Donnerstag, 18. Januar 2018

Homopower Teil II

Das ist nur eine Vermutung, die ich nicht vollständig beweisen kann, aber ich denke, daß Putin und Trump eine ganz ähnliche Einstellung zu Schwulen haben.
Es interessiert sie nicht besonders, weil beide nicht in der Wolle gefärbte Religioten sind.  

Vor seiner politischen Karriere fiel Trump nicht mit homophoben Äußerungen auf, während sein tiefsitzender Rassismus sich durch seine gesamte Karriere zieht. Wladimir Putin absolvierte gar zwei volle Amtsperioden als russischer Präsident ohne irgendein Interesse an homorepressiver Gesetzgebung.
Wahrscheinlich die klassische Altherren-Bigotterie. Man guckt gern Lesbenpornos, mag aber weibische Männer nicht.

Putin hatte nach seinen ersten acht Jahren enorme ökonomische Fortschritte vorzuweisen, aber je besser es den Russen ging, desto liberaler wurden sie auch. Bei Duma-Wahlen sackte Putins Partei auf die 50%-Marke herab.
Zeit sich einen mächtigen Verbündeten zu suchen.

Der Prass- und Prunk-begeisterte Metropolit Kyrill rafft aber nicht nur Luxusgüter an sich und spannt den Staat für seine Geldgier ein, sondern er unterstützt auch euphorisch die diskriminierende Hetze gegen sexuelle Minderheiten in Russland.
 
 "Moral ist entweder absolut, oder es gibt sie nicht. Wenn Sie Homosexualität rechtfertigen, warum dann nicht gleich Pädophilie?", erklärte Kyrill vor einem Jahr im Interview mit dem Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel“.
 Der neue Chef der 135 Millionen Russisch-Orthodoxen Christen begründete seinen Vergleich mit der Heiligen Schrift: "Die Bibel nennt das Sünde", so Kyrill zur Homosexualität. Der CSD Moskau sei daher lediglich "eine aufdringliche Zurschaustellung von Unzucht".
(Queer.de 02.02.2009)

Menschenrechte, Demokratie und womöglich Schwulenrechte - das mag der Russische Patriarch in Moskau genauso wenig wie Ratzinger im Vatikan.

"Sie persönlich, Wladimir Wladimirowitsch, haben eine großartige Rolle bei der Korrektur des Laufs unserer Geschichte gespielt. Ich möchte mich bei Ihnen dafür bedanken", sagte der Patriarch nach Kirchenangaben. In der Vorwoche hatte Kyrill I. orthodoxen Christen abgeraten, an der dritten großen Protestkundgebung gegen Putin in Moskau teilzunehmen. Sie sollten lieber zu Hause beten, als Sprechchöre zu rufen. 
(Kathweb 09.02.2012)

Immer mehr scharf homophobe Gesetze werden in Russland durchgesetzt.

Für Putin ist sein Bündnis mit Kyrill ein Win-Win-Deal. Seine Macht wird gesichert und was er Kyrill dafür an Anti-blasphemischen Gesetzen und homophober PR geben muss, kümmert ihn nicht, weil schwule Russen kein politischer Machtfaktor sind.

Trump ging ebenfalls den Deal mit radikal Homophoben ein, weil ihm das die Wahl sicherte. Er merkte schnell was seinen evangelikalen Schwulenhassern wie Mike Pence gut gefiel.

Christen sind aber eine politische Macht, die schon immer bestens mit den üblen und faschistischen Hass-Regimen harmonierte.

 Auf Schwule einzudreschen hat für Trump einen zusätzlichen „positiven“ Effekt, da sein Vorgänger viele LGBTI-freundliche Regelungen auf den Weg brachte. Nichts hasst Trump so sehr wie seinen schwarzen Vorgänger, nichts treibt ihn mehr an, als der Drang alle Spuren Obamas zu tilgen.
Daher leitet er mit Vergnügen ein antischwules Rollback ein. Nicht weil er selbst Schwule zutiefst hasst, sondern weil es Obama beschädigt und Pence erfreut.

Das TAP* listet inzwischen eine endlose Liste homophober Aktivitäten der Trump-Administration auf. Dagegen wirkt Putin liberal.

