Dienstag, 25. April 2017

Too big to

Es ist eine beliebte, von Satirikern aller Art immer wieder aufgegriffene Feststellung, daß man Verbrechen ab einer gewissen Größenordnung nur noch Religion nennen braucht, um straffrei davon zu kommen.

 “And, finally, New Rule: Whenever you combine a secretive compound, religion and weirdos in pioneer outfits, there’s going to be some child-fucking going on. [laughter] [applause] [cheers] In fact, whenever a cult leader sets himself up as “God’s infallible wing man” here on earth, lock away the kids.

“Which is why I’d like to tip off law enforcement to an even larger child-abusing religious cult. Its leader also has a compound. And this guy not only operates outside the bounds of the law, but he used to be a Nazi and he wears funny hats. [photo of the Pope shown] [mixture of laughter, shock, scattered applause]

“That’s right. The Pope is coming to America this week, and, ladies, he’s single! [laughter] Now, I know what you’re thinking: “Bill, you can’t be saying that the Catholic Church is no better than this creepy Texas cult! For one thing, altar boys can’t even get pregnant.” [mixture of laughter and other reactions]

“But, really, what tripped up the “little cult on the prairie”—[laughter]—was that they only abused hundreds of kids, not thousands all over the world. Cults get raided. Religions get parades. How does the Catholic Church get away with all of their buggery? VOLUME, VOLUME, VOLUME! [laughter] [applause]

“If you have a few hundred followers and you let some of them molest children, they call you a cult leader. If you have a billion, they call you ‘Pope.’

“It’s like if you can’t pay your mortgage, you’re a deadbeat, but if you can’t pay a million mortgages, you’re Bear Stearns, and we bail you out. [laughter] [applause] [cheers] And that’s who the Catholic Church is, the Bear Stearns of organized pedophilia. [laughter] Too big to fail.

“When the – when the current Pope was in his previous Vatican job as John Paul’s Dick Cheney—[laughter]—he wrote a letter instructing every Catholic bishop to keep the sex abuse of minors secret until the statute of limitations ran out. And that’s the Church’s attitude: ‘We’re here, we’re queer, get used to it.’ [applause]

“Which is fine. Far be it from me to criticize religion. [laughter] But, just remember one thing: if the Pope was, instead of a religious figure, merely the CEO of a nationwide chain of daycare centers where thousands of employees had been caught molesting kids and then covering it up, he’d be arrested faster than you can say, ‘Who wants to touch Mister Wiggle?’ [laughter] Thank you very much, ladies and gentlemen. Thank you, panel. That’s our show.”
(Bill Maher, April 11, 2008, on “Real Time”)

Natürlich hassen alle christlichen Organisationen Maher wie die Pest, aber abgesehen von der satirischen Aufbereitung, kann man ihm kaum widersprechen.
Würde irgendein nicht religiöser Verein auch nur ein Prozent der Kinder missbraucht haben, die von katholischen Priestern gequält wurden, hätte er längst nicht nur den Status als „gemeinnützig“ verloren, sondern wäre verboten.

Die Päpste Ratzinger und Woytila haben nachweislich dafür gesorgt, daß Kinderficker weiter Kinder ficken konnten und bei schwerster Kirchenstrafen-Androhung den vorgesetzten Bischöfen verboten Polizei oder Staatsanwaltschaft zu informieren.
Der gegenwärtige Chefinquisitor Kardinal Müller ging in seinem ehemaligen Bistum Regensburg ganz genauso vor, sorgte aktiv dafür daß ein kinderfickender Kaplan nach seiner Haftstrafe wieder Kinder ficken konnte, was dieser auch prompt tat.
Stünden diese Herren nicht an der Spitze einer religiösen Organisation mit 1,3 Milliarden Mitgliedern, wären sie selbstverständlich auf der Anklagebank gelandet.

Das Prinzip „too big to fail“ gibt es nicht nur bei raffgierigen Bankiers, die mit Milliarden der Steuerzahler für ihre Fehler belohnt werden.

