Samstag, 27. Januar 2018

Knast-Wahn.

Meine mangelnde christliche Prägung hat zur Folge, daß ich kaum in den Kategorien Strafe, Rache und Schadenfreude denke.
Bestrafte, eingesperrte, gefolterte Menschen tun mir immer Leid; ich kann nie Genugtuung dabei empfinden, weil sie es verdient haben.
Ich sehe Gefängnisse als generelles Übel, das noch mehr Kriminalität produziert.
In Norwegen gibt es Experimente mit sehr viel freieren Bestrafungsformen, die dazu führen, daß es deutlich geringere Rückfallquoten gibt. Ich wünschte, das könnte man generell einführen. Bastøy für alle Knastis!


[…..] Bastøy prison is the largest low-security prison in Norway. The prison is located at Bastøy island in the Oslo Fiord, belonging to Horten municipality. The prison uses the whole island, but the northern part with the beach Nordbukta is defined as open to the public.
The prison is organized as a small island community with about 80 buildings, roads, beach zones, cultural landscape, football field, agricultural land and forest.
In addition to the prison functions, there is a shop, library, information office, health services, church, school, NAV (government social services), dock, ferry service (with its own shipping agency) and a lighthouse with facilities to let for smaller meetings and seminars. [….]


Unglücklicherweise gibt es Menschen, die so gefährlich sind, daß sie eingesperrt werden müssen, um andere vor ihnen zu schützen.
Ich bin nicht so naiv zu glauben, daß es immer ohne Mauer und Zellen geht.

(….) Natürlich ärgert es mich als Liberalen (nicht im FDP-Sinne!), wenn rechte Parteien tragische Vorkommnisse ausnutzen, um sich als tatkräftig zu inszenieren, indem sie höhere Strafen und schärfere Gesetze fordern.
Das ist so billig und durchschaubar.
Das tut man wenn das Kind im Brunnen ist.
Schärfere Gesetze kosten nichts und lenken davon ab, daß die aktiven Politiker offensichtlich bei der Prävention versagt haben.
Ganz ohne Strafgesetzbuch und Jugendknäste geht es leider nicht.
Aber ich erwarte, daß Politiker nicht wie 2001 CDU und Schillpartei in Hamburg dafür gewählt werden mehr Jugendliche einzusperren, sondern wünsche mir Bildungs-, Sozial- und Justizpolitik, die verhindert, daß Jugendliche überhaupt auf die schiefe Bahn geraten.
Nach „schärferen Gesetzen“ zu krakeelen, ist ein Armutszeugnis und zu allem Übel wird das auch noch vom Wähler belohnt.

Mein persönlicher Liberalismus gebietet es Freiheiten nur dort einzuschränken, wo sie Dritte gefährden.
Waffen müssen für den Privatgebrauch verboten sein, weil man mit Waffen andere verletzt. Man darf nicht mit drei Promille Autofahren, weil man sich damit nicht nur selbst umbringt, sondern andere gefährdet. (…….)
(Das gehört verboten, 03.01.2018)

Es wäre aber für alle Beteiligten besser und billiger, wenn man viel weniger Menschen einsperren würde.

OK, so gestört wie die Amis (330 Millionen Menschen) sind die Deutschen nicht.
In Amerika sitzen etwa 2,3 Millionen Menschen im Knast. Mehr als ein Prozent der erwachsenen Bevölkerung, während Deutschland bei 82 Millionen auf gerade mal 80.000 Gefangene kommt. Die amerikanische Gefangenenrate (Gefangene pro 100.000 Einwohner) von knapp 700 ist nach den kaum vergleichbaren Seychellen die mit Abstand höchste der Welt.


Aber auch die deutsche Gefangenenrate von ~ 70 ist absurd hoch, wenn man an all die auf Abschiebung Wartenden, die psychisch Kranken und die in Beschaffungskriminalität verstrickten Menschen denkt, die eigentlich in einem geschlossen Knast nichts zu suchen haben.

Damit aber nicht genug – Deutschland gibt mehrere hundert Millionen Euro jährlich für die sogenannten „Ersatzfreiheitsstrafen“ aus.
Also Menschen, die wegen geringer Vergehen zu Geldstrafen verurteilt sind, diese aber nicht zahlen können und daher ersatzweise im Knast schmoren – im Extremfall wegen Falschparkens und Schwarzfahrens.

[….] Um in Deutschland ins Gefängnis zu kommen, muss man kein besonders schweres Verbrechen begehen. Es reicht, ein paar Mal mit dem Zug von Berlin nach Nordrhein-Westfalen zu fahren. Ohne Ticket. Wie der 58-jährige Obdachlose, der das Grab seiner Frau besuchen wollte. Weil er dabei nie eine Fahrkarte löste, kam er vor Gericht und wurde zu 16 Monaten Haft verurteilt. Oder der 29-Jährige, der mehrmals in Düsseldorf unterwegs war, ohne zu bezahlen: 247 Tage Freiheitsstrafe. Oder ein 35-jähriger Pole: Bei einer Polizeikontrolle erfuhr er, dass er per Haftbefehl gesucht wurde. Weil er schwarzgefahren war und die Strafe nicht bezahlt hatte.
Anfang des Jahres brachen neun Gefangene auf spektakuläre Weise aus der Berliner Justizvollzugsanstalt Plötzensee aus. Fünf von ihnen waren dort wegen Ersatzfreiheitsstrafen gelandet, unter anderem, weil sie ohne Fahrkarte unterwegs gewesen waren. Ist Schwarzfahren wirklich ein derart großes Problem für die Gesellschaft, dass Menschen dafür ins Gefängnis müssen? Ist das verhältnismäßig? [….]

[….] „Acht Monate Haft wegen Schwarzfahrens. Das ist kein Witz, das kommt vor in Deutschland, und das sogar immer häufiger. Wer in Deutschland eine Geldstrafe nicht bezahlen kann, dem droht nämlich Gefängnis. Jeder zehnte Gefangene sitzt mittlerweile wegen einer solchen Ersatzfreiheitsstrafe im Knast, zum Beispiel weil er ohne Führerschein unterwegs war oder weil er eben schwarzgefahren ist. Für die Betroffenen ist das eine Katastrophe, die den Staat zudem jährlich auch noch Hunderte Millionen kostet. Dabei sind viele Gefängnisse ohnehin völlig überfüllt, und Personal fehlt an allen Ecken und Enden. Ralph Hötte über eine der wohl absurdesten Vorschriften im deutschen Strafrecht.“ […..]