*The Trump Accountability Project (TAP) is a resource for journalists, editors, and other news makers reporting on the Trump administration, which catalogues the anti-LGBTQ statements and actions of President Donald Trump and those in his circle.

Aktuellstes Beispiel ist eine neue Regelung, die es medizinischem Personal erlauben soll die Behandlung von Schwulen, Lesben und Queeren zu verweigern.
Willkommen im Mittelalter.

 [……] The Trump administration is considering a new “religious freedom” rule that would allow healthcare workers to refuse to treat LGBT patients. The move would also allow workers to deny care to a woman seeking an abortion or any other service they morally oppose. […..]

Da ejakulieren Evangelikale vor Glück und scharen sich umso fanatischer Hinter Trump und Pence.

In den USA nehmen Hassverbrechen gegen Schwule wieder zu und in den meisten Bundesstaaten kann man anschließend sogar wegen seiner eigenen Homophobie freigesprochen werden. So wünschen es die Republikaner.

[…..] Mit der "Homo-Panik-Verteidigungsstrategie" können Rechtsanwälte argumentieren, dass ihre Mandanten einen Homosexuellen nur getötet haben, weil sie panische Angst vor seiner sexuellen Orientierung gehabt hätten und dadurch nicht zurechnungsfähig gewesen seien. Bei einer wohlwollenden Jury können die Homo-Hasser mit einem milderen Urteil oder gar einem Freispruch rechnen.
Der bekannteste Fall einer "Gay Panic"-Verteidigung ereignete sich nach dem Mord am schwulen Studenten Matthew Shepard im Jahr 1998 nahe Laramie (Wyoming). Die Täter wurden allerdings trotzdem zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt. Erfolgreich war die Strategie etwa 2009 in Chicago, als ein heterosexueller Mann freigesprochen wurde, obwohl er einen Schwulen mit 61 Dolchstichen getötet hatte. [….]

Anders als in Russland sind US-LGBTIQs aber nicht so zahnlos, daß die GOP keinen Preis dafür zahlen müsste.

Schwule sind nicht nur sichtbar, sondern auch reich (wie zB Apple-Chef Tim Cook), beliebt (wie zB Jodie Foster, George Takei), medien-affin (Anderson Cooper, Don Lemon) oder sogar Sportler (Brian Boitano, Martina Navratilova, Michael Sam).


Amerikas Top-Homophober, US-Vizepräsident Mike Pence muss also durchaus mit Widerspruch rechnen, wenn er öffentlich auftritt.

Das wird beispielsweise bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang der Fall sein, wenn Pence sich im Glanz seiner US-Mannschaft sonnen möchte, indem er die Delegation in Südkorea anführt.

Das gefällt nicht jedem. Der schwule amerikanische Eiskunstläufer Adam Rippon zeigt ihm schon mal den Mittelfinger.

 […..] As our American Olympic delegation prepares to compete at the PyeongChang Winter Olympics in South Korea next month, one athlete in particular did not take kindly to the news that Vice President Mike Pence will lead the U.S. delegation in the opening ceremonies.

In an interview with USA Today Sports, figure skater Adam Rippon, who made history as the first openly gay athlete to ever qualify for the Olympics, expressed outrage at the news.

    “You mean Mike Pence, the same Mike Pence that funded gay conversion therapy?” Rippon said. “I’m not buying it.”

    “I don’t think he has a real concept of reality,” he added. “To stand by some of the things that Donald Trump has said and for Mike Pence to say he’s a devout Christian man is completely contradictory. If he’s okay with what’s being said about people and Americans and foreigners and about different countries that are being called ‘shitholes,’ I think he should really go to church.”
Rippon further claimed that, should be invited to the White House for a post-Olympic reception, he would reject any such invitation.

    “I won’t go because I don’t think somebody like me would be welcome there. I know what it’s like to go into a room and feel like you’re not wanted there,” he explained. “If I talked to people the way that President Trump talks to people, my mom would kick my ass.”

Pence, the fierce conservative and virulent homophobe, has been outspoken in his opposition to gay rights. He signed Indiana’s Religious Freedom Restoration Act into law, allowing businesses to discriminate against LGBT customers for religious purposes. He has signaled support for the decidedly inhumane practice known as conversion therapy, has voted to define marriage as only between a man and a woman, and has claimed that LGBT military service amounts to “social experimentation.” […]