Dienstag, 16. Dezember 2014

Makel: Makler


Es ist schon deutlich über eine Dekade her, daß ich das letzte mal umgezogen bin.
Irgendwie peinlich so ein ortsfester Spießer zu sein. Aber ich bin ja auch schon alt.
Mein Vermieter ist eine große private Wohnungsbaugesellschaft, welche die gesamte Vermarktung selbst übernimmt. Man bewirbt sich direkt bei ihnen und bekommt möglicherweise wie in meinem Fall das „go“.
Die Mieten sind einen Tick teurer als der Durchschnitt, aber dafür wurde keine Courtage fällig, da kein Makler beteiligt war.
So eine große Gesellschaft ist für den Mieter eigentlich angenehm, weil man weiß woran man ist. Man bekommt zwar keine Extrawünsche erfüllt und es wird streng durchgegriffen, wenn mal im Keller irgendetwas im Weg steht, aber andererseits funktioniert auch alles. Hat die Kloschüssel einen Sprung, oder liegt ein totes Eichhörnchen im Lüftungsschacht, macht man einen Anruf und sofort kommen die eigenen Handwerker der Vermietungsgesellschaft, bringen alles in Ordnung und man muß nichts dafür zahlen.
Schnee wird automatisch geschippt, das Treppenhaus wird von einer Putzkolonne pünktlich auf die Minute einmal in der Woche blitzeblank gewienert und jede kaputte  Glühbirne in Hauseingang wird wie durch Zauberhand innerhalb von 24 Stunden ersetzt.

Früher wohnte ich einmal in einem Mietshaus mit neun Wohnungen, deren Besitzer ein halbseniler 90-Jähriger war, der seine Wohngeldabrechnungen noch handschriftlich in Sütterlin verfasste.
Wenn ich damals kein heißes Wasser hatte oder der Herd kollabiert war, konnte ich den Vermieter nicht anrufen, weil der eigentlich sowieso nicht zu erreichen war und andererseits zu geizig oder zu pleite für Handwerker war.
Im Zweifelsfall schleppte er sich selbst blind und taub die Treppen hinauf, um mir dann zu versichern, daß er daran auch nichts ändern könne.
Und wer möchte schon einen 90-Jährigen verklagen?
Also lebte man mit dem Schaden, oder aber behob ihn selbst, bzw auf eigene Kosten.

Ein befreundeter Immobilienfachanwalt sagt mir immer: Mieten ist nur für Dumme. Monatlich Geld rausschmeißen, statt das in die eigene Immobilie zu stecken, könnten sich nur Vollidioten leisten.
Vermutlich hat er Recht. Aber wenn man kaufmännisch derart unterbelichtet ist wie ich, ist mieten auch ein Freifahrtschein, um Ärger mit Wohnungseigentümergemeinschaften, Handwerkern, Sonderumlagen, Abrechnungen, Grundsteuern etc aus dem Weg zu gehen.
Fall mein Dach verrottet, oder der Öltank für die Heizung leckschlägt, kann mir das quasi egal sein. Es wird sich schon jemand drum kümmern.

Seit über einem Jahr ist meine schöne Makler-freie Zeit unglücklicherweise vorbei.
Ca ein Dutzend mal mußte ich in einer Wohnungsverkauf-Angelegenheit anwesend sein, wenn Makler vor Ort agierten.
Kein Mieter mag Makler, weil diese, zumindest in den großen Städten mit Wohnungsmangel für eine NICHT-Leistung ihre drei Monatsmieten Courtage abgreifen.
Wohnungskäufer mögen Makler noch weniger, weil diese beispielsweise in Hamburg 6,5 % Provision abkassieren.
Für eine schöne große Wohnung in begehrter Innenstadtlage, also dem was am meisten gesucht wird, wird schnell mal eine Million Euro aufgerufen. Das sind rund 70.000 Euro Verdienst für die großen Maklerbüros wie „Dahler and Comany“ oder „Engels und Völkers“ für wenige Stunden Arbeit.

