead by now with global warming? I can't wait.
(j b Broflamingo)




Keine Kommentare:

Kommentar posten