Vor einigen Jahren trennte ich mich von meinen im Keller gestapelten SPIEGEL-Ausgaben. Ich kugelte mir beinahe die Arme aus, als ich das ganze Zeug in einen geliehenen Kangoo lud. Die 60 Diesel-PS reichten gerade noch aus, um mich zum Recyclinghof zu bringen. Beim Altpapiercontainer wollten mich zwei garstige Mitarbeiter anzeigen, weil sie mir nicht glaubten eine Privatperson zu sein, sondern gewerblich Müll entsorge. Kein Mensch habe so viele Zeitschriften.
Wehe man entsorgt irgendwelches Zeug nicht ordnungsgemäß in Deutschland; dann gibt es Ärger.
Außer natürlich man ist ein Multimilliarden-Konzern wie VW oder OPEL. Dann kann man betrügen und Tausende Tonnen giftige Stickoxide in die Luft blasen. In dem Fall hat man Verkehrsminister Dobrindt auf seiner Seite, der Strafverfolgung verhindert und sogar in bis heute in Brüssel gegen strengere Abgastests agitiert, um die deutschen Dieseldrecksschleudern zu schützen.

„Too big“ ist aber beispielsweise auch „der Fußball“.
Regelmäßig gibt es im Zuge der Bundesligen gewalttätige Ausschreitungen, es kostet hunderte Millionen Euro im Jahr die Fußballfans von der Polizei einkreisen zu lassen.
Und dennoch gelingt es nicht die brutalen Hooligans davon abzuhalten immer mal wieder jemand totzuschlagen.

Man stelle sich vor ein Briefmarkensammelverein oder Taubenzüchter würde ein so gewaltbereites Pack anziehen, daß man jede Woche tausende Polizisten einsetzen muß. Da würde es Verbote hageln.

Gestern geriet ich in eine dieser „ist Homosexualität heute akzeptiert?“-Diskussionen, in der auch das Argument fiel, daß es schließlich immer noch keine geouteten Fußballspieler gäbe.
Ich finde, das Argument zieht aber nicht, weil Fußball generell ein Proleten-Milieu generiert, welches nicht dezidiert homophob ist, sondern auf alle möglichen Minderheiten eindrischt.
Als ich ein Teenager war und häufig abends „auf die Piste“ ging, informierte ich mich immer darüber wann HSV-Spiele sind, weil ich unbedingt S- und U-Bahnen voller HSV-Fans aus dem Weg gehen wollte, nachdem ich zweimal von solchen Horden bedroht wurde.
Dabei bin ich weiß, groß und heterosexuell, aber betrunkene Hooligans dreschen nach einer Niederlage auf alles ein, das ihnen nicht gefällt. Meine Frisur und mein Outfit waren durchaus ausreichend.

[….] Vor dem Spiel waren unter anderem Steine, Glasflaschen und Leuchtraketen in Richtung RB-Fans geflogen. Laut dem RB-Fanverband mussten zehn Anhänger wenig später ins Krankenhaus eingeliefert werden, nachdem sie zuvor teilweise bewusstlos am Boden gelegen hatten. Auch vier Polizisten wurden verletzt.
Vor dem Anpfiff hatten zahlreiche Banner auf der Südtribüne für Entsetzen gesorgt: Viele riefen offen zu Gewalt auf und richteten sich direkt gegen Verantwortliche des Gegners.
Der Einsatzleiter der Polizei Dortmund, Ed Freyhoff, erhob schwere Vorwürfe gegen Teile der BVB-Anhänger. "Es war eine aggressive, gewalttätige und hasserfüllte Stimmung. Ich habe in hasserfüllte Fratzen geschaut, die nichts anderes im Sinn hatten, als die Leipziger anzugreifen", sagte er in einem Interview mit Sky Sport News HD: "Videoaufnahmen werden ausgewertet, da wird noch eine Menge an Anzeigen kommen." Er begleite den BVB auch bei Auswärtsfahrten, so Freyhoff, "aber ein solch asoziales, widerliches Gewaltverhalten habe ich bisher nicht erlebt." […..]

Daß solche „Fans“ auch homophob sind, glaube ich gern.
Aber das ist irrelevant, weil sie ohnehin multiphob gewalttätig sind.