Bis vor einem Jahr dachte ich, wenigstens Wohnungsbesitzer sollten Makler schätzen – immerhin können sie die beauftragen, von den Leistungen profitieren und müssen dafür nichts bezahlen.
Aber auch das ist falsch. Auch als VERkäufer wird man von Maklern schlecht behandelt.
Wehe wenn man nicht aus der Branche kommt, oder nicht über das nötige Kleingeld verfügt.
Der Makler hilft einem kein Stückchen weiter.
Er gibt einem immer nur den Einheitsrat möglichst viel in die Bude zu investieren. „Sparen Sie nicht bei den Materialien!“, „meine Kunden verlangen heutzutage perfekten Trittschallschutz, Vollholzeichenparkett und Fußbodenheizung!“, „Was die Küche ist schon drei Jahre alt? Die muß aber raus und ersetzt werden, bevor ich die Wohnung verkaufen kann!“
Ob man dazu das Geld hat und ob sich derart aufwändige Investitionen überhaupt lohnen, erfährt man nicht. Hauptsache der Verkaufspreis steigt und damit die Maklerprovision.
Und wehe es tauchen Probleme bei der Sanierung/Renovierung auf. Damit will der Makler nicht belästigt werden. „Engagieren sie doch neben dem Bauleiter noch einen Architekten. Und dann rufen sie mich wieder an, wenn die Wohnung fertig ist!“

Wenige Berufsgruppen dürften so unbeliebt sein wie die des Wohnungsmaklers. Die meisten Menschen nehmen sie wahr als Gierhälse, denen sie ausgeliefert sind, und die Hunderte oder Tausende Euro Provision verlangen, für ... ja wofür eigentlich? Für die Bekanntgabe einer Adresse.
Verbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD) ist gewiss im Namen des Volkes tätig, wenn er zusammen mit der Mietpreisbremse ein neues Prinzip bei der Bezahlung von Maklern einführen will: Wer sie bestellt, soll sie auch bezahlen. In der ersten Jahreshälfte 2015 soll die Regelung in Kraft treten, und weil die Makler begriffen haben, dass sie wenig Lobby haben, steigen sie von der politischen Einflussnahme auf ein juristisches Vorgehen um: Sie wollen Verfassungsbeschwerde einlegen, kündigt der Immobilienverband Deutschland (IVD) an. [….]

Niemand will mit Maklern zu tun haben.
Insofern ist es natürlich völlig richtig, daß die Bundesregierung AUF STARKEN DRUCK DER SPD ein Gesetz zum Bestellerprinzip auf den Weg gebracht hat.
Zukünftig soll derjenige bezahlen, der den Makler beauftragt.
Richtig so!

Die Makler bewerten das Vorhaben als völlig falsch und wollten es zunächst den Lokführern und Piloten gleichtun.

Na, da haben Wohnungssuchende ja Glück gehabt. Mit einem Streik der Immobilienmakler am 7. November wolle man nicht die ganze Bundesrepublik lahmlegen, sagt Helge Norbert Ziegler, Vorstand des Bundesverbands für die Immobilienwirtschaft (BVFI). Das könne man auch gar nicht. Trotzdem hat der Verband 11.000 Mitglieder dazu aufgerufen, sich bis Freitag an einer Urabstimmung über Streik zu beteiligen. […] Die Makler befürchten, dass ihnen die Aufträge wegbrechen. Sie sehen Unternehmen und Arbeitsplätze in Gefahr. "Wir wollen nicht länger die Deppen der Nation sein und für Missstände wie Mietsteigerungen verantwortlich gemacht werden", sagt Verbandschef Ziegler. "Dabei sind das die Verfehlungen der Politik."
Als Deppen allerdings nehmen ihn nun auch Makler-Kollegen wahr: "Saublöd" findet Markus Gruhn, Vorsitzender des Rings deutscher Makler, die Aktion. "Das ist Schwachsinn. Die Politik zittert schon, dass die Wirtschaft wegen des Maklerstreiks zusammenbricht", zitiert ihn die Immobilien-Zeitung. […]

Dabei sind die BVFI-Befürchtungen ohnehin fast gegenstandslos.
So ein Gesetz könnte eindeutig formuliert werden. Beispielsweise: „Der Vermieter bezahlt den Makler.“
Das macht diese Regierung natürlich nicht, da sie unter massiven Druck der Maklerlobby steht.
Die besten Freunde der Makler sitzen in der CDU.

