Montag, 8. Januar 2018

We are losers, baby

Der Scientologe „Beck“, 47, wird gern als größtes amerikanisches Songschreiber-Genie seit Bob Dylan bezeichnet und in der Tat hat der Enkel des Fluxus-Gottes Al Hansen einige echte Ohrwürmer produziert.
1993 sah ich ihn in der Hamburger „Großen Freiheit 36“ in einem unvergesslichen Konzert, habe „Loser“ seitdem stets im Kopf.

[…..] Soy un perdedor
I'm a loser baby, so why don't you kill me?

Forces of evil in a bozo nightmare
Ban all the music with a phoney gas chamber
'Cause one's got a weasel and the other's got a flag
One's on the pole, shove the other in a bag
With the rerun shows and the cocaine nose-job
The daytime crap of the folksinger slob
He hung himself with a guitar string
A slab of turkey-neck and it's hangin' from a pigeon wing
You can't write if you can't relate
Trade the cash for the beef for the body for the hate
And my time is a piece of wax fallin' on a termite
That's chokin' on the splinters [….]

Was Beck vor 25 Jahren besang ist heute das Motto der Groko Merkel-III.
Nachdem sich Lindi selbst ins Aus schoss, nun als AfD 2.0 völlig einflusslos im Bundestag sitzt und die Grünen ohne Not mal eben ihre Führung in die Wüste schicken, hängt alles an den großen drei Losern Martin, Angela und Horst.

Großartig; Heulsuse Schulz, der seine Partei durch grottendämliches Lavieren nun beim zweiten Umfrageinstitut unter die 20% stürzte, Missmanagement-Merkel, bei der sich Liz Mohns und Friede Springers Daumen senken, sowie der just in Bayern abservierte crazy Horst, der seine CSU auf einen nie dagewesenen Tiefstwert steuerte und sein MP-Amt aufgeben musste.
Die drei Großloser sind so tief am Boden, daß sie wirklich eine Groko hinbekommen müssen. Scheitern sie erneut, müssen sie ihre Schreibtische räumen.

Es ist aber auch gut möglich, daß die Welt sich vorher über den Abgrund stürzt, weil das stable genius nicht seine grab em-finger von seinem großen Button lassen kann. Oder weil Polen und Ungarn die EU sprengen.

Es ist dringend wie nie, daß Europa seine einzige unverhoffte Chance, nämlich Macron nutzt, um eine zukunftsfähige Agenda in Gang zu setzen.
Aber wie soll das gehen, wenn Berlin sich in kompletter Arbeitsverweigerung ergeht?

[….] Frankreich und Deutschland werden als Motor der EU bezeichnet. Doch seit Kanzlerin Merkel in Berlin nur noch geschäftsführend regiert, ist das Verhältnis aus dem Gleichgewicht. Präsident Macron will die Idee von Europa neu beleben. Doch Deutschlands Regierung ist abgetaucht.
[….] Auch wenn es nach der Strahlkraft von Bildern geht, könnte der Unterschied zwischen den Regierungen von Deutschland und Frankreich größer kaum sein. Auf der einen Seite ringen im wintergrauen Berlin Spitzenpolitiker von Union und SPD darum, ob sie es vielleicht doch noch [….] Auf der anderen Seite schreitet Frankreichs Präsident mit ernstem Blick die Reihen prächtig uniformierter Soldaten ab. Golden glänzen die Helme. Jeder Schritt Macrons - vor dem Louvre oder in Versailles - ist sorgfältig in Szene gesetzt. Prächtige Schlösser hatten auch seine Vorgänger zur Verfügung, doch Macron nutzt sie wirkungsvoll zur Inszenierung seiner Macht.
[….] Macron hat ambitionierte Ideen für Europa - ein gemeinsames Budget für die Eurozone und ein gemeinsamer europäischer Finanzminister etwa. Macron will ein souveräneres, geeinteres, demokratischeres Europa. Sein Vorstoß kommt zu einer Zeit, in der die EU vor Problemen steht. Wie werden zum Beispiel Flüchtlinge zwischen den Mitgliedsstaaten gerecht verteilt? [….]  Und Deutschland kann sich nicht festlegen, weil die Regierungsbildung nicht abgeschlossen und die derzeitige Bundesregierung nur geschäftsführend im Amt ist.
[….] Mit Macron sind wieder Prunk und Glorie in die französische Politik eingezogen. Er mobilisiert und fasziniert die Massen. Er liebt die ganz große Geste und den ganz großen Entwurf. Der Mann hat Visionen. [….] Doch Deutschland hat sich vorerst aus der Europa-Politik abgemeldet.[….]  Bis heute enthalte sich Berlin, wenn es um Entscheidungen auf EU-Ebene gehe, so Özdemir, "aber es kann doch kein Dauerzustand sein, dass die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt innerhalb der Europäischen Union vor allem durch Enthaltungen auffällt. Es ist Zeit, dass Berlin handlungsfähig wird." […..]

