Donnerstag, 29. Juni 2017

Trump im Blutrausch

Leicht aussprechen kann unsereins diese konsonantenreichen polnischen Namen nicht.
Vor vier Wochen starb der legendäre US-Sicherheitspolitiker Zbigniew Kazimierz Brzeziński (1928-2017), der als Chefberater der Präsidenten Johnson und Carter so eine Art Henry Kissinger auf demokratisch war.
Als ungeheuer einflussreicher Politikwissenschaftler mischte er in der internationalen intellektuellen Szene bis zum Schluß mit, besuchte noch dieses Jahr als gefragtes Orakel die Münchner Sicherheitskonferenz.

Seinen Namen wird man so schnell nicht vergessen; unter anderem auch deswegen, weil seine Tochter Mika Brzezinski (*1967) auf MSNBC die tägliche Fernsehsendung „Morning Joe“ zusammen mit dem früheren republikanischen Politiker Joe Scarborough moderiert.

Brzezinski und Scarborough hatten schon lange vor dem Ausraster Brian Karems gegenüber der Superlügnerin Sarah Huckabee-Sanders genug von den unverschämten Hetztiraden des Weißen Hauses.


Cheflügnerin Kellyanne Conway wollten die Morning-Joe Moderatoren im Februar gar nicht mehr einladen, weil sie sowieso nie die Wahrheit sage.

‘Morning Joe’ host says Kellyanne Conway was banned because ‘everything she said was disproven’
(Cleve R. Wootson Jr., WP, February 22, 2017)

Inzwischen war Conway doch wieder in der Show und natürlich führte es zu einem weiteren Skandal, da Mika Brzezinski anschließend durchblicken ließ, Conway hasse inzwischen Trump; selbst ihre ginge das ständige Rechtfertigen der Trump-Hetztiraden und Lügen auf die Nerven. Wenn sie Trump spreche, benötige sie anschließend eine Dusche.

[…..] ‘Morning Joe’ Hosts: Conway Said She Needed a Shower After Speaking for Trump. [….]

Schwer vorstellbar, daß bei Conway Duschen noch ausreicht, aber immerhin nachvollziehbar wie sehr sie ihr Renommee-Verlust ärgern wird.

Als Sprecher für Trump muß jeder sich selbst um den letzten Funken Glaubwürdigkeit bringen und endet als tragische Witzfigur wie Sean Spicer.

Nachdem kürzlich „on air“ verkündete Trump lüge jeden Tag und zerstöre das Land – was eine zweifellos völlig zutreffende Darstellung ist. Rastete Trump mal wieder völlig aus.

 […..] Hauptziel von Trumps Verachtung wurde die Fernsehmoderatorin Mika Brzezinski, die den Präsidenten in einer Morgensendung scharf kritisiert hatte. Sie hielt ihm unter anderem vor, per Twitter über das äußere Erscheinungsbild von Menschen herzuziehen, "jeden Tag zu lügen", die Autorität seiner Mitarbeiter zu untergraben und sie als Bauernopfer zu missbrauchen.
Wenig später verunglimpfte Trump die Journalistin als die "verrückte Mika mit dem niedrigen IQ". Trump höhnte auch, Brzezinski habe vor einigen Monaten bei einem Besuch in seinem Golfclub Mar-a-Lago als Folge einer Schönheits-OP "schlimm" im Gesicht geblutet. Ihren Ko-Moderatoren und Partner Joe Scarborough beschimpfte der Präsident als "Psycho Joe". [….]


Dazu fällt mir nur das Wort ein: Fatigue.
Wäre noch irgendetwas normal in Amerika, müßte ein Präsident nach solchen Tiraden zurücktreten.
Auch in den US-Medien ist  - mal wieder – die Rede von „überschrittenen roten Linien“. Shocking assault on Brzezinski nennen es die CNN-Kollegen.
Allein, das Land ist so verkommen, daß Trump sich alles erlauben kann. Vermutlich könnte er tatsächlich in NY einem Passanten grundlos in den Kopf schießen und käme damit durch.

Für den Moment ist es natürlich amüsant zu hören, wie sich beispielsweise die Republikanerin Ana Navarro echauffiert. Der „disgusting dude“ solle aufhören zu twittern, sich nicht mehr wie ein gemeines Mädchen benehmen und sich endlich ein Hobby suchen.



Höchst erstaunlich, Kellyanne Conway gibt den Spicer und versteckt sich metaphorisch gesprochen in den Büschen.

[….] Even Kellyanne Conway has NO defense for President Trump's verbal attack on Mika Brzezinski ... because she tried every possible tactic to avoid the topic.
We got Trump's Counselor Thursday morning on Capitol Hill -- just a few hours after his brutal tweets about Mika. We barely got the question out when she launched into every pivot in her arsenal. [….]

Konsequenzen wird es weiterhin nicht geben. Trump hat weiterhin zig Millionen treue Fans, House und Senat stehen hinter ihm. Eine ganze Armada von ultrarechten Medien lobt und preist ihn weiterhin.

Der Typ, der in acht Tagen nur wenige hundert Meter von mir entfern nächtigen wird, hat in medialem Drachenblut gebadet.