Doch vieles deutet daraufhin, dass die Maklerlobby das Gesetz unterlaufen will. Der Maklerverband IVD kämpft seit Wochen für einen aufgeweichten Gesetzentwurf, argumentiert mit verfassungsrechtlichen Bedenken. Bei der CDU stoßen die Makler offenbar auf offenes Gehör. CDU-Abgeordnete wie Jan-Marco Luczak fordern, "die Makler nicht im Regen stehen zu lassen".
Das Problem: Wird das Gesetz aufgeweicht, haben die Makler schon einen Plan in der Tasche, wie sie das Gesetz umgehen können. Einer der größten Hamburger Makler, Haferkamp Immobilien, verspricht etwa den Vermietern, auch in Zukunft werde der Mieter den Makler bezahlen. So sagt er: "Unser Ziel ist es: für den Vermieter kostenlos, der Mieter zahlt." Dafür hat der Makler ein ausgeklügeltes System erarbeitet.

Politik à la Merkel!
Links blinken:
Ihr lieben kleinen Leute, wir tun was für Euch durch Mietpreisbremse und Bestellerprinzip.
Rechts abbiegen:
Die entsprechenden Gesetze werden aber von den Lobbyisten so geschrieben, daß am Ende doch wieder die kleinen Leute zahlen müssen und die Reichen abkassieren.


Vor mir liegt ein ganzseitiger Artikel aus der SZ vom 18.11.2014. In „Das geht aufs Haus“ beschreibt Thorsten Schmitz die Berliner Immobilienbranche „zwischen Hysterie und Panik“.
Aus Rücksicht auf meinen Blutdruck erspare ich nun einen genaueren Blick auf die alltäglichen Ungeheuerlichkeiten, die sich Makler aufgrund der Wohnungsnot erlauben können.
Keinerlei Service. Niemals Rückrufe. Keine Auskünfte. Mutwilliges Demütigen von Menschen in Not.
Na gut, doch, ein kleiner Ausschnitt.


Wenn tatsächlich etwa 10.000 von 12.000 Maklerbetrieben vor dem Aus STÜNDEN – was offensichtlich NICHT der Fall ist, weil gekaufte CDU-Abgeordnete in der CDU das Gesetz so umformulieren, daß für Makler letztendlich doch alles bleibt wie zuvor – wäre das nur zu begrüßen.
Makler sind eine parasitäre Lebensform, die ihren Profit aus der Not anderer Menschen ziehen.

Das stimmt zumindest für die Großstädte mit enorm ansteigenden Mieten, die unter Wohnungsknappheit leiden.
Wenn 10.000 Parasiten weniger die leidenden Wohnungssuchenden aussaugten, kann ich das nur begrüßen.

Auf dem Land oder in verwaisenden Städten Ostdeutschlands mag das anders aussehen. Da muß sich ein Makler anstrengen, um Mieter zu finden.
Wenn sich so ein Makler ins Zeug legt und eine echte Leistung erbringt, spricht selbstverständlich nichts dagegen ihn entsprechend zu bezahlen.

Aber mehrere Tausend Euro zu verlangen für eine 20-Minuten-Besichtigung ohne irgendwelche Serviceleistungen ist keine schützenswerte Tätigkeit.
Ich hoffe, daß sich Herr Maas weitgehend durchsetzt.
Ich sagte ja schon, daß Maas „ein Guter“ ist!
Das bewies er erst heute wieder, als er zu den Pedigree-Untermenschen erklärte:

Für Bundesjustizminister Heiko Maas war es die Gelegenheit, noch einmal seine Abscheu gegenüber Pegida zu verdeutlichen: Er habe "kein Verständnis für die Verführer", aber auch keines für jene, die sich zu einfach verführen ließen. Und keines dafür, dass "diese Vorurteile auf dem Rücken von Flüchtlingen ausgelebt werden - in einem Land mit einem Ausländeranteil von gerade einmal 2,2 Prozent."
Es sei absurd, dass ausgerechnet christliche Werte zur Demonstration gegen Flüchtlinge herangezogen würden, "wie armselig und peinlich ist das denn?", fragte der SPD-Politiker. Deutschland habe eine Geschichte von "trauriger Einzigartigkeit": "In keinem anderen Land sind Millionen von Menschen aus Rassenhass fabrikmäßig ermordet worden." Deshalb hätten die Väter des Grundgesetzes der Meinungsfreiheit scharfe Grenzen gesetzt, die "wenn nötig, neu justiert" werden müssten.