Das Verrückte ist, daß Schulz, Seehofer und Merkel, die alle am Ende ihrer Karrieren und über 60 sind, gar nicht mehr hasenfüßig sein müßten.
Mit ihrem Mimimimi-Kurs haben sie sich ohnehin schon in den Demoskopiekeller manövriert.
Ihre einzige Chance besteht darin ihre zutiefst demoralisierten Anhänger mit unglaublich mutigen Schritten zu überraschen und Reformen anzustoßen, die ihnen niemand mehr zutraut.
Was haben  sie schon zu verlieren?

[….] Das Land braucht furiose neue Politik
CDU, CSU und SPD gehen verschlafen und kleinmütig in die Sondierungsgespräche. [….] Alle drei Parteien haben bei der Bundestagswahl verloren; alle drei Parteien beteuern daher, dass "man" nicht "weiter so" machen könne. Das ist der gemeinsame Nenner von CDU, CSU und SPD. Aber diese Gemeinsamkeit erschöpft sich in der rhetorischen Formel; und das "man" meint dabei die jeweils anderen. Bisher jedenfalls machen CDU, CSU und SPD so weiter wie bisher.
[….]  Die Merkel-CDU hält sich ruhig; sie verhält sich so, als sei es insgeheim selbstverständlich, dass es wieder zur großen Koalition kommt. Aber das vermeintlich Selbstverständliche ist nicht so selbstverständlich. Man muss dafür etwas tun; wenn Merkel etwas tut, dann im tiefen Hintergrund. [….]
 die SPD: Sie würgt an ihrer voreiligen Ankündigung, nicht in eine große Koalition zu gehen. Und der Parteivorsitzende Schulz würgt zusätzlich an seinem Wahlkampfversprechen, dass er niemals als Minister unter Merkel in ein Kabinett eintreten werde. Schulz hat also die Wahl, auch sein persönliches Versprechen zu brechen, um dann Vizekanzler zu werden - oder aber einen Vizekanzler namens Gabriel neben sich zu haben.
[….] Die Geschichte von CDU, CSU und SPD seit der Wahl erinnert an die Legende vom chinesischen Henker, bei der der Delinquent nach dem scharfen Schwertstreich den Ernst der Lage nicht erkennt. Der Henker sagt dann nur: "Nicken Sie mal." Das "Nicken Sie mal" ins Politische gewendet heißt "Wacht auf!" [….]

SPD, CDU und CSU zeigen sich aber in einem nie dagewesenen Maß beratungsresistent.
Sie agieren im Tranquilizer-Modus, scheinen sich mit Valium für die Verhandlungen zu wappnen.

Der große Durchbruch von heute spricht Bände.
Die Loser wagen es nicht nur nicht neue Ziele zu postulieren, sondern geben auch noch die Ziele von gestern auf.
Während Nationen wie England und insbesondere China mutig beim Klimaschutz vorangehen, hissen unsere Omen und Open der mutmaßlich nächsten Groko schon einmal die Weiße Flagge.
Den Klimaschutz geben sie schon auf, bevor sie überhaupt in Koalitionsverhandlungen eintreten.

[….] Union und SPD wollen Klimaschutzziel aufgeben
Es war einer der Jamaika-Knackpunkte - nun haben Union und SPD das deutsche Klimaschutzziel gleich zu Beginn der Koalitionsgespräche gekippt. [….][….] "Das kurzfristige Ziel für 2020 wird aus heutiger Sicht nicht mehr erreicht werden", heißt es laut RND in dem Papier. Es sei eine aus Bundesmitteln finanzierte Kommission geplant, die einen Aktionsplan zum schrittweisen Ausstieg aus der Kohleverstromung erarbeiten solle. Auf diese Kommission hatte sich die Große Koalition bereits nach langem Hin und Her im November 2016 geeinigt, als Teil des Klimaschutzplans 2050.
[….] Offiziell hält Deutschland bis heute an dem Vorhaben fest, seinen Kohlendioxid-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 zu reduzieren. Allerdings ist schon seit Längerem absehbar, dass diese Zielmarke kaum erreichbar ist. [….]
Grüne und Linke haben die mögliche Abkehr vom deutschen Klimaschutzziel für 2020 heftig kritisiert. Die Zielmarke werde "zum ersten Opfer" einer erneuten großen Koalition, das sei "unfassbar verantwortungslos", twitterte Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt. [….] CDU-Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte erst im September im Wahlkampf in einer TV-Debatte zugesichert, dass Deutschland das Klimaschutzziel 2020 schaffen werde. "Wir werden Wege finden, wie wir bis 2020 unser 40-Prozent-Ziel einhalten. Das verspreche ich Ihnen", sagte sie damals. […..]

Kann man sich nicht ausdenken….

Soy un perdedor
I'm a loser baby, so why don't you kill me?
Soy un perdedor
I'm a loser baby, so why don't you kill me?