Samstag, 24. Juni 2017

Polizei, Osterei- Teil II

Vor ein paar Tagen hielt ich abends um 23.00 Uhr mitten auf der Straße bei einer Altglas- und Altpapiersammelstelle an, stellte den Warnblinker an und entsorgte haufenweise Altpapier.
Auf den Containern prangt in Versalien, man solle nach 19.00 Uhr nichts mehr einwerfen.
Aber ich vermutete, damit sind nur Flaschen gemeint. Papier macht schließlich keinen Lärm beim Einwurf und außerdem konnte ich nur deshalb quer auf der Straße halten, weil um die Uhrzeit ohnehin niemand unterwegs war.
Als ich wieder wegfahren wollte, sah ich auf dieser leeren Straße ausgerechnet jetzt einen Polizeiwagen ca 50 m hinter mir. Wie vom Blitz getroffen sprang ich in meine Karre und wollte entkommen, bevor die mein Nummernschild sehen konnten.
Ich scheiterte aber bereits 30 m weiter an einer roten Ampel, sah den sich im Rückspiegel vergrößernden Peterwagen anrollen.
Es kam wie es kommen mußte. Sie schalteten das Blaulicht kurz an, blendeten auf und wollten mich offensichtlich kontrollieren. Mist, jetzt waren sie schon so nah dran, daß ich mich auch nicht mehr unauffällig anschnallen konnte. Schon zwei Vergehen. Der Polizist auf dem Beifahrersitz setzte eine Lautsprecheranlage in Gang, forderte mich zu irgendetwas auf, das ich wegen meiner lauten Klimaanlage und der Musik nicht verstand. Unangeschnallt, quer geparkt, vier Stunden nach der erlaubten spätestens Uhrzeit Müll abgeladen und nun ignorierte ich auch noch durch meinen eigenen Höllenlärm die Polizeidurchsagen. Habe ich eigentlich noch TÜV? Und wollte ich mir nicht schon immer mal diese grüne Umweltplakette besorgen? Steckt mein Führerschein wirklich im Portemonnaie? Wird den Bullen auffallen, daß ich es schon seit Ewigkeiten versäumt hatte meine Aufenthaltsgenehmigung umschreiben zu lassen? Mußte ich wirklich so große Atheisten-Aufkleber auf der Heckklappe haben? Und wieso, verdammt noch mal, habe ich nicht längst die Reifen mit mehr als einem Millimeter Profil gekauft?
Inzwischen war die Ampel grün, aber eine Flucht kam ja wohl nicht mehr in Frage. Ich fügte mich devot in mein Schicksal, schaltete Musik und Lüftung aus, öffnete mein Fenster.
Nun verstand ich die Uniformierten endlich: „Ihre Warnblinkanlage ist noch angeschaltet!“
Potzblitz! In der Tat. Durch meinen rasanten Start hatte ich vergessen den Warnblinker auszumachen. Das holte ich nun nach und machte eine entschuldigende Geste gen Rückspiegel. Beide Polizisten lächelten und gaben ein Daumenhoch-Handzeichen! Alles gut.
So kann es einem ergehen zwei Wochen bevor Trump in der Nachbarschaft einzieht und die ganze Gegend verschärft überwacht wird.

In anderen Ländern und insbesondere mit einer anderen Hautfarbe als meiner, können solche Begegnungen sehr anders ausfallen.

[….] Schläge, Tritte, Schüsse: In den USA müssen jährlich rund 51.000 Menschen wegen Polizeigewalt im Krankenhaus behandelt werden. [….] Ärzte des New York-Presbyterian Hospital haben nun untersucht, wie viele Menschen zwischen 2006 und 2012 wegen Polizeigewalt in US-Krankenhäusern behandelt wurden und ob die Zahl der Fälle zunimmt. Sie stützten sich auf landesweite Stichproben aus Notaufnahmen, die etwa ein Fünftel aller Besuche in Notaufnahmen berücksichtigen und deshalb als repräsentativ gelten. Insgesamt wurden in der Studie aus dem Fachblatt "Jama Surgery" 355.600 Fälle von Polizeigewalt ausgewertet.
80 Prozent der Betroffenen waren der Untersuchung zufolge Männer, das Durchschnittsalter lag bei etwa 32 Jahren. [….]  1202 Menschen starben an den Folgen von Polizeigewalt, das entspricht etwa 0,3 Prozent Fälle, die untersucht wurden. [….]  Die Anzahl könnte seither aber deutlich zugenommen haben. Laut einer Statistik der "Washington Post" wurden allein in diesem Jahr bereits 289 Menschen [Jan-Mrz 2017 –T.]  in den USA durch Polizisten erschossen. [….]

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