[…..] Am Samstagnachmittag ereigneten sich Szenen, wie Berlin sie sonst nur im Umfeld der Erster-Mai-Demonstrationen kennt: 200 Hooligans von Eintracht Frankfurt und Hertha BSC prügelten sich Stunden vor dem Erstligaspiel im Berliner Stadtteil Moabit. Es flogen Steine, Flaschen und Böller. Anwohner flüchteten von der Straße, Lokale und Geschäfte ließen die Rollläden herunter. Die Polizei wurde von dem Gewaltexzess völlig überrascht. Als die ersten Funkstreifen eintrafen, verbündete sich der Mob spontan – und griff gemeinsam die Polizei mit Steinen und Flaschen an. Die Beamten mussten ihre Dienstwaffe ziehen. […..]

Wie absurd, daß solche Zustände achselzuckend hingenommen werden, weil es sich um „König Fußball“ handelt.
Ich plädiere für eine Null-Gewalt-Politik und würde dementsprechend den gesamten Profifußball untersagen.

Solche Zustände herrschen schließlich nicht nur in der obersten Liga, sondern auch in den Niedrigeren; es geht runter bis in die Kreisliga.

[….] Beim Pokalspiel von Lok Leipzig beim Bischofswerdaer FV ist es am Sonntag zu schweren Ausschreitungen gekommen. Laut Polizei wurden sieben Menschen verletzt, unter ihnen zwei Polizisten und zwei Ordner. Den Angaben zufolge hatten rund 100 Leipzig-Fans den Gästeeingang gestürmt. Sie demolierten einen Bierstand und bewarfen Polizisten mit Flaschen. Unter den Gewalttätern befanden sich drei mit bundesweitem Stadionverbot belegte Lok-Anhänger. [….]

[….] Beim Derby am vergangenen Sonntag in Stuttgart hatten Chaoten aus dem KSC-Fanblock unter anderem Leuchtraketen auf das Spielfeld geschossen. Das Heimspiel des VfB gegen Karlsruhe stand zwischenzeitlich kurz vor dem Abbruch. «Der Fußball braucht die Fans. Aber wie hält man die Emotion so im Zaum, dass sich Gefühle nicht verselbstständigen? Damit müssen wir uns ernsthaft beschäftigen», sagte [Ministerpräsident] Kretschmann weiter. Dies sei eine höchst virulente Baustelle. «Wir müssen da was machen. Denken Sie nur an die 100 000 Euro Schäden in Zügen nach dem Spiel Stuttgart gegen Karlsruhe.» [….]

[….] Rund 50 vermummte St.-Pauli-Anhänger hatten vor Spielbeginn auf HFC-Fans mit Zaunlatten und Teleskopschlagstöcken eingeprügelt. Mindestens drei Personen im Alter von 28, 42 und 53 Jahren wurden dabei verletzt und mit Prellungen und Platzwunden ins Krankenhaus gebracht. Den Tätern gelang noch vor Eintreffen der Polizeikräfte die Flucht. [….]

Wieso wird das seit Jahrzehnten in meiner schönen Stadt hingenommen? Wieso ist Fußball immer noch legal?
Rhetorische Frage. Es ist wie mit den kinderfickenden Priestern; Fußball ist zu groß, es gibt zig Millionen Fans in Deutschland.

Fast unnötig zu erwähnen, daß es in anderen Ländern auch nicht besser ist.

[….] Schwere Ausschreitungen überschatten das Europa-League-Spiel zwischen Olympique Lyon und Besiktas Istanbul. Schon vor der Partie kommt es zu Krawallen, im Stadion eskaliert die Situation völlig. Trotz des blutigen Chaos wird gespielt.
Angriffe mit Feuerwerkskörpern, Ausschreitungen auf den Rängen, verängstigte Fans auf dem Rasen und Zuschauer, die das Spiel später blutbefleckt verfolgten: Die heftigen Krawalle rund um das Viertelfinal-Hinspiel in der Europa League zwischen Olympique Lyon und Besiktas Istanbul haben für großes Entsetzen gesorgt. "Es wäre wohl die beste Lösung gewesen, das Spiel nach den Vorfällen einfach abzusagen", meinte Lyons Torhüter Anthony Lopes. [….]

Fußball ist ein grässlich ordinärer Sport mit grässlich ordinären Fans.